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Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
04.12.2020
32
205.111
4
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
13.08.2020 8.947
 
2. Nichts ist gewiss

Eine sehr lehrreiche Lektüre, dachte Twilight Sparkle. Aber langsam wurde es Zeit sich das nächste Buch vorzunehmen. So ließ sie es vom Buchständer schweben und auf einen der immer größer werdenden Stapel daneben fallen. Als nächstes wollte sie nach Spike rufen, als ihr gerade noch einfiel, dass dieser ja nicht anwesend war. Ihr fehlte leider das Buch in der Sammlung. Vielleicht im Buchladen? Sie verließ den Golden Oak und machte sich auf den Weg.
„Guten Morgen, Twilight!“, riefen ihr die Ponys unterwegs entgegen, was sie fröhlich erwiderte.
Es war wirklich ein guter Morgen. Die Ponys schlugen ihre Fenster auf, begrüßten das Vogelorchester, gossen ihre Blümchen und winkten ihr lächelnd zu. Hier fühlte sie sich wohl, dachte Twilight, während sie gemächlich daher lief. Vorbei an einem großen Baugerüst, welches sich mitten auf dem Platz befand, kam sie im Buchladen an und fand auch mithilfe schnell was sie suchte.
„Schönen Tag noch, Twilight“, wurde ihr noch frohlockend hinterhergerufen, als sie sich wieder auf den Rückweg machte.
Twilight kam einem glücklichen Lächeln nicht umhin. Nichts geht darüber, einen Tag mit einem guten Buch zu starten, dachte sie. Sie musste jedoch Acht geben. Nicht nur wegen der Baustelle, sondern wegen den Fohlen, die hier zudem auch noch spielten. Twilight ermahnte sie, dass es zu gefährlich sei, womit sie auch unter Gelächter eilig von dannen stürmten.
Damit machte sie sich unter Seufzen wieder auf den Weg und es hatte sich als sehr lohnend herausgestellt. Es war eine lehrreiche Lektüre, die völlig abrupt und unerwartet endete. So ließ sie das Buch zu den anderen schweben und wollte sich das nächste vornehmen. Dazu rief sie nach Spike… der natürlich nicht antwortete. Musste sie also selber in den Buchladen. Na schön, dachte sie munter und machte sich sogleich auf den Weg.
„Guten Morgen, Twilight!“, riefen ihr die Ponys unterwegs entgegen, was sie fröhlich erwiderte.
Vorbei an dem großen Baugerüst, kam sie im Buchladen an und fand auch mithilfe schnell was sie suchte.
„Schönen Tag noch, Twilight“, wurde ihr noch frohlockend hinterhergerufen, als sie sich wieder auf den Rückweg machte.
Twilight kam einem glücklichen Lächeln nicht umhin. Nichts geht darüber, einen Tag mit einem guten Buch zu starten, dachte sie. Sie musste jedoch Acht geben. Nicht nur wegen der Baustelle, sondern wegen den Fohlen, die hier zudem auch noch spielten. Twilight ermahnte sie, dass es zu gefährlich sei… als plötzlich ein massiver Holzbacken direkt vor ihren Hufen aufschlug. Genau aus diesem Grund! Mit gerunzelter Stirn wollte Twilight die Fohlen darauf aufmerksam machen… aber diese waren längst verschwunden.
Damit begab sie sich unter Seufzen wieder auf den Weg und machte sich im Golden Oak auch sogleich ans Lesen. Die Wörter, die einzelnen Buchstaben waren irgendwie unruhig und wirkten, als würden sie Twilight förmlich anspringen. So sehr fokussierte sie sich wohl schon darauf. Einfach großartig, dachte Twilight nur, als sie damit fertig war und es zu den anderen Büchern schweben ließ. Spike war nicht da. Also allein zum Buchladen.
„Guten Morgen, Twilight!“, riefen ihr die Ponys unterwegs entgegen, was sie fröhlich erwiderte.
Vorbei an dem großen Baugerüst, kam sie im Buchladen an und fand auch mithilfe schnell was sie suchte.
„Schönen Tag noch, Twilight“, wurde ihr noch frohlockend hinterhergerufen, als sie sich wieder auf den Rückweg machte.
Dabei wurde sie unglücklich von einigen spielenden Fohlen umgaloppiert und ins Baugerüst gestoßen. Es zitterte, schwankte und brach schließlich hinter und über ihr zusammen. Das ging dann doch zu weit, dachte Twilight und wollte die Fohlen sogleich streng zurechtweisen. Diese waren aber längst verschwunden. Hm, stutzte das Einhorn. Das war dann doch etwas merkwürdig.
Im Golden Oak angekommen, zögerte sie nicht damit sich das Buch vorzunehmen. Aber etwas stimmte nicht. Die Buchstaben… das Geschriebene… alles war unleserlich. Unscharf? Brauchte sie vielleicht eine Brille? Sie wuchsen, schrumpften, drehten sich und verformten sich sogar zu völlig fremden Zeichen.
Vielleicht eine andere Sprache? Vielleicht war es ein magischer Code? Vielleicht gab es ein Buch, welches ihr bei der Übersetzung half? Spike? Nein. Also ab in den Buchladen.
Unterwegs wurde sie auf den Himmel aufmerksam, der sie irgendwie zu blenden schien. Hatte sie die Bibliothek schon so lange nicht mehr verlassen? War es normal, dass der Himmel so grell leuchtete? Wie viel Tage waren seit dem letzten Mal vergangen…?
„Guten Morgen, Twilight!“, riefen ihr die Ponys unterwegs entgegen, worauf sie erschrak. Twilight besah sich ihre Mitponys und konnte nicht feststellen, dass sich irgendjemand am Himmel störte. Sicher war es nur Einbildung, dachte Twilight dann und beruhigte sich wieder.
„Schönen Tag noch, Twilight“, wurde ihr noch frohlockend hinterhergerufen, als sie den Buchladen wieder verließ und sich auf den Rückweg unter das Baugerüst machte.
Doch diesmal wurde sie stutzig. Das Baugerüst, die spielenden Fohlen und immer wieder verabschiedete das Pony im Buchladen sie ganz munter… Ob sie sich mit diesem anfreunden könnte? Sowie mit den anderen? Ja, warum nicht! Aber wer waren die anderen? Vielleicht die Fohlen, die wieder einmal drohten, sie ins Baugerüst zu stoßen? Diesmal aber hielt sie inne und wartete einen Moment. Gerade verschwanden sie unter Gelächter hinter einem Stützbalken. Versteckten sie sich dort jetzt etwa? Vorsichtig trat Twilight heran und stellte fest, dass sie verschwunden waren. Eben noch war ihr Gelächter zu hören… Wie auch immer, dachte sie kopfschüttelnd. Ihr Buch wartete.
Im Golden Oak angekommen, schlug sie es auch sofort auf und runzelte besorgt die Stirn. Vielleicht fühlte es sich so an, wenn man nicht lesen konnte. Ihr Freund… wie hieß er nochmal? Er hatte doch ein Leseproblem? Hatte sie das auch? Die Buchstaben verschnörkelten sich zunehmend vor ihr und tanzten im wahrsten Sinne aus der Reihe. Was war hier los? Irgendetwas stimmte doch nicht. Twilight schüttelte sich und rieb sich die Augen, um anschließend erschrocken feststellen zu müssen, dass ihr Buch verschwunden war. Anstelle dessen befand sich vor ihr ein Stein. Wie war das möglich? Als nächstes fiel ihr Blick auf die Bücherstapel neben ihr, die keine Bücherstapel mehr waren sondern ein großer Steinhaufen. Auch die Golden Oak Bibliothek… sie wirkte auf einmal ganz verschwommen.
Hm, dachte Twilight nur. Muss ich mir eben neue Bücher holen. Was ist das überhaupt für eine Bibliothek, in der ständig Bücher fehlten und die sich jetzt auch noch in Luft auflöste? Twilight brauchte den Huf gar nicht ausstrecken, um die Tür nach draußen zu öffnen, denn diese löste sich direkt vor ihr auf. Das Einhorn lief weiter.
„Guten Morgen, Twilight!“.
Diesmal klang es anders und brachte sie schließlich doch ins Stocken. Tief und merkwürdig langgezogen. Angespannt lief sie weiter, während ihr immer unbehaglicher zumute wurde. Das Vogelgezwitscher klang immer schräger und das pralle Sonnenlicht vor ihr wurde trüber. Auch die Ponys an den Fenstern… ihre Bewegungen waren langsam, stockend und sie flimmerten. Ein unangenehmer süß-saurer Geruch stach in den Nüstern und ein merkwürdiges Rauschen trat allmählich in den Vordergrund.
Hier stimmte etwas ganz und gar nicht! Der Boden unter ihren Hufen wurde auf einmal anders. Hart wie Stahl und zunehmend farblos, breitete es sich langsam immer weiter vor ihr aus. Irgendein dunkles, schattenartiges Pony ritt auf einmal mitten durch Twilight hindurch und sah ihr selber dabei erstaunlich ähnlich. Sowie sie aber näher hinsah, löste es sich einfach in Luft auf. Irgendetwas geschah hinter ihrem Rücken. Twilight schluckte und blickte sich langsam um.
Fort war der Himmel, die Bibliothek und überhaupt ganz Ponyville, so wie sie es kannte. Stattdessen befand sich überall um sie herum nun eine rostbraune Ferne, durch die sich ein wie vom Sonnenschein geworfenes Licht zog. Ein sehr trübes Licht, als würde Staub in der Luft liegen. Alles wirkte verschwommen und unwirklich, wie in einem Traum und das hell klingende Rauschen tat sein Übriges dazu.
Twilight begann das Herz zu rasen vor Angst und Schrecken. Mit geweiteten Augen sah sie sich überall um. Dunkle Felsen ragten hie und da aus dem Boden. Alles wirkte sehr trostlos. In der Ferne konnte sie schwebende Plattformen erkennen, teilweise sogar ganze Gebirge mit in die Höhe ragenden, messerscharfen Felsen.
Wie war das möglich? Eben war sie doch noch in Ponyville… und jetzt?
Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Gloomy – der Name fiel ihr auf Anhieb wieder ein – hatte davon erzählt. War es das? Dieses sogenannte Nichts? Seine Beschreibung passte sehr gut darauf. Twilight wusste zu der Zeit noch nicht, ob sie ihm das wirklich glauben sollte. Selbst jetzt, wo sie es mit eigenen Augen sah, suchte sie noch nach einer logischen Erklärung. Das rätselhafte Pony war erschienen und dann… waren sie plötzlich hier. Was war passiert?
Twilight war der Verzweiflung nahe, versuchte sich aber zu beruhigen, indem sie mehrmals tief ein und ausatmete. Es gab nicht viele Wege, die sie gehen konnte. Steile Felsen versperrten den Weg. So lief sie wieder zurück, vorbei am ehemaligen Golden Oak, wo immer noch die Bücher… Steine herumlagen. Sie hatte Steine gelesen? Das konnte nicht wahr sein. Aber doch. Niemand konnte Twilight im Lesen und verinnerlichen von Büchern etwas vormachen, aber sie erinnerte sich nicht daran, was sie da gelesen hatte, wobei ihr ein Schauer über den Rücken lief. Dieser Ort wirkte nicht gefährlich, aber er jagte ihr ein solches unwohlbefinden und damit eine solche Angst ein, dass sie nur sehr vorsichtig einen Huf vor den anderen setzte. Wie war sie hierher geraten? Und was ist mit ihren Freunden passiert?

Es kam ihr vor, als würde sie hier schon sehr lange herumirren. Ob es bald dunkel wurde? Oder war es schon dunkel? Was für Gedanken. Müdigkeit verspürte sie keine. Genauso wenig Hunger oder Durst. Dafür aber ein sehr unangenehmes Gefühl des Beobachtet-Werdens. Twilight glaubte Schemen aus den Augenwinkeln wahrzunehmen, sowie Augen, die ihr aus den Felsen und jeder Nische entgegenblickten. Aber sobald sie genauer hinsah, war da nichts. Wieso war ihre Sicht nur so verschwommen? Es war ein bisschen wie, als hätte ihre Sehkraft nachgelassen.
Erneut blieb dem Einhorn beinahe das Herz stehen, als sie den Weg um einen Felsen herumging und sich vor ihr eine kleine freie Fläche auftat, auf der sich ein durchsichtiges, weißes Schemen befand. Diesmal ganz deutlich.
Ein Geist? Twilight bekam eine Gänsehaut. Das war nicht nur irgendein Scherz von Pinkie oder so. Das sah einfach zu real aus. Aber Geister gibt es nicht!
Der Ponyhafte Geist wiederum beachtete Twilight gar nicht. Er lief nur gelassen hin und her und sprach dabei mit sich selbst: „Sie hatte es nicht so gemeint – Schöner Tag – Ich glaube Derpy weiß manchmal gar nicht, was sie da sagt – Hab noch ein paar Besorgungen offen – Was koche ich mir denn heute?“.
Twilight trat vorsichtig näher und sprach die weiße Gestalt an: „Ähm… Verzeihung? Kannst du mir sagen, was hier los ist?“.
Die Gestalt wandte sich an Twilight.
„Oh, wer bist du denn?“.
Bevor Twilight antworten konnte, fuhr die Gestalt fort: „Diesmal werde ich gewinnen – Vielleicht fragt er mich ja heute mal? – Nein, es ist zu AUTSCH!“.
Die Gestalt jaulte plötzlich und löste sich direkt vor der völlig verwirrten Twilight auf. Bevor sie sich jedoch darüber wundern konnte, erspähte sie etwas am Rande der Fläche. Dort stand ein türkisblaues Pony mit Nachtblauer Mähne… es war Gloomy! Wie angewurzelt, aber sich scheinbar mit jemandem unterhaltend, wirkte er sogar ganz zufrieden.
„Gloomy!“, rief Twilight ihm entgegen und galoppierte zügig an ihn heran. „Geht es dir gut?“.
Ihr fiel schon ein Stein vom Herzen bei seinem Anblick. Gloomy dagegen stockte auf einmal und sah ihr verwundert entgegen.
„Oh, du bist es“.
„Weißt du was hier los ist? Wo sind wir hier?“, fragte Twilight sogleich aufgewühlt. Aber Gloomy verhielt sich merkwürdig. Als würde er ihr gar nicht richtig zuhören, wandte er sich bereits schon wieder ab.
„Super… ähm… ich kann jetzt nicht mit dir reden, Twilight“.
Twilight stutzte und wollte auch schon antworten, aber da fuhr Gloomy fort: „Nein, nicht du. Ach… wieso machst du nicht mit Spike schon mal alleine weiter? Ich brauche eine kurze Pause“.
Twilight verstand überhaupt nichts mehr. Was redete er eigentlich da?
„Na bitte“.
Gloomy hatte sich geschüttelt, die Augen gerieben und die Stirn gerunzelt, als er sich endlich wieder an Twilight wandte und sprach: „Hier sind wir also. Das Nichts. Glaubst du es jetzt? Ich meine, wo du es schon mit eigenen Augen siehst?“.
„Ich weiß nicht… was ich davon halten soll. Ist das überhaupt echt?“, fragte Twilight verängstigt, was nicht besser wurde, als Gloomy auf einmal anfing zu lachen.
„Das hab ich mich auch die ganze Zeit gefragt“.
In seiner Stimme lag etwas vorwurfsvolles, worauf Twilight sich jetzt aber nicht einlassen wollte.
„Ich glaube gerade einen Geist gesehen zu haben und…“.
„Die sind dir wirklich keine Hilfe. Die Geister, die du hie und da sehen wirst, sind nichts weiter als Träumende. Man bezeichnet es nicht umsonst als die Traumwelt. Und alles was die von sich geben, ist irgendein zusammenhangloses Gebrabbel. Aber ehrlich“. Ein hämisches Grinsen legte sich plötzlich über Gloomys Gesicht. „Geister gibt es doch gar nicht“.
„Gloomy bitte. Ich mache mir Sorgen. Wir müssen die anderen finden und einen Weg hier raussuchen“, erklärte Twilight unruhig.
„Sicher“, antwortete Gloomy, dagegen die Ruhe selbst. „Ich suche einen Weg hier raus und du die anderen. Deine Freunde. Kannst dahinten anfangen. Dort wirst du sie finden“.
„Sollten wir nicht zusammenbleiben?“, fragte Twilight unsicher und ängstlich.
„Keine Sorge“, erwiderte dieser abwinkend. „Mir wurde versichert, dass wir auf dieser Ebene allein sind. Es wirkt vielleicht alles etwas ungewohnt, aber es ist nicht gefährlich“.
Ungewohnt? Ungewohnt? Twilight war fassungslos bei diesen Worten und brachte keinen Ton hervor. Das war nicht nur ungewohnt. Und wer hatte ihm irgendwas versichert?
„Wenn du den anderen begegnest“, fuhr Gloomy unbekümmert fort. „Mach sie auf die Lücken in ihrer scheinbar perfekten Illusion aufmerksam“.
Mit diesen Worten schloss er nur noch die Augen und setzte sich mit todernstem Blick auf den Boden. Twilight wollte etwas sagen, wurde aber gerade auf ein schattenhaftes Schemen über ihnen aufmerksam, welches sie zu beobachten schien. Entsetzt blickte sie nach oben, da war es auch schon wieder fort.
„Was… ist denn mit dir? Siehst du nicht…“.
„Kann jetzt nicht reden“.
Twilight war erschüttert. War das überhaupt Gloomy? Machte ihr dieser Ort vielleicht nur etwas vor? Die Traumwelt – hier hielten sie sich auf, wenn sie schliefen? Schliefen sie gerade? War das, was sich so real anfühlte, etwa ein Traum? Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so etwas geträumt zu haben. Allerdings konnte sie sich generell immer nur verschwommen oder gar nicht weiter an ihre Träume erinnern…

Twilight ließ Gloomy zurück, der keine Anstalten mehr machte sich zu bewegen und ging allein den Weg, den er sie gewiesen hat. Dieser Ort ließ ihr dabei keine Ruhe und sie rechnete bereits hinter jeder Ecke damit, dass gleich etwas passieren würde. Irgendetwas Schreckliches. Unverständliche Worte flüsterten ihr ins Ohr, als würden sie sie überreden wollen umzukehren. Wurde sie langsam paranoid?
Zum Glück dauerte es nicht lange, bis sie auf einer felsigen Einöde einem orange farbigen Pony mit blonder Mähne begegnete.
„Granny! Lass das bleiben!“, brüllte es auf einmal wütend.
„Applejack!“, rief Twilight erleichtert, als sie sich ihr näherte.
Diese wandte sich zu ihr um und antwortete: „Hallo, Twilight. Alles in Ordnung bei dir? Du wirkst etwas aufgewühlt?“.
Twilight antwortete nicht, sondern blickte ihr nur mit offenem Maul entgegen. Es wirkte so grauenerregend surreal, wie Applejack da auf der Fläche stand und sprach, als wären sie sich gerade ganz friedlich Zuhause über den Weg gelaufen.
„Jetzt reicht es aber, Granny! Hör sofort auf damit“, schrie sie auf einmal. „Gib das Ding her!“.
Da verstand Twilight aber allmählich. Applejack nahm diese Umgebung wohl nicht wahr. Genau wie Twilight zuvor, glaubte sie wohl wirklich Zuhause zu sein. Ihr selbst drückte das Rauschen umso unangenehmer auf die Ohren.
„Applejack? Wo sind wir hier?“, fragte sie, worauf diese ihr mit großen Augen entgegenblickte.
„Huh? Wie meinst du das? Das hier ist die Farm Sweet Apple Acres“. Applejack seufzte. „Tut mir Leid wegen Granny Smith. Ich weiß nicht was mit ihr los ist“.
„Was ist denn mit ihr?“.
Ob dieser Frage schaute Applejack ihr noch verwirrter entgegen.
„Na… du hast es doch gesehen. Und ich muss gestehen, es war nicht das erste Mal. In letzter Zeit geht sie auf die Besucher mit einem Stock los, wie von Flughunden gebissen… und brüllt dabei auch noch bestialisch“.
Twilight glaubte kaum, was sie da hörte. Da fuhr Applejack bereits fort: „Ich muss weiterarbeiten. Kannst mir gerne Gesellschaft leisten, wenn du willst. Ich habe noch einige Lieferungen zu erledigen und muss noch ein paar Äpfel ernten…“.
„Applejack! Du…“.
„GRANNY!“, schrie Applejack schon wieder, dass Twilight heftig zusammenzuckte vor Schreck. „Muss ich dir schon wieder den Stock wegnehmen?“.
„Applejack!“. Twilight wurde nun selber laut. „Das hier ist nicht Sweet Apple Acres“.
Applejack stutzte daraufhin und erwiderte Twilights aufgebrachten Blick halb belustigt, halb verunsichert.
„Was redest du da, Twilight. Bist du sicher, dass mit dir…“.
„Ich kenne Granny Smith und weiß genau, dass sie niemals irgendjemandem etwas antun würde“, erklärte Twilight geduldig. Eben hatte sie sich an Gloomys Hinweis erinnert. Vielleicht war das eine dieser Lücken, die er gemeint hat? Genau wie Twilight selbst, war Applejack allem Anschein nach in einer Art Illusion gefangen.
„Ja, ich weiß auch nicht, woher das auf einmal kommt“, erwiderte Applejack besorgt.
„Was ist das letzte woran du dich erinnerst! Wir waren im Golden Oak. Weißt du nicht mehr?“. Twilight stellte diese Frage, als wäre es ganz selbstverständlich. In Wahrheit war sie sich dem selber nicht mehr so bewusst. Sie wusste, dass sie zuletzt dort waren, aber nicht, was passiert war oder wie sie hierhergekommen sind.
„Golden Oak? Ich weiß nicht“. Applejack stotterte vor sich hin. Dann schüttelte sie auf einmal den Kopf. „Tut mir leid, Twilight. Aber ich habe jetzt keine Zeit. Meine Lieferungen warten…“.
„Wann hast du das letzte Mal etwas geliefert?“. Twilight begann nun ganz unruhig auf Applejack einzureden. „Wie oft hast du Granny schon diesen Stock weggenommen? Wie lange erntest du hier eigentlich schon? Machst du überhaupt irgendwelche Fortschritte?“.
Twilight hoffte einfach, dass irgendeine dieser Fragen Wirkung erzielen würde. Schließlich hatte sie selber ein Buch nach dem anderen gelesen, ohne dass sie dabei irgendetwas gelernt hatte.
Und vielleicht tat es dies! Applejack begann unverständliche Worte vor sich her zu brabbeln, während Twilight sie mit Fragen bombardierte. So unsicher hatte Twilight sie noch nie erlebt. Vielleicht war sie es die ganze Zeit schon, aber dieser Ort ließ nun mal alles wirklich sehr real wirken.
„Applejack! Erkenne bitte, wie unlogisch das alles ist. Komm wieder zu dir!“.
Twilight war an sie herangetreten, hatte sie an den Schultern gepackt und schüttelte sie sanft.
„Ich weiß nicht was du…“, stammelte Applejack. Dann machte sie ganz große Augen und blickte voller Erstaunen auf ihre Umgebung. Twilight entging dabei der Schatten nicht, der hinter ihrem Rücken entlanghuschte. Beim genaueren Hinsehen war da aber wieder nichts.
„Was zum… Bei meinen Dunghaufen. Was passiert hier! Wo… wo sind wir? Und wo ist meine Granny?“.
„Bleib ruhig“, versuchte Twilight sie zu beschwichtigen. „Das… ist die Realität. Im Augenblick. Und Granny hast du dir nur eingebildet“.
So erzählte sie ihr alles, was sie darüber wusste und das war nicht viel. Aber es genügte. Zu erfahren, dass sie sich gerade in einer Art Geisterwelt aufhielten, besserte Applejacks Stimmung jedoch nicht im Geringsten. Sie erschauderte vor Angst und sah sich beunruhigt um.
„Das ist also dieser Ort von dem Gloomy damals erzählt hat? Kann nicht behaupten, dass es mir hier gefällt“.
„Ich auch nicht. Aber wir müssen jetzt die anderen finden. Gloomy sucht bereits einen Weg, wie wir hier wieder rauskommen“, erklärte Twilight.
Zumindest hoffte sie das…

Jetzt wo sie zu zweit waren fühlte Twilight sich schon etwas wohler. Es war nach wie vor beängstigend. Vor allem weil keiner wusste, wie sie eigentlich hierher gerieten. Applejack berichtete ebenfalls von Schemen aus den Augenwinkeln und fühlte sich beobachtet.
Auch die Anwesenheit der wenn auch harmlosen Geister war nicht gerade angenehm. Sie waren völlig unbeteiligt und bekamen scheinbar nichts von ihrer Umgebung mit. Oder fast nichts, denn die beiden schienen sie sehr wohl wahrnehmen zu können und starrten ihnen manchmal ganz unheimlich hinterher. So schritten die Freunde an ihnen vorbei und versuchten nicht auf ihre zusammenhanglosen Selbstgespräche zu achten.
Gloomy hatte überhaupt nicht beunruhigt gewirkt. Aber es war jetzt nicht die Zeit sich darüber Gedanken zu machen.
Gemeinsam mit Applejack, folgte Twilight dem Weg weiter durch die felsige Ödnis, bis sie schließlich auf ein Pegasus mit hellblauen Fell und einer unverkennbaren Regenbogenmähne stießen. Es flog über ihnen in der Luft, mit dem Rücken nach unten, als würde es auf etwas unsichtbarem liegen. Es wirkte sehr verkrampft.
„Rainbow Dash? Ist alles in Ordnung mit dir?“.
Das Pegasus zuckte auf und wandte den Blick nach unten. Ein gezwungenes Lächeln bildete sich auf dem Gesicht.
„Tach Freunde. Ehrlich gesagt… nicht wirklich, nein. Aber ist bestimmt nichts Ernstes“.
„Was ist denn los?“
„Naja, meine Flügel. Sie tun weh. Und ich weiß nicht warum“.
„Ähm. Vielleicht solltest du ihnen mal eine Ruhepause gönnen“, schlug Applejack zögernd vor.
Rainbows Miene verfinsterte sich auf einmal.
„Ist das dein Ernst, Applejack? Wonach sieht das denn hier für dich aus?“.
Diese Frage stellte sie, während sie immer noch über ihnen mit dem Rücken nach unten liegend mit den Flügeln flatterte. Applejack wollte bereits darauf antworten aber Twilight gebot ihr zu schweigen und warf ein: „Lass mich raten. Du liegst gerade auf einer Wolke und entspannst dich. Stimmt‘s?“.
„Und genau aus dem Grund bist und bleibst du eine Schlaumeierin Twilight“, antwortete Rainbow und begann zu brüllen vor Lachen, wobei sie sich den Bauch hielt. „Oh Mann. Was ist denn mit euch beiden los?“.
Applejack und Twilight standen ganz bedröppelt nebeneinander und wussten nicht, was sie sagen sollten.
„Ja, ich versuche gerade mich zu entspannen. Deswegen gönne ich meinen Flügeln eine Ruhepause. Vielleicht bin ich in letzter Zeit zu viel geflogen. Aber wisst ihr was das komische dabei ist?“. Rainbow hatte erst ganz munter daher gesprochen, wirkte nun aber auf einmal sehr enttäuscht. „Obwohl ich überhaupt nicht in Form bin, stecke ich die Wonderbolts immer noch mühelos in die Mähne. Anfangs war ich noch froh, zu ihnen zu gehören. Aber jetzt…“.
„Die Wonderbolts? Du hast sie doch immer bewundert?“, fragte Twilight.
Rainbow blickte nun sehr bekümmert drein.
„Ja ich weiß. Das war bevor ich erfahren habe, dass die eigentlich gar nichts drauf haben. Hinter all den Geschichten, ihren Heldentaten und ihren Flugkünsten… steckt eigentlich gar nichts. Das weiß ich jetzt. Und ich muss zugeben…“.
Twilight war sich sicher Tränen in Rainbows Augen gesehen zu haben, aber sie wandte sich sogleich ab.
„Ich bin ein wenig… enttäuscht. Ich meine, sie sind doch Helden. Idole! Oder nicht? Zumindest für mich…“.
„Rainbow, die Wonderbolts sind großartige Flieger!“, rief Twilight erschrocken dazwischen. „Und das weißt du“.
„Ja von außen scheint das so“, erwiderte Rainbow abwinkend. „Aber wenn man erst mal drinnen ist, sieht es ganz anders aus. Ich meine, ich wusste ja schon immer, dass ich ein guter Flieger bin. Aber ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich sogar besser als die Wonderbolts bin. Ich wollte immer so gut sein wie sie. Ich wollte sie übertrumpfen! Jetzt habe ich erfahren, dass ich das schon längst habe… und nun…“.
Rainbow seufzte. Dann erschrak sie auf einmal, während gleichzeitig wieder ein Schatten neben ihr vorbeifegte. Schon wieder, dachte Twilight erschrocken und blickte dabei zu Applejack. Der schien aber nichts aufgefallen zu sein.
„Ähm… was ist denn mit dem Himmel…?“, fragte Rainbow zögernd mehr zu sich selbst.
Twilight schüttelte sich. Sie hatte sich das bestimmt nur eingebildet und so begann sie auf Rainbow einzureden: „Du hast doch die Wonderbolts schon früher fliegen gesehen. Du weißt genau, dass sie Spitze sind. Wieso sollte sich das in letzter Zeit geändert haben?“.
Rainbow wirkte abgelenkt.
„Könnt ihr mir sagen, warum der Himmel auf einmal so braun ist?“, fragte sie und verzog das Gesicht. „Und was ist das für ein unangenehmes Geräusch?“.
Applejack und Twilight warfen sich gegenseitig einen Blick zu. Dann antwortete Applejack an Rainbow gerichtet: „Willkommen in der Realität“.
Rainbow zuckte auf, wandte sich nach unten und erschrak, als sie feststellte, dass ihre Wolke gar nicht da war und sie die ganze Zeit schon in der Luft flatterte. Sie geriet außer Kontrolle und knallte kurzerhuf auf den Boden, wo sie sich aber sofort wieder aufrichtete und schockiert umsah.
„Wie was? Realität? Was hat das zu bedeuten?“.
Twilight und Applejack erzählten ihr alles. Genau wie Twilight zuvor, war Rainbow wohl gerade dabei ihre Situation genauer zu hinterfragen und hatte sich am Ende von ganz allein aus ihrer Lage befreit. Sie hatten ihr nur noch den letzten Schubs gegeben.
„Ja, ich brauchte etwas Zeit zum Nachdenken und habe das letzte Wettfliegen abgesagt. Hätte ich sowieso gewonnen“, erklärte Rainbow missgelaunt. Dann überkam sie ein Lächeln. „Ich mag es zwar zu gewinnen, aber diese Siege waren wie… geschenkt. Ich musste mich nicht mal wirklich anstrengen“.
„Na das läuft doch besser, als ich gedacht habe“, erklärte Twilight erfreut. „Fehlen nur noch drei“.

„Boah, was für ‘ne öde Gegend“, rief Rainbow nach einer Weile des Umherirrens verzweifelt.
Sie ließen gerade einige Geisterscheinungen hinter sich, die ihnen auf Rainbows Ausbruch hin neugierige Blicke zuwarfen.
„Was gibt’s da zu gucken!“, blaffte Rainbow sie an, worauf sie sich gleich wieder erschrocken abwandten. „Ich werd‘ hier gleich verrückt! Ich krieg ‘nen Rappel von diesem Geräusch. Wie lange haltet ihr das eigentlich schon aus?“.
„Naja“, dachte Twilight laut, aber Applejack antwortete kurzerhuf: „Einfach ignorieren. Man gewöhnt sich dran… Mehr oder weniger…“.
„Ich kann mich daran nicht gewöhnen. Ich…“. Rainbow stockte sogleich, genau wie anderen, denn sie konnten ihren Augen nicht trauen.
Ein Alihorn befand sich vor ihnen. Ein Alihorn mit dunkelblauem Fell, einer blau schimmernden, wabernden Mähne und einem Sichelmond als Schönheitsfleck. Außerdem trug sie eine dunkelblaue Krone auf dem Haupt und ein großes Band um den Hals, ebenfalls mit einem sichelförmigen Mond darauf.
Die Aufmerksamkeit des Alihorns war im Moment einem geisterhaften Schemen direkt vor ihr gewidmet. Vorsichtig traten die Freunde näher.
„… und genau aus diesem Grund geschieht das. Du wirst dich deinen Ängsten stellen müssen oder es wird dich in alle Ewigkeit verfolgen“, beriet das Alihorn den Geist gerade, mit einer beruhigenden und sanftmütigen Stimme. Der Geist wirkte zunächst verunsichert, aber dann richtete er sich auf und rief erfreut: „Danke Prinzessin Luna, für deinen guten Rat“.
„Es ist nur ein guter Rat, wenn du ihn beherzigst“, mahnte Luna.
„Das werde ich. Versprochen…“ und mit diesen Worten löste sich der Geist direkt vor ihr auf. Luna seufzte und blickte zufrieden drein. Dann breitete sie ihre gewaltigen Schwingen aus…
„Prinzessin Luna! Warte! Wir brauchen deine Hilfe!“, riefen die drei Freunde alle hoffnungsvoll durcheinander.
Die Prinzessin stutzte und hielt inne. Ganz langsam wandte sie sich zu ihnen um. Aber sie sah sie nicht direkt an. Sie blickte über sie hinaus und über sie hinweg und wirkte dabei überaus verwirrt.
„Sie… kann uns nicht sehen“, stellte Twilight langsam fest.
„Was redest du da? Natürlich kann sie… uns…“, begann Applejack.
Aber Twilight schien recht zu haben.
„Hm“, machte Luna und schritt dabei direkt an ihnen vorbei. Dabei blickte sie sich immer noch in alle Richtungen um.
„Prinzessin Luna wacht über unsere Träume“, begann Twilight zu erklären. „Dieser Geist gerade hatte einen Albtraum und sie hat ihm geholfen. Aber wir sind keine Geister. Sie kann uns nicht wahrnehmen“.
„Das glaube ich einfach nicht. Eben hat sie uns doch gehört. Verzeih bitte… PRINZESSIN LUNA!“, rief Rainbow verzweifelt, direkt neben ihr stehend und wollte sie vorsichtig anstupsen. Aber ihr Huf glitt einfach durch sie hindurch, während Luna sich schließlich abwandte und davonflog.
„Was immer uns von diesen Geistern unterscheidet“, fuhr Twilight fort, während sie alle hoffnungslos Luna hinterherblickten, die sogleich einfach verschwand, als wäre sie durch ein Portal geflogen. „Wir träumen nicht. Wir sind wirklich hier!“.
Entsetzen stand nun in den Gesichtern von Rainbow und Applejack geschrieben. Für einen Moment glaubten sie schon gerettet zu sein. Mit Lunas Hilfe. Twilight erging es nicht anders.
„Woher weißt du das?“, fragten sie das Einhorn, welches seufzend erwiderte: „Ich weiß es natürlich nicht genau. Es ist nur eine Theorie“.
Ihnen blieb keine andere Wahl als weiterzulaufen. Sehr viel ängstlicher und verunsicherter noch als zuvor.

Vielleicht war es ein Glück, dass sie endlich dem nächsten Pony begegneten. Einem Einhorn mit weißem Fell und violetter Mähne, die für sie ungewöhnlich zerzaust wirkte.
„Hey, Rarity. Komm zu dir“, fackelte Rainbow auch nicht lange.
Diese wandte sich sichtlich geschockt um und antwortete: „Was? Ihr? Hier?“.
„Stell. Dir. Vor“, entgegnete Rainbow ebenso abgehackt mit gerunzelter Stirn.
„Oh… ähm…“. Rarity zögerte und sah sich um. Dann hielt sie sich ganz zierlich lachend ihren Huf vor den Mund. „Ja natürlich. Exquisit. Entschuldige mich bitte einen Moment, Fancy Pants“. Als nächstes machte sie eine besorgte Miene und sprach flüsternd: „So sehr ich mich auch freue euch hier zu sehen, so ist es nicht gerade der Beste Zeitpunkt. Wie seid ihr überhaupt hier reingekommen? Man braucht eine Mitgliedskarte“.
„Mitgliedskarte? Rarity, du…“.
„Komme gleich. Einen Moment bitte“, trällerte Rarity auf einmal und lächelte dabei ganz nervös vor sich hin.
Offenbar war sie gerade auf einer Veranstaltung. Aber aus der Sicht der anderen Drei betrachtet, wirkte Rarity gerade ziemlich beknackt.
„Was ist aus deiner übertrieben gepflegten Mähne geworden“, fragte Applejack mit einer Spur Häme in der Stimme.
„Erinnere mich bloß nicht daran“, zischte Rarity sie gereizt an. „Das glaubt ihr mir nicht. Da bekomme ich eine Karte aus den höchsten Kreisen Canterlots, putze mich entsprechend schön raus, um am Ende zu erfahren“. Sie atmete mehrmals tief ein und aus und konnte ihre Bitterkeit nicht verbergen. Sie war allem Anschein nach wütend, sprach aber ganz gefasst, wenn auch mit finsterer Miene: „Dass hier alle wie gewöhnliche, schludrige Landeier herumlaufen. Nichts für ungut, Applejack“.
Diese hatte eine Augenbraue hochgezogen und blickte Rarity nun schief entgegen. Bevor aber jemand etwas erwidern konnte, fuhr Rarity auch schon damit fort sich selber zu bedauern: „Ach, es ist zum Mähne raufen. Ich musste mich anpassen und sehe… schrecklich aus! Aber was soll ich machen? Mode ist Mode und der Trend scheint sich über die letzten Tage, Stunden… SEKUNDEN geändert zu haben! Womit habe ich das nur verdient?“.
Rarity überdramatisierte die Angelegenheit natürlich gerade maßlos, während sie ihren Kopf nach hinten neigte und sich dabei einen Huf vor die Stirn hielt. Die anderen warfen sich gegenseitig Blicke zu, wussten aber nicht wirklich was sie dazu sagen sollten.
„Ähm. Und du glaubst wirklich, dass sich die Mode einfach mal so ändern kann?“, fragte Twilight schließlich.
„Aber selbstverständlich, Schätzchen. Ob es uns gefällt oder nicht. Da könnte ich euch noch ganz andere Sachen erzählen“, erklärte Rarity kopfschüttelnd. „Aber nun ist dafür nicht die Zeit. Ich muss zurück zum… Ja-ha! Bin schon da“.
Sie bewegte sich nicht vom Fleck. Augenscheinlich. Die anderen steckten die Köpfe zusammen: „Was tun wir jetzt? Fallen euch irgendwelche Lücken auf?“.
„Außer der Sache mit der Mitgliedskarte…“.
„Ähm, Freunde? Das ist jetzt wirklich nicht der geeignetste Augenblick“, flüsterte Rarity plötzlich wieder.
„Wir wollen nur…“.
„Wie bitte? Nicht doch. Ich führe doch keine Selbstgespräche. Ich unterhalte mich mit… ähm… nun ja. Unseren Gästen“.
Die anderen warfen sich nun gegenseitig verwirrte Blicke zu, während Rarity sich scheinbar gerade mit den Ponys auf der Veranstaltung unterhielt. Dann lachte sie ganz förmlich, wobei sie sich den Huf vor den Mund hielt.
„Ihr wollt mich doch alle auf den Huf nehmen. Ihr seht sie doch. Sie stehen direkt vor euch… oh. Ihr seht sie nicht? Nun… Freunde. Ihr bringt mich da wirklich in eine peinliche Situation“.
„Hä? Wir stehen hier einfach nur herum und machen gar nix!“, polterte Rainbow darauf ungehalten los.
„Rarity! Du bildest dir das alles nur ein…“, begannen sie auf sie einzureden, während Rarity nur mit betretener Miene dastand und auf den Boden sah. „Ich meine, keiner von den Ponys am Hofe da beschwert sich über uns, während wir hier so laut herumdiskutieren? Ergibt das für dich Sinn?“.
„Oh, ich weiß es ist alles etwas merkwürdig. Allein schon ihr Verhalten hat mich von Anfang an verwundert. Ich habe sie mir alle viel… graziöser und anmutiger vorgestellt“. Rarity seufzte und blickte wieder auf. „Aber ich weiß nicht was ihr jetzt von mir erwartet. Was meint ihr mit, ich bilde es mir nur ein…?“.
Twilight war sich diesmal fast sicher, dass sie etwas sah. Es war wieder irgendein Schatten hinter Rarity. Aber dann war er auch schon wieder weg. Was hatte das zu bedeuten?
Rarity stockte. Sie konnten gut mit ansehen, wie sich ihre Augen allmählich weiteten. Mit dem blanken Entsetzen ins Gesicht geschrieben, sah sie sich langsam um. Dann kippte sie nur noch zur Seite und hatte offensichtlich das Bewusstsein verloren.
„Was meint ihr? Ob sie aus ihrer Illusion noch erwacht ist?“, fragte Rainbow in die Runde, die ihr daraufhin nur ungläubige Blicke zuwarf, ob dieser überflüssigen Frage.

Sie wollten hier so wenig Zeit wie möglich verbringen und so zögerte Applejack auch nicht und lud sich Rarity auf ihren Rücken, damit sie ohne Unterbrechungen ihre restlichen Freunde suchen konnten.
Die Stimmung war etwas besser geworden, auch wenn sich ihre Lage nicht verändert hatte.
Rainbow erzitterte und sprach etwas von Stimmen aus den Felsen, die sie irgendwie… überreden wollten, dazubleiben. Sie schüttelte sich daraufhin, drückte sich die Hufen fest auf die Ohren und flog ihnen fortan im Schritttempo hinterher.
Applejack erschrak auf einmal und warf dabei versehentlich unsanft Rarity vom Rücken. Sie sagte ganz heiser klingend irgendwas von Apple Bloom und raste plötzlich davon, als würde es keinen Morgen mehr geben.
Twilight versuchte die Ruhe zu bewahren und wies Rainbow an bei Rarity zu bleiben. Rainbow aber hatte das scheinbar gar nicht mitbekommen. Sie verharrte auf der Stelle in der Luft, immer noch mit den Hufen auf den Ohren und die Augen geschlossen.
Verdammt, dachte Twilight und jagte Applejack hinterher. Glücklicherweise war sie nicht weit gelaufen. Aber sie war völlig verstört und rief unablässig nach ihrer kleinen Schwester, wobei sie Twilight schon versehentlich anrempelte.
„Applejack, bitte beruhige dich!“, rief Twilight verzweifelt und richtete sich langsam wieder auf. „Ich verspreche dir, Apple Bloom geht es gut. Sie ist zuhause in Sicherheit“.
Jedenfalls hoffte sie das. Wieso sollte es anders sein?
Endlich hielt Applejack inne und wurde ruhiger.
„Du hast recht. Wieso sollte sie auf einmal hier sein?“, fragte sie mehr sich selbst, wobei sie aber immer noch kreidebleich im Gesicht war. „Gehen wir wieder zu den anderen“.
Die Lage drohte noch zu eskalieren, überlegte Twilight unruhig. Auch ihr setzte dieser Ort zu und sie musste sich bereits schon unheimlich zusammenreißen, denn sie war fest davon überzeugt, dass der rostbraune Himmel gerade auf sie herabstürzte und sie zu erdrücken drohte. Alles drehte sich. Ihr wurde speiübel. Sie schloss die Augen und atmete schwer, als plötzlich auch schon Raritys Klagelaute an ihr Ohr drangen. Sie war endlich aufgewacht und wollte ihre Lage gar nicht wahrhaben.
„Es ist finster, es ist kalt, es ist leblos und öde. Es ist einfach…“.
„Wir wollen ja hier auch nicht wohnen“, erwiderte Applejack sofort, auch wenn sie ihr diesmal durchaus nachfühlen konnte. Aber sie wollte sich diesen Gedanken auch nicht hingeben. „Außerdem ist es überhaupt nicht finster. Und kalt auch nicht. Es ist weder warm noch kalt. In der Hinsicht kann ich mich jedenfalls nicht beschweren“.
„Das sollte nur ein sprachlicher Ausdruck sein, um zu beschreiben, wie schrecklich ich diesen Ort finde. Schlimm wenn man das erklären muss“, giftete Rarity. „Ich sehe immer noch fürchterlich aus und außerdem…“.
„Schluss jetzt! Ich hör da was!“, hauchte Twilight angestrengt unter Schmerzen dazwischen.
Zunächst war Stille, aber dann ertönte tatsächlich etwas von weiter weg.
„… für die liebe Ms Pie. Ihr ist nun alles egal. Ach was soll das überhaupt? Interessiert doch sowieso keinen ob ich reime oder nicht. Hier ist ja niemand. Aus diesen Geistern ist kein Wort rauszukriegen. Sie sind aber stürmisch“. Es war unverkennbar Pinkies Stimme, die gerade irgendjemanden nachäffte. Sie schien sehr aufgebracht zu sein. „Sie sind zu schnell! Können sie langsamer traben? Woher wollen die eigentlich wissen, wie schnell ich traben darf? Hab ich irgendein Schild verpasst? Die sollen gefälligst irgendwas anderes machen, um sich die Zeit zu vertreiben… HAU AB!“.
Die Freunde stürmten um den nächsten Felsen herum und erspähten ein Erd-Pony mit einem hellpinken Fell und einer dunkelpinken Mähne, wie es gerade mit wütender Fratze einen sichtlich eingeschüchterten Geist anbrüllte.
„Mein Name ist Pinkamena Diane Pie! Und ich bin dein schlimmster Albtraum!“.
Der Geist hatte eine Ähnlichkeit… aber er löste sich sogleich in Luft auf, was wohl so viel hieß wie, dass er aufgewacht war. Möglicherweise war es gar nicht unüblich, dass jemand einen Albtraum von Pinkie hatte.
„OHA! Wen sehe ich denn DA!“.
Pinkie war allem Anschein nach schon aus ihrer Illusion aufgewacht und offenbar völlig durch den Wind. Sie hatte ihre Freunde erspäht und stand einen Moment später auch schon direkt vor Twilight und schüttelte sie grob.
„Ihr seid keine Geister! Ihr seht echt aus! So richtig ECHT! Sag mir, dass ihr echt, echt seid! Na los, sag es! SAG ES!“.
„Pinkie – hör auf! Ja! Wir – sind – echt!“, stotterte Twilight während Pinkie sie immer noch durchschüttelte.
„Woher weiß ich, dass ich dir trauen kann? Sag es nochmal! Sprich, wir sind echt, ECHT, Pinkie!“
„Was soll denn… JA! Wir-Sin-d-echt-echt-Pin-kie!“, wiederholte Twilight durchgeschüttelt.
„Puh, na dann ist ja gut. Hab mir schon langsam Sorgen gemacht, ich sei hier allein oder so“. Pinkie ließ endlich von Twilight ab und begann auch sofort ganz aufgeregt zu plappern. „Das war vielleicht was. Alle wollten feiern. ALLE! Sogar Gloomy! Stellt euch das mal vor! GLOOMY FEIERT! Ich wusste sofort, da stimmt irgendwas nicht. Und auf einmal war ich hier! HIER! Ganz allein! Naja und mein Schatten, den ich gejagt hab“.
„Pinkie beruhige dich. Es wird alles wieder…“.
„Keine Zeit! Fluttershy wartet schon auf uns. Wir haben Gloomy gefunden“.
„PINKIE!“, rief Twilight aufgebracht, als diese sie am Huf gepackt hatte und eilig hinter sich her zog.
Sie war wohl noch ganz die Alte.

„Da ist sie!“, rief Pinkie schließlich.
„Schön. Darf ich jetzt wieder selber laufen?“, fragte Twilight missgelaunt.
Pinkie hatte sie zu dem Pegasus-Pony mit gelbem Fell und Rosa Mähne geführt und dabei ihrer Umgebung überhaupt keine Beachtung geschenkt. Die anderen hatten dabei Mühe an ihr dranzubleiben. Das Pegasus saß derweil ganz friedlich auf dem stahlharten, dunklen Boden und blickte mit großen Augen zu ihnen hinüber.
„Oh, da seid ihr ja“, sprach Fluttershy munter.
Unweit von ihr entfernt saß immer noch Gloomy mit geschlossenen Augen, so wie Twilight ihn zurückgelassen hatte.
„Fluttershy? Ist bei dir alles okay?“.
„Naja, wie man’s nimmt“, erwiderte Fluttershy zögerlich.
„Da hast du recht. Was hast du denn durchgemacht?“, fragte Applejack, mit einem Blick auf die düstere Umgebung.
„Ich mag da nicht gern drüber reden“, fing Fluttershy seufzend an. „Ich habe mich um die Tiere gekümmert. Alles schien friedlich zu sein, aber immer sobald ich mich abgewendet habe, sind sie aufeinander losgegangen. Es war schrecklich“.
„Und ich musste ihr dann versprechen, dass Zuhause wieder alles normal sein wird“. Pinkie schluckte und fügte nervös hinzu: „Hoffentlich wird das dann auch so“.
„Klar, das steht für mich schon außer Frage. Aber sag mal Fluttershy, mit wem hast du da vorhin gesprochen?“, wandte Rainbow mit gerunzelter Stirn ein. „Ich hab doch eben noch jemanden bei dir sitzen sehen. Außer Gloomy meine ich“.
„Oh… ähm. Ich glaube sie ist schüchtern“, antwortete Fluttershy vorsichtig.
„Von wem redest du bitte, liebes?“, fragte Rarity verwundert. „Und was ist eigentlich mit Gloomy los“.
„Man könnte sagen – er schläft“.
Sie erschraken, als plötzlich eine unheimliche Stimme von Gloomy aus erklang. Etwas trat hinter ihm wie aus dem Nichts hervor, als ob es sich dort versteckt hätte. Es war ein auffallend hübsches Pony, abgesehen von einigen merkwürdigen Eigenheiten. Zunächst einmal trug es keine Mähne, kein Fell und keinen Schönheitsfleck, sondern nur eine sehr hellbraune, nackte Haut, die Stellenweise mit dunkleren Schuppen übersät war. Vielleicht wurde der Schönheitsfleck auch nur von diesen Schuppen überlagert? Sie waren besonders am Hinterteil, um die Schultern herum und auch auf der nackten Kopfhaut, auf der bläuliche Farben wie Flammen tanzten. Zwei große, verschnörkelte Hörner ragten ihr aus der Stirn.
„Hier seid ihr nun also. Ihr habt alle Hürden überstanden und seht die gepeinigte Welt nun wie sie ist. Mit all ihren Makeln und Mängeln. Ihren Narben. Ihren tiefen, blutenden Wunden“.
Sie sprach sehr ruhig, langsam und irgendwie mit zwei Stimmen gleichzeitig. Einer hohen und einer tiefen, wobei die tiefe immer etwas nachhallte. Es hatte etwas erschreckend Beängstigendes an sich und ließ die Ponys vor Angst erschaudern. Kein Wort brachte jemand von ihnen hervor, während das unbekannte Pony sich allmählich neben Gloomy stellte und ihnen dabei entgegensah. Erst jetzt fiel ihnen ihre Hufe auf, die ganz dreckig aussahen, als wären sie mit einem dunklen Morast überdeckt. Dann wandte das Pony sich auf einmal langsam an Gloomy neben sich und strich ihm langsam und zärtlich mit einem Huf über die Wange.
„W-Was tust du da? Geh weg von ihm!“, riefen die anderen sogleich durcheinander.
Das einzige was sie zurückhielt, war ihre Angst vor dem Unbekannten. Das Pony dagegen wandte sich wieder ganz ruhig ihnen zu und antwortete mit hochgezogenen Augenbrauen: „Ich tue niemandem etwas Böses. Das müsst ihr mir glauben“.
Wieder trat Stille ein, in der sie das unheimliche, geschuppte Pony anblickten. Dieses legte seinen Kopf auf die eine Seite, auf die andere und ließ dabei langsam seinen Blick über die Freunde, einen nach dem anderen wandern. Das verstörende dabei war, dass sie sich auf ihre Hinterläufe hat fallen gelassen und nun ganz langsam mit beiden Huf zärtlich über ihren eigenen Körper strich. Eine überaus anziehende Aura umgab sie und löste bei ihnen allesamt ein Unwohlbefinden aus.
„Uh, na meine hübsche? Wie wär’s denn mit uns beiden? Wollen wir ein bisschen… hm hm…?“, kam es plötzlich völlig unerwartet von Pinkie, die ganz dicht an sie herangetreten war, dabei ein leichtes grinsen auf den Lippen trug und die Augenbrauen leicht angezogen hatte.
„Pinkie!“, riefen die anderen sogleich aufgebracht und zogen sie von ihr weg.
Wenn auch nicht alle. Applejack und Rainbow wirkten sehr durcheinander. Immer wieder warfen sie dem Etwas verstohlene Blicke zu, wandten sich aber sogleich verlegen ab.
Auch Twilight überkam ein merkwürdiges Gefühl. Ein leichtes Lächeln überkam sie und sie konnte nicht anders, als das verführerische Pony anzustarren. Aber sie widerstand der umwerfenden Aura, schüttelte sich einmal und begann stotternd zu sprechen: „W-W-Wer b-bist d-du?“.
Was war nur mit ihr los? Sie wollte sich fest und entschlossen dem Pony entgegenstellen. Aber nun hatte sie selbst Schwierigkeiten, den Blick aufrechtzuerhalten.
„Einige euresgleichen würden mich als einen Dämon bezeichnen. Uns gibt es in den verschiedensten Formen“, erklärte sie mit ihrer hohen, tief nachhallenden Stimme langsam, wobei sie die ganze Zeit über eine ausdruckslose Miene auf dem Gesicht trug.
„Und… ähm… Wir müssen dich besiegen, um hier rauszukommen. Oder?“, fragte Rainbow zuerst ganz selbstsicher, aber dann immer leiser werdend.
„Nein. Das müsst ihr nicht. Ich lasse euch gehen. Euch alle“, antwortete der Dämon, was sie allesamt überrascht dreinblicken ließ.
„Einfach so?“.
„Einfach so“, wiederholte das geschuppte Pony.
Nach wie vor zog sie die Freunde allesamt in ihren Bann. Pinkie starrte ihr mittlerweile schon mit einem merkwürdig lüsternem Gesichtsausdruck und offenem Mund entgegen und sabberte dabei. Nur auf Fluttershy und Rarity schien sie keine Wirkung weiter zu haben. Fluttershy war nicht weniger ängstlich als sonst, wenn sie jemand fremden begegnete und Rarity musterte die Kreatur die ganze Zeit über äußerst kritisch.
„Wo ist der Haken?“, fragte sie schließlich mit zusammengekniffenen Augen.
„Es gibt keinen Haken“. Der Dämon richtete sich auf, wandte ihnen den Rücken zu und ging ein paar Schritte, während er weitersprach: „Ich beobachte euch schon die ganze Zeit über. Und in dieser Zeit habe ich einiges gelernt. Ihr sehnt euch nach eurem Zuhause. Ich bin gewillt euch von diesem Ort wieder zu entbinden, wenn ihr es wünscht“.
„Das“, begann Applejack mit ernster Stimme. Aber in dem Moment blickte der Dämon ihr genau in die Augen, worauf sie ganz klein wurde. „Ist nett“.
„Uns alle heißt aber wirklich alle. A-Auch unseren F-Freund da neben dir“, stammelte Twilight scharf.
„Tut mir leid“. Der Dämon wirkte auf einmal tatsächlich sehr bedrückt. Dann wandte er seinen Blick zur Seite auf Gloomy. „Ich fürchte das habt ihr nicht zu entscheiden“.
„Oh, du aber oder was?“, erwiderte Rarity süß, die dem folgenden, stechenden Blick offenbar mühelos widerstand.
„Natürlich. Bei mir darfst du alles“, sprach Pinkie mit heraushängender Zunge und ging dabei wie verzaubert ein paar Schritte auf den Dämon zu.
Rarity hielt sie ungehalten zurück und drückte ihr die herunterhängende Kinnlade wieder zu. Dann antwortete der Dämon schließlich: „Nein. Er allein. Und er hat entschieden. Entschieden, hier zu bleiben. Hier bei mir. Hier, in einer perfekten Welt, die ich für euch alle erschaffen kann“.
„Was soll das denn heißen?“.
„Perfekte Welt? Das ich nicht lache“.
Wenn auch zurückhaltend, begannen sie nun schließlich alle zu protestieren. Twilight konnte sich endlich zusammenreißen und antwortete fest entschlossen: „Wir haben deine Vorstellungen von einer perfekten Welt gesehen und sind alle einer Meinung. Nein danke! Das gilt sicher auch für Gloomy“.
Der Dämon wirkte nun überaus bedrückt.
„Ich gebe zu, dass es mir an Erfahrung mangelt. Ich mache Fehler. Ich bin nicht perfekt. Ist das nicht normal? Machen wir nicht alle Fehler?“. Sie, der Dämon, sprach ganz unschuldig und mitleiderregend mit einer traurigen Miene. „Ich habe bereits mit eurer reizenden, kleinen Freundin Fluttershy gesprochen. Sie war bereit, mir zu verzeihen. Genauso wie euer Freund hier“. Sie deutete auf Gloomy. „Auch er war bereit darüber hinwegzusehen. Bereit mir zu zeigen, wie es sich in eurer Welt abspielt. Ich muss noch viel lernen“.
Die Freunde zögerten. Fluttershy brachte keinen Ton hervor und sah nur betreten zu Boden.
„Ich verstehe nicht“, begann Twilight wieder stotternd. „Du lässt uns zurück… und er bleibt hier bei dir?“.
Rarity schnaubte wütend, trat selbstsicher mit ihrer zerzausten Mähne einen Schritt nach vorne und protestierte: „Kommt gar nicht in Frage. Wer weiß, was du mit ihm vorhast. Er kommt mit uns! Damit das klar ist!“.
„Ihr wollt euch wirklich über seinen eigenen Willen hinwegsetzen?“.
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das wirklich will“. Rarity schüttelte den Kopf und sprach felsenfest davon überzeugt. „Gloomy ist nicht so ein Hengst. Er verfällt nicht sofort dem nächsten“. Sie musterte den Dämon abfällig von oben bis unten. „Flittchen das ihm schöne Augen macht!“.
„Ich habe ihm eine neue Welt gegeben. Eine Welt, so wie er sie sich gewünscht hat. In dieser Welt, fühlt er sich glücklich“, antwortete der Dämon, völlig ungerührt von Raritys Bemerkung.
„Was?“. Nun war es Applejack, die sich erschrocken zu Wort meldete. „Du… spielst mit ihm! Du lügst ihn an und machst ihm was vor! Das ist falsch!“.
Die anderen gingen allesamt unmittelbar darauf ein und befürworteten ihre Aussage.
„Ich verstehe euch nicht“, erwiderte der Dämon und blickte schon wieder äußerst bekümmert und mitleiderregend drein. Nur diese doppelte, nachhallende Stimme klang dabei nach wie vor unheimlich. „Ich gab ihm, wonach er sich gesehnt hat. Was ist daran falsch?“.
„Es… ist einfach nicht richtig. Es ist nicht real… es…“, stammelte Applejack.
Aber sie verstummte schließlich. Der Dämon machte große Augen und legte den Kopf dabei langsam zur Seite. Er wirkte dabei so unschuldig und unerfahren wie ein junges Fohlen. Wie sollte man das erklären? Auch die anderen wussten nicht recht, was sie sagen sollten und schwiegen allesamt.
„Gefühle sind… niemals greifbar“, begann der Dämon zu erklären, wobei sie ganz langsam vor den Freunden entlanglief und vorsichtig, sanft und zärtlich mit einem Huf über ihr Gesicht oder das Fell strich. „Ihr könnt sie weder sehen – hören – noch riechen. Was ich ihm gebe, ist somit nicht weniger real, als das, was er in eurer Welt bekommt“.
Außer, dass es nicht vorgespielt ist, lag es Twilight schon auf den Lippen. Aber sie verschluckte sich, als der Dämon einen Moment später auch schon vor ihr stand, ganz behutsam mit ihrem Huf ihre Wange berührte und langsam den Hals hinunterstreichelte.
„Eure Welt ist nicht leicht. Jeder von euch hat ein Laster zu tragen. Es ist nichts Verwerfliches daran, wenn man träumt. Sich nach Glück sehnt. Lasst euch einfach fallen“.
Twilight kam nicht umhin als diesen Moment zu genießen. Sie schloss die Augen und legte den Kopf zur Seite auf den Huf, um mehr von ihrer wohltuenden Berührung zu erfahren. In diesem Moment fühlte sie sich so wohlbehütet… bis es ihr auf einmal klar wurde!
Sofort schlug sie die Augen wieder auf. Der Dämon war bereits weitergeschritten und stellte sich erneut vor ihnen auf. Vorsichtig ging Twilight nun selber mit ihrem Huf über die Stellen, wo der Dämon sie berührt hatte. Was hatte sie da getan? Wollte sie ihnen nur bildlich vorführen, was sie meinte? Twilight wollte unbedingt etwas sagen. Aber sie verstand, was der Dämon zum Ausdruck brachte und empfand es so entwaffnend, dass sie keinen Mucks von sich geben konnte.
„Freunde jetzt…“. Rarity meldete sich zu Wort und schüttelte sich heftig. Auch sie war für einen Moment dem Bann verfallen, bekam sich aber schließlich wieder ein. „Reißt euch doch zusammen!“.
„Bitte. Ich will nichts von euch“. Der Dämon flehte sie nun bereits schon an. „Ich möchte nur, dass ihr seinen Willen akzeptiert“.
„Ich... kann das einfach nicht glauben“, kam es von Applejack, die dabei völlig ratlos und aufgebracht zu Boden blickte.
„Ich auch nicht! Und ich habe auch genug gehört“, warf Rainbow nun plötzlich ein. „Ich hätte das von Anfang an tun sollen. Wenn du ihn nicht rausrückst, kämpfen wir gegen dich“. Sie hatte sich in die Luft erhoben und hielt dem Dämon drohend ihren Huf entgegen.
Dieser warf ihr einen Blick zu, so durchdringend, dass Rainbow schon wieder ganz kleinlaut wurde. Genauso wie Pinkie und Fluttershy, die immer noch mit geschlossenen Augen dastanden und ganz zufrieden lächelten, seit der Dämon sie berührt hatte.
„Davon würde ich abraten. Wir sind hier im Zentrum meines Reiches. Meiner Ebene“. Sie, der Dämon, hatte sich auf die Hinterläufe gesetzt, breitete die Vorderbeine aus und sah sich dabei um. „Hier ist meine Macht am Größten. Und dennoch… will ich mich nicht mit euch anlegen“. Ihr Blick verharrte wieder auf den Freunden. „Ihr seid nicht in Gefahr. Gewalt ist mir zuwider. Ich bringe euch wieder nach Hause. Friedlich. Aber bitte, lasst ihn hier“.
„Warum eigentlich? Wieso willst du unbedingt, dass er bei dir bleibt?“, zischte Rarity.
„Nicht alle Dämonen sind böse. Ich möchte, dass er glücklich ist. Dass ihr alle glücklich seid. Seht doch“. Der Dämon deutete auf Gloomy, der ganz plötzlich friedlich zu lächeln angefangen hatte. „Er kann hier das Glück erfahren, dass ihm zuvor verwehrt blieb. Und ich lerne durch ihn, was es heißt... sterblich zu sein“.
Keinem von ihnen war wohl bei dieser Sache und jeder hätte gerne etwas dagegengesprochen. Aber der unaussprechliche Charme dieses geschuppten Ponys kam immer wieder erneut so niederschmetternd wie in Wellen über sie, dass sie stets aufs Neue ins Schweigen verfielen oder sich beschämt abwandten. Abgesehen davon, dass manches was diese Kreatur von sich gab nicht weit hergeholt war.
„Du sprichst als ob er bei uns zu Hause immer unglücklich gewesen wäre. Das stimmt doch überhaupt nicht“, protestierte Applejack.
„Etwas hat ihn sehr unglücklich gemacht. Vielleicht hat er euch nie davon erzählt?“, mutmaßte der Dämon wieder mit Unschuldsmiene.
Dann geschah aber etwas Unheimliches. Wie in Zeitlupe wandte sie ihren Blick auf einmal zu Twilight, wobei diese ihre Stimme in ihrem Ohr vernahm, als würde sie ihr direkt hineinhauchen: „Du weißt davon. Nicht wahr, Twilight Sparkle?“.
Der folgende Blick war so durchdringend, als würde der Dämon durch sie hindurch und in ihre Seele schauen. Spätestens jetzt konnte Twilight sich nur noch sehr schwer vormachen, dass es sich hier nicht um ein übernatürliches Wesen handelte. Eine Gänsehaut überkam sie und sie begann am ganzen Körper vor Furcht zu schlottern. Eilig wandte sie den Blick ab und schloss die Augen. Die anderen wussten nichts davon, aber Twilight konnte sich gut vorstellen, was Gloomy sich für eine Welt gewünscht hatte. Dazugehören. Das war alles was er wollte.
„Ich kann das trotzdem nicht gutheißen. Es ist immer noch eine Lüge. Lügen sind niemals gut...“, sprach Applejack überzeugt, aber sie verstummte sogleich und lief rot an, als der Dämon immer dichter heranrückte, sich ganz eng an sie schmiegte und dabei deutlich hörbar für alle in ihr Ohr hauchte: „Meine liebe Applejack. Du scheinst zu gut für diese Welt zu sein. Genau wie deine Freunde…“.
Doch es verging kein weiterer Moment, als Twilight schließlich ihren Entschluss fällte und sich nun endgültig fest dem Dämon entgegenstellte.
„Nein, es reicht! Ich werde ganz bestimmt nicht zulassen, dass Gloomy hier irgendwo im Nirgendwo zurückbleibt mit einem fragwürdigen... Dämon oder was auch immer an seiner Seite. Keiner von uns bleibt hier zurück! Wir gehen alle und das ist mein letztes Wort!“.
Der Dämon hatte mittlerweile von der immer noch nervösen und beschämten Applejack abgelassen und Twilight aufmerksam zugehört, während er vor sie getreten war.
„Du riskierst, dass er enttäuscht sein wird. Kummer kann sehr viel Leid herbeiführen… für alle“. Bei den letzten Worten hatte sie ihren Blick gesenkt. Ein Schatten lag nun auf ihrem Gesicht und ließ sie noch schauriger und sogar schon bedrohlich wirken.
„Das Risiko werde ich eingehen!“, antwortete Twilight ohne mit der Wimper zu zucken.
Die anderen wechselten unterdessen verwirrte Blicke.
„Äh, ich habe keine Ahnung wovon ihr da gerade sprecht. Aber ich stimme Twilight zu!“, warf Rainbow entschlossen ein.
„Wir alle!“.
Sie standen dem Dämon nun Seite an Seite gegenüber, mehr oder weniger sicher und widerstanden aber ihrem ungeheuerlichen Charme. Sogar Pinkie, obwohl sie dabei deutlich zu kämpfen hatte und sich auf die Lippen biss.
„Ähm… wir könnten ja trotzdem noch etwas…“, begann sie vorsichtig, wurde aber sofort von den anderen streng ermahnt.
Der Dämon wirkte zunächst wieder ganz traurig. Dann gleichgültig, womit er sich von ihnen abwandte und an Gloomy herantrat.
„Bedauerlich. Aber ganz wie ihr es wünscht“.
„Was tust du da jetzt?“.
Sie stand direkt neben Gloomy, strich ihm noch einmal sanft über die Wangen und flüsterte ihm etwas ins Ohr, was jeder von ihnen aber so deutlich vernehmen konnte, als würde sie neben ihnen selbst stehen: „Es ist Zeit aufzuwachen“.
Twilight sah gerade noch, wie Gloomy die Augen aufriss, als vor ihr alles schwarz wurde.
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