Das verlorene Happy End

OneshotFamilie, Schmerz/Trost / P12 Slash
Böse Königin / Regina Mills
20.08.2019
20.08.2019
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Das verlorene Happy End



Nicht eine Wolke war am Himmel zu sehen und die Sonne strahlte so hell, dass es Regina vorkam, als wolle das Wetter sie verspotten. Der Wald schillerte in allen Grüntönen, die er aufbringen konnte und das Wasser, von dem das Schloss der Charmings umgeben war, strahlte leuchtend blau. Für gewöhnlich genoss sie den Ausblick, den sie von ihrem Balkon aus hatte, doch nicht heute. Nichts und niemand vermochte es heute, ihre Laune zu heben, denn heute hatte ihr Sohn Geburtstag und sie konnte nicht bei ihm sein. Es war das erste Mal, dass sie zu diesem besonderen Tag nicht bei ihm sein konnte und es zerriss sie innerlich. Ein halbes Jahr war es nun her, dass sie ihm Lebe wohl gewünscht hatte und es fühlte sich noch immer so an, als wäre es gestern gewesen. Unentwegt fragte sie sich, wie es ihm ging, wo er war, was er gerade tat … Das Einzige, was sie mit Sicherheit wusste war, dass er nicht unter ihrer Trennung litt. Wie konnte er auch, wenn er sich nicht einmal an sie erinnerte?

Sie wusste nicht, ob der Gedanke sie tröstete oder ob er es nur schlimmer machte. Die Hauptsache war, dass er glücklich war. Wo immer er war, er sollte sein Leben genießen und keinen Gedanken mehr an böse Hexen und Flüche verschwenden. Mehrmals hatte Regina sich gefragt, wohin Emma mit Henry gefahren war, nachdem sie die Stadtgrenze von Storybrooke überfahren hatten, um dem Fluch zu entkommen. Waren sie nach Boston gefahren, wo Emma noch immer ihr Appartement hatte oder hatte es sie woanders hin verschlagen? Sie hatte versucht, es in ihren Spiegeln zu sehen, doch ihre Magie reichte nicht, um in ein Land ohne Magie vorzudringen. Es hielt sie trotzdem nicht davon ab, es hin und wieder zu versuchen.

Regina seufzte, als ihr Augenmerk an der Küste entlangglitt und schließlich an einem einsamen Schwan hängenblieb. Er war beinahe jeden Tag da. Als wolle er sie daran erinnern, was sie verloren hatte. Als ob sie eine Erinnerung bräuchte …

Nach Daniel hätte sie nie gedacht, dass sie sich noch einmal verlieben könnte. Erst recht nicht in jene Frau, die dazu bestimmt gewesen war, ihren Fluch zu brechen. Doch nun war sie dankbar, dass Henry seine leibliche Mutter aufgespürt und sie nach Storybrooke geholt hatte. So sehr sie versucht hatte, Emma zu hassen, so kläglich war sie gescheitert. Egal, was sie versucht hatte, sie wieder loszuwerden, nichts hatte geholfen. Nicht einmal Gift, noch die Tatsache, dass sie es mit der Bösen Königin zu tun hatte. Emma hatte sie herausgefordert und sich nicht klein kriegen lassen. Und genau damit hatte sie sich ihren Weg in ihr Herz geschlichen. Emma liebte Henry genauso, wie sie es tat und stand sogar dann noch auf ihrer Seite, wenn es kein anderer mehr tat. Emma gehen zu lassen, war genauso schwer gewesen, wie Henry ziehen zu lassen. Ihr einziger Trost war, dass die beiden zusammen waren und ein neues Leben beginnen konnten. Mit den Erinnerungen, die sie den beiden mitgegeben hatte, war es so, als hätte Emma ihn nie zur Adoption freigegeben. Ein neuer Fluch hatte sie auseinander gerissen, doch für Emma und Henry bedeutete das, dass sie nie getrennt worden waren. Ihr altes Leben war durch ein neues ersetzt worden. Sie hatte es Emma versprochen, als sie sich an der Stadtgrenze für immer verabschiedet hatten. Es war das Einzige gewesen, was sie den beiden hatte mitgeben können. Sie bereute nur, dass sie nicht den Mut gehabt hatte, Emma zu sagen, dass sie sie liebte. Doch was hätte ihr das gebracht? Emma hätte sich sowieso nicht daran erinnern können.

Regina beobachtete, wie der Schwan sich etwas mühsam in die Luft erhob, um ein anderes Gewässer zu finden. „Happy Birthday, Henry.“

Sie hatte nichts, was sie an die beiden erinnerte. Kein Foto, kein Schmuckstück … nichts. Alles, was sie hatte, waren ihre Erinnerungen an die beiden. Irgendjemand hatte einmal gesagt: Mensch zu sein heißt, eine Sammlung von Erinnerungen zu haben, die einem sagen, wer man ist und wie man zu dem geworden ist. Doch wer war sie? Das verzweifelte Mädchen, das neben ihrem toten Liebsten im Heu kniete? Die rachsüchtige Frau, die zu spät gesehen hatte, dass auch für sie ein Happy End möglich gewesen wäre? Die liebende Mutter, die sich nach nichts mehr sehnte, als ihren Sohn wieder bei sich zu haben? Oder war sie doch nur die, als die alle anderen sie sahen: die Böse Königin, die kein Happy End verdiente?

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Mein Beitrag zu dem Projekt Alles, was bleibt

Das Zitat ist von Rosecrans Baldwin.
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