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Briefe einer skurrilen Außenseiterin

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
18.08.2019
06.08.2021
223
64.817
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24.10.2020 589
 
Samstag, 24. Oktober 2020

Meine lieben literarischen Ambitionen,

dieser Samstag wirkt gewöhnlicher als sonst. Das finde ich fast schon unheimlich. Kein Wunder: Die Angst vor einem zweiten Lockdown wegen der Coronakrise grassiert und ich frage mich: „Wie wird es mit der Tagesstätte aussehen, wenn es zu einem Lockdown kommt?“
Aufgrund der steigenden Fallzahlen habe ich Angst, einen Schritt nach draußen zu wagen. Manchmal denke ich, dass ich den ganzen Tag Kreuzworträtsel lösen, Barbie-Filme gucken und die Lieblingsfolgen von Sailor Moon ansehen sollte, damit ich nicht auf die dümmsten Ideen komme. Ich habe mir vor Kurzem sogar den neuesten Barbie-Film bestellt, um einen Abend voller positiver Eindrücke verschaffen zu wollen.
Aber auch das Verfassen von Kurzgeschichten und Briefen wäre eine sinnvolle Beschäftigung für mich. Ja, ich habe so viele Bilder im Kopf, die verschriftlicht werden wollen. Allerdings weiß ich nicht so genau, wie ich das am besten anstellen soll.
Im Zeichnen bin ich nicht die hellste Leuchte, wie ich schon oft betonte – das ist klar. Doch irgendwie müssen die ganzen Bilder aus meinem Kopf raus. Gelegentlich glaube ich, dass ich irgendwann verrückt werde, wenn ich die Flausen, die sich in meinem Hirn versammeln, nicht aufs Papier bringe.
Irgendwo in meinem Unterbewusstsein trage ich die Erinnerungen in mir, die besagen, wie ich auf Mozart und die 1980er-Jahre gekommen bin. Jedoch gibt es ein Problem: Diese Erinnerungen sind leider verblasst. Bei Mozart weiß ich überhaupt nicht mehr, wann und wie ich dieses Interesse entwickelt habe. Und bei den 1980er-Jahren habe ich nur den groben Zeitraum im Kopf: Ende 2013.
Schon häufig musste ich diesen Spott hören: „Wegen Mozart und den 1980er-Jahren verlierst du eines Tages einen Verstand völlig!“ Dieser Satz drang im November 2019 so tief in mir ein, dass ich dachte: „Mozart und das vorletzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts sind Gift für meine seelische Gesundheit.“
In wenigen Tagen haben wir schon November und es ist kaum zu glauben, dass ich vor einem Jahr sehr schlecht drauf war. Über meine Misere, die mich im Spätherbst 2019 plagte, schrieb ich Briefe. Wenn ich diese Schriftstücke von damals lese, merke ich, wie sehr ich einem Herzbruch nahe war. Das rüttelt mich wach, indem ich nun denke: „Du musst nicht allen gefallen, damit du glücklich bist!“
Ja, in dieser ignoranten Gesellschaft der heutigen Zeit ist es verdammt schwer, es allen recht zu machen. Dies habe ich am eigenen Leibe erfahren und empfand es so heftig, dass ich fast daran zerbrochen wäre.
Diese Tendenzen der Ignoranz und Volksverdummung werden anscheinend auch in der Coronakrise und danach nicht verschwinden. Im Gegenteil: Sie wuchert immer mehr, was die kühnsten Albträume aus Science-Fiction-Werken übersteigt.
Ob ich dystopische Geschichten schreiben sollte? Das weiß ich nicht. Dennoch habe ich es mal versucht, indem ich Aspekte von Fanfiction zu Sailor Moon und historische Persönlichkeiten miteinander verband. Dabei kam eine Zukunftsvision über das Jahr 2044 und dem Dritten Weltkrieg raus.
Der Wahnsinn des Lebens rast immer schneller und ich komme nicht mehr mit. Die Geschwindigkeit nimmt Ausmaße an, die mich schwindlig werden lassen. Außerdem kann ich meine Gefühle nicht so gut beschreiben. Es fehlen mir dafür einfach die Worte. Aber auch in Form von Bildern fällt mir die Schilderung meiner Emotionen verdammt schwer. Ich könnte meine Gefühle theoretisch abstrakt malen, aber ich bin darin grottenschlecht.
Der Himmel ist grau und er zeigt an, dass der November nicht mehr weit entfernt ist. Leider habe ich wegen der Krisenjahre meines Lebens schlechte Erinnerungen an den November. Er war immer ein Vorbote für Trübsal.

Mit freundlichen Grüßen
Serenity Wing
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