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Die 2. Chance

von Randy
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Alma Del Mar Alma Del Mar Jr. Ennis Del Mar Jack Twist Joe Aguirre Lureen Newsome Twist
18.08.2019
19.08.2019
11
14.368
4
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13 Reviews
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18.08.2019 1.512
 
Die zweite Chance


Die Geschichte beginnt 1984 ca. ein Jahr nach dem Tod von Jack Twist.


Kapitel 1



Gegenwart

Es war Mitte Oktober und die Tage wurden ungemütlicher und kälter.
Der Wind knallte heftig gegen den Wohnwagen und riss mitten in der Nacht, die schon etwas ramponierte Alutüre des Trailers, mit einem Knall auf.
Aber davon merkte Ennis del Mar nicht viel, der schon wieder seinen Rausch ausschlief.
Sein Aschenbecher auf dem kleinen Tisch lief unbarmherzig über.

Rückblick:
Er hatte auch vor einem ¼ Jahr die Hochzeit seiner Tochter Alma Junior einfach verschlafen, er war mit seinen Gedanken an Jack und seiner Sauferei, die immer mehr ausuferte, dermaßen beschäftigt, dass er danach in einen deliriumartigen Schlaf fiel und erst 1 Tag später, spät nachmittags wieder wachwurde.
Genau der Tag, an dem früh‘s Alma heiratete und vergeblich auf ihren Vater wartete, bis sie Monroe enttäuscht, bat ihr Trauzeuge zu werden.
Obwohl er ihr kurz nach Jacks Tod versprochen hatte auf die Hochzeit zu kommen.
Erst gegen Abend realisierte er den verpassten Hochzeittermin und sah verschämt auf die zwei Hemden, die am Kleiderschrank auf dem Kleiderbügel hingen und ihm wurde bewusst, was für ein Mist er gebaut hatte und verfluchte an diesem Abend Gott und die Welt, nur sich nicht. Nahm anschließend eine Flasche Whisky, die er jede Woche in großen Mengen einkaufte, aus dem Schrank und das Karussell drehte sich von neuem, jeden Abend setzte er sich davor, stundenlang in Erinnerungen schwelgend, manchmal sprach er auch zu seinen Hemden und prostete ihnen zu und dachte wehmütig an die Zeit zurück, die er mit Jack hatte.

Danach schlief er meistens schnarchend auf dem Sessel mit einer ausgetrunkenen Flasche Whisky in der Hand ein.

Seinen Job hatte er vor Kurzem verloren da er nicht mehr pünktlich und meistens nicht mehr ganz nüchtern zur Arbeit kam oder an manchen Tagen überhaupt nicht erschien, und so schmiss ihn der Stoutamire- Pferde-Ranchbesitzer schon nach einem ¾ Jahr wieder raus.

Alma Junior kam seitdem nicht mehr bei ihrem Vater vorbei zu sehr schmerzte die Erinnerung daran, dass er auf ihrer Hochzeit mit Kurt nicht erschienen, ist. Auch Ennis hatte so viele Schuldgefühle, dass er nicht den Mut aufbrachte, sich bei seiner Tochter zu entschuldigen,
Aber irgendwann so wusste er, würde er Junior erklären müssen, warum er in Depressionen und Alkohol versank.
Warum momentan sein Leben nicht so in geraden Bahnen verlief, wie es eigentlich sein sollte.
Er musste seiner kleinen die Wahrheit sagen, aber er brauchte Zeit - viel Zeit, bis er so weit war.

Gegenwart:

Am nächsten Morgen, gegen 8 Uhr, wachte er frierend in seinem Sessel und völlig verkatert auf, irgendetwas hatte ihn aufgeweckt.

Schon wieder hatte er von Jack geträumt.
Immer wieder schoss es ihm heiß in die Lendengegend hinein bei dem Gedanken an ihn und an die wundervolle Zeit auf dem Brokeback.
Es war wieder einer seiner sehnsuchtsvollen Träume über Jack gewesen der anfing endlose Rodeo Geschichten zu erzählen und dabei über sich selbst lachte, ja, das Lachen von Jack war einmalig, aber es gab auch Zeiten, in denen er von Jacks angeblichen Unfall träumte und dabei sein zertrümmertes Gesicht vor Augen hatte, da wachte er meistens schreiend und schweißgebadet im Sessel oder in seinem Bett wieder auf.
Der Wind hatte sich etwas gelegt, aber die Tür stand immer noch offen und Ennis sah noch mit müden Augen ungläubig dort hin. Das hatte ihn also geweckt!

„Hatte sie doch zugemacht“, brummte er ärgerlich vor sich hin.

Immer noch brummelnd stand er vom Sessel auf gähnte herzhaft und zog sich vorm Bett seine alten Schlappen, die schon bessere Zeiten gesehen hatte, an und schlurfte zur Tür um sie wieder zu schließen. Dabei bemerkte er, dass die Fahne vom Briefkasten oben stand und er entschloss sich hinzugehen, um die Post herauszuholen.
„Mist, werden wohl wieder Rechnungen drin sein. Diese verdammten Postboten aber auch, die schmeißen auch jeden Scheiß in den Kasten", und rollte mit den Augen und, kratzte sich an seinem Drei-Tage-Bart. Nahm dann die drei Briefe heraus, ging damit erstmals wieder in den Wohnwagen hinein, legte sie auf den Tisch und schlurfte zur kleinen Küche hin.
Dort stand seine alte Kaffeemaschine, die er mit Wasser füllte und mit Kaffeepulver bestückte. Drückte auf den Schalter und so konnte sie langsam durch ihre verkalkte Leitung durchlaufen, was einen ziemlichen Lärm verursachte.
Aber das störte Ennis nicht im Geringsten.
Zwischenzeitlich ging er ins Bad und spritzte sich ein paar Wassertropfen ins Gesicht, rasierte sich seine Bartstoppeln ab, putzte sich notdürftig die Zähne und trocknete sich anschließend mit einem frischen Handtuch ab. Dann blickte in den Spiegel und sah in ein paar traurige, ausdruckslose, braune Augen, seine Augen, und immer wieder huschten gedanklich ein paar himmelblaue Augen an ihm vorbei ...

„Oh Jack, warum musstest du erst sterben, damit ich endlich begriffen habe, was ich wirklich für dich empfinde”, sagte er selbst zu sich.

Er hatte mit seinen 40 Jahren schon ein paar graue Strähnen in seinem blonden Haar, was ihn aber trotzdem nicht älter erscheinen ließ. Nur die Kummerfalten um seine Augen und um Mund herum waren mit den Jahren ausgeprägter und ließen sein Gesicht noch härter erscheinen.
Er hatte nach Jacks Tod ein paar Kilos verloren, was ihm eine fast magere Figur bescherte.
Er drehte sich schließlich vom Spiegel weg und begab sich in seinen kleinen Wohnbereich, ging an seinen Kleiderschrank, blickte auf die geöffnete Seitentüre, wo die beiden Hemden auf dem Kleiderbügel hingen, und nahm vorsichtig den linken Hemdärmel hoch, versenkte seine Nase in den Stoff und roch einmal daran.
Bildete sich wie immer ein, ein wenig von Jack und sich zu riechen, was natürlich völliger Blödsinn war nach so langer Zeit, schließlich waren die Hemden schon über 21 Jahre alt und er war so froh, dass er bei Jacks Eltern vorbeigeschaut hatte, und entdeckte sie rein zufällig hinter der Nische von Jacks Kleiderschrank.
Er war Jacks Mutter unendlich dankbar, dass er sie ohne große Worte mitnehmen durfte, was bei Jacks Asche leider nicht ganz funktionierte.
Sein Vater, der alte Drecksack, wollte sie nicht herausrücken und Ennis startete keinen weiteren Versuch mehr ihn danach zu fragen. Er schüttelte bei diesem Gedanken immer noch den Kopf, warum hatte er sich so leicht abschütteln lassen, es war Jacks Wunsch… Verdammt es war Jacks Wunsch gewesen …
Ich schwör’ s Dir, kam noch einmal der kleine Gedanke und Ennis musste sich zusammenreißen, um nicht wieder in Selbstmitleid zu versinken, er strich auchgedankenverloren mit seinem Daumen über die Postkarte, die mit einem Reisnagel rechts oben neben den Hemden befestigt war.
Vor ein paar Wochen hatte Ennis diese Postkarte mit dem Brokeback drauf in einem kleinen Laden entdeckt und nahm sie für 30 Cent mit. Er schaute wehmütig die Postkarte an, gab sich schließlich einen kurzen Ruck und machte die andere Tür auf um sich ein frisches, kariertes, braunes, Hemd, braune Socken und eine dunkelblaue Jeans herauszuholen, schloss die beiden Türen mit einem Seufzer wieder zu, und begann sich umzuziehen.
Die alten Sachen schmiss er in die rechte Ecke zu den anderen dreckigen Sachen.
Er musste unbedingt wieder in die Stadt zu Gregs Waschsalon.
Der Kaffee war jetzt fertig aufgebrüht und so ging Ennis an den Hängeschrank nahm sich eine emaillierte Tasse heraus und goss sich aus der Kanne von der schwarzen Brühe hinein.
Er nahm einen kräftigen Schluck und die wohlige Wärme des Kaffees durchströmte seinen Körper.
Er nahm seine Tasse und ging zu den Briefen, die immer noch auf dem Tisch unberührt lagen, stellte seine Tassen neben dran hin und nahm sie langsam in die Hand.

Der erste Brief war von Almas Rechtsanwalt, der darauf hinwies, dass die Unterhaltszahlung von Jenny unverzüglich nachzukommen hatte. "Mist”, fluchte Ennis leise.
„Ich brauche unbedingt einen Job" und kratzte sich am Kinn.
Er war schon drei Monate im Rückstand, und da seine Exfrau Alma ihm aus dem Weg ging, konnte er sie nicht um Aufschub bitten, er musste noch bis zu Jennys 18. Geburtstag ein knappes Jahr lang Unterhalt zahlen.
Mein Gott wie die Zeit vergeht, dachte sich Ennis und seine Gedanken schweiften schon wieder bei Jack, der ihn mit seinem schwarzen Cowboyhut und seinen schelmischen blauen Augen zu zwinkerte.
Auf dem Brokeback hatten sie ihre schönste Zeit und was machst du, du verdammter Dickschädel lässt dich von deiner Angst leiten und was hab ich jetzt davon, huh?“
"Ich bin niemand, ich bin nirgendwo. Aber ohne Jack lebe ich überhaupt?"
Ennis Gedanken kamen wieder in die Gegenwart zurück.
Mit wehmütigem Herzen machte er den zweiten Brief auf aber der beinhaltete nur die Stromrechnung, die er noch begleichen musste. Nach dem er sein Job verlor musste er notgedrungen seine zwei Pferde und den Pferdeanhänger verkaufen, was ihn für ein paar Monate über Wasser hielt, aber die Unterhaltszahlung für seine Jüngste reichte es nicht ganz aus, sonst wäre er verhungert, immerhin hatte er noch seinen alten Pick-up, den er immer wieder auf Vordermann brachte.

Den dritten Brief wollte er schon achtlos beiseitelegen als er verdutzt auf den Absender sah, die Handschrift kam ihm irgendwie seltsam bekannt vor, er runzelte die Stirn und las: Jack T. Aberdeen South Dakota
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