the look inside, don´t hide

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
OC (Own Character) Riku Rajamaa
19.08.2019
20.09.2019
10
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„Hier ist es aber schön ruhig.“, stellte er leise fest, während sie den Wagen verließen.
„Ja, es ist schon fast ländlich. Hier kennt jeder jeden.“
„Und hier hast du deinen Wohlfühlort?“
Julie nickte. „Ja, er liegt auf Privatbesitz und doch habe ich ihn gefunden. – Ich dachte, ich bekomme Ärger, als man mich erwischt hat. – Hallo Frau Svobota.“
Samu schrak zusammen, er hatte die alte Dame auf der Hollywood-Schaukel gar nicht bemerkt.
„Guten Abend Julie, heute hattest du ja mal pünktlich Feierabend. Und du hast einen Freund dabei?“
„Ja, Frau Svobota. Ich wollte Samu mal den schönsten Ort hier zeigen.“, rief Julie eben zurück.
Samu folgte ihr eilig. „Hat sie dich erwischt?“, fragte er.
„Hm. Aber sie war mir nicht böse, sie hat sich gefreut, mit mir zu sprechen. Ich glaube, sie hat sich alleine gefühlt.“, überlegte Julie.
„Und nun darfst du immer herkommen?“
„Ich darf hier sein, wann ich immer will. Es ist jetzt mein Zuhause.“
Samu sah sich begeistert um.
Sie waren nun hinter dem Haus angekommen.
Das Grundstück lag direkt an einem Fluss, sein Ufer war von Trauerweiden gesäumt, ihre Äste hingen teilweise bis aufs Wasser herunter.
Ein kleines Häuschen stand auf der Wiese zwischen dem Haupthaus und dem Fluss, es war von einer bunten Mischung von Blumen umrahmt.
„Ist das schön hier...“, entfuhr es Samu, während er Julie weiterhin hinterher ging.
Sie schlüpfte durch die Zweige, einer der Bäume und ließ sich am Stamm des Baumes nieder. Sie zog die Beine an und legte ihr Kinn auf den Knien ab. „Frau Svobota suchte gerade nach einem Mieter. – Sie hat sich Sorgen gemacht, dass ich es nicht hinbekomme. Es gab soviel zu renovieren und doch hat sie mir die Chance gegeben. – Ich habe mich nie wohlgefühlt in der Stadt, es ist dort immer so laut.“ Julie lächelte sanft, als Samu sie forschend ansah.
„Aber in Helsinki fühlst du dich wohl?“
„Deine Stadt ist anders, dort ist es nicht so laut, dort gibt es viele stille Orte, wo man Ruhe finden kann.“, murmelte sie. „Und dort darf man sein, wie man ist.“
Samu setzte sich zu ihr. Er sah sie blinzeln. „Es sind nicht alle Menschen so gemein...“
„Ja, das weiß ich auch. Es gibt Menschen, denen ist es egal, ob man Markenkleider trägt, oder Make-up. -- Wenn ich mir manche Mädels ansehe... Wie ist es wohl, am nächsten Morgen neben einem anderen Menschen aufzuwachen, als man ihn abends gesehen hat. Sie sind schön, aber wenn sie sich waschen, erkennt man sie nicht wieder. – Nein, ich will mich nicht verkleiden, und doch tun ihre Worte weh.“, flüsterte Julie und atmete schwer durch.
Samu legte ihr einen Arm um ihre Schulter. „Bleib du selbst.“, flüsterte er. „Du bist schon ganz richtig so.“
„Ich bin mir da nicht so sicher.“, schniefte sie. „Entschuldige, ich bin  heute wohl ein bisschen rührselig.“
Samu schwieg, hielt sie einfach nur fest. „Das kenne ich.“, flüsterte er nach einer Weile, als sie sich über die Augen wischte.
Julie atmete tief durch. „Eigentlich kann ich sie einfach wegschieben.“, flüsterte sie.
„Irgendwann muss es mal raus. – Ich koche dann immer gern, beim Zwiebeln schneiden darf man nämlich heulen.“
„Da lässt du dann alles raus?“
Samu grinste verschmitzt und hob die Schultern.
„Danke, dass du mir davon erzählt hast. – Magst du einen Kaffee mit mir trinken? Ich kann dich aber auch gleich zurück fahren.“
„Kaffee wäre toll.“
Julie erhob sich und streckte Samu ihre Hand hin.
Grinsend ließ er sich auf die Beine helfen. „Ist es weit?“, fragte er.
„Ein Stückchen...“, erklärte Julie vage.
Samu runzelte die Stirn, als Julie nicht zur Straße abbog, sondern das Häuschen ansteuerte.
„Es ist noch nicht alles perfekt, aber willkommen in meinem Zuhause.“, murmelte sie und betrat das Häuschen.
Er sah sich verblüfft um. „Hier wohnst du also? Das hätte ich jetzt nicht erwartet, es ist größer, als man denkt.“
„Hm, ich mag sie so offen, meine Ess-Wohn-Küche.“, murmelte Julie und setzte die Kaffeemaschine in Gang.
Samu nickte und ging langsam durch den Raum.
Julie hatte wirklich drei Räume in einem untergebracht.
Da war eine Couchecke mit einem großen Fernseher, aber auch ein Plattenspieler stand im Regal und schien wirklich genutzt zu werden.
Am Rücken der Couch stand der große Küchenschrank.
Einladend fast mitten im Raum stand der große Esstisch, mit den bunt zusammengewürfelten Stühlen.
„Sieh dich ruhig um, aber sei vorsichtig an der Treppe, dort fehlt noch das Geländer.“
„Treppe?“
Julie lachte. „Ohne das Geländer verschmilzt es zu einer Wand. – Geh mal in die Richtung.“, schlug sie vor und deutete an der Couch vorbei.
Samu folgte ihrem Hinweis. „Ich dachte, das ist ein Schrank, wegen der Griffe.“
„Hm, das ist ein Lifehack.“, murmelte Julie. Sie zog an einem der Griffe und öffnete so eine Schublade mit Schuhen.
„Krass. Und was ist dort oben?“, fragte er neugierig.
„Irgendwo muss man ja schlafen ...aber schau ruhig nach. Ich habe mein Häuschen einfach nach Gefühl eingerichtet. Und ich liebe meinen Balkon.“
„Balkon? Von außen hat man keinen Balkon gesehen...“
Julie lachte, weshalb Samu die Treppe langsam erklomm.
Aber er landete nicht in einem Schlafzimmer, sondern in einer Bibliothek.
Zwei gemütliche Schaukelstühle standen hier, umrahmt von deckenhohen Bücherwänden. Neben der Treppe stand ein großer Korb mit Holzstücken. Dämmriges Licht fiel durch die Dachfenster herein.
Samu drehte sich um sich selbst. Er sah Julie fragend an, als sie ebenfalls heraufkam und ihm einen Kaffeebecher reichte. „Hier ist kein Balkon und auch kein Platz zum Schlafen.“, stellte er leise fest.
„Doch.“ Julie stellte ihren Kaffeebecher im Regal ab und trat ans Fenster. Sie öffnete es, indem sie die obere Hälfte nach außen drückte. Dann klappte sie auch die Untere Hälfte nach vorne.
Es war nicht wirklich ein Balkon, aber man konnte zu zweit im Freien stehen, oder alleine sitzen.
„Okay, ich akzeptiere das mal als Balkon, aber ein Bett gibt es hier trotzdem nicht.“
„Nach dem Kaffee zeige ich es dir.“, meinte Julie grinsend und ließ sich in einem der Schaukelstühle nieder.
Samu tat es ihr nach, versuchte aber immer noch ein Bett in diesem Raum zu finden.
Julie beobachtete ihn schmunzelnd dabei, während sie immer wieder an ihrem Kaffee nippte.
Er trat noch einmal auf den Balkon und lehnte sich vor. „Da ist noch ein Fenster.“, murmelte er und trat an das Bücherregal. Unauffällig versuchte er an dem Regal zu ziehen.
Julie kicherte.
„Verrate es mir.“, bettelte er.
„Du suchst ein Schlafzimmer. Wann hält man sich dort auf?“
Er sah sie nachdenklich an. „Naja, meistens in der Nacht...“
Sie nickte.
Samu runzelte die Stirn, als sie zu ihm trat und ihren Finger auf ein Buch legte. „Gute Nacht Geschichten?“, las er auf dem Buchrücken.
Sie zog das Buch zurück und es war ein leises Klacken zu hören.
Langsam schwang das Regal auf und gab einen Durchgang frei.
Zögernd trat Samu hindurch. „Das ist unglaublich. Es ist genauso groß wie deine Bibliothek.“, stellte er leise fest. „Gemütlich.“ Samu grinste und deutete auf das Bild über dem Bett. „Ist das nicht der Blick von Munkkiniemi?“
Julie nickte. „Der Sonnenuntergang dort ist toll, mit diesem Ausblick kann man träumen.“
Samu nickte, den Arm um ihre Schulter gelegt. „Du hast dir ein schönes Zuhause geschaffen. – Aber was ist das?“, fragte er und deutete auf das Holz neben der Treppe.
„Das wird das Treppengeländer, aber es fehlen noch ein paar Teile. – Mir fehlt momentan die Zeit zum Drechseln.“
Samu sah sie mit offenem Mund an. „Du machst das selbst?“
Sie nickte. „Ja, ich habe zwar eine ganze Weile gebraucht es zu lernen, aber jetzt macht es Spaß.“
„Du bist schon cool...“
Julie lachte auf. „Ja klar. – Soll ich dich endlich zurück fahren? Du hast dir deinen Besuch in Berlin bestimmt ein bisschen anders vorgestellt...“, sinnierte sie.
„Hm, nicht ganz so angenehm.“, gab Samu zu. „Du Julie, dürfte ich noch dein Bad benutzen, bevor wir fahren?“
„Klar.“ Sie grinste, als er sie fragend ansah. „Unten an der Treppe.“, erklärte sie.
Samu lief hinunter. „Hab ich völlig übersehen.“, rief er.
Dabei war die Tür eigentlich nicht zu übersehen.
„Cool, ist es so antik, wie es wirkt?“, fragte er, während er die Tür hinter sich schloss.
Julie schmunzelte. Oh ja, sie liebte ihr Bad.
Die alte freistehende Badewanne, mit den Löwenfüßen aus Messing, und der Rest passte perfekt dazu.
Sie hatte die Badezimmereinrichtung bei einer Hausauflösung gefunden und recht günstig erstanden.
„Das ist ein schickes Bad.“, murmelte Samu, als er zu ihr trat. „Du fühlst dich hier richtig wohl, hm?“, stellte er leise fest, während sie das Haus verließen.

*~*~*

Etwa einen Monat später hob Samu die Augenbrauen, als Osmo leise schimpfend sein Handy wegsteckte. „Was ist los, Oz?“, fragte er.
„Jules antwortet nicht mehr.“ Osmo seufzte, als Samu ihn forschend ansah. „Wie haben viel geredet über Whatsapp. Sie hat sich meine neuen Sachen angehört und mir beschrieben, wie es für sie rüber kommt. Dafür habe ich ihr zugehört.“, erklärte er.
„Ach, und was hat sie so erzählt.“ Samu hob überrascht die Augenbrauen, als Osmo vor sich hin lächelte.
„Meistens hat sie ihren Ausblick beschrieben. – Das kann sie richtig gut.“
„Wie geht es ihr?“, fragte Samu leise.
„Sie war happy, Jules war verliebt. – Aber seit drei Tagen erreiche ich sie nicht mehr. Man sieht ja, dass sie hin und wieder online ist, aber warum antwortet sie nicht?“
„Ich fliege nächste Woche nach Berlin, soll ich mal nach ihr sehen?“, schlug Samu vor.
Osmo sah ihn nachdenklich an. „Nimmst du mich mit?“
Samu hob die Augenbrauen. „Was wird Livia dazu sagen?“
Osmo lachte. „Livia weiß über Jules Bescheid. Sie meinte mal, Julie ist mein Probe-Fan. -- Sie macht sich auch Sorgen.“
„Wegen mir können wir gern zusammen nach Berlin fliegen. – Du sagst, Julie ist verliebt?“
Osmo lachte. „Oh ja. Livia war so begeistert von Julies Beschreibung des ersten Abends. – Es ist, als würde sie ein Bild zeichnen, oder eine Geschichte schreiben, wenn sie etwas erzählt.“
Samu nickte. „Jules ist ein Schreiberling, sie sollte etwas daraus machen. Aber ich fürchte, das traut sie sich selbst nicht zu.
Osmo seufzte. „Da könntest du Recht haben.“
Samu schüttete fassungslos den Kopf. „Wer hätte gedacht, dass jemand, der Riku zum grinsen bringt, dein Probe-Fan wird?“
Osmo grinste. „Wir sind Chat-Freunde. Wenn Julie nicht in Deutschland leben würde, wäre wir bestimmt so richtig befreundet und auch Livia würde sie ständig belagern. – Manchmal geht eine ganze Flut an Sprachnachrichten hin und her, da schlackern dir die Ohren.“
„Oje.“ Samu lachte mitleidig. „Dann sage ich Mikko mal, dass er für dich mit buchen soll.“, meinte er und zog sein Handy aus der Tasche, während die anderen nun ebenfalls das Studio betraten.
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???

PS: Danke für die neuen Sternchen. *knuddel*
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