Wenn der Hirsch mit dem Kraken läuft

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
OC (Own Character) Robb Stark Theon Graufreud
19.08.2019
14.02.2020
9
25734
4
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Kapitel 8


~*~


„Du hast die Situation gerade großartig entschärft“, lobte Rhiannon und ließ ihren feuchten Umhang auf den Boden fallen.

„Danke“, Benja hob ihren Umhang auf und legten ihn mit ihrem eigenen über einen freistehenden Stuhl. „Ich mache rasch Wasser heiß, für dein Bad. Bevor du dich wirklich noch erkältest, das wäre mehr als ungünstig, so kurz vor der Hochzeit.“

„Das ist lieb, Danke. Aber es reicht aus, wenn du das Wasser aufsetzt. Ich möchte denk ich etwas alleine sein.“

„Du hast bestimmt einiges, was du dir durch den Kopf gehen lassen möchtest?“, Benjas Stimme drang aus dem angrenzenden Badezimmer zu ihr hinüber. „Wegen… der Hochzeit zum Beispiel?“

„Natürlich, nur wegen der Hochzeit“, murmelte sie und fischte Theons Zettel aus ihrer Umhangtasche. Hastig schob sie ihn sich in den Ausschnitt ihres Kleides, ehe Benja zurück ins Zimmer kam. Gut, dass sie vorhin zu sehr mit dem Aufsatteln auf ihr Pferd beschäftigt gewesen war um mit zu bekommen, wie Theon in ihr heimlich zugesteckt hatte. Sonst hätte sie die Ausrede mit seiner angeblichen Angebeteten wohl kaum abgekauft.

„Das Bad ist fertig eingelassen“, ihre Zofe riss sie aus ihren Gedanken. „Darf ich… darf ich dich noch etwas Persönliches fragen?“

„Natürlich“, Rhiannon hob eine Augenbraue und wartet ungeduldig. Worauf Benja wohl hinaus mochte?

„Nun ja, der Zettel von diesem Graufreudjungen, war er wirklich nicht für dich bestimmt?“

„Wie kommst du denn darauf?“, sie versuchte möglichst überrascht auszusehen und hoffte, dass ihre Wangen sie nicht verraten würden.

„Auf dem Begrüßungsfest, unter den Angestellten wird gemunkelt, dass ihr euch sehr nahegekommen seid. Beim Tanzen.“

Jetzt war sich Rhiannon sicher, dass ihre Wangen glühten. Deutlich erinnerte sie sich an den einen gemeinsamen Tanz, als Theon sie beinahe verboten eng an sich gedrückt hatte. „Das ist genau das, was es ist, Benja. Gemunkel unter den Angestellten. Er hat sich nur um mich gekümmert, als Robb Grauwind geholt hatte. Wie du dich vielleicht erinnerst, hatten Robb und ich danach einen romantischen Spaziergang unter den Sternen.“

„Natürlich, das dachte ich mir bereits“, Benja sah auf den Boden. „Es ist nur auch die Art, wie er dich ansieht. Als würde er mit dir ein Geheimnis teilen, dass niemand sonst kennt.“

„Möchtest du mir etwa etwas unterstellen?“, zu gerne hätte sie ihr die Wahrheit gesagt, so wie früher wenn sie darüber gescherzt hatten wen sie wohl einmal heiraten würde, oder noch früher, als sie Joffrey kleine Streiche gespielt hatten. Bei diesem Thema allerdings, konnte sie Theon und sich in richtige Schwierigkeiten bekommen und das wollte sie definitiv nicht. Außerdem, züchtigte sie sich selbst, gab es ja auch nichts zu erzählen.

„Nein, Rhiannon. Das würde mir auch nicht zu stehen“, sie machte eine leichte Verbeugung. „Das Badewasser wird kalt, lass mich rufen falls du mich brauchst.“

„Benja!“, rief sie ihr noch hinterher, aber da hatte ihre Freundin bereits den Raum verlassen. „Fabelhaft“, murrte sie. „Jetzt habe ich Benja auch noch vor den Kopf gestoßen“, über sich selbst genervt zog sie den Zettel aus ihrem Dekolleté, schlüpfte aus ihrem Kleid und stieg in die heiße Wanne. Einen Moment schloss sie die Augen um die negativen Gedanken zu vertreiben und sich ganz auf das heiße Wasser zu konzentrieren, dass genießerisch ihren leicht geschundenen Körper umspielte- die blauen Flecken traten mittlerweile deutlich hervor. Dann, endlich, nahm sie sich die Zeit um Theons Brief zu lesen- er war erstaunlich kurzgehalten.

Hallo Prinzessin,

ich hoffe, ich habe dich letzte Nacht nicht zu hart rangenommen? Immerhin wäre es wenig tragbar, wenn du deinem Zukünftigen diverse Verletzungen erklären müsstest! Triff mich heute Nacht wieder, gleiche Zeit, gleicher Ort. Der dicke Tom wird vor. wieder wache halten, aber nicht einmal er ist so dumm und kauft dir zweimal hinter einander die gleiche Ausrede ab. Vor deinem Fenster wuchern dichte Ranken, wenn du leise bist, kannst du dich so herausschleichen.

Theon- der wahre Prinz.

P.S.: Ich habe mir etwas für dich ausgedacht.

Zweifelnd faltet Rhiannon den Brief und lies ihn neben die Wanne fallen. Konnte sie wirklich über das Fenster nach unten klettern? Geschweige denn später wieder hinauf? Auf der anderen Seite, hatte sie eine andere Wahl? Vernünftig sein und dich nie wieder mit diesem Theon abgeben!, schalt sie eine Stimme in ihrem Inneren, die Rhiannon jedoch geflissentlich ignorierte. Was er wohl für sie geplant hatte? Wohlwissend, dass sie solche Gedanken nicht einmal denken durfte, spürte sie wieder das Pochen zwischen ihren Beinen, genauso wie nach ihrem Traum von vor zwei Nächten. Aber so etwas würde selbst Theon nicht wagen, oder doch? Mit einem Schnauben versuchte sie wenig erfolgreich die Gedanken aus ihrem Kopf zu bekommen und tauchte schließlich unter. Hastig beendete sie im Anschluss ihr Bad und wusch sich nur noch rasch die Haare, ehe sie aufsprang, triefend nass nach dem Zettel griff und ans Fenster stürmte. Es stimmte, an den dicken Ranken sollte sie sich relativ einfach hinab hangeln können, besonders, wenn sie ihre bequeme Kleidung trug.

Ich werde da sein, schrieb sie schlicht unter Theons Nachricht und setzte anschließend ein wagemutiges Vielleicht kannst du mir wirklich das Schwimmen zeigen hinzu, ehe sie ihn wieder zusammenfaltete und sich fertig fürs Abendessen machte. Ein gutes hatte es, dass vor allem Robb den Brief gesehen hatte. Dank Theons Ausrede konnte sie ihn ihm einfach geben, ohne ihn ihm besonders heimlich zustecken zu müssen. Benja hatte ohnehin bereits Verdacht geschöpft. Sie musste wirklich vorsichtig sein, wie sie sich in der Öffentlichkeit gab- vermutlich sollte sie sich Robb deutlich zugetaner zeigen.

~*~


Tatsächlich war Rhiannon eine der letzten, die zum Abendessen erschienen. Robb und Theon standen wie am Morgen vor der Tür, der Rest schien bereits Platz genommen zu haben.

Ihrem Plan folgend, setzte sie ein breites Lächeln auf und schenkte es Robb, ehe sie sich möglichst distanziert Theon zu wandte. „Hier“, sie überreichte ihm den Zettel. „Ich habe keine Anmerkungen, Ihr könnt ihn so Eurer Angebeteten zukommen lassen“, sie sah genau lange genug zu ihm um zu sehen, wie sein typisches Grinsen noch eine Spur breiter wurde. „Robb, wollen wir zum Abendessen gehen? Von unserem Ausflug habe ich richtig Hunger bekommen“, sie strahlte ihn weiterhin an und versuchte seinen irritierten Gesichtsausdruck zu ignorieren. „Natürlich“, er hielt ihr den Arm hin und führte sie zu ihrem Platz. „Du hattest Spaß heute Nachmittag? Zumindest wirkst du so.“

„Ich hatte sogar sehr viel Spaß, das sollten wir wiederholen!“, sie wusste nicht was sie mehr störte. Robbs Blick der langsam weich wurde, die irritierten Blicke ihrer Eltern, als sie Arm in Arm den Saal betraten, oder Theon Blicke, die ihr wie Eis den Rücken runter liefen. „Weißt du, Robb“, sie versuchte weiter munter fröhlich zu bleiben. „Du hattest recht, es ist wirklich schön hier, wenn man sich an all den Schnee gewöhnt hat. Vielleicht kannst du mir morgen ja das Winterdorf zeigen?“, sie nahmen gemeinsam Platz an der hohen Tafel und Robb schob ihr galant den Stuhl zurecht.

„Normalerweise liebend gerne, aber dein Vater hat zur Jagd gerufen. Ich vermute, er versucht irgendwo in den Wäldern noch einen Schattenwolf zu finden- als wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, nach unseren noch welche zu finden. Geschweige denn, dass Vater es niemals gestatten würde.“

„Das würde ihn mit Sicherheit glücklich machen“, sie gluckste. „Aber du hast recht, außerdem wäre es ein schlechtes Omen in Anbetracht unserer gemeinsamen Zukunft.“

„Wir können uns übermorgen das Winterdorf ansehen. Kurz darauf ist ohnehin bereits dein Namenstag.“

„Gerne“, sie ließ den Blick durch den Raum schweifen und blieb an einem dunkelhaarigen Mädchen hängen, das sie finster ansah. „Das Mädchen“, sie reckte ihr Kinn in ihre Richtung und senkte die Stimme. „Ist das zufällig deine Jeyne?“

„Sie ist nicht meine Jeyne“, er lächelte. „Aber ja, das ist Jeyne. Wie kommst du darauf?“

„Sie sieht mich an, als würde sie mich jeden Moment auffressen.“

„Das würde sie nicht tun.“

„Oh doch, das würde sie. Ein riesiger Schattenwolf in den Wäldern wäre nichts dagegen.“

Jetzt konnte Robb nicht anders als zu lachen, Jeynes Blick schien sich dabei eher noch weiter zu verfinstern. „Vermutlich hast du doch recht“, er gluckste weiter in sein essen.

„Sie ist auch sehr hübsch“, Rhiannon sah auf ihren Teller und hatte durchaus bemerkt, dass jedes Haar ihrer perfekten Frisur genau dasaß wo es hingehörte.

„Ja, das stimmt“, seine Stimme wurde weich. „Das ist sie.“

„Danke.“

„Wofür?“

„Das ist nicht gerade etwas, das man vor seiner Zukünftigen sagt.“

„Ich hatte nicht das Gefühl, das dich das stören würde.“

Sie lächelte ihm zu. „Sollte es aber vermutlich.“

„Ja, vermutlich… Erzähl mir doch etwas. Was erwartest du dir von unserer gemeinsamen Zukunft?“

„Erzähl du mir doch, von deinen Gedanken und Plänen.“

„Natürlich eine Ehe wie meine Eltern sie führen- mit Respekt und Liebe für einander. Einen Stammhalter für Winterfell und Töchter die Sansa und Mutter nach Strich und Faden verwöhnen können. Frieden für den Norden. All so etwas.“

„Das sind ja beinahe überschaubare Wünsche.“

„Weißt du, Jeyne hat immer gesagt…“, er senkte die Stimme, ehe er sich schließlich unterbrach.

„Was hat Jeyne immer gesagt?“

„Es sollten immer die einfachen Dinge sein, die einen glücklich machen.“

„Und mir ihr war es einfach?“

„Sehr. Manchmal kam es mir so vor, als wüsste sie bereits was ich denke, bevor mir der Gedanke überhaupt in den Kopf kam. Sie hat mich zum Lachen gebracht und mir Orte gezeigt, die selbst ich noch nicht entdeckt hatte.“

„Sie war dir sehr wichtig.“

„Sie war mein bester Freund. Es hat ihr das Herz gebrochen, als ich ihr von der Vermählung erzählt habe. Ich hätte ihr niemals falsche Hoffnungen machen dürfen.“

Rhiannon griff nach Robbs Hand. „Ich sage so etwas eigentlich nicht, aber manchmal will das Herz, was das Herz will. Und du warst verliebt“, sie behielt den Blick stur auf ihren Teller gerichtet.

„Das war ich wohl.“

„Ich denke, du bist ein großartiger Freund. Du verdienst auch jemand anständigen, sie hätte dich bestimmt glücklich gemacht.“

„Mit Sicherheit“, er ließ seinen Blick zurück zu Jeyne schweifen und lächelte ihr zu, ehe er sich wieder Rhiannon zu wandte. „Macht es dich manchmal traurig, dass du nicht selbst über dein Schicksal entscheiden kannst?“

„Es hat mich wütend gemacht. Extrem wütend. Nicht deinetwegen“, sie sah in entschuldigend an. „Aber seien wir mal ehrlich. Unsere Verlobung hat weder etwas mit dir, noch etwas mit mir zu tun. Nicht einmal, mit einem Bündnis zwischen unseren Familien. Dein Vater wird die Hand des Königs, das hätte gereicht. Außerdem hätten sie auch Joffrey mit Sansa vermählen können. Oder Tommen mit Arya. Vielleicht sogar Myrcella mit Bran. Aber nein, es mussten wir sein. Weil mein Vater bei meiner Geburt noch an deiner Tante hing und damit irgendetwas wieder gut machen wollte. Er hängt jetzt noch an ihr und wir dürfen das ausbaden.“

Robb sah sie entschuldigend an. „Da hast du recht, aber ändern können wir an der Situation auch nichts. Und es gäbe ja wahrlich schlimmere Alternativen, oder nicht? Aber jetzt bist du dran, was erwartest du von deiner, unserer, Zukunft?“

„Vermutlich das gleiche wie du. Aber ich will ehrlich zu dir sein, ich kann mich aktuell noch nicht als Mutter sehen, das ging jetzt alles so schnell.“

„Dann ist es ja gut, dass ich mich auch noch nicht als Vater sehen kann“, er drückte ihre Hand. „Aber wir bekommen das schon hin, gemeinsam.“

~*~


„Ich weiß, was du vorhast“, Theons Stimme drang aus einer dunklen Nische zu ihr durch und wie am Vorabend reichte er ihr eine Fackel und nahm wie selbstverständlich ihre andere Hand in die seine. Sie war rau, rau und warm und schloss sich wie abgemessen um ihre im Vergleich verhältnismäßig kleine Hand.

„Ich weiß nicht was du meinst“, Rhiannon versuchte ihre Stimme möglichst ruhig klingen zu lassen, allerdings klopfte ihr Herz ihr beinahe wieder bis zum Hals. Vor allen in Anbetracht ihrer umschlungenen Hände.

„Mit Robb. Du willst, dass die Leute denken ihr wärt überdeminsonal glücklich mit der Verlobung und allem“, er steckte seine Fackel in eine Wandhalterung und schloss die schwere Tür auf. „Dabei willst du nur, dass niemand merkt, was zwischen uns ist.“

„Ist zwischen uns denn etwas?“, ihr Mund wurde trocken.

„Sag du es mir, Prinzessin. Immerhin willst du nicht, dass jemand etwas von uns erfährt.“

Sie schluckte. „Weil wir Ärger bekommen würden. Und Robb wäre bestimmt nicht begeistert davon.“

„Vielleicht würde Robb dich unterstützen. Hast du ihn gefragt?“

„Ja, und würde er nicht“, unwillentlich zog sie ihre Hand aus seiner und nahm ihren Mantel ab. In weiser Voraussicht trug sie nicht nur die Kleidung vom Vorabend, sondern auch ein langes, viel zu weites weißes Leinenhemd. Nur für den Fall, dass sie wirklich… nass werden würden.

„Wie ich sehe, scheinst du dich sehr aufs Schwimmen zu freuen, Prinzessin“, seine Augen wanderten über ihren schmalen Körper, der sich kaum merklich unter dem Hemd abzeichnete. „Eigentlich wollte ich dir ja etwas Anderes zeigen.“

Stimmt. Die Überraschung.

„Was wolltest du mir denn zeigen?“

„Bogenschießen. Du könntest die erste Frau des Nordens sein, die selbstständig auf die Jagd geht. Außerdem bist du zu schwächlich für ein richtiges Schwert.“

„Erstens, würde Robb das wohl kaum erlauben. Und zweitens, bin ich nicht zu schwach für ein richtiges Schwert“, sie sah ihn entrüstet an.

„Vermutlich hast du recht“, er zog sich sein Hemd über den Kopf und Rhiannon versuchte nicht zu sehr auf seine glatte Brust zu starren. „Aber Bogenschießen ist meine Leidenschaft. Du wärst erstaunt, was ich hier für ein guter Lehrer wäre. Aber jetzt lass uns erst mal ins Wasser gehen“, entgeistert blickte sie ihm hinterher, als er ins Wasser stieg.

Seine Haut war nicht so blass wie ihre eigene und seine dunklen Haare klebten vom Wasser an seinem Kopf, als er kurz unter- und wieder auftauchte. Seine Muskeln spielten unter seiner Haut wenn er sich bewegte und Rhiannon wurde klar, wie stark er vermutlich war.Sie hatte zuvor schon Männer ohne Hemd gesehen –ihre Brüder, ihren Vater. Aber dann wurde ihr bewusst, dass sie eigentlich keinen anderen Mann ansehen durfte, der nicht zur Familie gehörte und ihr Gesicht wurde feuerrot, als sie darüber nachdachte, ob er seine Hose im Wasser wohl anlassen würde oder nicht.

Er drehte sich zu ihr um und sie senkte rasch den Blick, was noch schlimmer war als in sein Gesicht zu sehen. Sie sah über seine Brust auf die Muskeln auf seinem Bauch und schließlich die dunkle Haarlinie, die unter Wasser verschwand. „Kommst du?“, er ließ sich auf dem Rücken treiben und bei ihm wirkte es so leicht!

„Ich warne dich vor“, sie zog ihre Hose aus und stieg nur in dem langen Hemd vorsichtig ins Wasser. Es war mehr als nur angenehm warm und umspielte sanft ihre Haut. „Es ist wirklich Jahre, dass ich zuletzt schwimmen war. Falls man das als Schwimmen bezeichnen konnte“, gut, dass sie für eine Frau sehr groß war, denn so konnte sie gerade stehen in dem tiefen Becken. Theon lachte. „Na dann, zeig mir doch mal was du kannst. Ich lache dich auch nicht aus, oder lasse dich untergehen.“

„In Ordnung“, zaghaft versuchte Rhiannon ein paar Züge, sackte aber beinahe sofort ab.

„Dir fehlt die Spannung“, er trag neben sie. „Leg dich auf den Bauch, lass dich treiben“, er hielt die Hand unter ihren Bauch. „Hier“, er berührte sie und ihre Haut fing augenblicklich an zu kribbeln. „Merkst du, wie dein Halt im Wasser besser wird?“

Natürlich merkte sie es, allerdings nur, wenn sie nicht versuchte zu sehr auf seine Hand zu achten. Durch die sachten Bewegungen des Wassers wirkte es, als streichle er sie. „Ich merke es“, sie schluckte und versuchte ein paar Bewegungen von ihm weg zu machen, es funktionierte tatsächlich hervorragend. „Hat dir dein Vater so das Schwimmen beigebracht?“

„Meine Brüder“, er ließ sich neben ihr treiben. „Rodrick und Maron haben es mir beigebracht. Sie haben mich ins Wasser geworfen und da ich nicht untergegangen bin haben sie mir gratuliert.“

„Vermisst du sie?“

Theon lachte bellend. „Sie sind tot, getötet bei der Rebellion. Am Anfang habe ich sie vermisst, aber sie haben mich nur geärgert und sich nicht um mich gekümmert. Es ist besser so. Ich bin der bessere Prinz.“

„Du bildest dir ganz schön viel darauf ein!“, sie spritzte ihn mit Wasser an und als er lachend zum Gegenschlag ausholte, versuchte sie möglichst rückwärts vor ihm zu fliehen. Sie genoss sein Lachen und lies sich herzhaft anstecken. So sehr, dass sie stehen bleiben musste und es für Theon ein leichtes war sie gegen den Beckenrand zu drücken.

„Was ist los Prinzessin? Willst du mich jetzt nur noch anstarren“, provokant näherte er sich ihr weiter und Rhiannon streckte trotzig und stolz das Kinn in die Luft. „Ich habe nicht gestarrt, ich habe…beobachtet“

Theon lachte auf „Beobachtet? Nun, das war aber intensives beobachten“, er betonte das letzte Wort besonders und somit bekam es einen lächerlichen Klang.

Sie versuchte sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen. „Nun, du hättest ja nicht zurückstarren müssen.“

Er zog die Augenbrauen nach oben „Ach? Sind wir nun doch wieder beim starren angekommen?“

Sie verdrehte die Augen, auch wenn sie wusste, dass sich das nicht schickte „Möchtest du über solche Kleinigkeiten diskutieren?“

Theon schüttelte lächelnd den Kopf „Nun, eigentlich wollte ich wirklich deinen…Beobachtungen auf den Grund gehen. Genießt du denn die Aussicht?“

Rhiannon öffnete empört den Mund und wollte antworten, jedoch kam Theon noch einige Zentimeter näher und sie schloss ihren Mund augenblicklich. Er stand nun direkt vor ihr und sie konnte sich nicht daran erinnern, jemals jemandem so nahe gekommen zu sein. Sie versuchte ihre Maske aufzubehalten und antwortete gespielt selbstsicher „Nun, du beobachtest ja zurück. Genießt du denn deine Aussicht?“

„Wenn du es unbedingt wissen willst: Ja, ich genieße die Aussicht. Welcher Mann schaut nicht gerne schönen Mädchen hinterher?“

Augenblicklich spürte sie, wie sie wieder rot anlief und auch Theon schien dies nicht entgangen zu sein „Prinzessin sag, mache ich dich nervös?“ Er kam mit seinem Gesicht ihrem eigenen noch näher und sie konnte seinen Atem spüren.

„Ich…äh..“, ihr selbstbewusstes Verhalten war dahin und bevor sie reagieren konnte, drängte er sie jetzt komplett gegen den Beckenrand, beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie auf den Mund. Sie erstarrte zur Salzsäule. Seine Lippen lagen auf ihren und sie meinte Wein darauf zu schmecken. Er hielt sie sanft im Arm und legte eine Hand in ihren Nacken, zog sie enger an sich heran. Der Kuss war so unschuldig, unschuldiger als sie jemals gedacht hatte geküsst zu werden, und dennoch spürte sie wie ihr ganzer Körper brannte, als er sich schließlich von ihr löste. In seinen warmen Augen sah sie ganz deutlich Verlangen aufblitzen, sein Unterleib drückte plötzlich seltsam eng gegen ihren. Sie blinzelte, einmal, zweimal.

„Scheiß drauf!“

Und dann küsste sie ihn richtig.
Review schreiben