|Ein Sommer süß wie Kirschen|

von sugacrush
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P18
19.08.2019
11.09.2019
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Cheryl POV

"Ich habe noch nicht einmal zugestimmt, dass ihr mich für eine Verlobung vermitteln dürft!", fuhr ich meine wenig begeisterten Eltern aufgebracht an, die offensichtlich keine Ahnung hatten, was sie mir damit antaten.
Ich war immer ein Freigeist gewesen und hatte selbst entscheiden wollen, in welche Richtung mein Leben gehen würde, doch alles war mir vorgegeben worden; die Schulen, die ich besucht und die Freunde, die ich dabei gefunden hatte, das Studium, das ich hatte beginnen wollen und nun meine Verlobung mit Adam, den ich zwar mochte, aber niemals heiraten würde.
"Adam ist ein reizender junger Mann und hat erst gestern um deine Hand gebeten. Er kommt aus sehr reichem Hause, was auch dir später einmal zugute kommen wird. Daran solltest du bei der Auswahl deines Partners immer denken, Liebes", versuchte es meine Mutter auf die sanfte Tour, doch das interessierte mich in diesem Augenblick herzlich wenig.
"Ich habe alles ertragen; den Studiengang, die Freunde, die Geschäftsessen, alles! Aber eine Zwangshochzeit?!" Heiße Tränen brannten in meinen Augen, doch ich hielt sie zurück. Mein sturer Vater würde sie für Schwäche halten und dieses Gespräch nicht mehr ernst nehmen - falls er das denn jemals getan hatte.
"Cheryl, Liebes. Versuche einmal, es aus der wirtschaftlichen Sicht zu sehen. Die Heirat mit Adam sichert dir einen sehr hohen Stand in der Gesellschaft und du wirst dir leisten können, was immer du dir wünscht." Die tiefe Stimme meines Vaters wies mich augenblicklich in meine Schranken, doch das hinderte meine Seele nicht daran zu rebellieren.
"Es wäre schön gewesen, wenn ihr mich erst einmal nach meiner Meinung dazu gefragt hättet. Ich möchte noch nicht heiraten und ich bin viel zu beschäftigt mit meinem Studium...Das geht einfach nicht!" "Wie oft muss ich dir wohl noch sagen, dass es Laienhaft ist, seine Stimme zu erheben wenn man nicht weiter weiß?" Mein Vater sah mich mit einem verächtlichen Blick an.
"Du solltest diese Woche noch deinen Koffer packen; Adam und du, ihr werdet die Semesterferien gemeinsam in unserem Strandhaus in Wayvern Hill verbringen, um euch besser kennen zu lernen und für die Hochzeit nächstes Jahr bereit zu sein." Dazu fiel mir wirklich nichts mehr ein. Das Gespräch hatte zu nichts geführt, denn meine Eltern hatten mir nicht einmal zugehört.
"Meinetwegen", murrte ich und stapfte in meinen zartrosa  High Heels über den Marmor davon und zu der Treppe, die mich hinauf in meinen Wohnbereich führen würde. Durch die winzigen Tränen, die mir nun doch die Wangen hinunter kullerten, wäre ich beinahe über die Stufen gestolpert, doch ich fing mich und konnte mich rechtzeitig an dem schwarzen, metallenen Geländer festhalten.

Ich war dieses schicke und geplante Leben ein für allemal satt. Ich wollte keine High Heels und legeren Kleider in mädchenhaften Pastelltönen tragen, ich wollte mir nicht die langen Haare hochstecken und herumlaufen wie eine Prinzessin, die ihre Rolle spielen musste. Ich wollte nicht dieses langweilige BWL studieren und ich wollte Adam, den ich aus der Uni und von Geschäftsessen kannte, nicht heiraten.  
Was ich wollte? Mein eigenes Leben führen, eigenständige Entscheidungen treffen und einen Mann heiraten, der es nicht nur auf eine gesellschaftlich hohe Stellung abgesehen hatte. Das war alles. War das wirklich so viel verlangt? Offenbar schon, denn mir wurde nie die Wahl gelassen. Meine Aufgabe war es, die perfekte Strebertochter der Familie King zu mimen, die zu allem Ja und Amen sagte und keine eigene Meinung hatte, denn das war ja unweiblich und zu forsch. Wie es schien war ich gefangen in diesem Karussell aus Angst, Druck, fehlender Wertschätzung und Meinungsfreiheit und so schnell würde ich da wohl nicht heraus kommen. Sogar meine Semesterferien, die ich eigentlich mit Ava hatte verbringen wollen, waren mir nun geraubt worden. Wie sollte ich einen ganzen Sommer allein in einem Haus mit Adam überleben?
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