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Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
04.12.2020
32
205.111
4
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16.03.2020 15.994
 
3.6. Das Biest im inneren

Sie folgten Chamumps eine breite stufenlose Wendeltreppe hinunter, wo dieser in einem sehr gemächlichen Gang hinabwatschelte. In diesem Tempo würden sie hier in den leicht bläulich leuchtenden, marmornen Gemäuern, wohl eine ganze Weile unterwegs sein.
„Die ist sicher dafür gedacht, damit ihr hier herunterrollen könnt, stimmt’s“, bemerkte Spike keck und fing sich dabei wieder einen rüffelnden Blick von Twilight ein. Chamumps aber gluckste zu ihrer Überraschung sogar auf einmal und bestätigte es. „Aber wie kommt ihr wieder hinauf?“, fügte Spike verwundert hinzu. Da hielt Chamumps plötzlich inne. Er wirkte schon wieder ganz nervös und antwortete schließlich: „Ihr wisst doch mittlerweile, dass ihr nicht so viel reden solltet“. Eine überraschende Antwort mit einem Mal, was sie alle ziemlich verwunderte und Pinkie sogar laut schnauben ließ. Sie wirkte sehr misstrauisch und ließ Chamumps keinen Moment aus den Augen, als würde sie versuchen in ihn hineinzublicken. Damit war sie nicht die einzige. Gloomy räusperte sich heimlich und flüsterte an die anderen gewandt: „Kommt euch das nicht etwas merkwürdig vor?“. Chamumps lief ihnen etwas voraus, aber sicher war er trotzdem nicht, ob er ihn nicht gehört hatte. Jedenfalls watschelte er ganz gemächlich weiter.
„Du Blitzmerker!“, äußerte Pinkie nur, deren Mähne immer noch glatt und seidig hinunterhing. Die anderen ignorierten ihren Kommentar und sahen verständnislos zu Gloomy.
„Was soll denn so merkwürdig sein?“, fragte Twilight.
„Erinnert ihr euch nicht, was der Fremde in Ponyville uns gesagt hat?“. Gloomy hatte die Stirn gerunzelt und blickte unheilverkündend in die Runde. „Jemand ist hier in Chuba und stiftet Chaos unter den Chubbis. Dieser Typ da, ist völlig anders als die anderen, denen wir bisher begegnet sind. Und außerdem wirkte es alles ziemlich unglaubwürdig, was er uns erzählt hat. Er war ja richtig nervös“.
„Ach, der war einfach aufgeregt“, erwiderte Rainbow schlicht. „Immerhin scheinen sie hier nicht oft Besuch von Ponys zu haben… und anderen“, fügte sie mit einem kichern hinzu, worauf Spike ihr nur einen finsteren Blick zuwarf.
„Ich bin sicher, wir können ihm vertrauen“, fügte Fluttershy zuversichtlich hinzu.
„Was wenn er dieser Unruhestifter ist und uns in eine Falle lockt?“, widersprach Gloomy gereizt. „Wir hätten vielleicht doch besser zu diesem Chabel gehen sollen“.
„Aber du hast doch gehört was Chamumps gesagt hat. Der hohe Rat würde uns eine deftige Strafe dafür geben, wenn wir da einfach so reinplatzen“, erwiderte Twilight besorgt. Da schlug Gloomy sich mit dem Huf vor die Stirn und beklagte: „Natürlich sagt er das, wenn er verhindern will, dass wir da reingehen. Ihr seid ja vielleicht naiv“.
„Vielleicht bist du auch nur zu misstrauisch?“, gab Applejack plötzlich zu bedenken und blickte ihm dabei scharf entgegen.
„Ich versuche nur uns vor einem Unglück zu…!“.
„Da sind wir!“, unterbrach Chamumps sie auf einmal. Kaum zu glauben, wie schnell sie nun doch angekommen waren. Da, erwies sich als ein langer Gang, welcher auf beiden Seiten mehrere kleine Kammern aufwies, wo jeweils ein schlichter Stoffteppich auf dem Boden lag. Die Wände leuchteten hier sehr viel schwächer und es war ziemlich finster. Sie befanden sich wohl nur ein Stockwerk tiefer. Die Wendeltreppe endete jedenfalls noch nicht, aber Chamumps führte sie nun hier hinein. Es wirkte nun doch etwas beunruhigend auf sie alle.
„Ach ja? Wo soll denn das sein?“, fragte Gloomy nun ganz bestürzt.
„Gloomy“, flüsterte Twilight nur und stieß ihm dabei kurz in die Seite.
„Ähm schon komisch, als du meintest, geheimnisvolles Equestria“, wandte Rarity ebenso nervös ein. „Für uns ist es genau umgekehrt. Wir finden Chuba sehr geheimnisvoll“. Das war vor allem auf die Situation gerade bezogen. Plötzlich ertönte aber eine ganz andere Stimme. Finster, rau und sehr kalt: „Tja, durch das unbekannte wächst die Furcht heran. Das ist bei uns – so wie bei euch – nicht anders“. Ein weiterer Chubbi trat plötzlich aus dem Schatten in der Ecke hinter ihnen hervor, der einen sehr zwielichtigen Eindruck machte. Seine Augen verengten sich, als er die Freunde musterte. „Und doch sind wir so verschieden. Welten liegen zwischen uns. Wahrhaftig… Aber das versteht ihr nicht“. Er sprach nicht so dröhnend und auch nicht so langsam wie die anderen Chubbis. Überhaupt wirkte er völlig anders. Sie waren nun allesamt äußerst beunruhigt.
„Wer bist du?“, fragte Twilight sogleich. Der mysteriöse Chubbi antwortete nicht, sondern sah über die Freunde hinweg.
„Du hast wirklich ganze Arbeit geleistet, Chamumps. Hätte nicht gedacht, dass es so einfach wird. Oder sollte ich einfach sagen, Geist?“. Die Gruppe blickte sich hektisch um und sah Chamumps ganz verstört entgegen. Geist? Chamumps sah aus wie ein Chubbi, so wie all die anderen auch.
„Bist du Chanubal?“. Weder Twilight, noch die anderen glaubten das. Für einen kurzen Moment glaubten sie, ein leises und zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht des Chubbis zu sehen. Im nächsten Augenblick, funkelten seine Augen bedrohlich und so blickte er den Freunden nun unheimlich entgegen.
„Machen wir es kurz, okay?“. Vor ihren fassungslosen Augen begann er sich auf einmal zu verwandeln. Es sah aus, als würde er sich zusammenkneten und komplett neu verformen. Dabei verfärbte er sich auch zunehmend dunkler. Vier Beine mit Hufen an den Enden schossen aus seiner Unterseite und zwei gewaltige federlose Schwingen wuchsen aus seinem Rücken, als das schwarzgraue Pegasus-Pony mit der Größe eines Alihorns und wabernder Mähne seinen Kopf nach oben streckte. Dann senkte es seinen Blick und sah ihnen mit einem finsteren, hasserfüllten Gesichtsausdruck entgegen, dass es ihnen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Gloomys Augen weiteten sich vor Schreck. Die Zeit schien für ihn still zu stehen. Er war wie gelähmt und konnte seinen eigenen Herzschlag hören. Er war es! In Ponyville war Gloomy noch unsicher, aber jetzt bestand überhaupt kein Zweifel. Das war das Pony, dem er im Nichts begegnet war. Von dem er die fürchterliche Vision in Canterlot hatte. Welches ihn vielleicht sogar die ganze Zeit schon heimsuchte! Gloomy konnte kaum noch atmen und er begann am ganzen Leib zu zittern vor Angst, sodass Spike ihm schon zuflüsterte: „Gloomy? Ist alles in Ordnung?“ und von seinem Rücken herunterglitt. Er selbst, sowie die anderen waren ebenfalls verängstigt und blickten dem vermeintlichen Bösewicht mit geweiteten Augen entsetzt entgegen.
Das schwarzgraue Pegasus-Pony faltete seine Flügel auf dem Rücken zusammen und sprach weiter, mit seiner rauen, kalten Stimme: „Ich muss schon sagen, ich bin wirklich… begeistert!“. Das leise Lächeln hatte sich wieder auf seinem Gesicht gebildet. „Das hätte ich euch niemals zugetraut, dass ihr soweit kommen würdet“.
„Soll das heißen, du hast uns erwartet?“, stotterte Twilight.
„Diese Saudens sind schon ein merkwürdiges Volk“, fuhr der Finsterling fort, als hätte sie nichts gesagt. „Ihr könnt sie bedrohen, sie foltern, sie töten, aber es bringt alles nichts. Versprecht stattdessen ein trockenes Laib Brot und sie werden deine untertänigsten Diener“. Er schüttelte verständnislos den Kopf. „Ihr habt euch die falschen Freunde ausgesucht. Sie sind so leicht manipulierbar. So geschwätzig – So zerbrechlich“. Sein Lächeln wurde nun deutlicher und finsterer. „Genau wie ihr Ponys“.
„Hast du den Saudens etwa das Essen geklaut?“, fragte Pinkie plötzlich ganz erzürnt, worauf das schwarzgraue Pegasus keine Reaktion zeigte, sondern einfach weiterlächelte. „Dann bist du also für all das verantwortlich! Wenn du nicht wärst, wären wir niemals auf diese Reise gegangen und unser Freund würde noch...“, sie stockte auf einmal und atmete schwer. Rainbow trat unerschrocken an ihre Seite und übernahm das Wort: „Denk nicht, du könntest uns Angst einjagen!“. Ganz tapfer ging sie mit fester Miene sogar noch einen Schritt auf das finstere Pegasus zu. Die anderen dicht hinter ihr. „Wieso verschwindest du nicht einfach, bevor ich dir eine Lektion erteile!“. Das schwarzgraue Pegasus lachte auf.
„Du bist ja richtig lustig, kleine. Ich mag dich“. Dann trat es einen Schritt auf sie zu und senkte den Blick zu ihr herab. „Und darum werde ich mir für dich etwas ganz Besonderes ausdenken… anstatt dich einfach zu töten“. Für einen Augenblick erschraken sie allesamt, wichen aber keinen Schritt zurück. Chamumps stand unterdessen die ganze Zeit vor der Treppe und beobachtete sie nur.
„Du hast meine Frage nicht beantwortet“, widerholte Twilight grimmig, die genauso wie die anderen in Kampfbereitschaft stand. „Wer bist du eigentlich?“. Der Finsterling wandte sich ab und antwortete verschwörerisch: „Es ist unwichtig wer ich bin. Wichtig ist nur mein Plan. Habt ihr eigentlich nur die leiseste Vorstellung davon, wo ihr hier eigentlich seid? Was das Chuba überhaupt bedeutet?“. Er blickte wieder in ihre verständnislosen Gesichter und lachte erneut auf. „Ihr denkt, es ist nur ein Name von irgendeiner Stadt, nicht wahr? Es ist weitaus mehr, das garantiere ich euch. Diese fetten, engstirnigen Kreaturen mögen einst die Wächter dieses Ortes gewesen sein, aber heute sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sie sind ja nicht einmal in der Lage, mich wahrzunehmen und viel zu beschäftigt mit ihren uralten, belanglosen Streitereien“. Die Umgebung flackerte plötzlich unheimlich auf, während das schwarzgraue Pegasus mit zusammengebissenen Zähnen auf einmal zornig hinzufügte: „Ba… Dieser Ort, wird Verdammt sein!“. Gloomy konnte immer noch keinen Mucks von sich geben und etwas stimmte nicht mit seinem Anhänger. Bildete er es sich nur ein oder war er gerade schwerer geworden?
„Du hast uns dabei vergessen!“, widersprach Applejack und trat mit eiserner Entschlossenheit einen Schritt nach vorne. „Genau deswegen sind wir hier. Nämlich um dich aufzuhalten!“.
„Noch so ein Großmaul“, erwiderte das Pegasus ungerührt seufzend. „Ich war mir wirklich sicher, dass die Saudens euch Equestrianer auslöschen würden. Wer hätte gedacht, dass es so kommt. Aber bildet euch nichts darauf ein. Ihr habt euren Untergang nur hinausgezögert. Was wäre ich, wenn… wie sagt man bei euch? Wenn ich kein Ass in der Mähne hätte. Meins ist Chuba“. Er lächelte auf einmal ganz selbstzufrieden in sich hinein und wandte ihnen erneut den Rücken zu, während er weitersprach und alles um sie herum schon merkwürdig zu wabern begann, als würden dunkle Flammen schleichend drüberkriechen.
„So werdet Zeuge, wie die Saudens diese Stadt dem Erdboden gleich machen. Ihr Angriff, wird nicht mehr lange dauern und was glaubt ihr wohl, was das mit sich bringt?“. Die Umgebung verschmolz nun komplett. Sie befanden sich auf einer dunklen Fläche, umgeben von Schwärze und Schemen, die aufeinanderprallten und sich gegenseitig zugrunde richteten. Das Schlagen von Metall auf Metall, Explosionen und Geschrei ertönte plötzlich von überall. Den Freunden stand nun das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. „Die Saudens haben ja keine Ahnung, was sie damit eigentlich anrichten. Dieser Angriff, auf diesen kleinen unscheinbaren Ort, wird eine Kettenreaktion auslösen. Überall auf der Welt weiß man von der Heiligkeit des Chuba, auch wenn niemand weiß, wie heilig es wirklich ist. Und ratet mal, auf wen die Schuld fallen wird“. Die Schemen verwandelten sich nun ganz eindeutig in eine Reihe von Kleinpferden. Pegasi und Erd-Ponys, die wild losstürmten und Einhörner, die mit eindrucksvoller Magie auf einen unbekannten Feind schossen. „Man kann den Saudens keinen Vorwurf machen. Sie tun das, was sie schon immer getan haben. Aber jeder wird erfahren, dass es Equestrianer waren, die sie gegen Chuba aufgestachelt und damit den Untergang dieser uralten Stätte heraufbeschworen haben. Bisher hat Celestias Macht sie alle in Schach gehalten. Die ganze Welt, fürchtet die Ponys, wo sie doch sogar im Stande sind, die Sonne auf und untergehen zu lassen. Aber wie weit reicht ihre göttliche Kraft?“. Die Ponys nahmen plötzlich allesamt Reißaus vor etwas riesigem, was ihnen aber nicht gelang. Einer nach dem anderen, fielen sie und lösten sich in nichts auf. „Sie werden sich zusammenschließen, wie eine Flutwelle auf Equestria hereinbrechen und euch in einem Strom aus Gewalt ertränken. Und mit dem Fall der Ponys, wird es nicht mehr lange dauern, bis die ganze Welt ins Chaos stürzt und das Nichts sich ihrer bemächtigt“. Die Schemen lösten sich nun auf, aber sie konnten eindeutig erkennen, wie unter fürchterlich mit anzuhörenden, qualvollem Geschrei mehrere Hände, Pfoten, Füße, sogar Hufe und andere Gliedmaßen vom Rande aus nach ihnen griffen. „Und ihr werdet in der ersten Reihe stehen. Ihr werdet wahre Verzweiflung kennenlernen. Meine Verzweiflung! Und es wird euch leidtun, dass ihr so achtlos unser Land betreten habt! SA ARTH NAL! Ihr werdet um Gnade winseln, ihr werdet flehen... aber dafür ist es nun zu spät!“. Ein finsteres Lachen ertönte nun und riss sie alle wieder zurück in den schwach beleuchteten Gang mit den vielen Kammern an den Seiten. Das schwarzgraue Pony hatte ihnen immer noch den Rücken zugewandt. „Ihr wollt wissen, wer ich bin? Ich bin eure Abrechnung! Hier um die Zeit zu beenden, derer ihr euch schon viel zu lange erfreut. Ich bringe die alte Ordnung wieder in diese Welt! Bald schon, wird das Nichts sich wie ein Leichentuch auf euch legen und alles unter sich verrotten lassen“. Ein irres, tiefes Gelächter ging von ihm aus, das erschreckenderweise gar nicht nach ihm klang. Es hatte etwas Angsteinflößendes und bestialisches an sich, was die Freunde vor Furcht erzittern ließ. Mit einem breiten Grinsen wandte er sich wieder um, wobei das Gelächter immer noch nicht aufhörte. „Seht euren Freund“. Er deutete amüsiert auf den immer noch am ganzen Leib zitternden, kreidebleichen Gloomy, der mit beiden Hufen vollkommen verängstigt seinen Anhänger umklammert hielt, der noch schwerer geworden war und nun schon ein ziemliches Gewicht darstellte. „Er hat wohl als einziges die Gefahr erkannt. Aber euch werde ich auch noch überzeugen“.
„Gloomy!“, riefen seine Freunde allesamt erschrocken, als sie es erst mitbekamen. „Was ist mit dir? Ist alles in Ordnung?“. Da knurrte Twilight plötzlich auf, stellte sich mit bereits leuchtendem Horn erneut dem schwarzgrauen Pony entgegen und sprach wütend: „Du Mistkerl! Es wird niemals soweit kommen, denn wir werden dich aufhalten!“. Damit stand sie nicht allein. Die anderen rückten zu ihr auf, mit grimmigen Mienen. Applejack scharrte schon mit ihren Hufen und Rainbow hatte sich in die Luft erhoben und schlug die ihren kampfbereit gegeneinander. Rarity hatte sich auf die Hinterbeine gestellt und fuchtelte nun irgendwie Kung-Fu artig in der Luft herum. Pinkie atmete von Zorn erfüllt unkontrolliert mit zusammengebissenen Zähnen ein und aus und stampfte dabei die ganze Zeit wild auf. Fluttershy hielt sich etwas im Hintergrund und schluckte nervös. Aber sogar sie versuchte tapfer zu sein und rückte dichter heran.
„Na komm schon, Gloomy!“, flüsterte Spike, der immer noch besorgt neben ihm stand und ihn nun ermutigen wollte. „Weißt du noch? Gemeinsam sind wir stark!“. Es funktionierte nicht. Gloomy hatte die fürchterliche Macht dieses namenlosen Pegasus in Aktion erlebt und wusste, dass sie ihm komplett unterlegen waren. Vor Angst konnte er keinen Muskel bewegen und wollte die anderen warnen. Aber er brachte einfach keinen Ton hervor.
Das Lächeln auf dem Gesicht des schwarzgrauen Pegasus wich einem finsterem Ausdruck und seine Augen verengten sich. Die Freunde wichen nun doch ängstlich vor ihm zurück, während er ganz langsam näher kam. „Narren! Ihr habt ja keine Ahnung, worauf ihr euch da eingelassen habt. Mit welcher Macht ihr es zu tun habt. Ihr dachtet, ihr schneit einfach so hier rein und durchkreuzt meine Pläne? Dachtet vielleicht sogar, ich wüsste nichts von euch? Hätte euch nicht längst bemerkt?“. Er bäumte sich vor ihnen auf und breitete dabei seine gewaltigen Schwingen vor ihnen aus. Dann verdunkelte sich die Atmosphäre um sie herum für einen Moment, dass sie nur noch die plötzlich weiß aufleuchtenden Augen des Pegasus in der Finsternis erkennen konnten. Aber war es überhaupt noch ein Pegasus? Einen Augenblick sah es nach etwas ganz anderem aus. Etwas großem, ähnlich einer Ziege mit gewaltigen Hörnern und auf zwei Hufen stehend. Dabei schallte seine Stimme im Raum wieder und klang auf einmal sehr tief und beinahe dämonisch: „BAAAHK! Gesocks! Ihr seid nichts, neben mir!“. Die Freunde zitterten jetzt am ganzen Leib, fast wie Gloomy und rückten immer dichter zusammen. Ehe sie sich versahen, waren sie auf einmal eingesperrt. Sie waren so weit zurückgewichen, dass sie in einer dieser Kammern standen, vor denen sich nun magisch, hellblau leuchtende Gitterstäbe gebildet hatten. Das schwache Licht war wieder zurückgekehrt. Der Bösewicht, nun wieder eindeutig als Pegasus, stand gegenüber auf der anderen Seite der Gitterstäbe und sah ihnen nun mit ausdrucksloser Miene entgegen. „Ihr habt versagt. Aber es wäre zu leicht, euch jetzt zu töten. Ihr sollt alles miterleben. Den Moment, wo unsere Hufe aufstampfen. All das, was ihr nicht im Stande wart zu verhindern…“.
„Herr!“, wandte Chamumps plötzlich laut ein, worauf das Pegasus genervt aufstöhnte und die Augen schloss.
„Was?“.
„Es gibt Komplikationen. Der Chubbel ist misstrauisch geworden, wegen eurer Aktionen“.
„Es ist deine Aufgabe, ihn hinzuhalten. Willst du mir gerade sagen, dass du nicht einmal das hinbekommst?“. Das Pegasus hatte sich nicht gerührt und stand immer noch, Chamumps dem Rücken zugewandt und mit geschlossenen Augen herum. Chamumps zögerte und schluckte nervös, bevor er antwortete: „Ich tue mein bestes. Aber sein Vertrauen in mir bröckelt auch schon. Es wird gemunkelt, dass wir Besucher haben. Die merkwürdigen Vorkommnisse in letzter Zeit, zum Teil hervorgerufen durch die Saudens, die bereits unser Land untertunnelt haben, diese Ponys... Es ist bis zum Chubbel vorgedrungen“.
„Na und? Fremde reden doch. Erklär es ihm einfach und er wird Verständnis haben, weswegen sie im Knast sitzen“.
„Das wird er nicht akzeptieren. Noch herrscht hier die von Chanubal eingeführte Politik und die war stets darauf ausgelegt, dass dieses Land freundlich gegenüber Gästen...“. Da wurde das Pegasus plötzlich wütend, löste sich vor ihnen in einer schwarzen Wolke auf und erschien wieder ganz dicht vor Chamumps, den er sogleich mit einer unsichtbaren Kraft gegen die Wand drückte.
„Mein lieber... wie sagt ihr immer? Ach ja! Er hat nichts getaugt“. Das Pegasus lachte einmal freudlos auf, bevor er drohend fortfuhr: „Chanubal ist tot! Und du wirst ihm schon bald folgen, wenn du nicht augenblicklich diese Situation unter Kontrolle bekommst“.
„J-Ja, Herr“, erwiderte Chamumps kleinlaut.
„Es ist bald geschafft. Die Saudens rücken immer näher und dann ist hier sowieso alles vorbei. Aber sie müssen unentdeckt bleiben! So einfältig die Chubbis auch sind, wir dürfen sie nicht unterschätzen...“. Er hielt auf einmal inne, als ein lautes Gerumpel und Gepumpel von der stufenlosen Wendeltreppe ertönte. Gleich darauf verwandelte sich das schwarzgraue Pegasus zurück in einen Chubbi. Bei dem Krach handelte es sich um eine Kugel, welche die Treppe herunterrollte. Sie machte ruckartig auf ihrer Etage Stopp und richtete sich auf.
„Was ist hier los?“, dröhnte die Stimme des Chubbi auch schon durch den Gang, während er ihnen misstrauisch entgegensah. Aufgeregt riefen die Freunde sogleich wild durcheinander: „Wir brauchen Hilfe!“, „Er ist nicht der, für den er sich ausgibt!“, „Du darfst ihm nicht trauen!“. Der Chubbi stöhnte genervt auf, ließ den Kopf hängen und fügte hinzu: „Ich verstehe schon“. Für einen kurzen Moment dachten sie, er hätte begriffen. Aber da sprach der getarnte Chubbi: „Ja. Sie haben sich strafbar gemacht und auf Anweisung des Chubbel höchstpersönlich, sollen sie nun hier sein“.
„Das glaube ich nicht“, wurde plötzlich widersprochen, was die Freunde erneut hoffen ließ. „Aber mir soll‘s recht sein“. Sofort empörten sie sich lauthals, aber es nützte nichts. Die Chubbis hörten ihnen nicht einmal mehr zu.
„Der Chubbel hat außerdem gesagt, dass jemand auf sie aufpassen soll. Also tu das! Wir haben wichtigere Dinge zu erledigen. Ach ja... um die Etikette zu wahren“. Der als Chubbi getarnte Bösewicht, wandte sich nochmal mit einem fiesen Grinsen an die Freunde. „Verehrte Gäste! Gehabt euch…“.
„Hör sofort auf zu reden!“, brüllte der Chubbi vor der Treppe auf einmal mit vor Wut aufgeplusterten Wangen dazwischen. Der Fiesling stutzte daraufhin und warf dem Chubbi einen empörten Blick zu, bevor er zusammen mit Chamumps über die Wendeltreppe verschwand. Der andere Chubbi dagegen verblieb gleich dort, wo er bereits stand, um über sie zu wachen. Vielleicht hatte er sich sogar schon hingesetzt.

Die Freunde verharrten immer noch auf der Stelle und versuchten das zu verarbeiten, was eben geschehen ist.
„Das ist einfach alles so schrecklich“, kam es plötzlich unter Tränen von Fluttershy, aber niemand vermochte es, ihr jetzt Mut zuzusprechen.
„Das kannst du laut sagen“, stimmte Applejack ebenfalls niedergeschlagen zu.
„Dieser Bösewicht macht sich den inneren Konflikt dieser Chubbis und die Unbeschwertheit der Saudens zunutze und bringt sie gegeneinander auf. Sie tun mir ja so leid“, fuhr Fluttershy fort.
„Zu allem Übel sind wir auch noch hier eingesperrt. Der ganze Muff und das fehlende Sonnenlicht wird meinem Teint auf die Dauer nicht gut bekommen“, beklagte Rarity. Da sprang Pinkie auf einmal in der Zelle im Kreis und jubelte mit unangenehm schriller Stimme: „Wir dürfen alles miterleben. Wie schön! Wir hätten ihn noch nach Logenplätzen Fragen sollen!“.
„Was ist eigentlich mit euch los?“. Twilight sah ihnen zornig entgegen und begann hektisch in der Zelle auf und ab zu traben. „Es ist eine Katastrophe! Hier geht es nicht nur um Chuba oder die Saudens und auch nicht um uns oder Equestria. Und schon gar nicht um deine Mähne!“. Sie warf Rarity einen schiefen, tadelnden Blick zu. „Es geht um die ganze Welt!“.
„Wir müssen einen Weg hier rausfinden!“, warf Rainbow plötzlich ebenso wütend ein und stürmte ohne nachzudenken auf die leuchtenden Gitterstäbe zu.
„Rainbow, warte! Haltet sie auf!“. Applejack, Rarity und Spike versuchten sie an den Hinterläufen zu packen, aber es war zu spät. Twilight schloss die Augen und biss die Zähne zusammen. Sie wusste nicht was, aber sie erwartete etwas Fürchterliches. Rainbow glitt einfach durch die Gitterstäbe durch, als wären sie nicht da. Aber sie kam nicht auf der anderen Seite heraus, sondern Augenblicklich auf derselben, mit dem Kopf voraus und prallte unmittelbar gegen die drei gegen, die noch versucht haben sie aufzuhalten.
„Autsch“, machte sie nur, während sich vor ihnen alles drehte. Was aber sollten sie jetzt unternehmen? Da saßen sie nun und wussten weder aus noch ein, bis Rarity schon anfing vor Verzweiflung zu plärren, wie schrecklich doch dieser Ort sei.
„Ich werde uns retten!“, rief Spike plötzlich mit vor Stolz erhobener Brust, der im selben Moment auf einmal unheimlich mutig geworden ist. „Am Ende ist es doch immer eine Frage der Größe“. In diesem Fall könnte er recht haben, denn er war klein genug, sodass er in der Lage sein müsste, sich zwischen den Gitterstäben durchzwängen. Unabhängig davon, trat er allerdings wieder auf ihrer Seite heraus, sowie er hindurchgelaufen war. Er machte überrascht ganz große Augen und lächelte nervös.
„Was machen wir jetzt?“.
„Gar nichts“. Stille trat ein und sie blickten alle verblüfft zu Gloomy, der scheinbar seine Stimme wiedergefunden hatte, auch wenn sie ganz heiser klang. Sein Anhänger war wieder so federleicht wie zuvor, aber das machte die Situation auch nicht besser. Das Grauen stand ihm nach wie vor ins Gesicht geschrieben, während er noch immer zitternd am Boden lag.
„Es tut mir leid, wegen dem, was ich gesagt habe, Gloomy. Du hattest recht. Wir waren unvorsichtig“, sprach Applejack schuldbewusst, womit sie nicht als einziges den Kopf hängen ließ. Dann fuhr sie aber sofort mit kräftiger Stimme fort: „Aber wir dürfen uns jetzt auch nicht geschlagen geben! Wir können hier nicht einfach herumsitzen und nichts tun!“.
„Da hast du recht“, erwiderte Gloomy mutlos. „Wir können auch einfach sterben“. Den anderen stockte der Atem vor Schreck, während Gloomy seinen Anhänger anstarrte und dabei vor sich hin plapperte. „Er ist hier. Er ist wirklich hier. Ich habe von ihm geträumt. Es war ein Fehler einfach diesen Anhänger anzulegen. Aber ihn abnehmen? Niemals. Pa meinte doch zu mir, ich sei empfänglicher für das Nichts als andere? Vielleicht war es deswegen, weil die Bedrohung real existiert? Aber jetzt ist es zu spät…“.
„Wovon redest du da eigentlich?“, kam es erneut bestürzt von Applejack. Niemand sagte nun etwas. Dann sprach Twilight plötzlich ganz leise: „Du meinst den Namenlosen?“. Gloomy zögerte, nickte aber schließlich.
„Uhh…“, machte Pinkie auf einmal und blickte ihnen einen nach dem anderen mit gruselig leeren Augen über die Schultern, womit sie sich nun mittlerweile den ein und anderen aufgebrachten Blick einfing. „Der World Eater!“.
„Dieses finstere Alihorn, das wir in Ponyville auf Sweet Apple Acres getroffen haben?“, wandte Rainbow ein und kratzte sich verwirrt am Kopf. „Aber das hier war eindeutig ein Pegasus. Wenn auch ziemlich groß und… mit merkwürdig nackten ledernen Flügeln“.
„Vergiss nicht, dass er offenbar im Stande ist, seine Form zu verändern“, bemerkte Rarity scharf. Twilight schien kurz davor in Panik zu verfallen.
„Bei Celestia, was würde sie jetzt wohl… oh nein!“. Sie hatte die Augen auf einmal weit aufgerissen und wirkte noch entsetzter als vorher. „Spike! Hat sich Celestia einmal gemeldet?“. Als dieser das nur verneinte, begann sie ganz energisch auf und ab zu laufen. „Ich sollte sie doch auf dem Laufenden halten! Nicht einen einzigen Brief habe ich ihr geschickt. Oh nein, oh nein, oh nein, oh nein! Das wird sie mir niemals verzeihen! Sie wird mich nicht mehr als Schülerin haben wollen und…“. Die anderen blickten ihr fassungslos entgegen, während sie weiter vor sich hin prophezeite, wie böse ihr Celestia deswegen wohl sein wird.
„Ähm, Twilight?“, unterbrach Rainbow sie schließlich perplex. „Du könntest erst mal mit uns überlegen, wie wir hier rauskommen“.
„Ja“, stimmte Rarity etwas ungehalten zu. „Und danach müssen wir uns wegen diesem Tunichtgut Gedanken machen. Also nur, wenn es in deinen Augen wichtig genug ist“. Twilight verstand es sofort, schrak auf und rief: „Ja! Ihr habt ja recht“. Sie atmete mehrere Male tief durch und beruhigte sich endlich wieder. Dann fügte sie unmittelbar hinzu: „Nichts leichter als das! Ich könnte uns doch hier herausteleportieren! Mal sehen“. Ihr Horn leuchtete pinkfarben auf… aber etwas schien nicht zu stimmen. Sie biss die Zähne zusammen und brachte alle Kraft auf, die sie hatte, sodass sich sogar schon Schweißperlen auf ihrer Stirn bildeten. Dann verschwand sie aber und tauchte in der Kammer gegenüber wieder auf.
„Es hat funktioniert…!“, rief sie begeistert, worauf auf ihrer Seite aber augenblicklich ebenfalls magische Gitterstäbe aufleuchteten. Sie hatte sich nur in eine andere Zelle teleportiert.
„Das hat dann wohl nichts gebracht“, bemerkte Applejack.
„Es würde mehr Sinn machen, wenn du dich außerhalb der Zelle teleportieren würdest“, warf Spike weise ein.
„Ja, was du nicht sagst“, erwiderte Twilight mit gerunzelter Stirn. „Das habe ich ja versucht. Ich probiere es nochmal…“.
„Spar dir das“, warf Gloomy immer noch mit heiserer Stimme ein. „Auch wenn die Chubbis sich vielleicht nicht allzu sehr auf die Magie berufen, scheinen sie doch sehr bewandert darin zu sein. Du kannst dich hier nicht rausteleportieren“. Twilight seufzte missmutig auf und erschien kurzerhuf wieder in ihrer Zelle, worauf die Gitterstäbe auf der anderen Seite auch wieder verschwanden. Dann wandte sie sich ungehalten an Gloomy: „Was schlägst du dann vor?“. Gloomy lag immer noch auf dem Boden, zuckte nur mit den Schultern und wandte sich beschämt ab. „Das ist nicht dein ernst. Du willst nichts unternehmen?“.
„Hast du etwa Angst?“, wandte Rainbow herausfordernd ein. Sie wollte ihn damit aufstacheln, aber Gloomy hob lediglich seinen Kopf, sah ihr verzweifelt entgegen und sprach: „Natürlich hab ich Angst. Es wäre dumm, keine Angst zu haben. Ihr habt ja keine Ahnung, zu was dieser Schurke im Stande ist. Was er anrichten wird… wie die Zukunft der Welt aussehen wird“.
„Ich glaube, dass hat er uns vorhin gezeigt“, warf Fluttershy plötzlich kleinlaut ein, kauerte sich in einer Ecke zusammen und legte ängstlich ihre Hufe auf die Augen. Sie alle erinnerten sich an die Finsternis und die schreckliche Szenerie, die sich unmittelbar um sie herum abgespielt hatte. Da knurrte Applejack plötzlich, stampfte wütend auf und rief: „Und darum müssen wir das verhindern! Wir müssen ihn aufhalten!“.
„Ja und zwar alle zusammen“, wandte Rarity entschlossen ein.
„Genau! So wie in der Höhle mit dem Monstrum!“. Pinkie hatte überaus vorwurfsvoll gesprochen und schnaubte so wütend, dass es aus ihren Nüstern qualmte.
„Jetzt hör schon auf damit Pinkie! Solche Kommentare sind überhaupt nicht hilfreich…“, begannen sich die anderen nun schon aufzuregen, worauf Pinkie sich nur stumm und mit finsterer Miene abwandte. Gloomy jedenfalls gelang es nicht, seinen Mut wiederzufinden. Er musste nur die Augen schließen, da tauchten vor seinem geistigen Auge schon die schrecklichen Bilder der Vergangenheit wieder auf.
„Ich bin da nicht so mutig wie ihr“, wimmerte er und wandte sich wieder ab.
„Gloomy bitte!“. Twilight schien kurz davor zu verzweifeln. „Lass uns jetzt nicht im Stich. Ich weiß, wir können uns nicht vorstellen, was du damals im Nichts durchgemacht hast. Genauso wenig kennen wir die Stärke dieses… Pegasus oder was auch immer er ist. Und genau darum brauchen wir dich jetzt“.
„Ich habe uns all das eingebrockt. Wir sind der Macht dieses Übels doch gar nicht gewachsen. Wir können nichts gegen ihn tun“.
„Ganz egal, was geschieht, wir müssen es wenigstens versuchen!“, wandte Rainbow unruhig ein. „Wenn wir hier einfach nur herumsitzen, versagen wir auf jeden Fall!“.
„Außerdem, ist es vielleicht auch ein Glück, dass du uns hierhergeführt hast“, bemerkte Applejack auf einmal nachdenklich, worauf ihr alle überraschte Blicke zuwarfen. „Stellt euch mal vor, wenn wir nie hierher aufgebrochen wären“. Rarity machte ganz große Augen und fügte begeistert hinzu: „Ich weiß, was du meinst. Wir haben jetzt die Möglichkeit, ein schreckliches Unheil abzuwenden. Wir müssen diese Gelegenheit nutzen“.
„Siehst du es jetzt?“, fragte Twilight, erneut an Gloomy gewandt, dem bereits die Tränen in die Augen getreten waren. „Niemand macht dir einen Vorwurf, weil du uns hierzu überredet hast. Das tust allein du!“. Gloomy machte ganz große Augen und blickte noch einmal unsicher in die Runde.
„Ist das euer Ernst?“, fragte er. Sie lächelten ihm aufmunternd entgegen.
„Hey“. Applejack schloss andächtig die Augen und hob einen Huf, als wollte sie einen Schwur ablegen. „Bei meinem Element der Ehrlichkeit. Todernst“. Gloomy verstand nicht ganz, was sie damit meinte, aber das spielte für ihn jetzt auch keine Rolle. Er runzelte die Stirn und fügte immer noch verunsichert hinzu: „Aber habt ihr gar keine Angst?“.
„Natürlich haben wir Angst“, erklärte Applejack schmunzelnd. „Sogar Rainbow hat Angst. Stimmt’s?“. Diese stutzte auf einmal und antwortete stotternd: „Ähm… naja. Zugegeben. Nicht zu viel, aber schon ein bisschen“.
„Auf mich könnt ihr euch verlassen! Ich stehe direkt an eurer Seite“, stimmte Spike sofort tatenkräftig zu. Rarity zog unterdessen Fluttershy aus der Ecke und fügte hinzu: „Manchmal muss man eben seine Angst überwinden und Tapfer sein. So wie wir alle“. Fluttershy klapperte vor Furcht schon mit den Zähnen, worauf Rarity ihr hastig den Huf dagegenhielt, um dem Einhalt zu gebieten und nervös zu lächeln begann.
„Und du stehst nicht allein da“, kam es zu guter Letzt noch von Twilight, die mit fest entschlossener Miene nun direkt neben Gloomy stand und ihm ihren Huf anbot. „Wir gehen da alle gemeinsam durch“. Gloomy zögerte, fand aber endlich seinen Mut wieder. Er nahm ihren Huf entgegen und ließ sich wieder auf die Beine ziehen. Da musste er plötzlich unweigerlich anfangen zu lachen. Kein Wunder, dachte er. Schließlich hatten sie ja sogar Nightmare Moon besiegt, auch wenn er nicht wusste, wie sie das eigentlich angestellt haben. Er hatte deswegen nie nachgefragt. Wieso eigentlich nicht? Das musste er unbedingt noch nachholen.
„Ihr seid wirklich Helden“, bemerkte er ermuntert.
„Wir alle!“, korrigierte ihn Applejack zuversichtlich.
„Wirklich toll das ganze“, ertönte plötzlich eine gelangweilte Stimme, die sie allesamt verwundert dreinblicken ließ. Es war Pinkie, die allein in der Ecke lässig auf der Seite lag, dabei ihren Kopf auf den Huf aufstützte und mit halboffenen Augen zu ihnen hinüberstarrte. „Fühlst du dich jetzt wieder wohl? Das bringt uns nur auch nicht weiter. Hast du nach all dem Aufwand für deine Aufmunterung, jetzt wenigstens auch einen Plan, wie wir hier herauskommen?“. Gloomy stutzte verlegen. Abgesehen von ihrem merkwürdigen Verhalten, hatte sie damit aber recht.
„Ähm… tatsächlich habe ich einen Plan, ja“, erklärte Gloomy nervös und wandte sich dem Chubbi zu, der immer noch etwas weiter weg von ihnen vor der Öffnung zur Wendeltreppe saß. „Hey, du da! Hallo! Wache!“. Er reagierte nicht. Erst nachdem Gloomy wild mit seinen Hufen winkte, wurde er aufmerksam. Er beugte sich nach unten, senkte dabei seinen Kopf und schaffte es auf diese Weise mit seinen kurzen Flossen, etwas von seinem Kopf zu nehmen, was nach Ohrenschützern aussah.
„Was ist“, maulte er daraufhin sofort.
„Ich habe mich gerade gefragt, ob du dich nicht mit uns unterhalten möchtest?“. Der Chubbi verzog auf einmal ganz empört das Gesicht und begann dabei ganz schwer zu atmen.
„Du hast wohl n‘ Knall! Wieso sollte ich mich denn unterhalten wollen? Will ich nicht! Und bitte antworte mir nicht auf die Frage“, wütete er.
„Und wenn wir trotzdem mit dir reden? Wäre das nicht mal eine nette Abwechslung?“, fragte Gloomy freundlich lächelnd. Der Chubbi ließ schon wieder genervt den Kopf senken und beugte sich erneut nach unten. Er setzte sich seine Ohrenschützer wieder auf und drehte sich mit den Worten: „Manchmal wünschte ich, ich könnte meine Augen auch so schließen, wie ihr“, in die andere Richtung, sodass er die Ponys nicht mehr sehen konnte.
„Du mich auch“, fügte Gloomy nur missgelaunt hinzu, bevor er sich wieder an die anderen wandte. „Ich hatte gehofft, wir können ihn vielleicht so reizen, dass er zu uns kommt. Dafür hätte er ja dann die Gitterstäbe entfernen müssen und wir hätten schnell weggaloppieren können… oder so“. Einen Moment trat Stille ein.
„Ähm“, machte Applejack dann zögernd. „Heißt das, das war schon dein Plan?“.
„Nun…“. Gloomy lächelte ihnen nervös entgegen. „Ja“. Niemand sagte dazu etwas, aber die Mindestreaktion bestand aus Hufen, die sich vors Gesicht geschlagen wurden.
„Typisch“, meldete sich Pinkie schließlich als erstes. „Aber das sind wir ja mittlerweile gewöhnt. Ist ja nicht so, dass du bisher sonderlich viel zu irgendwas beigetragen hättest, Wurmy Spellbane“.
„Pinkie!“, rief Rarity erschrocken und besorgt zugleich. „Das war wirklich gemein, Und außerdem stimmt das überhaupt nicht“.
„Oh, na wenn du das sagst, Rarity, Zickity“. Pinkie hievte auf einmal einen großen Hammer aus ihrer Mähne und schlug damit ohne Vorwarnung gegen die Wand hinter ihr, die aber kein bisschen nachließ. „Bei dem Gitter kann ich mir das ja wohl sparen oder? Na was soll‘s“. Die anderen verstanden nicht was los war und sahen Pinkie nur mit großen Augen an, während sie mit dem Hammer gegen das Gitter ausholte. Er glitt genauso durch, wie alles andere. Obendrein kam er natürlich auf ihrer Seite wieder raus und direkt auf ihren eigenen Kopf zu. Sie erschrak und reagierte sofort, indem sie den Kopf wie eine Schildkröte zwischen ihren Schultern zurückzog. Dann zögerte sie einen Moment, runzelte die Stirn, kratzte sich am Kinn und steckte den Hammer wieder zurück in ihre Mähne.
„Pinkie, was ist mit dir los? Du verhältst dich wirklich merkwürdig seit neuem“, fragte Applejack halb aufgebracht, halb erschrocken. Pinkie war schon immer bekannt für ihr sonderbares Verhalten. Aber das jetzt, ging weit darüber hinaus. Vor allem wo sie doch sonst immer selbst in den unpassendsten Momenten ihre Ausgelassenheit behielt.
„Oh, schimpfst du jetzt mit mir? So wie du mit ihm immer geschimpft hast, Quarreljack?“, tadelte Pinkie mit merkwürdig hoher Stimme und grinste ihr dabei völlig irre entgegen. Bevor Applejack etwas erwidern konnte, wandte Twilight plötzlich aufgebracht ein: „Das geht jetzt langsam wirklich zu weit!“.
„Ich wünschte, du würdest mal zu weit gehen, Shylight Debakel!“, erwiderte Pinkie von einem Moment zum nächsten auf einmal zornig und scharrte mit den Hufen. „Wenn du so gut in Magie bist, wie immer alle sagen, wieso hast du dann nichts unternommen? Wieso hast du dieses Monstrum nicht einfach mit deiner Magie erledigt? Dann würde unser Freund vielleicht noch leben!“. Sie verstanden jetzt erst, wovon sie eigentlich sprach. Aber wie kam sie jetzt plötzlich darauf? „Jetzt ist alles zu spät! Die Welt geht unter, wir verlieren alle unsere Freunde, alles was wir kennen und lieben, können rein gar nichts dagegen unternehmen und…“. Für einen Moment schien sie den Tränen nahe, aber dann stellte sie sich plötzlich kerzengerade auf. „Hört mich nur an! Tolle Freundin bin ich, was? Ich erteile euch jetzt eine Lektion, in Sachen, wie man sich selbst eine reinhaut“. Sie stürmte vor das Gitter, stellte sich auf die Hinterbeine und hob ihre Hufe wie zum Kampf nach oben. Dann langte sie nach vorn durch die Gitter, womit sie sich selbst traf. „Nimm das – und das dafür – das du so bist – wie du bist!“. Die anderen stürmten eilig herbei und zogen sie von dort weg, bevor sie sich noch ernsthaft selber verletzte.
„Hör damit auf!“, rief Rainbow und versuchte zusammen mit den anderen die unkontrolliert um sich schlagende Pinkie zu bändigen.
„Sag du mir nicht, was ich tun soll, Rainbow Crash!“.
„Pinkie“. Diesmal war es Fluttershy, die gesprochen hatte und nun vorsichtig aus ihrer Ecke kam. Pinkie hatte darauf endlich inne gehalten. Offenbar wollte sie sich gegenüber Fluttershy zusammenreißen, aber es schien sie alle Mühe zu kosten. Sie atmete ganz unkontrolliert und hatte die Zähne zusammengebissen. Fluttershy selbst wirkte überraschend ruhig und trat ganz sachte an sie heran. „Ich verstehe wirklich, wie du dich fühlst“, begann sie traurig. „Aber du ehrst das Andenken von Sniven nicht, indem du jetzt uns gegenüber die Beherrschung verlierst“. Da erschrak Pinkie und riss die Augen ganz weit auf. Für die nächsten Augenblicke trat Stille ein, in der niemand wagte einen Mucks von sich zu geben. Dann füllten sich Pinkies Augen mit Tränen, ihre Lippen bebten förmlich und sie fiel von heftigen Schluchzern gepackt direkt in Fluttershys Hufe.
„Es tut mir so leid“, rief sie. „Das ist alles zu viel für mich. Die ganze Zeit schon gehen mir all diese Gedanken durch den Kopf. Die Sache mit den unglücklichen Chubbis… ich würde diese niedlichen, pummeligen Wesen so gerne fröhlich machen. Sie alle zum Lachen bringen… aber ich kann es einfach nicht. Ich bin immer noch so schrecklich traurig wegen unserem verlorenen Freund. Dann kam dieser World Eater wieder an und… Ab sofort müssen wir immer unglücklich sein!“. Fluttershy tätschelte sie behutsam, während Pinkie sich bei ihr ausweinte und dabei in hoher Geschwindigkeit ihren Kummer aussprach. Gloomy blickte ihr ganz erstaunt entgegen. Er wusste gar nicht, dass Pinkie so feinfühlig war. Bevor sie die Stadt der Chubbis betreten haben, war Pinkie einfach nur traurig. Aber danach war sie wie ausgewechselt und nahezu unausstehlich. Die Zwietracht unter den Chubbis hatte sie offenbar zutiefst mitgenommen und ihre Traurigkeit in Wut umgewandelt. Aber waren die Chubbis wirklich so unglücklich?
Gloomy dachte darüber nach, während sie alle jetzt nicht mehr tun konnten, als herumzusitzen und abzuwarten. Dabei lag er einfach nur auf dem Rücken und starrte an die Decke. Die Stimmung war allgemein sehr bedrückt. Pinkie saß mit immer noch traurig herunterhängender Mähne zusammen mit Fluttershy in einer Ecke. Rainbow lag mit halboffenen Augen vor dem magischen Gitter und beobachtete gelangweilt ihren eigenen Huf, wie er ihr dort hindurch gestreckt wieder entgegenkam. Twilight stand als einzige aufrecht mitten in der Zelle und dachte sich immer noch einen Zauber nach dem anderen aus, der sie vielleicht retten könnte. Zumindest vor einer Weile noch. Mittlerweile sah sie dem magischen Gitter auch nur noch hoffnungslos mit hängendem Kopf entgegen und rührte sich nicht mehr. Applejack und Rarity saßen Schulter an Schulter an der Wand lehnend auf dem Boden und starrten Löcher in die Luft, wobei Applejack nebenbei mit gerunzelter Stirn auf einem Grashalm herumkaute. Spike hatte sich anfangs noch einen Spaß daraus gemacht und lief durch das Gitter hindurch stetig auf und ab. Inzwischen stand er ebenso geknickt wie Twilight, mit bis auf den Boden hängenden Armen neben ihr herum.
Es war einfach schrecklich, nichts unternehmen zu können. Wie spät war es inzwischen? Wie lange waren sie überhaupt schon hier und wie viel Zeit blieb ihnen noch, bis zum Angriff der Saudens? Sie saßen also hier fest und waren sogar mittlerweile schon so trübsinnig, dass sie gar nicht mitbekamen, wie mitten in ihrer Zelle auf einmal eine Koboldartige Kreatur, mit großen abstehenden Ohren und spitzer Nase stand und sie breit bis über beide Ohren angrinste. Sie war in schmutzig bunte Kleider gehüllt und trug eine Narrenkappe auf dem Kopf. Gloomy bemerkte den Kobold, der nicht viel größer war als ein Pony und dachte sich nichts dabei. Dann sperrte er plötzlich die Augen auf und sprach mit tonloser Stimme: „Freunde, wir sind nicht mehr allein“. Da wurden die anderen nun ebenfalls aufmerksam und erschraken für einen Moment.
„Ich habe gehört, hier gibt es Lektionen darin, wie man sich selber eine reinhaut“, der Kobold hatte eine hohe, nasale Stimme, als würde man sich beim Sprechen die Nüstern zuhalten. Die Freunde waren zunächst viel zu überrascht von seinem plötzlichen Auftauchen und starrten ihm nur stumm entgegen. „Ich kenne da so einige Lektionen und bin immer auf der Suche nach neuen oder sogar besseren. Was haltet ihr davon – ich verrate euch eine von meinen und ihr verratet mir die eure“.
„Wer bist du?“, fragten die anderen schließlich alle gleichzeitig. Der Kobold grinste noch breiter.
„Heheja“, machte er plötzlich. „Sie nannten mich mal Bunsenbrenner“. Auf die verwirrt blinzelnden Gesichter der Freunde fuhr er unmittelbar fort: „Der rührt daher, dass ich mal mit meinem Kopf über so einem Ding gehangen habe“.
„Oh je, wie grausam“, erwiderte Fluttershy entsetzt. „Wer hat dir das nur angetan?“. Da begannen die Augen des Kobolds plötzlich vor Freude zu leuchten.
„Na ich selbst! Und es war sehr qualvoll“. Während er das sagte, wirkte er beunruhigend zufrieden. Überhaupt grinste er die ganze Zeit unaufhörlich vor sich hin, was ziemlich irritierend war. Er wirkte zwar nicht gefährlich, machte aber auch keinen allzu vertrauenserweckenden Eindruck. Ein schweigen trat ein, denn so recht wusste niemand, was sie davon halten, geschweige denn dazu sagen sollten. Twilight schüttelte sich schließlich und fragte: „Wie bist du hier reingekommen? Oder... wo kamst du eigentlich her?“.
„Ich habe mich gebeamt“.
„Geb-... Du meinst, du hast dich teleportiert?“.
„Ja genau“.
„Oh je. Tut mir leid dir das sagen zu müssen“. Applejack richtete sich nun auf und wandte sich betrübt an den Kobold. „Aber du bist jetzt hier genauso gefangen wie wir. Du kannst dich hier nicht mehr herausteleportieren“.
„Hmm“, machte der Kobold und starrte immer noch grinsend an die Decke. „Vielleicht könnt ihr das nicht. Finden wir es heraus. Berühren!“. Er schnellte auf einmal hervor, packte einen Huf von der völlig verdatterten Twilight, als würde er mit ihr tanzen wollen und hob ihn nach oben über sich selbst. Dann drehte er eine Pirouette und... war zusammen mit ihr verschwunden. Mehr als das. Sie tauchten hinter dem magischen Gitter auf dem Gang wieder auf. Twilight machte ganz große Augen, vor Staunen, während die anderen begeistert aufjubelten und hoffnungsvoll an das Gitter herantraten. Da erschrak Gloomy.
„Seid still!“, rief er dazwischen, aber es war zu spät. Der Chubbi hatte seine Ohrenschützer schon wieder abgeworfen und sich umgewandt. Vor lauter Freude hatten sie das völlig vergessen. Er spähte den Gang entlang und erblickte den Kobold zusammen mit Twilight mitten darin stehen, worauf er augenblicklich schon wieder genervt aufstöhnte: „Och, nicht du schon wieder. Kannst du nicht mal in deiner eigenen Zelle bleiben?“. Twilight, immer noch verwirrt darüber, wie es dem Kobold einfach so gelungen war, richtete sich nun stotternd an den Chubbi: „Ähm, wir...“.
„Schweige gefälligst, wenn du mit mir redest! Und jetzt geh sofort in deine Zelle zurück! Sonst walze ich euch!“.
„Ja. Walze uns!“, erwiderte der Kobold aufgeregt auf beiden Beinen hin- und her hüpfend und dabei begeistert in die Hände klatschend.
„Nein! Walze uns nicht!“, widersprach Twilight erschrocken.
„Nicht?“. Verwundert blickte der Kobold Twilight von der Seite an. Dann grinste er wieder ganz wahnsinnig und wandte sich erneut an den Chubbi. „Na gut. Dann walze mich!“.
„Nein! Du willst auch nicht gewalzt werden!“. Twilight sah dem Kobold streng entgegen.
„Was bedeutet walzen eigentlich?“, kam es plötzlich verwirrt von Pinkie.
„Ein richtig schmerzhaftes Gefühl. Da bleibt dir die Luft weg...“, begann der Kobold zu erklären, aber Twilight unterbrach ihn: „Jetzt nicht! Hör uns bitte an“. Sie sah nun aufgebracht dem Chubbi entgegen und versuchte zu erklären: „Es wird bald etwas schlimmes passieren. Dieser Chubbi, der uns hier eingesperrt hat, ist in Wahrheit kein Chubbi. Er ist... ein Schurke und möchte euer geliebtes Chuba in den Abgrund stürzen“. Der Chubbi hatte den Blick gesenkt und schaute äußerst leidend drein. Es machte nicht den Anschein, ob er überhaupt zugehört hatte. Besonders nachdem er einfach nur antwortete: „Ich höre jemanden reden“.
„Bitte! Du musst uns glauben!“, rief Twilight verzweifelt. „Die Saudens werden bald hier sein und...“. Da hob der Chubbi schlagartig wieder den Blick, ruderte erzürnt ganz wild mit den Flossen und rief: „Bleib mir ja weg mit den Saudens! Mit diesen Wuslern wollen wir nichts zu tun haben! Und jetzt zurück in die Zelle!“.
„Na schön“, entgegnete Twilight plötzlich mit grimmiger, entschlossener Miene. „Du lässt mir keine Wahl!“. Ihr Horn leuchtete rosafarben auf, stärker und stärker und wie in der Höhle zuvor bereits, schoss sie einen weißen, rosa umrandeten Magiestrahl ab, der den Chubbi voll in den Kugelrunden Bauch traf. Dieser stand allerdings völlig unbeeindruckt da. Außer das er schon wieder genervt aufstöhnte. Der Strahl war einfach verpufft und hatte keinerlei Wirkung erzielt.
„Das hättest du besser auf mich anwenden sollen“, warf der Kobold plötzlich ein. „Diese Chubbis sind so gut wie immun gegen Magie“.
„Und das sagst du mir erst jetzt?“, erwiderte Twilight hysterisch. Der Chubbi gab plötzlich einen tiefen, dröhnenden Kampfruf von sich.
„So! Jetzt wird gewalzt!“. Er plusterte sich auf. Sein Körper und seine Wangen schwollen immer weiter an, bis er ganz kugelig war. Dann ließ er sich nach vorne fallen und rollte immer schneller werdend auf Twilight und den Kobold zu.
„Jetzt teleportier uns schon zurück!“, rief Twilight mit vor Schreck ganz hoher Stimme. Der Kobold sah der immer näher kommenden Kugel mit einem strahlenden Gesichtsausdruck ganz begeistert entgegen. Dann stutzte er auf einmal.
„Du hast recht. Ich will leeeeben“. Das letzte Wort zog er merkwürdig in die Länge. Gerade drohte die Kugel über sie hinwegzurollen, da fanden sich die Beiden schon wieder in Sicherheit hinter den magischen Gitterstäben bei den anderen. Der Chubbi bremste sehr schnell wieder ab, watschelte nun gemächlich vor ihre Zelle und schnauzte hindurch: „Und du geh endlich wieder in deine eigene Zelle!“. Er deutete mit seiner Flosse auf den Kobold. Zu mehr kamen sie nicht, denn alles weitere ging sehr schnell. Die Freunde sahen nur aus den Augenwinkeln, wie etwas mit hohem Tempo den düsteren Gang von der Wendeltreppe zu ihnen entlangeilte und ein Schatten sich in die Lüfte über den Chubbi erhob. Gleichzeitig ertönte ein tsching, ein laute metallenes Klirren, gefolgt von einem fürchterlichen, krächzenden Kampfschrei: „NYYYAAAHHH!“. Zu ihrer aller Überraschung war eine Ratte auf das Haupt des Chubbis gehechtet und hielt diesem sogleich messerscharfe Klauenhände an die breite Kehle. „Mich lautloser Killer, ja-ja!“.
„NEIN!“, rief Gloomy augenblicklich. Die Freunde waren allesamt noch ganz verschreckt. „Ich bitte dich, tu es nicht! Er hat doch überhaupt nichts getan“. Völlig perplex hielt die Ratte tatsächlich inne und blickte ihnen mit großen Augen entgegen. Diese Ähnlichkeit… Pinkie hatte bereits die Stirn gerunzelt und musterte die Ratte aufmerksam. Die Ratte wandte sich wieder an den Chubbi und lispelte ohne zu zögern: „Wie wäre es mit einer Ormsching-Opfergabe? Dann würde ich dich leben lassen“. Der Chubbi stöhnte auf einmal missmutig auf und erwiderte: „Ich denke du bist ein lautloser Killer? Dann kill mich auch ohne zu reden!“. Aber die Gelegenheit war vertan. Der Chubbi blähte sich auf und gefährliche Stacheln fuhren plötzlich überall aus seinem Körper hervor. Die Ratte erschrak und sprang mit einem Satz von dem Chubbi weg.
„Au-Au-Au...“, machte er, hüpfte hektisch auf einer Pfote herum und pustete dabei gegen die andere. Bevor irgendjemand noch etwas einwenden konnte, kam es offenbar zum Kampf zwischen den beiden. Der Chubbi verblieb in seiner kugeligen Form und rollte ohne Vorwarnung auf den Sauden zu, der wiederum instinktiv reagierte und sich gerade noch mit einem Sprung hinter den Chubbi retten konnte, der weiter den Gang hinabrollte. Die Ratte begab sich mittlerweile in Stellung, als würde sie gleich zu einem Sprint ansetzen, während der Chubbi sich langsam herumdrehte, dröhnend aufbrüllte und erneut auf den Sauden zurollte, auf dessen Gesicht sich ein heimtückisches Grinsen gebildet hatte. Die Freunde besahen sich voller Angst und Ehrfurcht das Schauspiel. Was sollte die kleine Ratte gegen diesen Koloss ausrichten? Unaufhaltsam kam die Kugel auf sie zugerollt. Da begab sich die Ratte erneut Ninja-artig in die Luft, über den Chubbi mit mehreren Rollen hinweg, als es gleichzeitig knallte und grün-braune Blitze den Chubbi aus unmittelbarer Nähe von oben trafen. Elegant landete die Ratte auf allen Vieren und steckte sogleich mit einem: „Nihehahaha“, das bereits bekannte Donnerding weg, welches er auch bei den Ponys schon einmal angewandt hatte. Es machte zunächst nicht den Anschein, als hätte es eine Wirkung bei dem Chubbi erzielt, außer, dass dieser beim Rollen grün-bräunlich zu blitzen begonnen hatte. Er konnte nicht mehr anhalten und rumpelte unter brummenden und knisternden Geräuschen die Wendeltreppe hinunter. Mit einer beinahe dramatischen Pose, wandte die Ratte sich zu den Freunden um und sprach: „Entgegen den Versprechungen fand uns noch kein Ormsching“. Sie waren alle noch viel zu erstaunt, um darauf einzugehen. Pinkie machte inzwischen schon ganz große Augen und starrte der Ratte mit offenem Maul entgegen. „Ponys - allein wie immer aufgeschmissen! Was würden sie nur ohne uns tun?“.
„SNIVEN!“, riefen sie alle gleichzeitig fassungslos. Pinkie strahlte über das ganze Gesicht, fiepte ganz aufgeregt und trappelte dabei wild auf dem Boden herum. Ihre Mähne puffte auf zu ihrer natürlichen zuckerwattenartigen Beschaffenheit, wie in einem Backofen. Sogar Rarity konnte ihre Begeisterung nicht zurückhalten und rief: „Ich habe mich noch nie so sehr über diesen Rattengeruch gefreut wie jetzt“. Sniven vergrub voller Verlegenheit sein Gesicht in den Pfoten.
„Ponys wohlauf. Sniven ist glücklich Ponys und kleines Feuerkäferlein wiederzusehen, ngah, ngah“.
„Manche Dinge ändern sich wohl nie“, erwiderte Spike seufzend. Weiter kam er nicht, denn Pinkie war auf einmal wie eine Rakete hervorgeschossen, durch das Gitter hindurch auf den Gang und knuddelte Sniven ganz doll.
„Ich hab dich ja so vermisst. Wir alle! Wir haben uns schreckliche Vorwürfe gemacht, weil wir dich zurückgelassen haben…“.
„NAH! Aufdringliches, gefährliches Ponyding!“, rief Sniven verstört und versuchte sich dabei vergeblich von ihr zu lösen. Die anderen blickten Pinkie völlig verdattert an. Rainbow streckte testweise ihren Huf durch das Gitter, der ihr auch sogleich wieder entgegenkam und schüttelte anschließend nur den Kopf. Niemand sagte etwas dazu, wie Pinkie das schon wieder gelungen war. „Lassen sein-sein! Chubbis aufmerksam! Chubbis bald hier-hier!“.
„Da hat er recht. Wir müssen uns beeilen!“, fügte Applejack hinzu.
„Kennst du einen Weg aus dieser Zelle, Sniven?“, fragte Twilight hoffnungsvoll. Sniven gelang es endlich sich von der immer noch strahlenden Pinkie zu lösen. Dann blickte er zuerst auf die Gitter und anschließend wieder zu Pinkie, wobei er sich verwundert am Kopf kratzte. Offenbar kannte er das magische Gefängnis der Chubbis und wusste selber nicht, wie Pinkie es gelungen war hinauszugelangen.
„Das sollte doch kein Problem mehr sein“, bemerkte Gloomy und richtete sich an ihren koboldartigen, mystischen Zellengenossen, der im Moment völlig unbeschwert hinter ihnen im Kreis herumtanzte. „Kannst du uns nicht hier heraus beamen?“. Der Kobold tanzte einfach weiter. Er grinste über beide Ohren und erwiderte: „Und was kriege ich dafür?“.
„Was sollen wir dir schon geben, außer dem, was du hier siehst?“. Da hielt der Kobold auf einmal inne und schüttelte energisch den Kopf.
„Näääh!“, antwortete er wieder merkwürdig langgezogen. „Ich will die Lektion lernen, wie man sich selber eine reinhaut. Vielleicht kenne ich die noch nicht“.
„Ist das dein ernst?“, fragte Rainbow mit gerunzelter Stirn. „Die kann ich dir sogar verraten. Du stellst dich einfach vor das Gitter und haust mit deinem Huf dagegen… oder was immer du da auch hast. Der kommt dann zurück und trifft dich selber. Da hast du deine Lektion“.
„Nicht doch, Rainbow“, wandte Twilight plötzlich ein. „Er meint bestimmt irgendetwas anderes, was wir nur nicht verstehen…“. Doch der Kobold blickte auf einmal sehr enttäuscht drein und unterbrach sie mit einem lauten schnauben: „Ist das alles? Wie enttäuschend. Darauf bin ich schon lange gekommen“. Es hielt aber nicht lange an, da grinste er schon wieder und fuhr gut gelaunt fort: „Aber ich helfe euch trotzdem“. Ohne zu zögern, klatschte er zwei Mal in seine Hände und ehe die Freunde sich versahen, fanden sie sich auch schon mitten auf dem Gang wieder. Der Kobold tanzte unterdessen völlig unbeschwert weiter in der Zelle im Kreis, während die Freunde in Freudenrufe ausbrachen.
„Was ist mit dir? Kommst du nicht mit?“. Der Kobold schüttelte den Kopf und antwortete: „Näääh! Ich bin kurz davor qualvoll zu verhungern“. Sie hielten allesamt entsetzt inne.
„Oh, du ärmster“, kam es mitleidvoll von Fluttershy. „Geben sie dir etwa gar nichts zu essen?“.
„Sie haben es versucht“, antwortete der Kobold mit dem erneuten Anflug eines Lächelns, wobei seine Augen wieder ganz irre vor Begeisterung leuchteten. „Aber ich habe abgelehnt“. Niemand sprach nun ein Wort, während sie dem Kobold nur verständnislos mit großen Augen entgegenblickten. Da ertönte aber schon wieder ein rumpeln von der Wendeltreppe.
„Nah“, machte Sniven sofort aufgeschreckt. „Keine Zeit dafür! Wir – schnell-flink…“.
„DA VORN WIRD GEWUSELT!“, dröhnte es plötzlich den Gang entlang. Ein Chubbi mit wild rudernden Flossen war vor der Treppe erschienen und blickte ihnen ganz aufgebracht entgegen, dicht gefolgt von einem zweiten.
„Nah!“. Sniven erschrak mit einem Sprung in die Luft und flitzte auch schon wieder davon. „Sniven entdeckt! Weg-weg-weg“. Die Freunde setzten ihm ohne zu zögern nach.
„Warte auf uns!“. Sicher würde es nicht mehr lange dauern, bis die Chubbis sich wieder zu Kugeln zusammenrollen würden und tatsächlich vernahmen sie auch schon das laute rumpeln hinter sich. In ihrer Panik achteten sie gar nicht darauf, wo sie eigentlich langliefen. Aus dem Gefängnis-Part durch einen Torbogen hinaus gelangten sie in einen großen prächtigen Saal, erhellt von einem Kronleuchter, mit magisch weiß funkelnden Lichtern. Mehrere Säulen, die hier in gleichmäßigen Abständen im Saal verteilt standen und das Licht teilweise blockierten, ließen ihn wiederum etwas düster wirken. Von Sniven fehlte wieder jede Spur. Da knallte es plötzlich weit hinten am Ende des Saals auf und eine Rauchwolke verbarg den weiteren Weg, hinter dem dortigen Tor.
„Sniven? Bist du…“.
„Hierher, Ponydinger!“, ertönte es auf einmal aus einer Nische hinter den Säulen unweit von ihnen entfernt. Sniven winkte sie hektisch zu sich heran und bedeutete ihnen still zu sein. Es dauerte keinen Moment, da rollten auch schon zwei, drei, vier Chubbis herein. Sie blieben nur kurz mitten im Saal stehen, rollten sich sofort wieder zusammen und in Richtung des Rauches, den Sniven scheinbar als Ablenkung ausgelegt hatte. Gerade atmeten sie alle erleichtert auf, da ertönte auf einmal Spikes Stimme: „Was machst du denn nun schon wieder?“. Sniven schnupperte ganz aufgeregt an dem kleinen Drachen herum und hüpfte erfreut auf und ab.
„Alle munter-wohlauf? Gut-gut. Ponys weitergehen auf eigenen Pfoten“. Sie waren nicht sicher, ob sie ihn richtig verstanden hatten.
„Wie bitte? Du hast uns gerade aus der Gefangenschaft befreit und lässt uns jetzt hier einfach zurück?“, fragte Rarity geschockt.
„Du musst uns helfen zum Chabel zu kommen“, bat Gloomy. „Wir müssen unbedingt mit ihm sprechen“. Es war schon etwas merkwürdig, dass von Sniven zu verlangen, denn eigentlich wollten sie die Chubbis ja vor den Saudens warnen und herausfinden, was es mit dem verlorenen Futter auf sich hat. Außerdem mussten sie noch irgendwie Kontakt mit Lord Snjolk aufnehmen. Wie sollten sie das alles nur alleine schaffen? Sniven schüttelte schon ganz hektisch den Kopf.
„Keine Zeit-Zeit. Gefängnis lag nur zufällig auf dem Weg – Gefängnisse der Chubbis – unüberwindbar. Ponys danken komischer Kreatur“. Sniven hielt einen kurzen Moment inne. Sicherlich hatte er gerade vom Kobold gesprochen. „Sniven auf wichtiger Mission – muss erfüllen, ja-ja. Chubbis jagen Sniven“.
„Aber uns jagen sie doch auch…“. Sniven hörte ihnen aber schon nicht mehr zu und hatte sich längst abgewandt. Dann hielt er noch einmal inne und wandte sich mit einem schiefen Blick zu Rainbow um.
„Unbeliebt!“, rief er ihr nur zu und war damit Augenblicklich verschwunden. Rainbow schlug sich den Huf vor die Stirn.
„Bei Celestia, ist der nachtragend! Der hat das immer noch nicht vergessen“, bemerkte sie frustriert.
„Also schön. Jetzt sind wir also wirklich auf uns allein gestellt“, wandte Twilight tief ein- und ausatmend ein, als würde sie sich selbst beruhigen wollen.
„Wir könnten doch einfach wieder zurück und die Wendeltreppe raufgehen. Dort gelangen wir zum Chabel“, schlug Applejack vor, aber Twilight schüttelte den Kopf.
„Das ist mir zu riskant. Was wenn uns in dem Moment die Wache aufgreift? Ich möchte eine Auseinandersetzung mit den Chubbis vermeiden. Nachher enden wir wieder in der Zelle… oder schlimmeres!“.
„Ach was. Wir erklären es ihnen und dann wird alles gut“. Pinkie schien wieder die alte zu sein und hopste munter fröhlich neben ihnen herum, während sie angestrengt eine Lösung suchten.
„Diese Chubbis hören uns ja nicht einmal zu“, widersprach Rarity etwas ungehalten. „Man kann ihnen nicht mal eben so etwas erklären“. Als nächstes ertönte unweit von ihnen entfernt plötzlich ein genervtes Stöhnen.
„Wer redet denn da draußen die ganze Zeit!“. Die Freunde erschraken alle zusammen, aber es war zu spät. Ein Chubbi blickte den Ponys aus einem Torbogen entgegen, nur ein paar Huf von ihnen entfernt. Sie standen da, wie zu Stein erstarrt und konnten sich nicht bewegen. Sicherlich würde der Chubbi gleich…
„So ist es besser“, sprach er plötzlich nur noch und verschwand wieder. Die Freunde blinzelten und warfen sich gegenseitig verdattert Blicke zu.
„Vielleicht ist er ja keiner von den Wachen?“, flüsterte Rainbow. Vorsichtig traten sie auf den Torbogen zu. Dahinter offenbarte sich ihnen ein großer Raum mit zahlreichen edlen ebenfalls marmornen Tischen, die voll gedeckt waren mit Stoffen in allen möglichen Farben, Nadeln, Wollknäuel und Nähmaschinen. Er wurde hell durch das Licht beleuchtet, welches von hohen abgerundeten Fenstern hineingeworfen wurde, durch die man die Stadt überblicken konnte. Was schon etwas merkwürdig war, denn der Licht spendende Kristall schwebte doch eigentlich über dem Gebäude, in dem sie sich befanden?
Der Chubbi wirkte hochkonzentriert und ließ vor sich Nadel und Faden schweben, mit dem er wohl versuchte einen Teppich zu stricken. Dabei schien er jedoch der Verzweiflung nahe zu sein. Mehrere zerfranste, misslungene Teppiche waren bereits neben ihm gestapelt. Die Freunde verhielten sich still und sahen sich neugierig um. Aber da stöhnte der Chubbi auch schon wieder auf.
„Ich höre ungebetene Gäste“. Er wandte sich zu ihnen um und fügte hinzu. „Ihr Touristen. Was wollt ihr hier eigentlich?“. Es war doch seltsam, dass er sie ansprach, obwohl Chubbis es nicht mochten, wenn geredet wurde.
„Gute Frage. Gehen wir wieder“, erwiderte Spike stumpf, aber die anderen zögerten.
„Was genau machst du denn da?“, fragte Fluttershy verwundert.
„Wonach sieht’s denn aus? Ich stricke Wandteppiche“, erklärte der Chubbi ungeduldig.
„Aber wir haben hier noch nicht einen Wandteppich gesehen“, erwiderte Fluttershy zurückhaltend. Der Chubbi wimmerte auf einmal wieder leidend und ließ dabei den Kopf sinken.
„Vor langer Zeit war das mal anders. Aber das ist nur eine von vielen Künsten. Die sind uns längst verlorengegangen“, erklärte der Chubbi und klang dabei plötzlich auf eine erschreckende Weise merkbar traurig. Da stellte sich Pinkie auf einmal dem Chubbi mit dem Rücken entgegen und wandte sich mit gerunzelter Stirn flüsternd an die anderen: „Seht ihr? Ich sagte doch, sie sind traurig“. Der Chubbi hatte sich mittlerweile wieder seiner Arbeit zugewandt, als ihm plötzlich Pinkies Kopf direkt aus dem Wollknäuel entgegengeschossen kam.
„Ich bin mir sicher, wir können dir und den anderen wieder zu altem Glück verhelfen. Wäre das nicht toll, mein lieber pummeliger Dickfisch?“. Dabei grinste sie ihm breit entgegen. Jeder andere hätte sich da wohl erschrocken. Der Chubbi blieb aber völlig unbeeindruckt, außer, dass sich seine Miene verfinsterte und er sprach: „Du nennst mich fett und redest auch noch dabei? Ein Chubbi ist nicht fett! Wir sind groß“.
„Im Herzen sind wir doch alle groß“.
„Kannst du dich mir nicht mitteilen, ohne dabei zu reden?“. Plötzlich atmete Pinkie ganz begeistert auf und erwiderte: „Ich hätte da eine wunderbare Idee…“. Doch ehe sie diese Idee aussprechen konnte, blähte der Chubbi sich auf, rief dabei: „Ich walz dich!“ und ließ sich ohne große Vorwarnung nach vorne fallen.
„Pinkie! Pass auf!“, riefen die anderen, aber es war zu spät. Pinkie erschrak und wurde sogleich von dem dicken Kugelfisch gewalzt. Die anderen waren viel zu erschrocken, um einen Ton von sich zu geben.
„So, Gewalzt! Jetzt ist Ruhe“, schimpfte der Chubbi, rollte wieder zurück auf seine Beinchen und wandte sich wieder seinem Nadel und Faden zu. Vor ihm lag nun die platt gedrückte Pinkie, als würde sie zum Bodenbelag gehören.
„Pinkie? Ist alles in Ordnung?“.
„Autch“, lispelte sie, bevor sie sich unmittelbar wieder wie ein Luftballon aufblähte und weitersprach, als wäre nichts gewesen. „Meine Freundin Rarity, kann dir bestimmt bei deinen Teppichen helfen“. Der Chubbi zuckte auf und blickte ihr völlig verstört entgegen.
„Hörst du dann wenigstens auf zu reden?“. Da legte Pinkie ihren Huf auf die Brust und sprach zügig: „Huf aufs Herz, kannst mir vertrauen, will mir sonst ‘n Muffin ins Auge hau’n“. Mit den letzten Worten schlug sie sich tatsächlich einmal auf das geschlossene Auge und grinste wieder Breit über das ganze Gesicht.
„Wer ist denn hier die Rarität?“, fragte der Chubbi darauf seufzend in die Runde. Rarity trat kichernd vor und lief dabei rot an vor Verlegenheit.
„Oh, das bin dann wohl ich. Dürfte ich vielleicht auch deinen Namen erfahren?“.
„Chawanst. Und du bist also ein Wandteppichkenner?“, fragte dieser und sah ihr dabei misstrauisch entgegen. Rarity lächelte zaghaft, schluckte und fuhr fort: „Nun ja. Nicht speziell Wandteppiche. Sagen wir mal einfach ausgedrückt, ich komme ganz gut mit Nadel und Faden zurecht. Zumindest in Equestria reicht es aus“. Ein verächtliches Schnauben ertönte auf einmal. Es war Spike, der mit gerunzelter Stirn an Chawanst gewandt einwarf: „Das ist ja wohl gewaltig untertrieben. Sie ist eine Göttin, auf ihrem Gebiet“. Wieder kicherte Rarity und erwiderte nur: „Oh, Spike. Das ist wirklich süß von dir“. Dieser senkte den Kopf und lief ganz rot an vor Scham, während Twilight Augenrollend hinter ihm stand. Als nächstes zischte Chawanst bedrohlich auf und warf ihnen einen drohenden Blick zu.
„Alle ahnungslosen Ponys…“, er stutzte und warf Spike einen berechnenden Blick zu, bevor er fortfuhr: „Und andere schweigen jetzt gefälligst!“. Da stampfte Spike wütend auf.
„Ich bin ein…“. Aber die anderen hielten ihm den Mund zu und gaben Chawanst nur das Zeichen, dass sie verstanden hatten. Rarity atmete tief durch und wandte sich der Arbeit zu.
„Also schön, dann wollen wir doch mal sehen. Oh je… mein guter, du scheinst nicht zu wissen, was du da eigentlich tust. So kann das doch nichts werden. Nein, nein, nein, also wirklich, was für eine Verschwendung von Stoff. Aber ich will dir natürlich helfen. Andererseits…“. Sie hielt auf einmal inne und blickte Chawanst mit klimpernden Augen charmant entgegen. „Wärst du bereit im Gegenzug auch uns zu helfen?“. Der Chubbi seufzte wieder nur genervt und antwortete: „Alles, wenn du nur aufhörst zu reden“. Mittlerweile hatten sie sich an diesen Spruch schon gewöhnt, sodass sich Rarity darüber nicht einmal mehr aufregte und stattdessen kichernd antwortete: „Oh, es wird schwierig dir etwas beizubringen, wenn ich dabei nicht reden darf. Aber nun gut“.
So machte sie sich auch schon mit hellblau leuchtendem Horn daran, einen nagelneuen Wandteppich zu stricken und baute sogar die eine oder andere Verzierung dazu ein. Sie summte dabei leise und zufrieden vor sich hin, wobei sie sich dann und wann einen genervten Blick von Chawanst einfing, der ihr aber nicht auffiel. Der Chubbi saß unentwegt neben ihr und beobachtete jeden ihrer Schritte. Sie taten nun allesamt nichts anderes, als abzuwarten. Schließlich hatten sich die anderen schon etwas zurückgezogen und tuschelten aufgeregt miteinander.
„Ich hoffe Rarity ist klar, dass uns die Zeit wegrennt“, bemerkte Rainbow ungeduldig. Auch Twilight wirkte sehr besorgt und fügte hinzu: „Ich weiß nicht einmal mehr, wie viel Zeit uns eigentlich noch bleibt. Was wenn die Saudens jetzt angreifen? Dann war alles umsonst!“.
„Ich habe auch das Zeitgefühl verloren. Hier im Chuba scheint es sowas wie Tag und Nacht auch gar nicht zu geben“, gab Applejack zu bedenken. „Ganz zu schweigen davon, wie lange wir wohl eingesperrt gewesen sind“.
„Also mein Gefühl sagt mir irgendwie, dass wir noch einen Tag haben müssten“, warf Gloomy nachdenklich ein. Dann überkam ihn ein schmunzeln. „Außerdem muss Rarity sich die Zeit nehmen, die sie brauch. Schließlich hat sie doch einen Ruf zu wahren“.
„Ganz genau!“, warf Spike unbekümmert ein. „Sie würde niemals halbe Sachen abliefern“. Da schnaubte Rainbow verächtlich auf und antwortete: „Die Chubbis kennen ihren Ruf ohnehin nicht und uns muss sie nichts beweisen“.
„Stimmt es eigentlich, was der Namenlose erzählt hat?“, fragte Twilight plötzlich neugierig. „Ist Celestia wirklich so… bekannt außerhalb von Equestria?“.
„Selbstverständlich. Wobei…“. Gloomy zögerte nachdenklich. „Bekannt trifft es nicht ganz. Eher gefürchtet“.
„Die oberste Ratte, Lord Snjolk, hat sie doch sogar Sternbeschwörer genannt“, erinnerte Applejack. Gloomy nickte mild lächelnd und antwortete: „Ja. Ist nicht unbedingt eine verbreitete Fähigkeit. Und das schindet schon etwas Eindruck. Jetzt wo Luna wieder da ist, wird das vielleicht sogar noch zunehmen… vorausgesetzt wir können den Namenlosen aufhalten und das Unglück hier abwenden“. Pinkie räusperte sich auf einmal.
„Hey, Leute. Können wir uns nicht mal angewöhnen ihn World Eater zu nennen?“, fragte sie mit gerunzelter Stirn.
„Wozu soll das denn gut sein?“, fragte Gloomy unruhig.
„Na es passt doch. Er will die Welt zerstören“, erwiderte Pinkie schulterzuckend.
„Wieso dann nicht World Destroyer?“. Pinkie schüttelte den Kopf, trat auf einmal mit verständnisvoller Miene an Gloomy heran und legte ihm einen Huf auf die Schulter.
„Du hast wirklich keinen Sinn für eine eindrucksvolle Namensgebung. World Destroyer? Wie klingt denn das? Außerdem haben wir uns doch schon damals in Ponyville geeinigt“.
„Eindrucksvolle…“, begann Gloomy aber Twilight unterbrach ihn: „Du wolltest etwas sagen, Fluttershy?“. Tatsächlich versuchte Fluttershy schon die ganze Zeit etwas einzubringen, brach aber jedes Mal wieder ab.
„Ähm, naja. Nur eine Frage. Was meinte der World Eater eigentlich damit, als er sagte, es würde uns leidtun, dass wir ihr Land betreten haben?“, fragte Fluttershy kleinlaut. „Wir haben doch gar nichts getan? Und welches Land meinte er?“. Gloomys Miene hatte sich nochmal kurzzeitig verfinstert, weil jetzt sogar schon Fluttershy diesen Namen benutzte. Abgesehen davon, erinnerte er sich aber noch gut daran, was Noma ihm erzählt hatte.
„Ich denke, dass hängt ganz davon ab, wer er – der Namenlose“, betonte er überdeutlich, mit einem Blick auf Pinkie, bevor er fortfuhr. „Wer er einmal war. Er hat sich ja vor unseren Augen in ein Pony verwandelt. So wie in Ponyville schon. Vielleicht war er früher sogar mal ein Pony? Vielleicht wurde ihm Unrecht getan? Jetzt schiebt er nur noch einen Hass auf uns und die ganze Welt und will sie in den Abgrund stürzen. Vornehmlich wohl uns Ponys. Deswegen hat er die Saudens auf uns angesetzt“. Gloomy zögerte einen Moment und fügte dann kopfschüttelnd hinzu: „Aber das ist nur eine Theorie“. Rainbow räusperte sich daraufhin und warf verwirrt ein: „Was gleich die nächste Frage bringt. Wieso hetzt der World Eater die Saudens auf Equestria und taucht dann anschließend dort auf, um sie wieder auf die Chubbis loszulassen?“. Das war allerdings eine gute Frage, auf die niemand eine Antwort wusste.
„So“, ertönte plötzlich Raritys Stimme, worauf sie sich alle erwartungsvoll umwandten. „Puh. Ich hoffe es gefällt dir. Zugegeben, es ist mein erster Wandteppich. Ich habe mir die größte Mühe gegebene, sie dem – Verzeih mir bitte – recht monotonen Stil eures Palastes anzupassen, sodass er ihn besser ausschmückt und etwas lebhafter wirken lässt“. In den Augen der Freunde, die bereits schon jubelnd mit den Hufen aufstampften oder in ihre Klauen klatschten, war ihr das gelungen. In der Mitte des Wandteppichs hatte sie den großen Kristall, der über Chuba schwebte gestickt.
Chawanst besah sich den Wandteppich eine ganze Weile lang mit ausdrucksloser Miene, während Rarity mit einem nervösen Lächeln schon langsam der Schweiß von der Stirn hinunterlief. Chawanst sah nun abwechselnd zwischen Rarity und dem Wandteppich hin und her. Täuschte es oder legte sich wirklich gerade ein sanfter Ausdruck über sein Gesicht?
„Es sind solche Kleinigkeiten, die unserem Volk eines Tages vielleicht wieder zu ihrem einstigen Glanz verhelfen“, sprach Chawanst auf einmal unerwartet rührselig. „Wie kann ich dem großzügigen Pony im Gegenzug helfen?“.
„Oh, danke vielmals“, entgegnete Rarity, über das ganze Gesicht strahlend. „Aber ich verlange nichts dafür. Ich habe es gern gemacht…“.
„Rarity!“, zischten ihr die anderen daraufhin zu, worauf sie stutzte und nervös anhing: „Oh, allerdings. Nun ja… Kannst du uns irgendwie dabei helfen zum Chabel zu gelangen? Wir müssen ihn unbedingt sprechen“. Da machte Chawanst plötzlich ganz große Augen und sprach mit einem mal wieder unruhig: „Dabei braucht ihr meine Hilfe nicht. Geht doch einfach zu ihm hin! Der schnellste Weg führt hier gleich rechts unter den Torbogen entlang, durch das Gefängnis und den Gang hinauf. Da muss ich euch auch nicht hinführen. Das kann man nicht verfehlen“.
„Naja, ganz so einfach ist das nicht. Weißt du…“, stotterte Rarity, nach den passenden Worten suchend. Aber das wurde kurzerhuf von jemand anderem übernommen.
„Wir sind vor kurzem aus dem Gefängnis ausgebrochen und werden momentan gesucht“.
„APPLEJACK!“, rief Twilight entsetzt, während Chawanst ihnen mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck entgegenblickte. Sie lächelte ihm nervös entgegen und versuchte ebenfalls stotternd zu erklären: „Ja… das stimmt schon. Aber eigentlich haben wir gar nichts verbrochen. Das musst du uns glauben! Wir…“.
„Was redet ihr da eigentlich? Wir werden doch gar nicht gesucht“. Pinkie hatte gesprochen und blickte den anderen genauso verwundert entgegen, wie Chawanst.
„Sei nicht albern, Pinkie“, erwiderte Rainbow aufgeregt. „Du bist doch vorhin mit uns vor den Chubbis geflohen, weißt du noch? Mit Sniven zusammen“. Pinkie blickte zunächst sehr überrascht drein. Dann lachte sie auf einmal auf, winkte gelassen ab und antwortete: „Ach deswegen. Ne, ich bin nur Sniven hinterhergelaufen. So wie ihr“.
„Soll das etwa heißen…“. Rainbow stockte nachdenklich, während Pinkie eifrig nickte und fortfuhr: „Genau. Die haben Sniven gejagt. Nicht uns“.
„Aber… das ergibt doch gar keinen Sinn“, bemerkte Twilight mit gerunzelter Stirn.
„Och“, machte Chawanst plötzlich genervt. „Wenn ihr würdet gejagt werden, dann wüsste ich davon. Ernste Angelegenheiten machen hier sofort telepathisch die Runde. So ist mir durchaus bekannt, dass hier ein Sauden gesucht wird“.
„Tele- was?“, fragte Spike verwundert.
„Gedankenübertragung“, erklärte Twilight kurz angebunden. Gloomy fiel es daraufhin wie Schuppen von den Augen.
„Und so macht das Ganze dann doch Sinn“, warf er unter den verständnislosen Blicken der anderen ein. „Wisst ihr noch, was Chamumps gesagt hat? Der Chubbel – das Oberhaupt nehme ich mal an – würde niemals einfach so akzeptieren, dass Gäste wie wir hier im Gefängnis sitzen. Vielleicht weiß außer dem schwarzgrauen Pony und Chamumps überhaupt niemand davon“.
„Du vergisst unseren Wächter“, wandte Applejack ein. „Der hat doch alles daran gesetzt uns wieder zurück in die Zelle zu verfrachten“.
„Ich nehme mal an, es war ihm einfach egal“, entgegnete Gloomy schulterzuckend. „Vielleicht hätte er uns sogar geholfen, wenn wir ihm nicht alle sofort zugerufen hätten“. Gloomy erinnerte sich an dessen Worte, Das glaube ich nicht. Aber mir soll‘s recht sein. „Unser Wächter hat sofort den Sauden telepathisch gemeldet, aber wir waren dann doch nicht wichtig genug…“.
„Dann könnt ihr ja jetzt aufhören zu reden und endlich gehen“, unterbrach Chawanst ungeduldig.
„Danke für deine Hilfe“, sagte Rarity noch fröhlich lächelnd. Wirklich einen Grund gab es ja dafür eigentlich nicht. „Vielleicht kann ich dir ja später noch etwas behilflich sein?“. Der Chubbi blickte ihnen noch einmal mit großen Augen entgegen, hob kurz seine Flosse, wie zum Abschied und wandte sich damit wieder seinen Wandteppichen zu.
„Eine Frage, Pinkie. Wenn du das die ganze Zeit über gewusst hast, wieso hast du dann nicht mal was gesagt?“, fragte Rainbow gereizt mit knirschenden Zähnen, während sie wieder den Weg entlangtrabten, den sie gekommen waren. „Wir hätten uns diese ganze Aktion hier sparen können“.
„Ich dachte das wüssten alle?“, erwiderte Pinkie unschuldig, worauf sie nur laut aufseufzten.
„Was machen wir eigentlich, wenn wir diesem Namenlosen wieder begegnen?“, fragte Rarity, worauf sie allerdings keine wirklich befriedigende Antwort erhielt, außer von der ermahnenden Pinkie: „Wir haben uns vorhin darauf geeinigt, ihn ab sofort World Eater zu nennen“.
„Wir haben…“, begann Gloomy empört zu protestieren, gab es aber dann kopfschüttelnd auf. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er so eine Diskussion sowieso verlieren würde.
Auf dem Weg kam ihnen tatsächlich ein Chubbi entgegen, dem sie sogleich alle ganz nervös entgegenblickten, sich aber so unauffällig wie möglich verhielten. Bis auf Pinkie natürlich. Sie war wieder ganz in ihrem Element, hüpfte den Gang entlang und stürzte sich sofort voller Begeisterung auf den Chubbi, um ihn zu begrüßen. Dieser sah ihr ganz empört entgegen und schien auch schon kurz davor, die Beherrschung zu verlieren. Die anderen bändigten Pinkie daraufhin sofort und machten sich so schnell sie konnten wieder auf den Weg. Bald schon standen sie auch schon wieder vor dem großen Rundbogentor, mit den Säulen überall an den Wänden. Dort drinnen befand sich der Chabel. Nun wurde ihnen doch etwas mulmig zumute. Sollten sie dort einfach so hineingehen? Heimlich lauschen, würde nichts bringen, da sie sich ja sowieso nur anschwiegen, aber sie klopften vorsichtig an. Keine Antwort. Keine Regung. Vielleicht hörte man dadurch auch nur nichts? So war es wohl, denn es drangen unmittelbar Stimmen zu ihnen, als sie mühevoll alle gemeinsam das schwere Tor aufstießen.
„Und da sind sie auch schon. Kommt nur herein! Tretet näher!“. Die Stimme war ihnen bekannt. So finster, rau und kalt wie eh und je. Sie fanden sich im Thronsaal wieder, wo sich vor ihren Augen gerade eine beunruhigende Szene abspielte. Das schwarzgraue Pegasus stand unweit vom Thron entfernt. Dort saß ein scheinbar schlafender Chubbi mit einer großen, hohen, silbernen Krone auf dem Haupt. Inmitten des Saals war zu ihrer Überraschung Sniven, der gerade mit einer magischen Fessel, in Form von eng um ihn gebundenen Ringen kämpfte. Entsetzt liefen sie alle hinzu.
„Du gemeiner Schuft! Was hast du ihm angetan?“, fragte Fluttershy auf einmal ganz erbost und versuchte sich auch schon vergeblich daran, Sniven von seinen Fesseln zu befreien.
„Genau! Und wieso unternimmt der Chubbel nichts gegen dich?“, rief Rainbow an den schlafenden Chubbi gewandt. „Das ist wirklich nicht der Zeitpunkt für ein Nickerchen“.
„Euer dummer kleiner Freund hat sich erwischen lassen und hätte damit beinahe alles kaputt gemacht“, erwiderte das Pegasus, mit einem anschließend bedrohlich, finsteren Blick an die Freunde. „Ich lasse nicht zu, dass ihr oder irgendwer mir im letzten Moment in die Quere kommt! Ich habe den Chubbel in einen magischen Schlaf versetzt. So schnell werdet ihr jetzt niemanden mehr warnen können“. Das Tor schlug mit einem lauten krachen hinter ihnen zu, was sie alle zusammenzucken ließ. „Und fliehen, könnt ihr auch nicht mehr. Ich hätte euch gleich erledigen sollen. Es war viel zu riskant“.
„Aber… wie ist das möglich“. Twilight stutzte verwirrt. „Ich denke die Chubbis sind immun gegen Magie?“. Da lachte das Pegasus auf.
„Ihr bezeichnet eure erbärmlichen Zaubertricks als Magie? Ihr habt ja keine Ahnung…“. Da quietschte Sniven plötzlich auf. Er schien schmerzen zu haben.
„Nah! Dämon, Dämon, Dämon…“, schrie er unaufhörlich.
„Bahk! Halt‘s Maul!“, brüllte der Namenlose, worauf auf einmal ein schriller Ton erklang und immer beunruhigend heller wurde. Eine rötliche Aura blitzte um das Pegasus herum auf, woraus unmittelbar ein roter Strahl mit einem lauten Knall, speerartig hervorschoss.
„Sniven!“. Es war Applejack, die sich schützend vor den Nager warf und den Speer abfing. Zunächst passierte gar nichts. Der Speer steckte in Applejack und schien keine Wirkung zu haben. Im nächsten Augenblick surrte er auf und explodierte mit einer solchen Wucht, dass die überraschte Applejack im hohen Bogen zurückgeschleudert wurde und hart mit mehreren Überschlägen auf den Boden aufschlug.
„Applejack!“, riefen die anderen entsetzt und eilten an ihre Seite, während der Namenlose hämisch zu lachen begonnen hatte.
„Jemand, der sich freiwillig für eine Ratte opfert? Hätte nicht gedacht, dass ich einen solchen Moment noch erlebe“.
„Natürlich! Er ist unser Freund“, schrie Rainbow erzürnt. Sniven hatte aufgehört zu schreien und sah den Ponys nun mit großen Augen fassungslos entgegen. Applejack lag reglos am Boden und rührte sich nicht mehr. Unterdessen schnaubte der Namenlose laut auf und erwiderte: „Dann wollen wir doch mal sehen, was die Ratte davon hält“. Die magischen Fesseln um Sniven verschwanden auf einmal, worauf sich der Nager hektisch umblickte, als würde er verzweifelt einen Ausweg suchen. Dann sah er abwechselnd zwischen den Ponys und dem finsteren Schurken hin und her.
„Nah! Keine Chance! Retten eigenes Fell!“. Damit flitzte er aus der Mitte und versteckte sich hinter den Säulen, von wo er ängstlich hervorlinste.
„Seht ihr? Soviel ist ihnen eure Freundschaft Wert. Trau niemals einer Ratte!“.
„Das stimmt nicht!“, kam es plötzlich empört von Rarity. Energischen Schrittes trat sie ein paar Schritte an das dunkle Pegasus heran. „Wir haben eine lange Reise hinter uns und Sniven hat die ganze Zeit über auf uns aufgepasst… naja. Bis auf einmal… oder zwei Mal… Aber das haben wir schon geklärt“.
„Und was hat es letztlich gebracht? Dann versagt ihr eben hier“, höhnte der Namenlose.
„Es hat etwas gebracht“. Eine schwache Stimme ertönte plötzlich. Applejack rührte sich wieder und blickte mit trüben Augen, aber fest dem Pegasus entgegen. „Weil wir alles geben, um dich aufzuhalten. Am Ende haben wir es zumindest versucht“. Wieder ertönte das finstere lachen.
„Na, wenn euch das schon reicht“.
„Was ist nur mit dir?“, kam nun Twilight plötzlich mit der Frage. Sie hatte die Augen weit geöffnet und schien beinahe verzweifelt vor Unverständnis. „Wieso tust du das alles?“. Der Namenlose zögerte auf einmal und sah ihr scharf entgegen.
„Das würdest du niemals verstehen, junges Pony. Es reicht alles sehr weit zurück“. Er wandte sich plötzlich ab und sah andächtig nach oben an die Decke des Thronsaals. „Für euch mag es hochmütig klingen, aber man kann mich als das A und das O bezeichnen. Oder auch den Anfang und das Ende genannt. Ich habe einen Blick auf das Ganze. Ich war von Anfang an dabei und habe den Untergang der Welt, das Chaos und die Zerstörung miterlebt, sowie auch den Moment, wo das Übel wich und sich alles von neuem aus der Asche erhob. Darunter auch ihr Ponys“.
„Bist du nicht selber auch ein Pony?“, fragte Twilight verwirrt. Sie glaubten zu erkennen, wie sich ein Lächeln auf dem Gesicht des Namenlosen bildete.
„Ich erscheine euch als Pony, weil ich dachte, dass ihr damit am meisten anfangen könnt… und außerdem fand ich diese Erscheinung irgendwie cool. Passend für diese neue Welt“. Letzteres hatte er überaus abfällig ausgesprochen.
„Eigentlich ist es ziemlich gruselig“, merkte Fluttershy plötzlich vorsichtig an. „Beim letzten Mal warst du allerdings noch finsterer. In Ponyville hast du wie ein Alihorn ausgesehen und uns einen ziemlichen Schrecken eingejagt“. Der Namenlose wandte sich auf einmal mit einer völlig perplexen Miene um und fragte: „In Ponyville?“.
„Equestria!“, rief Pinkie auf einmal ungeduldig dazwischen. „Jetzt stell dich doch nicht so an! Und verwandle dich lieber in was Niedliches! Dann hätten dich bestimmt alle ganz gern und wir können alle gemeinsam mit den Chubbis und den Saudens Freunde werden. Na, World Eater? Wär das nicht toll?“. Pinkie fiepte ganz laut auf und trappelte aufgeregt auf der Stelle herum. Das dunkle Pegasus ging nicht darauf ein, sondern sah ihnen weiterhin verwirrt entgegen und sprach: „Ich war nie in Equestria“. Darauf trat für einen Moment Stille ein.
„Unsinn. Wir haben dich alle gesehen!“, widersprach Rainbow.
„So? Sehe ich aus, wie ein Alihorn“. Er hatte die Stirn gerunzelt und sah ihnen nun sehr neugierig entgegen.
„Du bist doch der Namenlose!“, warf Rarity nun aufgebracht ein. Pinkie räusperte sich und sah Rarity streng entgegen. „Oh, ich meine, World Eater. Wieso solltest du dir kein Horn geben oder nehmen können, wenn du es wolltest?“. Wieder trat schweigen ein. Dann schüttelte er nur den Kopf und schnaubte ungläubig, worauf Pinkie beschwichtigend mit den Hufen wedelte und fortfuhr, als wäre nichts gewesen: „Ist ja auch egal. Aber du Dummerchen weißt schon, dass man Ende nicht mit O schreibt oder?“. Da verfinsterte sich die Miene des schurkischen Ponys.
„Ich werde sicherlich keine Diskussion mit Kleingeistern beginnen. Schweig still! Oder wir haben hier gleich zwei pinke Ponys“.
„Oh! Da schweige ich doch nicht still…“.
„Zwei HALBE, pinke Ponys!“. Nach dieser Korrektur hielt Pinkie nun doch inne, schluckte nervös und sprach kleinlaut: „Dann schweige ich doch mal lieber“.
„Ich verstehe das immer noch nicht alles. Was meinst du damit? Was für eine neue Welt?“, fragte Twilight mit gerunzelter Stirn. Damit war sie nicht die einzige. Der Namenlose ließ mit ausdrucksloser Miene seinen Blick über die verständnislosen Gesichter gleiten, schüttelte den Kopf und antwortete: „Es würde zu lange dauern, euch das alles zu erklären. Außerdem wird euch das ohnehin nichts nützen“.
„Aber wieso willst du uns jetzt alle töten? Woher kommt dieser Hass auf uns?“, fragte Gloomy, der sich plötzlich an sein kurzes Dasein im Nichts erinnerte. An die Zeit, nachdem er dort die Besinnung verlor und ein mulmiges Gefühl überkam ihn allein schon bei dem Gedanken, worauf er ängstlich ein paar Schritte zurückwich. Das brennende Canterlot, sowie die Zeit, die er als bewusstseinslose Kreatur umhergetollt ist… Es lag ihm eindeutig vor Augen. Woher kam das auf einmal? Irgendetwas zog ihn nach unten. Der Anhänger, mit dem Schleifchen um seinen Hals war auf einmal sehr schwer geworden. Nein! Er durfte die anderen jetzt nicht im Stich lassen, die sich gerade vor ihm, dem Übel entgegenstellten. Sogar Applejack hatte sich wieder aufgerichtet. Aber was konnte er tun?
Die Umgebung veränderte sich schon wieder. Der Kronleuchter flackerte und die Atmosphäre verdunkelte sich unheimlich. Dunkle Wolken erschienen im Raum und nahmen ihnen die Sicht, während gleichzeitig ein tiefes, animalisches Brüllen ertönte.
„Dies ist meine Welt! Und ich werde nicht zusehen, wie unwürdige Schwächlinge wie ihr oder irgendjemand anderes, auf diesem – MEINEM – heiligen Boden daher geht! Der Tag wird kommen, an dem wir wieder auferstehen. Der Moment, wo unsere Hufe aufstampfen! DAS – IST – UNSER – REVIER!“. Das schwarzgraue Pegasus breitete seine gewaltigen Federlosen Schwingen aus und erhob sich über die Freunde, während es mit hell leuchtenden, weißen Augen, gnadenlos auf sie herabblickte, gefolgt von einer finsteren, dämonischen Stimme, wie sie es bereits zuvor im Gefängnis gehört haben: „Schluss mit dem Gefasel. Ich werde euch auslöschen! Euer Augenlicht wird schwinden – Euer Geist in den endlosen Ebenen des Nichts vergehen!“. Schwärze breitete sich unmittelbar vor ihnen aus. Sie wussten nicht was sie tun sollten und konnten nur mit ansehen, wie die Dunkelheit langsam über den Boden auf sie zu kroch. Gloomy, dessen Anhänger nun mehr denn je eine Last darstellte, stand unmittelbar hinter den anderen und sah, wie sie sich verzweifelt dagegenstemmten. Aber es half nichts. Er fühlte sich so machtlos. So nutzlos. Er würde es sich niemals verzeihen… da kam ihm plötzlich eine Idee!
Er umklammerte mit beiden Hufen seinen hölzernen fünfzackigen Stern, hob ihn nach oben und stürzte sich vor die anderen. Es zeigte Wirkung! Der Anhänger schien die Finsternis geradezu in sich aufzusaugen und machte alles um sie herum allmählich wieder klarer. So konnten sie nun auch das vollkommen überraschte Gesicht des schwarzgrauen Pegasus erkennen.
„Was zum…?“, stotterte er. Die Schleife war von Gloomys Anhänger abgefallen. Der Schurke wich bei dem Anblick kaum merkbar etwas zurück und wirkte nun beinahe Ehrfürchtig.
„Du bist eines dieser Wanderponys“, stellte er erstaunt fest.
„Ja“, antwortete Gloomy überraschend ruhig. „Wieso? Kennst du sie?“. Der Namenlose zögerte und antwortete beunruhigt: „Flüchtig“. Dann grinste er auf einmal. „Aber das macht es für euch auch nicht besser. Im Gegenteil. Ich wollte euch ins Nichts schicken. Aber nun muss ich euch wohl doch umbringen…“.
„NYYYAAAHHH!“, ertönte wieder das krächzende Kreischen, als urplötzlich Sniven aus den Schatten hinter der Säule unmittelbar auf das schwarzgraue Pegasus in die Luft hechtete, mit einem metallenen tsching. Sein Gesichtsausdruck war mörderisch und würde wohl so manchem Pony des Nachts den Schlaf rauben. Der Schurke zuckte auf vor Schreck. Damit hatte er überhaupt nicht gerechnet. Dennoch gelang es ihm aber eine schwache Druckwelle auszustoßen, die Sniven sofort zurückschleuderte. Er machte mehrere Saltos in der Luft. Ein Knall ertönte, grün-bräunliche Blitze schossen von Snivens Donnerding hervor und direkt auf den Schurken zu, der davon voll getroffen wurde. Daraufhin riss er die Augen weit auf, biss die Zähne zusammen und zuckte unaufhörlich von qualvollen Stromschlägen gepackt auf.
„DU – MIS-VI – WA – ES… BAAAHK“. Er schien förmlich vor Wut zu kochen, aber zu mehr als einem unverständlichen stottern, war er momentan nicht im Stande.
„Gut gemacht Sniven!“, rief Fluttershy begeistert, gefolgt von der höhnenden Applejack, die ihm jetzt seinen eigenen Spruch um die Ohren schlug: „Ha! Siehst du? Soviel ist ihm unsere Freundschaft Wert. Trau niemals einer Ratte!“. Die anderen stimmten frohlockend ein, aber es war noch viel zu früh gefreut. Der Effekt würde sicherlich nicht ewig anhalten. Hektisch sah sich Gloomy nach Sniven um, der gerade auf dem Boden lag und sich schüttelte. Zu einem weiteren Angriff war er wohl gerade nicht im Stande, aber vielleicht war das ihre Chance! Eilig nahm sich Gloomy seinen schweren Anhänger vom Hals und bekam beinahe einen Herzinfarkt, als unmittelbar darauf eine Geisterhafte Erscheinung ruckartig durch ihn hindurchfegte, gefolgt von einem schallenden Gelächter. Am liebsten hätte er den Anhänger direkt wieder angelegt.
„Rainbow!“, schrie er aufgeregt. „Schnell! Leg ihm den Anhänger um den Hals!“. Rainbow dachte nicht darüber nach und kam sofort herangedüst. Allerdings stutzte sie bei dem schweren Gewicht.
„Bei… Was ist das denn? Damit läufst du die ganze Zeit herum?“. Gloomy schüttelte panisch den Kopf. „Ich komme damit kaum hoch!“. Flüsternde, unheimliche Stimmen ließen ihm keine Ruhe. Komm zu uns, komm zu uns! Wir warten auf dich! Wehr dich nicht! Er war der festen Überzeugung, dass Rainbow ihm gerade mit einem überaus finsteren, irren Grinsen gegenüberstand und ihn unaufhörlich schubste. Direkt hinter ihr schien sich die Realität aufzuspalten, woraus eine fürchterliche Feuersbrunst unter einem gebrochenen Gelächter herausdrang. Er schloss die Augen und schrie: „Quatsch keinen Unsinn! Fluttershy! Hilf ihr!“. Gemeinsam gelang es ihnen, den Anhänger problemlos anzuheben und damit direkt auf den immer noch zuckenden Namenlosen zuzufliegen.
„Gloomy! Was ist mit dir?“, rief Twilight entsetzt, als dieser plötzlich schon wie ein wahnsinniger zu schreien angefangen hatte. Die Stimmen hatten nicht nachgelassen. Genauso wenig wie die Bilder der Schattenhaften Ponys, mit feuerrot blitzenden Augen, die ihn durch ein endloses, felsiges Labyrinth hinterherjagten. Die Felsen wirkten lebendig, mit einer schleimigen Substanz und ekelhaften Geschwülsten überzogen, als würden sich Gestalten darin befinden. Zwecklos! Du kannst uns nicht entkommen! Gib dich uns hin! WERDE ZU UNS! Gloomy saß auf den Hinterbeinen und drückte sich hilflos die Hufe auf die Ohren, was leider überhaupt nichts brachte. Die Stimmen kamen direkt aus seinem inneren, worauf er schon anfing sich selber heftig gegen den Kopf zu schlagen, dass es wehtat. Twilight sah dem Anhänger hinterher und verstand was los war.
„Hab keine Angst! Halte durch!“, sprach sie sanft und nahm ihn umsichtig in den Huf, während sie Fluttershy und Rainbow hinterherblickte. Die anderen hatten es ebenfalls mitbekommen und taten es ihr gleich. Der Namenlose hatte unterdessen gemerkt, was sie vorhatten, aber er konnte nichts weiter tun, als mit weit aufgerissenen Augen entsetzt zuzusehen, wie Rainbow und Fluttershy ihm schließlich den Anhänger um den Hals legten.
Ein fürchterliches kreischen ertönte auf einmal, dass eindeutig nicht von ihm selbst kam. Es waren auch Krähen darunter zu hören. Der Namenlose riss die Augen weit auf und stürzte ohne weiteres auf den Boden, wo er sich unter Qualen aufzurichten versuchte, was ihm nicht gelang. Seine Flügel lagen matt auf dem Boden und schmolzen dahin, während er verzweifelt mit seinen Hufen den Anhänger von seinem Hals zu lösen versuchte. Dann hielt er auf einmal schwer atmend inne, sah den Ponys mit einem von abgrundtiefen Hass erfüllten Blick entgegen und brüllte aus Leibeskräften mit tiefer dämonischer Stimme: „BAAAHK BUUUIIIH!“. Dann verwandelte er sich in etwas anderes, was dem Etwas zuvor im Gefängnis sehr ähnlich sah. Es hatte eindeutig Hände und Hufe, sowie zwei große Hörner, von denen eines abgebrochen war. Es kniete jedoch auf dem Boden und hatte den Kopf gesenkt, weswegen sie es nicht genauer erkennen konnten. Dann verwandelte es sich wieder. In einen Chubbi, der unmittelbar über den Boden eine schwarze Masse erbrach, die sich ohne weiteres in dunkle Rauchgeschwader auflöste und wie eine gewaltige Fledermaus über ihnen erstreckte. Mit einer fürchterlichen Fratze blickte es den Freunden entgegen, kreischte entsetzlich auf und flog sturzflugartig aus dem Saal, wobei es das Tor mit einem lauten Krachen aus den Angeln hob.
„Schnell! Der Anhänger!“, rief Twilight immer noch aufgeregt, während Gloomy allmählich schon anfing wild um sich zu schlagen, weswegen sie alle Huf anlegen mussten, um ihn zu bändigen und ihm den hölzernen, sechszackigen Stern wieder um den Hals zu legen.
„Ist alles in Ordnung?“, fragten sie besorgt, aber das war unnötig. Gloomy war bewusst, was sie vollbracht haben und obwohl er immer noch zutiefst verstört von den erneuten Einblicken in die Anderswelt war, brachte er schwer atmend ein mildes Lächeln zustande, worauf sie alle in Jubelrufe ausbrachen.
„Wir haben es geschafft! Es ist vorbei“, triumphierte Rainbow. Kurz darauf ertönte ein lautes, dröhnendes räuspern. Sie hatten gar nicht mitbekommen, wie der Chubbel mit der großen, hohen, silbernen Krone sich erhoben hatte und sie nun mit einem sehr kritischen Gesichtsausdruck allesamt musterte. Ein schweigen trat ein. Dann wandte sich der Chubbel ab und blickte auf den Chubbi am Boden herab. Sie waren immer noch verwundert, was genau da eigentlich geschehen war. Gloomy erinnerte sich jedoch, was Noma ihm darüber erzählt hatte.
„Der Namenlose hatte wohl Besitz von ihm ergriffen“, flüsterte er den anderen nur kurz zu. Da ertönte wieder dieses inzwischen altbekannte rumpeln, als mehrere Chubbis plötzlich in den Thronsaal gerollt kamen und sich mit großen Augen ein Bild von der Szenerie machten. Eigentlich gab es nicht viel zu sehen, außer dem am Boden liegenden Chubbi und der zerstörten, großen Torbogentür. Eilig machten die Freunde Platz, als zwei Chubbis zu dem Chubbi am Boden rollten. Der Chubbel trat unterdessen gemächlich an ihnen vorbei. Immer noch sprach niemand ein Wort und es wurde ihnen langsam schon ganz Bange in der Ungewissheit, ob die Chubbis überhaupt wussten, was sich hier zugetragen hat. Doch dann sprach der Chubbel auf einmal langsam und mit tiefer dröhnender Stimme: „Folgt mir, bitte“. Sie warfen sich gegenseitig leicht verunsicherte Blicke zu. Bevor Gloomy ebenfalls hinterherlief, ließ er hastig das nun etwas ramponierte Schleifchen seines Anhängers heranschweben und verstaute es in seiner Mähne. Von Sniven fehlte jede Spur. Scheinbar hatte er sich längst aus dem Staub gemacht. Der Chubbel führte sie in seinem gemächlichen Tempo nach draußen, auf die andere Seite die Wendeltreppe hinauf, wo sie genauso wie zuvor bereits fahrstuhlartig nach oben getragen wurden. Hier kamen sie an der Spitze des tropfenartigen Gebäudes auf einem großen Ausguck an. Über ihnen der rotierende und laut surrende und schwingende Kristall, der ihnen nun wie ein Diamant entgegenfunkelte und die Freunde allesamt vor Staunen das Maul aufklappen ließ.
„Wow!“, rief Spike begeistert. „Seht nur! Von hier kann man ganz Chuba überblicken“. So war es auch und es versetzte sie allesamt in eine Höchststimmung. Sie waren gerade unheimlich glücklich.
„Ich weiß von allem“, sprach der Chubbel nur, nachdem Twilight vorsichtig anfing zu erklären, was passiert ist. „Mir ist schon lange bekannt, dass jemand hier sein Unwesen treibt. Aber es war mir nicht möglich, ihn auszumachen. Ihr seid Ponys…“. Er zögerte auf einmal mit einem Blick auf Spike und schien fieberhaft nachzudenken. Dann schüttelte er nur den Kopf und fuhr fort: „Und andere aus dem fernen und geheimnisvollen Equestria. Ihr habt einen weiten Weg auf euch genommen, um uns vor unseren Erzfeinden, den Großratten zu warnen. Ja“, fügte der Chubbel mit einem bestimmten Nicken hinzu. „Ich weiß von ihrem bevorstehenden Angriff. Es werden bereits alle Maßnahmen ergriffen. Wir wissen, wie die Saudens vorgehen. Sie können uns nicht überraschen“.
„Eigentlich wollen wir verhindern, dass es überhaupt zu einem Angriff kommt“, begann Gloomy. „Wenn sie erfahren, dass ihr ihnen das Essen nicht gestohlen habt…“.
„Ich weiß aber auch nicht, wo sich ihr Essen befindet. Und so wie ich sie kenne, werden sie sich damit nicht zufrieden geben“.
„Aber…“. Sie wussten nicht, was sie darauf antworten sollten und warfen sich gegenseitig entsetzte Blicke zu. Soll damit etwa alles umsonst gewesen sein?
„Zermartert euch nicht den Kopf“, dröhnte der Chubbel. „Es ist anrührend, wie sehr sich Equestria um den Frieden bemüht. Wir werden unnötiges Blutvergießen verhindern, soweit es uns möglich ist. Das Chuba vermag es große Dinge zu vollbringen“.
„Was genau ist dieses Chuba eigentlich?“, fragte Twilight verwirrt, womit sie nicht die einzige war. Alle sahen sie dem Chubbel nun ganz neugierig entgegen, der darauf andächtig in die Ferne über sie hinwegstarrte und sprach: „Seht es selbst“.
Die Baumwipfel hinter den Mauern der Stadt wogen sich im Wind. Wie ein Schwarm singender Vögel, stoben die bereits bekannten leuchtenden Kugeln daraus empor und wehten über die Freunde und die Stadt hinweg, während sie ihr Lied spielten. Gleichzeitig begann die Kuppel über ihnen zu glänzen und offenbarte viele kleine tautropfenartige Perlen darauf, die sich sogleich lösten und in Strömen wie der Wind über ihnen hinwegfegten. Die Tropfen nahmen schemenartige, blaue Formen an, worin jeder etwas anderes sah, wie ihnen der Chubbel verriet.
„Das Chuba, ist Magie. Das Chuba, ist Fantasie. Das Chuba, unterliegt keinen Grenzen, außer eurer eigenen Vorstellungskraft, die es zur Wirklichkeit machen kann“, erklärte er andächtig.
Sie waren alle schier begeistert von dem Anblick.
Twilight Sparkle erwähnte Bücher, Spike und ihre Freunde, an ihrer Seite, wobei sie zufrieden seufzend lächelte.
Spike sprach von einem Berg aus köstlichsten Leckereien und… einem bestimmten Pony. Er lief auf einmal hochrot an und weigerte sich noch mehr zu erzählen.
Rarity schwärmte von exquisiten Galaveranstaltungen, in der die Crème de la Crème von Equestria zugegen war, um sie und ihr Werk zu bewundern.
Applejack leuchteten die Augen, als sie ganz fasziniert von einem Land erzählte, mit weiten Feldern, vorzüglich und überraschenderweise wohl Apfelbäume und einer Farm im tadellosen Zustand, was sie zusammen mit ihrer Familie bewirtschaftete.
Fluttershys Augen formten sich zu Herzen, während sie von einer Blumenwiese mit den niedlichsten Geschöpfen, darunter all ihren Haustieren sprach und sie ganz verzückt vor sich hin summte.
Rainbow Dash hielt es nicht lange unten. Sie trappelte aufgeregt auf der Stelle herum, stieß sich mit einem Satz vom Boden ab und flog im Zickzack, Spiralen und Loopings hinlegend durch die Luft. Sie hatten sie vorher nur einmal rufen hören: „DIE WONDERBOLTS!“.
Pinkie Pie schien ebenfalls hin und weg und überschlug sich beinahe beim Sprechen, während sie von einer gigantischen Party plapperte, in der alle ihre Freunde zugegen waren und jeder sich dabei bestens amüsierte.
Neugierig wandten sie sich alle an den Chubbel, was er denn dort oben sah. Zunächst schwieg er nur und grummelte schließlich, dass er sich selber sah, in einer Stille, wo niemand redete.
Die Freunde blickten ihm nur mit großen Augen entgegen, verloren keinen Kommentar darüber und wandten sich gespannt an Gloomy.
„Was ist mit dir?“. Gloomy war sich nicht sicher, was er sah. Sie sahen aus wie seine Freunde… und auch seine Familie, aber etwas daran war beunruhigend. Sie verschwammen allmählich und wirkten, als wären sie in Bedrängnis. Irgendetwas jagte sie. Eigentlich wollte er das lieber für sich behalten. Was sollte er ihnen erzählen?
Doch darüber musste er sich keinen Kopf mehr machen. Ein ohrenbetäubendes Rumsen ertönte auf einmal von Oben, als hätte eine Kanonenkugel eingeschlagen, worauf sich alles was sie sahen, schlagartig in Luft auflöste. Die Kuppel vibrierte, der Kristall über ihnen funkte beunruhigend und flackerte unangenehm. Sogar das surren verstummte für einen Moment, eher er sich wieder beruhigte. Es blieb aber nicht dabei. Weitere Einschläge in die Kuppel folgten sogleich, was den Kristall zunehmend instabil werden ließ. Sie konnten sehen, wie die Kuppel sich allmählich auflöste und den Nachthimmel von draußen offenbarte. Der Chubbel schien fürchterlich zu leiden, wurde Zunehmens schwächer und brach schließlich zusammen, im gleichen Moment wie die Kuppel. Direkt an der höchsten Stelle, fiel sie in sich zusammen und löste sich bis hinunter an den Rand auf. Der Kristall über ihnen verstummte und hörte auf zu leuchten. Das schwingen war aber immer noch zu hören. Er drehte sich scheinbar noch. Es war eine klare Nacht im Mondschein, der alles hell unter ihnen erleuchtete. Die leuchtenden Kugeln und die Tropfen des ehemaligen Chuba schienen noch nicht vollkommen verschwunden zu sein, lösten sich aber nach und nach zu nebelartigen Geschwadern auf. Die Freunde waren völlig verstört von alledem und wussten gar nicht, was sie jetzt tun sollten. Nun sahen sie aber, um was es sich bei diesen Einschlägen handelte. Es waren pestrauchartige, grüne Geschosse, die aus weiter Entfernung abgefeuert wurden. Nun, da die Kuppel verschwunden war, gelangten sie ungehindert hinein und schlugen in der inzwischen völlig geebneten Stadt auf. Sämtliche Höhenunterschiede waren verschwunden. Die Einschüsse hinterließen grünlichen Nebel, der Seuchenartig über den Boden kroch und dabei ein unangenehmes Zischen von sich gab.
Da wurde ihnen mit Erschrecken bewusst, dass es zu spät war. Ob sie nun noch Zeit hatten oder nicht, der Angriff der Großratten hatte zweifellos begonnen. Die Zugbrücke wurde von nichts anderem als der nun fehlenden Magie gehalten. Sie hatten ganz Chuba untertunnelt, aber er wollte höchstpersönlich das Tor durchschreiten. Die Freunde wussten noch nicht, dass soeben das wohl gefürchtetste und mächtigste Wesen unter den Großratten die Stadt betrat. Sie wussten nichts von dem gehörnten Grauseher, der seinen Blick voller Zerstörungsfreude über die Stadt wandern ließ, mit einem schelmischen, hinterlistigen Grinsen auf dem Gesicht und dabei ein finsteres Lachen von sich gab.
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