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Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
04.12.2020
32
205.111
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25.02.2020 4.737
 
3.4. Magisches Tal

Von dem Höhleneingang führte ein Pfad hinunter ins grün gefleckte Tal. Andere Farben waren hier nicht klar zu erkennen. Sie wirkten verschwommen. Inmitten befand sich die große, blauweiß schimmernde Kuppel, die groß genug war, dass sie diese sogar über die großen grünen Bäume hinweg erkennen konnten.
Aber eigentlich schenkte dem niemand von ihnen Aufmerksamkeit. Überhaupt war es sehr Still in der Gruppe… dem Rest. Der Verlust ihres zuletzt doch noch wertgeschätzten Freundes Sniven, erschwerte ihnen das Herz. Fluttershy hatte inzwischen aufgehört zu weinen, aber ihre Miene verblieb ohne Regung oder Ausdruck. Den anderen war auch nicht besser zumute. Manchmal versuchte einer von ihnen auf die idyllische Umgebung aufmerksam zu machen, was allerdings mehr als misslang. Vielleicht waren sie dafür auch zu müde? Pinkie seufzte des Öfteren laut auf und lief den anderen nur mit hängendem Kopf hinterher. Ihre Mähne hing immer noch ganz traurig und seidig an ihr herunter.
Sie mussten wohl einen ganzen Tag unter der Erde gewesen sein, denn der Sonne nach war es etwa Mittag. Damit standen ihnen nur noch zwei Tage zur Verfügung. Aber genau wussten sie es nicht und sie dachten darüber auch nicht allzu viel nach.
Der Rest des Weges versprach nicht allzu schwierig zu werden und lag ihnen unfehlbar voraus. Dennoch beschlossen sie kurzerhuf eine überfällige Pause einzulegen. Vorher bekamen sie jedoch unverhofft Besuch, als plötzlich schon wieder ein vertrautes Kreischen in ihrer Nähe ertönte, was sie gleich wieder in Aufregung zu versetzen drohte.
„DAS REICHT JETZT! GENUG MIT DEM GEKREISCHE!“, schrie Fluttershy plötzlich aus voller Kehle und sauste dem offensichtlich erschrockenen Kraemar mit einer Geschwindigkeit entgegen, die man ihr gar nicht zugetraut hätte. „Ich habe gerade einen sehr guten Freund verloren und jetzt endgültig genug von dir! Also mach, dass du von hier verschwindest ODER ICH WERDE VERDAMMT UNGEMÜTLICH!“. Der Kraemar war immer kleiner geworden, während Fluttershy mit ihrem starren Blick auf ihn einschrie und sah nun ganz verängstigt und schüchtern mit seinen Facettenaugen zu Fluttershy hinauf. Ob das der letzte von den dreien war, denen sie im Wald zuvor begegnet sind? Ohne einen weiteren Mucks wandte er sich ab und krabbelte so schnell davon, dass sie ihn schon bald nicht mehr sehen konnten. Keiner verlor ein Wort darüber, als Fluttershy wieder mit grimmiger Miene und schwer atmend zu ihnen stieß.
Es war schwer zu sagen wie lange sie nun hier innehielten und sich ausruhten. Glücklicherweise unbehelligt, bis auf einen Schatten, der von einer hoch am Himmel fliegenden Kreatur mit breiten Schwingen gelegentlich auf sie hinuntergeworfen wurde und hin und wieder ein fernes kreischen von sich hören ließ. Was genau es war, konnten sie nicht sagen aber es schien kein Interesse an ihnen zu haben. Verschiedene farbenprächtige Fische sprangen in dem fließenden, plätschernden Bächlein umher, an dem sie halt gemacht haben und zwei Augenpaare blickten ihnen neugierig aus einem kleinen, dunklen Bau am Rande des Gewässers entgegen.
Nichts vermochte die Gruppe jedoch so einfach aufzuheitern. In der Pause schien das sogar noch schlimmer zu werden. Es fehlte jemand, der ruhelos um sie herumwuselte.
Twilight hatte sich einfach fallen gelassen und die Augen geschlossen. Sie war immer noch erschöpft von ihrem Kampf gegen das Monster im Untergrund.
An ihrer Seite hatte sich Spike niedergelassen und wirkte, als würde er unter größter Mühe mit den Tränen kämpfen. Auch er hatte die Ratte letzten Endes wohl noch schätzen gelernt, obwohl sie ihn nicht als Drachen anerkennen wollte.
Rarity tat es ihnen gleich. So schwer es auch zu glauben war, aber sie legte sich tatsächlich ohne Unterlage auf den dreckigen Boden und es schien sie auch im Moment gar nicht zu interessieren. Sie hatte zwar eine Decke aus ihrer Mähne gezogen, aber diese nur für ein paar Sekunden angesehen und dann einfach mit einem schweren Seufzer fallen gelassen.
Applejack hatte sich hingesetzt, den Kopf hängen gelassen und starrte nun ohne weiteres vor sich auf den Boden. Es war schon merkwürdig, dass gerade sie offenbar das kleine Kerlchen vermisste, welcher sie stetig an den Rand des Wahnsinns getrieben hatte.
Fluttershy lag ebenfalls auf den Boden. Schon nach kurzer Zeit jedoch, leisteten ihr einige Tiere Gesellschaft, die sie offenbar aufzumuntern versuchten. Darunter ein paar Schmetterlingen, merkwürdige mausartige Geschöpfe ohne Fell und mit großen Abstehenden Ohren und einigen… Vögeln? Sie hatten keine Federn und sahen eher wie kleine nackte Flugsaurier aus. Ab und zu kreischten sie auf, ähnlich wie die riesige fliegende Kreatur weit oben am Himmel. Allerdings sehr viel leiser und krächzender. Vielleicht waren es Jungtiere? Normalerweise wäre Fluttershy sicherlich über diese neuartige Entdeckung ganz aus dem Häuschen. Nun aber legte sie traurig den Kopf auf die andere Seite und schloss die Augen, wobei ihr auch schon wieder die Tränen liefen. Die Tiere verzweifelten an den Aufheiterungsversuchen und wirkten bald schon genauso bedrückt wie sie selbst, bevor sie schließlich wieder von ihrer Seite wichen.
Rainbow lungerte sichtlich niedergeschlagen auf einem Stein herum und ließ die Hufe herunterbaumeln.
Pinkie hing vor dem Bach, schob missgelaunt einen Kieselstein nach dem anderen ins Wasser und ließ sie dort auf planschen.
Gloomy selbst saß ebenfalls nur herum und blickte gen Himmel. Er kam nicht umhin, als über ihre gemeinsame Zeit mit Sniven nachzudenken. Gerade wurde ihm bewusst, dass die Ratte ihnen sogar tatsächlich etwas von den Pilzen abgegeben hat. Von ihrem eigenen Essen! Für ihre Verhältnisse gab es kein größeres Zeichen der Wertschätzung. Sniven mag trübblaues Pony, ngah, ngah, erinnerte er sich an dessen Worte und bildete sich sogar ein, seine Stimme zu hören. Unweigerlich traten ihm Tränen in die Augen, worauf er sich abwandte und seinen Blick über die Runde wandern ließ. Jedem stand die Trauer ins Gesicht geschrieben. Was sollte jetzt nur aus ihnen werden? Wer wusste schon, um wie viele Gefahren Sniven sie herumgeführt hatte, ohne dass sie es überhaupt mitbekommen haben? Gloomy fühlte sich nun umso mehr verantwortlich für alle, aber würde er dieser Aufgabe gewachsen sein? Er fühlte sich nicht wie eine Führungspersönlichkeit. Der Stand der Sonne verriet, dass sie nun schon einige Stunden hier verharrten und sie hatten schließlich nicht ewig Zeit. Da fiel ihm tatsächlich etwas ein und so wischte er sich energisch die Tränen weg, atmete tief durch und sprach: „Wisst ihr noch was Tulhuk, ähm… ich meine Spike uns gesagt hat?“. Langsam blickten sie ihm alle nacheinander missmutig entgegen, während Gloomy ihnen die Worte ins Gedächtnis rief.
„Das hab ich gesagt?“, fragte Spike und kratzte sich verblüfft am Kopf.
„Das mag ja sein“, antwortete Applejack. „Wir haben alle mit einem Abenteuer gerechnet. Aber so hab ich mir das dann doch nicht vorgestellt“.
„Außerdem war die Rede davon, dass wir es gemeinsam überstehen würden“, bekräftigte Rarity. Gloomy erwiderte seufzend: „Im Idealfall sollte das ja auch so sein. Aber… vielleicht erinnert ihr euch ja auch an meine Worte. Solche Dinge passieren eben. Es hätte auch jemanden von uns treffen können“. Er konnte förmlich spüren, wie den anderen daraufhin die Farbe aus dem Gesicht wich. „Aber das hat es nicht!“, fügte er eilig hinzu. „Es ist traurig was geschehen ist, aber wir können es eben nicht ändern. Es ist, wie es ist“.
„Ich weiß nicht, ob ich das so sehen kann, wie du“, warf Fluttershy plötzlich dazwischen und wandte sich dabei wieder traurig ab. „Ich vermisse ihn“. Die anderen stimmten darauf ein.
„Ich weiß. Mir geht es genauso“, erklärte Gloomy. Er zögerte einen Moment und musste plötzlich kurz auflachen, worauf ihm die anderen überraschte Blicke zuwarfen. „Wisst ihr, dass ich ursprünglich einfach nur eine Reise mit euch machen wollte? Wenn ich so darüber nachdenke, dass wir eigentlich einen Krieg zwischen zwei Völkern verhindern wollen… Auf was haben wir uns da eigentlich eingelassen? Wie konnte ich euch nur dazu überreden? Wie konnte Celestia das nur zulassen?“. Jetzt wo er darüber nachdachte, wurde ihm klar, dass es vielleicht genau das war, was Tulhuk so an ihrer kleinen Gruppe faszinierte. Einen Moment trat Schweigen ein. Dann ergriff schließlich Twilight das Wort: „Ich bin mir sicher, dass Celestia sich etwas dabei gedacht hat. Was uns angeht… naja“.
„Vielleicht waren wir genauso aufgeregt wie du und haben deswegen nicht so viel nachgedacht“, gab Rainbow zu bedenken, wobei sie ebenfalls ein seichtes Lächeln überkam. „Die Herausforderung lag ja allein schon darin, überhaupt erst mal dieses Chuba zu finden. Die große weite Welt zu entdecken. Es war spannend! Aber…“. Sie hatte immer begeisterter geklungen, ließ schließlich aber wieder den Kopf hängen. Da trat Applejack an ihre Seite und brachte ihren Gedanken zu Ende: „Niemand von uns hat dabei wirklich bedacht, dass es einer… nicht schaffen könnte“.
„Wie war denn das in deiner Sippe?“, fragte Twilight plötzlich. „Ihr konntet doch sicher auch nicht immer unbehelligt überall verreisen“.
„Das kannst du damit wirklich nicht vergleichen“, erwiderte Gloomy, worauf sie ganz überrascht die Augenbrauen hochzog. Gloomy seufzte, wandte sich Gedankenversunken ab und ging ein paar Schritte, während er sich zu erinnern versuchte. „Unsere Sippe ist sehr viel größer und darunter reisen viele kampferprobte. Sowohl Pegasi, Erd-Ponys und Einhörner. Es ist schon unwahrscheinlich, dass überhaupt jemand eine so große Gruppe angreift und wenn, dann konnten wir uns wehren. Ob es da jemals zu tragischen Zwischenfällen gekommen ist… kann ich nicht sagen. Wir dagegen“. Er sah wieder zu den anderen. „Niemand von uns versteht etwas vom Kämpfen. Sniven ist da schon von ganz anderem Schlag“. Da kam Gloomy plötzlich ein Gedanke, der ihn sogar kurz auflachen ließ und die anderen verblüffte.
„Was ist denn los?“, fragten sie verwirrt.
„Wisst ihr, es würde mich eigentlich gar nicht wundern, wenn Sniven wohlauf wäre“, bemerkte Gloomy, worauf die anderen ganz große Augen machten. „Er ist schließlich eine Großratte und die fühlen sich im Untergrund praktisch wie zuhause“.
„Das mag ja sein“, widersprach Rarity sofort. „Aber du hast diese scheußliche Monstrosität da unten vergessen und die vielen Ratten die ihr bereits zum Opfer…“. Sie stockte und schüttelte sich bei diesem Gedanken.
„Wir hätten nicht einfach gehen dürfen“, beklagte Rainbow auf einmal. „Ich komme mir vor, als hätten wir ihn im Stich gelassen“. Gloomy schüttelte den Kopf.
„Sniven ist keine gewöhnliche Ratte. Er ist genau auf solche Situationen abgerichtet. Als Einzelgänger“, erklärte er.
„Woher weißt du denn das?“.
„Er hat es doch bei unserer ersten Begegnung gesagt. Er ist einer von jenen, die sozusagen ausschwärmen und das Land ausspionieren, bestehlen und was auch immer. Es von innen heraus schwächen sozusagen. Außerdem verrät es seine Ausrüstung. Er ist ein Assassine“.
„Ein was?“, fragten sie alle gleichzeitig, worauf Gloomy stockte. Das konnte er ihnen unmöglich erzählen. Er wollte nicht das schöne Bild zerstören, das sie von ihm hatten und fuhr eilig fort: „Er kommt jedenfalls alleine besser klar. Er ist sehr viel schneller und hat niemanden mehr, um den er sich kümmern oder Rücksicht nehmen muss. Und deswegen“, fügte er mit einem Lächeln an Rainbow gewandt hinzu. „Müssen wir uns auch keine Vorwürfe machen, dass wir ihn im Stich gelassen haben. Wir hätten ihn nur behindert und letzten Endes, hätte er vielleicht wieder uns retten müssen“. Allmählich wirkten die anderen tatsächlich ermuntert. Alle bis auf Pinkie, die immer noch am Bach saß.
„Da ist vielleicht was dran“, stimmte Rainbow ebenfalls lächelnd ein und blickte aufgeregt in die Runde. „Wisst ihr noch, wie er uns auf Sweet Apple Acres diese Hetzjagd bereitet hat?“. Plötzlich mussten sie anfangen zu lachen.
„Nicht nur das. Er hat ganz Ponyville um sein Hab und Gut erleichtert, ohne das es jemand mitbekommen hat. Bis auf Pinkie“, fügte Rarity erheitert hinzu. Plötzlich war ein schniefen zu vernehmen, was sie alle wieder innehalten ließ. Es kam von dem pinken Pony, welches gerade leise zu schluchzen begonnen hatte. Vorsichtig tauschten die anderen Blicke, bevor sie sich an den Versuch wagten, sie aufzumuntern.
„Hey, Pinkie“, begann Rainbow. „Sniven geht es vielleicht besser als wir denken. Freut dich das gar nicht?“. Pinkie zeigte darauf keine Reaktion und schob weiter Kieselsteine in den Bach.
„Ach, Zuckerschnäuzchen“, versuchte es nun Applejack. Sie trat an Pinkie heran und zog sie auf die Hufe. „Wenn du unglücklich bist, dann sind wir alle unglücklich. Zeig uns doch wieder dein Lachen“. Applejack hatte mit ihren Vorderhufen die Mundwinkel von Pinkie nach oben gezogen und für einen kurzen Moment, schien sie wirklich wieder zu Lächeln. „Na also…“. Aber da fiel ihr Lächeln auch schon wieder in sich zusammen und offenbarte, dass sie zutiefst betroffen war. Nicht nur das. Ihre Augen waren ganz blass und glänzten nicht mehr so fröhlich, wie sonst immer. Gloomy war bei dem Anblick ganz entsetzt, aber die anderen schienen das bereits zu kennen. Manchmal hatte er das Gefühl, Pinkie hätte mehrere Persönlichkeiten.
„Tut mir leid, Freunde“, erwiderte sie plötzlich, wandte sich ab und setzte sich wieder niedergeschlagen an den Bach. „Aber ich kann das nicht so leicht wegstecken. Schließlich war er unser Freund. Jedenfalls für mich“. Da begann sie auch schon wieder Steinchen ins Wasser zu kullern. Erneut warfen sie sich allesamt Blicke zu. Diesmal waren es verzweifelte. Keiner wusste, wie sie Pinkie aufheitern konnten.
„Ich kann dich wirklich gut verstehen, Pinkie“. Fluttershy hatte sich nun erhoben. Sie wirkte auf einmal sehr viel sicherer. „Entgegen den Gerüchten, war Sniven überhaupt nicht böse. Ich mochte ihn wirklich sehr und bin traurig darüber, was passiert ist. Aber ich tröste mich mit dem Gedanken, dass er vielleicht… wirklich wohlauf ist“. Sie schluckte bei diesen letzten Worten. Pinkie ging aber nicht darauf ein.
„Wir sollten das Beste aus dieser Lage machen“. Twilight richtete sich mit zittrigen Beinen auf. Ihr zuletzt gewirkter Zauber lag ihr immer noch in den Knochen und sie war müde. Genauso wie alle anderen. Kein Wunder, schließlich waren sie ja auch schon den ganzen Tag unterwegs. Sie sprach jedoch mit fester Stimme: „Lasst uns weitergehen. Es ist bestimmt nicht mehr weit und vielleicht können wir uns dort erholen. Ob Sniven nun wohlauf ist oder nicht, es soll jedenfalls nicht umsonst gewesen sein. Wir werden das tun, weshalb wir hergekommen sind“. Sie stimmten allesamt ein, bis auf Pinkie, die zunächst wieder gar keine Reaktion zeigte.
„Na schön“, sprach sie schließlich mit schwacher Stimme und richtete sich ebenfalls auf. „Ich bin direkt hinter euch“. Mehr konnten sie nicht verlangen. Gerade bedeutete Twilight, Spike, dass er auf ihren Rücken steigen sollte, aber dieser trat zurück und antwortete Kopfschüttelnd: „Eh, eh, lass mal Twilight. Du bist viel zu erschöpft“. Sie lächelte mild. Gerade wollte sie schon lobende Worte sprechen, da… „Gloomy sieht noch ganz munter aus. Er kann mich tragen“.
„Ist das dein Ernst?“. Gloomy wandte sich um und warf ihm einen finsteren Blick zu, als er auch schon mit einem Satz auf seinem Rücken saß.
„Na wer ist denn hier der starke Hengst unter den Ponys?“, fragte Spike mit einem verschmitzten grinsen. Gloomy wollte schon widersprechen, dass der ein oder andere ihrer Gefährten, um einiges stärker war als er. Dann stockte er jedoch und sah einmal in die Runde, die ihn bereits mit großen Augen entgegenblickte, mit einem leisen Lächeln auf den Lippen. Es war schon klar, worauf das hinauslief und so antwortete er seufzend: „Natürlich kann ich da jetzt nicht widersprechen. Wie stünde ich denn sonst da?“. Da begannen sie alle zu lachen und schritten allmählich wieder voran, der großen Kuppel entgegen.
„Na los jetzt! Hottehü! Volle Kraft voraus du alter… ähm“. Damit hatte Spike es übertrieben und wurde sofort wieder still, als Gloomy erneut den Kopf umwandte und ihm einen aufgebrachten Blick zuwarf. „Ich meine… vorwärts? Also wie du willst…“. Im Hintergrund konnte Twilight sich ein Lächeln nicht verkneifen.
„Da fällt mir gerade ein… Hast du mich da letztens wirklich geohrfeigt?“. Applejack machte ganz große Augen, als Rarity sich aus heiterem Himmel mit dieser Frage völlig fassungslos an sie richtete.
„Ähm…“, machte sie nervös und lachte zurückhaltend. Rarity zog tadelnd eine Braue hoch, hakte aber nicht weiter nach. Pinkie trottete ihnen nur langsam und mit hängendem Kopf hinterher.
„Wird es gehen Pinkie?“, fragte Fluttershy besorgt.
„Macht euch keine Gedanken…“. Pinkie stockte und riss die Augen ganz weit auf, bei dem Anblick, der sich direkt vor ihr bot. Die anderen taten es ihr gleich.
Sie konnten nicht sehen, wo es herkam. Direkt vor ihnen lag plötzlich eine kleine, schwach leuchtende Kugel. In den nächsten Momenten passierte gar nichts. Dann ertönte für einen kurzen Moment ein sanfter, melodischer Klang, ein bisschen ähnlich wie Fu und die Kugel sprang gleichzeitig ein Stück nach oben, weg von Pinkie und näher zu den anderen heran, die ganz erschrocken davor zurückwichen und die Kugel dabei nicht aus den Augen ließen. Dann geschah wieder nichts. Gerade wollten sie näher herantreten, da geschah es schon wieder. Diesmal in einer anderen Tonhöhe und sie landete direkt vor Gloomy, der aber diesmal fest stehen blieb und die Kugel musterte. Langsam senkte er den Kopf, um sie sich aus nächster Nähe anzusehen. Gloomy meinte ganz leise, fern und wohlklingende Töne zu vernehmen, die sich wie ein Windspiel anhörten. Es klang beinahe, als würde es ihm aufmunternde Worte zuflüstern. Fu, ertönte es schon wieder in einer anderen Tonhöhe und sprang direkt gegen Gloomys Nase. Die anderen erschraken kurz, aber es geschah nichts. Die Lichtkugel war einfach abgeprallt. Und sie kitzelte. Und sie war… nass? Gloomy wischte sich mit dem Huf die Nase, um einem Nieser vorzubeugen, aber von Nässe war da nichts zu spüren.
„Was ist das?“, kam auch schon die Frage auf.
„Ich“, begann Gloomy zögernd und beobachtete weiterhin die unscheinbare Lichtkugel. „Habe keine Ahnung“.
„Irgendwie wirkt es beruhigend“, gestand Rainbow Dash und trat langsam näher an die Kugel heran. Sie streckte ganz vorsichtig ihren Huf danach aus, aber bevor sie herankam, sprang sie schon wieder mit dem entsprechenden Ton davon. Diesmal sehr viel weiter. „Hey! Bleib doch hier“, rief Rainbow hinterher.
„Wartet!“, warf Twilight dazwischen, als die anderen schon losstürmen wollten. „Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Was wenn es gefährlich ist?“.
„Wir müssen aber ohnehin in diese Richtung“, erwiderte Gloomy. „Ich habe schon mal von einem Leuchten gehört, dass verirrte Wanderer in eine Falle locken soll. Aber das hier ist etwas anderes. Es ist nichts Böses, da bin ich sicher“. Twilight wirkte nur geringfügig überzeugt und antwortete mit Sorgenfalten auf der Stirn: „Na schön. Aber lasst es uns nicht überstürzen, okay?“. Das war auch gar nicht nötig, denn die Lichtkugel schien sich ihrem Tempo anzupassen. Sie machte nun wieder wesentlich kürzere Sprünge in scheinbar gleichen Abständen und kam dabei nur selten vom Kurs ab. Sie kamen auf die Weise der Kuppel immer näher und irgendwie wurde ihnen doch allmählich etwas mulmig zumute. Führte die Lichtkugel sie absichtlich dorthin? Je näher sie kamen, desto gigantischer wurde auch die Kuppel und es stellte sich heraus, dass sie nicht durchsichtig war. Das Licht schien sich darin zu brechen und war mehr wie eine riesige mit Wasser gefüllte Blase, die hier mitten im Tal auf dem Boden lag. Es war nicht zu erkennen, was sich darin befand. Fu, ertönte es und schon war die Lichtkugel im inneren der Blase verschwunden. Die Gruppe warf sich stillschweigend vielsagende Blicke zu. Jeder von ihnen dachte nun das gleiche und zögerte auch nur aus diesem einen Grund.
„Es gibt nur einen Weg, um das herauszufinden“, sprach Gloomy fest entschlossen und trat ohne weiteres auf die Blase zu. Die anderen protestierten bereits. Besonders Spike: „Moment mal! Hast du mich vergesse! Da hab ich doch auch noch mitzureden…“. Aber Gloomy hörte ihm nicht zu. Es fühlte sich an, als würde er unter einem Wasserfall hindurchlaufen. Nur das es keinen Druck von oben gab und es war auch nicht so laut. Mit geschlossenen Augen kam er auf der anderen Seite an und schüttelte sich zunächst kräftig, was aber gar nicht nötig war. Er war nicht nass, aber merkwürdigerweise fühlte es sich nass an. Er hörte bereits, dass sich die Umgebung verändert hatte. Es klang wie das zirpen und summen von Millionen Insekten, aber nicht so penetrant. Wie stetig einschlagende Wellen am Strand, aber nicht so wild. Als würde es in Strömen regnen, aber nicht so stürmisch. Das konnte noch lange weitergeführt werden. Die Töne wechselten dabei ständig, verstummten Teilweise komplett und ließen andere Klänge in den Vordergrund treten. So öffnete Gloomy die Augen und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Er konnte auch Spike auf seinem Rücken vor Überwältigung ausatmen hören.
Es war ein… düsterer Ort. Die Gegend war über und über mit verschiedensten Pflanzen bewachsen und Baumstämme, mit einem gewaltigen Durchmesser, ragten in die Höhe hinauf bis in den… Himmel? Gloomys Augen weiteten sich noch mehr bei diesem Anblick. Es gab keinen Himmel. Stattdessen schwebte dort auf magische Weise die wasserartige Substanz der Blase und die Baumstämme verliefen darüber hinaus, sodass die Krone gar nicht zu sehen war. Außerdem schien die Substanz nur wenig Licht von draußen hineinzulassen, was diesem Ort wohl auch seine Düsternis verlieh. Gleichzeitig war es aber auch auf dieselbe Weise zauberhaft schön und wirkte sehr friedlich.
Gloomy wandte sich um und traf Spikes Blick, worauf sie sich auch schon gegenseitig erfreut angrinsten. Der Rest der Gruppe betrat nun die Blase. Im selben Moment wurden die vielen verschiedenen Klänge verzerrt, als würden die Töne hinausgesogen werden. Gefolgt von mehreren „Oh’s“ und „Ah’s“. Die nächsten Augenblicke schwiegen sie und sahen sich nur fassungslos um.
„Das“, begann Twilight langsam. „Ist dann wohl Chuba“. Es konnte gar nicht anders sein. So geheimnisumwoben wie dieser Name, erschien ihnen auch dieser Ort.
„Hier ist es unheimlich“, sprach Fluttershy erschaudernd.
„Findest du?“, fragte Gloomy glucksend. „Naja, es ist etwas finster. Versuche dich doch stattdessen auf die anderen Dinge zu konzentrieren“. Zum Beispiel auf die, wenn auch chaotischen, aber trotzdem angenehm klingenden Töne und der Geruch von… was war es? Gloomy wusste es nicht. Aber es roch angenehm. Genauso fühlte er sich auch und da war er nicht der einzige. Es war nicht zu kalt und nicht zu warm. Etwas feucht vielleicht, aber gleichzeitig wieder auch nicht. Sie alle überkam ein wohliges Gefühl, obwohl es gleichzeitig auch einschüchternd wirkte. Was hatte es damit nur auf sich?
„Ich habe irgendwie gar keine Angst“, antwortete Fluttershy plötzlich und war deswegen beinahe verstört.
„Es ist… unglaublich und exquisit“, fügte Rarity fasziniert hinzu. Wieder schwiegen sie und kurz darauf blickten sie sich alle gegenseitig an und mussten plötzlich anfangen zu lachen. Es erleichterte sie zutiefst, dass sie nach der langen Reise endlich ihr Ziel erreicht hatten und es ließ sie sogar die vergangenen Ereignisse im Untergrund vergessen. Selbst Pinkie, aber ihre Mähne verblieb weiterhin in ihrem traurigen Zustand.
„Ich bin wirklich froh, dass wir hier sind“, sprach Applejack in die Runde, worauf die anderen ebenso erfreut einstimmten.
„Ähm. Weiß denn jemand auch, wo wir jetzt lang müssen? Sieht nicht so aus, als ob es hier einen Weg gibt“, bemerkte Rainbow. Damit hatte sie Recht. Wo sie auch hinblickten, war es bewachsen.
„Dann müssen wir uns eben durch die Büsche schlagen. Na los, kommt“. Mit diesen Worten, ging Applejack auch schon munter und fröhlich voraus.
„Durch die Büsche? Oh nein“, kam es plötzlich von Rarity, die etwas angewidert das Gesicht verzogen hatte. „Ich hoffe, hier ist es wenigstens sauber“.
„Tja, dir bleibt keine andere Wahl…“, begann Applejack, aber gerade als sie sich durch einen dichten Busch kämpfen wollte, schob dieser sich plötzlich von ganz alleine beiseite. Sie hielten allesamt inne und blickten dem Busch erstaunt dabei zu, wie er sich etwas weiter weg von ihnen wieder absetzte.
„Dankeschön, Buschy!“, rief Pinkie und winkte diesem kurz zu. Auf die verblüfften Blicke der anderen, zuckte sie nur mit den Schultern. „Anscheinend will der Busch nicht, dass ihr euch bei ihm durchzwängt und ist sicherheitshalber beiseite gegangen“. Pinkie wirkte immer noch nicht wie sie selbst und ihre Stimme klang etwas heiser. Aber dieser Ort schien dennoch eine positive Wirkung auf sie zu haben.
„Ja, ich hätte auch nichts anderes erwartet“, warf Twilight plötzlich sarkastisch ein.
„Zum Glück verhält sich deine Baum-Bibliothek nicht auch so“, folgte Gloomys trockener Kommentar, worauf er sich einen finsteren Blick von ihr einfing, was allerdings gleich zu einem Lächeln wurde, als die anderen anfingen zu kichern.
Langsam setzten sie ihren Weg fort und es blieb nicht bei diesem einen Busch, der ihnen aus dem Weg ging. Oder besser gesagt, bei dieser Pflanze, denn wirklich alles wich ihnen hier aus und setzte sich etwas weiter fort wieder ab. Die Grashalme schrumpften an den Stellen, wo sie hintraten und wuchsen in Windeseile wieder hinter ihnen nach. So kam es, dass sie die nächste Zeit eigentlich kaum darauf achteten, wo sie eigentlich hinwollten, da sie stetig dieses Schauspiel bewunderten und sich darüber amüsierten. Einmal betraten sie ein großes Feld das wie Pusteblumen aussah. Gleich darauf schrumpften alle Blumen gleichzeitig in sich zusammen und stießen vorher aber noch alle Blüten von sich, die direkt vor ihren Augen nach oben stoben. Einen weiteren Moment später, verwandelten die Blüten sich plötzlich in diese Lichtkugeln, wie sie bereits zuvor schon eine gesehen haben. Nur waren es diesmal sehr viele und es folgte wahrhaftig ein Windspiel-Orchester, wie sie es nie zu hören gedacht hätten. Einiger dieser Lichtkugeln schwebten weiter empor und schienen mit der Blase zu verschmelzen. Andere fielen hinunter und sprangen mit dem wie zuvor bereits vernommenen Fu in alle möglichen Richtungen davon.
„Hier ist es wunderschön“. Fluttershy sprach ihnen allen aus dem Herzen. „Allerdings habe ich noch gar keine Tiere gesehen?“. Damit hatte sie allerdings recht. Sollten sie sich darüber Sorgen machen?
„Diese… Bäume… gehen wohl nicht so aus dem Weg, wie die anderen Pflanzen“, stellte Rarity fest, als sie sich schließlich sehr vielen dicht stehenden Bäumen näherten, die merkwürdigerweise immer dichter wurden, je mehr sie versuchten daran vorbeizukommen.
„Uhh“, machte Pinkie plötzlich und fing sich einige überraschte Blicke ein. „Gerade kam mir so der Gedanke, was wenn die Bäume sich uns jetzt überall in den Weg stellen und wir von hier nicht mehr wegkommen?“. Für einen kurzen Moment erschraken sie allesamt, aber diese Sorge schien unbegründet. Die Baumwand befand sich nur auf einer Seite und selbst als sie versuchten, drumherum zu laufen, fanden sie keinen Weg.
„Ich habe irgendwie das Gefühl, dass wir nicht weiterkommen“, gab Twilight bekannt und runzelte nachdenklich die Stirn.
„Drüber fliegen funktioniert auch nicht. Aber ihr würdet euch wundern“. Rainbow sprach ganz aufgeregt und flog dabei vor ihnen hin und her. „Diese Bäume, hören über der Blase einfach auf und auf der anderen Seite, ist dann der Himmel“.
„So schön es hier auch sein mag… Irgendwie ist mir dieser Ort nicht geheuer“, bemerkte Fluttershy mit leichtem Unbehagen in der Stimme.
„Ich verstehe was du meinst, liebes. Aber trotzdem mache ich mir seltsamerweise überhaupt keine Sorgen“, stimmte Rarity zu, was Fluttershy sogar mit einem Lächeln bestätigte.
„Schön und gut, aber was machen wir jetzt. Auch ich habe langsam das Gefühl, dass wir im Kreis laufen“, bemerkte Applejack. Sie dachten angestrengt nach, währenddessen Spike von Gloomys Rücken sprang und sich einer der Lichtkugeln näherte, die gerade in ihre Nähe gesprungen war. Er baute sich davor auf, räusperte sich und sprach plötzlich ganz übertrieben förmlich: „Entschuldige bitte. Aber kannst du uns vielleicht verraten, wie wir an diesen dicht stehenden Bäumen vorbeikommen? Wir haben dort drinnen dringliche Angelegenheiten zu erledigen“. Die anderen blickten Spike ganz überrascht entgegen. Für einen Moment wirkte es sogar, als hätte die Lichtkugel zugehört. Dann ertönte wieder nur ein Fu und sie war wieder weg.
„Netter Versuch, Spike“, sprach Twilight unter dem Gekicher der anderen und grinste ihn dabei an. Spike seufzte nur und wandte sich ab. Das sollte ohnehin nur ein Geck sein.
„Ja, das war es Wert…“.
„Warte!“, rief Gloomy plötzlich und deutete hinter sie. Die Lichtkugel wirbelte auf einmal immer schneller werdend um einen der Bäume herum, bis sie plötzlich dagegen flog, mit einem erneuten Fu langsam nach unten segelte, als hätte sie das Bewusstsein verloren und sich auflöste. Zunächst sagte keiner von ihnen ein Wort. Dann sagte Pinkie: „Anscheinend hat das Licht sich am Baum gestoßen“. Die anderen warfen ihr nur ausdruckslose Blicke zu, aber der Baum bewegte sich. Er glitt förmlich über den Boden beiseite, als hätte er Füße bekommen. Gleich darauf folgten noch viele weitere Lichtkugeln und taten selbiges bei den anderen Baumstämmen, die dann ebenfalls unter den fassungslosen Blicken der Ponys beiseite glitten.
„Tja“, bemerkte Spike schließlich mit vor Stolz erhobener Brust. „Genau das hatte ich vor“. Die anderen lachten, während Twilight an ihn herantrat und ihn am Kopf kraulte.
Hinter der Baumwand offenbarte sich gleich die nächste Sehenswürdigkeit, als sie zunächst ein greller Lichtschein von hoch oben blendete. Eigentlich hätten sie damit bereits rechnen können, aber es erstaunte sie trotzdem und eine Welle der Freude überkam sie. Allesamt sahen sie ganz vergnügt in die Runde.
„Sieht so aus, als seien wir endgültig am Ziel angekommen“. Sie blickten wieder nach vorn und fragten sich auch schon, was sie dort wohl erwarten würde.
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