Liberale Drogenpolitik

GeschichteParodie, Romanze / P18 Slash
19.08.2019
15.04.2020
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19.08.2019 340
 
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Philipp Amthor war sechsundzwanzig Jahre alt. Er war jung und neugierig und konnte sehr wohl ziemlich rebellisch sein, und wenn Schäuble und seine Anhänger, die sich Christdemokraten zu schimpfen wagten, das nicht respektieren wollten, konnte die Lösung nur knallharte Konfrontation sein.

Eisig kalt umfing Philipp die Luft im Regierungsviertel. Er konnte nicht fassen, dass jeder seiner im Laufe des Abends immer aggressiveren Vorschläge, einschließlich der praktischen Außergefechtsetzung der Linksjugend ['solid], höchstens belächelt worden war. Habeck konnte sich warm anziehen. Schäuble konnte sich warm anziehen. Scholz, Seehofer, wie sie nicht alle hießen, konnten sich warm anziehen. Frau Merkel höchstpersönlich konnte sich warm anziehen. Die würden schon sehen, was sie davon hatten, sobald er erstmal selbst ganz vorn in der Regierungsfraktion saß.

Philipp Amthor konnte sich nicht warm anziehen. Seine Jacke hatte er daheim vergessen, doch wer konnte es ihm vorwerfen - zwei Grad Celsius waren für Oktober nicht ungewöhnlich, aber bei gerade mal 17 Grad am späten Vormittag beim besten Willen nicht vorherzusagen.

Schnellen Schrittes steuerte er entlang der Spree, eine kleine Steintreppe hinauf, auf die andere Straßenseite in Richtung des Hauptbahnhofs. Es war spät und so dunkel es in Berlin nur möglich war. Sein Schatten tauchte im scharfen Licht der Laternen ebenso schnell vor ihm auf, wie er wieder verschwand.

War er rhetorisch zu schwach gewesen? Solche Miseren konnte er sich nie, nie, nie wieder auch nur ansatzweise erlauben, dachte er, als sich der pochende Kopfschmerz hinter seiner Stirn weiter intensivierte. Philipp hatte lange nicht mehr als fünf Stunden geschlafen oder etwas anderes als sauren Bürokaffee getrunken.

Er ließ sich seufzend unter einem S-Bahn-Schild nieder. Die Bank fühlte sich nicht weniger kalt an als ihm draußen gewesen war, doch im Inneren des Bahnhofs war die Luft verbraucht und angenehm warm. Die Gänsehaut an seinen Beinen bedeckte er, indem er seine Socken feste hochzog.

Das gelb-rot lackierte Ding, welches sich in sein Sichtfeld schob, schaffte es kaum, ihn aus seiner Trance zu ziehen. Zischend öffneten sich die Waggontüren, Philipp schulterte seine Tasche und stieg ein.
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