Eiskalt

von BobFan
GeschichteKrimi, Freundschaft / P16
Bob Justus Peter
18.08.2019
22.09.2019
11
21012
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Bob starrte mit schreckgeweiteten Augen auf den Mann, der mit der Spritze in der Hand auf ihn zukam. Der Junge wollte zurückweichen, aber direkt hinter ihm war bereits die Wand. Er hatte keinerlei Fluchtmöglichkeiten. Außerdem schmerzte seine Wunde zu sehr um sich irgendwie wehren zu können. Yellowstone ging unbeirrt weiter auf ihn zu. Dann hatte er ihn erreicht. Bobs Muskeln verspannten sich, machten sich bereit zur Gegenwehr. Da hielt der Mann inne.

„Wehr dich nicht, sonst wird es nur schmerzhafter für dich“.

Die Warnung ließ Bob erstarren und bevor der dritte Detektiv oder gar Justus reagieren konnten rammte Yellostone ihm die Injektionsnadel in die Schulter. Ein stechender Schmerz flammte in seiner Schulter auf und ließ in die Schmerzen in seinem Oberschenkel vergessen. Ein keuchendes Stöhnen entrann seinen Lippen. Bob hörte Justus entsetzt Luft holen.

„Was haben Sie ihm da gespritzt?“

Er bekam keine Antwort. Aber Bob konnte es sich selbst beantworten. Er war gerade vergiftet worden! Yellowstone trat zurück zu Carter, der jetzt auch eine Spritze mit einem Serum gefüllt in der Hand hielt und es Justus verpasste. Seinem Freund entwich ebenfalls ein Schmerzenslaut.

„So. In ein paar Stunden seid ihr erlöst von eurem Leiden“.

Mit diesen Worten verschwanden die beiden Männer aus ihrem Kellergefängnis. Bob spürte wie Panik in ihm aufstieg.

„Sie haben uns vergiftet! Wir werden sterben! Wir werden unsere Freunde und Verwandte nie nie nie wieder sehen!“

„Hör auf!“, fuhr der erste Detektiv seinen Freund an.

„Wir schaffen das!“

Bob starrte Justus an.

„Nein, diesmal sind wir die Verlierer, Just.“

„Du wurdest schon einmal vergiftet Bob und Peter und ich haben dich auch wieder hinbekommen. Und jetzt wird es genauso sein!“.

„Dein Problem ist Justus, dass du nicht weißt wann du verloren hast“, wiedersprach Bob.

„Hoffst du ernsthaft darauf dass uns hier jemand findet??“

„Die Hoffnung stirbt zuletzt, oder?“, flüsterte der erste Detektiv leise.

„Spürst du schon etwas?“.

Justus fixierte Bob besorgt. Doch dieser schüttelte den Kopf.

„Bis jetzt nicht. Bei dir?“

Auch Justus verneinte.

„Was glaubst du war das für ein Gift?“, fragte Bob seinen Freund leise. Justus zuckte mit den Schultern.

„Schlangengift wäre am wahrscheinlichsten“.

Der dritte Detektiv erschauderte.

Die beiden Jungen verloren jegliches Zeitgefühl. Justus saß an die Wand gelehnt und starrte die Decke an. Er sah zu Bob. Eines seiner Augenlider hing merkwürdig nach unten und er schien aus irgendeinem Grund schwer schlucken zu können.

„Alles... k..k..la..r .. bei..dir?“

Justus fiel das Reden unheimlich schwer. Ein Symptom des Giftes schoss es ihm durch den Kopf.

Es begann zu wirken! Bob drehte seinen Kopf in Justus´ Richtung und schüttelte den Kopf.

„Ich .. kann ... nur .. schwer schlu..cken“, brachte er hervor. Und du hast ein hängendes Augenlid fügte Justus in Gedanken hinzu. Er wollte sich die Kraft sparen, die er beim Reden aufbringen musste. In seinen Wissensfundus forschte er bereits welches Gift es sein könnte.



Peter starrte an die weiße Decke. Inzwischen hasste er den Geruch nach Desinfektionsmitteln und er wollte einfach nur noch nach Hause oder bei der Suche nach seinen Freunden helfen. Inzwischen war es schon zwölf Uhr Mittags und man hatte sie immer noch nicht gefunden. Er musste sich erinnern an das Gespräch. Das war die Lösung das spürte er. Peter schloss konzentriert die Augen, atmete paarmal tief ein und aus und konzentrierte sich auf das Letzte an das er sich vor dem Unfall erinnern konnte. Das war als er unter der heruntergekommen Holzhütte gestanden hatte....

Justus überprüfte zum gefühlt hundertsten Mal die Einstichstelle der Injektionsnadel, aber außer einer Schwellung bei Bob und ihm war nichts zu sehen. Die beiden Männer waren nicht mehr aufgetaucht. Bob starrte Justus an. Er hatte es ihm gesagt dass es komplett schiefgehen würde.

Hatte der erste Detektiv auf ihn gehört?? Nein!! Natürlich nicht!

In Bobs Inneren brodelte die Wut auf sich selbst und Justus. Warum mussten sie immer so ein mega großes Risiko bei ihren Fällen eingehen?! Bob merkte nicht dass Justus ihn die ganze Zeit beobachtete und erriet was in ihm vorging.

„Bei unserem nächsten Fall werden wir vorsichtiger sein“.

Die Sprachprobleme machten Justus beim Sprechen schwer zu schaffen. Bob schnaubte.

„Wenn es überhaupt noch einen nächsten Fall geben wird.“

Justus verstand nicht warum Bob so pessimistisch dachte, er selbst hoffte und glaubte immer noch an Rettung. Seine leisen Zweifel, die ihm sagten dass die Rettung auch zu spät kommen konnte oder gar nicht, verdrängte er.

„Machst du mir Vorwürfe, Bob?“, fragte Justus plötzlich unverwandt. Bob sah ihn nicht an, dann hob er langsam seinen Kopf.

„Am Anfang ja, aber dann ist mir klar geworden dass das meine eigenen Entscheidung gewesen ist mit zu kommen. Du hast mich dazu nicht gezwungen! Es war meine Entscheidung! Deswegen Nein ich mache dich dafür nicht verantwortlich.“

Justus seufzte erleichtert auf.

„Also ist alles gut zwischen uns?“

Bob nickte.

„Willst du vor deinem Ende noch Frieden schließen, oder“.

„Spar dir deinen Galgenhumor, Dritter“.

„Sorry, Just“.

Beide Jungen saßen eine Weile schweigend da und lauschten dem Surren der Neonlampe.

„Du, Justus, falls das jetzt wirklich unser letzter Fall sein sollte, dann wollte ich dir nur sagen das ich froh bin dein Freund zu sein“.

„Bob hör auf so zu denken. Du bist ja schlimmer als Peter! Es wird alles gut werden!“, selbst Justus merkte nicht das er sich in Rage redete.

„Und warum“, Bobs Stimme zitterte leicht.

„Habe ich das Gefühl meinen Arm nicht mehr bewegen zu können?“.

Justus zuckte zusammen.

„Was??!“.

Mit einem Satz war er bei seinem Freund.

„Welcher?“

„Der Rechte“

Justus nahm die rechte Hand.

„Drück meine Hand“, befahl er. Mit angehaltenem Atem sah er auf Bobs Hand, suchte nach einer Bewegung seiner Finger, aber da war nichts.

„Ich kann nicht“, schluchzte Bob auf. Justus sah Bob entsetzt an. Das nächste Symptom war Lähmung. In vielleicht einer halben Stunde minus, plus paar Minuten. Er versuchte das Chaos in seinem Kopf zu ordnen. Das Wichtigste war jetzt Bob zu beruhigen. Der erste Detektiv atmete tief durch.

„Alles wird gut, Bob. Rettung wird kommen“.

„Wie kannst du nur auf Rettung hoffen? Sieh es ein Justus, wir werden sterben.“

Bob funkelte Justus wütend ein.

„Erst lähmt das Gift die Glieder und dann kommt das Herz. Und das weißt du genauso gut wie ich!“

Justus schluckte. Bob hatte Recht. Erst würde das Gift die Glieder lähmen und dann das Herz und wenn das passierte war für sie jede Hilfe zu spät sein.

„Trotzdem musst du dich jetzt beruhigen Bob“.

Der blondhaarige Junge wollte sich aufsetzten, aber Justus hielt ihn zurück.

„Beweg dich nicht, sonst verbreitet sich das Gift zu schnell in deinem Körper.“

„Gilt aber für dich auch, Just“, knurrte der dritte Detektiv.

„Sobald ich mir deinen Streifschuss noch einmal angesehen habe mach ich das auch“, versprach Justus. Vorsichtig zog der erste Detektiv sein Taschenmesser aus der Jackentasche.

„Haben sie mir zum Glück nicht abgenommen.“

Bedrück dachte er an sein Aufnahme- und Funkgerät. Die zwei Verbrecher hatten Bob und ihn durchsucht und dabei die Detektivausrüstung entdeckt, genauso wie ihre Handys waren sie in eine Plastiktüte gewandert. Natürlich erst nach dem sie mehrmals darauf getreten waren. Justus´ und Bobs waren jetzt ebenfalls Schrott.

„Was hast du damit vor Just?“, Bobs hysterische Frage holte den ersten Detektiv aus seinen Gedanken. Er hatte das Taschenmesser aufgeklappt und richtete es gerade auf Bobs verwundeten Oberschenkel.

„Ich hoffe du brauchst die Hose nicht mehr“.

Bob schüttelte den Kopf.

„Ich bin ganz vorsichtig, alles klar?“

Bob nickte zögernd. Behutsam zerschnitt Justus den blutdurchtränkten Stoff. Der Oberschenkel war ebenfalls blutverschmiert. Aber was Justus sah war ein mehr als ein Streifschuss. Ein dunkles Loch war die Quelle. Daraus floss immer noch Blut. Und in der Mitte wo die Kugel Bob getroffen hatte, steckte etwas Schwarzes.

„Da steckt die Kugel noch drin“.

Fassungslos starrte er Bob an.

„Warum hast du nichts gesagt?“.

„Hätte dich nur beunruhigt“, zischte Bob durch seine zusammengebissenen Zähne. Der dritte Detektiv hatte eindeutig starke Schmerzen.

„Super,  Bob jetzt bin ich total beruhigt“, brummelte Justus sarkastisch.

„Bob?“.

„Hmm?“

„Wir müssen die Kugel rausholen, sonst ist das Risiko hoch das sich die Wunde entzündet“.

„Niemals! Vergiss es!“

„Bob...“

„NEIN!!“

Justus seufzte.

„Stell dich nicht so an“

Bob knurrte.

„Woher weißt du überhaupt was du machen musst?“.

„Ich habe mal so einen Kurs besucht“.

„Mach schnell“.

„Ich bin ganz vorsichtig“.

Er beugte sich über die Wunde.



Peter sah auf die Uhr. Halb 1 mittags. Immer noch keine Spur von Justus und Bob. Und er konnte nicht mal bei der Suche nach ihnen helfen, weil er immer noch an das Bett gefesselt war. Peter ballte hilflos vor Wut die Fäuste und schlug ein paarmal auf seine Bettdecke ein. Was war wenn Bob und Justus verletzt waren? Wenn irgendetwas Schlimmes mit ihnen passiert war? Er musste sich erinnern! Plötzlich fuhr er hoch. Die Holzhütte! Was war wenn sie aus welchem Grund auch immer dort waren. Freiwillig oder gezwungenermaßen. Er schnappte sich sein Handy und wählte mit zittrigen Fingern die Nummer des Inspektors. Einen Versuch war es wert!

„Was ist Peter? Ist dir etwas eingefallen?“

„Vielleicht sind Justus und Bob in einer alten herunter gekommenen  Holzhütte.“

„Wo befindet sie sich?“

„Auf der Bergstraße, die auf der ich meinen Unfall hatte. Etwas weiter oben, versteckt zwischen ein paar Bäumen, aber wenn man weiß wo sie ist dann müsste man sie ziemlich leicht finden“.

„Wir fahren sofort hin und sehen nach. Ich melde mich wieder bei der Peter“.

Der zweite Detektiv betete dass seine Freunde dort sein würden. Sein Handyklingelton riss ihn aus seinem Gebet. Mit wild pochendem Herzen nahm Peter ab.

„Ja, Inspektor Cotta haben Sie sie gefunden?“.

„Nein Peter. Sie waren hier nicht. Tut mir leid. Aber wir werden die ganze Hütte auf den Kopf stellen. Vielleicht finden wir etwas. Ich melde mich wieder“.

Enttäuscht legte Peter auf. Er musste sich an dieses verflixte Gespräch erinnern. Vielleicht ging es um Leben und Tod. Er schloss die Augen. Sah sich wie er an die Holzhütte anschlich und sich instinktiv versteckte wo er unbemerkt lauschen konnte.

„Warum treffen wir uns nicht bei Mr. Berrow?“, fragte einer der Männer.

„Scht“, zischte der andere Mann.

„Wir sollen seinen Namen nicht erwähnen. Nie. Wer weiß wer dieses Gespräch mitbekommt“.

„Jetzt komm schon hier ist doch kein einziger Mensch“.

„Trotzdem Regeln sind Regeln“

„Jaja schon gut. Ich sag‘s nicht mehr. Aber warum müssen wir uns in diesem abgewrackten Ding treffen?“

„Erstens weil wir dort ungestört sind und nicht Angst haben müssen von irgendjemanden belauscht zu werden. Zweitens wird der Professor langsam misstrauisch, dass wir dauernd auftauchen in seinem Anwesend.“

„Aber unser Boss hat doch erklärt das wir nur Bekannte von ihm sind“.

„Trotzdem. Außerdem hat die Polizei von jemandem einen Tipp bekommen wo unsere Zentrale ist“.

„Du meinst wir haben nen Maulwurf in unseren Reihen?“

„Vielleicht. Jedenfalls müssen wir die Lieferung nach Santa Monica bringen.“

„Und wohin genau“.

„In unsere Zentrale du Depp“

„Okay, also in die alte Fabrik?“.

„Ja man, du bist so hohl Yellowstone.“

Der Mann, der anscheinend Yellowstone genannt wurde knurrte etwas, für Peter unverständliches.

„Und wann kommt die nächste Lieferung?“

„Pünktlich“.

Peter riss die Augen auf. Er konnte sich wieder an alles erinnern! Was vor dem Unfall passiert war!

„Inspektor Cotta?“

„Ja Peter?“

„Ich glaube ich weiß wo Justus und Bob sind“.



Zur gleichen Zeit bei Justus und Bob.....

Inzwischen waren auch bei Justus Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen aufgetreten und nicht wieder verschwunden.

„Bob?“

Es kam keine Antwort. Justus drehte seinen Kopf so gut es ging in die Richtung seines Freundes. Der blondhaarige Junge lag auffällig still neben Justus. Wenn es der erste Detektiv gekonnt hätte wäre er jetzt zu Bob gestürzt. Er konnte nur sehen dass Bobs Augen geschlossen waren. Mühsam drehte sich Justus zur Seite. Mit der rechten Hand tastete er nach Bobs Handgelenk, suchte den Puls, dachte nicht daran dass er keinen haben könnte. Erst spürte er nichts und Panik stieg in ihm auf und schnürte seine Kehle zu. Dann merkte er denn sehr schwachen arrhythmischen Puls.



„Komm schon Bob, du schaffst das.“





Justus merkte den Kloß erst, als ihm Tränen die Wangen herunterliefen. Der erste Detektiv wusste dass Bob jetzt Hilfe brauchte. Das Gegenmittel. Und er wusste auch dass der blondhaarige Junge zu viel Blut verloren hatte. Justus hatte zwar die Kugel herausbekommen, aber nicht ohne Bob höllische Schmerzen zuzufügen. Justus hörte in seinem Kopf immer noch die unterdrückten Schmerzenslaute.

Zu allem Übel hatte die Schusswunde danach angefangen wieder stärker zu bluten. Sie brauchten Hilfe! Jetzt! Er wandte sich wieder Bob zu, musterte das leichenblasse Gesicht und sah die Schweißperlen auf dessen Stirn.

„Halte durch Bob“, hauchte er und gab einen erstickten Laut von sich.

Er konnte nicht atmen!
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