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Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
04.12.2020
32
205.111
4
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Dieses Kapitel
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19.08.2019 3.541
 
4. Die anderen

Zwei Tage später als Gloomy sich gerade in seinem Zimmer befand. Er teilte sich ein Haus mit verschiedenen anderen fremden Ponys. Das Haus bestand aus mehreren Etagen, die von außen über eine Treppe erreichbar waren, mit jeweils einem Flur und darüber verbundene Zimmer. Es war eher für die ärmere Gemeinschaft, aber Gloomy reichte es vollkommen. Er hatte ein Regal mit ein paar wenigen Büchern und Schreibkram, ein Bett, sogar mit einem Beistelltisch, einem größeren runden Tisch inklusive eines schlichten Stuhls und an einer Wand hing ein Bild, dessen Inhalt Gloomy nicht wiedergeben konnte, weil er diesem schlicht keine Beachtung schenkte. Er hatte sogar ein Fenster mit Vorhängen und wenn man dort hinausblickte konnte man richtig gut das gegenüberliegende Haus betrachten... schlicht und einfach könnte man meinen. Beengt aber dennoch gemütlich. Doch selbst das war im entsprechenden Canterlot-Stil, den Gloomy in einem Wort mit Überfluss beschreiben würde und damit in seinen Augen immer noch zu viel. Aber er meckerte nicht, auch wenn er sich hier nicht wirklich wohl fühlte. Twilights Turm war da schon etwas anderes und insofern es möglich war verbrachte er dort eigentlich auch die meiste seiner Zeit. Obwohl er mehr die Abgelegenheit schätzte und weniger den Prunk.
Gloomy saß im Augenblick an seinem Tisch und starrte trübselig in eines seiner wenigen bebilderten Bücher. Seine Mähne war ein wenig verkohlt, genauso wie der Tisch auf dem er sich gerade abstützte. Er hatte sich vor kurzem an einem Zauber probiert, der ihm irgendwie zuvor nie aufgefallen ist. Das Ziel war es, den Tisch auseinanderzubauen und dann die Einzelteile wieder zusammenzusetzen. Seine Sorge war eigentlich, dass er ihn auseinanderbrechen würde und nicht mehr zusammenbekam. Aber es geschah etwas ganz anderes. Das Gespräch mit Twilight fiel ihm auf einmal ein, worauf Wut in ihm aufbrodelte. Im nächsten Moment ertönte ein lauter Knall und der Tisch stand plötzlich in Flammen. Er hatte aber bereits Übung im Löschen von Feuer, weil ihm derlei Dinge eigentlich regelmäßig passierten.
Das Problem waren eher die Nachbarn. Gloomy genoss nicht gerade ein hohes Ansehen hier. Ständig geschah irgendetwas in diesem Zimmer. Einmal fiel im wahrsten Sinne des Wortes, die ganze Decke herunter, sodass einige Handwerkerponys vorbeikommen mussten um den Schaden wieder zu beheben. Auch nach dieser Aktion vorhin eben haben bereits einige Ponys wieder an die Zimmerwände gepoltert, auf das er doch endlich Ruhe geben sollte. Sogar von unten polterte sogar jemand mal an seinen Boden. Dort wohnte nämlich ein Pegasus-Pony.
Gloomy störte sich eigentlich nicht sonderlich daran. Er war weniger Rücksichtslos als das er einfach nur jegliche Vorsicht außer Acht ließ und sich Hals über Kopf und voller Begeisterung in irgendwelche Experimente stürzte. Es war eine ungünstige Voraussetzung für ein Zusammenleben mit anderen Ponys im selben Haus. Für ihn selbst war es aber etwas Gutes, denn so lernte er seiner Meinung nach am besten aus seinen Fehlern. Auch dieses Mal hatte er etwas gelernt. Nämlich, dass er lernen musste seine Gefühle besser unter Kontrolle zu halten.
Jetzt wartete er eigentlich nur, dass die Zeit verging und er zusammen mit den anderen im Zug zur Sommersonnenfeier nach Ponyville fahren würde. Dort würde sie dieses Jahr stattfinden. Vielleicht wäre danach endlich wieder alles wie in alten Zeiten?
Es klopfte an der Tür und Gloomy rief ohne aufzusehen: „Nur zu. Das Schloss ist kaputt“. Die Tür öffnete sich und offenbarte Minuette, die völlig entgeistert darauf starrte. Dann wandte sie sich stirnrunzelnd an Gloomy und fragte: „Machst du dir gar keine Sorgen, dass jemand was stiehlt?“. Gloomy blickte ihr mild lächelnd entgegen.
„Du meinst von meinen reichhaltigen Schätzen?“, antwortete er glucksend. Minuette betrat die Wohnung und ließ die Tür, mit einem nervösen Seitenblick, wieder zufallen.
„Wie sieht‘s denn bei dir aus?“, fragte sie dann lächelnd wieder an Gloomy gewandt, der ihren Blick verwundert erwiderte.
„Ist es dafür nicht zu früh? Es ist noch nicht mal Abend“, bemerkte er. Minuette winkte ab und antwortete: „Sicher aber uns ist langweilig. Also Twinkleshine, Lemon Hearts und mir. Da haben wir uns überlegt etwas früher loszufahren. Dann können wir uns Ponyville noch etwas näher anschauen“. Eigentlich keine schlechte Idee, überlegte Gloomy. Ponyville war eine Kleinstadt. Gloomy hatte bereits Kleinstädte gesehen aber eigentlich immer nur auf der Durchreise. Aber kaum etwas konnte voller sein als Canterlot und Ponyville wohl schon gar nicht.
„Ich nehme mal an, dass Moon Dancer uns dann nicht begleiten wird“, fragte er. Minuettes Lächeln fiel ein und sie antwortete geknickt: „Nein leider nicht. Sie wollte nur, dass wir sie allein lassen. Aber hey. Davon lassen wir uns heute nicht runterziehen“. Wieder mit einem Lächeln schritt sie in Richtung Tür. „Also? Kommst du?“. Gloomy schlug sein Buch zu und richtete sich auf.
„Sicher. Wir sollten allerdings noch Twilight abholen“, warf er ein, worauf Minuette innehielt.
„Ähm“, machte sie, schluckte und wandte sich wieder mit unsicherer Miene zu Gloomy um. „Ich glaube das können wir uns sparen“.
„Hör mal, ich weiß sie hat sich danebenbenommen. Aber wenn diese Sommersonnenfeier erst einmal vorbei ist, wird sich alles wieder einrenken. Da bin ich sicher“, entgegnete Gloomy zuversichtlich.
„Nein, das meine ich nicht“, erwiderte Minuette kopfschüttelnd. „Wir waren bereits bei Twilight. Sie ist nicht da“. Gloomy zögerte.
„Dann wird sie schon in Ponyville sein“, gab er zu bedenken.
„Schon möglich“. Minuette verließ das Zimmer und blickte ihm erwartungsvoll entgegen. Gloomy fühlte sich auf einmal sehr merkwürdig. Irgendwie hatte er gar keine Lust mehr zu dieser Feier zu gehen.
„Ähm... geht am besten schon mal vor. Ich hab noch was zu erledigen. Ich nehme dann einen Zug später“, erklärte Gloomy zögernd. Minuette wirkte mild überrascht, zuckte dann aber nur mit den Schultern und antwortete: „Na schön. Wie du meinst. Bis später dann“. Mit diesen Worten schloss sie die Tür wieder und ließ Gloomy allein im Zimmer zurück.
Gloomy stöhnte missmutig. Twilight ist einfach losgegangen, ohne einen Gedanken an ihre Freunde zu verlieren? Er glaubte zu wissen, wie sich Moon Dancer jetzt fühlte. Auch wenn es bei ihr noch etwas anders war. Er setzte sich wieder an seinen Tisch, verschränkte die Hufe darauf und ließ seinen Kopf nieder. Er wusste gar nicht, wie lange er da jetzt saß und vor sich hin grübelte. Über Twilight, über seine Freunde, über diesen Ort hier, was er hier eigentlich tat und derlei Dinge. Er dachte an seine Sippe von früher und hat sie noch nie so sehr vermisst wie jetzt in diesem Moment. Das letzte Mal als er etwas von ihnen hörte ist schon eine Weile her. Was sie wohl gerade taten? Wo sie gerade waren? Sollte er vielleicht Moon Dancer einen Besuch abstatten? Nein. Ihm war jetzt nicht nach Gesellschaft. Was sollte das schon? Er hatte seine Magie. Wozu brauchte er schon Freunde? Wollte er noch zu dieser Feier oder nicht? Wie viele Ponys würden da eigentlich sein? Prinzessin Celestia persönlich würde dort jedenfalls erscheinen. Normalerweise durften nur Ortsansässige bei der Sommersonnenfeier dabei sein, aber ihre Freundin Lyra Heartstrings, die nach Ponyville umgezogen ist konnte erwirken, dass sie ebenfalls zugelassen wurden. Aber was spielte das jetzt noch für eine Rolle…

Gloomy schrak auf und sah zum Fenster hinaus. Es war bereits Nacht. Er muss eingenickt sein. Wie spät war es? Hatte er das Ereignis verpasst? Wieso hatte er hier eigentlich keine Uhr? Was hatte er hier überhaupt?
Frustriert und wütend über sein verschlafen sprang er auf und galoppierte eilig zur Tür, als etwas seine Aufmerksamkeit erregte und ihn innehalten ließ. Sein Blick fiel auf die Mitte des Tisches, wo er eben noch geschlafen hat. Dort lag eine hufgroße, gläserne, lila schimmernde Kugel... ohne Streusel. Aber es sah dem Gebäck von Moon Dancer dennoch sehr ähnlich und es kam ihm immer noch sehr bekannt vor. Er trat heran und betrachtete es sich aus der Nähe. Dann weiteten sich seine Augen vor staunen. Er wusste was das war, aber wie kam es hierher?
Vorsichtig stieß er einmal mit seinem Horn gegen die Kugel und ließ sogleich wieder davon ab, als sie sich daraufhin rasend schnell um die eigene Achse drehte und langsam in die Luft stieg. Gloomy beobachtete das ganze Erwartungsvoll. Die Kugel war fast auf Augenhöhe und hielt schließlich inne. Das schimmern verblasste und legte langsam ein Bild frei. Es gab aber nichts zu sehen außer einem blassgrünen Leinenmaterial. Gloomy kannte es und wusste, dass das Gegenstück dieser Kugel sich in einem Zelt befand.
„Ah, da bist du ja“, ertönte plötzlich eine vertraute, ruhige, entspannte und weibliche Stimme aus der Kugel, gefolgt von dem Anblick eines Erd-Ponys, welches einen sehr zutraulichen Eindruck vermittelte.
„Älteste!“, rief Gloomy erfreut. Ihr eigentlicher Name war Noma Lifelong und sie war in der Tat ein einzigartiges Pony durch und durch. Wenn man mal von der ungewöhnlichen aber dennoch stilvollen, kupferfarbenen, zu Rastalocken geflochtenen, langen Mähne absah mit einem weinroten Fell. Einzelne Strähnen hingen links und rechts neben ihrem Gesicht hinunter. Auch ihr Schweif war geflochten und sie trug überall irgendwelchen ominösen Schmuck. Ohrringe, mehrere Halsketten und sogar in ihrer Mähne und dem Schweif waren irgendwelche Ringe verflochten, die allesamt golden waren. Sie brauchte diesen Schmuck um irgendwelche Chakren zu öffnen, wie sie immer behauptete. Gloomy glaubte, dass sie einfach nur ein Faible dafür hatte. Ihr Schönheitsfleck bestand aus drei ineinander befindlichen, durchsichtigen Symbolen und somit im Grunde nur aus dunklen Linien. Es war ein aufrecht stehendes Dreieck, ein vierkantiger Diamant und ein Auge. Sie war beim ganzen Stamm sehr beliebt und mancherorts als Seherin bekannt. Einige behaupteten, dass sie bereits mehrere Generationen überdauerte. Gloomy hatte sich oft gefragt, ob sie wohl so alt war wie Celestia. Das Alter sah man ihr jedenfalls nicht an, aber dennoch hatte sich die Bezeichnung als Älteste irgendwie festgefahren. Das war so Sitte und als Verehrung aufzufassen. Wesentlich einzigartiger war schon, dass sie zaubern konnte, obwohl sie kein Einhorn war. Nun, nicht alles, aber einiges. Beispielsweise gab es in der Sippe nicht ein Erd- oder Pegasus-Pony, welches die Kristallkugeln ohne die Hilfe eines Einhorns bedienen konnte. Ein jeder wunderte sich darüber und jedes Mal, wenn es angesprochen wurde, lachte sie nur und machte Andeutungen, die niemand verstand.
Gloomy zögerte. Er war sich nicht sicher ob er sich wirklich so freute. Eher hin- und hergerissen, denn eigentlich wollte er doch zur Sommersonnenfeier. Er lächelte verlegen und fügte stotternd hinzu: „Ja, das ist so unerwartet. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll“. Darauf fing Noma an zu lachen.
„So Wortgewandt, wie eh und jäh“, bemerkte sie amüsiert. „Freust du dich von mir zu hören oder nicht?“. Gloomy zögerte erneut. Dann sprach er langsam: „Ja, ich freue mich schon…“. Aber, wollte er gerade noch anhängen, da antwortete sie jedoch: „Wie wäre es dann mit, eine angenehme Überraschung? Fürs nächste Mal?“. Sie zwinkerte ihm freundlich zu. „Und mach dir keine Gedanken wegen der Sommersonnenfeier. Sie wird nicht das, was du erwartest“, fügte sie mal eben mit ihrer üblichen gelassenen und ruhigen Stimme hinzu. Einen Moment trat schweigen ein, in dem Noma, Gloomy nur aufmerksam und immer noch lächelnd musterte.
„Oh“, entgegnete Gloomy schließlich. „Okay“. Bevor er noch irgendetwas sagen konnte, fuhr Noma bereits fort: „Apropos, hier ist jemand der dich schon sehr vermisst hat“. Sie trat zurück und verschwand aus dem Bild. Kurz darauf erschienen zwei andere vertraute Einhorn-Ponys an ihrer Stelle, mit ebenso gekrümmtem Horn wie Gloomy selbst und lächelten ihm voller Freude entgegen.
„Gloomy, mein Schatz. Ist bei dir alles in Ordnung?“, fragte seine Mutter.
„Pa? Ma?“. Eigentlich hätte er damit rechnen können, wenn sie schon mit ihm Kontakt aufnahmen aber trotzdem war er überrascht. Ihm kamen beinahe die Tränen vor Freude.
„Ich freue mich ja so euch zu sehen“, rief er völlig aus dem Häuschen und trabte dabei aufgeregt auf der Stelle herum.
„So etwas in der Art hätte ich auch gern gehört“, ertönte darauf Nomas gedämpfte Stimme aus dem Hintergrund.
„Erzähl, wie geht es dir?“, fragte Ma erneut und besah sich besorgt Gloomys zerzauste Mähne. Gloomys Mutter, Dainty Welfare, hatte ebenfalls wie Noma eine geflochtene Mähne und Schweif, aber sie war kürzer, als die ihre. Ehrlich gesagt war dieser Stil auch keine Seltenheit in der Sippe. Ihr Fell war türkisblau, wie das von Gloomy und ihre Mähne, sowie der Schweif türkisgrün. Ihr Schönheitsfleck war ein fünfzackiger, aufrecht, stehender Stern.
„Ach, das kann er uns doch gleich erzählen“, warf Pa amüsiert dazwischen. Sein Name war Gloomy Dark. Er hatte ein blaulila Fell und seine kurze, nachtblaue Mähne und der Schweif glichen in etwa dem seines Sohnes. Nur das er sein Äußeres mehr pflegte und es daher nicht so zerzaust war, wie das von Gloomy. Sein Schönheitsfleck bestand aus einem hinter Nebel leicht verborgenen Auge.
„Heißt das, ich werde euch gleich wieder besuchen kommen?“, fragte Gloomy mit vor Freude leuchtenden Augen.
„Allerdings. Das heißt es“, antwortete Pa. „Bist du bereit?“. Gloomy legte ohne zu zögern seinen Huf auf die Kugel und rief: „Auf jeden Fall!“. Pa trat jetzt dichter an ihre Kugel heran und stieß mit seinem Horn dagegen, so dass er auf Gloomys Seite das ganze Bild bedeckte. Im nächsten Moment begann Gloomys Kugel zu vibrieren und er wurde in sie hineingesogen. Dieser Teil fühlte sich immer sehr unangenehm an, als würde er durch einen Schlauch gezogen werden. Aber es dauerte nur einen Augenblick, bis er auf der anderen Seite wieder hinauskam und einen weiteren Augenblick als er von Ma ganz fest gedrückt wurde.
„Ma, ist ja gut. Du drückst mir die Luft ab“, bemerkte Gloomy verlegen.
„Das macht gar nichts. Nach so langer Zeit, kann man das mal tun“, erwiderte sie mit Freudentränen in den Augen.
„Wir haben dich alle sehr vermisst“, fügte Pa hinzu und trat ebenfalls an ihn heran, als Ma endlich von Gloomy abließ. „Komm schon her!“.
„Ich habe euch auch vermisst“, erwiderte Gloomy und lief in seine offenen Hufe.
„Du scheinst ja diesmal die Reise ganz gut überstanden zu haben“, warf Pa ein und musterte ihn, nachdem sie wieder einander losgelassen haben. „Einmal ist dir sogar schlecht geworden nach einer Reise mit der Kugel“.
„Dafür bin ich gerade viel zu aufgeregt“, erwiderte Gloomy, während Ma auf einmal anfing an seiner Mähne herumzuhantieren. Er warf ihr kurz einen unentspannten Blick zu, den sie nicht mitbekam, ließ sie aber weitermachen. Nun bekam er auch erst einen Überblick, wo sie sich eigentlich befanden.
Wie er bereits geahnt hat, waren sie in dem großen blassgrünen Leinenzelt von Noma. Noma selbst saß etwas weiter von ihnen weg auf dem Boden, unter ihr einige Decken und Kissen, hatte die Vorderhufe seitlich auf Schulterhöhe gehoben und die Augen fest verschlossen. Sie meditierte wohl gerade wieder. Es war immer noch dunkel, aber das Zelt wurde von einigen Laternen erhellt, die wiederum an den im Grasboden verankerten Ästen und Zweigen hingen. Hinter ihm befand sich auf einem kleinen Tischchen, über dem eine Decke lag, die Kristallkugel, durch die Gloomy eben gereist ist und durch die man jetzt sein Zimmer sehen konnte. Einige Keramiktöpfe und –Krüge standen versammelt auf dem Boden und von der Zeltdecke hingen an kleinen Schnüren verschiedene Anhänger herunter, die als Schutzsymbole galten. Sie mussten sich irgendwo fernab in der Wildnis befinden, denn Gloomy vernahm ein beständiges zirpen von Insekten außerhalb des Zeltes und der altbekannte, angenehme Geruch von Nadelwäldern stieg ihm in die Nüstern.
„Ich habe gehört, dass die Einhörner in Equestria in der Lage sind, sich zu teleportieren. Stimmt das?“, fragte Pa neugierig.
„Naja, es ist nicht unbedingt eine verbreitete Fähigkeit“, antwortete Gloomy nachdenklich. „Es gibt eigentlich nur wenige Einhörner, die das können. Ich kenne nur zwei. Das wäre Prinzessin Celestia und Twilight Sparkle“, antwortete er. Da horchte Ma plötzlich auf.
„Twilight Sparkle? Wer ist denn das?“, fragte sie interessiert.
„Stimmt, von ihr habe ich euch noch nie erzählt“, gestand Gloomy. „Ich kenne sie schon, seit ich damals in Canterlot geblieben bin. Wir sind Freunde“.
„So? Eine Stute also. In deinem Alter“, stellte Ma fest, mit einem für Gloomy sehr unangenehmen Lächeln im Gesicht und begann wieder erneut seine Mähne glatt zu streichen. „Interessant“. Gloomy versuchte sich nichts anmerken zu lassen und wechselte schnell das Thema: „Weswegen sollte ich denn vorbeikommen? Ist schon ein merkwürdiger Zufall, denn in Equestria findet gerade ein besonderes Ereignis statt. Die Sommersonnenfeier“.
„Ja wir haben davon gehört“, erwiderte Pa seufzend mit auf einmal besorgter Miene. „Ehrlich gesagt ist es aber gar kein Zufall…“., fuhr er fort aber Ma unterbrach ihn: „Das hat doch noch Zeit“.
„Ja das ist wahr“, stimmte Pa zu und lächelte wieder. „Erzähl doch mal. Wie geht es dir denn so in Canterlot?“.
„Ach, was soll ich euch da erzählen“, entgegnete Gloomy missmutig. Er mochte solche Fragen überhaupt nicht. „Ich studiere die Equestrianische Magie, versuche mich an die wenigen Ponys zu halten, mit denen ich zurechtkomme und lebe in einem eingeengten, ungemütlichen, kleinen Zimmer“.
„Oh mein lieber Schatz. Das klingt irgendwie nicht sehr glücklich“, bemerkte Ma mitgenommen. „Aber wie meinst du das genau? Du hast doch Freunde dort, oder nicht?“. Gloomy zögerte und senkte den Kopf.
„Ich denke schon“, antwortete er, seufzte und begann zu erzählen, was passiert ist. Über seine Zweifel mit seinen Freunden, seit Twilight einfach mir nichts, dir nichts verschwunden ist, ohne irgendetwas zu sagen. Wie gemein sie zu ihren Freunden war, seit sie von dieser Legende von dem Pferd im Mond erfahren hat. Darauf wurde Pa plötzlich hellhörig.
„Hast du das gehört, Noma?“, rief er ihr plötzlich zu.
„Ich bin ja nicht taub“, erwiderte sie schnippisch, ohne sich zu rühren oder die Augen zu öffnen. „Aber von meiner Seite hat es da nie irgendwelche Zweifel gegeben“.
„Jetzt noch nicht“, warf Ma ein. Gloomy aber war aufmerksam geworden. Wussten sie etwa irgendetwas von dem Pferd im Mond?
„Wie? Soll das heißen ihr, autsch… Ma!“, rief Gloomy empört, als es schließlich an seiner Mähne unheimlich geziept hat.
„Ja ich weiß“, entgegnete sie belehrend. „Du musst stillhalten, sonst wird das nichts“. Gloomy blickte hilfesuchend zu seinem Pa, der aber nur schmunzelnd danebenstand und zusah. „Weißt du, ich würde gern mehr über deine Freundin erfahren“.
„Was? Meine Freundin?“, erwiderte Gloomy überrascht. „Sie ist nur eine Freundin. Mehr nicht“.
„Etwas anderes habe ich doch gar nicht behauptet“, erklärte Ma unschuldig. „Wie nah steht ihr euch denn?“. Gloomy merkte wie er rot anlief. Warum musste das jetzt geschehen? Hätte er Twilight nur nicht erwähnt.
„Na. Ähm. Eigentlich. Also wir sind“, stotterte er und runzelte die Stirn. „So nah, wie Freunde sich eben sind. Da steckt überhaupt nichts dahinter“.
„Junger Hengst!“, rief Noma auf einmal streng dazwischen, immer noch ohne aufzusehen. „Ich habe dir schon ein paar Mal gesagt, dass du nicht immer so herumdrucksen sollst! Klare Worte, mein Lieber!“.
„Wieso mischt sie sich denn jetzt ein?“, sprach Gloomy leise und gereizt. Da lachte Pa auf einmal und sagte: „Wir machen uns eben alle Gedanken um dich und dein Wohl“. Aber Gloomy reichte es jetzt und warf ihm einen erzürnten Blick zu.
„Und warum mischt ihr euch eigentlich ein? Ich habe euch doch gesagt, dass sie nichts anderes als eine Freundin ist!“, erklärte er wütend.
„Ach Gloomy, Schatz. Wir sind doch nur neugierig. Wir haben dich jetzt seit so langer Zeit nicht gesehen“, beschwichtigte Ma ihn und ließ für einen kurzen Moment von seiner Mähne ab. Gloomy schnaubte und erwiderte: „Naja, die letzten male scheint ihr mich ja nicht gebraucht zu haben“.
„Wir wollten dich dazu holen“, entgegnete Ma bekümmert. „Aber Noma war der Ansicht, dass wir es auch alleine schaffen und dich in Canterlot in Ruhe lernen lassen sollen“. Bevor jemand etwas sagen konnte, meldete sich Noma plötzlich wieder zu Wort: „Dainty, so was erzählst du deinem Sohn?“.
„Aber so war es doch“, erwiderte Ma und blickte Noma aufgebracht entgegen.
„Natürlich war es so“, gab Noma bedächtig zu, immer noch ohne sich auch nur ein Stück zu bewegen. „Aber deswegen musst du es ihm doch noch lange nicht erzählen“. Gloomy seufzte geknickt.
„Vielleicht war es auch besser so“, sagte er bekümmert.
„Dafür brauchen wir dich aber dieses Mal“, fügte Noma unheilverkündend hinzu. „Und zwar umso nötiger. Du hast ja gar keine Vorstellung davon, wie wichtig deine Rolle dieses Mal ist. Wie wichtig es war, dass du in Equestria gewesen bist“. Ma und Pa warfen sich daraufhin beunruhigte Blicke zu. Gloomy bemerkte es und sah ihnen fragend entgegen. Bevor aber jemand etwas sagen konnte, fuhr Noma fort: „Aber dazu nachher mehr. Sobald deine Mutter fertig ist, deine Mähne herzurichten. Das ist ja schließlich auch das wichtigste bei unserem Vorhaben“.
„Naja, das wichtigste vielleicht nicht“, erwiderte Ma besorgt, die den Sarkasmus in Nomas Stimme nicht bemerkt hatte und begann weiter an Gloomys Mähne herumzufummeln. „Aber wenn er wieder in Canterlot ist… ich kann das doch nicht so stehen lassen. Ich brauche bestimmt nicht mehr lange…“.
„Liebling“, warf Pa auf einmal ein. Ma blickte ihm bekümmert entgegen und er schüttelte nur den Kopf, denn er wusste, dass sie nur versuchte das Vorhaben hinauszuzögern. Sie seufzte voller bedauern und sagte: „Du hast genau wie dein Pa leider eine viel zu kurze Mähne. Da eignet sich unser Mähnenstil leider nicht. Aber ich glaube ich habe es jetzt hinbekommen. Fehlt nur noch dein Schweif…“.
„Ich würde jetzt gerne anfangen“, unterbrach Gloomy und trat eilig einen Schritt auf Noma zu, weg von Ma. Mit einem Satz war Noma auf den Hufen und öffnete wieder die Augen, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet.
„Das ist doch mal eine klare Ansage“, erklärte sie erleichtert und ging nun mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck auf Gloomy zu. Gloomy schluckte. Ihm wurde jetzt sehr mulmig zumute.
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