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Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
04.12.2020
32
205.111
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29.04.2020 10.870
 
3.8. Ihr wahres Wesen

Ein bedrückender und schauriger Anblick bot sich den acht Freunden, als sie das Stadttor und die Zugbrücke hinter sich brachten. Der Weg, auf dem sie hergekommen sind, war nicht mehr wiederzuerkennen. Die Hügelwiesen, jetzt karg und trocken. Die Baumwand, welche zuvor die Sicht auf das dahinter liegende, düstere Tal verbarg, war wie abgestorben. Überall zogen sich grünlich schimmernde Risse wie Geschwüre über das Gehölz und blitzten sogar gelegentlich auf. Immerhin schien die Kuppel wieder vollkommen in Ordnung zu sein. Die wasserartige Substanz oder die Blase, die sie alle umschloss. Aber ihnen war bekannt, wie es vorher war und welche verschiedenen Eindrücke ihnen die Umgebung vermittelt hat. Doch von der magischen Schönheit, welche dieser Ort einst barg, war nichts mehr zu spüren und es erfüllte die Freunde mit Trauer und Bedauern.
„Wie konnten die Saudens das nur tun?“, fragte Twilight fassungslos, während sie ihre Blicke über die nun trostlose und knisternde Gegend schweifen ließen.
„Vielleicht haben sie auch keinen Weg ins Innere gefunden“, mutmaßte Gloomy erdrückt. „Und im Gegensatz zu uns haben sie sich dann gewaltsam durchgeschlagen“.
In der nun verkohlten Baumwand waren große Löcher, durch das mehrere Sturmsaudens durchpassen würden. Es sah aus, als wäre dort etwas Massives durchgeschossen. Komisch, wo die Saudens sich doch auch hätten darunter durchgraben können? Um die Löcher herum funkte, blitzte und knisterte es noch mehr und überall lagen die hölzernen Überreste am Boden verteilt. War das auch das Werk des Grausehers?
„So langsam verstehe ich, wieso sie überall so... unbeliebt sind“, bemerkte Applejack mit leiser aber deutlicher Stimme. „Und gefürchtet“.
Jeder stimmte ihr stumm zu. Aber ihnen blieb keine Zeit für Sentimentalitäten oder derlei. Von Lord Snjolk oder überhaupt irgendeiner Ratte war weit und breit nichts zu sehen. Doch sie wussten, dass sie nicht fern sein konnten. Sie spürten ihre Anwesenheit bereits und vernahmen einen unangenehmen Schweißgeruch. Dann standen sie auch schon mehreren Sturmsaudens gegenüber, die aus den Schatten der dichten Baumwand oder hinter den am Boden liegenden Baumstämmen hervortraten. Einige krochen sogar aus dem Boden, in dem sich tatsächlich kaum sichtbare Schlupflöcher befanden. Die Saudens hatten sie längst erspäht und erwartet.
Für einen kurzen Moment erschraken die Freunde. Durch die Sichelhelme der Sturmsaudens hindurch war deren Mimik nicht erkennbar, aber sie schienen nicht auf einen Kampf aus zu sein. Sie hielten ganz gelassen ihre Hellebarden in einer Pfote auf den Boden gestützt, als würden sie Wache halten.
„Seht da-da!“.
Gerade wollte Gloomy schon nach Lord Snjolk fragen, da ertönte plötzlich eine überraschend hohe und quietschige Stimme eines Sturmsaudens und wies mit seiner freien Pfote hinter die Freunde. Dort auf einem hohen Hügel stand zum einen unverkennbar der zittrige Lord Snjolk und schien gerade in ein hitziges Gespräch vertieft. Die andere Ratte stand mit dem Rücken zu ihnen und war noch nicht genauer zu erkennen. Doch sowie sie mit den vielen Sturmsaudens im Schlepptau immer näher herantraten, fiel ihnen der Stahlpanzer mit den gebogenen Hörnern des Grausehers ins Auge.
„Was hat der hier verloren!“, rief Rainbow mit einem Mal aggressiv.
Die anderen waren ebenfalls aufgebracht bei seinem Anblick. Die Miene des Grausehers war von Verwirrung gezeichnet, als er sich umwandte. Doch beim Anblick der acht Freunde konnte man genau spüren, wie die Luft vor Spannung zu knistern begann. Seine Augen verengten sich und stießen förmlich Funken aus. Purer Hass war darin zu erkennen, dass es ihnen unmittelbar Angst einjagte. So knurrte er auf, hob ohne zu zögern seine Pfote und richtete sie auf die Ponys, die davon erschraken.
„Tu uns den gefallen!“, rief Lord Snjolk auf einmal zornig, mit seiner tiefen, grunzenden Stimme. „Und Klan des mittleren Westens – kann sich suchen – NEUEN ANFÜHRER!“. Der Grauseher stutzte daraufhin.
„Das wagt es nicht“, erwiderte er mit hoher krächzender Stimme und blickte aufgebracht zu Lord Snjolk. „Diese Ponydinger – SCHULD-SCHULD-SCHULD AN ALLEM!“.
Unglaublich aber unverkennbar trat auf einmal ein Lächeln in Lord Snjolks Gesicht.
„Nah, kleine, freundliche Ponydinger – besiegen-schlagen – großen, mächtigen Grauseher?“, fragte er, gefolgt von einem kaum hörbaren Gekicher oder eher Gegrunze der Sturmsaudens hinter ihnen.
Der Grauseher reagierte darauf sichtlich gereizt und knirschte wütend mit den Zähnen.
„Freundliche Ponydinger? Freundlich? Nein-Nein-Nein warum?“. Er schüttelte ganz wild mit dem Kopf und begann energisch auf und ab zu laufen. „Ponydinger nicht anders sein als-als – alle anderen. Du beginnst zu trauen und-und sie vernichten-zerstören uns – so wie alle es tun. Niemand traut einem Sauden. Niemand traut UNS. Es sind wir-wir – gegen sie! Wir – gegen die anderen – gegen – Rest-Rest der Welt!“.
„Das stimmt nicht!“, protestierte Gloomy an Lord Snjolk gewandt. Gleichzeitig fing er sich einen drohenden Blick des Grausehers ein. „Wir wollen euch ganz sicher nichts tun. Dafür gibt es doch überhaupt keinen Grund“.
„Zumindest, solange wir nicht dazu gezwungen werden“, fügte Rainbow fest hinzu und hielt dem Grauseher sogleich drohend ihren Huf entgegen.
„Nicht sehr hilfreich, Rainbow“, bemerkte Gloomy mit gerunzelter Stirn.
„Was wir meinen ist, dass wir doch über alles reden und Lösungen finden können. Es muss nicht in Gewalt enden“. Twilight war mit diesen Worten ganz mutig vor die beiden Oberhäupter der Saudenklans getreten. Lord Snjolk zitterte dabei nur weiterhin wie gewöhnlich und blickte ihr aufmerksam entgegen, während der Grauseher erneut wütend auf knurrte: „Damit Ponydinger uns hintergehend angreifen? NEIN-NEIN-NEIN! Können – NICHT – getraut werden! Chuba ist Beweis!“.
„Ich darf doch wohl sehr bitten. Wer hat uns denn da zuerst angegriffen?“, empörte sich Rarity. Gerade wollte der Grauseher auch schon weiterschimpfen, als sich plötzlich Pinkie mit begeistertem Rufen einklinkte: „Hey Leute, das ist doch alles nicht so wild“.
„Pinkie! Würdest du das bitte unterlassen…“. Sie hatte Rarity gepackt und zog sie nun zügig hinter sich her an den verwirrt dreinblickenden Grauseher heran.
„So und nu vertragt euch wieder“. Von Pinkie herbeigeführt, schüttelten sich der Grauseher und Rarity nun die Pfote und den Huf, während Pinkie weiterplapperte: „Wir hatten vielleicht ein paar Startschwierigkeiten. Aber jetzt sind wir darüber hinaus und können es fortan besser machen. Dann müsst ihr uns nichts tun und wir müssen euch nichts tun…“.
„Als ob wir dazu überhaupt in der Lage wären“, sprach Applejack unterdessen leise an die anderen gewandt mit einem nervösen Blick auf die vielen sie umgebenden Sturmsaudens. Geschweige denn von dem Grauseher und wer weiß, was Lord Snjolk noch für Tricks parat hatte, wenn er nun ebenfalls feindselig gesinnt wäre.
„Genug!“. Der Grauseher schüttelte sich und stieß Pinkie und Rarity so grob von sich weg, dass sie sogar hinfielen. „Lord Snjolk! Es soll geben – Sturmsaudens – Befehl für Angriff!“.
Die Freunde erschraken daraufhin, während der Grauseher sich nur mit einem hinterlistigen Grinsen abwandte.
„Aber wir haben doch… wir wollen nur…“, begann sie alle durcheinander zu protestieren, aber Lord Snjolk schüttelte bereits schon den Kopf.
„Nah, freundliche Ponydinger Freunde! Nichts tun nein-nein“.
Die Augen des Grausehers weiteten sich und so wandte er sich ungläubig wieder um.
„Was meint es – freundliche Ponydinger?“, fragte er sichtlich verstört.
„Ponydinger – retteten. Hätten nicht-nicht retten müssen nein-nein“. Lord Snjolk zeigte mit zittriger Pfote an den Freunden vorbei und nun verstanden sie auch erst, was er meinte. Dort in der Menge der Sturmsaudens, stand plötzlich eine ihnen bekannte, unter eine Kapuze gehüllte, dunkle Ratte und lächelte den Freunden breit und mit großen Augen entgegen. Es war ein völlig anderes Lächeln als sonst. Nicht so hinterlistig und schelmisch, sondern freundlich. Sogleich wirkte die Ratte aber auf einmal betreten und verschwand wieder in der Menge, als würde sie sich schämen.
„Mission war getan – Zusammenarbeit beendet. Trotz – Ponydinger retteten unbedeutenden Wusler. Warum?“. Lord Snjolk sah ihnen mit gerunzelter Stirn entgegen. Applejack hatte Sniven im Thronsaal vor dem magischen Angriff des Namenlosen bewahrt, indem sie sich vor ihn warf. Scheinbar hatte Sniven von dieser Rettungsaktion erzählt.
„Er ist kein unbedeutender Wusler“, kam es plötzlich unerwartet von Fluttershy, die sich nun ganz scheu im Hintergrund immer kleiner machte. „Er ist unser Freund“.
„Richtig“, wandte nun Twilight lächelnd ein. „Wir haben gemeinsam die Reise hierher durchgestanden und einander besser kennengelernt. Dabei haben wir erfahren, dass die Saudens sehr freundlich und liebenswürdig sein können, wenn sie es wollen“.
„Ja, auch wenn Sniven mir einfach nicht glauben will, dass ich ein Drache bin… hab ich ihn doch mögen gelernt“, warf Spike nervös ein, als würde er damit ein schreckliches Geständnis preisgeben. Die Ponys konnten sich ein kichern nicht verkneifen, aber sie stimmten allesamt ein.
„Sicherlich gab es ein paar Differenzen, aber das ist normal“, fügte Twilight hinzu und drückte den kleinen Drachen liebenswürdig mit einem Huf an sich.
„Umso mehr, da wir nicht derselben Rassen angehören. Es ist klar, dass wir verschieden sind“, bekräftigte Gloomy ihre Worte.
Lord Snjolks Miene blieb unverändert, aber er ließ auch nicht von ihnen ab. Es war unmöglich einzuschätzen, was gerade in seinem Rattenstübchen vorging. Die Sturmsaudens wiederum wirkten auf einmal sehr unruhig und warfen sich gegenseitig deutlich verwirrte Blicke zu, als wenn noch nie jemand so etwas freundliches über sie geäußert hätte. Unterdessen schnaubte der Grauseher unverfroren auf.
„Pah! Alles Unfug! Freunde? Saudens – keine Freunde!“. Mit einem entsetzlichen knurren wandte er sich wieder an Lord Snjolk. „Gib Angriffszeichen – sofort! Der Rat – befiehlt es dir!“.
Daraufhin verengten sich die Augen der Pestratte und sie knurrte ebenfalls laut auf. Für einen Moment lief es den Freunden kalt den Rücken runter, da ihr Blick dabei immer noch ihnen galt. Doch dann richtete sie sich plötzlich an den Grauseher und grunzte unter einem enormen Zitteranfall: „Rat – befiehlt gar nichts! Nicht mal Angriff auf Chuba! Das nur mein-mein – PERSÖNLICHE – Fehde! Grauseher geht nichts an!“. Ein schelmisches Grinsen legte sich auf einmal über sein Gesicht. „Wir hofften – Du würdest in Chuba unterliegen – und es geschah! Chubbis geschwächt! Nun wir-wir gehen über zum-zum – eigentlichen Angriff“.
Der Grauseher war nun außer sich und brüllte: „Verräter! Wir wussten – Du würdest hintergehen! Du und-und Equestria – GEMEINSAME SACHE!“.
„Ponys – Mittel zum Zweck, ja-ja. Chubas Verteidigung – überwunden“. Lord Snjolk deutete auf die verwüstete und blitzende Gegend hinter der Baumwand. „Grauseher wollte uns-uns Chuba wegnehmen? Nein-nein-nein! Chuba mein! Es – niemals vergessen!“.
Die Freunde begannen nun sich äußerst unwohl zu fühlen und warfen sich gegenseitig besorgte Blicke zu. Ihnen gefiel überhaupt nicht, worauf dieses Gespräch gerade hinauslief. Der Grauseher hingegen wurde plötzlich bemerkenswert ruhig und sprach: „Es soll tun und lassen – was auch immer. Chuba – nicht mehr unser“. Dann warf er ihnen plötzlich wieder einen hasserfüllten Blick zu. „Wir vernichten nur Ponydinger!“.
„Du bekriegst Ponys – GRUNDLOS?“, erwiderte Lord Snjolk unruhig ohne zu zögern. „Grauseher – SAUDENS – geht Equestria nichts an. Equestrianer uns nie was getan…“.
Während er gerade lauthals auf den Grauseher einschimpfte, wandte sich Rarity flüsternd durch zusammengebissene Zähne hindurch zischend an die anderen: „War er es nicht ursprünglich selber, der Equestria angreifen wollte?“.
„Ja aber nicht grundlos“, entgegnete Gloomy.
„Stimmt. Da ging es ihnen schließlich ums… Ormsching“, fügte Applejack etwas verächtlich hinzu.
„Ach so ja, das ist ja Grund genug“, schlussfolgerte Rarity sarkastisch, als Lord Snjolk gerade sprach: „Ponydinger – unterliegen mein-MEINEM Schutz! Greif sie an! Greif Equestria an! Rat wird erfahren! Du weiß, was das-das bedeutet, ngah, ngah“. Ein überaus hinterlistiger Blick hatte sich auf dem Gesicht der Pestratte breit gemacht, während der Grauseher vor Wut auf knurrte: „Das wird noch haben – Gr-gro-großes Nachspiel, ja-ja. Denk an meine Worte, Pestgeziefer!“.
Mit einem letzten drohenden, verschwörerischen Blick wandte sich der Grauseher ab und verschwand sogleich in Begleitung einiger Sturmsaudens in einem der vielen Schlupflöcher. Kurzerhuf wandte Lord Snjolk sich auch sogleich an die Freunde, wobei er zornig wirkte: „Ponys sehr listig! Uns kam zum Ohr – Sie warnten Chubbis – vor uns-uns! Ponys wollten Angriff erschweren!“.
„Wir wollten nur diesen Krieg verhindern!“.
„Die Chubbis haben euer vermisstes Ormsching nicht gestohlen!“.
„Das ist alles ein riesengroßes Missverständnis!“.
Alle plapperten sie durcheinander, als Lord Snjolk sie schließlich wütend knurrend zum Schweigen brachte: „Zeit – eben erst abgelaufen! Ponys – nicht rechtzeitig gesprochen“.
„Moment… was? Die Woche ist jetzt erst rum?“, fragte Rainbow geschockt.
„Du wolltest doch Chuba solange nicht angreifen!“, fügte Twilight ebenfalls entsetzt hinzu.
Da lachte die Pestratte auf einmal auf und erwiderte schelmisch grinsend: „Angriff unterstand Kontrolle des Grausehers. Wir haben Wort gehalten und nicht angegriffen, nein-nein. Grauseher – nicht an Pakt gebunden“.
„Du hinterlistige Ratte!“, rief Pinkie plötzlich ungehalten, worauf die anderen vor Angst aufzuckten. Aber zu ihrer Überraschung lächelte Lord Snjolk noch mehr, lief rot an und vergrub beschämt sein Gesicht in den Pfoten.
„Wir danken – für-für freundliches Kompliment, ngah, ngah“, lispelte er verlegen.
„Aber was bedeutet das jetzt? Die Chubbis haben euer Ormsching nicht. Aber sie ließen sicher mit sich reden! Wir könnten…“, begann Gloomy, aber Lord Snjolk unterbrach ihn unwirsch: „Kein Gespräch – Kein Pakt-Abkommen zwischen-zwischen – Katzen und Ratten!“.
„Das sind keine Katzen!“, kreischte Pinkie empört dazwischen.
„Pinkie! So ist das doch nicht gemeint“, warf Twilight hastig ein. „Die Saudens betrachten die Chubbis als ihren… Todfeind“.
Pinkie schien davon nicht beschwichtigt und schnaufte auch bereits. Aber Lord Snjolk unterbrach sie: „Ponydinger – sollten haben – größere Sorgen!“. Er wandte sich von ihnen ab und blickte auf die nicht allzu ferne Stadt der Chubbis. „Angriff wird erfolgen – wie geplant! Und wenn sich Gerüchte als wahr erweisen – Wenn Ponys wirklich Chubbis warnten“. Er wandte sich wieder an die Freunde und sah ihnen mit verengten Augen entgegen, während er leise und bedrohlich flüsternd sprach: „Ponys nicht mehr Freund-Freund!“.
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, umfassten die Sturmsaudens auf einmal alle gleichzeitig mit beiden Pfoten ihre Hellebarden und richteten sie drohend auf die Ponys, die sogleich ängstlich zusammenrückten.
„Bereit zum Angriff – wie stehen wir?“, brüllte Lord Snjolk darauf plötzlich. Sein Blick ging dabei über sie hinaus, wo die Sturmsaudens sogleich Platz machten. Ihnen offenbarte sich ein merkwürdiger Anblick. Vor der löchrigen und abgestorbenen Baumwand standen mehrere mittelmäßig große Ratten, die allesamt einen großen Kanister auf dem Rücken trugen, der über einen Schlauch mit etwas großem verbunden war, was sie in ihren Pfoten hielten.
„Eine Waffe“, erklärte Gloomy vorsichtig und besorgt flüsternd an die anderen gewandt. „Irgendeine gefährliche Waffe“.
Aus der Öffnung im vorderen Bereich traten unablässig schwache, grüne Flammen heraus. Was hatte das wohl zu bedeuten? Davor stand eine kleinere Ratte, ebenfalls mit einem Kanister auf dem Rücken und einer Brille auf der Nase, die seine gesamten Augen umschlossen. Sie schien das Ganze zu überwachen und antwortete auch sogleich voller Begeisterung: „Bald-bald! Kurz davor. Aber Katapulte schon bereit…“.
„Keine Katapulte!“, erwiderte Lord Snjolk grunzend. „Chuba – geschwächt genug. Fangt an!“.
„Ja-ja! Grüne-Grüne Flammen, grüne Flammen – FEUER!“.
Eine gewaltige Stichflamme schoss nun aus ihren Apparaturen hervor und legte kurzerhuf ein riesiges Loch in die Baumwand. Es brannte nicht lange, aber der Schaden war zweifellos verheerend. Bemerkenswert war, dass die Bäume doch eigentlich hätten umkippen müssen, aber es war wirklich nur ein Loch darin und Die Baumstämme schwebten darüber in der Luft. Das fiel den Freunden jetzt erst auf, aber an diesem Ort wunderten sie sich auch nicht lange darüber. Kaum war das Loch dort, ertönte ein lautes rumsen und poltern. Etwas Schweres und grünlich blitzendes rollte gerade aus dem Schatten der Bäume hervor.
„Warpblitzkanone bereit-bereit, ja-ja-ja-ja!“, rief die kleine Ratte mit der Brille euphorisch. Vielleicht aus Vorfreude über den Schaden, den die Kanone anrichten würde. Die Kanone erwies sich als ein hölzernes und sehr unzuverlässig klapperndes und wackelndes Gefährt, welches gerade auf vier Rädern vorgefahren wurde. Es hatte darüber einen großen, grünen Behälter, der anscheinend wie eine Quelle für die grünen Blitze war, denn er knisterte und blitzte unaufhörlich auf. Von dem Behälter ging ein langes Rohr aus, dessen Ende Spitz wie ein Pfeil und gezackt wie ein Blitz verlief. Die Freunde warfen sich gegenseitig beunruhigte Blicke zu. Dieses Ding verhieß mit Sicherheit nichts Gutes.
„Ponys können glücklich schätzen“. Während die Warpblitzkanone heranfuhr, sprach Lord Snjolk erneut mit einem schelmischen Grinsen zu den Ponys. „Nie zuvor gab es Zeugen aus-aus – Nähe-Nähe! Grünes Feuerwerk – Chubbis – untergehend in einem Gewusel und Chuba – wird unser sein, ja-ja“.
Er wirkte nun beinahe schon ebenso wahnsinnig, wie der Grauseher zuvor in der Stadt und wandte sich ganz zittrig, dieses Mal vielleicht vor Aufregung, wieder der Stadtmauer zu.
„Lasst es blitzen!“.
Die Warpblitzkanone pfiff auf und wurde allmählich immer schriller und zunehmend klappriger. An der Vorderseite des pfeilförmigen, gezackten Rohres staute sich eine knisternde Ladung an. Dann ertönte ein hoher und schnell wieder abflauender Knall und ein gewaltiger, grüner Blitz schoss speerartig hervor, genau auf die Stadtmauer zu. Selbst aus der Entfernung war der Aufschlag und die Blitze zu sehen, sowie auch die Trümmerteile der Mauer. Sie war noch nicht durchbrochen.
„Weiterfeuern!“, grunzte Lord Snjolk. „Mauer hält nicht ewig stand…“.
„Warte bitte. Die Chubbis planen etwas. Ihr… Wir alle werden das vielleicht nicht überleben!“, begann Gloomy ein letztes Mal, während sich Lord Snjolk immer noch mit Blick auf die Mauer bereits die Pfoten rieb.
„Nah, alles nur Flunker. Zeit zum reden – vorbei-vorbei! Lasst sie hereinbrechen – lasst Ungezieferflut kommen!“. Er wandte sich um und ließ einen finsteren Blick über die Runde schweifen, bevor er nur noch unheilverkündend sagte: „Läutet die Glocke!“.
„Läutet die Glocke! Läutet die Glocke!“. Die kleine Ratte mit der Brille machte vor Aufregung mehrere Luftsprünge und wuselte eilig davon, wobei er diese Worte ständig wiederholte und dabei immer leiser wurde, je weiter er sich entfernte.
„Und lasst sie nicht aus den Augen! Sollen uns nicht-nicht – BEHINDERN!“. Mit einem Male voller Argwohn, deutete die Pestratte auf die Freunde, als die Sturmsaudens sie auch sogleich mit grimmigen Blicken umzingelten.
„Wir müssen was unternehmen!“, rief Rainbow entschlossen.
„Die kleinste Bewegung – UND JEMAND WIRD-WIRD BLUTEN!“, rief die Pestratte, als Rainbow Anstalten machte, sich in die Lüfte zu erheben. Rainbow hielt inne und knirschte wütend mit den Zähnen.
„Wir müssen unsere Fantasie wieder benutzen!“, kam Gloomy der Einfall.
„Ja natürlich“, sprach Twilight, als würde ihr ein Licht aufgehen. „Spike! Werde doch nochmal zum Drachen!“.
Spike runzelte die Stirn und blickte ihr empört entgegen.
„Tut mir leid. Ich meine, werde zum großen und furchterregenden Drachen. So wie vorhin“, korrigierte sich Twilight hastig.
Spike war nicht der einzige, der sich konzentrierte. Die nächsten Momente standen sie einfach nur da.
„Wieso wachsen ihre Ohren nicht?“, rief Pinkie plötzlich verzweifelt und sich die Mähne raufend.
„Vielleicht weil es nicht funktioniert“, bemerkte Applejack verwirrt und erschrocken zugleich.
„Das hab ich mir beinahe schon gedacht“, erklärte Gloomy entsetzt. „Wir haben vielleicht das Chuba gerettet, aber die Magie hier ist noch längst nicht wiederhergestellt. Das oder wir haben einfach noch nicht genügend davon gesammelt“.
„Ach, verdammt! Dann war es das wohl“, sprach Rainbow niedergeschlagen. Auch Gloomy wusste nicht, was sie noch tun konnten. Er erinnerte sich daran, was ihnen der Namenlose prophezeit hat. Sollte sein Plan letzten Endes doch noch in Erfüllung gehen? Würde Equestria sich bald inmitten eines Völkerkrieges befinden?
„Oh nein. Das ist eine Katastrophe“. Twilight war kreidebleich angelaufen und vermochte es im Moment auch nicht ihren kleinen Drachen zu trösten, der gerade schweigend an ihrer Seite stand und den Tränen nahe auf das Geschehen vor sich blickte.
Applejack nahm ihren Hut ab und sprach mit geschlossenen Augen: „Wir haben alles versucht, was in unserer Macht stand. Mehr können wir nicht mehr tun“. Die Warpblitzkanone lud sich gerade ein weiteres Mal auf und hinterließ einen noch größeren Einschlag. Was die Chubbis in der Stadt wohl gerade taten? Was würde jetzt bald geschehen? Würde es eine riesige Explosion geben?
„Das ist einfach schrecklich!“, plärrte Rarity plötzlich los. „Diese Aufregung, diese ganze Kämpferei, dieser fürchterliche Ort… und dieser Dreck!“. Mit den letzten Worten war ihr Blick nicht nur über ihre eigene Mähne geschweift. Es war schwer zu sagen, ob der Dreck jetzt wirklich ihre größte Sorge war, aber es fragte jetzt auch niemand danach.
„Ach, Fluttershy. Sei nicht traurig. Du musst einfach lächeln!“, versuchte die grinsende Pinkie sie aufzumuntern und legte dabei ihren Huf auf Fluttershys Schulter, als diese plötzlich zu schluchzen begonnen hatte. „Das wird schon alles wieder… irgendwie…“.
Aber selbst der lockere Umgang Pinkies verflog sogleich und die Hoffnungslosigkeit war in ihrer Stimme deutlich herauszuhören.
BONG! Da war es wieder. Nur viel deutlicher und dröhnender, als würde sich die Glocke direkt unter ihnen befinden. Der Schall bahnte sich seinen Weg durch die vielen Schlupflöcher und erfüllte ganz Chuba in einem beängstigend, nahezu diabolischen Glockengeläut, dass sie schon kerzengerade zusammenzuckten und ihre Mähnen sich aufrichteten. Keinen Muskel konnten sie mehr rühren, so sehr waren sie schlagartig von Furcht erfüllt. Die Saudens hingegen wurden, wie zu erwarten war, aufgestachelt. Es hatte genau den gegenteiligen Effekt, ließ ihre Augen wieder rötlich aufleuchten und brachte die Mordlust in ihnen hervor. Die um die Ponys versammelten Sturmsaudens wurden ganz unruhig, brüllten auf und schienen sich nur mit größter Mühe von ihnen fernhalten zu können. Sie zeigten mit ihren Pfoten auf sie, knurrten, grunzten und fletschten bedrohlich die Zähne. Lord Snjolk lachte finster auf und schrie dabei: „Kommt – Kommt – Die Flut – Brecht über sie herein – Lasst sie bluten – Lasst sie leiden – Straft sie – Meuchelt sie – WUSELT, NAHAHAHAAA!“.
Der pure Wahnsinn war seiner Stimme zu vernehmen, während die Erde überall um sie herum aufbrach und ein gewaltiger Rattenstrom daraus hervorströmte, mit einem Ohrenbetäubenden: „RUAAAAHR!“.
Wie bereits in der Stadt zuvor, war ihnen der Blutdurst deutlich anzumerken und sie würden unter dem Glockengeläut keine Gnade zeigen. Es war ein fürchterliches Schauspiel. Gloomy spürte wie die Welt an ihm vorbeizog. Alles kam ihm auf einmal schrecklich surreal vor, wie damals im Nichts und er fühlte sich wie taub. Er sah den tobenden und jubelnden Lord Snjolk, wie er seine Pfoten gen Himmel streckte und seine Ungezieferflut anfeuerte. Er sah die Warpblitzkanone, wie sie erneut aufzuckte und einen letzten Blitz abfeuerte, der endgültig die Mauer einstürzen ließ. Er sah die Saudens über das Feld strömen, wild kreischend, ungebändigt… Wenn sie es doch nur hätten verhindern können.
Als nächstes geschah etwas mit dem großen, über der Stadt schwebenden Kristall. Er hatte angefangen sich ganz schnell um die eigene Achse zu rotieren und leuchtete immer greller auf, dass sie schon kaum noch hinschauen konnten. Anscheinend tat der Chubbel jetzt, was er ihnen angekündigt hat… und Gloomy hatte sie alle mit hineingezogen. Wieso hatte er die anderen nicht davon abgehalten, mit hierher zu kommen? Er war so fest davon überzeugt gewesen, dass er Lord Snjolk von dem Angriff abbringen könnte und jetzt würde es sie alle zusammen mit den Saudens in den Tod reißen. Er konnte gar nicht ausdrücken, wie leid ihm das tat. Da erschienen auch schon um den Kristall herum mehrere rundliche große Objekte, die aussahen wie Felsen. Sollte das die Verteidigung darstellen? Würden sie diese gleich der Ungezieferflut entgegenwerfen?
„Was bei Celestia…“.
Etwas daran war merkwürdig. Es sah nicht nach Felsen, geschweige denn tödlich aus.
„Ist das wirklich… nein. Das kann nicht sein“, sprach Applejack fassungslos, als die unbekannten Objekte auf einmal im Hohen Bogen über die Stadt hinaus und mitten auf das Feld vor die Pfoten der stürmenden Saudens aufschlugen. Die Ratten zögerten plötzlich allesamt und schienen hin- und hergerissen zwischen stürmen und…
„ORMSCHING!“, ertönte kurz darauf auch schon das einstimmige kreischen aller Saudens, während sie sich über das gefallene Gut hermachten.
„Nein! – Nein! Nicht-nicht so machen, nein-nein!“, rief Lord Snjolk auf einmal verzweifelt. Sogar das Glockengeläut hatte aufgehört und noch mehr Saudens strömten aus dem Boden auf das Feld zu, wo die Chubbis gerade einen Essensregen niedergehen ließen. Sie schnallten ihre Apparaturen ab und ließen ihre Warpblitzkanone links liegen. Selbst den Sturmsaudens um die Ponys herum lief das Wasser im Mund zusammen, aber sie waren wohl diszipliniert genug, dass sie nicht einfach ihre Posten verließen. Das fiel ihnen aber sichtlich schwer und sie schienen sogar richtig zu leiden.
„Nah! Dumme kleinbehirnte Saudens“. Lord Snjolk vergrub sein Gesicht in den Pfoten und blickte als nächstes in Richtung der Ponys, wo die Sturmsaudens kaum noch ruhig auf der Stelle standen und mit ihren Nasen ganz aufgeregt schnupperten.
Lord Snjolk stöhnte missgelaunt auf und nickte einmal kurz, worauf die Sturmsaudens ohne zu zögern ihre Hellebarden fallen ließen und ebenfalls ihren Artgenossen hinterher aufs Feld stürmten, wo sich bereits eine Traube um die Essenspakete gebildet hatte. Einige der Saudens tanzten sogar vor Freude.
„Naja, da kann man nichts machen“, lispelte Lord Snjolk plötzlich völlig ungerührt und das war noch untertrieben. Er war nicht wiederzuerkennen, so friedlich wirkte er auf einmal. „Jetzt können wir Ponydingern zuhören“.
Die Freunde hatten die ganze Zeit über keinen Laut von sich gegeben und blickten nun völlig entgeistert mit offenen Mäulern auf das Feld hinaus, wo die Saudens sogar teilweise schon vor Begeisterung im Rhythmus quietschten, als würden sie versuchen zu singen.
„Passiert das gerade wirklich?“, fragte Rainbow ungläubig.
„Ja“, antwortete Gloomy erfreut. „Der Chubbel hat seinen Stolz überwinden können“.
„Das war es also“, fragte Twilight mild lächelnd. „Was du dem Chubbel in der Stadt sagtest“.
„Öhm… nicht direkt. Aber so in etwa, ja“, erwiderte Gloomy und wandte sich nervös lächelnd ab.
„Das Futter hat also die Schlacht abgewendet“, schlussfolgerte Rainbow.
„Ormsching! Hat Schlacht abgewendet“, korrigierte Lord Snjolk mahnend. Dann schüttelte er den Kopf. „Aber das nicht – unser – gestohlenes Ormsching“.
„Das haben wir ja versucht dir zu erklären. Die Chubbis haben euer Futt-… euer Ormsching nicht gestohlen“, erklärte Applejack. „Es war jemand anderes“.
„Dieser jemand war für alles verantwortlich. Er hat euch gegen Equestria und die Chubbis aufgestachelt. Der Brief von damals war vermutlich von ihm“. Gloomy erinnerte sich daran, wie Lord Snjolk ein paar Zeilen vorgelesen hatte. Mit diesem Brief hatte alles begonnen. „Er war ein Namenloser und er hat das alles eingeleitet. Die Fäden gezogen“.
Lord Snjolk machte voller erstaunen ganz große Augen. Dann schüttelte er den Kopf und sprach: „Sauden kennt Namenloser nicht. Wer ist Namenloser der Fäden zieht? Komischer Name. Kann kein Sauden sein“.
„Er ist hundsgemeingefährlich! Böse, verabscheuenswürdig, fies, finster und… EINFACH ALLES!“, kreischte Pinkie, was die anderen erschrocken aufzucken ließ. Dann erschien sie plötzlich direkt neben Lord Snjolk, mit einem unheimlichen Grinsen und fügte verschwörerisch hinzu: „Wir nennen ihn auch World Eater!“.
Lord Snjolk erschrak überraschenderweise überhaupt nicht vor Pinkie und schien auch nicht von ihrer Art abgeschreckt zu sein. Stattdessen sprach er nur ganz ehrfürchtig: „Oh! Wie geheimnisvoll!“.
„Ach, bitte“, bemerkte Gloomy verächtlich mit gerunzelter Stirn und Augenrollend.
„Wir haben leider nicht erfahren können, was er mit eurem Ormsching angestellt hat, aber es ist uns gelungen ihn zu besiegen“, erklärte Rarity erleichtert, worauf die anderen ebenso erfreut einstimmten.
„Jetzt könnt ihr doch wieder Frieden miteinander schließen, stimmt’s?“. Fluttershys Gesicht glänzte noch von den Tränen und zierte nun ein strahlendes, hoffnungsvolles Lächeln. Lord Snjolk wollte erst irgendetwas erwidern, zögerte aber plötzlich, als er ihr entgegenblickte. Ihm war anzumerken, dass er gerade mit sich rang, sodass die Freunde sich gegenseitig unsichere Blicke zuwarfen.
„Wieso führt ihr überhaupt Krieg gegeneinander?“, fragte Spike als nächstes und kratzte sich verwirrt am Kopf. „Ich meine, bloß wegen etwas Ormsching? Das ist doch völlig übertrieben…“.
„Spike!“. Jetzt war es Gloomy, der ihn ermahnte. Bloß wegen etwas Ormsching? Die Augen der Pestratte hatten sich bereits geweitet und man konnte förmlich spüren, wie sich die Wut in ihr anstaute.
„Was denn…?“, begann Spike verständnislos, aber da drückte Twilight ihn auch schon hastig an sich und hielt ihm mit beiden Hufen den Mund zu, während sie unter einem verlegenen Lächeln zu Lord Snjolk sprach: „Was er meint ist, wieso euch das Futter, äh… Ormsching eigentlich so ungeheuer wichtig ist“.
Ein aufgeregtes Fiepen ertönte auf einmal. Es kam von Pinkie, die hinter ihnen stand und einen Muffin auf ihrem Huf nach oben hielt. Woher auch immer sie diesen hatte.
„Was für eine Frage“, sprach sie und verschlang ihn sogleich mit einem Happen. „Voll gut! Es ist einfach lecker! Allerdings deswegen gleich einen Krieg… nun ja“. Sie winkte gelassen ab, während Lord Snjolk immer noch in einem beunruhigenden Schweigen verblieb.
„Du musst verstehen, dass wir mit euren Gebräuchen und Sitten nicht vertraut sind. Deswegen einen Krieg zu beginnen ist für uns… schwer nachvollziehbar“. Twilight hatte sich zunächst sehr vorsichtig und gewählt ausgedrückt. Die letzten Worte jedoch kamen ganz glatt heraus. Jetzt fuhr sie bestimmt fort: „Als wir mit Sniven unterwegs waren, fiel diese übersteigerte Begeisterung für das Essen… ich meine Ormsching schon auf. Anfangs dachte ich, er ist einfach nur ein Schleckermaul, so wie unsere Pinkie. Aber darin scheint sich kein Sauden von dem anderen zu unterscheiden und sie können alle unaufhörlich essen“. Sie deutete dabei auf die versammelte Rattenschar vor ihnen auf dem Feld.
„Ormschen“, korrigierte Gloomy sie.
„Wie auch immer. Ich verstehe ja, dass euer Volk sich ernähren muss. Aber es muss mehr dahinterstecken…“.
„Der schwarze Hunger“, unterbrach Gloomy sie auf einmal von Grauen erfüllt. Er hatte früher schon einmal davon gehört und Lord Snjolk hat es auch auf Sweet Apple Acres gegenüber Celestia erwähnt.
„Wie bitte?“, fragte Twilight verwundert.
„Nah, schwarzer Hunger, ja-ja“, bestätigte die Pestratte unmittelbar und wandte ihren Blick der Rattenschar zu, während sie weitersprach: „Schwere Last auf Saudens – Immer Hungrig-unersättlich. Schwarzer Hunger – Degeneriert Körper wenn – Ormsching knapp-wenig – nach Verausgabung“.
„Der schwarze Hunger ist eine Art… Fluch“, fügte Gloomy mit einem wohlwissenden Blick an Twilight hinzu. Wie zu erwarten, zog sie sofort misstrauisch eine Braue nach oben und wiederholte misstrauisch: „Ein Fluch“.
„Ja“. Gloomy runzelte nur die Stirn, wandte sich wieder ab und fuhr fort: „Nach einer körperlichen Ertüchtigung oder Verausgabung müssen sie essen. Sonst sterben sie“.
„Du meine Güte. Das ist ja furchtbar“, äußerte Rarity entsetzt.
„Wie gesagt, dass passiert eigentlich nur, wenn sie sich gerade mächtig ins Zeug gelegt haben. Sonst hat der schwarze Hunger eigentlich keine Auswirkungen“, ergänzte Gloomy nachdenklich.
„Körperliche Ertüchtigung?“. Applejack wirkte verwirrt aber es lag auch etwas Anklagendes in ihrem Blick. „Du meinst, wie wenn man zum Beispiel in einem Krieg kämpfen muss?“.
Gloomy zögerte einen Moment, bevor er schließlich nickte.
„Halt, Moment, wartet mal. Damit ich das kapiere…“. Rainbow blickte völlig verständnislos drein und lief unruhig auf und ab, während sie sprach: „Ihr habt also Hunger, wie jeder andere von uns. Außer wenn ihr euch verausgabt, wie zum Beispiel in einem Kampf. Dann habt ihr so viel Hunger, dass er schon eure Körper, ähm… degeniert. Was immer das auch heißt. Und die Schlussfolgerung ist, ihr begebt euch in einen Kampf, wo ihr euch verausgabt“. Sie hielt auf der Stelle inne, wandte sich an Lord Snjolk, der sogleich ihren Blick erwiderte und fügte mit finsterer Miene hinzu: „Jetzt mal dumm daher gefragt, wieso macht ihr das?“.
„Nah, wir verstehen Frage nicht“, erwiderte Lord Snjolk mit gerunzelter Stirn. „Uns wurde Ormsching gestohlen!“.
„Sicher, aber in einem Krieg leidet ihr doch noch viel mehr!“.
„Uns wurde Ormsching gestohlen!“, wiederholte Lord Snjolk nur zitternd und schüttelte dabei vehement den Kopf.
„Ich sagte euch doch schon mal. Essen ist ihnen heilig“, warf Gloomy seufzend ein.
Gleichzeitig stöhnte Rarity frustriert auf.
„Und ich dachte gerade schon hinter alledem steckt vielleicht doch mehr Tiefsinn. All das wirklich nur, weil etwas Futter abhandengekommen ist. Wie…“.
Doch sie brach ab als sie den erzürnten Blick von Lord Snjolk bemerkte, stutzte und fügte sofort hinzu: „Oh, ich meine… Das ist vollkommen natürlich. Jeder hätte so gehandelt“. Sie lachte nervös auf und fügte vorsichtig hinzu: „Während man selbst darunter noch mehr Qualen erleidet“.
„Die Chubbis können doch Futter erschaffen. Sie hätten euch euer verlorenes Ormsching besorgen können“, erklärte Fluttershy sanftmütig lächelnd. „Wenn ihr sie ganz freundlich darum betet, dann tun sie das bestimmt“.
Da schüttelte die Pestratte schon wieder, scheinbar außer sich vor Empörung den Kopf.
„Niemals! Engstirnige Chubbis – TUN GAR NICHTS!“.
„Aber wenn…“. Weiter kam Fluttershy nicht.
Auf dem Feld war es auf einmal sehr unruhig geworden. Oder noch unruhiger. Zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass einige Chubbis sich aus der Stadt gewagt haben und nun vor der versammelten Rattenschar standen, die ihre Futterpakete in ihre Mitte nahmen, als ob sie befürchteten, sie wollten es ihnen wegnehmen. Dabei zeigten sie mit ihren Pfoten auf die Chubbis, zappelten und quietschten unaufhörlich durcheinander. Die Chubbis wirkten ebenfalls aufgebracht, ruderten wild drohend mit ihren Flossen und brüllten vermutlich wie am Spieß Beleidigungen aus. Ähnlich dem Schauspiel in der Stadt, als noch alles in Ordnung schien. Es war mehr als offensichtlich, dass die beiden Rassen sich überhaupt nicht ausstehen konnten.
Ihnen entgegen schwebte, auf einem hohen, gerundeten Thron sitzend und mit einer großen, hohen, silbernen Krone auf dem Haupt, der Chubbel und musterte Lord Snjolk bereits voller Argwohn. Die Pestratte reagierte ebenso wenig angetan von dessen Anblick. Ihre Augen verengten sich und sie grunzte tief und bedrohlich auf. Es war ein merkwürdiger Anblick, wie die beiden sich gegenüberstanden oder schwebten. Der Chubbel war ohnehin schon größer und durch den Thron überragte er sie alle noch mehr und blickte nun mit überaus abfälligem Gesichtsausdruck auf die Pestratte herab, die sich wiederum zitternd mit beiden Pfoten auf ihren Stab stützte und hasserfüllt den Blick erwiderte.
„Nahahahaaa!“, lachte sie plötzlich amüsiert auf. „Wie stünde Sesselpuper wohl da – mit ohne-ohne hohen Sessel?“.
Der Chubbel kniff die Augen zusammen und antwortete giftig: „Immer noch höher, als du es je sein wirst, Pestilenz. Sowohl geistig, als auch körperlich“.
Lord Snjolk knurrte bedrohlich auf.
„Dennoch geht Fischding hier zu uns-mir hinaus? Hah! Wir sagten geht? Dafür müsst-müsste es-es – LAUFEN KÖNNEN, ja-ja“. Nach diesen Worten kicherte er schelmisch in sich hinein, wogegen der Chubbel augenscheinlich ruhig blieb und erwiderte: „Ich wollte persönlich nach der Herkunft dieses unerträglichen Gestanks Ausschau halten. Die Quelle des Ekels war nicht schwer zu finden“.
Lord Snjolk wirkte nicht beleidigt, sondern eher geschmeichelt.
„Ngah, ngah. Ein Sauden ist immer darauf aus den Moschus des Mutes auszuweiten. Wir verbreiten unsere eigene Verderbnis an all jene, die es verdienen“.
„Und dann verwechselt die dümmliche Ratte, scharfe Kritik auch noch mit Lob“.
„Hat Fettwanst was gesagt?“.
„Och, halt dein Maul, du Mauler. Ich bin nicht Fett!“.
„Ich ormsch es glei-gleich!“.
„Bei meinem Gewicht würdest du dann selbst Fett werden!“.
Auf diese Weise beharkten sich die beiden eine Weile wie Jungfohlen, während die Köpfe der Freunde sich stets abwechselnd zwischen den beiden hin und her wendeten.
„Worüber streiten die sich eigentlich?“, fragte Rainbow verwirrt.
„Keine Ahnung“, erwiderte Rarity mit gerunzelter Stirn. „Aber man merkt, dass sie alte Bekannte sind“.
„Halt! AUFHÖREN!“, kreischte Pinkie auf einmal dazwischen. Applejack schnaubte verächtlich und stimmte ihr zu: „Ja, das ist wirklich albern. Ihr benehmt euch echt fohlisch“.
„Ja, echt mal. Ich würde mich niemals so verhalten“, fügte Spike noch hinzu und verschränkte dabei mit einem kritisch wertenden Gesichtsausdruck seine Arme.
„Ähm, nein. Das meine ich gar nicht“, widersprach Pinkie verlegen lächelnd. „Ich komme nur langsam nicht mehr hinterher“.
Dazu sagte niemand was. Gloomy trat schließlich vor und sprach mild lächelnd an den Chubbel gewandt: „Ich bin wirklich froh, dass du dich doch noch für eine friedliche Lösung entschlossen hast“.
„Futterpakete“, äußerte Fluttershy und ließ ihren Blick über das Feld schweifen, wo sich immer noch Saudens und Chubbis gegenseitig beschimpften. Wobei die Beschimpfungen zumeist auf Seiten der Chubbis kamen. Die Saudens wirkten eher verängstigt, dass jemand ihnen das Futter wegnehmen könnte. Plötzlich legte sich ein wenn auch unsicheres Lächeln auf Fluttershys Gesicht und sie fügte hinzu: „So einfach kann man sie also besänftigen. Wenn wir das doch nur früher gewusst hätten“.
„Das stimmt… Hey! Wisst ihr was mir da gerade einfällt?“, warf Rarity plötzlich ein, wobei sie zunächst hellauf erfreut wirkte. Dann verfinsterte sich plötzlich ihre Miene und sie sprach an Gloomy gewandt. „Diese ganze Aufregung und Kämpferei hätte uns erspart bleiben können. Wieso hast du diesen Einfall mit dem Futter nicht schon früher geäußert? Wir hätten die Saudens schon in der Stadt mit unserer Fantasie beschwichtigen können“.
„Oh… ähm…“. Gloomy war ein wenig erschrocken vor ihr zurückgewichen. Sie war nicht die einzige, die ihm nun vorwurfsvoll entgegensah.
„Rarity, ich bin mir sicher, dass Gloomy da in dem Moment einfach nicht dran gedacht hat“, versuchte Twilight sie zu beruhigen. „Und wir alle wussten von ihrer Schwäche für Essen. Eigentlich hätte da jeder von uns drauf kommen können“.
Darauf ließen sie alle schuldbewusst die Köpfe sinken.
„Oh, naja…“, stammelte Rarity. „Dieses feine Detail…“.
„Ist dann wohl im Eifer des Gefechts untergegangen“, beendete Rainbow verlegen lächelnd ihren Satz.
„Es gibt auch keine Garantie, dass es funktioniert hätte. Ich meine, wir waren dort im Kampfgebiet und eine Bedrohung für die Saudens“, gab Gloomy zusätzlich zu bedenken.
Lord Snjolk winkte plötzlich ab und erklärte kurz putzmunter: „Ormsching wird sichergestellt-verwahrt – Feinde eliminiert – In der Reihenfolge. Ein Sauden setzt immer-stets Prioritäten, ngah, ngah“.
„Ist ja auch egal“. Applejack blickte erfreut über die Runde. „Hauptsache ist doch, dass wir am Ende alles gut überstanden haben“.
„Jupeidi und tralalanau! Jetzt ist Versöhnung angesagt“, rief Pinkie dazwischen, hielt sogleich eine Partypfeife in ihren Hufen und blies kräftig hinein.
Der Chubbel sah dem pinken Pony mit einem überaus verstörten Gesichtsausdruck entgegen.
„Keine Versöhnung! Ihr Ponys missversteht das. Ihr mischt euch in einen über viele Jahrhunderte schon andauernden Krieg ein, der euch gar nichts angeht und wollt es zum Guten wenden. Ihr Equestrianer seid wirklich… erstaunlich“. Der Chubbel schwieg einen kurzen Moment, in dem er die Ponys ganz genau musterte. Dann schüttelte er bestimmt den Kopf und fuhr fort: „Aber wenn ihr denkt, dass das alles jetzt an einem Tag enden kann, dann seid ihr noch naiver, als ich von Anfang an schon angenommen habe. Seht euch um!“. Der Chubbel deutete auf die nun fahle Einöde, welche vor ihrer Ankunft noch ein unverkennbares Paradies darstellte. Das Werk der Saudens. „Ihr seht, wozu sie im Stande sind. Was ihre unheilige Kriegsmaschinerie anzurichten vermag. Nach all der Zeit hat es einmal Frieden zwischen uns gegeben und prompt fallen uns die feigen Ratten in den Rücken!“.
Lord Snjolk sah dem Chubbel ungläubig entgegen, bevor er aufgebracht und zitternd lispelte: „Natür-türlich! Wir sind Ratten! Aber die Ormschingopfergabe wird selbstverständlich angenommen“.
„Denk ja nicht, dass wir aus Furcht oder sonstigem gehandelt haben!“, erwiderte der Chubbel drohend an die Pestratte gewandt. „Wir taten das nur aus Respekt vor den Equestrianern und ihren ehrenhaften Bemühungen um den Frieden“.
„Aww!“, machte Fluttershy auf einmal ganz gerührt. „Also habt ihr euch letztendlich doch für den Frieden entschlossen. Da freuen wir uns aber wirklich sehr“.
Der Chubbel zögerte einen Moment mit gerunzelter Stirn. Dann sprach er an Fluttershy gewandt: „Nur vorrübergehend um euch nicht zu gefährden. Die Chubbis werden erneut in den Krieg ziehen und dieses Mal wird es kein Pardon für die Ratten geben. Wir haben sie schon einmal beinahe ausgelöscht“.
Lord Snjolk grinste darauf schelmisch in sich hinein und erwiderte hinterlistig: „Das denkt es? Sein Fett trübt-verschleiert wohl die Sicht-Sicht. Wir sind überall!“.
„Das mit eurem Stolz ist schon verständlich, aber wieso muss es denn dieser Krieg fortgesetzt werden, wenn es so leicht verhindert werden kann. Ihr habt doch keine Nachteile davon, wenn ihr ihnen gelegentlich solche Futterpakete oder Ormschinggaben gebt“, wandte Gloomy hastig ein und sah dabei zu Lord Snjolk, der sogleich ganz eifrig und hellauf begeistert quietschend in die Pfoten klatschte. „Die Saudens würden sich damit sicher zufrieden geben“.
Applejack nickte bestimmt und fügte sogleich hinzu: „Und im Gegenzug könnten sie auch euch etwas dafür geben. Ich kann zum Beispiel aus Erfahrung sagen, dass sie hervorragend graben können“. Sie seufzte anschließend etwas betrübt. Es war klar, dass sie gerade an ihre Farm dachte.
Alle stimmten sie ein und waren ganz begeistert von dieser Idee. Nur der Chubbel machte ein überaus finsteres Gesicht und rumorte unheilvoll, bevor er mit seiner tiefen Stimme sprach: „Ihr missversteht diese Lage voll und ganz. Es hat in diesem Fall nichts mehr mit Stolz zu tun. Die Saudens haben es gewagt, jenen heiligen Ort zu besudeln und uns dabei beinahe vernichtet!“.
„Aber ihr könntet die Saudens damit beschwichtigen“, erwiderte Gloomy verzweifelt. „Ihr könntet verhindern, dass sie weiterhin so viele Kriege führen. Folglich würde die ganze Welt friedlicher werden!“.
„Ihr seid jung und wisst gar nicht, was die Saudens schon alles angerichtet haben. Dabei spreche ich nicht nur von ihren Vergehen am Chuba. Sie haben sich weltweit Feinde aus vielen Gründen gemacht“, erklärte der Chubbel erbost.
„Ich kenne die Saudens ein bisschen und bin mir da sicher. Sie wollen auch den Frieden… und etwas zu Essen“, fügte Gloomy schmunzelnd hinzu. „In Frieden essen sozusagen… oder ormschen“.
Lord Snjolk grinste über beide Ohren und nickte wieder ganz eifrig. Der Chubbel dagegen schüttelte engstirnig den Kopf und widersprach: „Das ist völlig irrelevant. Sie haben längst keinen Anspruch mehr auf den Frieden. Ihre Vergehen können nicht ungesühnt bleiben!“.
„Du sprichst von Rache!“, stellte Twilight ernst fest und klang dabei überraschend verächtlich. „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei den Chubbis an der Tagesordnung steht. Ihr seid doch eigentlich ein hoch entwickeltes Volk. Zumindest erweckt eure Stadt diesen Eindruck“.
Da blickte ihr der Chubbel auf einmal überrascht entgegen. Twilight fuhr unterdessen mit besorgter Miene fort: „Wenn niemand den ersten Schritt unternimmt, wo soll das alles dann hinführen? Wann wird dieser ganze Krieg jemals enden?“.
Wohl erst, wenn es einen Gewinner gab, dachte Gloomy, denn der Chubbel wirkte nach dieser kurzen Rede kein bisschen überzeugt.
„Ja, seht mich an. Ich habe den Saudens auch die Sache mit meinem Fell verziehen“, erklärte Rarity und deutete dabei auf die entsprechende Stelle auf ihrem Rücken.
„Da ist ja auch längst wieder alles in Ordnung“, bemerkte Applejack etwas launisch.
„Für das geübte Auge, ist da immer noch etwas…“.
Weiter kam sie nicht mehr. Den Chubbel interessierte dieses Gespräch wohl überhaupt nicht und unterbrach sie: „Es ist besser, wenn ihr jetzt alle geht“.
„Auszeit bitte!“, warf Pinkie auf einmal verwirrt und wild gestikulierend ein. „Dieses Thema wird mir langsam zu kompliziert. Was soll das alles überhaupt? Wenn es Frieden geben kann, dann macht man Frieden. So einfach ist das. Und außerdem habt ihr mir vorhin wohl nicht zugehört…“. Pinkie wirkte aufgebracht, holte tief Luft und schrie aus voller Kehle: „ES IST ZEIT FÜR VERSÖHNUNG!“.
„Nein-nein-nein-nein-nein!“, erwiderte Lord Snjolk ganz schnell hintereinander. „Sauden trotzt! Fettwanst könnte uns Ormsching geben und tut es nicht-nicht! Sauden eingeschnappt!“. Er verschränkte die Arme und wandte sich ab.
„Saudens stinken…“, erwiderte der Chubbel plötzlich ganz trotzig wie ein Fohlen. Rarity räusperte sich und wandte kleinlaut ein: „Das kann ich schon irgendwie nachempfinden“.
„Und… sie wuseln!“. Darauf plusterte der Chubbel sich auf und schien kurz vor einem Wutanfall.
„RUHE! HIER VERSTEHT WOHL KEINER WAS VERSÖHNUNG BEDEUTET!“, kreischte Pinkie ungehalten. Sie atmete schwer, bekam sich aber ruckartig wieder ein. Wie der Blitz baute sie sich auf eine gewisse Weise galant vor ihnen auf und hüstelte ganz vornehm in ihren Huf. „Es ist Zeit, dass wir alledem jetzt ein Ende setzen. Ihr dürft gerne alle mittanzen… und natürlich auch singen! Ich nenne es… Das große Chubbiln und Saudeln! Oder nein… besser das große Wuseln?“.
„Hier wird nicht gewuselt!“, warf der Chubbel sowohl irritiert, wie auch aufgebracht ein.
Allesamt blickten sie Pinkie nun perplex mit großen Augen entgegen. Da fuhr sie bereits auch schon fort: „Entscheiden wir später“ und begann auf einmal in einem Rampenlicht zu singen. Gleichzeitig wurde es im restlichen Gebiet gespenstisch dunkel, dass die dortigen Streithähne, Ratten und Chubbis sofort verstummten und sich verwirrt umsahen, während Pinkies überraschend traurige Stimme über das Land schallte.

Equestria, da kommen wir her
Die Reise hierher, war wirklich schwer.
Voll aufregend und voll dunkler Gefahr
Was doch bei uns nicht alles geschah

Schiedlich und friedlich wie unsere Welt
Haben wir es uns vorgestellt
Kriege in einem fernen Land
Da sind wir vor Angst schon wie gebannt

Die Rattenschar, sie brach herein
Sie mussten Untertage sein
Doch was soll das schon. Es ist geschafft
Gemeinsam den Weg hierher vollbracht

Die Aufmerksamkeit aller Anwesenden ruhte nun auf Pinkie, die einen Moment inne hielt und ihren Blick in die Runde schweifen ließ. Es war schwer zu sagen, was in ihren Köpfen vorging. Die Freunde jedenfalls konnten ihr sehr gut nachempfinden. Natürlich. Sie waren ja schließlich dabei gewesen.
Als nächstes runzelte Pinkie auf einmal die Stirn und erzählte ganz verschwörerisch: „Nun denkt nicht, das sind wir ganz allein gewesen. Unser guter Freund Sniven, hat uns die ganze Zeit den Weg gewiesen. Denn…“.
Wieder hielt Pinkie inne und holte tief Luft, als würde sie gleich ganz laut losschreien wollen. Dann sprang sie aus dem Rampenlicht heraus, trällerte voller Heiterkeit und hüpfte dabei zwischen allen Anwesenden hin und her.

Hört bei uns im Ponyland
Allerorts ist es bekannt
Unsere Freundschaft ist ein Maß
Obendrein gibt es viel Spaß

Bei diesem ganzen allerlei
Hätten wir euch gern dabei
Zieh‘n wir los in die Wallachei
Ins Fisch und Ratten Eididei

Wir möchten dass ihr Freunde seid
Hört doch auf mit diesem Streit
Mithilfe eurer Einigkeit
Endet bald auch schon das Leid

Kommt schon Leute schließt euch an
Gehen wir beispielhaft voran
Dann seht ihr erst was euch entgeht
Volle Kraft vor auf den Weg

„Yahui!“, rief Pinkie anschließend und bedeutete ihren Freunden, ihr zu folgen. Diese blickten einander zunächst unsicher an, bevor sie ihrer Bitte schließlich lächelnd nachkamen. Pinkie trabte voraus in Richtung der Stadt, quer über das Feld und zwischen allen Chubbis und Saudens hindurch, die sie immer noch mit großen Augen anstarrten. Aber auch sie liefen ihr hinterher, während Pinkie weiter von der Reise erzählte: „Wir haben uns das ein oder andere mal in die Mähne gekriegt und waren einmal sogar kurz davor die Reise abzubrechen. Aber wir haben uns ausgesprochen und uns gegenseitig ermutigt. Ist das nicht toll?“.
„Ähm… Pinkie? Bist du sicher, dass…“, begannen die Freunde etwas nervös hinter ihr her trabend.
„Ja, das bin ich!“, erwiderte Pinkie voller Begeisterung. „Na los, macht mit!“.
Wie kam das ganze wohl bei den zwei Völkern an? Zumindest verhielten sie sich sehr still und schienen ihr aufmerksam zuzuhören. War es Neugierde? Pinkie führte sie nun schon durch die Straßen der immer noch flachen Stadt und sang völlig unbesorgt weiter, mit den vielen Chubbis und Saudens im Schlepptau.

Nun stehen wir hier
So wollen wir mal
Und gehen hinunter in das kunterbunte Tal

Das Futter ist leer
Der Krieg muss her
So ganz und gar ist diese Sache gar nicht verquer?

Pinkie schien sich diese Frage ganz skeptisch nebenbei selbst gestellt zu haben, hielt aber nicht inne und sang fröhlich weiter.

Die Lösung ist leicht
Und schnell erreicht
Blickt in eure Herzen wie es gleich erweicht.

Reicht euch die Hand…

„Oder Pfote, oder Flosse, Huf, was auch immer!“, rief Pinkie breit grinsend zwischendurch, huschte dabei an einen Chubbi und Sauden heran und brachte sie dazu, sich gegenseitig die Patschen zu schütteln, womit sie auch schon wieder davonhuschte. Die beiden wiederum schienen das gar nicht mitbekommen zu haben, da sie immer noch von Pinkies Lied abgelenkt waren. Dann blickten sie sogleich angewidert drein und ließen sofort wieder los.

Wir sind schon gespannt
Sind das noch dieselben Wesen die wir erst gekannt.

Als nächstes galoppierte Pinkie ganz schnell und plötzlich davon, dass ihre Freunde gar nicht reagieren konnten. Sie stand auf einmal vor der versammelten, erstaunten Rattenschar und klang als nächstes wieder betroffen.

Chubbis schimpfen oft
Ganz unverhofft
Reden nicht gern
Ein harter Kern
Sie leben hier fern
Auf einem anderen Stern
Ich bin der festen Meinung das ist alles nur Lärm

Mit dem letzten Teil wieder fröhlich, erschien sie als nächstes bei den Chubbis, deren Miene völlig ausdruckslos war.

Saudens ähneln mir sehr
So impulsiv und mehr
Putzig und klein
Doch sind sie gar gemein
Trügerisch rein
Und manchmal gar nicht fein
Aber ich bin der festen Meinung das ist alles nur Schein

Damit stand sie erneut in einem plötzlich auftauchenden Rampenlicht und sang weiter vor der ganzen Menge. Auf Seiten der Saudens war in Ausnahmslos allen Gesichtern nun ein Lächeln zu erkennen. Einige klatschten sogar wild zappelnd in ihre Pfoten und ließen Pinkie nicht aus den Augen. Die Aufführung schien ihnen zu gefallen.
Die Chubbis dagegen blickten überaus skeptisch drein. Würde Pinkie sie nicht übertönen, wäre deutlich ihr genervtes Stöhnen zu vernehmen.

Nun habt euch nicht so
Und zieht keine Show
Erstickt den Keim
Lasst Frieden herein
Schafft euch ein Heim
Und schwingt das Bein
Ich weiß es ist
Ein langer Weg
Und trotz alledeeem…
Bin ich der festen Meinung damit seid ihr im rein‘

„HUZZAH!“. Pinkie beendete ihr Lied, breit lächelnd, mit geschlossenen Augen und nach oben gestreckten Hufen, während sie von ihren Freunden in die Mitte genommen und hochgehoben wurde. „Soeben ist mir auch ein Name eingefallen. Alte Keule, Futterfreude!“.
Ihre Freunde blickten nach diesem Namen etwas beschämt und nervös drein, aber sonst schien sich niemand daran zu stören. Gleichzeitig quietschte und grunzte die jubelnde Menge der Saudens: „Pinkes Pony! Ja-ja-ja-ja-ja…“.
Die Chubbis dagegen standen dazwischen und blickten sich völlig entgeistert überall in der Menge um, als könnten sie es gar nicht fassen, wieso hier so eine Unruhe herrschte.
„Huhu“, machte Rarity ganz aus dem Häuschen. „Also die Ratten scheinst du überzeugt zu haben“.
„Schöner Auftritt“, sprach Lord Snjolk ebenfalls klatschend. Dann wurde seine Miene plötzlich wieder ernst. „Aber wo stehengeblieben? Wozu singt es-es?“.
„Oder auch nicht“, fügte Rarity sogleich missmutig hinzu.
„Du liebes Pony, das ist doch wohl klar“, begann Spike, sich die Klaue an die Stirn schlagend. „Wir wollen, dass ihr Frieden macht und darüber handelte auch das Lied!“.
„Zugegeben hätte man dieses Thema auch etwas anders anschneiden können aber ja. Das wollte euch meine Freundin Pinkie Pie auf ihre Weise mitteilen“. Twilight zögerte einen Moment mit einem Blick auf Pinkie. „Auf ihre ganz, ganz besondere Weise“.
Pinkie, die mittlerweile wieder auf dem Boden abgesetzt wurde, lächelte etwas nervös. Lord Snjolk dagegen runzelte die Stirn und kratzte sich am Kopf.
„Frieden?“. Dann zuckte er mit den Schultern und sprach gelassen weiter. „Uns egal. Hauptsache Ormsching!“.
„Nichts da! Hier wird viel zu viel geredet! Und du!“. Mit erzürntem Gesichtsausdruck wies der Chubbel nun auf Pinkie. „Fang ja nicht noch mal an zu singen! Singen ist ab sofort verboten!“.
„Hä?“, machte Pinkie erschrocken mit geweiteten Augen und wirkte sogar den Tränen nahe.
„Und was wenn doch?“, fragte Rainbow mit einem hinterlistigen Grinsen und trat dabei an den Chubbel heran.
„Rainbow? Fordere sie bitte nicht heraus“. Fluttershy wirkte sehr verängstigt, aber Rainbow würgte sie ab: „Vertraut mir!“.
„Wenn doch?“, wiederholte der Chubbel aufgebracht.
„Ja. Was wenn Pinkie einfach weitersingen würde?“. Rainbow grinste immer noch schelmisch in sich hinein.
Der Chubbel sah auf einmal sehr gequält drein und sprach: „Och nö“. Dann wandte er sich an Pinkie. „Wenn wir den Saudens fortan Futter geben und Frieden machen… hörst du dann auf zu singen?“.
Rainbow jubelte bereits stumm, während den anderen nur vor Staunen die Mäuler aufklappten. Pinkie dagegen wirkte entsetzt um nicht zu sagen, geschockt.
„Was? Aber…“, begann sie stotternd, aber ihr wurde von Rainbow das Maul zugedrückt, die zeitgleich breit lächelnd antwortete: „Ja, das tut sie“.
„So viel zum Krieg, der nicht einfach so an einem Tag enden kann“, bemerkte Gloomy fassungslos und sarkastisch zugleich, während der, wenn auch angewiderte Chubbel, der überglücklichen Pestratte die Flosse reichte.
„Das… kannst du laut sagen“, pflichtete Applejack ebenfalls mit weit aufgerissenen Augen bei. „Schweigen ist Gold. Oder besser gesagt, schweigen ist Frieden. Zumindest hier“.
Twilight wirkte sehr misstrauisch und sprach mit gerunzelter Stirn: „Ich weiß nicht, ob das so gut ist. Ob unsere Nachricht richtig angekommen ist. Der Chubbel hat nicht zugesagt um den Krieg zu beenden, sondern damit Pinkie nicht mehr singt?“.
Applejack winkte nur gelassen ab und wollte etwas erwidern. Dann hielt sie aber inne, als ihr auffiel, wie eine der Ratten in gleicher Größe neben ihr Stand und an ihr schnupperte. Applejack warf ihr nervös einen Blick zu und fragte: „Ähm? Was ist denn?“.
„HAB DEN HUT!“.
Eine zweite Ratte hatte Applejack flink wie ein Wiesel den Hut von hinten weggeschnappt und flitzte eilig davon. Die wusste erst gar nicht, was eigentlich los war.
„Wie… was? Hey! GIB MIR MEINEN HUT WIEDER!“, schrie sie aufgebracht und setzte dem Dieb durch die Menge sofort nach, unter dem folgenden Gelächter ihrer Freunde und dem Geschimpfe der Chubbis über das Wuseln.
„Dann haben wir es jetzt also geschafft?“, fragte Spike.
„Sieht ganz so aus“, antwortete Twilight unsicher.
„Heißt das, wir können wieder nach Hause gehen?“. Spike klang sehr hoffnungsvoll dabei und jeder konnte es ihm nachfühlen. Sie alle vermissten Equestria und Ponyville doch sehr. Twilight sah Spike mit einem sanften Lächeln entgegen, was beinahe schon mütterlich wirkte und sprach: „Ja, das können wir“.
Die Menge hatte sich mittlerweile gelichtet. Die Chubbis hatten sich verteilt und rollten überall am Ort herum. Mit der Kraft ihrer Gedanken setzten sie die Trümmerteile wieder zusammen, ließen sie durch die Luft schweben und bauten alles wieder zu der einstigen Stadt auf, in der alles wieder seinen gewohnten Gang gehen würde, sobald die Gäste fort seien, wie der Chubbel verlautbarte. Auch die Feuchtigkeit und das gewisse etwas, das magische schimmern, kam allmählich wieder zutage. So betrachtet wurde erst richtig deutlich, wie schlicht die Stadt eigentlich war. Während der Chubbel sie noch ein wenig durch die Stadt führte, kam Twilight eine Idee und rief Pinkie, Rarity, Fluttershy und Rainbow zu sich. Sie tuschelten etwas, bevor die vier schließlich allesamt begeistert nickten und auseinanderstoben. Auf den verwirrten Blick des Chubbel und Gloomys Frage hin, lächelte Twilight nur.
Lord Snjolk hatte sich ohne weitere Worte mit dem Großteil der Saudens und den Futterpaketen längst verzogen. Nur ein paar Saudens waren noch da, sehr zum Missfallen der Chubbis und wuselten mit Applejacks Hut herum, die ihnen immer noch zornig schreiend nachsetzte.
„Eines fällt mir da gerade noch ein“, kam es von Gloomy. „Wer ist eigentlich dieser Kobold in eurem Gefängnis?“.
„Sie sind es nicht wert, dass man sie kennt. Überirdische Wesen mit zweifelhaften oder gar völlig unbekannten Absichten. Ich weiß nicht einmal, wo er eigentlich herkam. Er war plötzlich da“, erklärte der Chubbel dröhnend. „Und ist inzwischen wieder fort“.
Er wurde jedoch von der plötzlich vorbeistürmenden Applejack unterbrochen: „Was soll dieser Unsinn eigentlich? In meinem Hut ist nichts zum ormschen… ZUM ESSEN VERDAMMT NOCH MAL“.
Die Ratten spielten sogar schon dummer Hengst oder in dem Fall dumme Stute mit ihr, bevor sie wieder von ihr davonhuschten. Wenn doch nur ihr Seil nicht verbrannt wäre, dachte Applejack. Aber natürlich… Moment mal! Im Nächsten Augenblick ließ sie ein Seil vor ihr erscheinen, nahm es sogleich mit grimmiger Miene ins Maul und ritt den Saudens Cowgirl artig hinterher, wobei sie nuschelnd rief: „Yeehaw! Jetzt hab ich euch gleich!“.
Twilight, Gloomy und Spike kamen einem verhaltenen Lachen nicht umhin.
„Ich freue mich ehrlich gesagt schon darauf, mich endlich mal wieder trocken fühlen zu können“, wandte Rarity auf einmal seufzend ein, die sich soeben zusammen mit den anderen wieder zu ihnen gesellte. Nur Rainbow fehlte noch.
„Seid ihr schon fertig…“, fragte Twilight, stockte jedoch erstaunt bei dem folgenden Anblick. „Oh. Ich sehe schon“.
Es war erst gar nicht aufgefallen, da ihr Augenmerk der Hetzjagd zwischen Applejack und den Ratten galt. Die Stadt war gar nicht wiederzuerkennen. Die vielen Luftballons und Partygirlanden von Pinkie Pie, die Blumenbeete in den nun gepflegten Vorgärten der Chubbis, sowie die Topfpflanzen an den Fensterbänken von Fluttershy und die verschiedenen Muster auf den Häusern, die hie und da sogar einen Wandteppich aufwiesen, was wohl das Werk von Rarity war.
„Wow! Ihr habt euch wirklich selbst übertroffen“, bemerkte Twilight fassungslos.
„Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass den Chubbis das gefällt. Allerdings…“. Gloomy zögerte. Zu seiner Überraschung wirkten die Chubbis überhaupt nicht aufgebracht. Ein sanfter Ausdruck lag auf ihren Gesichtern, während sie sich in ihrer Heimat umsahen, die sie wohl selbst gerade nicht wiedererkannten. Auch der Chubbel schien sprachlos zu sein.
„Ja, ich weiß was du meinst“, erwiderte Rarity mit einem seufzen. „Ich hatte eigentlich noch viel mehr vor. Aber ich habe mich von Chawanst beraten lassen und er meinte, ich sollte mich etwas zurückhalten“.
Besagter Chubbi war tatsächlich ebenso vor Ort und blickte überaus zufrieden drein. Es war schon ein merkwürdiger Anblick, die sonst so übellaunigen Chubbis mal lächeln zu sehen.
„Erlaubt mir bitte positiv anzumerken, dass ihr im Vergleich zu den anderen Chubbis, sehr viel… ähm… Redefreudiger seid“, äußerte Rarity plötzlich an den Chubbel gewandt, womit sie sich aber vielleicht irrte. Dieser runzelte nämlich daraufhin die Stirn und stöhnte missmutig auf. Aber er sagte nichts und machte auch keinen schlecht gelaunten Eindruck. Im Gegenteil. Er lächelte fröhlich, was er aber offenbar nicht zeigen wollte und sich daher abwandte.
„Genauso wie du, mein lieber Chawansti-Bamsti! Stimmts? Ihr seid jetzt viel friedlicher als zuvor“, rief Pinkie und huschte breit lächelnd an diesen heran, welcher wiederum aber missgelaunt antwortete: „Och… Muss ich dich schon wieder walzen?“.
Pinkie stockte und trat vorsichtig zurück. Sie erinnerte sich noch gut an den Moment oben im tropfenartigen Gebäude, wo Chawanst sich einfach hat auf sie drauffallen lassen, weil sie zu viel geredet hatte.
„Ähm… nein. Das wird nicht nötig sein“, entgegnete sie nervös lächelnd, worauf die anderen allesamt loslachen mussten.
Als nächstes ertönten ein lautes Feuerwerk, sowie ein gewaltiger, funkelnder Regenbogen über Chuba, der sie alle ins Staunen versetzte.
„DER ULTRASCHALLRAINBOOM!“, schrie Pinkie außer sich vor Begeisterung und fiepte ganz aufgeregt auf der Stelle trabend. „Ist er das?“.
„Was für‘n Ding?“, fragte Gloomy völlig verdattert. Aber er erinnerte sich sogleich daran. Rainbow hatte es in Ponyville schon einmal erwähnt.
„Der Überschallknall beim Durchbrechen der Schallmauer“, erklärte Twilight fasziniert. „Es passiert wohl, wenn ein Pegasus die Schallgeschwindigkeit erreicht“.
Gloomy runzelte verwirrt die Stirn und erwiderte verwundert: „Das soll Schallgeschwindigkeit sein?“.
Tatsächlich flog Rainbow nicht so schnell, wie sie sicher gekonnt hätte. Sogar von hier unten war zu erkennen, dass sie doch etwas nervös wirkte.
„Nein“, bemerkte Twilight plötzlich ganz gelassen. „Das ist die Macht der Fantasie“.
„Hört, hört“, erwiderte Gloomy misstrauisch, worauf Twilight ihm einen überraschten Blick zuwarf.
„Seit wann glaubst du denn an sowas?“, fragte Spike verwundert. Twilight begann darauf beinahe schon selbstgefällig zu erklären: „Ich sehe es vor meinen Augen. Daher hat es nichts mit glauben zu tun. Und außerdem gibt es sicher eine ganz logische Erklärung für all das. Das ist nichts Übernatürliches oder dergleichen, sondern nur die, wenn auch mystische Kraft, die von dem großen Kristall…“
„Und damit können wir das Kapitel jetzt abschließen“, unterbrach Gloomy sie mit tonloser Stimme.
„Ja. Ihr redet immer noch viel zu viel. Es wird Zeit, dass die Ratten, die Ponys…“. Der Chubbel dachte augenscheinlich angestrengt nach, während er Spike musterte. Dann schüttelte er den Kopf. „Und andere weiterziehen“.
Spike stöhnte folglich hörbar genervt auf.
„Manche Dinge ändern sich wohl nie“.
„Oh, kleiner, lieber Spike. Sei nicht sauer“. Rarity trat an ihn heran und tätschelte ihm liebenswürdig den Kopf, was Spike deutlich Genoss. „Ich bin froh, dass du wieder der bist, den wir alle so liebgewonnen haben“.
„Äußerlich bist du jetzt vielleicht wieder klein, aber innen drin bist du ganz groß“, fügte Fluttershy liebenswürdig hinzu, worauf Spike sogar rot anlief. „Und wir wissen ja, dass du ein…“.
„Käferlein!“. Die ihnen bekannte, hohe und kratzige Stimme von Sniven ertönte auf einmal. „Und Ponydinger! Mich haben Hut des Ormschings…“.
„DAS IST EIN GANZ NORMALER HUT UND DER GEHÖRT MIR!“. Applejack stürzte sich aus heiterem Himmel von hinten auf ihn, der gerade ihren Hut ganz andächtig in die Höhe gehalten hatte. Sniven schaffte es ihr auszuweichen, die sich darauf mit zornig zusammengebissenen Zähnen vor ihm aufbaute und dabei ihr Seil wie ein Lasso über sich schwang. Sniven erwiderte ihren Blick etwas eingeschüchtert, ließ traurig den Kopf hängen und antwortete: „Ach so. Na gut“.
Er hielt Applejack den Hut entgegen, die aber plötzlich zögerte und nachdenklich dreinsah. Dann lachte sie plötzlich zufrieden auf, steckte ihr Seil in die Mähne und wandte sich ab.
„Weißt du was? Behalte ihn. Ich schenk ihn dir“.
Sniven schien seinen Augen und Ohren nicht zu trauen und blickte den Hut in seinen Pfoten ganz ehrfürchtig an, als hätte er etwas sehr wertvolles gefunden.
„Meeeein Schatz!“.
„Dafür bist du aber selbst verantwortlich! Also pass auf, dass ihn dir deine Kumpanen nicht wegnehmen“, fügte Applejack mahnend hinzu, als sich auch schon einige der anderen Saudens genähert hatten und neidisch auf den Hut blickten. Sniven drückte ihn darauf ganz fest an sich und beäugte sie alle misstrauisch.
Endlich machten sie sich auf den Rückweg, wobei ihnen noch einmal die Tafel ins Auge fiel, welche sich an dem kleinen Häuschen vor dem Tor befand.
Willkommen in Chuba. Hier wird geschwiegen!
Nicht ohne nervöses Schlucken, Schulterzucken oder Kopfschütteln, ließen sie es hinter sich. Alles hatte sich hier dann wohl doch nicht geändert, aber vielleicht wird es das noch mit der Zeit.
Sniven führte sie auf demselben Wege wieder zurück, den sie gekommen waren, wobei er ihnen sogar einen viel schnelleren Weg durch den Untergrund und die Stadt der Saudens vorschlug, was sie aber dankbar ablehnten. So sehr sie das auch interessierte, sie wollten nur noch nach Hause und so schnell keinen Huf mehr unter die Erde setzen. Die Saudens waren sogar so freundlich und hatten ihnen mit vereinten Kräften den versperrten Weg in den Bergen freigeräumt. Nicht nur das! Sämtliche Tunnel auf Sweet Apple Acres und überhaupt in ganz Equestria, die sie gegraben hatten, waren wieder zugeschüttet.
„Wow“, bemerkte Rainbow erstaunt. „Ihr seid schon ein fleißiges Völkchen“.
Es war eine sehr friedliche, gelassene und sogar sehr lustige Rückreise ohne jegliche Zwischenfälle und sie waren viel schneller wieder zuhause angekommen, als sie gedacht haben.
„Zeit-Zeit für Abschied“, erklärte Sniven, merkbar bedrückt und mit Applejacks Hut auf dem Haupt, als sie in Ponyville oder genauer gesagt Sweet Apple Acres eintrafen, wo es bereits zum Abend dämmerte. Der Ort, an dem alles begann. Nichts hatte sich hier verändert.
„Oh, nicht traurig sein“, munterte Fluttershy ihn auf und tätschelte ihn beschwichtigend. „Wir bleiben doch trotzdem Freunde“.
„Sniven dankt Freund Ponyding. Freunde rufen, wenn sie uns brauchen, ja-ja“.
„Bloß nicht! Bleib ja weg von meiner Farm, du Vielfraß“, erwiderte Applejack glucksend. Es war ungewohnt, sie ohne ihren Hut zu sehen. „Vielleicht schenk ich dir ab und an ein paar Apfelkuchen oder so…“
„UUUHHHH!“, machte Sniven plötzlich ganz aus dem Häuschen und stand mit einem Mal Männchen machend vor ihr, wie ein Hund.
„Ich sagte, ab und an!“, wies Applejack ihn streng zurecht.
„Das viel zu wenig!“, protestierte Sniven aufgebracht, worauf die anderen allesamt anfingen zu lachen.
„Hey, Sniven. Versprich mir, dass wir irgendwann nochmal einen Wettlauf machen, okay? Du bist echt flink und könntest beim Blätterrennen vielleicht sogar gewinnen“. Rainbow wirkte sehr mitgenommen. Beinahe schon den Tränen nahe und damit war sie nicht die einzige.
Eine bedrückende Stille legte sich über die Gruppe, während sie dem davonwuselnden Sniven hinterhersahen. Er wandte sich noch einmal um und blickte den Freunden mit funkelnden Augen lächelnd entgegen, wobei er sich Applejacks Hut im Abendrot der untergehenden Sonne zurechtrückte. Ein letztes Mal winkte er noch mit seiner Pfote und verschwand schließlich endgültig von der Bildfläche.
„Ich werde den kleinen Racker doch irgendwie vermissen“, bemerkte Rarity, worauf sie sich von allen ganz erstaunte Blicke einfing, die sie unschuldig erwiderte. „Naja, irgendwie gewöhnt man sich doch an sie. Außer vielleicht den Gestank“.
„Ich vermisse ihn jetzt schon… also Sniven. Nicht den Gestank“, fügte Gloomy traurig hinzu, aber die anderen hielten aufmunternd zu ihm.
„Immerhin haben wir einen neuen Freund gewonnen“, warf Pinkie ein und wischte sich eine Träne weg.
„Mehr als das. Ich denke wir haben etwas Großes vollbracht und können wirklich stolz auf uns sein“, erklärte Twilight und hielt dabei ihren Huf auf ihr Herz. „Ich werde Celestia von alledem berichten“.
Kaum hatte sie das ausgesprochen, würgte Spike auf einmal und begann einen Brief nach dem anderen mit einer Stichflamme auszuspeien.
„Das sind dann wohl Celestias Briefe“, erklärte er und sammelte sie sogleich auf. „Sie hat sich wohl ein bisschen Sorgen gemacht“.
„Ein bisschen?“. Twilight schluckte nervös, als Spike gerade die Briefe stapelte.
Sie würde sich diesen gleich annehmen… wenn da nicht noch ein kleines Problem wäre. Wie lange hatten sie eigentlich schon nicht mehr richtig geschlafen? Im Chuba hatten sie keinerlei Müdigkeit verspürt und unterwegs nur wenig Ruhe gefunden. Aber nun, da sie hier auf einmal in der trauten Heimat standen, überkam sie allesamt ein gähnen. So machten sie sich auf den Weg und wünschten sich gegenseitig noch eine gute Nacht.
Kaum im Golden Oak angekommen, machte sich Twilight unmittelbar damit verrückt, dass sie sich jetzt unbedingt noch durch Celestias Briefe kämpfen und ihr antworten müsse, dafür aber eigentlich viel zu müde wäre. Sie bat sogar Gloomy und Spike darum, ihr dabei behilflich zu sein. Zum Glück gelang es den beiden gemeinsam, sie davon abzubringen und Celestia fürs erste nur eine Nachricht zukommen zu lassen, dass es ihnen gut ginge und sie ihr morgen alles erklären würden. Das schien Twilight jedoch auch nicht zu beruhigen, bis Spike sogleich den nächsten Brief mit Celestias gelassenem okay ausspie.
Gloomy selbst aber überkam in seinem Bettchen plötzlich eine gewisse Rastlosigkeit. Er stand auf und trabte auf leisen Hufen vorsichtig an das Fenster und blickte hinaus in die Sterne.
Der Moment, wo unsere Hufe aufstampfen.
Das waren die Worte des Namenlosen, als sie ihn gestellt haben. Aber Gloomy hatte sie zuvor schon einmal gehört. Er sah hinab auf seinen nun schmucklosen, hölzernen Anhänger und band sogleich wieder das Schleifchen drum herum, was er in seiner Mähne verstaut hatte. Da fiel es ihm wieder ein… das Nichts! Es war eine dieser Erscheinungen im Golden Oak, als er hier nur zu Besuch war… Aber wie hing das zusammen? War der Namenlose in diesem Moment bei ihm gewesen und hatte ihm diese Worte zugeflüstert? Eines war sicher. Sie hatten ihn im Chuba ganz bestimmt nicht besiegt, sondern nur vertrieben. Gloomy erinnerte sich noch gut an die schwarzen Schemen, die aus dem großen Thronsaal davongezogen sind. Er musste darüber mit Noma sprechen, denn der Namenlose war ganz sicher immer noch da draußen. Mehr als das! Er hatte behauptet, er sei es nicht gewesen, der ihnen auf Sweet Apple Acres als dunkles Alihorn erschienen ist. Hatte er die Wahrheit gesprochen? Wer war dann diese finstere Erscheinung, die selbst Celestia so beunruhigt hatte und wieso hat diese ganz Equestria vor dem Konflikt mit den Saudens bewahrt?
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