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Was das Aufpassen betrifft…

OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Aomine Daiki Midorima Shintarō Takao Kazunari
20.08.2019
20.08.2019
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Vielen Dank, dass Du Dich für diese Geschichte entschieden hast. Möge sie Dich unterhalten und zu Fanfictions, Fan-Arts und Tagträumen inspirieren.
Ich begrüße besonders herzlich all jene Leser, denen meine anderen Geschichten bereits gefallen haben. Vielen Dank für den regen Zuspruch!
Natürlich seien auch alle Neueinsteiger aufs Herzlichste begrüßt!

Hinweis:
Die auftretenden Charaktere gehören nicht mir, sondern Fujimaki Tadatoshi, ich habe sie mir nur ausgeliehen und für meine Zwecke missbraucht. Ich verdiene mit dieser Fanfiction kein Geld.
Ähnlichkeiten zu sonstigen realen sowie fiktiven Personen oder Vorkommnissen sind zufällig. Das Kopieren und Verbreiten dieser Fanfiction ohne Genehmigung des Autors ist untersagt.
Es handelt sich bei dieser Geschichte um reine Fantasie, deshalb sind einige Fakten aus dem Original abgeändert worden. Die Namen der auftretenden Charaktere richten sich nach der japanischen Reihenfolge, beginnend mit dem Familiennamen und gefolgt vom Eigennamen. Bei Charakteren mit demselben Familiennamen wird für den bekannteren Charakter im Erzählmodus der Familienname verwendet, während für den anderen Charakter der Eigenname verwendet wird. Teile der Geschichte können auf Anfrage gern weiter verwendet werden.

Meine Anime-Empfehlung:
Ich möchte den Anime „Shounen Maid“ empfehlen. Einzuordnen in das Genre Comedy und Familie handelt dieser Anime auf Grundlage des gleichnamigen Mangas von dem Grundschüler Komiya Chihiro, der nach dem tragischen Verlust seiner Mutter bei seinem bis dato unbekannten Onkel Madoka einzieht. Der Ordnungssinn der beiden unterscheidet sich wesentlich voneinander, sodass Chihiro bald selbst das Aufräumen in die Hand nimmt und in die Position eines Hausmädchens hineinwächst. Madoka versucht zu intervenieren, begreift aber, dass er Chihiro in seinem Tun anderweitig unterstützen kann.
Der Anime umfasst 1 Staffel zu 12 Episoden plus 1 OVA.
Wer sich gern von einem schlagfertigen Jungen den Hausputz und ein bisschen das Leben aus Sicht eines Kindes erklären lassen möchte, ist bei „Shounen Maid“ genau richtig.



Was das Aufpassen betrifft…


Midorima Shintaro würde alles abstreiten, was man ihm vorwarf.
Dass er einen Sprachfehler hatte. Dass er nicht richtig tickte. Dass er sich total gut mit Takao verstand. Dass er Kuroko eigentlich gernhatte. Dass er ein Tsundere war. Dass er gegen Kagami verloren hatte. Dass er Akashi bewunderte. Dass er sich liebend gern mit Murasakibara zoffte. Dass er sich für seine ehemaligen Teamkameraden interessierte, die wie er selbst zur Kiseki no Sedai gehörten. Dass er Talent hatte, ohne dafür trainieren zu müssen.
Dass er es vermisste, mit diesen anderen Basketballmonstern seine Freizeit zu verbringen. Dass er deswegen zu jedem ihrer Spiele ging. Alles gar nicht wahr! Das würde er jedenfalls immer felsenfest behaupten.
Nachdem Kaijou High sich hervorragend im Spiel gegen Touou Gakuen geschlagen hatte, obwohl Kises Mannschaft verlor, strebte Midorima mit Takao im Schlepptau zu den Umkleidekabinen im hinteren Teil des Stadions. Dort herrschte eine ausgelassene Stimmung, zumindest bei den Spielern von Touou, die sich über ihren Sieg freuten, wenngleich es von Anfang an irgendwie festgestanden hatte. Touou bekam schließlich keiner so leicht klein und es war schon immer Kaijous Übel gewesen, sich gegen sie behaupten zu müssen und zu verlieren.
Takao wusste schon lange von Midorimas Neigung, sich die Spiele der Kiseki no Sedai und ihrer neuen Mannschaften anzusehen, deshalb hatte er lässig den grünhaarigen Mann aufgegabelt, als der sich hinter der Tribüne herumgedrückt hatte. Midorima besaß kein Händchen dafür, unauffällig zu sein. Vermutlich war das eine der wenigen erstrebenswerten Fähigkeiten, die Midorima niemals erlangen würde und deshalb Kuroko darum beneidete.
Nach einiger Diskussion, bei der sich Midorima wie üblich wie ein bockiges Kleinkind benahm und Tatsachen abwies, ließ er sich von Takao zu den Umkleideräumen dirigieren. Midorima mochte Takaos Art nicht, mit jedem Fremden schnell Bekanntschaft zu schließen, aber vielleicht war das auch so etwas, das er gern können würde. Midorima war ein Mann, der seine eigenen Schwächen nur allzu deutlich vor Augen hatte.
Takao schien ein Auge auf Sakurai Ryou geworfen zu haben, ein unscheinbarer, hellhaariger Wurm, der mäßig gut Basketball spielte. Midorima rümpfte die Nase und schloss die Augen, während er neben seinem Klassenkameraden stand und sich fragte, wie er hier nur wieder gelandet war. Das war alles Takaos Schuld…!
Als endlich die Tür aufschwang, reckte Takao neugierig den Hals, um einen Blick auf die lachende Gruppe zu werfen, die sich unbehelligt an ihnen vorbeischob. Geknickt ließ Takao den Kopf hängen.
„Meine Güte“, spottete Midorima und verschränkte die Arme vor der Brust. „Er wird noch nicht mit dem Umziehen fertig sein, nanodayo.“
„Wer denn?“, ertönte da plötzlich eine gelangweilte Stimme.
Erschrocken blickten die beiden Shuutoku-Spieler den groß gewachsenen und starken Aomine Daiki an; der Mann mit den dunkelblauen Haaren und dem sonnengebräunten Teint überragte sie beide. Hinter ihm tauchte ein kleiner Kopf mit hellem Schopf auf und spähte an Aomines Oberarm vorbei.
„Ah! Sakurai Ryou!“, rief Takao und alle Anwesenden zuckten zusammen – außer Aomine.
„Ähm“, machte Sakurai verunsichert.
Weiter kam er nicht, denn schon wurde er von Takao in Beschlag genommen und zugetextet. Midorima verdrehte entnervt die Augen und streifte dabei flüchtig Aomines Blick. Er erstarrte und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Dann blinzelte er und stellte fest, dass sein ehemaliger Teamkollege gerade ein sehr merkwürdiges Gesicht machte. Midorima überlief ein Schaudern und seine vor der Brust verschränkten Arme zitterten unter der Anspannung. Offensichtlich hatte er auch kurzzeitig vergessen, wie man atmete.
Takao redete und redete und ließ Sakurai überhaupt nicht zu Wort kommen, der ihn skeptisch musterte, als fragte er sich, ob dieser Idiot noch alle Tassen im Schrank hatte! Midorima hätte ihm sicher im Stillen zugestimmt, allerdings war er ein wenig von Aomines Anwesenheit abgelenkt. Irgendwie schien der Grünhaarige in Stein gemeißelt zu sein; er konnte sich nicht einmal rühren!
Aomine ignorierte Takaos Gequatsche und wandte sich direkt an Steinstatue Midorima.
„Hoi, habt ihr zufällig mitgekriegt, wo meine Mannschaft hinwollte?“, fragte er und brachte damit endlich Takao zum Schweigen.
„Tut mir leid“, antwortete Takao, als Midorima stumm blieb, und zuckte mit den Schultern. „Wieso weißt du das nicht?“
„Ich war nicht dabei, als sie Pläne gemacht haben – oder auch nicht, ist aber auch egal, dann gehe ich nach Hause“, brummelte Aomine vor sich hin und trottete an ihnen vorbei.
Doch als er auf Midorimas Höhe ankam, zögerte er kurz und sah den Shuutoku-Shooting-Guard direkt an.
„Hallo, Midorima“, sagte er.
Auf eine Antwort oder sichtbare Reaktion hätte er wohl ewig warten können, wenn Takao seinen Partner nicht angestupst und damit aus tiefsten Gedanken oder sonstigen Abgründen gerissen hätte. Ein merkliches Rucken ging durch Midorimas Körper, aber selbst dann brachte er kein Wort heraus und er nickte Aomine nur stumm zu. Damit gab sich das Ass wohl zufrieden, denn er kehrte ihnen den Rücken zu und verließ das Stadion, während Midorima zartrosa anlief. Was in aller Welt war das denn gerade?!
„Ach, mach dir nichts draus, Shin-chan“, meinte Takao leichthin. „Ihr kennt euch doch schon so lange, sicher hat er dich schon mal so tief in Gedanken erlebt. Wegen solcher Kleinigkeiten macht Aomine garantiert kein Fass auf!“
„Eh? Ah... Ja, da hast du wohl Recht“, antwortete Midorima zerstreut.
Ihm ging etwas völlig anderes und noch viel Befremdlicheres durch den Kopf als der Gedanke, dass Aomine wegen eines unerwiderten Grußes böse werden könnte.

Nachdem Midorima seine kleine Schwester Karen vom Kindergarten abgeholt hatte, standen sie nun beide an der Ampel, die ihnen unübersehbar mit rotem Licht verkündete, dass die breite und vielbefahrene Straße unter keinen Umständen zu überqueren wäre. Zumindest wäre es ungünstig, dies jetzt zu versuchen, sofern man an seinem Leben hing. Autos und LKWs und Busse rasten vorbei, sogar Motorräder. Karen hielt sich brav wie immer an Midorimas rechter Hand fest, während ihr großer Bruder nach links schaute und nicht mehr mit seinen Augen sah.
In seinem Kopf herrschte das pure Chaos, das erst einmal beseitigt werden musste, doch er wusste nicht, wo er damit anfangen sollte. Ganz ruhig, tief durchatmen und ganz gelassen bleiben, dann am Anfang anfangen. Aber wo war der Anfang? Dass es so aus heiterem Himmel passierte, daran glaubte Midorima nicht. Das Schicksal kam vielleicht unerwartet, aber nicht SO unerwartet. Also, wie war das? Als er mit Takao hinuntergegangen war von den Tribünen zu den Umkleiden, da... Hatte er es da schon gespürt? Das Zittern in seinen Beinen? Seinen beschleunigten Puls? Seine schwitzigen Hände? Beim Grübeln legte er die rechte Hand an sein Kinn und tippte mit dem Zeigefinger darauf. Er erinnerte sich nicht so richtig... Aber es war definitiv da gewesen, als...
„VORSICHT!“, schrie jemand und quietschende Reifen schreckten Midorima aus seinem gedanklichen Wirrwarr.
Er schaute sich nach dem Geräusche-Herd um, als ihm siedend heiß etwas einfiel – und heftige Übelkeit stieg in ihm auf, als er seinen Blick nach rechts wandte und seine kleine Schwester nicht vorfand. Wie konnte er...? Panisch richtete er seinen Blick auf die Straße in der Hoffnung... Ja, in der Hoffnung, sie lebendig irgendwo herumspringen zu sehen! Aber da war nichts Grünes... Oder doch?
Aus den Augenwinkeln bemerkte Midorima, wie etwas Großes, Dunkles an ihm vorbeischoss und auf die Straße hetzte, sich auf den kleinen grünen Fleck stürzte, der da tatsächlich war, und dann – dann rauschten hupend Autos vorbei und raubten Midorima die Sicht.
Wie versteinert stand Midorima da, unfähig zu einem Gedanken oder einer Tat. Endlich leuchtete die Ampel grün auf und er sauste über die breite Straße, auf der es nun vor lauter Passanten wimmelte. Fahrig wirbelte sein Blick über alles, was auf der Straße lag, und erkannte, dass „sie“ – wer auch immer das sein mochte – es auf den sicheren Rasenstreifen auf der anderen Seite geschafft hatten. Starr vor Schreck, weil sich das Häufchen nicht rührte, hielt Midorima kurz inne, rannte dann aber weiter und kniete sich vorsichtig dazu. Er schlug entsetzt die Hand vor den Mund.
Es war Aomine. Er lag mit geschlossenen Augen auf dem Rücken und hielt Karen in seinen Armen, die fast darin ertrank und kaum zu sehen war. Erleichterung durchströmte Midorima, als seine Schwester sich bewegte, und er zerrte sie an sich, drückte sie, umarmte sie, küsste ihr grünes Haar – und schimpfte mit ihr.
„Karen, ist alles in Ordnung? Verdammt noch mal, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du unter GAR KEINEN Umständen bei ROT über die Straße laufen darfst?!“
Midorima war wahnsinnig sauer auf sich selbst und gleichzeitig wahnsinnig froh, dass ihr nichts passiert war, sodass er kaum hörte, wie sie sich stammelnd entschuldigte und irgendwas faselte von einem Schmetterling, dem sie gefolgt war... Midorima kniff seine Augen zu, um seine Tränen zu verbergen. Seine tiefe Zuneigung hatte ihm diesen Kummer bereitet und die Sorge um seine Schwester. Doch sie war in Ordnung und sie lebte, das war alles, was zählte.
Ächzend setzte Aomine sich auf und rieb sich seinen Hinterkopf. Midorima zuckte zusammen, als er es hörte, und schlug seine Augen auf. Ach ja, da war noch was! Zögernd ließ Midorima seine Schwester los, die sich an seinen linken Arm klammerte, und erhob sich. Da Aomine Anstalten machte aufzustehen, hielt Midorima ihm seine rechte Hand hin. Seine Haut prickelte, als Aomine ihn ansah.
„Du bist verletzt. Komm, ich verarzte dich bei mir“, sagte Midorima und wunderte sich, dass seine Stimme nicht zitterte.
Aomine schlug die ihm dargebotene helfende Hand weg, griff nach seiner Jacke am Boden und stand auf, wenngleich Midorima beobachtete, wie er schmerzverzerrt das Gesicht verzog. Seine Ellbogen zierten wunderschöne Schürfwunden, aus denen Blut hervorsickerte, und Midorima könnte schwören, dass sein kräftiger Rücken zumindest gerötet war. Bevor Aomine die Gelegenheit zur Flucht ergriff, packte Midorima ihn unnachgiebig am Ärmel seines Shirts und zog das sich sträubende Ass sowie seine kleine Schwester mit sich.
Schweigend marschierte die Gruppe zum Haus der Familie Midorima. Dort drückte Midorima Aomine entschlossen auf einen Küchenstuhl und während er den Erste-Hilfe-Kasten und andere Utensilien zur ärztlichen Versorgung zusammensuchte, lieferten sich Aomine und Karen ein stummes Blick-Duell.
„Vielen Dank, dass du mich gerettet hast, O-nii-san“, sagte das Mädchen schließlich schüchtern und verbeugte sich vor ihm.
Aomine musste lächeln und tätschelte ihr den kleinen grünen Kopf.
„Keine Ursache. Aber du solltest lieber auf deinen Bruder hören. Und pass in Zukunft besser auf, versprich mir das, ja?“, sagte er.
Karen nickte und lächelte und hüpfte dann aus der Küche, in die Midorima eintrat. Wortlos nahm er mit einer Pinzette einen getränkten Wattebausch auf, packte Aomines linkes Handgelenk und hob den Arm hoch, sodass Midorima die Blessur am Ellbogen optimal desinfizieren konnte. Aomine biss die Zähne zusammen, als der stechende Schmerz durch seinen Körper pulsierte.
Midorima ließ es sich nicht anmerken, aber dort, wo er Aomine mit seinen schlanken Fingern berührte, wurde es heißer und sein eigener Herzschlag beschleunigte sich unter Aomines stillem Blick, der auf ihm ruhte. Verlegen wandte Midorima sein Gesicht ab und hoffte inständig, es möge nicht allzu sehr brennen vor Röte. Er kannte dieses Gefühl nicht, nicht mal in einem winzigen Stadium der Vorstufe, deshalb gefiel es ihm nicht und auch, weil er nichts dagegen tun konnte, dass er es spürte... Diese Hitze, dieses Flattern, dieses kalte Schaudern...
Nach der Desinfektion klebte Midorima ein Pflaster auf die gesäuberte Wunde und wiederholte die Prozedur bei Aomines rechtem Arm mit einem frischen Wattebausch. Wenn er jetzt darüber nachdachte, ob Aomines Augen unterschiedlich aussahen, was sie bestimmt taten bei all den verzerrten Blicken, die er dauernd präsentierte, wenn er etwas nicht kapierte... Nicht ablenken lassen! Sonst konnte Midorima sich auf gar nichts mehr konzentrieren.
Als er auch damit fertig war, überlegte er, ob er Aomine um die Freilegung seines Rückens bitten sollte, aber dann hätte er wahrscheinlich geleuchtet vor Scham, also beließ er es bei der Frage:
„Was ist mit deinem Rücken? Hast du sonst noch irgendwo Schmerzen oder Verletzungen?“
Aomine sah ihn nur ausdruckslos an und schüttelte dann den Kopf, dabei stand er auf.
„Danke, dass du meiner Schwester das Leben gerettet hast, Aomine“, sagte Midorima leise und hätte damit auch den Küchentisch meinen können, den er anstarrte.
„Dafür bist du mir was schuldig“, antwortete Aomine mit seiner üblichen trägen Stimme.
„Gewiss“, sagte Midorima und nickte.
Er räumte den Erste-Hilfe-Kasten wieder ein und brachte Aomine zur Tür.
„Entschuldige bitte die Unannehmlichkeiten, die dir durch diesen Vorfall entstanden sind“, bat Midorima noch einmal um Verzeihung. „Sicherlich wird dich die Verletzung eine Weile beim Training einschränken. Tut mir leid.“
Aomine drehte sich vor der Haustür zu Midorima um.
„Nun, dann ist hier mein Vorschlag, wie du dich revanchieren kannst“, sagte er. „Lass mich die nächste Woche lang deine Schwester vom Kindergarten abholen und hierher nach Hause bringen. Dann kannst du länger bei deinem Training bleiben.“
Midorima zuckte leicht zusammen und sah Aomine an. Woher wusste er das? Woher wusste Aomine, dass Midorima in letzter Zeit häufig anstelle seiner vielbeschäftigten Eltern seine kleine Schwester abholte und deshalb kaum mehr Zeit für sein geliebtes Basketballtraining hatte? Bereits in der Mittelschule war Midorima derjenige gewesen, der das Trainieren besonders ernst nahm, fast noch ernster als Kuroko. Aber wieso wusste Aomine davon? Midorima hatte noch nicht einmal Takao oder dem Mannschaftskapitän oder dem Coach den Grund für seine verkürzte oder ausbleibende Anwesenheit mitgeteilt!
„Das nennst du eine Wiedergutmachung? So hab ja nur ich was davon!“, ereiferte sich Midorima und schob sich die Brille zurecht.
„Wir werden sehen...“, erwiderte Aomine stur. „Ich werde auf Karen-chan aufpassen, bis du vom Training zurück bist. Oder bis deine Eltern kommen. Was sagst du?“
Er ließ einfach nicht locker. Um weiterem Ärger und zusätzlichen Peinlichkeiten vorzubeugen, wobei Midorima nicht eine Sekunde lang die Frage in den Sinn kam, warum Aomine derartig versessen darauf war, willigte Midorima in die Abmachung ein. Er hatte schließlich noch den ganzen Sonntag Zeit, darüber nachzugrübeln, was das Touou-Ass damit beabsichtigte oder erreichen wollte.
„Pass gut auf dich auf bei deinem Heimweg“, verabschiedete Midorima sich.
Erneut wandte sich Aomine um, der schon einen Fuß auf die erste Treppenstufe gesetzt hatte, diesmal jedoch überraschend schnell – da lagen seine Lippen plötzlich auf Midorimas Mund. Bevor der Shuutoku-Shooting-Guard begriff, was hier passierte, hatte Aomine sich von ihm gelöst und war davongegangen, die Hände tief in seinen Jackentaschen vergraben. Es schien, als hätte Midorima noch ein anderes Problem, über das er sich den Kopf zerbrechen musste...

Mit einem mulmigen Gefühl, das den ganzen nächsten Tag über angehalten hatte und sich zum Abend hin steigerte, kehrte Midorima nach einem ausgiebigen Basketballtraining nach Hause zurück. Wenn er daran dachte, dass er gleich Aomine treffen würde... Kühl strich eine Gänsehaut über seine Oberarme. Das war doch nicht zu fassen! Wieso vereinnahmten ihn plötzlich die Gedanken an Aomine so sehr? Und warum freute es ihn, machte ihm aber gleichzeitig eine Heidenangst?
Als er die Haustür öffnete, hörte er leises Kichern aus dem Wohnzimmer. Die beiden schienen sich ja prächtig zu verstehen! Eilig streifte Midorima seine Schuhe ab und schaute neugierig in den Raum. Was sich ihm dort bot, ließ kurz sein Herz aussetzen: Offenbar hatte Karen am Wohnzimmertisch gesessen und Bilder gemalt, doch sowohl die als auch die Stifte waren vergessen, denn sie schmuste gerade wie ein junges Kätzchen mit der Nase an Aomines Gesicht. Zufrieden lächelnd hatte der Basketballspieler die Augen geschlossen und ließ es geschehen. Midorima fiel polternd die Schultasche von der Schulter und mit seinem entsetzten Blick hätte er wahrscheinlich für jeden Horrorfilm die Hauptrolle des Opfers bekommen.
„Oh, Midorima, Okaeri“, sagte Aomine, der sich bei dem Geräusch umgewandt hatte und – wie Midorima in einem winzig kleinen Winkel seines vernebelten Gehirns registrierte – nicht mehr lächelte.
„Ta-tadaima...“, antwortete er nach gefühlten Ewigkeiten.
Karen hob eine Handvoll Zeichenpapier hoch.
„Schau mal, O-nii-chan, was ich gemalt habe!“
Sie gluckste und schaute ihren Bruder erwartungsfreudig an. Sofort schlich sich ein zärtliches Lächeln auf Midorimas Lippen.
„So? Na dann zeig mal her“, sagte er und setzte sich neben sie.
Mit wohlwollendem Interesse betrachtete er ihre Krakeleien und lobte sie, spornte sie an, weiter zu machen, und gab ihr einen Schmatz auf das Haar. Dann spürte er etwas Heißes und er sah auf – direkt in Aomines Gesicht. Dieser fixierte Midorima mit ernstem Blick; vielleicht als wäre er besorgt um Midorimas Geisteszustand. Röte kroch in Midorima hinauf und verteilte sich fleckig in seinem Gesicht, das er abwandte.
„Ich gehe dann mal“, sagte Aomine plötzlich und stand auf.
„Moment! Wir sollten noch...“, rief Midorima und Aomine drehte sich um, doch auch Karen sah ihren Bruder jetzt aufmerksam lauschend an, deshalb zog Midorima sich zurück. „Ich bringe dich zur Tür.“
„Ich auch, ich auch!“, begeisterte sich Karen und sprang an Aomines Arm, den sie herzhaft schüttelte.
„Vielen Dank, dass du auf sie aufgepasst hast, Aomine“, sagte Midorima und fühlte sich irgendwie unwohl, denn es lastete auf ihm, dass er diese Gefühle hatte und vor allem das Drängen danach verspürte, diesen Kuss zu klären.
Aomine verabschiedete sich ohne viele Worte und wuschelte durch Karens Haar mit dem Versprechen, sie morgen wieder abzuholen. Juchzend winkte Karen ihm lange hinterher.

Am Tag darauf beeilte Midorima sich ungeheuerlich nach seinem Training, doch als er zu Hause ankam, war Aomine schon weg und Midorimas Eltern anwesend, die die kleine, plärrende Karen trösten mussten. Sie hatte viel zu wenig Zeit mit ihrem „O-nii-san“ verbracht und war sehr enttäuscht. Darin stand Midorima ihr in nichts nach und er verfluchte sich selbst, dass er auf Aomines seltsames Angebot eingegangen war. Dennoch kam es nicht ganz unerwartet für ihn, denn schließlich hatte das zuverlässige Oha-Asa-Horoskop ihn vorgewarnt. Das Schicksal war eben nicht zu ändern. Dann musste die Erklärung bis morgen warten.

Doch wieder versagte das Horoskop ihm sein Glück und Midorima wurde fuchsig. Das konnte doch wohl nicht wahr sein, dass er derartig ausrastete, nur weil er Aomine mal zwei Tage lang nicht zu Gesicht bekam! Aber Karen hielt es ihm immer wieder vor Augen: Dass SIE Zeit mit ihm verbracht hatte (wenn auch zu wenig, ihrer Ansicht nach), dass SIE ihn vermisste, dass SIE traurig war, wenn er gehen musste. Midorima konnte es ihr so schrecklich gut nachfühlen...
Am dritten Abend lag er niedergeschlagen in seinem Bett und überlegte, was er tun könnte, um endlich diese Sache mit dem flüchtigen Kuss aus der Welt zu schaffen. Wahrscheinlich interpretierte er da viel zu viel hinein, aber um es mit Gleichgültigkeit abzutun, dazu war es schon zu spät. Nun beschäftigte es Midorima und zwar mehr, als es sollte! Unruhig wälzte er sich von einer Seite auf die andere, beschwor das Bild von Aomines lachendem Gesicht vor seine Augen. Sekunden später erkannte er erschüttert, was er tat, und kämpfte es nieder, nur um ein paar Augenblicke später wieder daran zu denken... Es war zum Aus-der-Haut-fahren! Er wollte Aomine so schrecklich gern sehen, mit ihm reden... reden... mhhhh...
Ohne es zu merken, waren Midorimas Hände in seine Pyjamahose geschlüpft und berührten dort etwas, das sehr sensibel auf Berührungen reagierte. Augenblicklich zog sich sein Unterleib zusammen und schrie nach mehr Zuwendung. Eigentlich wollte Midorima nicht, aber... wie könnte er sich selbst diesem unerträglichen Druck überlassen? Schlafen konnte er sowieso nicht. Es nützte alles nichts, seine Erektion musste weg. Also umfasste er sich vorsichtig, zuckte zusammen und spürte seine Härte, die ihn zu schnelleren Handbewegungen antrieb. Die Vorstellung von Aomines Anblick genügte völlig, um Midorima an die Grenze zu treiben.
Im letzten Augenblick vor seinem Höhepunkt erinnerte Midorima sich daran, wo er war und dass er seine keuchenden Laute unter allen Umständen unterdrücken musste! Hach, er hätte gar nicht erst damit anfangen sollen. Wenn seine Eltern ihm peinliche Fragen stellten, würde er das nicht überleben! Kurz bevor er kam, krallte Midorima seine rechte Hand in seinen Futon und seufzte erleichtert auf, als der Druck aus ihm herausglitt. Schöne Bescherung. Nun, dann musste er wohl sauber machen... und die Tapes erneuern...

Am nächsten Tag traf Midorima endlich Aomine wieder von Angesicht zu Angesicht. Der Shuutoku-Shooting-Guard fühlte sich so glücklich, wie Karen es lachend und strahlend vormachte. Da saß er, der braungebrannte und vielleicht am meisten gefürchtete Basketballspieler der Kiseki no Sedai… inmitten des Wohnzimmers der Familie Midorima und wirkte so… perfekt in dieser Umgebung, dass es dem Brillenträger einen Stich gab.
„Okaeri, Midorima“, begrüßte Aomine seinen ehemaligen Teamkameraden mit einem ausdruckslosen Gesicht, doch Midorima hätte schwören können, ein Lächeln dort sitzen zu sehen.
„Okaeri, O-nii-chan!“, quietschte Karen vergnügt und zupfte Aomine am Ärmel.
Tatsächlich, der Junge trug einen Pullover! Diese Entdeckung brachte Midorima aus dem Takt, denn er kannte Aomine immer nur mit Shirts und/oder Jacken. Der Pullover war nichts Besonderes, aber irgendwie fand Midorima ihn unwiderstehlich... Bei diesen Gedanken schnappte er nur noch den letzten Rest des Gesprächs zwischen Karen und Aomine auf.
„... sind wir schon fast wie ein richtiges Ehepaar, ne?“, lachte Karen.
„Ganz genau“, antwortete Aomine und lächelte.
Midorima gefror in seinen Bewegungen. Ehepaar?
Ächzend erhob sich Aomine und wandte sich zum Gehen, während Karen ihm schon wieder an den Beinen klebte.
„Bekommt die Ehefrau auch einen Kuss?“, fragte Karen mit leuchtenden Augen.
Aomine lächelte sie an und formulierte beinahe eine Antwort, da fuhr Midorima dazwischen.
„Aomine“, sagte er laut.
Wie stellte er es bloß an, dass Aomine verstand, dass Midorima mit ihm über diese Sache reden wollte? Gut, er hätte ihm eine Nachricht zukommen lassen oder ihn anrufen können, aber – das war ihm irgendwie nicht in den Sinn gekommen. Verlegen knetete der Grünling seine Finger vor dem Bauch und mied Aomines Blick. Der beugte sich leicht zu Karen hinab, aber nur um ihr durch das grüne Haar zu fahren, dann zeigte er auf etwas hinter ihr und sagte:
„Karen-chan, schau mal da!“
Und als auch Midorima im Begriff war, sich danach umzudrehen, wurde er am Kinn gepackt und zu Aomine gezogen, der ihm erneut einen Kuss auf die Lippen hauchte. Dann verschwand er abrupt in die Nacht hinein.
„O-nii-san ist wirklich toll!“, plapperte Karen aufgeregt. „Wenn ich mal groß bin, werde ich ihn heiraten!“
„Tatsächlich?“, fragte Midorima mit gespieltem Interesse in der Stimme.
Karen schien irgendetwas zu merken.
„Magst du ihn nicht, O-nii-chan?“, wollte sie wissen und guckte zu ihrem großen Bruder mit dem ernsten Gesicht hoch.
Sie liebte es, wenn er sich mit einem liebevollen Lächeln zu ihr umdrehte, genauso wie jetzt. Doch der Moment war nur von kurzer Dauer, denn schon schaute er wieder nachdenklich in die Ferne.
„Doch“, sagte er leise. „Ich mag ihn.“
An diesem Abend fasste Midorima einen Entschluss und er hoffte inständig, dass dieses Vorhaben vom Schicksal abgesegnet wurde und gelang.

Am letzten Tag, an dem Aomine Karen vom Kindergarten abholen wollte, stand Midorima bereits zwei geschlagene Stunden vor dem Gebäude, doch das Ass von Touou Gakuen tauchte nicht auf. Midorima hatte sich ungefähr zwanzigmal vergewissert, dass seine Schwester noch da war, und wartete eisern auf irgendein Zeichen. Das Schicksal kam immer mit irgendeinem Zeichen, sonst könnte man das Oha-Asa-Horoskop nicht zusammenbasteln. Es hatte ihm für heute eine „glückliche Fügung“ versprochen und Midorima war überzeugt, dass es nur sein Vorhaben mit Aomine betreffen konnte. Er wollte ihn zur Rede stellen! Mit ihm allein sein und ihn zur Rede stellen. Mit ihm reden über diesen und den anderen Kuss.
Zweimal! Zweimal hatte er jetzt Midorima geküsst und jedes Mal, wenn Midorima daran dachte, wurden seine Knie butterweich. Es hatte sich gut angefühlt, wenn er sich recht erinnerte, denn für eine Beschreibung war es einfach zu kurz gewesen. Verdammt, wieso wünschte er sich, dass sie das noch einmal wiederholten? Länger diesmal, viel länger...
Beschämt legte Midorima seine getapte Hand auf den Mund und schloss kurz die Augen. Er musste sich beruhigen, durfte nicht an so etwas denken, mitten am Tag direkt vor einem Kindergarten!
Die Wartezeit floss zäher dahin als ein weichgespülter Kaugummi und nach zweieinhalb Stunden hatte Midorima die Nase voll. Für nichts und wieder nichts hatte er sein Basketballtraining sausen lassen! Wut keimte in ihm auf, Wut auf die ganze Welt, aber am meisten auf sich selbst, weil er völlig geblendet von seiner chaotischen Gefühlswelt angenommen hatte, dass da... dass da vielleicht mehr war. Warum sonst hätte Aomine ihn zweimal geküsst? Nun, offensichtlich hatte er sich geirrt und die Enttäuschung saß tief in Midorima.
Aber nicht nur in ihm. Auch Karen zog eine Regenwettermiene, wohl zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben, seit Midorima sie vom Kindergarten abholte, denn für gewöhnlich kam sie ihm freudestrahlend entgegengelaufen. Heute musste wohl alles schiefgehen und dieses bedrückte Schweigen zwischen den Geschwistern verbesserte die Laune keineswegs. Immer wieder spulte Midorima die vielen Minuten des Wartens vor und zurück und dann fand er endlich den Haken: keine Nachricht. Warum hatte Aomine sich nicht gemeldet, dass er verhindert war? Oder was auch immer. Als diese Frage einrastete, schlossen sich auch die anderen Schaltkreise. Ob ihm wohl etwas passiert war? Sofort bereitete brennende Besorgnis Midorima Bauchschmerzen, aber er wusste nicht, was er tun sollte. Konnte er Aomine auf dem Handy anrufen? Wie würde das wohl aussehen? Warum machte er sich jetzt solche Gedanken darüber? Wenn es Aomine wirklich schlecht ging, freute er sich vielleicht... Oder konnte er gar nicht an sein Handy gehen? Vielleicht hatte er einen Unfall, schließlich hatte er vor knapp einer Woche auch Karen vor einem Haufen Autos gerettet! War er vielleicht der Superman vom Dienst, oder was?
Eine Frage jagte die nächste Erkenntnis. Wieso hatte Aomine Karen eigentlich retten können? Wieso war er in der Nähe gewesen? Er wohnte doch in einer ganz anderen Richtung! Die Fragen häuften sich und lasteten schwer auf Midorima, sodass er kaum registrierte, dass sie mittlerweile zu Hause angekommen waren. Erschöpft und ohne jedweden Elan sank Midorima auf dem Sofa zusammen und starrte blind in eine Ecke, hörte das Gedankenkarussell in seinem Kopf laut rattern, wollte aber nicht mehr darüber nachdenken. Ihm war schlecht. Wenn er sich ausmalte, in welchem Zustand Aomine sich gerade befinden könnte…
Mit jedem Tick-Tack der Wohnzimmeruhr jedoch boxte sich eine Idee immer weiter zu ihm durch: Wenn seine Eltern zurück waren, wollte er sich auf den Weg zu Aomine machen. So durfte es nicht bleiben, das ertrug Midorima nicht. Er musste mit ihm reden, sich überzeugen, dass es ihm gut ging, und sich Millionen von Ausreden anhören, warum Aomine weder im Kindergarten aufgetaucht war noch Midorima eine Nachricht zukommen gelassen hatte. Entschlossen ballte er seine Hände zu Fäusten – und fiel beinahe einem Herzinfarkt zum Opfer, denn es klingelte an der Tür. Oh Gott!
Midorima klatschte beinahe vornüber auf den Boden, so eilig hatte er es. Er stürzte den kurzen Hausflur entlang und riss fast die Haustür aus ihren Angeln.
„Ao... Takao?“, rief Midorima überrascht.
Takao hob seine Augenbrauen.
„Ja, Takao. Hör mal, Shin-chan, warum bist du nicht zum Training gekommen? Ist was passiert?“, wollte Takao besorgt wissen.
Midorimas Schultern sackten herab und lähmende Leere machte sich in ihm breit. Er hatte noch nie so eine herbe Enttäuschung erlebt. Von Aomines Fernbleiben heute mal ganz abgesehen.
„K-komm rein“, forderte er seinen Teamkollegen mit rauer Stimme auf.
Ein paar Minuten konnte er ja Midorima von seinem verknoteten Gedankengeflecht ablenken, wenn er schon mal hier aufkreuzte, auch wenn Takao wahrscheinlich Erklärungen erwartete, die Midorima ihm nicht geben konnte.
Deshalb verlief die eine Stunde in einseitigem Geplapper, unbehaglichem Schweigen und unter stechenden Blicken, aber selbst diese hatten Midorima nicht öffnen können, sodass Takao wieder unverrichteter Dinge abzog, allerdings nicht ohne sich ausführlich mit Karen zu unterhalten, die sofort bessere Laune an den Tag legte. Takao kannte Midorimas Wesen mittlerweile recht gut und wusste daher, dass es nichts nützte, ihn zum Reden zwingen zu wollen, wenn er es nicht wollte. Irgendwann würde er schon um Hilfe und Gehör bitten.
Kurz nach Takaos Abflug tauchten auch Midorimas Eltern zu Hause auf und Midorima machte sich zappelig vor Tatendrang auf den Weg zu Aomines Wohnung.
Dort klingelte er vergeblich. Niemand öffnete ihm, dabei war er so nervös, dass sich die Tapes von seinen schweißnassen Fingern lösten. Was jetzt? Er konnte doch nicht die ganze Stadt nach Aomine absuchen…
„Mattakku“, fluchte er leise vor sich hin. „Na, wenn das so ist, kann ich ja noch trainieren gehen, hab ja eh das Training verpasst. Überhaupt alles verpasst heute, nanodayo...“

Er verschwendete keine Zeit auf das Dribbeln, obwohl er mittlerweile sehr gut darin war, mit seinem Team zu spielen. Heute wollte er nur werfen, Körbe machen, sehen, dass er wenigstens dabei einen zielsicheren Treffer landen konnte, einen nach dem anderen. Wie schön das Netz des Korbes schwang, wenn ein Ball hindurchrauschte, und wie fein sich das Geräusch anhörte, wenn der Ball mit seiner groben Haut die Luft zerteilte... Midorima liebte diese Momente, er fühlte sich unheimlich gut dabei. Auch diesmal klappte es und er fand Trost im Basketball. Seine Gedanken ordneten sich wie von selbst, wurden ruhig und klar und erhaben. Das Donnern der Bälle auf dem Boden der Shuutoku-High-Sporthalle dröhnte wohlig in seinen Ohren und motivierte ihn.
Als er alle 120 Bälle verspielt und geworfen und den Korb damit getroffen hatte, sammelte er sie ein und rätselte, ob er sie noch einmal alle werfen sollte, als er ein leises, quietschendes Geräusch hinter sich vernahm. Erschrocken drehte er sich um – und die vier aufgesammelten Bälle purzelten ihm aus den Armen.
Da stand er, mit gelangweiltem Gesicht, in einem T-Shirt, sportlich bis lässig, mit durchdringendem Blick. Aomine Daiki. Der Mann mit den dunkelblauen Haaren. Das Ass von Touou.
Sie schwiegen sich lange an und Midorima hatte alles vergessen, was er Aomine sagen wollte. Stumm und still standen sie da und ließen ihre Augen sprechen in der Hoffnung, es möge funktionieren.
„Hör mal, wegen heute...“, fingen sie dann beide gleichzeitig an.
„Ah“, machte Midorima. „Du zuerst.“
„...Hm, also gut.“
Aomine fuhr sich verlegen über seinen Nacken. Midorima beobachtete diese Geste mit Nervosität, aufgeregter, neugieriger Nervosität.
„Ich... ich war beim Kindergarten. Die ganze Zeit über, die du dort gewartet hast“, gestand Aomine schließlich, allerdings mit einer Stimme, als wollte er verdeutlichen, dass er keine Schuld auf sich nehmen würde.
Midorima starrte ihn perplex an. Wie bitte?
„Ich wollte nicht mit dir über die Sache... über den Kuss reden“, fuhr er fort. „Weil ich dachte, dass du mich hasst.“
„Ich dich hassen?“, jetzt kam Leben in Midorima. „Wieso sollte ich dich hassen?“
„Naja.“
Himmel, konnte man eigentlich noch mehr rot werden, als Aomine jetzt war? Zugegeben, Midorima hatte das auch schon geschafft.
„Es... Von dir kam nichts“, schloss Aomine.
Baff stand Midorima da und ließ die Worte auf sich wirken.
„... Von mir kam nichts?“, echote er. „Wie... Was meinst... Ah! Moment mal! Daran habe ich doch überhaupt nicht ge-“
„Ja, ich weiß, dass du nie daran gedacht hast, so... so etwas mit mir zu... machen“, unterbrach Aomine ihn unwirsch. „Ich dachte nur, ich könnte allmählich mal Erfolge sehen nach diesen Tagen. Zum Beispiel dass du mich auch anlächelst, wenn du mich siehst... So wie deine Schwester. Aber für mich hast du immer nur diesen entsetzten oder genervten Blick übrig.“
Midorima hielt die Luft an. Moment, Moment! Das klang irgendwie alles viel zu sehr nach... Romantik! Und so weiter...
„Ano...“
„Takku, ich war wie gelähmt!“, fauchte Aomine plötzlich und sah Midorima offen an. „Deine Anwesenheit da bei den Umkleidekabinen... Irgendwie ging mir das durch Mark und Bein, dabei war doch wirklich nichts dabei! Und dann bin ich dir nachgegangen, hab dich mit deiner kleinen Schwester gesehen und ich dachte: ‚Mann, wie süß er ist!‘, statt dass ich deine Schwester süß gefunden hätte! Das ist doch nicht normal! Und dann lief dieses Mädchen, das dir alles bedeutet und so eine Seite an dir hervorzaubern kann, auf die Straße! Ich dachte, ich spinne! Ich hab einfach nicht nachgedacht und bin hinterher gestürmt. Ich wollte nicht, dass du nie wieder so lächeln kannst, weil du deine Schwester verloren hast...“
Midorima begann zu zittern. Dieses Gespräch bewegte sich in eine sehr gefährliche Richtung.
„Und dann hast du mich verarztet. Ich dachte, ich explodiere jede Sekunde vor lauter Hitze und Kribbeln.“
Aomine machte ein Gesicht dazu, als hätte er das größte Leid durchgestanden, als quälten die Gedanken an den Schmerz ihn immer noch.
„Keine Ahnung, warum ich plötzlich so einen lächerlichen Vorschlag gemacht habe. Vielleicht wollte ich einfach nur das Geheimnis lüften, weshalb du niemanden so ansiehst, wie du deine Schwester ansiehst. Tja, ich hab’s herausgefunden: Du liebst sie ganz einfach.“
Midorima schluckte. Er kam sich vor, als stünde er vor einem tiefen Abgrund und unter ihm bröckelte gerade der Boden, aber er konnte nicht fliehen. Als hätte er Wurzeln geschlagen, stand er regungslos da, dabei waren es einfach nur Aomines Worte, die ihn fesselten.
„Das musste ich erst mal verdauen. Aber dann konnte ich einfach nicht mehr anders. Ich dachte, ich sehe Eifersucht in deinem Blick, als Karen-chan meinte, sie und ich wären ein tolles Ehepaar. Ich musste es überprüfen und habe dich geküsst. Doch du bist mir nicht nachgelaufen und hast mich nicht angerufen oder sonst wie kontaktiert. Ich war verletzt. Und heute... Als ich dich heute vor dem Kindergarten stehen sah, wurde mir regelrecht schlecht von meiner Erkenntnis: Ich... ich glaube, ich liebe dich.“
Damit war er wohl nicht der einzige, denn auch Midorima wurde gerade furchtbar schlecht. Er verbarg seinen Mund hinter seinen Händen und versuchte ruhig zu atmen, bevor er sich im Stande sah, eine Antwort zu geben.
„Es geht nicht mehr“, begann Midorima langsam und erntete ungeteilte Aufmerksamkeit von Aomine. „Ich kann Karen nicht mehr so unbeschwert liebevoll zulächeln, wie ich es immer gehalten habe, weil sie mir das Wichtigste war. Da ist jetzt etwas anderes...“
Aomine stieß einen tiefen Seufzer des Kummers aus.
„Takao, nicht wahr?“, sagte er und starrte verstimmt zu Boden.
„Eh? Wie kommst du denn jetzt auf den?“, hakte Midorima nach.
„Na komm schon! Er war heute bei dir zu Hause, oder irre ich mich?“
„Nein, aber woher weißt...“
Midorima wurde blass.
„Moment. Sag mir bitte nicht... Du hast mich gestalkt?“, fragte er irritiert.
„Ich hab auf dich aufgepasst“, korrigierte Aomine ihn spöttisch. „Offensichtlich muss man das, so wie du auf deine Schwester aufpasst. Und auf dich selbst kannst du auch nicht aufpassen.“
„Wie bitte?“, fauchte Midorima.
„Reg dich ab“, sagte Aomine. „Oder stimmt das etwa nicht, hm?“
Sein Blick lag streng auf Midorima, der schon eine provokante Erwiderung auf den Lippen hatte, sich schließlich jedoch anders besann.
„Ach, deshalb hast du Karen retten können.“
Wegen solcher Wahrheiten böse zu werden, erschien sogar Midorima unnütz. Außerdem ging es um seine geliebte Schwester! Dass sie am Leben war, hatte der große Bruder einzig und allein Aomine zu verdanken.
„Ah, das ist doch ein Glücksfall gewesen! Und ich frage mich die ganze Zeit, was es war, warum du ständig in meiner Nähe bist...“
Er stockte. Offenbar fiel ihm die Bedeutung dieser Worte auf und er wurde tomatenrot im Gesicht. Nun war es wohl an der Zeit, ebenfalls ein Geständnis abzulegen.
„Ich wollte mit dir reden, über den Kuss. Natürlich hätte ich ständig wissen wollen, warum du das getan hast und sicherlich hätte ich dich irgendwie... naja, verstoßen oder so, wenn du mir mit so einer Erklärung wie heute gekommen wärst. Aber jetzt... Die letzten paar Tage konnte ich an nichts anderes denken als an dich... Eine Schande. Selbst Karen hat mich gefragt, ob ich dich denn nicht mag! Dieses Kind...“
Midorima wischte sich verlegen über den Mund.
„Jedenfalls... Ich hasse dich nicht, Aomine. E-eher das Gegenteil...“, beendete er seine kurze Rede.
Aomine lächelte schmal.
„Hei-heißt das, ich darf mir Hoffnungen machen? Hoffnungen, dass du mich... naja, magst?“, fragte er leise und ging ein paar Schritte auf Midorima zu, bis sie nur noch einen Basketball voneinander entfernt waren.
Midorima spürte die Hitze in sich aufsteigen, die Aomines Nähe in ihm entfachte. Er nickte. Aomine stieß erleichtert einen Seufzer aus und grinste. Offenbar wusste er nicht, wie er sonst reagieren sollte.
„Hey, ich... ich möchte dich noch einmal küssen“, sagte er verlegen. „Darf ich?“
Midorima nickte wieder und sah langsam zu ihm auf. Der braungebrannte Basketballer überwand die letzte Distanz zwischen ihnen, nahm Midorimas Kopf zärtlich in seine Hände und legte seine Lippen auf Midorimas.
Kleine Feuerwerke tanzten in Midorimas Innerem und sein Herz schlug heftig gegen seine Rippen, als wollte es ihm den Brustkorb sprengen. Ah, so also fühlte sich das an, so konnte er es beschreiben... Unbeschreiblich! Es war ein unbeschreibliches Gefühl! Aomines Lippen waren so glatt und sanft und vor allem ganz warm... Ganze Horden von Schmetterlingen fegten durch Midorimas Körper und bescherten ihm ein flaues Gefühl. Langsam bewegten sie beide ihre Münder gegeneinander und Aomines Zunge klopfte an Midorimas Pforten, doch der wehrte sich dagegen, bis Aomine seine Hände an seine Hüften gleiten ließ und dort unter seine Kleider schlüpfte. Zuckend keuchte Midorima auf, als Aomines Haut seine berührte, als fände ein elektrischer Schlagaustausch statt. Irgendwie hatte Midorima nie darüber nachgedacht, wie ein Kuss wohl sein würde und schon gar kein Zungenkuss! Aber jetzt, jetzt fühlte er sein pochendes Herz geradezu in seinen eigenen Mund springen, als Aomine diesen mit seiner feuchten Zunge erkundete und auch Midorimas Zunge anstieß, sich zu rühren. Der Shooting Guard krallte seine schlanken Finger in Aomines Oberarme und erwiderte den tiefen Kuss.
Keuchend lösten sie sich voneinander und Midorima wandte verlegen den Blick ab.
„Gehen wir zu mir?“, fragte Aomine mit seiner tiefen Stimme fast freundlich.
„Da war ich heute schon“, antwortete Midorima.
„Eh?“
„Naja, ich... Du hast dich nicht gemeldet und da hab ich mir Sorgen gemacht...“
Aomine hielt inne. Im Ernst jetzt?
„Du hast dir echt Sorgen ge-“
Doch er wurde rüde von Midorima unterbrochen, der urplötzlich Aomines Arm hochzerrte, um einen Blick auf seine Schürfwunden zu werfen.
„Tut es noch weh? Ist es gut verheilt?“, wollte er wissen.
Nun sah Aomine es auch: diese Besorgnis in Midorimas dunklen Augen. Er lächelte darüber.
„Nachdem du dich so gut darum gekümmert hast? Wie hätte es nicht besser werden können!“, meinte Aomine. „Lass jetzt bitte die Ablenkungsmanöver und antworte: Gehen wir zu mir?“
Zögernd ließ Midorima seinen Arm los und wich weiterhin Aomines Augen aus.
„Ich weiß nicht...“
„Hm, sieht so aus, als ob ich noch mehr Überzeugungsarbeit leisten müsste“, murmelte Aomine.
Er fing Midorima mit seinen Armen ein und drückte ihm wieder einen Kuss auf, der sehr schnell sehr intim wurde. Am liebsten hätte er den störrischen Grünling gegen eine Wand geschmettert und wäre über ihn hergefallen, doch diese Turnhalle war dahingehend leider nicht fachgerecht erbaut worden. Ihn aber nur so im Arm zu halten, reichte einfach nicht. Aomine wollte Midorima, er wollte ihn... und er wollte ihn jetzt!
Heiß strich Midorimas Atem über Aomines Gesicht und kitzelte ihn. Das sollte wohl genügen als Antwort. Ungern löste Aomine sich von Midorimas bebenden Lippen, packte ihn an der Hand und zog ihn wortlos mit sich.
„Ja, aber... Moment, ich muss noch aufräumen! Die Bälle...“
„Egal“, entgegnete Aomine. „Ich kann nicht mehr warten!“
Das versiegelte Midorima vorläufig den Mund, obwohl er ohnehin eher wenig redete. Genau wie Aomine...

Bei Aomines Wohnung angelangt schloss das Touou-Ass die Tür hinter ihnen und drückte Midorima mit dem Rücken dagegen. Er näherte sich ihm für einen Kuss, den er auch bekam, und rieb sich an seinem Körper.
Nach dem nachgeholten Training war Midorima leicht verschwitzt, wofür er sich plötzlich schämte, da Aomine damit begann, seinen Körper zu lecken. Nun konnte er nicht mehr sagen, ob die Verlegenheit darüber oder die Hitze, ausgelöst durch Aomines Zuwendung, sein Gesicht rötete. Jedenfalls wurde ihm unerträglich heiß und er spürte jede einzelne hauchzarte Bewegung von Aomine und dessen Berührungen. Aomines Zunge, seine Lippen, seine Nase, seine Finger, sein... Hm? Was war... Ach ja, natürlich! Wieder schwappte eine peinliche Hitzewelle über Midorima hinweg: Aomine war hart und er selbst, er selbst stand ihm darin keineswegs nach!
Er hörte Aomine leise lachen, was Midorima einen wohligen Schauer über den Rücken jagte, denn dieses Lachen hörte sich wahnsinnig gut an.
„Ich bin echt glücklich, dass du reagierst“, flüsterte das Ass in Midorimas Ohr. „Darf ich davon ausgehen, dass ich der Grund dafür bin?“
Midorima bekam kein Wort heraus, aber er musste auch nichts sagen, denn Aomine wusste Bescheid. Immer noch leise lachend griff er zwischen Midorimas Beine und förderte ein langgezogenes Stöhnen zutage. Wieder krallten sich Midorimas Hände in Aomines Oberarme und ein Zittern durchfuhr seinen Körper. Aomine legte seine linke Hand an Midorimas Gesicht und küsste ihn liebevoll.
Danach hielt er einen Ortswechsel für angebracht und schleifte Midorima mit sich, dessen Kopf noch völlig vernebelt war. Auf dem Bett umschlangen sie einander, küssten sich intensiv und lange und streichelten sich dabei. Dann zog Midorima sein Shirt über den Kopf, schmiss es über den Bettrand und half Aomine dabei, es ihm gleichzutun. Endlich lagen sie direkt aufeinander, Haut an Haut, ohne störende Kleidung dazwischen, und Aomine bewegte sich langsam auf und ab. Midorimas leises Stöhnen flatterte an Aomines linkem Ohr vorbei, während dieser sich um Midorimas Hals kümmerte. Als er auf dessen Brust seine Zunge tanzen ließ, drückte der Shooting Guard Aomine fester an sich und fuhr mit der Nase durch Aomines dunkles Haar. Leckend und saugend und küssend arbeitete Aomine sich davon angespornt weiter nach unten und strich zärtlich über Midorimas Seiten, wobei ihm eine Gänsehaut nach der anderen über den Körper rauschte. Aomine fühlte die winzig kleinen Erhebungen mit der Zunge und sah die aufgestellten feinen Härchen auf Midorimas Armen. Er kreiste ein paar Mal um Midorimas Bauchnabel, küsste ihn und öffnete die Hose. Sofort spannte Midorima alle Muskeln an und rang hektisch nach Luft.
„Ganz ruhig, du wildes Tier, ich nehme dich gleich“, lachte Aomine leise und küsste Midorimas Lippen, was stürmisch erwidert wurde.
Als er ihn freigelegt hatte, reckte sich Aomine bereits eine unübersehbare Erektion entgegen, die ihn breiter grinsen ließ. Mit Lippen und Fingern umschloss er Midorimas Härte, spielte mit seiner Zunge herum und saugte schließlich genüsslich an Midorimas Penis. Der bog den Rücken durch und stieß sein Becken immer mal wieder nach oben, spürte, wie seine Erregung wuchs, angestachelt durch Aomines Berührungen... Und was für Berührungen! Ihm schwindelte leicht, konnte nicht glauben, was er hier gerade tat beziehungsweise fühlte! Nie im Leben hätte er sich so eine Situation mit Aomine vorstellen können! Aber – es tat so gut, fühlte sich so unheimlich gut an... Mehr davon...
Ein Finger tastete sich in ihm vor, obwohl er immer noch an einer anderen Stelle unnachgiebig bearbeitet wurde. Das fühlte sich merkwürdig an, allerdings nicht im negativen Sinne. Es blieb nur abzuwarten, wohin das führen sollte... Doch daran konnte er vorerst keinen Gedanken verschwenden, denn er kam gleich...
„Aah... Ao-Ah! Aomine, gleich... ich... gleich... ich komme... Hnnnh...“, stöhnte Midorima und wand sich lustvoll.
Aomine richtete den Blick konzentriert auf das, was vor ihm lag, saugte ein letztes Mal und wich geschickt Midorimas Ladung aus. Hektisch hoben sich Midorimas Flanken und kleine Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, die Aomine wegküsste. Als er seinen Finger aus Midorima zog, dachte dieser erst wieder daran und schaute Aomine an.
„Was ist?“, fragte Aomine leicht verunsichert angesichts Midorimas ernster, beinahe vorwurfsvoller Miene.
„Wieso machst du das so professionell?“, wollte der grünhaarige Mann wissen.
Schmollte er etwa? Wie süß! Aomine lächelte schon wieder.
„Und woher weißt du, dass das hier professionell ist?“, konterte er.
Midorima klappte der Mund auf und er schloss ihn wieder, als ihm keine geeignete Erwiderung einfiel. Aomine schnappte nach seinen Lippen und knabberte sanft daran.
„Das machen meine Gefühle für dich. Sie sagen mir, was ich tun soll“, erklärte er leise. „Wenn du es nicht magst, höre ich sofort damit auf...“
„Nein!“, rief Midorima ein bisschen zu laut.
Überlegen grinsend beugte Aomine sich über seinen Partner und winkelte dessen Beine an.
„Dann sei schön lieb und schrei, was du willst, ob nun aus Lust oder Schmerz. Und ich versuche, das Gefühl richtig einzuordnen, okay? Aber erst muss ich dich vorbereiten, denn ich will ja nicht, dass es nur Schmerzensschreie sind, die mich dazu zwingen aufzuhören, das will ich nicht“, wisperte Aomine in Midorimas Ohr, bevor er sich erneut an seiner Öffnung zu schaffen machte.
Midorima tat wie geheißen, äußerte sich gelegentlich, meistens aus Lust und ansonsten aus purer Überraschung, und genoss diesen Überfluss an Gefühlen, sodass er nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf stand. Bald wurde er jedoch ungeduldig.
„Was ist denn jetzt? Fängst du irgendwann auch mal richtig an?“, stieß er keuchend hervor.
Aomine küsste seinen frechen Mund.
„Ganz wie du meinst“, sagte er und drang in Midorima ein.
Bei dem Brillenträger setzte plötzlich alles aus. Er spürte nur noch, wie Aomine sich einen Weg in ihn hinein bahnte, wie heiß es wurde, dass es wehtat, aber er wollte mehr, noch mehr, noch tiefer... Er umklammerte Aomine mit seinen Beinen, hob sein Becken an und bewegte sich im selben Rhythmus zu Aomines Stößen. Das Ass keuchte ihm angestrengt ins Gesicht und Midorima griff nach seinem Gesicht. Sie küssten sich und Midorima stöhnte beherzt, als Aomine ihm erregt in die Lippe biss.
Zuerst kam Aomine. Nachdem er allerdings auch Midorima in die Vorstufen des Himmels geschickt hatte, der seinen Höhepunkt immer näher kommen spürte, packte Aomine ihn noch einmal unten und führte Midorima zur Erleichterung. Erschöpft und atemlos fiel Aomine auf Midorima, der ihn umarmte und seine Nase an dessen Schulter presste.
„...schön“, murmelte Aomine.
Da begann Midorima zu lachen und Aomine richtete sich auf, um das zu sehen. Er lächelte.
„Du siehst wunderschön aus, wenn du lachst, weißt du das?“, sagte er und fuhr sanft durch Midorimas grünes, feines Haar.
„Das hätte man mir sicher schon öfter gesagt, wenn es jemals irgendwer gesehen hätte“, antwortete Midorima und lächelte. „Aber mir gefällt dein Lächeln auch. Ich mag es sehr.“
Aomine verteilte federleichte Küsse über Midorimas lächelndes Gesicht, als würde er es damit festnageln wollen.
„Hör mal, ich würde ja gern noch bleiben, aber zu Hause machen sich bestimmt schon alle möglichen Leute Sorgen...“, sagte Midorima leise und streichelte Aomines Kopf.
„Will nicht“, murrte Aomine unwillig und setzte seine Küsserei fort.
„Du willst was nicht?“, hakte Midorima nach.
„Dich gehen lassen“, präzisierte Aomine, jetzt an Midorimas Hals.
Darauf wusste der Grünhaarige nichts zu sagen, denn er selbst wollte auch nicht gehen.
„Karen war sehr traurig heute, dass du nicht gekommen bist“, sinnierte Midorima nach einer Pause.
Aomine stützte sich auf die Ellbogen und sah Midorima ernst und tief in die Augen.
„Nur Karen-chan?“, fragte er.
„Nein, ich glaube, ich war noch trauriger als sie“, lächelte Midorima zärtlich.
Über Aomines Wangen legte sich rote Farbe.
„Eh? Warum wirst du rot?“
„Takku, das ist genau das Lächeln, das ich gemeint habe. Das, mit dem du deine Schwester ansiehst!“, sagte Aomine und wusste nicht so richtig, wie er mit seiner Freude umgehen sollte.
„Ach so, du meinst mein ‚Liebes-Lächeln‘. Kannst mal sehen. Und jetzt die Masterfrage: WER hat meiner Schwester in punkto Wichtigkeit den Rang abgelaufen?“, grinste Midorima.
Aomine erwiderte es.
„Ich. Verdammt noch mal, ich liebe dich wirklich!“, sagte Aomine und warf Midorima mit einer Umarmung um.

Mit einem vorwurfsvollen Blick, der dem seiner Eltern definitiv Konkurrenz machte, begrüßte Karen ihren großen Bruder und dessen Lover, der seine Hand hielt. Vielleicht war sie immer noch wütend auf Aomine, weil er sie nicht vom Kindergarten abgeholt hatte. Wer wusste schon so genau, was im Kopf eines kleinen Mädchens vor sich ging?
Aomine fühlte sich scharf gemustert, als müsste er sich das Einverständnis seiner zukünftigen Schwiegereltern einholen und diese um die Hand ihres Sohnes bitten. Nun, das war vielleicht ein günstiger Moment, denn die ganze Familie Midorima stand versammelt im Hausflur.
„Guten Abend“, begann Aomine höflich und verbeugte sich. „Entschuldigen Sie bitte die Störung um diese Uhrzeit, aber“, er packte Midorimas Hand fester und hob sie nach oben, „ich liebe Ihren Sohn und ich möchte ihn weiterhin treffen. Mit Ihrer Erlaubnis wäre das einfach fantastisch...“
Er brach ab und neigte noch immer seinen Oberkörper vor, während Midorima rot anlief vor Scham und seine Brille mit der freien Hand zurechtrückte. Seine Eltern starrten ihn perplex an.
„Ist das dein Ernst, Shintaro?“, wollte seine Mutter schließlich halbwegs gefasst wissen.
Midorima nickte.
„Ja. Ich liebe ihn. Verzeiht, aber so ist es nun mal.“
Seine Eltern wechselten einen betroffenen Blick.
„Nun... es ist doch schon sehr spät. Wir reden besser ein anderes Mal darüber“, wandte Midorimas Vater ein. „Seht zu, dass ihr euch voneinander verabschiedet. Und du, Bursche“, er deutete auf Aomine, der sich zögernd aufrichtete, „du bist uns zum Frühstück herzlich willkommen!“
Mit diesen Worten wandten sich Midorimas Eltern um. Erleichtert lächelten die beiden Verliebten sich an. Karen räusperte sich mit vor der Brust verschränkten Armen.
„Ich will einen Kuss sehen“, sagte sie streng. „Als Zeichen, dass ihr euch wirklich liebt.“
Midorima verrutschte das Lächeln.
„Wie bitte? Das kommt ja überhaupt nicht infrage! So etwas sollte ein Mädchen in deinem Alter nicht sehen!“, widersprach Midorima erhitzt.
„Hm“, summte Aomine und zog den aufbegehrenden Midorima an sich. „Ich weiß nicht, vielleicht ist es nie zu früh, Verständnis zu säen?“
„Huh? Aber nicht vor meiner kleinen Schwester!“, fauchte Midorima und versuchte sich aus Aomines Armen erfolgreich zu befreien.
„Na gut, dann küsse ICH eben O-nii-san“, sagte Karen leichthin und streckte schon die Arme nach dem Größeren aus.
„Nix da! Niemand küsst ihn außer mir!“, rief Midorima und fiel dem teuflisch grinsenden Aomine um den Hals.
Der hielt ihn jetzt fest, eine neuerliche Flucht war somit ausgeschlossen.
„Nun sei doch nicht so und gib dem Kind, was es will! Schließlich will sie doch nur unsere große Liebe zueinander sehen... Oder ist sie am Ende gar nicht so groß?“, provozierte Aomine seinen Liebsten und wiegte ihn sanft hin und her.
Midorima lief rot an.
„Oh doch, und wie groß sie ist! Also schön“, gab er nach.
Aomine rührte keinen Muskel mehr, denn diesmal würde Midorima das Ruder übernehmen müssen. Fast ängstlich näherte dieser sich mit seinem Mund Aomine und küsste ihn schließlich mit aller Hingabe, die er besaß. Schreiend verbarg Karen noch vor dem Lippenzusammenstoß das Gesicht hinter ihren Händen und lief weg, doch davon ließen sich die beiden Männer nicht stören. Viel zu kurz war der Moment, da Midorima den Kuss löste, aber nicht die feste Umarmung.
„Ich liebe dich, Aomine“, flüsterte Midorima mit rotem Kopf und einem schmalen Lächeln.
„Ich liebe dich auch, Midorima“, schnurrte Aomine. „Bis morgen, zum Frühstück.“
Midorima nickte und lächelte.
Er würde alles abstreiten, was man ihm vorwarf, und eine Weile tat er das auch. Doch als er bemerkte, wie sehr er Aomine mit seiner Verleumdung verletzte, überwand Midorima seinen kindischen Stolz und stand aufrichtig zu seiner Liebe für Aomine. Wie ein echter Mann.



Vielen Dank fürs Lesen!

Wenn Dir, geneigter Leser, diese Geschichte gefallen hat, dann schaue doch gern auch bei meinen anderen Geschichten vorbei. Die nächste Fanfiction von mir findest Du Anfang September 2019 unter dem Titel „Zeit für ein Duell“, die im Yu-Gi-Oh-Universum spielt. Ich würde mich sehr über Deinen Besuch freuen.
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