Can't Resist | Hunhan

von leafloli
KurzgeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Lu Han Oh Sehun
18.08.2019
18.08.2019
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Love Me Right

>> Hey Süßer, wie wärs mit uns beiden am Wochenende? Es wird auch nur dich, mich und meine PS4 geben. XOXO Sehun <<

Was ein Vollidiot von bester Freund.

Schnell kritzelte ich meine, selbstverständlich zusagende, Antwort darauf und faltete den Zettel wieder zusammen. Grinsend drehte ich mich zu meinem besten Freund herum und warf ihm seinen Liebesbrief an den Kopf, wandte mich sofort wieder meinem Arbeitsblatt zu, ehe unser Lehrer was davon mitbekam.
Er war nicht ganz so gut auf uns beide zu sprechen, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Seit er mir mit Absicht, ich bin mir ziemlich sicher das er es mit Absicht gemacht hatte, eine fünf in mündlich rein gedrückt und Sehun dreimal hintereinander zufällig zum Putzdienst gezogen hatte, standen wir mit ihm auf Kriegsfuß.
Doch gemeinsam konnten wir das Ganze ganz gut überstehen, so wie eigentlich alles andere auch.

Sehun und ich kannten uns seit unserer Geburt, unsere Eltern waren eng miteinander befreundet und wir gingen ab dem Kindergarten an immer in die selben Schulen. Ob Grundschule, Mittelschule oder jetzt die Highschool. Nie waren wir getrennt und ich konnte mir schon gar nicht mehr vorstellen wie es ohne ihn wäre. Er war ein fester Bestandteil meines und ich seines Lebens und dass war auch gut so.
Natürlich hatten wir auch noch andere Freunde, nur dass zwischen ihm und mir war was anderes.

Etwas besonderes.

Ich konzentrierte mich mehr oder weniger halbherzig auf die Matheaufgaben vor mir und versuchte wenigstens ein bisschen hinterher zukommen. Schließlich war Mathe mein einziges Fach, worin ich grottenschlecht war und mir damit auch immer meinen Notendurchschnitt verdarb.
Schon so oft hätte ich Jahrgangsbester sein können, aber dieses blöde Fach versaute mir immer alles.
Wobei ich wirklich glaubte, dass es am Lehrer lag.

Vielleicht war er auch einfach nur eifersüchtig, dass er nicht so beliebt in seiner Schulzeit war, wie ich?
Gut, ich war jetzt nicht der beliebteste Junge unserer Schule, aber dafür mindestens der Jahrgangsstufe. Genauso wie natürlich auch Sehun. Regelmäßig wurde uns sehnsüchtig hinter hergesehen, aufgeregt getuschelt und einzelne Mädchen wurden von ihren Freundinnen dazu gedrängt, uns anzusprechen.
Aber ehrlich gesagt, hatten wir beide kaum Interesse an Mädchen. Mit ein paar sprachen wir zwar hin und wieder und verstanden uns auch ganz gut mit ihnen doch solange wir uns hatten, brauchten wir eigentlich niemand anderen.
Aber es gab natürlich auch genug, die sich nicht trauten uns anzusprechen und das aus einem einfachen Grund:

Sehun und ich waren zusammen.

Naja, zumindest ging dieses Gerücht schon seit einer ganzen Weile an unserer Schule herum und wüsste ich es nicht besser, würde ich es ja selber glauben.
Sehun und ich reizten dieses Gerücht nur zu gerne aus und liefen zum Beispiel Händchen haltend durch die Gänge oder fütterten uns beim Mittagessen gegenseitig. Und wir hatten meist nicht gerade wenig Zuschauer, hauptsächlich aber Mädchen, die vermutlich im geheimen Fanfiktions über uns schrieben.
Ein wenig musste ich lachen, als ich darüber nachdachte und kritzelte verloren in meinem Matheheft herum.
Was wäre ich nur ohne Sehun?
Vermutlich ein hoffnungsloser Fall, abgestempelt als introvertierter Streber.
Aber so war ich wirklich froh so einen tollen besten Freund zu haben. Er war immer für mich da und schaffte es immer, mich aufzumuntern. Egal wie schlecht es mir ging.

Es dauerte gar nicht mehr allzu lange, da erlöste uns endlich die Schulklingel von unserem Mathelehrer und auch die anderen Schüler schienen es kaum mehr erwarten zu können.

"Die Klasse darf gehen, Luhan – du bleibst bitte noch kurz da."

Ich versteifte in meiner Bewegung, mir Sehun zu schnappen und aus der Schule zu rennen, als ich die kratzige Stimme von Mr. Kim vernahm. Oh Gott, nein – bitte nicht. Immer wenn er mit mir reden wollte, endete es mehr schlecht als recht.
Oder auch gerne mal mit einer Drohung für einen Verweis, weil ich mich im Ton vergriffen hatte.
Seufzend schleppte ich mich zum Lehrerpult und setzte mich auf den Tisch davor. Ich spürte Sehun's mitleidigen, aber dennoch höhnischen Blick auf mir, den er sich gerade wirklich sparen könnte. Mit zusammen gezogenen Augenbrauen sah ich zu ihm und streckte ihm die Zunge raus.
Sein Lächeln wurde noch ein wenig weiter und seine Lippen formten ein "Zwei Minuten", was mich nur verwundert drein blicken ließ, ehe auch er aus dem Zimmer verschwand. A
lso jetzt war ich mal gespannt. Wenn die Schule in die Luft flog, wusste ich schon einmal, wem ich das zu verdanken hatte

"So, nachdem jetzt auch deine persönliche Klette endlich weg ist", ich warf Mr. Kim einen bösen Blick zu, auch wenn ich wusste, dass ich sicher wieder wie ein verschrecktes Reh aussah, und verschränkte die Arme vor der Brust, "hast du eine Ahnung warum du hier bist?"
"Sicher nicht zum Karten spielen", knurrte ich und sah auf den Boden.
Meine Bemerkung ignorierend, schnalzte er abwertend mit der Zunge und beugte sich über sein Pult zu mir vor. Seine braunen Augen blitzten gefährlich unter den buschigen Augenbrauen hervor und sein Aftershave brannte mir förmlich auf dem gesamten Gesicht.
Er war die perfekte Definition eines alten, alleinstehenden Mathelehrers.

"Luhan, du solltest dir ernsthafte Gedanken über deine Noten machen."
Und sie sich über einen anderen Job.

"Besonders die in Mathe sind eine Katastrophe."
Da kenne ich noch eine andere. I

ch ließ ihn einfach reden, so wie ich es immer tat. Es würde mir eh nichts bringen. Ich war mir meiner Situation sehr wohl bewusst und ich nahm auch Nachhilfe Unterricht in Mathe, weswegen ich keinerlei Sinn dahinter sah, dieser Predigt nur im Ansatz meine Aufmerksamkeit zu schenken. Ich wollte nur noch hier raus. Und zu Sehun.
"Deswegen habe ich be-"

"Mr. Kim! Hinter der Turnhalle... Yongguk und Jiho aus der Elften... sie prügeln sich."

In der Tür stand Baekyun, schwer atmend und versuchte, so überzeugend wie möglich zu klingen. Doch jeder der ihn auch nur ein bisschen kannte wusste, dass er sich gerade krampfhaft ein Grinsen unterdrückte.
Mr. Kim, der aus was für einem Grund auch immer eine Streitschlichterausbildung hatte, seufzte genervt auf und murmelte ein genervtes 'Nicht schon wieder'. Schnell erhob er sich und war schon drauf und dran zu gehen, als er sich nochmal mit drohendem Zeigefinger zu mir herum drehte.
"Zehn Minuten – wenn ich bis dahin nicht zurück bin, kannst du gehen. Nicht eher."
Und schon war er verschwunden.
Baekhyun beobachtete noch bis er um die Ecke verschwunden war, ehe er in sein typisches Lachen ausbrach. Doch bevor ich irgendwas sagen, geschweige denn mitmachen konnte, packte er mich am Oberarm und schleifte mich nach draußen. "Baek, warte. Ich hab echt keinen Bock auf noch mehr Stress."
Das hatte ich wirklich nicht und ich wusste, mir war schon ein Verweis sicher, sollte ich auch nur eine Sekunde zu früh einen Fuß aus dem Klassenzimmer setzen. „Mach dir da mal keine Gedanken“, wir stolperten die Treppen zum Haupteingang hinunter und er grinste mich verschwörerisch an, „der kann froh sein, wenn er heute pünktlich zum Abendessen kommt.“
Ich musste ebenfalls Grinsen und fragte mich, was er wohl damit zu tun hatte. Irgendwie musste er seine Finger im Spiel haben, ansonsten hätte er die Beiden nie verpetzt. Das würde sich niemand trauen, wenn er sich nicht sein eigenes Grab schaufeln wollte.
Wir traten aus der großen Glastür und liefen direkt zu den Fahrrädern, an denen schon zwei nur allzu bekannte Gesichter auf uns warteten.

Einmal meine und einmal Baekhyun's bessere Hälfte.
Sehun und Chanyeol empfingen uns ebenfalls grinsend und ich fragte mich langsam wirklich, was die Jungs ausgeheckt hatten. Waren das etwa die zwei Minuten von denen Sehun geredet hatte? Mit gehobener Augenbraue musterte ich meinen besten Freund und verschränkte die Arme vor der Brust. „Okay, was ist hier los?“
„Dein Hunnie hat Jiho und Yongguk gegeneinander aufgehetzt, damit sein Liebster nicht vom Mathelehrer geköpft wird.“, lachte Chanyeol und legte einen Arm um Sehun.
Natürlich, was auch sonst.
Jetzt verstand ich auch wieso Sehun so einen stolzen Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte. Das war alles sein Werk gewesen.
Ich ging zu ihm und schlug ihm fest gegen die Schulter.

„Du bist so bescheuert, was ist wenn das jemand rausfindet oder noch schlimmer, wenn es Yongguk und Jiho checken?“

Wir setzten uns in Bewegung und liefen gemeinsam nach Hause, wir vier wohnten alle glücklicherweise in der selben Siedlung.
Siegessicher grinste er und legte mir einen Arm um die Schulter. „Vertrau mir Lulu, dass wird nicht passieren. Die Zwei würden das nicht einmal kapieren wenn ich vor ihrer Nase herumtanzen würde.“ I
ch hob skeptisch die Augenbrauen und konnte nicht anders, als letztendlich doch zu lächeln.
„Vielleicht würde es daran liegen, dass du so ein furchtbarer Tänzer bist“, grinste ich Sehun frech an und zwickte ihm in die Seite. I

ch wollte nicht weiter über seine Aktion reden, am Ende würde ich mir nur wieder unnötige Sorgen machen. Auch wenn man Yongguk und Jiho nicht unterschätzen sollte...
Auch Chanyeol und Baekhyun mussten lachen, wodurch ich daran erinnert wurde, dass ich Baek heute noch gar nicht geärgert hatte. „Und wie geht’s bei euch beiden voran?“, ich drehte mich zu Chanyeol und Baekhyun herum, wobei mein Kumpel rot anlief und mich warnend ansah, „Freundschaft +, Beziehung oder was ist jetzt da zwischen euch?“

„Nichts als ein nerviger Luhan, der sich in alles einmischt, was nicht seine Angelegenheit ist.“
Gespielt beleidigt verzog ich mein Gesicht auf Baek's Aussage hin, ließ meine Augen größer werden und zog meinen Schmollmund. „Aish, jetzt guck uns nicht so an. Sehun, kümmer dich mal um deinen Lover-Boy.“
Chanyeol lachte amüsiert, selbst wenn seine Ohren ebenfalls einen gesunden Rotton angenommen hatten, und gab dem Braunhaarigen einen Schubs gegen den Rücken.
Es war schon immer so, dass wir uns damit gegenseitig aufzogen. Seit wir uns kannten existierten Chanbaek und Hunhan. Es machte einfach Spaß, wir wussten dass es nicht Ernst gemeint war und nur allzu gerne ließen wir uns auf ein wenig Fanservice ein, wobei natürlich Sehun und ich die tragende Rolle spielten.
Auch wenn ich zugeben musste, dass ich es eigentlich ziemlich genoss. Aber dass war eigentlich schon fast immer so gewesen. Ich liebte es von Sehun umarmt oder zärtlich gestreichelt zu werden und das wusste er auch.

Genauso war es auch bei Chanyeol und Baekhyun, obwohl ich langsam das Gefühl hatte, dass da mehr als Freundschaft war. Zumindest Baek war definitiv in den Größeren verschossen, dass stand ihm schon förmlich auf der Stirn.
Deswegen zog ich auch die Zwei besonders offensichtlich auf, in der Hoffnung irgendetwas aus ihnen herauszubekommen oder um Chanyeol ein wenig auf meinen Kumpel aufmerksam zu machen.
Wir redeten noch ein wenig über die nächsten Wochen, wann wir uns mal wieder sehen wollten und ob es sich lohnen würde, sich auf die Geografie Arbeit vorzubereiten. An der Kreuzung trennten wir uns, Baek und Chanyeol gingen nach links und ich lief mit Sehun nach rechts.

„Willst du vielleicht heute schon kommen? Meine Eltern sind schon seit heute früh weg.“ Er schulterte seinen Rucksack, fuhr sich langsam durch die braunen Haare und schenkte mir einen langsamen Augenaufschlag.
Sehun sah schon verdammt gut aus und das wusste er auch leider viel zu gut. „Klar, ich kann dich ja nicht einfach alleine lassen“, grinste ich ihn breit an und erntete ein unfassbar niedliches, verlegenes Lächeln seinerseits, „ich bring nur schnell meine Sachen heim und schau nach ob Bacon irgendwas angestellt hat.“
Bacon war meine Katze.
Eine wunderschöne, total niedliche weiße Perserkatze, die eingebildeter nicht sein könnte. Deswegen auch ihr Name. Bacon hörte sich nämlich an wie Baekhyun und ich war mir zu mehr als 100 % sicher, dass einer der Beiden der andere aus einem Paralleluniversum war.
Die zwei waren sich in so vielen Dingen so ähnlich, dass es schon kein Zufall mehr sein konnte.
Es war echt gruselig. Fehlte nur noch das Bacon anfing Eyeliner zu tragen.

Mein Haus lag zum Glück nur etwa zwei Minuten von Sehun weg, weswegen uns der kleine Abstecher nicht sonderlich viel Zeit kostete. Ich schloss die Tür auf und lauschte, ob jemand auf mein „Ich bin wieder Zuhause“ reagierte. Aber meine Eltern schienen noch zu arbeiten, die einzige die sich blicken ließ war Bacon.
Sie stolzierte, wie die Preisträgerin eines Schönheitswettbewerbes, die Treppe runter, um mir einmal kurz um die Beine zu streichen, Sehun einen zweifelnden Blick zu zu werfen und dann mit erhobenem Kopf in der Küche zu verschwinden.
„Definitiv Baek.“
Wir grinsten auf das Kommentar von Sehun gleichzeitig und fingen an, alles vorzubereiten. Während Sehun die Fenster schloss und Bacon was zum Essen gab, zog ich mich rasch um und packte mir eine kleine Tasche.
Ich brauchte nicht viel, das meiste hatte ich schon bei Sehun. Nachdem alles erledigt war, verabschiedete ich mich bei meiner kleinen Diva und wir machten uns auf den Weg.
Bei ihm Zuhause angekommen, warfen wir uns erst einmal auf die große Couch und genossen das Gefühl, wie wir uns langsam aber sicher entspannten. Bis 17 Uhr Schule zu haben, war wirklich irgendwann kein Spaß mehr. Vor allem an einem Freitag.
Also blieben wir eine ganze Weile ruhig nebeneinander liegen, ehe sich Sehun ächzend streckte und seinen Blick zu mir wandte, den ich lächelnd erwiderte.

Er sah gerade zum Knuddeln aus.
Seine braunen, fluffigen Haare standen wild von seinem Kopf ab und seine braunen Augen strahlten mich an. Mein Blick wanderte über seinen Körper, wie sein weißes Hemd über seinem Bauch hochgerutscht war und die V-Linie auf seiner Haut frei gab. Ich liebte es ja wenn Männer so etwas hatten, es war einfach verdammt heiß. Und Sehun präsentierte es sowieso schon viel zu gut.
Als ich wieder zurück in sein Gesicht sah, lag auf seinen Lippen nur ein dreckiges Schmunzeln.

„Was?“, ich gab ihm einen Schubs gegen die Schulter und spürte, wie ich untypischer Weise, rot anlief, „du bist selbst Schuld, schließlich weißt du wie ich auf diese Vertiefung abfahre.“

„Und du weißt, dass ich was für niedliche Jungs übrig habe und trotzdem siehst du so aus.“ „Ach halts Maul.“

Ich grinste schief und streckte mich für einen Moment, ehe ich mich einmal quer über seinen Bauch fallen ließ.
Wie aus unserer Unterhaltung vielleicht herausgegangen war, spielten wir beide in einer anderen Liga. Sehun war schwul und mir war das Geschlecht grundlegend egal. Wie hatte Baekhyun gesagt, nannte man das? Irgendwas mit pa... palsexuell? Par? Pam? Ach, keine Ahnung. Jedenfalls war mir jedes Geschlecht recht.
Aber ich wohl nicht den anderen, ansonsten wäre ich jetzt wohl kaum immer noch singel.
Doch damit kam ich gut klar, wozu bräuchte ich einen Partner wenn ich alles was ich brauchte, bei meinem besten Freund finden konnte?

„Wollen wir uns 'ne Pizza bestellen?“ „Oh Gott, ja!“, ich rollte mich auf den Rücken und sah ihn begeistert an, "ich dachte du fragst nie!"
Auf seinen Lippen bildete sich ein ungewöhnlich sanftes Grinsen und er begann mir durch die Haare zu streicheln, massierte mit seinen Fingerkuppen leicht meine Kopfhaut. Wie ich es liebte wenn er so etwas machte.
Genüsslich schloss ich die Augen und gab ein leises Seufzen von mir. Voll und ganz konzentrierte ich mich auf seine zärtlichen Berührungen und spürte, wie ich tatsächlich eine leichte Gänsehaut bekam.
Das war einer dieser Momente wo ich mir wünschte, ich könnte die Zeit anhalten. Gerade war alles perfekt. Meine ganzen Sorgen, Ängste lösten sich in Luft auf und es gab gerade nur Sehun und mich.
Und das war gut so. Wenn ich ihn hatte, war alles gut.
Ich spürte wie mein Herz ein wenig schneller schlug und mein Atem sich etwas beschleunigte. Es war ein komisches Gefühl, aber es schien richtig zu sein. Für was genau richtig wusste ich noch nicht, doch da würde ich noch dahinter kommen.

Moment, was dachte ich da eigentlich schon wieder alles? Man, ich war doch hier um ein schönes Wochenende mit ihm zu verbringen. Stattdessen war ich drauf und dran auf seinem Schoß einzupennen.
Ich gab ein leises Murren von mir, drehte meinen Kopf nach rechts, so dass ich von seinem Bauch weg lag. Langsam öffnete ich die Augen, ehe ich sie abrupt aufriss und lauthals das Lachen anfing. Meine anfänglichen verwirrenden Gedanken waren sofort verflogen.
"Ist das dein scheiß Ernst?"
Sehun hatte gerade ernsthaft einen Steifen.
Okay gut, dass war etwas übertrieben. Aber es tat sich etwas vor meinem Gesicht und es war mit Sicherheit keine zu groß gewordene Falte.

"Was? Dein 'Oh Gott, ja' klang echt heiß. Hätte nur noch ein 'Sehun, fester~' gefehlt. Vor allem mit deinem niedlichen Seufzer danach." Er klang belustigt, aber dennoch war seine Stimme rau, was ihn noch attraktiver machte.
So klang er auch immer nach dem Aufstehen, was es furchtbar schwer für mich machte, ihn nicht zu überfallen. Was sollte ich auch machen? Wenn man mit Morgenlatte neben einem halbnackten Sehun aufwachte und er dir in dieser Stimme ins Ohr raunte, war es mit jedem vorbei.
Egal ob Freund oder Feind.
Leicht schüttelte ich den Kopf und setzte mich diesmal auf, sah ihm in seine dunklen Augen. Ernst bleiben konnte ich nicht lange, weswegen ich kurz aufprustete und mich schnell von seinem Schoß erhob.
„Schau zu dass du dein Problem los wirst, ich bestell derweil Pizza.“

„Das heißt du hilfst mir nicht?“

Er zog einen gespielten Schmollmund und ich schlug ihm auf die Schulter, ehe ich wieder Lachen musste. „Ich kann gerne den Pizzaboten fragen ob er das bei der Pizza Spezial anbietet“, kicherte ich und warf ihm noch einen verspielten Blick zu, als ich zu seinem Festnetztelefon ging.
„Nein danke“, auch er stand auf, schlug mir einmal fest auf den Hintern und drehte sich dann mit einem breiten Grinsen Richtung Badezimmer, „du bist der einzige den ich an meinen Schwanz lassen würde.“
Bei seiner Wortwahl zog ich die Augenbrauen zusammen und musste mich zusammenreißen, ihm nicht irgendwas hinterher zu rufen. Dieser Kerl war einfach jemand für sich.
Doch bevor ich mich über Sehun aufregen konnte, meldete sich mein Magen mit einem Grummeln zu Wort und ich konnte schon förmlich den Geschmack der Pizza auf der Zunge spüren. Leise pfeifend wählte ich die Nummer unseres Vertrauens und bestellte uns zwei Pizzen, das selbe wie immer.
Was das anging ließen wir uns nie auf was neues ein. Seit Jahren aßen wir immer nur die selben Sorten und irgendwie wollte daran auch keiner was ändern – es war fast schon so eine Art Ritual.
Ich legte den Hörer beiseite und ließ mich seufzend zurück auf das Sofa fallen.
Hoffentlich würde Sehun leise sein, ihn bei seiner Problembewältigung zu hören wäre das Letzte, was ich für mein Wochenende bräuchte.
Ein wenig musste ich Grinsen und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
Aber irgendwie würde es mich schon interessieren wie er sich anhörte – vor allem mit seiner tiefen Stimme.
Ob sie vielleicht sogar noch tiefer wurde?
Ich biss mir auf die Unterlippe und atmete tief durch.
Würde er überhaupt stöhnen? Oder würde es eher ein tiefes Schnauben sein, vielleicht auch eine Art Knurren.

Ein dumpfes Geräusch holte mich aus meinen Gedanken und perplex starrte ich an die Decke. Verdammt, an was hatte ich da gerade bitte gedacht?! Oh Gott, Luhan. Ich sollte dringend meine Prioritäten klären, meine Güte. Das war ja langsam nicht mehr zu verantworten.
Aber bevor ich mich weiter vor mir selber schämen konnte, klingelte mein Handy.
Mit Sicherheit meine Mutter, ich hatte ganz vergessen ihr Bescheid zu geben. Aber ich machte mir keine Gedanken, meine Mutter war nicht die Art von Elternteil die direkt ausrastete, mir daraufhin Hausarrest aufdrücken und mich nie wieder wohin lassen würde.
Sie vertraute mir soweit, dass sie wusste, das ich einfach so verpeilt war und es meistens vergaß ihr zu sagen, wenn ich Nachmittags mit zu einem Freund ging. Ächzend streckte ich mich zu meiner Tasche, zog mein Handy mehr oder weniger elegant heraus und ging ran.

„Lulu mein Schatz?“ Leicht verdrehte ich die Augen auf den Spitznamen hin, konnte mir aber ein Lächeln nicht verkneifen. Sie war mit Sehun die einzige die ihn benutzte, aber das reichte auch. Schließlich war das echt peinlich, auch wenn ich es in gewisser Weise irgendwo niedlich fand.
„Ja, hallo Mama.“ „Wo bist du denn Liebling? Ich hab mir Sorgen gemacht.“ „Alles gut, ich bin bei Sehun. Seine Eltern sind übers Wochenende weg und er braucht ein wenig Gesellschaft. Außerdem weißt du ja, dass man ihn nicht alleine lassen kann.“ I

ch hörte meine Mutter am anderen Ende lachen, genauso wie ein süffisantes Schnauben hinter mir. Grinsend drehte ich mich herum und traf, wie erwartet, auf den herausfordernden Blick von Sehun. Wie von selbst wanderte mein Blick an ihm herunter und ich stellte fest, dass er sich umgezogen hatte. Nun trug er eine graue Jogginghose und ein weites schwarzes Shirt.
Aber sein Problem hatte er offensichtlich in den Griff bekommen.
Zum Glück, sonst wäre er doch noch darauf gekommen, dass ich ihm helfen könnte. Und ich, in meinem jetzigen Zustand, hätte vermutlich auch noch zugesagt.

„So – was würde ich denn deiner Meinung nach anstellen?“ Mit gehobener Augenbraue und einem schiefen Lächeln kam er auf mich zu, doch ich zuckte nur leicht mit den Schultern und widmete mich wieder dem Gespräch. „Dann bin ich beruhigt. Aber wenn ihr möchtet, könnt ihr ja morgen zu uns kommen, dann kann ich euch was schönes kochen. Ansonsten stopft ihr euch nur wieder das ganze Wochenende mit Pizza oder ähnlichem zu.“
Passend dazu klingelte es an der Tür und mein Magen gab ein leises Grummeln von sich. Meine Mutter kannte uns einfach zu gut. „Waaaaaaas? Wie kommst du denn auf sowas?“ Ich hörte wie Sehun die Tür öffnete und den Pizzaboten mit Handschlag begrüßte. Das wir noch keinen Rabatt-Coupon bekommen hatten, so oft wie wir schon bestellt hatten, wunderte mich wirklich.
„Ich weiß auch nicht mein Schatz. Also, grüß Sehun schön von mir und gib mir morgen kurz Bescheid ob ihr kommt.“ Die Tür fiel ins Schloss und der Schwarzhaarige stellte die Pizzen in die Küche, ehe er mit einem sanften Lächeln wieder in meine Richtung kam. „Alles klar, danke schon mal und wir hören uns morgen!“

Wieder grinste ich, zuckte aber leicht zusammen als sich plötzlich zwei Arme um meine Hüfte schlangen und Sehun sein Gesicht in meinen Haaren vergrub. Verwundert schielte ich zu ihm nach oben, sah wie seine Augen geschlossen waren und er ruhig gegen meinen Kopf atmete.
Also irgendwie war er heute sehr auf Körperkontakt bedacht. An sich nichts so groß ungewöhnliches. Sehun war schon immer der Typ für Umarmungen, machte das aber meist immer recht spielerisch.
Der Moment jetzt war schon fast... intim.
Leicht wurde ich rot und das Lachen meiner Mutter riss mich aus meinen Fantasien. „Bis morgen Lulu und bleibt nicht so lange wach! Vor allem sitzt nicht wieder die ganze Zeit vor dem Fern-“ „Ja Mama, ich hab dich auch lieb.“
Lachend verabschiedeten wir uns und ich steckte mein Handy in meine Hosentasche, drehte mich immer noch in Sehun's Armen zu ihm herum.

Ich schenkte ihm ein schiefes Lächeln, ehe ich seine Umarmung erwiderte und mich leise seufzend an ihn drückte. Es gab für mich nichts schöneres als seine Nähe. Seine Wärme.
Sein Blick lag sanft auf mir, als hätte er Angst ich könnte vor seinen Augen zerbrechen und streichelte zärtlich meine Seite, was mich ein wenig kichern ließ. Ich war dort unfassbar empfindlich und das wusste er auch.
Für einen Moment nahm ich war, wie sein Kiefer sich anspannte und er kurz darauf tief ausatmete.
Es war als würde ihm etwas auf der Zunge brennen, aber er konnte es nicht sagen. Was war denn los? Er wusste doch, dass er mit mir über alles reden konnte. Hatte es vielleicht noch was mit der Sache zwischen Jiho und Yongguk zu tun? Schließlich hatte er das Ganze ja ins Rollen gebracht.

„Und um den Ansprüchen deiner Mutter schon einmal gerecht zu werden“, murmelte er mit tiefer Stimme und begann mit seinen Lippen zärtlich über mein Ohr zu fahren, „wollen wir dann was Essen?“ „Solange du die Pizza meinst und nicht mich.“
Spielerisch schlug ich ihm auf die Brust, gab ihm einen kurzen Kuss auf die Wange um mich dann auf den Weg in die Küche zu machen. Mein Blut fühlte sich so an als würde es kochen.
Was war nur mit ihm los? Er hatte extreme Stimmungsschwankungen wie ich sie noch nie bei ihm bemerkt hatte und auch seine Berührungen fühlten sich so anders an. Viel intensiver als sonst.

Oder ist das Ganze doch eher meine Schuld?

„Keine Sorge, du bist erst zum Nachtisch dran.“ Seine Stimme hatte einen sarkastischen, aber dennoch fordernden Unterton und als er an mir vorbei lief, kniff er mir fest in den Hintern, was mich überrascht auf quietschen ließ.
Verwundert sah ich ihm nach und die Hitze schoss mir durch den Körper, verursachte ein komisches Gefühl.
Komisch, nette Umschreibung für 'es scharf finden dass dir dein bester Freund an den Arsch fasst' Luhan. Toll.
Beschämt strich ich mir ein paar Haare aus der Stirn und hoffte, dass Sehun nichts von meinem inneren Konflikt mitbekam. Dass war das Letzte was ich noch gebrauchen könnte.
Mit vermutlich immer noch roten Kopf ließ ich mich auf den Stuhl, gegenüber von ihm, fallen und öffnete meinen Pizzakarton. Der Duft von frischen Kräutern, Käse und Salami stieg mir in die Nase, aber es roch noch lange nicht so gut wie sonst immer. Ich war mit meinen Gedanken einfach ganz woanders.

So unauffällig wie möglich wandte ich meinen Blick nach oben, nur um direkt auf das breite Grinsen des Schwarzhaarigen zu sehen.
Er hatte mich die ganze Zeit angesehen?!

„Du bist so verdammt niedlich Lu“, lachte Sehun und fing an sich das erste Stück Pizza in den Mund zu schieben, „mach dir wegen gerade nicht so einen Kopf. Das war nur Spaß.“

Er griff über den Tisch, kniff mir spielerisch in die Wange und ich zog einen leichten Schmollmund.
Warum musste er immer wieder so mit meinen Gefühlen spielen? Wie sollte ich da jemals zu einem klaren Ergebnis kommen, wenn er alles sofort wieder aus der Bahn warf? Es war ein Teufelskreis.
Als Antwort schüttelte ich nur lächelnd meinen Kopf und wechselte das Thema. Wir unterhielten uns noch mindestens zwei Stunden über Gott und die Welt. Wo unsere Abschlussfahrt nächstes Jahr hingehen könnte. Wie wir Baekhyun und Chanyeol verkuppeln konnten. Wie man den plötzlichen Tod unseres Mathelehrers bei einem skurrilen Unfall begründen konnte und so weiter.



„Baek ist wegen Channie mal wieder auf der Emo-Schiene.“

Nachdem wir noch vier Folgen von Sehun's Lieblingsserie gesehen hatten, hatten wir uns in sein Zimmer verzogen und lagen beide auf seinem Bett. Ich hatte mein Handy in der Hand und ging gerade einige Insta-Storys durch.
Unter anderem auch die, von Baekhyun.

Dieser hatte ein schwarz-weiß Bild von sich gepostet mit dem Spruch >> I love dreaming. Because in my dreams you are actually mine. <<

Grinsend zeigte ich Sehun die Story und hoffte, wir könnten wieder darüber reden wie wir die Zwei am Besten verkuppeln könnten. Doch dieser Gedanke verflüchtigte sich fast schon schneller als er gekommen war, als Sehun nur leicht die Augenbraue hob und mit einem 'Hm' gegen die Decke starrte.
Was war denn los mit ihm? Beschäftigte ihn irgendetwas?
Seit wir uns hingelegt hatten war er schon seltsam.
Er redete kaum mit mir und ignorierte mich ja schon fast. Und ich verstand wirklich nicht wieso.
Vorhin war doch noch alles gut gewesen, oder nicht?
Oder war er vielleicht schon müde? Ich warf einen Blick auf meine Handyuhr und zog einen leichten Schmollmund. Bestimmt nicht, um halb elf war doch ein Sehun noch nicht müde.

Ich zuckte leicht zusammen als ich plötzlich eine sanfte Berührung an meinem Arm spürte und sah überrascht zur Seite. Sehun lag mit verspannten Gesicht da und streichelte federleicht mit den Fingerspitzen über meine Haut.
Es machte mir ein wenig Sorgen wie er aussah. Er schien angestrengt über etwas nachzudenken - Vielleicht machte ihn das heute mit Yongguk und Jiho doch irgendwie fertig?
Hatte ihm einer von den Beiden womöglich in der Zwischenzeit geschrieben? Ich wusste ja leider auch nicht, was Sehun eigentlich angestellt hatte.

„Sehun... was ha-...“ Ich verstummte in meinem Satz, als Sehun mit seiner Hand über meine Schulter glitt, mein Schlüsselbein entlang und letztendlich an meinem Kiefer hängen blieb, mein Kinn sanft mit zwei Fingern festhielt.
Was passierte hier? Mein Herz fing an zu rasen und eine leichte Gänsehaut zog sich über meinen Körper.
Wieso fühlte sich jede noch so kleine Berührung auf einmal so intensiv an?

Er war doch mein bester Freund.

Wie in einer Schockstarre, sah ich Sehun einfach nur verwirrt an und musste meine Lippen aufeinander pressen, als er auf einmal meine Haut kraulte.
Furchtbar zärtlich, was einen Schauer durch meinen Körper schickte.

Ich war so verwirrt.

Schon öfters hatte er mich so berührt, aber da war es eher neckend und spielerisch.

Und jetzt? Jetzt könnte ich mir nichts schöneres vorstellen, als mich in seine starken Arme zu kuscheln und zu hoffen, dass er mich niemals los lassen würde.

Ich schluckte, als Sehun seine Hand weiter bewegte und mit seinem Zeigefinger über meine Unterlippe strich. Um ihm vielleicht ein wenig entgegen zu kommen, spitzte ich meine Lippen und gab seinem Finger einen kurzen Kuss. Ein Kribbeln in meinem Magen, sorgte dafür dass ich leicht Lächeln musste und beschämt sah ich Sehun an, dessen dunklen Augen meinen Blick regungslos erwiderten.
Sein Gesicht veränderte sich kein Stück und er reagierte gar nicht mehr.

Was war nur mit ihm los? Ich wurde wirklich nicht schlau aus ihm.

„Luhan“, nun beugte er sich ein Stück zu mir nach vorne und ich musste aufgeregt meinen Atem anhalten, „darf ich dich küssen?“
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