|Ein Sommer süß wie Kirschen|

von sugacrush
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P18
19.08.2019
11.09.2019
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Kai POV

Morgens hatten wir uns nach dem Kaffee getrennt und ich war wieder Heim gegangen, bevor wir uns Nachmittags, wie am Vortag besprochen, alle gemeinsam trafen. Zuvor hatte ich mit meinem guten Freund Kayn aus Sunset Beach telefoniert, wo ich eigentlich zur Uni ging. Da ich aber nicht sicher war, ob ich das Studium fortsetzen wollte, war ich vor den Semesterferien gegangen.
Kayn sah das ganze ein wenig kritisch. Er war der Meinung, ich solle einfach meinen Arsch zusammenkneifen und das Studium durchziehen, doch ich wollte meine Freiheit und etwas tun, das mir wirklich Spaß machte. Kayn war da eher verklemmt. Er kam aus einer reichen Familie und musste sich auch keine Gedanken darüber machen, was seine Zukunft ihm bringen würde - er hatte so oder so genügend Geld zur Verfügung, um niemals arbeiten zu müssen. Es war nicht so, dass ich arm war, doch meine Tante schmiss auch nicht mit dem Geld um sich. Ich war schon froh, dass sie mir die Wohnung in Sunset Beach bezahlte.
"Kayn", hatte ich gesagt und lang und theatralisch geseufzt, "wenn du wüsstest wie es mir wirklich geht...". Er hatte nur gelacht und gemeint, dass auch bei ihm alles ein wenig drunter und drüber ging und er selbst wenig Lust darauf hatte auch nur irgendetwas zu tun. In diesem Sinne waren wir uns wieder ähnlich und das verband uns.  Er, Tyler und ich kannten uns aus der Highschool, wir waren alle Sportler gewesen.
"Komm' Wayvern! Hier her mein Mädchen!", pfiff ich, doch sie ignorierte mich - nicht, weil sie nicht gut erzogen war, sondern weil sie trotz der guten Erziehung eigensinnig war und eben jetzt in diesem Augenblick in Sand und Wasser herum tollen wollte.
"Sie scheint nicht auf dich zu hören", grinste Adam und das war der Moment in dem ich wirklich wusste, was Cheryl gemeint hatte. Adam mochte zwar ganz nett sein, doch er war auch furchtbar arrogant und überheblich - einer dieser Typen die Geld hatten und das auch ordentlich raushängen ließen. Vermutlich gehörte er zu der Sorte, die einem Kassierer oder einer Barista nicht Hallo oder Tschüss sagen konnte und ständig in überteuerte Restaurants ging.  Ich konnte mir gerade so ein Augenverdrehen und einen bissigen Kommentar verkneifen. Cheryl warf mir einen entschuldigenden Blick zu.
Wir saßen alle gemütlich an einer der kleinen Strandhütten, die zur freien Verfügung standen. Später würden meine Freunde noch kommen, doch ich hatte nicht viel Lust auf einen, wie Adam es beschrieb, netten Abend. Mir fiel auf, dass er versuchte Cheryls Aufmerksamkeit zu bekommen. Diese war aber mehr mit meiner Hündin beschäftigt und fand auch sonst sehr gerne Gesprächsthemen mit mir. Dem nahm ich mich nur zu gern an. Ava schien damit ganz zufrieden zu sein, denn meiner Meinung nach hatte sie ein Auge auf Adam geworfen., welcher allerdings nur Augen für Cheryl hatte, die ganz offensichtlich nicht an ihm interessiert war. Eine merkwürdige Beziehung.

Cheryl nahm den kleinen Ball, den ich für Wayvern mitgebracht hatte, und warf ihn Richtung Meer. Die aktive Hündin hastete hinterher und brachte den nassen Ball dann wieder zu ihr. Sie tätschelte ihren Kopf.
"Findest du das nicht eklig? Pass' lieber auf, dass deine Kleider nicht dreckig werden, das ist nicht gerade elegant." Cheryl presste bei Adams Kommentar die Lippen aufeinander und sagte nichts dazu. Stattdessen stand sie auf und ging einige Meter. Ich folgte ihr. Ob das nun offensichtlich war oder nicht war mir dabei ziemlich egal. Nach unserem Gespräch am Morgen wusste ich, dass diese Worte sie trafen. Genau so wollte sie nicht sein und dass sie jemanden heiraten sollte, der das nicht verstand, tat mir wirklich Leid.
"Ist alles in Ordnung?", wollte ich mit einem Blick zurück zu Adam und Ava, die sich ein wenig widerwillig mit Wayvern beschäftigten, wissen und sah dann Cheryl in die Augen.
"Es ist nicht so, dass ich Adam nicht ausstehen kann. Ich finde ihn in Ordnung und ich bin sicher keine Zicke oder eine, die wegen Kleinigkeiten Terror macht...Aber sogar er weiß, dass ich nicht so ein Püppchen bin oder sein möchte." Ich bemerkte dass sie mit den Tränen zu kämpfen hatte und hoffte nur, dass sie nicht tatsächlich weinen würde.
"Magst du mir sagen, weshalb dir das so nahe geht?", fragte ich nach, wohl wissend, dass ich damit meine Grenzen austestete - immerhin war ich Cheryl so gut wie völlig fremd. Daran änderte auch unsere Sympathie für einander nichts.
"Er will mich zu etwas machen das ich nicht sein will. Wenn ich erst mit ihm verheiratet bin werde ich nur noch als Schmuckstück fungieren. Für Ava mag sich das toll anhören - du siehst ja, wie sie ihn anhimmelt - aber für mich ist diese Vorstellung einfach nur eine Qual. Ich möchte keine Marionette von einem dahergelaufenen neureichen Typen sein. Ich will mein eigenes Geld verdienen und als starke Persönlichkeit auftreten." Sie malte mit ihren nackten Zehen Muster in den Sand unter ihren Füßen und sah mich nicht mehr an. Etwas mutiger legte ich die Hand auf ihre Schulter. Sie war kühl.
"Ich bin sicher du wirst eine Möglichkeit finden das hinzubekommen. Lass uns zurück zu den anderen beiden gehen, sonst denken die noch es sei sonst was los", grinste ich und Cheryl folgte mir zurück. Statt sich aber auf ein erneutes Gespräch mit ihren Freunden einzulassen, hörte sie meinen Erzählungen über Sunset Beach gespannt zu.


Cheryl POV

Dass Kai mich besser verstand als meine beste Freundin brachte mich noch während unseres Gespräches deutlich zum Grübeln. Ava sollte eigentlich hinter mir stehen, mich unterstützen und mir helfen eine Lösung für mein in meinen Augen schon sehr großes Problem zu finden. Stattdessen schmachtete sie meinen Verlobten an und das nicht einmal besonders unauffällig. Als auch noch Kais Freunde hinzu kamen - ich merkte mir nicht einmal ihre Namen - war ich bereits an einem Punkt angekommen, an dem ich eigentlich gerne Heim gehen würde, doch Kai hielt mich zurück.
"Wir können doch zu deinem Onkel Hank gehen; alle gemeinsam. Wir könnten uns dort wenigstens in Ruhe unterhalten. Ihre Cocktails können die anderen dort auch trinken", schlug er vor und ich stimmte nickend zu. Er breitete den Vorschlag den anderen aus und dieser wurde sofort freudig angenommen. Bis Mooncrest war es schließlich nicht weit und ein wenig Bewegung bei dem lauen Wind würde uns allen ganz gut tun, nur herumsitzen wollte schließlich keiner.

"Hallo Onkel Hank", begrüßte ich dann meinen Onkel, als wir sein Café betraten und er strahlte Kai und mich freundlich an.
"Habt ihr eure Freunde mitgebracht?" "Ja, aber im Gegensatz zu ihnen hätte ich gerne ein einfaches Hefeweizen", murrte ich und Kai bestellte selbiges. Die anderen überhäuften meinen Onkel lautstark mit ihren Bestellungen über zahlreiche stark alkoholische Getränke, was mir tatsächlich schon sehr peinlich war. Ich sagte nichts dazu und auch Kai neben mir auf seinem Hocker schien sich über das Verhalten seiner Freunde nicht sehr zu amüsieren.
"Es tut mir schrecklich leid...", brachte er zerknirscht hervor, doch Hank winkte ab.
"Nicht doch. Ich sage zwar immer, durch die Freunde sieht man, wie jemand ist, aber deine Freunde definieren nicht deine Manieren", zwinkerte er und Kai schien erleichtert zu sein. Allgemein schien er mir, im Gegensatz auch zu meinen Freunden, sehr erwachsen und wirklich gut erzogen zu sein - kein Schnösel, dem alles einfach so in den Schoß fiel oder eine aufgetakelte Tussi, die sich jedem an den Hals warf.  Ich mochte Ava, doch in Kais Gegenwart schämte ich mich zum ersten mal in meinem Leben für meine beste Freundin. Eben auch jetzt stürzte sie sich in das Getümmel aus jungen Männern und spielte sich in den Vordergrund. So stark wie hier war mir das noch nie aufgefallen.

"Hast du vielleicht Lust morgen Früh wieder mit mir und Wayvern spazieren zu gehen?", fragte Kai leise als es lauter wurde und Hank zu der grölenden Gruppe ging. Ich streichelte der Hundedame, die uns den Weg hier her gefolgt war und nun brav an Kais Seite hockte, über den Kopf und kraulte sie unterm Kinn. Sie ließ es sich gefallen.
"Gern. Aber es ist, denke ich, besser, wenn die anderen das nicht wissen. Ich möchte nicht, dass sie blöd über dich reden." "Gut, dass wir uns auch hier einig sind", grinste er charmant, wobei mein Herz einen großen Hüpfer machte, "denn das gleiche könnte ich über meine Freunde sagen."

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Ein etwas kürzeres Kapitel, aber ich denke, ihr habt das Easter Egg bemerkt - Kayn aus meiner anderen Story Unter Druck hat auch hier eine Rolle - liegt daran, dass beide Geschichten im gleichen "Universum" spielen. Auch meine nächsten Prosatexte werden in diesem Universum spielen, das heißt die Orte und auch eventuell Personen aus dieser Story und Unter Druck können dort vorkommen - haben dann aber nichts mit dem Verlauf eben dieser zu tun sondern sind ganz eigenständige Geschichten ^^ Was haltet ihr davon?
LG Michelle
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