Jet-Black

von Catzchen
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Vampire
19.08.2019
09.09.2019
4
19433
 
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Hallo, ihr Lieben!
Für diejenigen, die sich gerade fragen, weshalb sie mich in ihrer Favoritenliste haben: ihr kennt mich vermutlich noch unter dem Namen Revio. Nach einer vierjährigen Pause melde ich mich endlich mit einer neuen Geschichte zurück. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber ich hoffe sehr, dass sie sowohl den alten Hasen, als auch den neuen Lesern gefallen wird. Die Geschichte ist bereits größtenteils abgeschlossen, ihr könnt also mit wöchentlichen Updates (nach Möglichkeit jeden Montag) rechnen.  Viel Spaß beim Lesen!

~*~*~

Es war ein wirklich beschissener Tag gewesen, und entsprechend war meine Laune, als ich zielstrebig die Straße entlanglief, ohne nach rechts und links zu schauen. Mein Zopf löste sich bereits ein wenig auf und ich wusste genau, dass mein Kragen nicht mehr ordentlich saß, aber es hätte mich kaum weniger interessieren können. Ich ärgerte mich noch viel zu sehr über das, was passiert war. Mit einer routinierten Bewegung griff ich in die Tasche meines Jacketts, zog eine Zigarette aus der sich darin befindenden Schachtel, zündete sie an und zog ein-, zweimal kräftig daran. Dann seufzte ich auf. Viel schlechter hätte der Tag eh nicht laufen können und eine Zigarette konnte ihn auch nicht mehr retten, aber ein wenig beruhigte sie mich immerhin.

Vorhin hatte ich ein geschäftliches Treffen gehabt, es war um eine neue Waffenlieferung gegangen. Dass es Leute gab, die mich tot sehen wollten, war nichts neues, aber dass ausgerechnet einer meiner besten Geschäftspartner eine Pistole auf mich gerichtet hatte, war dennoch irgendwie ärgerlich gewesen. Nun, selbstverständlich war ich schneller gewesen – ich war schließlich ein Vampir, er ein Mensch, der Typ hatte keine Chance gehabt. Seine Leiche lag inzwischen in einem Müllcontainer, den er vermutlich für mich vorgesehen hatte und den vor der Abholung garantiert niemand mehr öffnen würde, aber dennoch pisste mich die Geschichte an. Damit war ein wirklich guter Handel geplatzt, und sein Blut war es nicht einmal wert gewesen.

Eigentlich war ich nun auf dem Weg zu meinem Motorrad. Sehr viel Lust, noch durch die Stadt zu ziehen, hatte ich nicht, aber als mir nach einer Weile bewusst wurde, wo genau ich mich befand, kam mir eine bessere Idee. Die Gegend kannte ich ziemlich gut, und ich wusste die Möglichkeiten, die sie mir bot, wirklich zu schätzen. Kurz zögerte ich noch, aber letztendlich war meine Entscheidung vorhersehbar. Wie gesagt – ein wirklich beschissener Tag. Ein bisschen Ablenkung konnte ich eigentlich ganz gut vertragen, und jetzt in meiner Wohnung zu sitzen und mich zu ärgern, war auch nicht sonderlich produktiv. Damit stand die Sache für mich fest.

Ich bog in die nächste Seitenstraße ein und ging zielstrebig auf ein unauffällig wirkendes, spärlich beleuchtetes Gebäude zu. Ich war hier erst zweimal gewesen, aber ich wusste schon, dass ich an diesem Ort gerade an einem Tag wie diesem genau richtig aufgehoben war. Vor der Tür blieb ich kurz stehen, warf den Zigarettenstummel auf den Boden, trat ihn aus und richtete rasch meinen Kragen. Dann ging ich hinein. Seit dem letzten Mal hatte sich kaum etwas verändert. Immer noch die gleiche hässliche Tapete, die blau gepolsterten Stühle, die als Wartemöglichkeit dienten, jetzt aufgrund der frühen Uhrzeit aber noch leer waren, zwei überdimensionale Topfpflanzen, die die Tür flankierten und eine Art Rezeption. Nur, dass dies kein Hotel war.

Die junge Frau an eben jenem Tresen begrüßte mich mit einem höflichen Lächeln. „Guten Abend. Wie kann ich Ihnen helfen?“ Ich ging zu ihr hinüber und nickte nur kurz. „Wer hat jetzt gerade Zeit?“ Sie runzelte kurz die Stirn und fing an, auf dem Laptop vor sich herumzutippen. „Was möchten Sie denn? Mann oder Frau?“ „Mann. Möglichst nicht älter als ich.“ „Wie alt sind Sie?“ „Vierundzwanzig.“ Die Frau überflog kurz, was auch immer gerade auf ihrem Bildschirm angezeigt wurde. „Dann hätten wir gerade Bastian, Mica und Stephan. Wenn Sie einen Moment länger warten, kann ich Ihnen aber auch mehr anbieten.“ Nee, danke. Ich war nicht gerade die Geduld in Person. „Ich möchte die Bilder sehen.“ Sie drehte rasch den Laptop zu mir. Ich musterte die Fotos kritisch. Bastian wirkte allein durch eine Frisur ziemlich emohaft und für mich damit nicht besonders ansprechend, Stephan sah dagegen aus wie ein typischer Beachboy, ebenfalls nicht mein Ding. Mica war aber ganz niedlich, also deutete ich auf seinen Namen. „Er.“ „Für wie lange?“ „Die ganze Nacht. Ich zahle im Voraus.“ Ich rechnete zwar nicht, dass ich die Zeit brauchen würde, normalerweise hielt ich mich nicht ewig auf, aber was soll's – ich konnte es mir locker leisten, und ich hatte keine Lust, im Voraus für eine bestimmte Zeit zu zahlen, an die ich mich dann halten musste.

Ein paar der Geldscheine in meiner Tasche wechselten den Besitzer, dann deutete die junge Frau auf die Treppe. „Einmal da hoch, dann die erste Tür links.“ Ich nickte und machte mich auf den Weg. Die Preise hier waren teilweise wirklich frech, so auch bei dem Jungen, zu dem ich gerade unterwegs war, aber dafür bekam man auch einen netten Service geboten. Es gab weit weniger Einschränkungen, als in den meisten anderen Bordellen, was ausschließlich daran lag, dass viele der Prostituierten nicht freiwillig hier waren.

Einige andere hätten bei der Erkenntnis vermutlich entsetzt reagiert, aber mir persönlich war das ziemlich gleichgültig. Ich bekam, was ich wollte, das Drumherum interessierte mich nicht so besonders. Fakt war nun mal, dass Sex für mich nicht unbedingt das war, was es vermutlich sein sollte. Ich sah es lediglich als Mittel an, mich abzureagieren, was leicht dazu führte, dass ich ein wenig rücksichtslos wurde. Gerade deshalb war ich hier ganz gut aufgehoben. Niemand würde sich darüber beschweren, oder zumindest niemand, der mir Ärger machen konnte. Oh, nicht, dass hier Missverständnisse entstehen; ich war kein Sadist. Anderen Schmerzen zuzufügen erregte mich nicht, darauf war ich nicht aus. Beim Sex auf den Partner achten zu müssen, empfand ich aber als ziemlich abturnend, schließlich hatte ich nur Sex mit Fremden, die mich nicht interessierten – daher das mit der Grobheit und der fehlenden Rücksichtnahme. Geht sicher netter, vermutlich aber auch um einiges schlimmer.

Ich blieb vor der Tür kurz stehen und ging noch einmal sicher, dass ich mein Handy auf Stumm geschaltet hatte, es wäre zu ärgerlich, wenn mich jetzt jemand mit einem Anruf stören würde. Als es wieder sicher in meiner Tasche verstaut war, öffnete ich die Tür und trat ein. Auf das, was mich drinnen erwartete, war ich nicht ganz vorbereitet, denn das Bild, das mit die Frau an der Rezeption gezeigt hatte, wurde Mica bei weitem nicht gerecht. Vermutlich war es schon ein älteres Foto, denn seine Haare waren in der Realität etwas länger und wellten sich an den Spitzen leicht. Er kniete auf dem Bett, hob aber den Kopf, als ich eintrat. Ich musterte ihn fasziniert. Ein weißes, etwas zerknittertes Hemd, eine schwarze Hose, fast kinnlanges kastanienbraunes Haar und grüne Augen, in denen ein schüchterner Blick wohnte, der meinen Mund ganz trocken werden ließ. Ich wusste sofort, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte.

Der Junge schien sich unter meinem prüfenden Blick unwohl zu fühlen, denn er sah rasch weg und starrte seine Hände an, als gäbe es nichts interessanteres auf der Welt. Seine Zunge schnellte hervor und strich nervös über seine ein wenig trocken aussehenden Lippen. Ich ließ meinen Blick weiterhin auf ihm ruhen. Sein Anblick hatte wirklich etwas für sich. Und seine wunderschönen Augen… Es dauerte nicht lange, die Knöpfe meines Jacketts zu öffnen. Ich streifte es ab und ließ es achtlos zu Boden fallen, jetzt war es eh egal, ob es zerknitterte. Bei dem Geräusch sah der Junge auf. Ich lockerte gerade den Knoten meiner Krawatte, als er Anstalten machte, aufzustehen, aber ich schüttelte nur den Kopf. „Bleib sitzen“, forderte ich ihn ruhig auf. Die Krawatte gesellte sich zu dem Jackett. Mica zuckte zusammen und senkte seinen Kopf wieder. Sein Blick hatte etwas seltsam starres, als würde er sich innerlich schon auf das Schlimmste vorbereiten.

Verdenken konnte ich ihm das nicht, es hatte schließlich seinen Grund, weshalb ich es nicht so damit hatte, mich von jemandem ausziehen zu lassen oder mich vor dem Sex auf ein ausgedehntes Vorspiel einzulassen. Alles unnötiger, überflüssiger Firlefanz, dem nichts abzugewinnen war. Dennoch gab er keinen Mucks von sich, sondern wartete einfach nur ab. Ich knöpfte rasch mein Hemd auf und ließ es ebenfalls fallen, dann schlüpfte ich noch aus meinen Schuhen und Socken. Jetzt war ich bereit. Die Hose ließ ich für den Augenblick noch an, und ich glaubte auch nicht, dass ich das ändern würde. Im Normalfall gönnte ich es niemandem, mich komplett nackt zu sehen. Das hatte schon fast etwas Persönliches, und das war etwas, das ich grundsätzlich vermied.

Auch Mica rührte sich endlich, setzte sich mittig auf das Bett und wartete mit gesenktem Kopf auf mich. Ich ging ganz entspannt auf das Bett zu. Den Ärger, der vorhin noch mein ganzes Denken bestimmt hatte, war bei seinem Anblick schon fast vergessen, jetzt überwog definitiv die Vorfreude. Ohne Umschweife drückte ich ihn nach hinten und kniete mich über ihn, ohne ihn dabei auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen. Er sah mich nicht an, aber sein Gesichtsausdruck und sein Herz, das wild gegen seine Brust schlug, verrieten mir schon alles, was ich wissen musste. Mica hatte Angst.

Ich mochte es noch nie besonders, wenn ich den Strichern so etwas ansehen konnte. Die meisten starrten einfach emotionslos ins Leere, bis ich fertig war, was mir persönlich das Liebste war. Mica dagegen sah so aus, als würde er schon zerbrechen, wenn ich ihn auch nur schief ansah. Ich bezweifelte, dass er mit dem umgehen konnte, was ich jetzt vorhatte. Das war eben der Nachteil an Strichern, die dazu gezwungen wurden: für sie war es nicht einfach ein Job. Und Tränen waren nicht so mein Geschmack. Zu viel Emotion. Zu persönlich, irgendwie.

Etwas verärgert runzelte ich die Stirn. Sollte ich das vielleicht doch lieber lassen und mir wen anders suchen? Dazu hatte ich wenig Lust, schließlich hatte ich schon bezahlt. Außerdem gefiel mir Mica wirklich, es wäre eigentlich schade drum. Plötzlich schoss mir ein eher untypischer Gedanke durch den Kopf. Mica würde mich gleich sicher für den Scheißtag entschädigen, das war klar. Warum sollte ich im Gegenzug nicht dafür sorgen, dass er auf seine Kosten kam? Das war nichts, was ich normalerweise machte, aber viele Alternativen hatte ich gerade eh nicht. Nur eine enttäuschende und eine, bei der ich mich etwas zu sehr wie ein Vergewaltiger fühlen würde. Beides keine echten Optionen für mich. Da war der Gedanke, zu sehen, wie er sich stöhnend unter mir wand, doch um einiges reizvoller. So, wie er sich verhielt, hatte er wohl nicht sonderlich viel Spaß an seinem Job, und meine Güte, wer konnte es ihm verübeln?

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Sex für ihn mit Spaß verbunden war, zumal die meisten Kunden vermutlich älter waren als ich und es aus einem bestimmten Grund nötig hatten, ein Bordell aufzusuchen, nämlich dass sie von denen, die es sich aussuchen konnten, als unfickbar eingestuft wurden. Wobei es vermutlich eh keine große Rolle spielt, wer dich fickt, wenn du es eigentlich nicht willst. Ich hätte theoretisch auch so jemanden abbekommen können, ich wurde durchaus hin und wieder mal angegraben, aber selbst One-Night-Stands waren schließlich immer mit Erwartungen verbunden, die ich nicht erfüllen wollte. Da war das hier eine einfachere Lösung. Und wenn Mica außer dem hier wirklich nichts kannte, konnte das ganz schön interessant werden. Der Gedanke, ihn auf eine etwas andere Art als ursprünglich geplant an seine Grenzen zu treiben, gefiel mir immer besser. Diese Nacht würde er nicht so schnell vergessen.

Ich beugte mich vor, bis meine Lippen so nah an seinem Ohr waren, dass ich ihn fast berührte. Er schauderte leicht, als ich ausatmete. „Du heißt Mica, nicht wahr?“, raunte ich, um sicherzugehen, dass ich mir seinen Namen richtig gemerkt hatte. „Ja“, nuschelte er leise, vermutlich zu leise, als dass ihn ein Mensch noch richtig verstanden hätte. „Okay. Ich bin Jack“, fuhr ich fort, dann überbrückte ich das letzte bisschen Distanz zwischen uns und strich mit den Lippen über seinen Hals. Sofort fuhr er zusammen, entspannte sich aber etwas, als ich nur ein paar leichte Küsse auf seinen Hals hauchte und mich dann wieder aufsetzte. Mica hielt seine Augen krampfhaft geschlossen, so entging ihm das Schmunzeln, das sich für eine Millisekunde auf meine Gesichtszüge verirrte. Doch, niedlich war er wirklich.

Ich wollte ihn nicht unnötig verunsichern, indem ich die ganz Zeit über ihm kniete, also legte ich mich neben ihm auf die Matratze, drehte mich zu ihm und wartete ab, bis er verwirrt die Augen öffnete, um sich nach mir umzusehen. Rasch wandte er sich mir ebenfalls zu, diesmal sah er mich jedoch weiter an. Die Frage, weshalb ich nicht einfach über ihn herfiel und mir nahm, wofür ich hergekommen war, stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben, aber ich hatte nicht vor, irgendwas dazu zu sagen. Statt dessen streckte ich meine Hand aus, schob sein Hemd ein Stück nach oben und strich federleicht über seine warme Haut.

Auf Micas Wangen erschien ein leichter Rotschimmer, als ich meine Finger immer weiter nach oben wandern ließ und dabei immer mehr von seinem Oberkörper entblößte. Das Hemd war mir ein wenig im Weg, aber gerade war ich für meine Verhältnisse wirklich geduldig, also regte ich mich nicht weiter darüber auf, sondern öffnete einfach nebenbei die Knöpfe. Schließlich hatte ich ein klares Ziel vor Augen. Mica sog leise Luft ein, als ich fast schon beiläufig mit den Fingern über seine Brustwarze strich. Ich sah ihn belustigt an. So eine Reaktion wegen so einer Kleinigkeit? Erneut fuhr ich darüber, zwirbelte sie spielerisch zwischen Daumen und Zeigefinger und wurde mit einem unterdrückten Keuchen belohnt.

Mir war klar, dass er sich zurückhielt, wer hierher kam, war normalerweise eher weniger daran interessiert, dem anderen ebenfalls Lust zu bereiten, aber gerade das machte die Sache interessant. Ich wollte sehen, wozu er sich hinreißen ließ, was es brauchte, damit er die Regeln vergaß und sich einfach gehen ließ. Ich rutschte etwas tiefer, dann leckte ich einmal rasch über seine Brustwarze und knabberte vorsichtig daran. Mica drängte sich mir unwillkürlich entgegen, ich bezweifelte, dass er das bewusst tat. Erneut drückte ich meine Zunge gegen seine Brustwarze und saugte kurz daran, dann ließ ich von der empfindlichen Haut ab und begann, mich langsam tiefer zu küssen.

Mit der Hand strich ich langsam über seinen Rücken bis hinab zu seinem Hintern, den ich ein wenig forsch, aber nicht zu grob umfasste und Mica näher an mich zog. Meine Lippen erkundeten weiter seine weiche Haut, mit meiner Hand strich ich über seine Hüfte und ließ sie dann leicht auf seinem Schritt ruhen. Ich hauchte einen letzten Kuss auf seinen Bauch, dann legte ich mich wieder so hin, dass ich ihm direkt in die Augen sehen konnte. Ich wollte seine Reaktion beobachten. Mica sah mich nervös an, seine Wangen waren noch stärker gerötet als eben. Sein halbsteifes Glied war durch den Stoff der Hose leicht zu erfühlen. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen begann ich, ihn durch die Hose hindurch zu massieren, was mit einem zittrigen Keuchen quittiert wurde. Mica schloss die Augen und legte zu meiner Überraschung seine Hand an meine Hüfte. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er das bewusst tat, dennoch war mir klar, dass er mich gerade zum ersten Mal von sich aus anfasste.

Gedanklich lobte ich mich selbst für diesen Erfolg, aber dann konzentrierte ich mich auch schon wieder auf mein nächstes Vorhaben. „Dreh dich um“, forderte ich ihn leise auf. Sein Gesichtsausdruck nahm auf einmal seltsam düstere Züge an, vermutlich rechnete er damit, dass es jetzt so weit war, aber da brauchte er sich noch keine Sorgen machen. Gerade hatte ich andere Pläne, und außerdem war mein Ziel im Grunde, ihn so weit zu bekommen, dass er es wollte, obwohl er am Anfang so abgeneigt gewesen war. Das wäre ein echter Erfolg, vorher würde ich nichts machen. Sobald er mir den Rücken zukehrte, schlang ich meinen Arm um Mica und zog ihn einfach an mich. Mit einer Hand strich ich leicht über seinen Bauch und zeichnete seinen Bauchnabel immer und immer wieder nach, während ich sanft seinen Nacken küsste. Er seufzte leise auf und die leichte Gänsehaut, die sich über seinen Rücken zog, bestärkte mich nur in meinem Tun.

Ganz allmählich ließ ich meine Hand tiefer wandern, bis ich schließlich mit den Fingern gegen seinen Hosenbund stieß. Mit einer geübten Bewegung öffnete ich den Knopf seiner Hose und zog den Reißverschluss auf. Ich wollte ihn endlich richtig anfassen, nicht nur durch den lästigen Stoff. Als ich langsam mit einer Hand in seine Hose schlüpfte und über seinen Schritt strich, erwartete mich erst einmal eine Überraschung. Gut, dass er keine Unterwäsche trug, war jetzt nicht so ungewöhnlich, wenn man bedachte, wo wir uns befanden, aber er wirkte für so etwas einfach viel zu unschuldig.

Mica wirkte seltsam angespannt, als ich sein Glied umfasste, und als ich anfing, meine Hand zu bewegen, hielt sich den Mund zu, um sein Stöhnen zu ersticken. Oh. Er nahm das mit der Zurückhaltung wirklich sehr genau, oder vielleicht wollte er sich auch einfach nicht die Blöße geben. Aber das war nicht das, was ich gerade wollte. Ich hielt kurz inne, griff mit meiner freien Hand nach Micas, zog sie von seinem Mund weg und verschränkte statt dessen unsere Finger miteinander. „Alles okay“, murmelte ich beruhigend. Mehr als okay, wenn ich es genau nahm. Ich wollte ihn hören. War gut für mein Ego. Er setzte gerade zu einer Antwort an, als ich erneut über sein Glied strich, diesmal etwas kräftiger. Ein leises, erregtes Stöhnen entfuhr ihm, und das ließ mich auch nicht kalt. Fasziniert fuhr ich fort, ihn zu verwöhnen, strich mit dem Daumen über seine Eichel und lauschte dem leisen Wimmern, das ihm daraufhin entwischte. Scheinbar kämpfte er immer noch mit seiner Selbstbeherrschung, aber ich hatte nicht vor, ihn diesen Kampf gewinnen zu lassen.

Ohne von ihm abzulassen, lehnte ich mich ein wenig nach vorne und leckte langsam über seine Ohrmuschel. Micas kehliges Stöhnen ließ meine eigene Hose bedenklich eng werden. Was hatte der Junge nur an sich, dass er mich mit so einer Kleinigkeit dermaßen aus der Bahn werfen konnte? Seine nächste Handlung überraschte mich fast noch mehr. Ohne dass ich etwas gesagt hätte, drehte er sich zu mir um, meine Hand glitt dabei aus seiner Hose. Er legte eine Hand an meine Hüfte, vergrub sein Gesicht an meiner Brust und drängte sich dann an mich. Diesmal war ich derjenige, der plötzlich aufkeuchte, als Mica seine Erektion fest gegen meinen Unterleib presste. Er war inzwischen komplett hart, kein Wunder, wenn man bedachte, wie viel Mühe ich mir hier mit ihm gab. Ich drückte ihn ebenfalls an mich und genoss das erregende Gefühl, das durch meinen ganzen Körper zuckte, für einen weiteren Moment.

Es überraschte mich sehr, dass er seine anfängliche Zurückhaltung scheinbar doch ablegen konnte, aber gerade hatte ich andere Sorgen. So langsam verlor ich nämlich doch die Geduld. Ich wollte ihn so sehr, und die Aussicht, noch länger zu warten, frustrierte mich. Gedanklich rief ich mich wieder zur Ordnung. Wenn ich jetzt die Selbstbeherrschung verlöre, wäre alles, was ich bisher angestellt hatte, umsonst gewesen. Kurz kämpften die beiden Impulse in mir gegeneinander an, aber letztlich gewann doch die Vernunft. Ich löste mich von Mica und sah ihn fragend an. „Gel?“, erkundigte ich mich knapp.  „Nachttisch, oberste Schublade“, antwortete er ein wenig atemlos.

Ich drehte mich um, riss die Schublade auf und fischte eine Tube Gel und ein Kondom heraus. Noch so eine Sache, die ich an Bordellen mochte: An so etwas musste man niemals selbst denken. Die Tube Gleitgel, die ich erwischt hatte war noch ungeöffnet, ich kämpfte mich kurz mit dem Verschluss ab, aber dann bekam ich sie doch auf. Mica hatte sich in der Zeit bereits die Hose ausgezogen und saß nun nackt vor mir. Ich hoffte wirklich, dass er mir nicht ansah, wie schwer es mir fiel, nicht einfach über ihn herzufallen. Der Junge sah verboten gut aus.

Ich drückte etwas von dem Gel auf meine Finger und gab mir Mühe, nicht zu kleckern. Mica legte sich auf den Rücken und sah mir ein wenig unsicher zu. Ich kniete mich über ihn, stütze mich so ab, dass ich es halbwegs bequem hatte, und musterte ihn forschend. „Keine Sorge, ich mach vorsichtig“, sagte ich leise, in der Hoffnung, ihn ein wenig zu beruhigen. Es schien wirklich zu funktionieren, Mica nickte leicht. Und da war er wieder, dieser unsichere, fragende Blick, mit dem er mich ständig bedachte. Natürlich verstand er nicht, weshalb ich so nett zu ihm war, aber mal ehrlich, ich bezweifle, dass er begeistert gewesen wäre, wenn er es gewusst hätte. Für mich war das schließlich auch nur ein Spiel, wenn auch ein ziemlich reizvolles.

Obwohl ich wirklich vorsichtig war, als ich mit dem ersten Finger in ihn eindrang, verspannte sich Mica ein wenig. Er verband anscheinend wirklich nichts Positives damit, und das verstand ich auch irgendwo. Sein Blick suchte meinen, und als er mich ansah, wusste ich, was ihn vielleicht beruhigen konnte. Obwohl das vielleicht eher unkonventionell war, beugte ich mich vor und legte ganz sanft meine Lippen auf seine. Es war ein ganz schön ungewohntes Gefühl. Ich war niemand, der küsste. Nicht, weil es mir zu persönlich wäre oder so, sondern weil es mir einfach nie passte. Küssen war eine dieser sanften Gesten, und bei dem, was ich für gewöhnlich anstellte, kaum angebracht. Aber Mica schien es wirklich zu helfen. Er legte vorsichtig eine Hand an meine Wange und erwiderte den Kuss zögernd, als sei er sich nicht ganz sicher, ob das okay war.

Ohne unseren Kuss auch nur eine Sekunde lang zu unterbrechen, nahm ich einen zweiten Finger dazu und fing an, Mica vorsichtig zu dehnen. Diesmal verspannte er sich nicht, er konzentrierte sich scheinbar völlig auf den Kuss und ließ sich davon ablenken. Vermutlich bewusst, aber wenn es half, war das ja in Ordnung. Erst, als ich meine Finger wieder zurückzog, löste ich unseren Kuss und sah Mica neugierig an. Sein Blick war seltsam verträumt und auf seinen Lippen lag ein leichtes Lächeln. Ein ziemlich hübsches Lächeln, nebenbei bemerkt. Tja. Dann hatte ich wohl irgendwas richtig gemacht.

Ich setzte mich kurz auf die Bettkante und zog mich ebenfalls ganz aus, gerade schien mir das okay zu sein und für Mica würde es die Sache möglicherweise erleichtern. Obwohl er vermutlich schon eine ganze Weile hier war, verhielt er sich wie eine Jungfrau beim ersten Mal, und irgendwas gab mir das Gefühl, dass es vielleicht wirklich sein erstes richtiges Mal war. Und da ich nun zur Abwechslung was neues versuchte, lag es mir momentan fern, ihm das zu verderben. Ein kleiner, ziemlich boshafter Teil meines Hirns machte mich zwar darauf aufmerksam, wie interessant es wäre, sein Gesicht zu sehen, wenn er realisierte, dass ich im Grunde auch nicht anders war, als alle anderen, aber ich wischte den Gedanken weg. Momentan war ich selbst völlig entspannt und genoss die Sache viel zu sehr, als dass ich jetzt noch mit so etwas anfangen wollte.

Rasch riss ich die Packung des Kondoms auf und streifte es mir über. Danach griff ich noch einmal zum Gleitgel, um etwas davon auf meinem Glied zu verteilen, warf die Packung anschließend achtlos zu den Klamotten auf dem Fußboden und wandte mich wieder Mica zu. Der sah mich ein wenig beklommen an, er war wirklich überraschend nervös. Dabei sollte man doch meinen, dass er das kannte! Ich kniete mich wieder über ihn und strich sachte über sein Glied, sah ihm die ganze Zeit über in die Augen und beobachtete jede noch so kleine Reaktion. Er seufzte leise auf, als ich sein Glied etwas forsch umfasste, brach unseren Blickkontakt aber nicht ab. „Mica?“, sagte ich leise, während ich sanft seine Eichel liebkoste. „Mmmh?“ Sein Blick war ein wenig verschleiert, aber wenigstens schien er mir noch zuzuhören.

Ich verkniff mir bei seinem Anblick ein Lächeln. „Willst du mehr?“, erkundigte ich mich betont unschuldig. Ein „Nein“ hätte mich wahrscheinlich doch ein klein wenig verärgert, aber Mica nickte nur leicht. Er wirkte verträumt und viel entspannter als eben, obwohl ich gar nicht viel gemacht hatte. Es war wirklich interessant, wie leicht er sich von seiner Nervosität ablenken ließ. Ich küsste ihn rasch auf die Lippen, dann ließ ich von ihm ab und positionierte mich. Mica streckte eine Hand aus und verschränkte vorsichtig seine Finger mit meinen. Ich wusste, dass er mir in diesem Moment vertraute, und mir war auch klar, wie leicht es wäre, sein Vertrauen für immer zu zerstören. Aber obwohl der Gedanke da war, kam er mir seltsam reizlos vor.

Fast schon übervorsichtig drang ich in Mica ein, mir entfloh ein Keuchen, als mich seine Wärme umschloss. Mica kniff die Augen zusammen und verspannte sich ein wenig, seine Hand zuckt unruhig in meiner. Obwohl es mir schwer fiel, hielt ich mich zurück und gab ihm erst einmal einen Moment Zeit, sich an mich zu gewöhnen. Vorsichtig drückte ich seine Hand und versuchte, ihm so zu signalisieren, dass alles okay war, dass ich nicht vorhatte, ihm wehzutun. Ein paar schier endlose Sekunden verstrichen, dann merkte ich, wie sich Mica langsam wieder entspannte. Er öffnete die Augen und lächelte, die Erleichterung war ihm förmlich anzusehen. Anscheinend tat es schon gar nicht mehr so weh. „Alles gut?“, erkundigte ich mich dennoch, trotz meiner nagenden Ungeduld.

„Alles Bestens“, erwiderte Mica leise. Das reichte mir. Langsam zog ich mich aus ihm zurück, nur um erneut in ihn zu stoßen. Jetzt waren wir endlich bei dem Teil angekommen, für den ich hier war, und es fühlte sich genau so gut an wie erhofft. Mica wirkte anfangs noch ein wenig beklommen, aber auf einmal legte er den Kopf in den Nacken und drängte sich unwillkürlich näher an mich. Ich folgte der unausgesprochenen Aufforderung und fing an, mein Tempo langsam zu erhöhen. Obwohl wir gerade erst angefangen hatten, hatte ich jetzt schon das Gefühl, ziemlich nah an der Grenze zu sein. Mica trieb mich wirklich in den Wahnsinn.

Es fiel mir nicht wirklich leicht, mich zurückzuhalten, das war einfach so ungewohnt. Normalerweise genügte es eben, wenn ich meinen Spaß an der Sache hatte, mich nebenbei noch auf jemand anders zu konzentrieren, überforderte mich schon fast. Aber dennoch bemühte ich mich, und es schien mir erstaunlich gut zu gelingen, zumindest schloss ich das aus Micas verklärtem Blick. Sein Herz schlug schnell und auf seiner Stirn glitzerte der Schweiß, aber in diesem Moment ließ ihn selbst das unglaublich heiß aussehen. Verdammt, ich wusste genau, weshalb ich ausgerechnet ihn gewollt hatte.

Er schlang seine Arme um mich und vergrub sein Gesicht an meiner Schulter, ich hörte, dass sein Atem ebenfalls schon ziemlich hektisch ging. Seine Fingernägel bohrten sich in die Haut an meinem Rücken, aber der Schmerz störte mich nicht. Zu merken, wie schnell er die Kontrolle verlor, turnte mich im Gegenteil sogar noch mehr an. Der Geruch nach unserem Schweiß ging in der Luft, etwas, das mir erst jetzt richtig bewusst wurde. Es war, als würde ich Eindrücke, die ich normalerweise ausblendete, auf einmal viel schärfer wahrnehmen.

Ich beugte mich etwas vor und knabberte leicht an Micas Hals, dann streckte ich meine Hand aus und fuhr über seine Brustwarzen. Sein Griff wurde noch fester und dann war es auch schon um ihn geschehen. Sein raues Stöhnen, als er kam, war für mich Anreiz genug, es ihm gleichzutun. Ohne lange nachzudenken legte ich meine Hand an seine Wange und küsste ihn, diesmal nicht zurückhaltend, sondern fordernd und leidenschaftlich. Er erwiderte den Kuss fahrig, fast schon überrumpelt. Ich löste mich von ihm und keuchte überwältigt auf, als ich mich in ihm ergoss.

Von jetzt auf gleich war es ganz ruhig, abgesehen vom Geräusch unseres Atems, der sich erst langsam wieder beruhigte. Ich verharrte noch einen Moment, gab meinem Herzschlag Zeit, sich etwas zu normalisieren, und zog mich dann aus Mica zurück. Eher beiläufig streifte ich das Kondom ab, verknotete es und warf es in den Mülleimer neben dem Bett. Dann legte ich mich wieder neben Mica, zog ihn an mich und warf die Bettdecke über uns beide. Mica schmiegte sich ohne zu zögern an mich und vergrub sein Gesicht an meiner Brust, ich strich ihm übers Haar und drückte ihn dann leicht. Das war tatsächlich ganz interessant, ja. Normalerweise endete Sex bei mir nicht unbedingt so. Dennoch glaubte ich nicht, dass ich mich daran gewöhnen könnte. Mica war süß und ich hatte das eben echt genossen, aber dauerhaft war das nichts für mich. Mal zwischendurch würde ich das vielleicht wieder machen. Vielleicht. Aber häufig wollte ich die dafür notwendige Zurückhaltung einfach nicht aufbringen. Das war nicht meine Welt.

Eine Weile lagen wir einfach nur da. Ich lauschte auf das ruhige, gleichmäßige Geräusch von Micas Atemzügen und genoss die Wärme, die er ausstrahlte. Auch Mica schien ganz zufrieden mit der Situation zu sein, wenigstens beschwerte er sich nicht. Im Gegenteil. Nach einer Weile legte er sogar eine Hand auf meine Brust und begann, hin und wieder vorsichtig darüber zu streichen. Ich schmunzelte nur und fuhr ihm leicht durch die Haare. Ja, niedlich, eindeutig. Es wäre wirklich zu schade gewesen, ihn völlig zu verstören. Im Nachhinein war ich echt zufrieden mit meiner Entscheidung. Vielleicht würde ich sogar wiederkommen. Aber darüber konnte ich auch später nachdenken.

Micas Atem ging immer ruhiger, und nach einer Weile verriet mir sein langsamer, regelmäßiger Herzschlag, dass er eingeschlafen war. Vorsichtig ließ ich ihn los, kletterte mehr oder weniger elegant aus dem Bett und sammelte dann meine Klamotten ein. Für diese Nacht war ich zufrieden, aber noch länger zu bleiben, wäre mir seltsam vorgekommen. Ohne Eile zog ich mich an, warf noch einen letzten Blick auf Mica und ging dann gemütlich zur Tür. Doch gerade, als ich das Zimmer verlassen wollte, fiel bei mir auf einmal der Groschen. Ich blieb wie versteinert stehen, völlig überrumpelt von der Erkenntnis, die ich eben gehabt hatte und dem, was sie mit sich brachte. Es dauerte nur Sekunden, bis mir klar wurde, was für einen riesigen Fehler ich gemacht hatte und dass ich das dringend wieder ausbügeln musste. Ich wusste nur noch nicht wie.

~*~*~

So, das war's mit dem ersten Kapitel, ich hoffe, es hat bis hier gefallen! Jack ist vermutlich nicht der sympathischste Protagonist, den ich je geschrieben habe, ich hoffe aber, dass das nicht zu sehr abschreckt.
Falls sich jemand ein Bild von den Protagonisten machen möchte, habe ich mich künstlerisch betätigt, um das zu ermöglichen. ;)
Jack
Mica

Bis zum nächsten Mal!
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