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Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
04.12.2020
32
205.111
4
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16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.03.2020 1.085
 
Für nur einen Bissen

„Nah! Nein-nein. Nicht gut. Weg-Weg-Weg!“. Voller Wut zerriss die in braune Lumpen gehüllte Ratte das Pergament. Er warf seinem Techniker nur einen vielsagenden Blick zu, der darauf wortwörtlich vor Schreck aufzuckte, sich tief verbeugte und rückwärts die Kammer verließ. Wenn man sie denn so nennen konnte.
Hier im Untergrundreich der Großratten, gab es wenig Licht. Das wenige wurde von einzelnen, auf Holzstäben stehenden und grün leuchtenden Steinen geworfen, die sich an den Höhlenwänden befanden. Allgemein wurde auch nicht viel Wert auf äußeres gelegt. Die Heimat der Saudens bestand größtenteils aus einem natürlichen Höhlensystem, welches jedoch nach Belieben angepasst und erweitert wurde. Es gab viele Schlupflöcher, aber auch primitive Holzbauten, die sehr wackelig waren und den Anschein machten, als würden sie jeden Augenblick auseinanderfallen.
Bei der sogenannten Kammer handelte es sich eigentlich um eine Bibliothek. Wobei das schon ein sehr gewagter Ausdruck war. Es gab viele Bibliotheken hier unten. Die Ratten sammelten alles, was einem Schriftstück nahe kam und lagerten es in einem dafür vorgesehen Raum, der ihnen am nächsten war. Man konnte einem Sauden von durchschnittlicher Intelligenz nicht zumuten, dass er irgendwas einordnen könnte und die intelligenteren unter ihnen hatten weitaus wichtigeres zu tun. Wie sollte man dort das finden, was man sucht? Darüber machte sich die Lumpenratte keine Gedanken. Einer der vielen untergebenen Saudens, würde für ihn schon das finden, was er sucht. Und sie waren viele! Sehr, sehr viele... Sie konnten zwar nicht einmal ihre eigene Schrift entziffern, welche aus kryptischen Glyphen bestand, aber er hatte ihnen gezeigt, wonach sie suchen sollten. Dennoch dauerte es ihm zu lange und so hatte er sich mittlerweile selber auf die Suche begeben.
Kopfschüttelnd machte sich die missgelaunte Ratte wieder daran, den Schriftberg zu durchwühlen. So viel zu tun, dachte er. Noch einmal Pläne durchgehen-gehen. Hier nicht! Hier auch nicht...
Von dem Höhlengang außerhalb der Kammer ertönte unterdessen stetig ein Tapsen von Pfoten. Es war niemals Stille hier unten. Ständig wuselte eine Ratte irgendwo herum und ständig gab es irgendwo Geflüster und Geschnatter. Daran hatte man sich hier längst gewöhnt, sodass die Lumpenratte auch nicht aufmerksam wurde, als plötzlich ein lautes Geschepper von mehreren Sturmsaudens ertönte, die eine ebenfalls in graue Lumpen gehüllte Ratte mit einem langen Umhang und gräulichem Fell eskortierten. Sie trug einen leichten Stahlpanzer auf dem Schädel, aus dem oben zwei große gebogene Hörner ragten, sowie einen langen Holzstab, der aussah als wäre er schon etliche Male durchgebrochen und stetig wieder aus einfachen Leinen zusammengebunden. An dessen Spitze ragte außerdem ein grün leuchtender Stein, genau wie jene, welche auch den gesamten Untergrund erleuchteten. Diese Ratte wirkte anders als die anderen. Gefährlicher. Auch wenn sie etwas kleiner war, als die Sturmsaudens. Ihre Augen schienen sogar vor Boshaftigkeit rötlich zu leuchten und so betrat sie grimmig die Bibliothek, während die Sturmsaudens davor Stellung nahmen.
„Nah! Keine Zeit-Zeit!“, rief die immer noch suchende Ratte ohne aufzusehen. Die Augen der gehörnten Ratte verengten sich und sie schnüffelte ganz aufgeregt.
„Lord Snjolk!“, knurrte sie mit einer hohen krächzenden Stimme und grunzte dabei laut. Dieser blickte erstaunt auf, worauf seine Miene sich wieder unmittelbar verzog und missfallen verriet.
„Grauseher!“, erwiderte Lord Snjolk mit seiner tieferen Stimme ebenfalls grunzend. „Wir sind nicht erfreut über deine Anwesenheit“. Der Grauseher reagierte darauf deutlich gereizt: „Der Rat – ist enttäuscht! Es soll nicht wagen, sich uns zu widersetzen!“.
„Nah!“. Lord Snjolk langte nach seinem eigenen Stab, wandte sich erzürnt um und trat humpelnd an ihn heran. „DU – bist hier zu Gast! DU - hast hier nichts-gar nichts nicht zu vermeld-melden! Vergessen soll es das ja nicht!“. Der Grauseher knirschte vor Wut mit den Zähnen. Das war aber auch alles was er tun konnte, denn damit hatte Lord Snjolk recht. Dies war sein Reich und die Sturmsaudens unterstanden ihm ebenfalls. So beherrschte der Grauseher sich so gut er konnte und brachte ohne weiteres zitternd sein Anliegen hervor: „Uns kam zu Ohr-Öhrchen - du wagst einen Angriff – Schon wieder! Und du wirst dafür-für - auch alles Erdenklichstes einsetzen-tzen...“, aber Lord Snjolk unterbrach ihn: „Zerstörungsgewalt viel zu macht-mächtig! Saudens ziehen altbewährte Methode vor. Müssen Ormsching retten - Darf nicht kaputt-putt gehen!“.
„Primitiv!“, brüllte der Grauseher und schüttelte dabei ganz energisch den Kopf. „Chubbidinger stark! Lord Snjolk nicht unterschätz-schätzen! – Viel zu Riskant – Unnötiger Verbrauch von Ungeziefer! – Rettung von Ormsching auf anderem besser-effizienterem Weg. Lass uns Teil haben - am gro-gro-großen Vorhaben“. Der Seher verbeugte sich auf einmal ganz demütig und fuhr schleimerisch fort: „Wir verlangen nur kleinen Anteil von Chubas Ressourcen als Gegenleistung, ja-ja. Großteil, gebührt natür-selbst-redend-ständlich dem Klan des hohen Westens, ngah, ngah“. Darüber musste Lord Snjolk nicht lange nachdenken. Wenn die Gerüchte stimmten, konnten mit dem Chuba große Taten vollbracht werden. Wieso sollte er das nicht mit einem anderen Klan teilen? Ganz einfach! Weil es allein seinem Klan gebührte! Dennoch aber bahnte sich gerade ein Plan in seinem Rattenstübchen an und so sprach er: „Gut-gut. Was müssen Saudens dabei tun?“. Ein schelmisches Grinsen legte sich über das Gesicht des Sehers, bevor er antwortete: „Bringt Verderbnis! Lasse deine Pest-Seuche niederprasseln!“.
„NEIN!“, widersprach Lord Snjolk und schüttelte ganz wild den Kopf. „Schädlich für Chuba! Schädlich für Ormsching! Niemals-nicht!“.
„Chuba wird sich vollständig wiederherstellen-regenerieren“, versprach der Grauseher immer noch mit heimtückischer Miene. „An erster Stelle – Auslöschung der Chubbis! Chubbidinger – gehen zugrunde an Saudens mächtigen Warp Blitzen“. Als nächstes wandelte sich seine Miene zu einer finsteren und überaus bedrohlichen. Seine Augen schienen für einen Moment sogar aufzublitzen. „Zerstört die magische Hülle um Chuba. Den Rest... überlasst es mir!“. Lord Snjolk wirkte zufrieden und antwortete aufgeregt mit einem Grinsegesicht: „Lasse es einrichten. Können angreifen – Morgen schon – Aber müssen warten. Saudens berichteten uns jüngst vom Eintreffen der Ponydinger ins Chuba. Noch bleibt ihnen Zeit, ja-ja“. Die Augen des Grausehers weiteten sich überrascht. Dann runzelte er die Stirn und knurrte: „Ignorieren! Ponydinger schmoren in grausamen Blitzstürmen des mächtigsten all-aller! Von mir – GRAUSEHER!“. Er schlug mit seinem Stab auf, worauf es in der Kammer gefährlich zu knistern begann.
„Nein-nein!“, widersprach Lord Snjolk sofort wütend. „Wir gaben Ponys unser Wort! Ponydinger bekommen ihre Zeit! Lord Snjolk – KEIN VERRÄTER!“. Der Grauseher musterte Lord Snjolk und rieb sich nachdenklich das Kinn. Dann grinste er wieder heimtückisch und quietschte: „Für umgehenden Angriff – wir vermachen Klan des hohen Westens – von uns-unserem Ormsching. Wie klingt ihm das?“. Lord Snjolk, eben noch von fester Überzeugung, stutzte auf einmal und runzelte nachdenklich die Stirn, bevor sich ganz langsam ein fieses Lächeln in ihm anbahnte.
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