Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
04.12.2020
32
205.111
4
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.01.2020 28.092
 
3.3. Trau k/einer Ratte

Sie wollten keine Zeit verlieren und sich so schnell wie möglich auf den Weg machen. Doch zunächst führte sie dieser zum Golden Oak, da sie sich erst noch von Gloomys Sippe ein paar Ratschläge holen wollten. Als sie die Bibliothek betraten, wurden sie jedoch von unerwartetem Besuch überrascht.
„Ah, ihr müsst die richtigen sein. Ich habe schon auf euch gewartet“. Dort mitten in der Bibliothek saß auf der Rundbank ein stattliches, großes Erd-Pony, mit einem hell- dunkelbraun gefleckten Fell und… ohne Mähne? Ein merkwürdiger Anblick. Zumindest soweit er zu erkennen war, denn er trug einen langen grauen Umhang, der auch seinen Schönheitsfleck überdeckte und sah ihnen nüchtern, mit festem Blick entgegen.
„Ähm, Verzeihung?“. Twilight näherte sich ihm als erste mit gerunzelter Stirn und sah sich gleichzeitig nach Spike um. „Kann ich dir irgendwie helfen?“. Der große lachte auf einmal herzhaft auf.
„Schön wär’s. Deswegen bin ich aber auch nicht hier“.
„Twilight!“. Spike tauchte auf einmal hinter dem Fremden auf und sah ihnen mit großen Augen entgegen.
„Spike! Was hab ich über fremden Besuch während meiner Abwesenheit gesagt?“, kam es streng von ihr.
„Ich dachte das hier ist eine Bibliothek?“, fragte der Fremde und hob verwundert eine Augenbraue. Twilight stutzte und erwiderte stotternd: „Ja schon, aber…“. Sie war allerdings nicht die einzige, die im Moment ungewöhnlich misstrauisch gegenüber dem merkwürdigen Besucher war. Vielleicht wegen seines plötzlichen Erscheinens oder weil er sich und seinen Schönheitsfleck unter einem langen Umhang verbarg? Oder sie waren immer noch etwas durch den Wind, wegen der Begegnung mit den Ratten und der bevorstehenden gefährlichen Reise? Im Grunde wirkte er aber eigentlich sehr freundlich und vertrauenserweckend.
Der Fremde schüttelte nur den Kopf und unterbrach sie: „Du darfst dem jungen Spike jedenfalls nicht die Schuld geben. Er hat mich nicht hereingelassen. Ich bin nicht mal durch die Tür gekommen“.
„Hat Noma dich durch die Kugel geschickt?“, fragte Gloomy daraufhin sofort, was mit einem Nicken bestätigt wurde. „Aber ich kenne dich gar nicht“.
„Das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich war nur zufällig gerade in der Nähe. Die Alte scheint nun mal im Voraus zu wissen, wo die rechte Zeit am rechten Ort ist“. Gloomy runzelte die Stirn und wiederholte: „Die Alte“. Ein schmunzeln trat in das Gesicht des Fremden.
„Ihr nennt sie doch alle Älteste? Ich habe bereits auf den ersten Blick erkannt, dass sie älter ist als sie aussieht. Die Junge wäre da wohl kaum angemessen“.
Alte klingt aber so respektlos“. Der Fremde schüttelte daraufhin nur, immer noch schmunzelnd den Kopf und antwortete: „Wollen wir noch weiter darüber diskutieren? Oder wollt ihr lieber etwas über das Chuba erfahren?“. Alle machten daraufhin ganz große Augen.
„Dann ist es also wahr“. Spike trat hervor, halb aufgebracht, halb besorgt wie es schien. „Ihr unternehmt eine Reise. Fort aus Equestria?“. Niemand antwortete. Twilight sah ihm zunächst nur bekümmert entgegen, bevor sie sich mit hörbarer Verwunderung wieder an den Fremden wandte: „Woher weißt du davon?“.
„Von Noma sicherlich“, warf Gloomy ein und seufzte auf Twilights immer noch verständnislose Miene. „Hab ich dir doch schon mal erzählt. Sie ist Hellseherin“. Er wusste genau, wieso Twilight das wieder vergessen hatte. Nämlich…
„Sie sieht hell? Wow!“, rief Pinkie plötzlich ganz begeistert dazwischen. „Aber eigentlich tun wir das ja alle“.
„Ich meine, sie ist Wahrsagerin“, fügte Gloomy etwas genervt hinzu. Pinkie nickte eifrig.
„Na dafür haben wir unsere Applejack, stimmt’s?“.
„Ich denke, was Gloomy meint ist, dass Noma die Zukunft sehen kann, Ms Pie“, erklärte Rarity mit zusammengekniffenen Augen.
„Uh, also wirklich. Bei meinem sechsten Sinn“. Pinkie winkte ab und fügte lässig hinzu: „Denkst du etwa, ich wüsste das nicht, Ms… Rarity?“.
„Na wenn man solchen Dingen Glauben schenken mag, bitteschön“, warf Twilight Sparkle auf einmal verächtlich kichernd ein. Genau deswegen, dachte Gloomy nur kopfschüttelnd.
„Immerhin wusste sie bereits im Voraus von unserem kommenden Unternehmen“, bemerkte Applejack scharf, worauf Twilight kurz zögerte und schließlich mit gespielter Gelassenheit hastig entgegnete: „Celestia muss es ihr bereits mitgeteilt haben“.
„Na klar. Sicher ist die Prinzessin wie der Wind binnen weniger Minuten nach Canterlot geeilt und hat ganz eifrig Noma kontaktiert, weil sie ja auch den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat“, ratterte Gloomy ohne Luft zu holen mit einem Mal sarkastisch herunter.
„Sehr unterhaltsam das ganze“, kam es plötzlich trocken von dem Fremden, ehe Twilight zurückfauchen konnte. Sie wollten doch eigentlich nach Chuba, dachte dieser verwirrt. Wie konnte sich plötzlich so eine Diskussion entwickeln? „Geht das noch lange so? Dann würde ich mich nämlich noch mal hinsetzen“.
„Eigentlich…“, begann Twilight aber Gloomy unterbrach sie bitter: „Besser nicht. Die Zeit drängt“.
„Ich hatte nicht vor weiterzumachen“, erwiderte Twilight und sah Gloomy dabei empört entgegen. „Schließlich wissen wir ja alle, dass manche Dinge nun mal einfach nicht möglich sind, da sie sich schlicht jeglicher Logik entziehen“.
„Für dich?“.
„Schluss jetzt!“, ging Applejack schließlich dazwischen. „Beim Weizenspreu, ihr streitet wie kleine Fohlen. Habt euch wieder lieb“. Die beiden warfen sich gegenseitig einen letzten gereizten Blick zu, beließen es aber schließlich dabei. Im Grunde war es auch nicht wirklich ein Streit. Zumindest kein schlimmer. Dafür kannten sie sich schon viel zu lange. „Wir sind bereit dir zuzuhören“, beendete Applejack schließlich das Ganze.
„Schade. Gerade wurde es richtig amüsant“. Der Fremde wandte ihnen den Rücken zu und begann langsam im Golden Oak auf und ab zu laufen. „Ihr wollt also nach Chuba?“. Er schüttelte den Kopf und schnaubte auf einmal argwöhnisch. Die anderen warfen sich verwirrte Blicke zu, aber da fuhr er auch schon fort: „Ihr müsst verrückt sein, jetzt da hinauf zu wollen. Da steht ein großes Ereignis bevor“.
„Das wissen wir bereits. Der Krieg“, bemerkte Rainbow schlicht.
„So? Von einem Krieg weiß ich nichts“. Das hatte der Fremde beängstigend ungerührt ausgesprochen. Als ob es gar nichts wäre. „Aber vielleicht ist er dafür auch verantwortlich. Er stiftet gerade ziemlich Chaos unter den Chubbis“.
„Wen meinst du denn überhaupt“, kam es ungeduldig, worauf der Fremde seufzend antwortete: „Das… kann ich euch nicht sagen. Es ist… kompliziert. Ich würde euch eigentlich am Liebsten begleiten, aber leider kann ich mich bei den Chubbis nicht mehr blicken lassen. Ich bin in Ungnade gefallen, Opfer einer Intrige geworden und mit besten Empfehlungen rausgeschmissen“. Seine Miene war beim Sprechen immer finsterer geworden.
„Wenn es mit besten Empfehlungen war, dann können die Chubbis doch gar nicht so übel sein?“, fragte Fluttershy zaghaft. Rainbow rollte mit den Augen und meldete sich zu Wort: „Das hat er sicher nicht so gemeint, Fluttershy“.
„In der Tat nicht“, stimmte der Fremde ihr zu. „Die Chubbis sind sicher nicht böse, aber sie sind auch keine allzu angenehmen Zeitgenossen. Es ist ein stolzes, zähes Volk. Rechnet nicht mit einer freundlichen Begrüßung, die wird dort niemandem zuteil. Vor allem nicht jenen von außerhalb“. Die Ponys hingen förmlich an den Lippen des Fremden und hörten ihm aufmerksam zu. Sie waren inzwischen richtig neugierig und begannen aufgeregt durcheinander zu tratschen. Der Fremde hatte bereits inne gehalten, musterte sie nun auf einmal ganz besorgt und fügte hinzu: „Ich weiß nicht, ob es wirklich reicht, wenn ich euch nur den Weg beschreibe. Es wäre besser, wenn ich euch wenigstens bis dorthin führen könnte“.
„Oh, aber wir haben bereits jemanden, der uns führt“, erklärte Fluttershy auf einmal ganz erheitert. Auf den folgenden Verwirrten Blick hin, erwähnten sie ihm ihren saudischen Reiseführer, worauf er entsetzt ganz große Augen machte.
„Eine Ratte? Ihr lasst euch von einer Ratte führen?“.
„Er ist vertrauenswürdig“, entgegnete Gloomy zuversichtlich.
„Ich hoffe du hast Recht. In eurem Interesse“. Er war bei diesen Worten an Gloomy herangetreten und sah ihm dabei fest in die Augen, worauf Gloomy etwas erschrocken zurückwich. Gleich darauf ließ er jedoch wieder von Gloomy ab. „Jetzt hab ich das Gefühl, euer Gefährte wird das gefährlichste auf eurer Reise sein“.
„So gefährlich ist er jetzt auch wieder nicht“. Applejack sah ihm misstrauisch mit gerunzelter Stirn entgegen.
„Seid gewarnt, wenn es hart auf hart kommt, dann vertraut aufeinander! Nicht ihm! Nicht der Ratte!“, sprach der Fremde plötzlich nachdrücklich auf sie ein. „Er wird sein eigenes Fell retten, das garantiere ich euch. Was immer ihr tut, meidet den Untergrund! Er wird euch bestimmt einreden wollen, diesen zu verwenden, weil er besser sei oder so“.
„Nichts kann mich dazu bringen, in ein Erdloch hinabzusteigen!“, garantierte Rarity, bevor sie augenzwinkernd fragte: „Darling, wieso kommst du denn eigentlich nicht mit? Zusammen sind wir bestimmt viel sicherer“. Dieser schmunzelte daraufhin und antwortete kopfschüttelnd: „Ich kann nicht. Ich werde anderswo benötigt. Und deswegen muss ich euch jetzt auch verlassen“.
„Was? Schon? Aber ich habe doch noch so viele Fragen?“, protestierte Twilight.
„Ihr müsst selber Erfahrung sammeln. Das kann ich euch nicht abnehmen. Ich wollte euch eigentlich nur den Weg beschreiben, aber das hat sich ja erledigt. Ach so, wenn ihr schließlich in Chuba angekommen seid – wendet euch an Chanubal. Er wird eurem Anliegen Gehör schenken“.
„Verstanden“. Ein entschlossenes nicken ging durch die Ponys. Woher kam auf einmal diese Zuversicht?
„Na dann wäre ja alles geklärt. Wann machen wir uns also auf den Weg?“, kam auf einmal die Frage ganz selbstverständlich von dem kleinen Drachen.
„Spike“, begann Twilight mahnend, aber dieser unterbrach sie: „Ich habe deine unausgesprochene Bitte sofort mitbekommen und natürlich werde ich mein Bestes geben und euch mit all meinen Fähigkeiten auf der Reise unterstützen“. Nein, das wäre jetzt zu gemein, dachte Gloomy nur und unterdrückte mühevoll das Lachen.
„Spike“, sprach Twilight erneut mit bedrückter Tonlage. Der kleine Drache wusste bereits was das bedeutete, sah ihr aber mit großen, funkelnden Augen flehend entgegen. Viel zu gern wollte auch er sehen, wie es außerhalb von Equestria zuging. Das war sicher ein Abenteuer. Twilight seufzte und blickte fragend zu Gloomy. „Ist das nicht zu gefährlich?“. Gloomy zögerte. Gefährlich?
„Eigentlich… naja. Ähm“, druckste er, räusperte sich schließlich und fügte mit fester Stimme hinzu: „Es ist eben wie eine Reise. Nur nicht in Equestria. Und die Chubbis sind nicht gewalttätig. Hast ihn ja selbst gehört“. Er schluckte nervös nach diesen Worten. Twilight wandte sich darauf immer noch etwas unsicher an Spike, sprach aber schließlich mit einem leichten Lächeln: „Na schön, Spike. Du darfst mitkommen“. Spike jubelte daraufhin voller Freude, worauf die Ponys zu lachen begannen. Der Fremde warf Gloomy derweil einen scharfen Blick zu und sagte zu ihm, ohne das die anderen es mitbekamen: „Mit dir hätte ich nachher gerne noch ein paar Worte gewechselt“. Gloomy machte ganz große Augen. Was hatte das zu bedeuten? Als sich alle schließlich wieder etwas beruhigt hatten, fügte er laut hinzu: „Tut mir bitte alle nur einen Gefallen ja?“. Er zögerte auf einmal und wirkte plötzlich sehr niedergeschlagen, als er sich vor ihnen hinstellte und sprach: „Gebt auf euch acht. Jeder von euch, wäre ein großer Verlust für diese Welt“. Die Ponys warfen sich daraufhin ganz verwirrte Blicke zu. Sie alle dachten wohl etwas Ähnliches. War das nicht etwas übertrieben?
„Wer bist du eigentlich?“, fragte Applejack schließlich frei heraus. Die folgende Reaktion war sonderbar. Der Fremde machte plötzlich ganz große Augen und sein eben noch fester Blick senkte sich ganz langsam und blieb irgendwo vor ihren Hufen auf dem Boden stehen. Dann runzelte er die Stirn und antwortete kaum hörbar: „Ich bin niemand“.
„Also Nobody? Sein Name ist Nobody!“, rief Pinkie plötzlich begeistert, worauf Rarity und Applejack sofort an ihrer Seite erschienen und ihre Hufe gegen ihr Maul drückten, um sie zum Schweigen zu bringen. Sie versuchten daraufhin noch ein paar weitere Worte mit ihm zu plaudern, aber er verblieb in einem geheimnisvollen Schweigen.

„Wo ist eigentlich unser… ähm… übel riechender Freund?“. Die Frage kam von Rarity, kurz nachdem sie den Golden Oak verlassen haben. Der mysteriöse Fremde war wieder durch Gloomys Kugel verschwunden und keiner von ihnen wusste, wer er überhaupt war. Aber das war eigentlich auch nicht so wichtig, wie ihr nächstes Vorhaben, welches wohl noch einen Tag auf sich warten lassen würde. Es war nämlich schon spät und keiner von ihnen war erpicht darauf bei Nacht zu reisen, auch wenn sie dadurch einen Tag verlieren würden. Sie wollten das nur noch mit Sniven absprechen.
„Auf der Farm. Er hat Gloomy beim Wort genommen und konnte meinen gesamten Vorrat an Apfelkuchen tragen“. Der Vorwurf war mehr als deutlich hinauszuhören. Jedoch sah Applejack Gloomy dabei nicht an, während sie sich auf dem Weg zur Farm befanden.
„Ich habe doch schon gesagt, dass es mir leid tut“, erklärte Gloomy kleinlaut, worauf Applejack plötzlich zu lachen begann.
„Na, so schlimm ist es ja auch nicht. Ich mach das gerne und die Äpfel werden mir nicht ausgehen“, antwortete sie heiter. „Außerdem ist es schön zu sehen, wenn jemandem die Kuchen so gut schmecken. Die wird er alle gar nicht allein verputzen können“.
„Wenn du wüsstest“, bemerkte Gloomy kurz angebunden und fing sich einen verwunderten Blick ein. Er hatte da so einen Verdacht was sie vorfinden würden und lag auch richtig. Laut Applejack hatte sich Sniven mit den Kuchen vor die Scheune gesetzt. Mittlerweile waren dort aber weder Sniven, noch die Kuchen. Stattdessen fanden sie die, in dunkle Kleidung gehüllte Ratte, mit der eng liegenden Kapuze Äpfel naschend auf einem Baum sitzen.
„Sniven!“, rief Applejack aufgebracht.
„Was?“. Die Ratte machte ganz große Augen, als sie eben noch einen Apfel mit einem Bissen verschlang.
„Was ist mit dem Kuchen?“. Von Sniven kam nur ein verständnisloses Augenblinzeln. Applejack warf Gloomy einen fragenden Blick zu, den dieser sofort verstand und ihn nur vielsagend erwiderte. Applejack seufzte. „Ist das dein Ernst?“, fügte sie an Sniven gewandt hinzu. „Der Kuchen war ausgemacht. Die Äpfel aber nicht!“.
„Das ist unsereins Anzahlung für die Reise, ja, ja“, lispelte Sniven, mit seiner üblichen hohen kratzigen Stimme völlig selbstverständlich.
„Wow“, machte Pinkie begeistert. „Und ich dachte immer ich bin ein Schleckermaul“. Die anderen waren allesamt sprachlos, wie viel dieser Sauden offenbar essen konnte und verfolgten stumm das Gespräch. Applejack schnaubte empört, Sie war nicht minder fassungslos, aber diese Situation verärgerte sie doch gerade zu sehr.
„War der Kuchen nicht Anzahlung genug?“. Sniven zuckte nur mit den Schultern und antwortete gelassen: „Kuchen war vorher schon ausgemacht. Ponyding sagte-sprach es selbst“. Nach diesen Worten verputzte Sniven auch schon den nächsten Apfel, worauf Applejack wütend aufstampfte und auf Gloomy zuschritt, welcher bereits ängstlich zurückwich.
„Weißt du was?“, begann sie zähneknirschend. „Ich nehme alles zurück. Du wirst mir beim Backen helfen und noch mehr als das! Ich lass mir was einfallen“. Sie war ganz nah an Gloomy herangetreten und stand ihm nun dicht an dicht gegenüber, mit vor Wut gerunzelter Stirn. Gloomy stotterte irgendetwas unverständliches, als Twilight eilig einwarf: „Applejack, beruhige dich doch“. Dann wandte sie sich vorsichtig an Sniven. „Ähm. Denkst du nicht, dass du inzwischen genug hattest?“. Sniven zögerte auf einmal, hob plötzlich seine Schnauze gen Himmel und schnupperte eifrig. Dann sprang er mit einem Mal vom Baum und antwortete: „Ja, Zeit ist gut. Ist ja auch schon des Saudens dritter Bau-Baum. Das reich-genügt für eine Weile“.
„Der dritte…?“, begann Applejack ungläubig und aufgeregt. Tatsächlich hatte Sniven bereits zwei andere Bäume von all seinen Äpfeln erleichtert. Sogar Blätter wiesen vereinzelt Bissstellen auf. Applejack knurrte wütend, mit einem Seitenblick auf Gloomy und ging nun aber auf Sniven zu. „Du Vielfraß…“, legte sie los, aber Twilight schritt eilig dazwischen.
„Er hat jetzt erst mal genug und wird keinen weiteren Apfel anrühren“, sprach sie mit einem verlegenen grinsen zu Applejack. „Stimmt’s nicht, Sniven?“. Dieser schenkte der wutentbrannten Applejack aber scheinbar überhaupt keine Aufmerksamkeit. Vielleicht interessierte es ihn auch einfach nicht. Umso mehr aber der kleine Drache, der ihm jetzt nur ein paar Huf entfernt stand und ihm mit weit aufgerissenen Augen entgegenblickte.
„Was-Was ist es denn?“, fragte Sniven, flitzte eilig auf ihn zu und beschnupperte ihn neugierig, was für den kleinen Spike etwas beängstigend war. Schließlich kannte er die Ratte überhaupt nicht und sie überragte ihn auch noch um das Doppelte.
„Ähm… ich…“, wollte er eben anfangen, aber Sniven fuhr fort: „Das kein Ponyding, nein, nein“. Und ehe noch jemand etwas tun konnte, streckte die Ratte plötzlich ruckartig ihre Pfote aus, packte Spike am Fußgelenk und ließ ihn Kopfüber herunterbaumeln, um ihn offenbar genauer unter die Lupe zu nehmen.
„Hey, lass mich los!“, empörte sich Spike laut.
„Nur einmal kosten“. Sniven öffnete bereits schon das Maul.
„NEIN“, riefen alle Ponys gleichzeitig, worauf die Ratte erschrak, Spike fallen ließ und mit wilden, unkontrollierten Gesten ein paar Schritte von ihnen fort eilte.
„Sniven, das ist Spike. Und er ist ein Drache“, erklärte Fluttershy geduldig. Sniven stutzte. Dann warf er Spike noch einmal einen Blick zu und brach unmittelbar in Gelächter aus.
„Nahaha! Sniven weiß, was Drachen sind. Dieser ein Drache? Sieht aus wie Käfer auf nur zwei Beinen. Aber Käferlein, muss scheinbar sein“. Er kriegte sich schnell wieder ein und winkte die Ponys zu sich heran, ehe er mit begeisterter Stimme fortfuhr: „Gut-Gut. Folgen. Folgt Sniven. Sniven des Saudens größter, bestester Wegfinder, ja, ja!“. Mit diesen Worten flitzte er auch schon voraus.
„Sniven, warte!“, rief Twilight hinterher, worauf er innehielt und ihnen verdutzt entgegensah. „Es ist schon reichlich spät. Wir sollten erst Morgen losgehen“. Sniven kratzte sich am Kopf und antwortete: „Ponydinger wollen nicht schnellstens ins Chuba?“.
Ponydinger wollen jedenfalls nicht bei Nacht in einer gefährlichen Gegend umherirren“. Es passte Rarity überhaupt nicht, wie Sniven sie anredete und sprach daher von oben herab zu ihm.
„Nah“, machte Sniven abwinkend. „Ponydinger sicher mit-mit Sniven. Dieser führt auf sicherem Wege, ja, ja“.
„Wir vertrauen dir“. Fluttershy lächelte ihm zuversichtlich entgegen, womit sie allerdings die einzige war. Die anderen warfen sich eher unsichere Blicke zu. Vor allem nachdem sie von dem fremden Pony gewarnt wurden.
„Ja. Aber nicht zu viel“, fügte Rainbow drohend hinzu. „Also pass besser auf was du tust!“.
„Allerdings! Sechzehn Augen sind auf dich gerichtet. Eine falsche Bewegung und dann kracht es!“, bekräftigte Pinkie, Rainbows Worte und blickte Sniven mit eng zusammengekniffenen Augen an. Dieser lachte daraufhin erneut.
„Ponydinger drohen uns? Wir sie schon einmal überlist-listet. Was soll uns hindern? Vertraut auf Sniven. Sein Schwanz ist außerdem viel-mehr länger und schöner als dieses komische Fusselzeug was sie da haben“. Die letzten Worte hatte er in einem überaus abfälligen Tonfall hinzugefügt.
„Was?“, kam es von allen Ponys gleichzeitig verwirrt. Sogleich besahen sie sich ihren Schweif, während Sniven belustigt an Spike herantrat, der gerade bekümmert seinen eigenen Schwanz ansah.
„Ngah, kleines Käferlein“, sprach die Ratte kichernd und tätschelte Spike behutsam den Kopf, der ihr daraufhin erbost entgegenblickte.
„Er meint es nicht böse“, warf Gloomy hastig ein.
„Ach was? Das kannst du ohnehin nicht verstehen, Gloomy“, entgegnete Rarity gereizt. „So etwas geziemt sich einfach nicht gegenüber einer Dame…“. Aber Gloomy fiel ihr seufzend ins Wort: „Erwartest du schon wieder Anstand von einer Ratte?“.
„Was hat das überhaupt damit zu tun?“, fragte Applejack verstört an Sniven gerichtet, welcher daraufhin, ganz stolz seinen Schwanz umklammernd, begeistert antwortete: „Die Größe sagt-spricht alles! Dieser Sauden stark! Dieser Sauden gewieft! Sniven wird-wird euch heil und sicher führen, ja, ja“. Er grinste dabei schelmisch, was genau das Gegenteil von dem rüberbrachte, was er versprach.
„Wie weit ist dieses Chuba eigentlich?“, fragte Twilight misstrauisch. „Und in welcher Richtung liegt es ungefähr?“.
„Der hohe Westen“.
„Du meinst Nordwesten?“.
„Störe es uns nicht mit Fremdwörtern!“, erwiderte Sniven aufgebracht, zappelte dabei ganz wild herum und fuhr lispelnd fort: „Fürs erste – Westen unser Weg – Weg führt uns über das oben der Berge ins Chuba und zwingt uns auf Ponybeinen vier Tage zu ormschen. Ein Sauden ormscht schneller. Sauden ormscht vorlieb im Untergrund – Erspart uns Ormschingzeit – Zwei Tage nur! Ihr könnt Sniven vertrauen, ngah, ngah“. Da war schon wieder dieses schelmische grinsen, worauf sich die anderen allesamt beunruhigte Blicke zuwarfen.
„Was ‘ne Ansage“, warf Rainbow dann mit einem finsteren Blick plötzlich ein.
„So wie ich das verstehe, führt uns der Weg über die Berge und nimmt vier Tage in Anspruch. Durch den Untergrund aber nur zwei. Und Saudens kennen sich da wirklich gut aus“, gab Gloomy zu bedenken.
„Das wäre natürlich sehr praktisch. Dann hätten wir in Chuba mehr Zeit zur Verfügung“, fügte Applejack hinzu.
„Allerdings. EINE WOCHE!“, rief Pinkie ihnen unerwartet in Erinnerung, wobei sie Lord Snjolks Stimme imitierte und sich ebenso gebückt und zitternd zur Schau stellte wie er.
„Das können wir später noch entscheiden“, sprach Twilight nachdenklich. „Treffen wir uns Morgen wieder hier?“.
„Sniven wird hier warten…“.
„Lass dir nicht einfallen dich auch nur an einem einzigen meiner Apfelbäume zu vergreifen. Ich warne dich!“, fuhr Applejack Sniven mit unheilverkündendem Gesichtsausdruck an. Sniven blickte ihr auf einmal traurig entgegen und seufzte schwermütig.
„Oh, lass ihn doch Applejack. Er scheint sich hier wohl zu fühlen. Und er ist doch auch nicht mehr lange da“, bat Fluttershy. Applejack seufzte besorgt, aber ehe sie etwas sagen konnte, flitzte Sniven plötzlich davon und rief ihnen nur noch zu: „Sniven erkundet jetzt und sucht-findet eigenes Ormsching. Ponydinger und Käferlein besser gut schlafen, ja, ja“. Fassungslos über den schlagartigen Sinneswandel, starrten sie ihm eine Weile hinterher, bis er schließlich hinter den Hügeln verschwand. Der Abend brach bereits an.
„Einen Augenblick. Ich möchte gerne noch etwas sagen“, sprach Twilight besorgt in die Runde. „Ich weiß ja, dass jeder ein paar Differenzen mit Sniven hat. Der eine mehr, der andere weniger. Aber lasst uns das Beste daraus machen okay? Ich denke wirklich, dass wir uns mit Sniven so gut es geht vertragen sollten. Umso angenehmer und einfacher wird diese Reise bestimmt werden“. Sie blickte fragend zu Gloomy, der darauf nur lächelnd zustimmte.
„Applejack?“. Diese zögerte, holte aber schließlich tief Luft und sprach ebenfalls mit einem Lächeln: „Na schön. Ich geb‘ mir Mühe“.
„Rarity?“. Angewidert seufzend, folgte die Antwort: „Das wird mir wirklich nicht leicht fallen“. Auch Spike konnte sich mit diesem Gedanken nicht so einfach anfreunden und sprach mit finsterem Blick: „Also ich mag diese Ratte schon jetzt überhaupt nicht“.
„Gloomy?“, fragte Twilight plötzlich noch an ihn gewandt. „Gibt es irgendetwas, was du uns vielleicht noch mitteilen möchtest, bevor wir Morgen zur Tat schreiten? Irgendetwas was wir wissen sollten?“. Gloomy sank das Herz in die Magengegend. War das Zufall oder hatte sie irgendetwas bemerkt? Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen und sprach so ruhig er konnte: „Nein. Nichts. Alles wurde gesagt“.

„Wir gehen jetzt sofort los!“. Das war so ungefähr der zornige Weckruf am frühen Morgen von Applejack. Wie sich herausstellte, war Sniven sehr zeitig auf Sweet Apple Acres zurückgekehrt und hatte es sich bereits auf einem der Bäume gemütlich eingerichtet. Als er sie sah, zögerte er jedoch keinen Moment.
„Käferlein bestimmt nicht sehr schnell-schnell“. Ehe Spike wusste wie ihm geschah, nahm die Großratte ihn Huckepack und flitzte auch schon voraus. „Okay. Sniven hat den Käfer. Los geht’s! Wuseln!“.
„Hey, was zum… TWILIGHT!“. So verbrachten sie die ersten Momente verzweifelt damit, Sniven hinterherzujagen, um ihm klarzumachen, dass sie es doch ruhiger angehen und ihre Kräfte sparen sollten. Das war aber gar nicht so leicht. Sniven war trotz Spike’s Gewicht sehr schnell und als Rainbow ihm hinterherjagte, legte er sich nur noch mehr ins Zeug. Dachte wohl, sie wolle einen Wettlauf mit ihm machen. Natürlich war Rainbow schneller, aber scheinbar war die Ratte schwer von Begriff oder hörte ihr einfach nicht zu. Immerhin hatten sie aber auf diese Weise ein gutes Stück zurückgelegt und es stellte sich sogar heraus, dass sie schon über den White Tail Woods hinaus und die Grenze von Equestria geschritten waren. Das wurde den Ponys klar, nachdem es Rainbow endlich gelungen war Sniven zu stoppen. Ihnen wurde deswegen ganz merkwürdig zumute. Als ob sie ihre geschützte Umgebung verlassen hätten aber… nichts hatte sich geändert. Sie hätten es nicht einmal gemerkt, wenn Sniven nichts gesagt hätte. Die Sonne schien hier ebenso, ein mildes Lüftchen wehte, Insekten schwirrten umher, Vögel zwitscherten und Blümchen… nein. Letzteres weniger. Es war doch ein recht karges Flachland mit nur vereinzelten Bäumen hie und da. In der Ferne um sie herum ragten riesige schneebedeckte Berge in die Höhe. Dort würde sie Sniven irgendwann in den Norden führen. Sie waren bereits jetzt schon fix und fertig von der wilden Hatz, aber nun sollte es langsamer zugehen. Sniven eilte zwar immer noch hochenergetisch voraus aber er wartete immer wieder auf sie, schnupperte in der Luft herum und hielt immerzu nach irgendetwas Ausschau. Es gab aber scheinbar nichts, was besondere Aufmerksamkeit erforderte, abgesehen von einigen sehr großen Büffelartigen Herdentieren. Sie waren um ein Vielfaches größer als die Ponys und zwei gewaltige Hörner ragten ihnen nach oben über den Kopf hinaus gekrümmt aus dem Maul. Ihre Augen wurden unter dem zotteligen Fell verdeckt und ihre Ohren hingen schlapp herunter. Den Ponys schenkten sie kaum Beachtung, aber sie schienen eine Abneigung gegenüber Sniven zu hegen. Die gehörnten Büffel knurrten, brüllten und stampften drohend auf, als die Gruppe sich ihnen näherte, weswegen sie doch lieber einen weiten Bogen um diese Geschöpfe machten. Es gab sogar übergroße Ponys, die Sniven ihnen als Pferde vorstellte. Diese Pferde erwiesen sich jedoch als überaus arrogant und wandten sich hocherhobenen Hauptes und lachend ab, als die Ponys sie ansprachen.
„So was ungehobeltes“, schimpfte Rarity empört. „Bloß weil sie größer sind“.
„Daran könnt ihr euch schon mal gewöhnen“, bemerkte Gloomy belustigt. „Wir Ponys scheinen auf der großen weiten Welt mit zu den kleinsten Völkern zu zählen“.
„Überraschend? Ungeziefersaudens auch nicht viel groß-größer“, wandte Sniven mit gerunzelter Stirn ein. Damit meinte er die Großratten und Gloomy erklärte ihm daraufhin: „Für mich nicht. Aber die anderen wissen das nicht“. Sniven kicherte schelmisch vor sich hin.
„Kommen wohl nicht sehr oft raus, nein, nein“.
„Ne. Kommen sie wirklich nicht“. Gloomy stimmte mit einem verhaltenen Lachen ein und lief vornweg mit der Ratte Seite an Seite. Die anderen warfen sich leicht beleidigte Blicke zu.
„Machst du dich etwa gerade über uns lustig?“, fragte Rarity ungläubig.
„Lass ihn doch“, warf Twilight schnippisch ein. „Wenigstens weiß von uns jeder, dass man aus einem Zug nicht einfach so rausfallen kann“. Gloomy hielt erschrocken inne und wandte sich zu den anderen um. Er wollte eilig etwas sagen aber…
„Wie? Dachte Gloomy das etwa?“, fragte Rainbow amüsiert.
„Ja, er hat mir von seiner aufregenden Zugfahrt am Tag seiner Anreise nach Ponyville erzählt“. Twilight hatte die Brauen leicht gehoben und blickte Gloomy dabei mit einem hämischen Grinsen entgegen.
„Und da machst du dich über uns lustig?“, fragte Applejack, während sie alle an dem hochrot angelaufenen und zu Stein erstarrten Gloomy vorbeiliefen und dabei allesamt zu lachen begannen. Gloomy seufzte nur. Er empfand es als etwas gemein und in alten Tagen hätte er sich jetzt von ihnen zurückgezogen. Aber er wusste ja, dass sie es nicht böse meinten. Immerhin hatte er ja auch angefangen und beschloss es einfach dabei zu belassen.
So heiter ging es aber keinesfalls die ganze Zeit zu. Unter den wilden Tieren hier draußen, gab es auch einen unheimlicheren Vertreter der ihnen zunächst gar nicht auffiel.
„Schleicher im Anmarsch! Er will ormsching aus euch machen“, warnte Sniven. Der Schleicher erwies sich als eine Echsenartige Kreatur mit einem sehr langen, dünnen Körper, aber großen Löwenartigen Pranken und genauso löwenartiger Mähne um den Kopf. Sein langer Schwanz zitterte stetig hin und her und gab dabei ein kaum hörbares zischen von sich. Sein Kopf ähnelte jedoch eher dem eines Hundes. Er hatte die Augen zusammengekniffen und lief ihnen auf leisen Sohlen nach.
„Ormsching aus uns machen?“, kam die verwirrte Frage auf.
„Sniven meint, er will sein Mittagessen einnehmen“, erklärte Gloomy.
„Aber natürlich. Und uns will er einladen. Da bin ich gerne dabei. Ihr nicht auch?“, warf Pinkie begeistert ein.
„Ich glaube niemand von uns will Pinkie zu Mittag“.
„Hey. So übel bin ich doch gar n-… Oh. Ich meine… Ja ich auch nicht“.
„Nicht aus den Augen lassen-verlieren!“, befahl Sniven. „Sie uns ähnlich in List-Tücke – Erwarten günstigen Moment – Greifen hinterrücks ein Opfer. Natürlich nicht so listig wie Sniven, nein, nein“. Als die Ponys stehenblieben und eine Weile lang ihren Verfolger beobachteten, verengten sich plötzlich dessen Augen und ein tiefes, böses knurren ging von ihm aus. Dann wandte er sich plötzlich ab und schritt allmählich von dannen.
„Hier ist es irgendwie unheimlich“, bemerkte Fluttershy auf einmal bibbernd. „Wo kam denn dieser Schleicher her?“.
„Kein Grund zur Beunruhigung, nettest-test-test Ponyding“, sprach Sniven mit einer ruhigen Stimme. Versuchte er gerade Fluttershy zu besänftigen? „Es folgt uns seit langem schon. Ja, ngah, ngah“. Fluttershy lief kreidebleich an.
„W-W-Was? Wieso haben wir es nie bemerkt? Sind da noch mehr draußen?“. Applejack stöhnte erbost auf.
„Toll gemacht, Sniven“, klagte sie.
„Wir passen doch gar nicht in ihr Futterbild. Sie müssten uns also in Ruhe lassen“, warf Twilight nachdenklich ein.
„Echt mal. Geh doch zu ihm und sag ihm das“, erwiderte Rainbow trocken.
„Oh, das halte ich für keine…“.
„War auch nicht ernst gemeint!“.
„Ich will hier weg“, kam es erneut ängstlich von Fluttershy, die sich auf dem Boden zusammengekauert hatte. „Das ist ja fast wie im Everfree Forest“. Rarity trat an sie heran, tätschelte sie sanft und sprach aufmunternd: „Liebes, es ist doch alles gut. Uns passiert schon nichts. Wir sind doch alle zusammen“.
„W-Wie gefährlich wird es denn noch hier draußen?“. Plötzlich wandten sich alle Köpfe zu Gloomy um, der darauf verlegen auflachte und antwortete: „Wie im Everfree Forest? Ich bitte dich. Hast du den Wald schon vergessen? Der ist finster und unheimlich und die Gefahr lauert hinter jedem Baum und jedem Gebüsch. Natürlich gibt es hier Raubtiere. Und natürlich sind die neugierig auf uns, weil die so etwas wie Ponys hier nicht… allzu häufig zu Gesicht bekommen“. Da hörte Fluttershy plötzlich auf zu zittern und machte ganz große Augen.
„Das stimmt“. Sie sprach als hatte sie gerade eine Eingebung. „Es sind Tiere. Sie sind nicht böse. Vielleicht hat Twilight sogar recht, mit dem was sie gesagt hat. Oh, ich war so verängstigt von dem Gedanken, dass wir hier nicht in Equestria sind, dass ich das völlig vergessen habe“. Sniven zappelte auf einmal ganz verstört mit seinen Pfoten vor sich herum, sprach: „Dieser Sauden hat keine Ahnung was Ponydinger da eigentlich sagen. Wuseln weiter. Ein grüner Wald ist nicht mehr fern“ und flitzte auch schon wieder voraus. Erst dachten sie, das war schon wieder irgendein saudischer Ausspruch. Aber tatsächlich tat sich vor ihnen am Horizont ein Wald auf, den sie vor lauter Aufregung gar nicht bemerkt hatten.
Spike, der sich den ganzen Weg über auf Twilights Rücken niedergelassen hatte, sprang nun herunter, baute sich mit vor Stolz erhobener Burst vor ihnen auf und sprach: „Ihr habt Glück, dass ich dabei bin. Ich passe schon auf euch auf“. Die Ponys warfen sich belustigte Blicke zu.
„Na schön. Dann musst du aber jetzt selbstständig mitlaufen“, erklärte Twilight wohl wissend und trabte munter mit den anderen zusammen Sniven hinterher. Spike stutzte und rief: „Hey! Moment mal…“.

„Also bis jetzt war das ja alles ein Fohlenspiel“, bemerkte Rainbow Dash gelassen auf einem Baum am Waldrand fläzend. Die Nacht war hereingebrochen und ein kleines Feuerchen loderte bereits in ihrer Mitte. Applejack, die mit ihrer Camping-Erfahrung bereits äußerte, dass ein Feuer wilde Tiere abhalten sollte, hatte erst Gloomy darum gebeten, er solle mal vorführen, wie das in seiner Sippe vonstattenging. Als er ihr erklärte, dass er sich dabei nicht sehr gekonnt anstellte, bestand sie förmlich darauf es zu sehen.
„Du willst dich nur lustig machen“, hatte Gloomy gereizt gesprochen, worauf Applejack lachend antwortete: „Ja. Lass mir doch den Spaß“. Jedoch funktionierte es überraschend gut. Applejack bekam nichts zu lachen, war aber auch nicht enttäuscht darüber, sondern lobte ihn sogar.
„Ich wusste gar nicht, dass du Feuer beschwören kannst?“, bemerkte Twilight ehrfürchtig.
„Ähm, es hat auch direkt nichts mit Feuerbeschwörung zu tun“, antwortete Gloomy verlegen. „Es ist mehr eine Art Punkterhitzung. Man konzentriert sich auf eine Stelle und lässt sie ganz heiß werden. Irgendwann fängt es an zu brennen“.
„Hm… interessant“.
„Die Magier unter sich“, ertönte es plötzlich verächtlich oben aus den Bäumen von Rainbow.
„Wirklich sehr schön. Aber es muss ja nicht jeder so etwas können“, pflichtete Rarity würdevoll bei.
„Vor allem nicht, wenn sie einen tapferen Drachen dabei haben, Milady“. Auf Spikes Beitrag hin, ertönte auf einmal ein leises rascheln aus einem Gebüsch im Wald neben ihnen, gefolgt von einem unheilvollen Grunzen. Spike erschrak davon und begann zu zittern, worauf auch gleich ein schelmisches Lachen ertönte und Sniven hervorgewuselt kam. Er tätschelte Spike den Kopf, wie man es mit einem braven Hund tat, sprach: „Kleines niedliches Käferlein, ngah, ngah“ und verschwand erneut so schnell im Dunkeln, wie er aufgetaucht war.
„Oh…! Wenn er das nochmal macht, dann werde ich aber…“, begann der kleine Drache, aber die anderen konnten sich das Lachen nicht mehr verkneifen und somit erfuhren sie nie, was er dann tun würde. Wie eine beleidigte Leberwurst wandte sich Spike ab und starrte finster ins Feuer.
„Ach Spike“, sagte Twilight nur verständnisvoll lächelnd.
„Also. Wer hat Hunger?“, rief Applejack schließlich heiter in die Runde.
„UHHH!“. Das Geräusch ließ die Gruppe vor Verwunderung innehalten. Sniven war auf einmal wie der Blitz zur Stelle und schnupperte an Applejacks zurechtgelegten Schnittchen herum.
„Das reicht-genügt gerade so für einen Sauden!“.
„STOPP!“, schrie Applejack aufgebracht, als Sniven sich schon an dem Futter vergreifen wollte und warf sich schützend davor. „Hör zu Sauden! Wir haben genug Verpflegung für jeden von uns mit. Allerdings ist nicht eingeplant, dass du für uns alle zusammen mitisst. Du kriegst nicht mehr als jeder andere von uns, verstanden?“. Sniven zögerte und dachte offenbar nach. Dann nickte er ganz energisch und antwortete: „Ganz einfach. Ponydinger müssen so viel ormschen wie ein Sauden“.
„Genau. Ich hätte mit dem ormschen kein Problem. Wir verormschen einfach alles was geht“, warf Pinkie hocherfreut ein und rieb sich bereits die Hufe.
„Nein! Wir verormschen nicht… ich meine wir ormschen… ARGGH!“. Applejack drehte offenbar soeben durch. Sie raufte sich die Mähne und fuhr wütend fort: „Wir essen nicht alles was geht! Die Vorräte müssen eine Weile halten, okay?“. Die Ratte raubte ihr schon den Nerv und dann musste Pinkie sie auch noch unterstützen. Aber zum Glück stellte sich Sniven als kooperativer heraus, als man hätte annehmen können. Zwar linste er bei dem einen und anderen über die Schulter und schnupperte an ihrem Essen, aber er hielt sich zurück. Fluttershy wollte ihm sogar etwas von ihrem Anteil abgeben, was Applejack ihr jedoch mit einem gereizten Seitenblick auf Sniven verbot.
„Oh, aber lass ihn doch bitte Applejack“, bat Fluttershy sie inständig. „Er hat sich doch so brav verhalten“. Sniven nickte eifrig und ließ sich sogar von Fluttershy dabei streicheln, während er Applejack mit großen runden Kulleraugen flehend entgegenstarrte. „Siehst du? Ist er nicht putzig?“. Applejack knurrte entnervt auf, sagte aber nichts dazu. Für sie war es klar, dass Sniven Fluttershy nur als Deckung benutzte.
Im Laufe des Abends fing er auf einmal an um das Feuer herum zu jagen. Er setzte sich auf, beobachtete, sprang auf einmal hin und her und schnappte dabei nach irgendetwas. Als sie ihn ganz verwundert deswegen fragten, antwortete er nur, er würde Leuchtkäfer jagen. Völlig entgeistert sahen sie ihm dabei zu, wie er auch schon den nächsten hinauswehenden Funken hinterherjagte und mussten unweigerlich anfangen zu kichern. Es war ein sehr unterhaltsamer Anblick.
Ganz vorbei schien der Tag aber noch nicht zu sein. Es war auffällig still. Nur das knistern des Feuers war zu hören. Als sie kurz davor waren einzuschlafen, schallte plötzlich ein fernes, aber eindringlich hohes und lang andauerndes Kreischen durch den Wald, was einige Ponys wieder aufschrecken ließ.
„Was war das?“. Da kam es schon wieder. Es ließ den Ponys die Mähne zu Berge stehen. Zum Glück schliefen die meisten unter ihnen schon. Nur Rainbow, Twilight und Gloomy waren noch wach.
„Schhh!“, ertönte plötzlich ein weiterer unheimlicher Ton aber es war nur Sniven. „Ponys ruhig verhalten. Ponys schlafen“, flüsterte er. Sie konnten ihn nicht sehen, aber er musste irgendwo in ihrer Nähe im Dunkeln sitzen.
„Aber… dieses Geräusch. Also… nicht das ich Angst hätte, aber…“, erklärte Rainbow von ihrem Baum aus und versuchte dabei die Taffe raushängen zu lassen.
„Ja“, flüsterte Sniven immer noch. „Weit-fern weg-weg. Kommen nicht zu uns-uns“.
„Also mich lässt das kalt“, fügte Rainbow darauf gelassen hinzu. Erneut ertönte das Kreischen worauf sie kurz aufschrie und es aber gekonnt überzeugend in ein Gähnen übergehen ließ. „Aber ich komm mal lieber zu euch runter. Macht euch keine Sorgen“. Twilight sah auf einmal beunruhigt zu Gloomy und fragte: „Weißt du was das ist?“. Gloomy zögerte. Tatsächlich hatte er so eine Ahnung, aber das behielt er doch lieber für sich und schüttelte nur den Kopf. „Du warst die meiste Zeit so still auf der Reise. Ist alles in Ordnung?“. Zum Glück war es trotz des Feuers nicht hell genug, dass Twilight Gloomys besorgte Miene erkennen konnte.

Anfangs waren sie alle ziemlich von Furcht und Unsicherheit erfüllt, aber mittlerweile schien es in Begeisterung, Aufregung und Neugierde umgesprungen zu sein. Vielleicht, weil ihnen niemand sagte, wie es wirklich da draußen war? Gloomy hatte sich mit den Jahren an das ruhige Leben in Equestria gewöhnt, aber die alten Zeiten lagen ihm noch gut im Gedächtnis. Jene Tage, an denen er noch mit seiner Sippe durch die Wildnis streifte. Der Fremde hatte ihn zuvor noch einmal beiseite genommen und ihn gefragt, ob er denn die anderen nicht darüber aufklären wolle, denn andererseits würde er es selbst tun. Gloomy hat eine Weile herumgedruckst, aber schließlich sein Versprechen gegeben. Bis jetzt hat sich die Gelegenheit noch nicht geboten… und das war natürlich gelogen. Das wusste Gloomy und er fühlte sich schrecklich dabei. Die Frage war, wie würden die anderen es auffassen? Sie waren doch alle gerade so gut gelaunt. Sogar Fluttershy war nicht so ängstlich wie sonst immer. Die Zuversicht der anderen und Sniven, mit dem sie sich erstaunlich gut verstand, trugen wohl dazu bei. Er schluckte nervös und beteiligte sich nicht an den heiteren Gesprächen der Gruppe, während sie gerade munter eine Straße durch den grünen Wald einschlugen. Nur Twilight und Rainbow, die das Kreischen der vergangenen Nacht beinahe um den Schlaf gebracht hat, waren etwas angespannter. Gloomy hatte sie gebeten, es nicht breitzureden. Immerhin schien Sniven auch nicht weiter beunruhigt zu sein. Aber Twilight hatte längst bemerkt, dass Gloomy ihnen etwas verheimlichte und warf ihm hin und wieder einen besorgten Blick zu.
Sie waren inzwischen an einer Abzweigung angekommen, von der Sniven sie nach Norden führte.
„Ist das eigentlich derselbe Weg, den auch Lord Snjolk und deine Kameraden genommen haben?“, fragte Rainbow Dash auf einmal. Das war tatsächlich eine gute Frage. Sniven lispelte kopfschüttelnd: „Saudens ziehen direkten Weg vor. Saudens längst in Chuba. Ponys viel zu langsam-behäbig“. Rainbow reagierte daraufhin gereizt.
„Wen nennst du hier langsam und behäbig?“.
„Er meint uns, Rainbow“, warf Pinkie breit grinsend ein. Ehe Rainbow etwas erwidern konnte, wandte Sniven auch schon wieder ein: „Richtig-tig-tig-tig. Saudens – Klein und wendig, ja, ja“.
„Genau. Und Ponys – Auch klein und klobig, ja, ja“, pflichtete Pinkie bei und sprach dabei ähnlich hektisch und unruhig wie Sniven. Rarity machte ganz große Augen vor Schreck.
„Klobig?“, wiederholte sie ungläubig.
„Offenkundig!“, fügte Pinkie begeistert hinzu.
„Räudig“. Sniven ließ bekümmert den Kopf hängen. „Ganz fiese Saudenkrankheit“. Pinkie tat es ihm gleich.
„Wie Traurig“.
„Kümmerlich!“, rief Sniven plötzlich, gefolgt von Pinkies Klagelaut: „Richtiglich!“.
„Sagt mal“, fuhr Applejack dazwischen, die sich mit den anderen bereits verwirrte Blicke zuwarf. „Sonst geht’s euch aber gut oder?“.
„Ist noch jemandem aufgefallen, dass Pinkie und Sniven sich im Verhalten manchmal… sehr ähneln?“, bemerkte Rarity zurückhaltend angewidert.
„Nein, bitte nicht. Lasst uns einfach weitergehen!“, schloss Applejack die Szene hastig ab. Pinkie grinste Sniven munter zu, der ihren Blick nur Schulterzuckend erwiderte und erneut vorauseilte. Er blieb dabei allerdings selten auf dem Weg. Sie sahen ihn putzmunter durch den Wald wuseln, hie und da schnuppern oder nach irgendetwas schnappen und immerzu kaute er irgendetwas.
„Willst du deinem Magen nicht mal eine Pause gönnen?“, fragte Fluttershy bei der nächsten Gelegenheit, als Sniven endlich mal wieder in ihrer Nähe war. Die Frage schien höchstes Unverständnis bei der Ratte hervorzurufen. Sie fuchtelte irgendwie ganz merkwürdig mit ihren Pfoten vorm Gesicht herum und erwiderte schließlich: „Was? Sauden hungrig!“. Nicht selten wurde er von Applejack angemault, dass er doch bei ihnen bleiben sollte, aber Fluttershy nahm ihn immer wieder in Schutz. Einmal tat er Applejack dann doch den Gefallen und lief mit ihnen etwas ruhiger an ihrer Seite. Nach einer Weile war er ganz dicht an sie herangerückt und schnupperte plötzlich an ihrem Hut herum, worauf sie ihn jedoch gleich misstrauisch fortjagte. Sniven wirkte nicht eingeschüchtert und wuselte nun von Pony zu Pony, machte vor ihnen Männchen und sah ihnen neugierig entgegen. Angekommen bei Rarity, rümpfte diese die Nase, wich angewidert zurück und sagte: „Du könntest wirklich mal ein Bad vertragen“.
„Wieso kannst du nicht einfach mal ruhig mit uns hier entlanglaufen?“, rief Applejack, der schlussendlich der Geduldsfaden riss. Aber das entsprach nun mal nicht dem Wesen der Großratten. Sniven zuckte mit den Schultern und erwiderte ungerührt: „Mich wuseln lieber im Wald – Suchen Ormsching!“.
So liefen sie also den Pfad entlang. Der Wald war in keiner Weise mit dem Everfree Forest zu vergleichen. Er war wunderschön bewachsen und grün aber dennoch hatte er etwas Unheimliches an sich, denn abgesehen von dem hin und her wuselnden Sniven, war es verdächtig still. Einmal flog ein Schwarm wild krächzender Vögel über sie hinweg. Außerdem sollte es hier nicht selten fahrende Händler geben, aber nichts. Als sie Sniven deswegen ansprachen, hüllte sich dieser aber nur in Schweigen, was ihrer Stimmung nicht gerade förderlich war. Irgendwie war die Lage angespannt und sie wurde nicht besser, als sie auf dem Weg eine umgekippte Kutsche vorfanden. Eine Kutsche, die von der Größe sogar wie für ein Pony gemacht schien. Dabei lagen einige zerbrochene Kisten, die scheinbar jemand einfach zerschlagen hatte, um an den Inhalt zu kommen, der nun hier allerdings völlig ungeachtet verstreut auf der Straße lag. Alltägliche Gebrauchsgegenstände und sonstiger Kram, der für sie aber nicht von Bedeutung sein sollte.
„Nah, Ü-berfall“, sprach Sniven nur langsam mit gerunzelter Stirn und schnüffelte an den Kisten. „Kein Ormsching. Keine Verluste“. Ob er damit die Ware meinte oder das es keine Spur von Verletzten gab, wusste niemand.
„Oh je. Was ist hier nur passiert?“, fragte Twilight besorgt.
„Vielleicht sollten wir weitergehen?“, fügte Spike ängstlich hinzu. „Und den Wald hinter uns bringen“.
„Gute Idee“.
„Oh, ist aber schade drum“. Rarity besah sich bekümmert die Waren. „Seht nur, die feinen Stoffe. Oh, was für ein Verbrechen. Wer tut so etwas nur“.
„Rarity? Was machst du da?“, fragte Applejack verwirrt, als sie auf einmal anfing, den Inhalt der Kisten zu sortieren. Rarity kicherte und sah etwas verlegen drein.
„Tut mir leid. Nur so eine Angewohnheit“. Dennoch legte sie aber noch etwas zum Abschluss zurecht, worauf plötzlich etwas in der Kiste ganz hell auffiepte und sie alle vor Schreck zusammenzucken ließ. Rarity wich zurück und gab dabei ganz angewiderte Laute von sich. „Was war das? Irgendetwas ist in dieser Kiste“. Zunächst starrten sie alle wie gebannt darauf, als plötzlich Fluttershy mit gerunzelter Stirn näher ran trat.
„Fluttershy! Wir wissen doch nicht…“, begann Twilight, aber da wechselte Fluttershys Miene auch schon zu einem ganz weichen und fröhlichen Lächeln und sie machte mit hoher Stimme: „Aww!“. Ihre Augen begannen zu funkeln vor Freude. Sie streckte die Hufe aus und hob etwas aus der Kiste, dass aussah wie eine Mischung aus Wiesel und Raupe. Es war sogar noch kleiner als Spike, mit einem gerillten pelzigen Körper, vier kleinen knubbeligen Füßchen und zwei langen Antennen, mit jeweils einer runden Kugel am Ende auf dem Kopf und lag zusammengerollt und zitternd in Fluttershys Hufen. „Bist du niedlich“. Die Wieselraupe sah vorsichtig zu Fluttershy hinauf, traute sich aber offenbar nicht zu mehr. Als die anderen Ponys neugierig hinzutraten und ebenfalls staunten, rollte sie sich auch schon wieder ein.
„Weißt du was das ist, Gloomy?“, fragte Twilight. Dieser kicherte kurz und antwortete: „Nein. Leider kenne ich hier sehr wenig. Ich war hier selbst noch nicht oft“.
„So? Weswegen denn?“, folgte es, mit einem scharfen, misstrauischen Blick von ihr. Gloomy schluckte, aber glücklicherweise fiel ihm Fluttershy ins Wort: „Du musst keine Angst haben, kleiner Wurm. Wir tun dir nichts“. Sniven reagierte plötzlich ganz merkwürdig auf diese Situation. Er sah Fluttershy mit großen Augen an und wedelte wieder ganz wild mit seinen Pfoten herum.
„Ein Sauden kann auch-ebenso niedlich sein. Sieh doch hier-hier!“. Er machte sich ganz klein, wedelte fröhlich mit seinem Schwanz hin und her wie ein Hund und sah mit großen Kulleraugen zu Fluttershy hinauf. Diese kicherte daraufhin nur und sagte: „Ja, aber dieser kleine Kerl hier ist noch viel niedlicher“. Sniven blickte ihr ganz ungläubig, mit einem zuckenden Auge entgegen und wirkte, als würde gerade eine Welt für ihn untergehen. Rainbow begann darauf plötzlich zu lachen.
„Hey, Sniven! Bist du etwa eifersüchtig?“. Da runzelte die Ratte plötzlich die Stirn und wandte sich mit verschränkten Armen ab. Fluttershy wurde sich dessen bewusst und wirkte ganz erschrocken.
„Oh, ich meine…“. Aber das erfuhren sie nicht mehr. Das Kreischen von vergangener Nacht ertönte auf einmal wieder und erschallte wohl im ganzen Wald. Nur war es diesmal sehr viel näher als zuvor und es ließ jeden von ihnen förmlich in sich zusammenfahren vor Schreck.
„KRAEMAR-KRAEMAR – VERSCHWINDEN-VERSTECKEN!“. Sniven war so schnell von dem Weg runter, dass sie gerade noch mitbekamen, wohin er entschwand. Gloomy war starr vor Schreck. Hatte Sniven wirklich gesagt…
„Jetzt kommt schon ihr beiden! Runter von der Straße!“, rief Applejack ihnen vom Rande aus zu. Gloomy kam wieder zur Besinnung und versuchte Fluttershy mit sich zu ziehen, die sich jedoch weigerte.
„Fluttershy?“.
„Nicht ohne Würmchen“, widersprach sie ängstlich und besorgt. „Er hat sich so erschrocken…“. Gloomy stöhnte genervt und blickte hastig die Straße entlang, von der das Kreischen ertönte. Noch war nichts zu sehen und es war inzwischen auch wieder trügerisch ruhig. Dann sah er wieder auf das ganze Gerümpel zu ihren Hufen. Es war ziemlich viel, dachte er verzweifelt. Aber es musste funktionieren. Er kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich so gut er konnte. Sämtliche Bestände aus den Kisten leuchteten dunkelblau auf, genau wie sein Horn und er hob sie alle gleichzeitig nach oben.
„Keine Spur von Würmchen“, sprach Gloomy unruhig und ließ den Zauber wieder fallen. „Wenn er noch hier wäre, hätte er jetzt vor Angst einen Laut von sich gegeben. Jetzt komm!“. Fluttershy schien nur geringfügig überzeugt, folgte ihm aber endlich. Sie flüchteten sich ins Gebüsch und trafen auf die verwirrten Gesichter der anderen.
„Sniven? Wo bist du?“, rief Twilight in einem Anflug von Panik. Applejack stampfte wütend auf.
„Diese Ratte! Wir wurden doch davor gewarnt. Er hat sein eigenes Fell gerettet!“.
„Was machen wir jetzt?“. Doch ehe sie richtig zum Verzweifeln kamen, ertönte Snivens Stimme: „Dumme Ponydinger!“. Er saß nicht weit von ihnen entfernt in einer kleinen Grube und winkte sie zu sich heran. „Langsam-behäbig! Wir wuseln schnell-flink!“. Eilig galoppierten sie zu ihm und sprangen in die Grube hinein.
„Du hast klobig vergessen“, fügte Pinkie flüsternd hinzu.
„Und klobig! Und jetzt auch ein-einmal LEISE! Sonst sehen-entdecken sie uns“. Von seiner Verspieltheit war keine Spur mehr. So ernst und besorgt hatten sie ihn noch nicht erlebt.
„Was ist das da draußen, Sniven?“, fragte Twilight aufgebracht, doch es kam keine Antwort. Vorsichtig lugten sie unter Ästen, Laub und großen Wurzeln hervor auf die Straße. Eine ganze Weile sahen sie nichts, aber niemand wagte es zu sprechen. Pinkie hatte größte Mühen sich zusammenzureißen. Sie sah die angespannten Gesichter der anderen und der unheimliche Drang etwas Lustiges zu erzählen stieg in ihr auf. Ganz aufgeregt fiepte sie, worauf ihr alle einen gereizten Blick zuwarfen und sie sich hastig beide Hufe auf das Maul drückte. Spike zitterte am ganzen Leib. Aber endlich geschah etwas.
Ein raschelndes und zischendes Geräusch ertönte, gemischt mit unangenehm klackenden und klickenden Geräuschen. Eins, zwei, drei dunkle, käferartige Kreaturen, mit einer Größe von mindestens vier Ponys, liefen auf der Straße entlang. Sie sahen ein wenig aus wie übergroße Gottesanbeterinnen, mit vier Beinen und zwei Lebensgefährlich aussehenden sichelartigen Scherenklauen am vorderen Bereich, mit denen sie diese Klick-Klack-Geräusche von sich gaben. Außerdem hatten sie einen langen Dornenbesetzten Schwanz, mit einem gefährlichen Stachel am Ende.
„Sind das…?“, begann Twilight flüsternd.
„Kraemar. Ja“, antwortete Gloomy mit gerunzelter Stirn. Die Ponys sahen wie gelähmt aus ihrem sicheren Versteck zu, wie die Kraemar sich gerade über die Waren hermachten. Zwei von ihnen durchwühlten sie mit ihren Scherenklauen, während der dritte seinen Kopf in die Höhe gestreckt hatte und sich mit seinen, für Insekten typischen, Facettenaugen umsah.
„Wir sind doch hier sicher oder?“, fragte Rarity. Spike wollte irgendetwas mutiges dazu sagen. Er wollte jetzt gerne den tapferen spielen, aber sein Körper schien ihm nicht zu gehorchen. Es gelang ihm aber auch nicht den Blick von diesen schrecklichen Kreaturen abzuwenden, die eindeutig nicht freundlich gesinnt waren. Twilight bekam das schließlich mit, zog den kleinen Drachen behutsam zurück und nahm ihn in den Huf.
„Alles gut, Spike. Wir sind hier sicher, solange wir uns ruhig verhalten“.
„Vielleicht sind sie ja gar nicht so gemein, wie sie aussehen“, gab Fluttershy plötzlich zu bedenken.
„Machst du Witze?“, entgegnete Rainbow ungläubig. Da kreischte eines der Kraemar plötzlich auf. Es war einer von den beiden Plünderern, dessen Kollege auch sofort das Kreischen erwiderte. Darauf bäumte sich der eine auf, gab nochmal ein drohendes zischen von sich und stürzte sich ohne weiter zu zögern auf ihn. Es schien sich um eine ganz normale Rangelei um was auch immer zu handeln, denn der dritte hatte sich desinteressiert abgewandt. Es war jedoch ein Wunder, dass sie sich dabei nicht gegenseitig arg verletzten, bei den vielen spitzen Dornen und scharfen Scheren, die sie hatten. Viel schlimmer war, dass sie sich in ihrem Streit hin und her rollten und dabei dem Versteck der Ponys beunruhigend näher rückten. Bevor es soweit kam, ertönte jedoch ein ängstliches fiepen, dass die Ponys vorhin erst gehört haben. Fluttershy lief daraufhin aschfahl an. Ein raschelndes Geräusch ertönte von dem dritten Kraemar, der gerade wieder hinter dem Wagen hervorkam. Die kampelnden Käfer vor ihrem Versteck richteten sich wieder auf und traten eilig zu ihm heran.
„Oh nein. Würmchen!“, ertönte Fluttershys, hohe erschrockene Stimme. Es zappelte scheinbar außer sich vor Angst und Panik in der Schere des Kraemar herum und fiepte dabei die ganze Zeit. Es sah nicht so aus als wollte er ihn fressen. Stattdessen legte er seine zweite sichelartige Schere um ihn und…
„AUFHÖREN!“, schrie Fluttershy auf einmal aus Leibeskräften und war wie ein geölter Blitz mit einem Mal auf der Straße vor den drei Kraemar erschienen, die auf Fluttershys Rede hin ganz stumm verharrten. „Ihr solltet es ja wohl besser wissen! Ihr seid groß, stark und habt gefährlich, scharfe Stacheln, Dornen und Scheren. Und trotzdem habt ihr es nötig euch an schwächeren auszulassen? Ihr gemeinen Schurken! Ihr habt noch viel über Verantwortung zu lernen!“. Die Kraemar blickten scheinbar völlig perplex auf Fluttershy herab, während es dem Würmchen gelang, sich der Schere zu entwinden und in den Wald hinaus zu flitzen… oder zu robben. Die Riesenkäfer hatten das scheinbar gar nicht mitbekommen und griffen Fluttershy wohl nur nicht an, weil sie zu verwundert über ihr plötzliches erscheinen oder wirklich angetan von ihrer Rede waren. Gloomy tippte eher auf ersteres. Rainbow war die zweite, die sich aus dem Versteck und an Fluttershys Seite wagte, gefolgt von allen anderen.
„Genau!“, pflichtete sie wütend bei. „Legt euch gefälligst mit jemandem von eurer Größe an!“. Sie fing sich darauf die ungläubigen Blicke der anderen ein und musste auch selbst nervös schluckend zugeben, dass das eine ziemlich großmäulige Aktion war. Die Kraemar sahen sich gegenseitig an. Es war schwer ihre Stimmung anhand der Insektenköpfen auszumachen, aber gemessen an dem furchtbar lauten und intensiven Kreischen, welches daraufhin an die Ponys gewandt ertönte, waren sie von Zorn erfüllt.
„LAUFT!“, schrie Twilight. Gerade noch rechtzeitig wurde die vor Schreck erstarrte Fluttershy von den anderen mitgerissen, als ein Kraemar seinen Schwanz nach vorne peitschte und seinen Stachel dort anstelle in den Boden rammte. Ein weiterer Fehlschlag, als der zweite seine sichelartige Schere den Ponys hinterherschwang und anstelle gegen die schwere Kutsche schmetterte. Holztrümmer flogen durch die Luft und den Ponys hinterher, während die Kraemar ihnen auch schon wild kreischend und mit entsetzlichen Klick-Klack-Geräuschen nachsetzten.
„Wo ist Sniven?“, fragte Rainbow hektisch. Eine berechtigte Frage. Sniven war verschwunden.
„Der hat sich verdrückt. Was sonst!“, rief Applejack ihr zu. Rainbow hatte sich in die Lüfte erhoben und besah sich das Schauspiel von dort.
„Oh verdammt, die holen euch ein. Fluttershy, Flieg!“.
„Ich… es geht nicht“, piepste diese nur kaum hörbar beim Galopp. Das war gerade viel zu aufregend für sie. Rainbow kaute nervös an ihren Hufen, während sie darüber nachdachte, was sie tun konnte. Sie war hier oben sicher aber wie konnte sie ihren Freunden helfen? Ein Kampf mit den Kraemar… sie waren doch viel zu groß für ein Pony und trotzdem dachte sie darüber nach.
„Na schön. Ich werde… TWILIGHT PASS AUF!“. Einer der Kraemar sprang plötzlich überraschend nach vorn, holte mit seinen beiden Scheren aus und schlug auf die Stelle, von der Twilight gerade noch wegspringen konnte. Der Schlag löste eine Druckwelle aus und brachte die Ponys ins straucheln. Die anderen Kraemar nutzten diese Chance. Der eine stürzte sich auf Pinkie, die aber instinktiv reagierte und auf seinen zuschnappenden Scheren herumhüpfte.
„Zu langsam!“, kreischte sie aufgeregt und stürmte wieder mit den anderen davon. Twilight hatte weniger Glück. Sie musste erst Spike wieder auflesen, der von ihrem Rücken gefallen war und würde gleich von dem heranstürmenden Kraemar in die Zange genommen werden. Da stürzte sich Rainbow mit grimmiger Miene vom Himmel und verpasste diesem mit Schwung einen Tritt auf den Kopf. Der Kraemar schüttelte sich nur kurz und schnappte auch schon nach ihr, was Rainbow aber gekonnt auswich. Rasend vor Wut kreischte der Kraemar ihr hinterher, nachdem sie sich wieder unerreichbar in die Lüfte rettete. Aber es hat funktioniert. Twilight war gerade noch entkommen.
„Ihr müsst schneller laufen! Nicht so langsam und behäbig!“. Jetzt spreche ich selbst schon so, dachte Rainbow darauf.
„UND KLOBIG!“, stimmte Pinkie panisch zu.
„Sei still, Pinkie! Ich mach schon so schnell ich kann“, schimpfte Rarity aufgebracht.
„Was können wir nur tun? Die holen uns wieder ein“, fragte Twilight an Gloomy gerichtet.
„Ich werde sie ablenken…“, begann Rainbow aber er unterbrach sie: „Was? Wie als Appetithäppchen?“. Dann kam ihm aber ein Geistesblitz. „Der Wald! Da sind wir im Vorteil“. Und das war nicht nur eine Frage der Körpergröße. So galoppierten sie vom Weg herunter in den Wald hinein und es schien zu funktionieren. Die Ponys wichen mühelos den Bäumen aus, ganz im Gegensatz zu den sehr viel größeren und schwerfälligeren Kraemar. Aber ausruhen konnten sie trotzdem nicht. Sie waren immer noch sehr dicht, gewannen aber an Abstand. Jedoch machten ihre Verfolger keinerlei Anzeichen aufzugeben oder gar zu ermüden. Der Wald begann sich zu lichten und der Weg wurde steinig und stieg auf einmal an. Sie hatten offenbar die Berge erreicht und was sie vor sich sahen, ließ sie vor Schreck abbremsen. Rainbow, der es trotz der schlechten Sicht durch die Bäume gelungen war, an ihnen dranzubleiben, kam hinuntergedüst und sprach hastig: „Keine Zeit zum Ausruhen. Sie sind direkt hinter euch…“. Aber sie verfiel ebenfalls in ein Schweigen. Nicht weit vor ihnen, stand eine bläuliche, reptilienartige Kreatur auf zwei Beinen. Sie war sehr kräftig gebaut und hatte den Kopf wie den eines Krokodils. Von der Größe her unterschied sie sich nicht von den Kraemar und sah den Ponys grimmig entgegen. Gleichzeitig ertönte nicht weit hinter ihnen erneut das Kreischen und die Klick-Klack-Geräusche kamen immer näher.
„Gloomy? Was machen wir jetzt“, sprach Applejack ganz leise und langsam, aber dieser wusste scheinbar auch keinen Rat mehr. Er sah der reptilienartigen Kreatur nur mit gerunzelter Stirn entgegen, die plötzlich ihre Arme hinter den Rücken streckte und einen großen, edlen, runenverzierten Goldschild, sowie ein gewaltiges Krummschwert hervorzog. Dann kniff sie die Augen zusammen und stürmte auf die Ponys zu. Die Gruppe sah nach hinten, wo der Kraemar bereits kreischend zum Sprung ansetzte. Welches war wohl das kleinere Übel? Sollte es das gewesen sein? Bevor sie noch irgendetwas tun konnten, sprang der Kraemar auf sie zu, bereit sie mit seinen Scheren zu zerfetzen. Im letzten Moment wurde er von dem Reptil zurückgerammt. Zornig kreischte der Käfer auf und stürzte sich nun auf ihn. Die Ponys nahmen eilig Abstand. Sollten sie die Gelegenheit ergreifen und von hier verschwinden? Stattdessen sahen sie ganz verängstigt zu, wie der Kraemar mit seinen Scheren den Schild des Reptils gepackt hatte und daran herumzog und zerrte. Außerdem peitschte er mit seinem Stachelschwanz nach vorne, unter dem sich das Reptil jedoch immer wieder wegduckte. Es schwang das Krummschwert und hackte dem Käfer ohne zu zögern eine Schere ab. Dann stieß es ihn mit dem Schild zurück, wirbelte einmal herum und der Kopf des Käfers flog sogleich hinterher.
Rarity und Pinkie wandten sich entsetzt ab und rissen gleich noch Fluttershy mit sich, die bereits zu wimmern begonnen hatte. Auch Twilight hob Spike mit ihrer Magie von ihrem Rücken und drückte ihn besorgt an sich, damit er das schreckliche Schauspiel nicht mit ansehen musste.
Zuckend und sich in letzten Krämpfen windend, wobei der Stachelschwanz sogar noch ein letztes Mal auf das Reptil zu peitschte, welches aber instinktiv seinen Schild zum Schutz erhob, fiel der Körper des Kraemar vor dessen Füßen endlich zu Boden. Die anderen Kraemar stießen nun hinzu. Sie zögerten einen Moment, richteten sich aber schließlich auf und kreischten drohend auf das Reptil ein, das davon jedoch völlig unbeeindruckt schien.
„Dal’mas“, rief es mit tiefer Stimme und rammte das Krummschwert mühelos in den steinernen Boden. Dann hob das Reptil den Kopf des gefallenen Kraemar auf und streckte ihn seinen Kollegen entgegen. Dabei schlug es den Schild mehrmals gegen die eigene Brust, brüllte so ohrenbetäubend auf, dass die Ponys ganz starr vor Angst wurden und die Kraemar endlich eingeschüchtert zurückwichen und das Weite suchten. Ihr raschelndes und zischendes Geräusch, sowie das Klick-Klack waren noch eine Weile zu hören, wurden aber immer leiser. Das Reptil klemmte daraufhin seine Waffen wieder zurück auf den Rücken und beugte sich hinunter zu dem gefallenen Kraemar.
„Was macht der da?“, flüsterte Rainbow angespannt. Gloomy wusste sehr wohl, was er da tat. Er zerbrach gerade den Stachel des Käfers und zeichnete sich selbst mit der darin enthaltenen Säure, wie ein kaum hörbares, schmerzendes Knurren von dem Reptil ihm bestätigte.
„Das ist nur ein primitives Ritual. Braucht ihr nicht zu wissen“, erklärte Gloomy, zutiefst besorgt darüber, dass vor allem Fluttershy für heute wohl genug durchlebt hatte. „Er ist einer der Saurier und sollte uns eigentlich… neutral gesinnt sein“. Das Reptil richtete sich wieder auf und sein Blick ging in Richtung der Ponys, die ihm nur mit großen Augen stumm entgegenstarrten. Bis auf Fluttershy, die immer noch zitternd neben Rarity und Pinkie lag und vor sich hin wimmerte. Twilight schob nervös den erstarrten Spike hinter sich. Der Saurier blieb vor ihnen stehen und musterte sie. Dann fiel er plötzlich auf die Knie und verbeugte sich vor ihnen.
„Ehre euch, Ponys!“. Er sprach mit einer tiefen Stimme, die fast schon eher wie ein brüllen klang. „Weit reichen die Gerüchte um euer Volk. Dieses Mal“. Er richtete sich wieder auf und fuhr fort: „Erweisen sie sich als wahr“. Die Ponys warfen sich verstohlen gegenseitig verwunderte Blicke zu.
„Wie meinen?“, fragte Twilight mit ungewöhnlich hoher Stimme. Dieses riesige Ungetüm, welches jeden von ihnen mühelos erschlagen könnte, wenn es wollte, war mehr als Angsteinflößend. Immerhin hatten sie mit eigenen Augen gesehen, wie er den Kraemar erschlagen hat.
„Sie sind friedlich, heißt es. Sie sind stark, heißt es“, begann der Saurier plötzlich aufzuzählen und sprach dabei sehr laut und dröhnend. „Sie haben Macht und schätzen das Leben. Niemals würden sie es absichtlich nehmen. Aber das“, er deutete auf den Leichnam des Käfers. „Sie verdienen euer Mitleid nicht. Sie verdienen eure Zurückhaltung nicht. Keine Gnade für Lebensverachtende Kreaturen. Für jene, die aus dem Schlund der Verdammnis gekrochen sein müssen. Sie fressen nicht des eigenen Überlebens wegen. Sie jagen nur zum Spaß, töten nur aus Freude. Kein Mitgefühl, für diese dunkle Brut! Tot – allen – Kraemar!“. Mit diesen Worten brüllte er entschlossen auf. Gloomy warf einen Blick in die Runde. Keines der Ponys oder der kleine Drache, der sich gerade zitternd mit geschlossenen Augen an Twilights Bein klammerte, machte Anstalten etwas zu sagen.
„Ähm“, begann Gloomy vorsichtig und trat ein paar Schritte vor die anderen, dem Saurier entgegen, der ihn daraufhin ganz neugierig musterte. „Ich glaube, du verkennst uns etwas. Wir sind keine Krieger und besitzen auch keine große Macht“.
„So?“. Der Saurier beugte sich zu Gloomy hinunter und ging ihm mit seiner breiten Krokodilschnauze genau auf Augenhöhe. Irgendwie sah es aus, als würde er grinsen. „Was führt euch also, in den Grünwald? Diesseits ist es gegenwärtig überaus gefährlich“.
„Haben wir gemerkt“, ertönte es plötzlich in einem merkwürdig bissigen Tonfall von Twilight. Gloomy konnte förmlich ihren Blick im Rücken spüren, ließ sich aber nichts anmerken und fragte: „Wo kommen denn diese Kraemar her? Ich habe noch nie einen von ihnen gesehen“. Er warf vorsichtig einen Blick zurück zu den anderen. Sie verfolgten stumm ihr Gespräch, wirkten aber nach wie vor sehr verschreckt. Nur Twilight sah Gloomy mehr als Vorwurfsvoll entgegen und Rainbows Aufmerksamkeit haftete förmlich an dem Saurier. Sie wirkte begeistert.
„Hmm“, rumorte der Saurier auf einmal, tief und langsam. „Sie erscheinen noch sehr Jung und unerfahren“. Er richtete sich wieder auf und fuhr fort: „Der Tag wird alt, die Knochen brauchen Ruhe und die Ponys Schutz. Sie dürfen nicht alleingelassen werden an diesem gefährlichen Ort. Mit ihrer Erlaubnis, verweilet der alte Krieger für diese Nacht an ihrer Seite“. Ehrfürchtig beugte er seinen Kopf nach unten, vor die Hufe der Ponys, was Gloomy ganz verlegen machte. Dennoch konnte er seine Begeisterung daraufhin kaum verbergen. Das war vielleicht genau die Ermunterung, die sie brauchten? So blickte er auf die anderen, die jedoch immer noch unverändert vor Ort verharrten. Besonders Twilights Blick machte ihm zu schaffen. Gloomy seufzte. Ein unangenehmes Gespräch bahnte sich gerade für ihn an, da war er sicher.

Der Tag neigte sich ganz unerwartet dem Ende entgegen. Sie hatten gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging und wie schnell die Sonne auf einmal verschwunden war. Zusätzlich war der Himmel noch von Regenwolken überdeckt, weswegen der Saurier ihnen auch einen Felsvorsprung an der Bergwand, ganz in der Nähe vorschlug. Er warnte sie davor, den Berg bei Regen überqueren zu wollen.
„Kannst du das Wetter nicht wieder schön machen, Rainbow?“, fiel die Frage. Rainbow lachte zuversichtlich auf und antwortete ganz selbstverständlich: „Leichteste Übung“. Damit düste sie auch schon auf den Himmel zu und kickte im Nu gegen eine Gewitterregenwolke nach der anderen, die auf der Stelle einfach verpufften. Sie rieb sich bereits schon die Hufe und glitt wieder zu den anderen hinunter. In stolzer Erwartung des Beifalls, erntete sie aber stattdessen nur Tadel, da die Wolken immer noch da waren. Sie rückten einfach nach als wäre nichts gewesen. Wieder und wieder düste sie jetzt oben umher, bis es anfing zu donnern und ein Blitz in ihrer unmittelbaren Nähe einschlug. Es wirkte wie eine Warnung und Rainbow landete schließlich erschrocken wieder bei den anderen unter dem Felsvorsprung, als es auch schon unheimlich zu schütten begann.
„Klappt wohl hier nicht so ganz“, stellte Fluttershy vorsichtig fest.
„Ja, hab ich selbst gemerkt“, entgegnete Rainbow barsch und ohne jemanden anzusehen, setzte sie sich wieder schmollend ans Lagerfeuer zu den anderen. Ihr stolz war ein wenig verletzt. Ihr Saurier-Freund, der sich ihnen inzwischen als Tulhuk vorgestellt hat, rumorte daraufhin erneut tief und langsam. Er hatte sich als überaus freundlich und ruhig erwiesen und schien die Ponys nur zu beobachten, bei dem was sie taten. Bisher hatte er noch nicht viel gesprochen, während sie dabei waren das Feuer unter dem sicheren Felsvorsprung zu entfachen. Nun saßen sie hier und blickten dabei andächtig nach draußen zu dem Platzregen, gemischt mit unregelmäßigen Blitzen und Donnern. So etwas gab es in Equestria nicht oft und war auch nichts Besonderes, weil es stets vorher angekündigt wurde. Man konnte sich also darauf einstellen. Hier war es etwas unheimlich, aber das Feuer vermittelte ein wohliges Gefühl von Sicherheit und ließ es sogar ganz gemütlich wirken. Nur Rarity hatte sich natürlich über den mangelnden Komfort beschwert.
„Voller Neugier ergab sich mir der Anblick des Rainbow-Ponys am Himmel. Bedauerlicherweise ist es mir ein Rätsel, was sie damit zu bezwecken vermochte“.
„Da wo wir herkommen, kontrollieren die Pegasi auf diese Weise das Wetter“, erklärte Gloomy. Tulhuk fasste sich daraufhin mit der Hand ans Kinn und dachte offenbar nach.
„Faszinierend. Wer hätte gedacht, dass man so die älteste und größte Macht der Erde kontrollieren könne? Wahrlich, die Ponys müssen außergewöhnlich sein“. Mit diesen Worten wandte er sich als nächstes direkt an Rainbow: „Dann seid ihr wohl noch ein Jung-Pony, welches diese Kunst noch erlernt?“. Diese machte daraufhin ganz große Augen.
„Was? Nein, nein, nein, auf keinen Fall…“.
„Ist allerdings schon merkwürdig, warum es dir nicht gelungen ist“, warf Applejack mit einem leicht hämischen Grinsen ein. Rarity begann zu kichern und wiederholte noch einmal: „Jung-Pony“. Damit begannen sie beide verhalten zu kichern. Rainbow verengte die Augen und knirschte wütend mit den Zähnen.
„Es wäre auch schon eine beachtliche Leistung, wenn du mal eben das Gleichgewicht außerhalb von Equestria so anpassen könntest“, gab Gloomy zu bedenken. „Oder die Natur, wie die Saurier sagen würden“.
„Da hört ihrs. Zufrieden?“.
„Ach, Rainbow. Das war doch nur ein kleiner Spaß“, beschwichtigte sie Applejack, worauf Rainbow aber nur schnaubte und sich eingeschnappt von ihnen abwandte. Gloomy atmete etwas erleichtert auf. Wenn sie noch miteinander scherzten, konnten sie nicht so mitgenommen sein, dachte er und hatte das Verlangen, sich dessen zu vergewissern. Nur wie sollte er das anstellen? Zunächst trat er vorsichtig an Rarity heran, die gerade etwas abseits stand und mit einem kleinen Spiegel, den sie wohl in ihrer Mähne mit sich führte, im Schein des Feuers ihr Aussehen überprüfte.
„Jetzt nicht, Gloomy. Ich bin gerade beschäftigt“, bemerkte sie nur schnippisch, noch ehe er etwas sagen konnte. So trat er vorsichtig an die nächsten heran. Fluttershy mit Applejack und Twilight an ihrer Seite, die ihn jedoch beide nicht zu beachten schienen, sondern nur gerade stumm und mit leicht gerunzelter Stirn ins Feuer blickten. Als er näher trat, sah Fluttershy auf und machte plötzlich ganz große Augen.
„Ähm…“, begann er, aber Fluttershy begann plötzlich heftig zu zittern, wandte sich ab und machte sich ganz klein.
„Lass es“, sprach Applejack nur mit finsterer Miene ohne ihn anzusehen.
„Was…?“. Er verstummte sofort, als Twilight ihm plötzlich einen scharfen und drohenden Blick zuwarf. Davon eingeschüchtert, wandte er sich ab und sah auf einmal direkt Pinkie in die Augen, die ihn mit eng zusammengekniffenen Augen ansah.
„Sie stecken in gewaltigen Schwierigkeiten, Mister!“, flüsterte sie verschwörerisch, mit einem beängstigend zuckenden Auge. Gloomy trat vorsichtig an ihr vorbei, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen und gesellte sich schließlich zu Rainbow. Diese blickte ganz andächtig ins Dunkle Gewitter hinaus, während sie am Rande des Felsvorsprungs saß und dabei gerade so nicht von den schweren Regentropfen getroffen wurde.
„Rainbow?“, fragte er vorsichtig. Sie sah ihm ganz verwundert entgegen.
„Hm? Was ist denn?“. Gute Frage, dachte Gloomy zögernd und fuhr fort: „Ähm… ist alles in Ordnung?“. Zwischen uns, fehlte da eigentlich noch. Rainbow lächelte nur mild und antwortete: „Sicher. Mach dir keine Gedanken darüber. Es ist nur… boah, wie ich es hasse zu verlieren! Jetzt denkt Tulhuk, dass ich nichts drauf habe. Das stört mich nur etwas“. Gloomy sah ihr nur mit ausdruckloser Miene entgegen. Machte es ihr etwa überhaupt nichts aus? „Oh, aber das meinst du gar nicht oder? Moment, jetzt weiß ich. Aber“. Sie sah Gloomy auf einmal ganz besorgt entgegen. „Ich sehe das genauso wie die anderen“.
„Hä?“, machte Gloomy verwirrt mit großen Augen.
„Hier sind wir sicher“, warf Tulhuk auf einmal ein. „Wollen sie jetzt erzählen, was sie in diese Gegend führt?“. Er saß sehr dicht an der schrägen Felswand und konnte sich dort eigentlich auch nicht richtig aufrichten. Doch das schien ihm egal zu sein und blickte ihnen jetzt nur neugierig mit seiner breiten Krokodilschnauze entgegen, wobei er immer noch wirkte, als würde er sie stetig angrinsen. Interessant war, dass er sich dort direkt neben dem schlafenden Spike niedergelassen hatte und des Öfteren auf den kleinen Drachen herabblickte, als würde er sich vergewissern wollen, dass er noch da war.
Die Ponys erzählten ihm also den Grund für ihre Reise und auch wie es dazu kam. Oder besser gesagt, Gloomy erzählte es. Die anderen waren beängstigend still, aber Gloomy versuchte das zu ignorieren, so gut er konnte. Der Saurier hörte die ganze Zeit aufmerksam zu.
„Ihr befindet euch – sozusagen – auf einer ehrenhaften und selbstlosen Mission. Ihr kennt diese Chubbis nicht einmal und wollt ihnen dennoch helfen. Ihr wollt den Frieden bringen. Jaaah“. Tulhuk sprach sein letztes Wort ganz langsam aus und verfiel auf einmal ins Schweigen. Dann fuhr er fort: „Dieser alte Krieger ist ganz gespannt darauf, wie sie das herbeizuführen gedenken. Gar dieses Gebirge zu überwinden, dürfte für jene uneingeweihten ein großes Problem darstellen“.
„Wir hatten eine der Großratten als Führer“, bemerkte Gloomy. „Du hast ihn nicht zufällig irgendwo gesehen?“. Tulhuks Gesicht war unverändert. Genauso sprach er auch: „Ihr nennt eine der Großratten euren Führer? Vielleicht kommt euch ihr entschwinden aber zugute? Fürwahr, leicht kann man sich in diesen Bergen verirren und niemand vermag es euch so gut auf die andere Seite zu bringen, wie einer von ihnen. Genauso plötzlich aber“. Er sprach auf einmal mit noch tieferer Stimme. „Können sie euren Untergang herbeiführen“.
„Ja. Das wissen wir jetzt“, warf Applejack auf einmal kurz ein.
„Moment mal. Das war nicht Snivens Schuld. Er hatte uns versteckt. Fluttershy ist…“. Gloomy seufzte. Das konnte nur falsch rüberkommen, dachte er.
„Ja. Fluttershy konnte nun mal nicht mit ansehen, wie ein hilfloses Tier hingerichtet wird“, erwiderte Applejack aufgebracht und deutlich betont. „Und ehrlich gesagt, ich auch nicht. Ich bin froh, dass sie eingeschritten ist“.
„Ich auch“. Twilight schloss sich ihr an, genauso wie Rarity und Pinkie. Rainbow enthielt sich wohl zunächst und sah von außen nur zu. Gloomy stutzte.
„Was soll das jetzt? Ich hab nie gesagt, dass es falsch war, was Fluttershy getan hat“. Er kam sich plötzlich wie ein Angeklagter vor, gerade weil ihm jetzt auch alle ganz fragwürdig entgegenblickten.
„Klang aber so“, widersprach Applejack.
„Ja. Weil es eben auch nicht richtig war!“.
„Was für ein Widerspruch. Es war weder richtig, noch falsch?“, bemerkte Rarity frustriert. „Was war es denn dann?“. Gloomy wusste was er antworten wollte, aber irgendwie steckte ihm gerade ein Kloß im Hals. Da brachte sich Rainbow auf einmal ein: „Vielleicht sollten wir das mal unseren großen Freund fragen. Was sagst du denn dazu, Tulhuk?“. Sie sah dem Saurier ganz neugierig entgegen, was er wohl für eine Meinung hatte. Dieser zögerte einen Moment und rumorte schon wieder ganz tief und langsam.
„Hmm. Ihr habt euch – gleichwohl ihr die schwächeren seid – mutig vor die wilde Bestie geworfen. Das zeugt von großem Edelmut und Tapferkeit“, sprach er allmählich. Rainbow war daraufhin ganz aus dem Häuschen und sagte: „Ja. Das sehe ich genau…“.
„Trotz allem, zeugt es auch von Leichtsinn, wenn nicht gar Dummheit“, fügte Tulhuk auf einmal wieder mit tieferer Stimme hinzu und verlieh der Sache damit sehr viel Dramatik. Rainbow stutzte und wandte sich beschämt ab. „Eine durchaus schwierige Situation. Rettet ihr die Hilflosen und bringt euer eigenes Leben dadurch in Gefahr? Eine eindeutige Aussage von Richtig oder Falsch, erscheint hier als ein Ding der Unmöglichkeit. Jeden von euch, hätte heute der Tod ereilen können“. Die Ponys verfielen daraufhin für einen Moment ins schweigen und sahen sich Gegenseitig zutiefst betroffen an. Gleichzeitig ertönte ein gewaltiges donnern von dem tosenden Gewitter, was Tulhuks Worten noch mehr Gewichtung verlieh. Fluttershy brach schließlich ohne Vorwarnung in Tränen aus. Tulhuk hatte genau die Sorge ausgesprochen, die ihnen auf dem Herzen lag.
„Es ist alles meine Schuld“, begann sie heftig schluchzend. „Wenn ich nicht aus dem Versteck gesprungen wäre, dann wäre all das nicht passiert. Twilight…“. Sie wandte sich mit tränenverschmierten Gesicht an sie. „Es war so knapp“. Auch Twilight kamen daraufhin die Tränen. „Es tut mir so leid“. Auch Rarity und Applejack konnten nicht mehr länger an sich halten, dicht gefolgt von Pinkie, die beinahe schon übertrieben losplärrte.
„Ich will niemals Freund mit diesen Kraemar sein!“, schrie sie lauthals. Selbst Rainbow liefen die Tränen. Allerdings hatte sie sich längst abgewandt und wollte das lieber für sich behalten.
„Ich verstehe das nicht, Gloomy“, kam es plötzlich, immer noch unter Tränen von Twilight, während Applejack und Rarity versuchten Fluttershy klar zu machen, dass es ihr nicht leidtun musste.
„Was verstehst du nicht?“, fragte Gloomy mit bebender Stimme. Er konnte sich nur mit viel Mühe zusammenreißen.
„Ist dir eigentlich klar, was du angerichtet hast? Bitte. Erklär es mir“.
„Ich… weiß nicht was du meinst“. Das war gelogen. Er wusste genau was sie meinte, schämte sich aber viel zu sehr dafür es zuzugeben.
„Ach dann vergiss es“, erwiderte Twilight nur, atmete ein paar Mal tief durch und versuchte sich zu beherrschen. Dann warf sie Tulhuk einen kurzen Blick zu, ehe sie wieder an Gloomy gewandt sprach: „Reden wir ein andermal drüber“.
„Hmm. Verehrteste. Ich bitte demütigst um Verzeihung“, mischte sich Tulhuk auf einmal ein und beugte dabei seinen Kopf ganz ehrfürchtig nach unten. „Jedoch tätet ihr gut daran, dieses Gespräch nicht aufzuschieben. Es schafft nur neuen und tieferen Kummer. Es entmutigt, es entzweit, es schmerzt“. Da knurrte Twilight plötzlich auf, wandte sich wieder zu Gloomy um und die nächsten Worte sprudelten nur so unter Zorn aus ihr hinaus: „Ich würde ja. Aber du machst ja immer so ein Geheimnis aus allem. Früher war das nicht schlimm, weil davon nichts abhing. Aber jetzt? Kein Wort hast du über irgendetwas verloren. Wenn du mich fragst, bist du an allem schuld! Du hast uns alle in Gefahr gebracht und tust jetzt auch noch so, als wär dir das völlig egal!“. Gloomy sah ihr ganz erschrocken mit großen Augen entgegen und erwiderte mit gerunzelter Stirn: „Ich habe nie gesagt, dass es hier draußen nicht gefährlich ist“. Twilight aber hatte sich abgewandt und begann aufgeregt auf und ab zu laufen.
„Wie bitte? Spinnst du?“, ertönte auf einmal Applejacks Stimme. Auch sie wirkte überaus wütend und richtete sich jetzt auf. „Muss ich dir jetzt etwa deine eigenen Worte ins Gedächtnis rufen, wo du dir doch sonst immer jedes Wort merken kannst? Es ist wie ‘ne Reise. Nur nicht in Equestria“. Mit den letzten Worten hatte sie seine Stimme nachgeäfft. Twilight knurrte erneut, hielt inne und wandte sich wieder an Gloomy: „Das kommt der Schwere hinzu. Ich habe Spike erlaubt mitzukommen. Auf dein Wort hin! Was hast du dir dabei gedacht?“. Gloomy verlor schließlich seine Ruhe. Offenbar waren hier alle gegen ihn.
„Mal anders gefragt, was habt ihr denn erwartet? Das wir hier fröhlich und munter durch die rege Wildnis spazieren?“, fragte er aufgebracht. „So ist es hier draußen nun mal! Hier gibt es Mord und Totschlag, Verzweiflung, Ungerechtigkeit, Angst… eben Disharmonie. Viele, viele schlimme Dinge. Die Völker bringen sich nicht nur gegenseitig sondern sogar untereinander um. Zorn, Neid, Hochmut und Habgier stehen an der Tagesordnung. Das ist normal. Ihr habt ja keine Ahnung, wie gut ihr es in Equestria habt! Es ist wie eine geschützte Umgebung, in der ein Fohlenherz rein und unschuldig bleiben kann“. Gloomy hatte aus voller Überzeugung gesprochen. Genauso hatte er die Außenwelt zumindest in Erinnerung und so sehr er das Reisen auch vermisst hat, so wurde ihm jetzt erst klar, wie schön Equestria wirklich ist. Niemand sagte nun etwas. Gloomy stand Twilight gegenüber und sah ihr jetzt fest in die Augen. Twilight kamen erneut die Tränen und sie sprach mit bebenden Lippen ganz leise: „Und das hast du uns verheimlicht?“. Gloomys wütender Gesichtsausdruck wich einem überraschten. Eigentlich war ihm das doch die ganze Zeit klar gewesen und umso mehr schämte er sich jetzt dafür. Jetzt erst wurde ihm richtig bewusst, was er eigentlich angerichtet hatte und sein Blick sank allmählich auf den Boden, während Twilight immer noch leise sprechend fortfuhr: „Weißt du, mehr habe ich nicht verlangt. Nur dein Wort. Wir kennen nur Equestria. Woher hätten wir das wissen sollen? Wir waren also auf dich angewiesen und haben dir vertraut. Und du…“. Aber sie brauchte nicht mehr weiterzusprechen. Gloomy konnte nicht mehr an sich halten und brach lautstark in Tränen aus.
Viele Gedanken gifteten ihm nun durch den Kopf. Er hasste sich selbst, für alles was er seinen Freunden angetan hat. Freunde? Wie konnten sie ihn überhaupt als Freund bezeichnen? Ein Freund belügt seine Freunde nicht und macht ihnen auch nichts vor. Er war ein schreckliches Pony und verdiente es nicht sie zu kennen oder in Equestria zu sein. Er war wie eine Ratte. Eine Ratte, der man nicht trauen konnte. Besser wäre gewesen, die Kraemar hätten ihn bekommen. Das hätte ihm recht geschehen.
Da spürte er, dass Twilight ganz dicht an ihn herangetreten war. Gleichzeitig sprach sie sanft: „Du wolltest unbedingt eine Reise mit uns machen, stimmt’s? Und hattest Angst, dass wir nein sagen würden“. Gloomy antwortete nicht, aber das war auch nicht nötig. Twilight kannte die Antwort schon. „Jetzt weißt du, dass das aber nicht der richtige Weg war“. Gloomy schluchzte so heftig, dass er die folgenden Worte kaum herausbekam: „Es tut mir so leid“. Er wollte sich abwenden. Er konnte keinem von ihnen jetzt in die Augen sehen, aber Twilight hatte ihn längst in den Huf genommen. Er versuchte sie vorsichtig wegzustoßen, aber sie ließ nicht locker. Plötzlich kamen auch noch die anderen dazu, was Gloomy zu noch mehr Tränen brachte. Er hatte diese Freunde überhaupt nicht verdient, dachte er. Wollten sie ihm das etwa verzeihen? Das er beinahe ihren Tod herbeigeführt hatte? Eine ganze Weile lang verweilten sie so, während Gloomy sich allmählich beruhigte und leise sprach: „Danke, dass es euch gibt“.

Der nächste Morgen verlief sehr ruhig. Das Wetter hatte sich längst gelegt und es war windstill, aber immer noch keine Vögel zu hören. Einige Regenpfützen zeugten noch von dem Sturm der vergangenen Nacht. Niemand sagte etwas, aber alles in allem wirkte es wie eine Abbruchstimmung, als sie sich gerade vor dem Felsvorsprung versammelten und sich ein Bild von der Lage machten.
„Gehen wir jetzt noch weiter oder drehen wir um?“, kam die Frage schließlich überraschenderweise aber von Spike, der gerade sich reckend und streckend an sie herantrat, dicht gefolgt von Tulhuk.
„Spike? Wie… woher…?“, begann Twilight aber Spike unterbrach sie: „Jetzt tu doch nicht so überrascht. Das Gespräch in der Nacht war ja kaum zu überhören. Ich glaube aber, die Ehre gebietet mir dieses Unternehmen nicht einfach so abblasen zu können“. Die Ponys warfen sich nun gegenseitig entgeisterte Blicke zu, ehe sie sich wieder alle an Spike wandten.
„Die was gebietet dir was?“, fragte Rainbow mit gerunzelter Stirn. Sie hatte ihn durchaus verstanden. Es war nur merkwürdig diese Worte von Spike zu hören.
„Meine Wenigkeit konnte ihre Exzellenz wegen der Unruhen der vergangenen Nacht beruhigen und er ist bereit, Milde walten zu lassen“, erzählte Tulhuk ihnen auf einmal, der direkt hinter Spike stand, wie ein Wächter.
„Mit anderen Worten, ich vergebe euch“, erklärte Spike abwinkend und von oben herab.
„Exzellenz?“, wiederholten die Ponys alle auf einmal. „Du?“.
„Ganz recht“, erwiderte Spike stolz. „Und bitte etwas mehr Ehrfurcht“. Die Ponys kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Was hatte das denn nun zu bedeuten? Da begann Gloomy auf einmal verhalten zu lachen.
„Das hab ich völlig vergessen“. Er wandte sich an Spike. „Jetzt hast du ja endlich mal jemanden gefunden, der deiner Würdig ist, verehrter Drache“. Die anderen sahen fassungslos zu Gloomy.
„Sag bloß… er ist…?“.
„Ja ist er“, antwortete Gloomy nur. „Drachen werden verehrt unter den Sauriern. Egal ob jung oder alt“.
„Wirklich? Spike? Ist ja schon komisch irgendwie“, brabbelten die Ponys belustigt kichernd durcheinander, worauf Tulhuk sich wieder an den Drachen wandte.
„Eure Exzellenz hatten recht. Natürlich. Das benehmen der Ponys Angesichts eurer Herrlichkeit, lässt mehr als zu wünschen übrig“. Mit den nächsten Worten deutete er auf die Ponys. „Mit eurer Erlaubnis sorge ich dafür, dass sie euch fortan gebührend gegenübertreten“. Das Gekicher der Ponys endete abrupt. Sie wirkten nun sehr beunruhigt und besorgt.
„Ach lass mal, mein getreuer Diener. Ich hab die Ponys… also meine Untergebenen im Griff“, erklärte Spike mit einem zuversichtlichen grinsen.
„Vorsicht Spike“. Twilight hatte ein verhaltenes Lächeln aufgesetzt, sprach aber mit drohender Stimme. „Denk an die gemeinsame Zeit, die noch vor uns liegt“. Spike stutzte, räusperte sich und fuhr so lässig er konnte fort: „Nun, ist ja auch egal. Ich habe Tulhuk gefragt, ob er uns über den Berg nach Chuba führen könnte. Er meinte, wir müssen uns entscheiden“.
„Spike“, erwiderte Twilight sofort ohne zu zögern. Sie seufzte schwer und ließ etwas den Kopf hängen. „Wenn du wirklich das Gespräch von letzter Nacht gehört hast, dann weißt du auch… wie gefährlich das alles ist. Ich weiß nicht ob wir wirklich…“.
„Wenn es wegen Sniven ist, der ist längst wieder da“, unterbrach sie Spike, worauf alle Ponys gleichzeitig riefen: „Was?“. Spike nickte.
„Ja, er schaute hier kurz vorbei, während verschlafene Ponys noch geschlafen haben und ist dann den Berg hinaufgeflitzt. Meinte er kommt bald zurück… seine Worte!“, fügte Spike hastig hinzu, als er sich einige tadelnde Blicke einfing.
„Also wenn der sich traut, hier nochmal aufzukreuzen, hat er wirklich nerven“, kam es von der wütend schnaubenden Applejack. Fluttershy blickte verängstigt zu Boden und wandte leise ein: „Eigentlich hat er doch gar nichts falsch gemacht“.
„Er hätte aber ruhig mal von sich hören lassen können. Ein bisschen macht man sich ja nun doch Sorgen um den kleinen Nager. Auch wenn er so streng riecht“. Diese Worte stammten unglaublicherweise von Rarity, der erst gar nicht auffiel, dass sie von jedem nun mit großen Augen angestarrt wurde. Sie blickte dann äußerst verlegen drein und fügte hinzu: „Naja… wenn man eine Weile zusammen unterwegs ist… Eigentlich war er doch immer ganz… brav. Und irgendwie auch lustig“. Applejack stöhnte genervt auf.
„Wenn er nicht gerade ständig durch die Gegend wuselt und auch mal in unserer Nähe bleibt oder nicht unsere Vorräte alle auf einmal verbraucht oder meine Äpfel alle verputzt oder so komisch redet, dass man ihn manchmal gar nicht versteht… dann ja“. Ein kichern ging darauf durch die Reihe.
„Äpfel? Mich hörte Äpfel!“. Eine bekannte Stimme ertönte plötzlich neben ihnen.
„Sniven!“. Die Ratte grinste auf einmal über beide Ohren und blickte ganz verlegen zu Boden.
„Ngah, ngah, Sniven wurde vermisst“, lispelte er gerührt. „Und Ponys verpennen wieder ganz-ganzen Morgen. Sauden nutzte Zeit zum ormschen“.
„Davon bin ich überzeugt“, warf Applejack knapp ein. Dann stutzte sie auf einmal. „Moment mal“. Sie stürmte plötzlich zum Feuer und überprüfte offenbar ihre Vorräte. Sie wirkte erleichtert. „Dein Glück!“.
„Was? Wird da Ormsching gelagert?“. Sniven flitzte sofort hinterher, aber Applejack stellte sich ihm hastig in den Weg und rief: „Nein!“. Unweigerlich mussten sie alle anfangen zu lachen, während die Ratte nur traurig den Kopf hängen ließ.
„Aber jetzt sag mal Sniven“, wandte Rainbow kurz darauf ein. „Wo bist du denn nun die ganze Zeit gewesen?“. Sniven wirkte auf einmal verstört und fuchtelte schon wieder ganz wild mit seinen Pfoten herum.
„Keine Zeit – Verquatschte Ponydinger – Wir wuseln schnell-flink und leise wie Schatten müssen wir sein, ja, ja“. Sniven schien den Saurier gar nicht zu beachten, ganz im Gegenteil von Tulhuk. Er verfolgte die Ratte mit seinem Blick auf Schritt und Tritt und machte dabei irgendwie einen unruhigen Eindruck. Dann richtete er sich plötzlich auf.
„So haben sich die Ponys also entschieden“. Tulhuks laute, tiefe Stimme, die fast schon eher wie ein Brüllen klang, ließ sie alle vor Schreck zusammenzucken. Twilight begann aber Augenblicklich zu protestieren: „Moment mal. Wir haben noch gar nichts entschieden“.
„Oh doch. Wir werden weitergehen…“, beschloss der kleine Drache aber Twilight unterbrach ihn: „Spike!“ und warf ihm dabei einen strengen Blick zu. „Es ist zu gefährlich…“.
„Es ist ein Abenteuer! Wir werden alle daraus lernen und daran wachsen. Vielleicht sogar über uns selbst hinaus“. Spike hatte ganz ernst die Stirn gerunzelt und fing plötzlich an vor ihnen auf und ab zu laufen, während er eine Rede hielt. „Uns stehen vielleicht harte Zeiten bevor, aber auch schöne. Unangenehme und angenehme. Wir werden vor Hürden gestellt, aber wir werden sie überstehen. Gemeinsam! Auf diese Weise, stärken wir das Band zwischen uns allen und wenn wir wieder heimkehren, werden wir nicht mehr die sein, die wir vorher waren. Wir werden neu sein. Erfahrener“. Die Ponys blickten Spike mit aufgerissenen Augen und offenen Mäulern entgegen. Es war offensichtlich, dass diese Worte nicht von ihm stammten. Ganz bestimmt hatte er sich eine Weile mit Tulhuk unterhalten. Aber trotzdem hatten sie von ihm als letztes so eine aufbauende Ansprache erwartet. Spike stutzte auf einmal und fügte verlegen hinzu: „Und außerdem, gebietet es meine Ehre als Drache, nicht aufzugeben“.
„Wohl gesprochen, euer Exzellenz“, lobte ihn Tulhuk, der plötzlich einen sehr stolzen Eindruck machte.
„Cool. Die Rede hätte ja von mir sein können“, stimmte Rainbow etwas prahlerisch zu. Fluttershy wandte sich ab und warf zurückhaltend ein: „Eigentlich würde ich gerne die bleiben, die ich bin“. Rarity kicherte etwas nervös.
„Fluttershy liebes, so ist das doch gar nicht gemeint“. Während sie nun alle etwas durcheinanderredeten, wandte sich Twilight zögerlich an Gloomy.
„Kannst du mir garantieren, dass wir das schlimmste hinter uns haben?“, fragte sie und wirkte dabei sehr besorgt. Gloomy zögerte ebenfalls und antwortete schweren Herzens: „Nein. Kann ich nicht“. Auf sein Wort hin, wirkte Twilight nur noch beunruhigter. „Vielleicht sollten wir uns auf eine Sache einigen. Und ich warne euch vor, es wird euch nicht gefallen. Es ist die Grundregel des Überlebens. Wir legen uns niemals mit Kreaturen an, denen wir nicht gewachsen sind. Selbst wenn es heißt, dass dadurch ein unschuldiges Leben verletzt oder… schlimmeres passiert. Aber das können wir nun mal nicht immer verhindern“. Er sah bei diesen Worten insbesondere zu Fluttershy. „Überall geschehen schreckliche Dinge“. Fluttershy sah betreten zu Boden, womit sie allerdings nicht die einzige war.
„Meine Wenigkeit wird euch nun verlassen, Ponys. Eine letzte Hürde liegt noch vor euch, bis zum Erreichen eures ersten Zieles. Vielleicht lauert die wahre Gefahr erst in Chuba“. Sie warfen sich alle daraufhin gegenseitig entsetzte Blicke zu. Damit hatte Tulhuk völlig recht. Das hier war möglicherweise erst der Anfang.
„Keine Sorge, Freund. Ich darf doch Freund sagen, oder?“. Pinkie klang ganz aufgeregt vor Begeisterung und kicherte dabei. Sie ließ aber keine Zeit zum Antworten und fuhr sogleich fort: „Natürlich. Wir trotzen jeder Gefahr. Mindestens lachen wir ihr ins Gesicht, bevor das unvermeidliche passiert… ähm. Nun ja. Ist ja auch egal“. Sie grinste über beide Ohren und hüpfte munter auf der Stelle herum. Tulhuk zögerte, senkte den Blick etwas und fasste sich mit der Hand ans Kinn. Offenbar wusste er nicht, was er auf Pinkies Ansage antworten sollte und wirkte sogar verzweifelt. Damit war er ja nicht der einzige.
„Vielleicht willst du ja mit uns kommen?“, warf Rainbow plötzlich ein. „Also nicht, dass wir Angst hätten oder so. Ich zumindest nicht. Aber… naja. Wär schon irgendwie cool, wenn du dabei wärst“. Sie wurde gegen Ende auf einmal ganz verlegen. Irgendwie schien sie den Saurier wirklich zu bewundern.
„Ich bin ein Drachenwächter!“, rief dieser auf einmal, was die Ponys wieder zusammenzucken ließ. „Mir wurde eine heilige Mission aufgetragen, um die Anwesenheit der Kraemar in diesem Gebiet nachvollziehen zu können. Anschließend, wird sich dieser alte Krieger wieder voller Demut an die Seite seines alten, weisen Drachenmeisters begeben, um dort gebührend über ihn zu wachen“. Wie so einige Male zuvor schon rumorte er wieder tief und langsam, bevor er fortfuhr. „Hmm. Die Ponys sind reinen Herzens, das kann ich zweifellos anerkennen. Sie sprechen über ihre Bedenken so offen, wie kaum ein anderer es vermag. Sie setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel, um sich für die schwachen und wehrlosen einzusetzen. Gerne, würde ich an ihrer Seite reisen und ihre Fortschritte bewundern“. Rainbow grinste auf einmal über beide Ohren und stampfte ganz aufgeregt mit den Hufen.
„Ja, so was in der Art, mit dem reinen Herz. Ich hätte es nicht besser sagen können“.
„Aber Ratten und Saurier passen nicht zusammen. Wir können uns nicht vertragen. Und ich hielte es für äußerst zweifelhaft, dass Ponys solch einen Umgang pflegen, wenn mir nicht bereits selbst zuvor ihr Wesen widerfahren wär“. Rainbow seufzte ganz enttäuscht auf.
„Oh bei Celestia. Ernsthaft? Also wegen…“. Sie wandte sich plötzlich an Sniven, der ihr Gespräch offensichtlich äußerst misstrauisch verfolgte und fügte vorwurfsvoll hinzu: „Sag mal Sniven, bei unserem ersten Tag in der Wildnis waren auch einige Tiere, die dich scheinbar nicht ausstehen konnten. Und jeder warnt uns vor dir und deinen Kollegen. Wieso seid ihr Saudens eigentlich so unbeliebt?“. Sniven wurde plötzlich ungewöhnlich still und riss die Augen weit auf. Es kam eigentlich nie vor, dass er nicht in irgendeiner Weise herumzappelte. Dann rief er plötzlich: „UHHH! Unbeliebt?“. Er wuselte auf einmal ganz wild auf der Stelle umher und wälzte sich auf dem Boden. Dann sprang er wieder auf und rief: „Los Ponys! Wir gehen jetzt! Unbeliebt!“. Offensichtlich beleidigt schritt er voraus den Pass in die Berge hinauf, unter den verwirrten Blicken der anderen.
„Ich glaube, du hast seine Gefühle verletzt“, bemerkte Fluttershy bedrückt.
„So war das doch gar nicht gemeint“, erklärte Rainbow seufzend. Tulhuk schien das nicht zu interessieren und verbeugte sich noch einmal zum Abschied.
„Bleibt so, wir ihr seid. Ehre und Stärke, Ponys!“, brüllte er und schlug sich dabei auf die Brust, dass es knallte.
„Klar doch, großer“, erwiderte Rainbow kumpelhaft und grinste ihm ganz breit entgegen.
„Hmm“. Tulhuk beugte seine Krokodilschnauze nun zu ihr hinunter auf Augenhöhe, wieder mit einem scheinbaren grinsen und sprach ihr nach: „Klar doch, große!“, worauf Rainbow ganz aufgeregt mit den Hufen aufstampfte.
„Oh man, oh man, oh man, oh man…“

Der Aufstieg in den Bergen schien kein Ende zu nehmen und zehrte nicht nur an ihren Kräften, sondern auch an der ohnehin schon beeinträchtigten Laune. Pinkie blühte förmlich in ihrer Art auf und dachte sich ein Spiel nach dem anderen aus, dass sie auf dem langwierigen und trübsinnigen Weg ermunterte. Allerdings nicht für ewig. Die Sonne schien inzwischen prall auf sie herab und bestärkte sie in dem Gefühl, dass hier eigentlich nichts Gefährliches passieren konnte. Es stellte sich auch schon bald heraus, dass die Gefahr hier nicht aus irgendwelchen Kreaturen, sondern aus etwas mehr schleichendem bestand. Von der Anstrengung mal abgesehen. Sie haben Sniven inzwischen mehrmals vor sich hin murmeln hören, von wegen es gäbe hier viel zu wenig ormsching. Oft schnupperte er in der Luft herum, hob beliebig irgendwelche Steine auf, um daran zu lecken und sie anschließend nur wieder wegzuschmeißen. Dabei schüttelte er sich ganz angewidert. Außerdem trieb die Ratte sie alle ziemlich an und mäkelte ganz unruhig herum, dass sie sich doch beeilen sollten. Es wirkte, als würde er etwas verheimlichen und Twilight fragte Gloomy auch bereits, ob er vielleicht etwas deswegen wusste. Gloomy konnte deutlich Misstrauen aus ihrer Frage heraushören, obwohl sie sich merkbar Mühe gab, das nicht zu tun. Wer könnte es ihr verdenken?
Gloomy hatte hier viel zu viel Zeit zum Grübeln. Was sich gestern beinahe im Grünwald ereignet hatte, ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Vielleicht war es die schlechteste Idee aller Zeiten, seine Freunde für eine Reise in das Jenseits von Equestria zu begeistern. Er wollte fortan wachsamer werden und sie nicht mehr aus den Augen lassen. Das sollte seine Verantwortung sein! Niemand sollte seinetwegen verletzt werden!
„Du meine Güte. Wenn ich bedenke, dass das erst der Anfang ist. Ich hoffe sie unterhalten in Chuba einen Schönheitssalon. Den werde ich als erstes aufsuchen“. Angesichts der Ernsthaftigkeit ihrer Mission, konnten derlei Worte von niemand anderem als Rarity stammen, die gerade während einer kurzen Ruhepause ihre Mähne überprüfte. „Ich fühle mich schrecklich schmutzig“.
„Das ist keine Erholungskur, Rarity“, wies Applejack sie schroff zurecht.
„Man kann auch mit Stil verreisen“, erwiderte diese würdevoll.
„Immer weitergehen, Ponys! Nicht-nicht stehen-hierbleiben!“. Damit flitzte Sniven auch schon wieder los, hielt aber plötzlich überraschend inne. Er wandte sich noch einmal um, sah Rainbow mit eng zusammengekniffenen Augen entgegen und sagte: „Unbeliebt!“. Damit wuselte er schließlich los, unter den perplexen Blicken der anderen, während Rainbow nur ein nicht überhörbares seufzen von sich gab. Das ging nun schon eine ganze Weile so.
Sniven führte sie schließlich an einer sehr steilen Klippe entlang. Nun ergab sich auch, wieso Tulhuk sie davor gewarnt hat, diesen Weg bei Nässe zu beschreiten. Glücklicherweise war aber längst alles trocken. An einer Gabelung führte ein Weg nach unten und einer nach oben. Außerdem tat sich direkt daneben ein Höhleneingang auf. Sniven betrachtete diesen bereits mit einem merkbaren Interesse und schnupperte ganz aufgeregt. Sogleich wollte er den Ponys vorführen, wie viel Zeit sie einsparen würden, da sie diese Höhle durch den Untergrund auf direktem Wege ins Chuba geleiten würde.
Den Ponys war bewusst, dass dies bereits der vierte Tag war, aber das kam für sie doch nicht in Frage. Sicherheit sollte vorgehen und es war nicht die Rede davon, dass sie es nicht trotzdem rechtzeitig schaffen würden. Abgesehen davon, was genau sie dort dann eigentlich vorhatten…
Einstimmig und ohne zu zögern, sprachen sie allesamt dagegen, worauf Sniven offensichtlich enttäuscht war. Er kriegte sich jedoch schnell wieder mit einem üblichen schelmischen grinsen ein und bedeutete ihnen zu warten, da er sich wohl selbst nicht ganz sicher war, welcher Weg der richtige sei. Also warteten sie und blickten dabei hinaus in die Ferne. Dort ergaben sich nur weitere Berge, mit schneebedeckten Spitzen und eine Schlucht direkt unter ihnen. Sie konnten sogar Bäume erkennen. Es ging hier sehr tief hinunter.
„Wenn wir noch höher steigen, sind wir vielleicht bald in den Wolken“, bemerkte Gloomy erstaunt. Doch eigentlich waren sie dafür bei weitem noch nicht hoch genug.
„Wow! In den Wolken. Wer braucht schon Flügel“, kam es begeistert von Pinkie.
„Ich wäre sehr froh, wenn wir wieder etwas Bergab wandern könnten“. Fluttershy hatte sich müde niedergelassen und blickte sehnsüchtig den Weg hinunter. Twilight schüttelte entschieden den Kopf.
„Das können wir uns ja nun mal nicht aussuchen. Wir müssen in die Richtung wandern, in der es nach Chuba geht“. Pinkie hüpfte ganz aufgeregt und unbeschwert um sie herum, dass Gloomy sich schon sorgen machte, sie könnte gleich noch herunterstürzen.
„Es hat auch was Gutes. Wir können unsere Vorräte bald mit Zuckerwatte vollstopfen!“.
„Wohl kaum“, widersprach Applejack mit einem seichten Lächeln. „Aber vielleicht führt uns Sniven ja gleich bergab. Ich hätte auch nichts dagegen“.
„Ach, nun stellt euch mal nicht so an. Wir gehen den Weg, den wir gehen müssen. Bei meiner Ehre…“. Spike hatte sich ganz würdevoll auf Twilights Rücken aufgerichtet und erntete dabei nun einige finstere Blicke.
„Spike!“, unterbrach Twilight ihn schließlich etwas genervt. „Tulhuk ist nicht mehr hier. Du brauchst dich also nicht mehr zu verstellen“. Spike verstummte augenblicklich und ließ sich wieder etwas eingeschnappt nieder.
„Es gibt eine ungeschriebene Regel beim Wandern in den Bergen“, warf Gloomy ein. „Nämlich, dass der schwierigste Weg, immer der Richtige ist. In dem Fall, der nach oben“. Ein niedergeschlagenes stöhnen ging daraufhin durch die Ponys. „Allerdings kann ich euch trösten. Es ist ein Irrglaube, von wegen der Abstieg sei leichter als der Aufstieg. Eigentlich ist es nicht weniger Anstrengend. Ihr müsst nämlich jedes Mal beim Auftreten abbremsen. Andernfalls rollt ihr den Berg runter und seid dann nur noch ein Haufen Matsch“.
„Vielleicht will ich doch lieber bergauf wandern“, wimmerte Fluttershy. Gloomy runzelte die Stirn. Sicherlich stellte Fluttershy sich doch gerade nur an. Damit kann er unmöglich etwas Neues erzählt haben.
„Endlich macht Gloomy uns wieder Mut“, bemerkte Rainbow Kopfschüttelnd. „Wenn du so müde bist, Fluttershy, wieso fliegst du dann nicht einfach mal eine Weile? Ich zum Beispiel bin kein bisschen Müde. Im Gegenteil. Gibt zwar spannenderes, aber immerhin bietet es reichlich Platz für ein paar Flugübungen“. Damit flog Rainbow auch gleich über den Rand der Klippe hinaus und demonstrierte ihnen eine kurze Flugeinlage, worauf sie alle Applaus stampften. Fluttershy zögerte und sah vorsichtig über den Rand der Klippe hinaus nach unten. Sie begann zu zittern und zog sich eilig an die Wand zurück.
„Oh nein, nein, nein! Was wenn meine Flügel versagen? Wenn mich der Wind erfasst und mich fortweht? Oder irgendetwas Unvorhersehbares passiert?“. Die Ponys sahen ihr nur mit großen Augen entgegen. Eigentlich konnten diese Dinge überall passieren.
„Dann solltest du besser auf dem Weg bleiben“, beschloss Gloomy kurzerhuf. „Genauso wie du Pinkie!“. Er hatte es jetzt lange genug mit angesehen, wie Pinkie dort am Rande entlanghüpfte.
„Hä?“, machte diese und blickte ihm erstaunt entgegen.
„Wenn du da runterstürzt, können wir nichts mehr für dich tun!“, fügte Gloomy gereizt hinzu und zog sie zurück auf den Weg. Pinkie grinste nur breit und erwiderte locker: „Klaro, klärchen!“.
Da bebte der Boden unter ihnen ganz gewaltig, was sie alle ins Stolpern brachte. Pinkie erschrak, fand aber gerade noch am Rande der Klippe das Gleichgewicht wieder. Obwohl Rainbow bereits schon zur Stelle war, um sie Notfalls aufzufangen, blickte sie ganz verlegen in Gloomys tadelndes Gesicht. Es war aber noch nicht alles. Ein gewaltiges Krachen ertönte von oberhalb und ein tiefes, langgezogenes, dumpfes rumoren schallte über das gesamte Gebirge. Es klang ein wenig wie ein Brüllen. Darauf folgten weitere laute Geräusche von Geröll, welches nicht unweit von ihnen den Berg hinunterstürzte.
„Sniven!“, riefen sie alle entsetzt und wollten gerade den Weg hinaufstürmen, als ihnen die Ratte auch schon auf allen vieren entgegengeeilt kam. Im Rücken gewaltige Felsbrocken.
„Weg-beiseite!“, kreischte er in Panik. Es war ein grauenhafter Anblick. Die gewaltigen Felsen überschlugen sich über Sniven, der nicht schnell genug davonkam.
„Sniven!“.
„Schnell! In die Höhle!“, rief Gloomy hektisch. Dort in Sicherheit, rollten die Felsen an ihnen vorbei und stürzten die Klippe hinunter. Langsam traten die Ponys hinaus, nachdem sich die Lage wieder beruhigt hatte. Es gab keine Spur von Sniven und niemand sagte etwas. Applejack nahm ganz andächtig ihren Hut ab, während sie sich wortlos Blicke zuwarfen und traurig eine Schweigeminute einlegten. Der schniefenden Fluttershy kamen bereits die Tränen. Applejack vernahm als erstes ein schnuppern neben sich, als auch schon Sniven mit der Nase an ihrem Hut hing.
„Was hast du da?“, fragte er ganz neugierig lispelnd, als wäre nichts gewesen.
„Sniven?“. Genauso erfreut wie verwundert über sein plötzliches erscheinen, versammelten sich die Ponys allesamt um ihn herum und redeten aufgeregt durcheinander: „Schön, dass es dir gut geht. Wir dachten es hätte dich erwischt. Was ist denn da passiert? Was hast du da oben getrieben?“. Sniven sprang völlig durch den Wind aus ihrer Mitte und fuchtelte schon wieder ganz wild mit seinen Pfoten herum. Dann rief er auf einmal hysterisch: „Sniven untröstlich! Weg nach Chuba – VERSPERRT!“.
„Was?“. Die Ponys waren mehr als nur erschrocken. Sniven nickte eifrig und fügte hinzu: „Aber keine Angst-Sorge. Weg führt immer noch durch Untergrund, ja, ja“. Er deutete verschmitzt lächelnd auf die Höhle. „Einziger-letzt-tester Weg, führt hier hindurch. Ponys vertrauen Sniven, ngah, ngah“. Sie tauschten entsetzte Blicke und es brauchte nichts gesagt zu werden, denn sie dachten alle das gleiche. Das fremde Pony im Golden Oak hatte sie ausdrücklich vor dem Untergrund gewarnt. Sniven erklärte ihnen, dass eine Gerölllawine den Weg versperrt hat und dass es Wochen dauern würde, diesen wieder frei zu räumen. Was für eine Wahl hatten sie?
„Das kommt nicht in Frage“, protestierte Rarity bereits mit einem Blick in die dunkle, schaurige Höhle. „Wie ich euch bereits sagte. Nichts und niemand, kann mich dazu bringen, in irgendein Erdloch zu kriechen“. Kaum hatte sie diesen Satz geendet, ertönte ein bekanntes Kreischen wie zuvor aus dem Grünwald, was sie alle zusammenzucken ließ. „Huch. Ich meine…“. Rainbow flog nach oben und erspähte den Weg, den sie gekommen waren.
„Es sind die Kraemar!“.
„Was? Schon wieder? Sind die uns gefolgt?“, rief Applejack. Sniven stellte sich vor die Ponys und bedeutete ihnen wild zappelnd, sich zu beeilen.
„Selbst-natürlich! Einmal Blut geleckt-leckt – STETIG FOLGEN UNNACHGIEBIG!“. Es war keine Zeit zu diskutieren. Das Kreischen der Kraemar kam näher aber das war nicht alles. Schon wieder ertönte ein fernes, tiefes, langgezogenes und dumpfes rumoren. Es kam von unten aus der Schlucht. Ein Krachen ertönte, als würde eine gigantische Kreatur gegen den Berg donnern. Der Boden unter ihnen erzitterte und brachte sie wieder ins Stolpern. Spike fiel dabei von Twilights Rücken und purzelte dem Rand der Klippe entgegen. Die Ponys hatten selbst Mühe, sich auf den Beinen zu halten, aber Applejack war es gelungen und konnte Spike gerade noch rechtzeitig festhalten. Ein weiteres donnern folgte jedoch und brachte sie erneut zum Taumeln. Sie verlor das Gleichgewicht und drohte vornüber hinunterzustürzen, als Gloomy sich auch schon hinterherhechtete. Der Felsen gab nach und nahm Applejack zusammen mit Spike mit sich nach unten. Aber Gloomy, der gerade über den Fels geschlittert kam, bekam sie gerade noch an den Hinterläufen zu fassen. Verzweifelt ruderte er mit seinen Hinterbeinen, aber er war nicht stark genug um sie alleine hochzuziehen.
„Jetzt kommt schon!“, rief er mit zusammengebissenen Zähnen. „Zieht uns rauf!“.
„Halte durch!“. Hufgetrappel ertönte von hinten und er spürte, wie er um die Hüfte gepackt und gezogen wurde. Gleichzeitig flog Rainbow über ihn hinaus und drückte von unten gegen Applejack. Ruckzuck waren sie wieder auf sicherem Boden und atmeten tief durch.
„PONYS!“, hörten sie Sniven auch schon rufen. Zum Ausruhen war keine Zeit. Wieder donnerte es und das tiefe Brüllen ertönte. Sniven stand am Eingang der Höhle und winkte sie hektisch heran. Sie drohte gerade einzustürzen. Schwere Felsbrocken bröckelten von oben ab und schlugen vor dem Eingang auf. Auch die Kraemar waren schließlich angekommen.
„SCHNELL IN DIE HÖHLE!“, schrie Twilight. Sie liefen los oder genauer gesagt, stolperten sie, denn der Boden erzitterte nach wie vor und sie entgingen dem Ansturm des einen Kraemar nur sehr knapp. Die Riesenkäfer hatten trotz des Chaos offenbar nichts Besseres zu tun, als sie zu jagen. Die Ponys, der kleine Drache und die Ratte wollten so weit in die Höhle hineinstürmen, wie sie konnten und wichen dabei immer wieder den herunterfallenden Felsbrocken aus. Die Kraemar zögerten. Einer zumindest. Der zweite fackelte nicht lange und setzte ihnen zornig aufkreischend nach. Allmählich wurde es sehr dunkel. Die herunterfallenden Felsbrocken stauten sich und sowohl das panische Geschrei der Gruppe, als auch das Kreischen des rasenden Kraemar verstummte, als der letzte Felsbrocken den Höhleneingang versperrte.

Stockfinster war es und dumpfe Stimmen ertönten irgendwo in seiner Nähe. Er rieb sich die Augen aber… natürlich. Die Höhle. Ohne zu zögern ließ er sein Horn aufleuchten und machte sich ein Bild. Anscheinend war er unter Geröll verschüttet.
„Hier drüben! Da leuchtet etwas!“.
„Gloomy? Halte durch!“. Unter den lauter werdenden, dumpfen Stimmen, waren auch lärmende Klagelaute zu vernehmen.
„Hör auf jetzt mit dem Unsinn! Hilf uns hier lieber“.
„Wäre doch gelacht, wenn wir den nicht wegkriegen. Hier, alle zusammen – ZIEHEN!“. Offenbar hatte Applejack ihr Lasso um die gewaltige Klamotte befestigt. Nun zogen sie diese langsam aber sicher beiseite und halfen Gloomy aus der Klemme.
„Ist alles in Ordnung?“. Die Ponys blickten ihm alle ganz besorgt entgegen. Es waren Applejack, Twilight, Rainbow und Pinkie.
„Sicher. Aber wer seid ihr, wenn ich fragen darf?“, kam es von ihm mit ausdruckloser Miene und sah sich dabei vorsichtig in der Höhle um. Die Klagelaute schallten an den Höhlenwänden wieder.
„Was?“. Sie tauschten ganz aufgeregte Blicke. „Kannst du dich etwa nicht an uns erinnern?“.
„Er hat sein Gedächtnis verloren!“, rief Pinkie entsetzt und hob plötzlich jeden Stein in ihrer Nähe auf um darunter zu schauen. „Vielleicht liegt es hier irgendwo rum?“.
„Ehrlich? Du weißt nicht mal mehr unsere Namen?“, fragte Twilight, die ihr Horn genauso leuchtete, wie das von Gloomy. Andernfalls würden sie hier in absoluter Finsternis stehen.
„Ach was, macht euch nicht lächerlich. Natürlich weiß ich eure Namen. Das sollte nur ein Scherz sein und war lustig gemeint“, entgegnete Gloomy mit gerunzelter Stirn und ohne die anderen anzusehen. Stattdessen leuchtete er die Höhle aus und blickte sich um. „Wo ist Sniven?“.
„Der wollte gleich wiederkommen“, warf Applejack kurz ein, bevor Twilight sich entrüstete: „Das sollte ein Scherz sein? Was? In so einer Situation macht man keine Scherze. Niemand fand das lustig!“. Gloomy blickte ihr einen kurzen Moment verschwörerisch entgegen und antwortete: „Das kommt vielleicht noch“.
„Ja! Der Lacher kann hier überall im Dunkeln lauern“, stimmte Pinkie zu und blickte sich verstohlen um, als auch schon etwas ihre Aufmerksamkeit erregte. „Ui! Was ist denn das?“.
„Ganz recht!“. Die übrigen Ponys sahen Gloomy verwirrt entgegen. Irgendwie verhielt er sich merkwürdig. „Also aufgepasst! Wir müssen sofort von hier weg und können nicht auf Sniven warten. Folgt mir! Ich kenne den Weg“. Er wandte sich um und ging voller Entschlossenheit geradeaus, als er auch schon gegen einen Felsen knallte.
„Also“, begann Rainbow und trat an ihn heran, während Gloomy sich schüttelte und die Felsen vor sich ganz verwundert ansah. „Erstens, sind wir von dort gekommen und zweitens… nun ja. Die Felsen versperren den Ausgang. Es gibt kein Zurück“.
„Das sehe ich“, erwiderte Gloomy verzweifelt. „Aber wer hat die dahingepackt?“. Da traten Applejack und Twilight mit verständnisvollen Gesichtern an ihn heran und führten ihn umsichtig von dort weg.
„Hey wartet, Freunde!“, rief Pinkie auf einmal, aber die anderen beachteten sie nicht. Sie besah sich gerade eine große Schere, die von einem Kraemar stammte und aus den Felsen ragte. „Oh, armer Kerl“. Pinkie ließ etwas mitgenommen den Kopf hängen und stupste die Schere vorsichtig an, worauf diese plötzlich reflexartig aufschnappte und dabei nur um Haaresbreite ihren Kopf verfehlte. Pinkie stand ganz erschrocken mit weit aufgerissenen Augen da. „Du bist doch kein armer Kerl!“, fügte sie grimmig hinzu, boxte noch einmal dagegen und lief eilig den anderen hinterher, die gerade Gloomy gut zuredeten.
„Ähm, Gloomy“, sprach Twilight ruhig. „Was hältst du davon, wenn du die Führung uns überlässt und dich mal einen Moment ausruhst?“.
„Das kann ich nicht, Twilebee!“, widersprach Gloomy aufgeregt, worauf er sich den plötzlich schmerzenden Kopf hielt. „Ich habe uns das alles eingebrockt. Also muss ich auch zusehen, dass es ein gutes Ende nimmt“.
„Das wissen wir ja sehr zu schätzen, aber du bist im Moment einfach… naja“. Twilight zögerte, worauf Applejack trocken fortfuhr: „Du hast gerade einen an der Waffel“.
„Oh, das Gefühl kenne ich“, ertönte es plötzlich unerwartet und munter von Pinkie, die gemeinsam mit der Augen rollenden Rainbow hinter ihnen herlief. Die Klagelaute wurden immer deutlicher und wie sich herausstellte, stammten sie von Rarity, die ebenfalls mit leuchtendem Horn ein Stück weiter um eine Ecke stand und ihr Antlitz in einem kleinen Spiegel betrachtete, während Fluttershy und Spike gemeinsam versuchten sie zu beschwichtigen.
„Mein edles Fell ist vollkommen ruiniert und diesen ganzen Dreck kriege ich nie mehr raus…“.
„Jetzt halt mal die Luft an, Rarity!“, wies Applejack sie ungehalten zurecht. „Wir sind alle so dreckig und wenigstens hast du sonst nichts abbekommen“.
„Wenn man Dreck gewohnt ist… Wie bitte?“. Rarity stockte und sah ihnen mit großen Augen entgegen. Sie verstaute endlich wieder den Spiegel in der Mähne und reagierte ganz betroffen, als sie Gloomy zwischen Applejack und Twilight wie ein Häufchen Elend stehen sah.
„Wer bist du?“, fragte dieser verwirrt.
„Lass das, Gloomy“, warf Twilight ungeduldig dazwischen. „Fluttershy, wo ist Sniven?“.
„Der sucht da vorne Pilze“.
„WAS?“. Damit hatte sie recht. Ein Stück weiter voraus, erblickten sie ein kleines grünes Lichtlein, dass im Dunkeln hektisch hin und her wuselte. Ein trauriges grunzen ertönte.
„Nah, schönes ormsching. Felssturz alles kaputtgemacht. Aber immerhin-hin“. Sie konnten Sniven im Dunkeln erkennen, wie er in der Luft schnupperte und sich begeistert die Pfoten rieb. „Pilze gibt’s hier!“. Das Leuchten, welches von der Ratte ausging, stellte sich als eine Art kleiner, grüner Stein heraus, der an seinem Gürtel befestigt hing und erschien nicht so, wie das Licht von den Einhörnern in hellen weißen Farben, sondern in grünen.
„Sniven!“. Twilight wirkte aufgebracht und hatte die Stirn gerunzelt. „Wir wären soweit und würden gerne weitergehen. Und bitte etwas langsamer. Wir haben einen verletzten“. Sniven blickte mit großen Augen zu den Ponys und erwiderte begeistert: „Ponys zurück! Ponys verletzt? Keine Sorge. Ponydinger schon seit Anfang für Sniven nicht-nicht richtig im Kopf, nein, nein“. Er stürmte plötzlich auf Applejack zu, dass diese schon etwas unbehaglich zurückwich, richtete sich vor ihr auf und schnupperte an ihrem Hut herum. „Orangenes Pony hat es immer noch!“.
„Ja und? Das ist mein Hut“, erwiderte Applejack etwas genervt.
„Hut!“, wiederholte Sniven aufgeregt. „Was ist denn da drin?“. Applejack blickte ihm ungläubig mit großen Augen entgegen. Dann schüttelte sie sich und sagte: „Das ist nur eine Kopfbedeckung. Da ist gar nichts drin. Können wir dann jetzt weitergehen?“. Sniven schien aber nicht überzeugt und beäugte sie misstrauisch. Dennoch ließ er aber endlich ab und schritt voran.
„Finsterer, unheimlicher Weg liegt vor uns-uns. Ponys aber keine Furcht – Sniven ist da! Folgt Sniven! Traut Sniven!“. Er hielt auf einmal wieder inne und warf Rainbow ganz kurz einen gereizten Blick zu. „Dem Unbeliebten! Er führt-geleitet auf sicherem Pfad durch die tiefen Wege, ja, ja“. Damit eilte Sniven wieder voraus und die Gruppe folgte ihm. Jedoch nicht ohne sich noch einmal misstrauisch Blicke zuzuwerfen.

Wenn es etwas gab, was sie zweifellos auf dieser Tour lernten, dann, dass ein Pony nicht unter die Erde gehörte… wortwörtlich. Dazu zählten natürlich auch Höhlen. Sie bekamen das Gefühl, die Decke würde ihnen auf den Kopf fallen und die ständige Dunkelheit drückte auf die Laune.
„Also ich weiß nicht, was ich davon halten soll“, hatte Spike gesprochen und blickte sich eingeschüchtert in der finsteren Umgebung um. Einmal stolperte er aufgrund des spärlichen Lichts über einen Kiesel und legte sich lang. Als er sich aufrichtete, stand Sniven plötzlich neben ihm und tätschelte ihm behutsam den Kopf.
„Zwei Beinchen viel zu wenig für Käferding-ding-ding. Vielleicht auf allen Vieren trittsicherer? Sowie Ponys, ngah, ngah“. So war er wieder weg und ließ Spike mit finsterer Miene stehen. Rainbow jammerte bereits mehr herum als Rarity, weil sie ständig in der Nähe der Licht spendenden Einhörner bleiben musste und es auch nicht genug Platz zum Fliegen gab. Die Höhle war vielleicht im ersten Moment ganz interessant, aber jedes Fleckchen hier unten, glich dem Nächsten und die Tatsache, dass sie nicht einmal wussten, wie spät es eigentlich war, machte sie alle fertig. Es war sehr ruhig, etwas kühl und feucht und die Luft stand still. Sie hatten das Gefühl schon ewig der Ratte hinterherzulaufen. Sniven flitzte ständig voraus und nicht selten befürchteten sie, sie hätten ihn verloren, bevor sie ihn Pilze knabbernd und auf einem Stein sitzend vorfanden. Hier drohten sie wirklich ihre Geduld mit ihm zu verlieren. Ganz zu schweigen von ihrem Vertrauen.
„Wir müssen eine Pause einlegen“, rief Twilight ihm aufgebracht hinterher, als er schon wieder davonwuselte. Endlich hielt er inne und antwortete: „Bald, bald! Großes, weites Pilzparadies nicht mehr fern, nein, nein. Vielleicht schon da vorn? Müssen Feuer machen – Müssen Pilze kochen“.
„Was hast du denn mit deinen Pilzen?“.
„Und wie willst du hier unten Feuer machen?“, fügte Applejack ebenso gereizt hinzu. Da lachte Sniven auf.
„Sniven zeigt Ponydingern – Feuer durch Pilze! Ponydinger lernen von Sniven! Aber Vorsicht – Hier vielleicht gefährlich. Bleiben leise-ruhig!“.
Als sie am Wenigsten damit rechneten, schien ihnen voraus plötzlich ein Licht in einem riesigen, weiten und sehr hohen Höhlenkomplex und sie rissen voller erstaunen die Mäuler auf, bei dem Anblick, der sich ihnen bot. Zuerst hofften sie einen Ausgang der Höhle gefunden zu haben, wegen dem vielen hellen Licht, aber es sah eher nach einer unterirdischen Stadt aus. Einer einsamen und verlassenen Stadt, aus einem überwiegend dunklen bronzefarbenen Material, deren Bauten überall entlang der Hohen Felswände um sie herum errichtet und über große Treppen miteinander verbunden waren. Das Zentrum dieser Stadt schien sich auf der gegenüberliegenden Seite an der Felswand zu befinden, denn es war von hohen, dicken Mauern, sowie einem Tor umgeben. Das Licht stammte von gewaltigen, großen…
„PILZE!“, rief Sniven auf einmal mit leuchtenden Augen und wuselte auch schon, jegliche Vorsicht in den Wind schießend voraus. Die Ponys waren gerade von dem Anblick viel zu verblüfft und beachteten ihn nicht weiter. Die Pilze waren von unterschiedlicher Größe und hatten einen schimmernd, leuchtenden Kopf. Viele von ihnen waren um einiges über dem Durchschnitt eines normalen Baumes, wie die Ponys sie kannten und wuchsen überall in der Höhle auf dem Boden, an den Wänden und sogar an der Decke. Die leere Stadt wirkte beunruhigend gespenstisch auf sie, besonders durch einen Wind der ihnen plötzlich entgegenkam, als würde sie jemand anhauchen. Ansonsten war es hier sehr ruhig und sie liefen eine steinerne Treppe nach unten, auf eine große, weite und leere metallene Plattform, von der aus man bis an die Stadttore gelangen konnte. Zunächst sagte niemand etwas.
„Wooow“, folgte es dann von allen gleichzeitig erstaunt.
„Was ist das? Wo sind wir hier?“, kam es auch schon von der wissbegierigen Twilight, die sich zuerst an Gloomy richtete. Dieser allerdings wirkte völlig abwesend und sah nur mit leerem Blick auf die Felsen neben ihnen. „Sniven?“, fügte sie darauf hinzu, als dieser gerade mit einem kleinen Körbchen in ihrer Nähe war und den Boden beschnupperte.
„Sitz von Außerweltlern – Egal-egal, Sniven sucht. Achtet auf Felsendinger!“. Mit diesen Worten konnten die Ponys überhaupt nichts anfangen, aber Sniven wuselte auch schon wieder aus ihrem Sichtfeld davon.
„Achtet auf die Felsendinger? Ich glaube die Höhle macht ihm auch langsam zu schaffen. Wenigstens kann ich endlich wieder fliegen!“, bemerkte Rainbow begeistert, reckte und streckte ihre Flügel und machte sich auch sofort daran, die Pilze aus nächster Nähe anzuschauen. Fluttershy blickte ihr zögerlich hinterher und fragte schließlich, mehr an sich selbst gerichtet: „Vielleicht gibt es hier ja auch Tiere?“.
„Fliegt nicht zu weit, ja?“, rief Twilight ihnen besorgt hinterher, als Fluttershy sich ebenfalls in die Lüfte zu Rainbow begab. Ihr gefiel es hier nicht. Sie würde sich wohler fühlen, wenn Gloomy bei klarem Verstand wäre, aber von ihm kam überhaupt keine Reaktion. Wenigstens konnten die Einhörner ihre Kräfte schonen und ihr Licht löschen.
„Eine Pause können wir wohl alle vertragen“, äußerte Applejack. „Und warm ist es auch nicht gerade. Aber wie wollen wir hier Feuer machen?“.
„Na mit meiner Hilfe!“, wandte Spike ein, ganz wild darauf sich nützlich zu machen. „Ich bin schließlich ein Drache“.
„Schon aber wir haben überhaupt nichts zum Verbrennen. Aber… natürlich. Vielleicht können wir uns etwas von den ehemaligen Bewohnern… ähm… borgen?“.
„Der Fachausdruck dafür lautet stehlen“, warf Rarity kühl ein. Applejack seufzte ungeduldig und erwiderte: „Hast du ‘ne bessere Idee?“.
„Mich beunruhigt was Sniven gesagt hat“, äußerte Twilight und sah sich um. „Was meinte er mit, achtet auf die Felsendinger?“.
„Vielleicht erwachen sie ja bald zum Leben?“, entgegnete Pinkie aufgeregt und ließ ihren Blick sogleich misstrauisch über die ganzen Felsen schweifen. Aber da war nichts Verdächtiges.
„Ach, mach dich nicht lächerlich“. Rarity schritt erhobenen Hauptes auf die Felsen zu und besah sie sich aus nächster Nähe. „Wenn an diesen Felsen irgendetwas besonders wäre, dann hätte ich es längst bemerkt. Schließlich habe ich ein Auge fürs Detail“. Doch tatsächlich regte sich da etwas neben ihr.
„EIN FELS MIT AUGEN!“, schrie Pinkie sofort, sodass sogar Rainbow und Fluttershy wieder zu ihnen stießen und genauso erzitterten wie die anderen, bis auf Rarity, die sich mit einem genervten stöhnen von dem Felsen ab und den anderen zugewandt hatte.
„Bitte? Das ist jetzt der schlechteste Scherz, den du je gemacht hast Pinkie“. Der Felsen hinter ihr bewegte sich mittlerweile und er musste riesig sein.
„Nein, Rarity. Der Felsen ist lebendig!“, rief Spike geschockt und wedelte aufgeregt mit seinen Klauen. Rarity lachte übertrieben vornehm auf und antwortete: „Ja natürlich, kleiner, süßer Spike. Lebendiger Fels? Das ich nicht lache. Für wie dumm haltet ihr mich eigentlich?“. Der Felsen richtete sich nun äußerst Geräuschvoll auf, sodass man es nicht überhören konnte und stützte sich dabei mit seinen zwei felsigen Armen auf, bis er endlich sicher auf seinen zwei felsigen Beinen stand. Applejack war nicht weniger baff als die anderen, aber das Verhalten von Rarity ließ sie dennoch vor Wut aufstampfen: „Das will ich dir gern verraten, wenn du dich jetzt nicht endlich mal umdrehst!“. Der Felsen rumorte mittlerweile. Rarity stöhnte schon wieder.
„Dass sogar du da mitmachst, enttäuscht mich zutiefst, Applejack. Was auch immer das hinter mir für ein Lärm ist, es ist sicher kein lebendiger Fels…“. Aber sie hatte sich doch endlich umgewandt und es stockte schlagartig ihr den Atem. Langsam ging ihr Blick nach oben, in das felsige Gesicht eines steinernen Riesens, worauf sich ihre Augen weiteten, als dieser auch schon mit seinen Armen ausholte.
„LAUFT!“, schrie Twilight nur noch. Sie wandten sich allesamt um und galoppierten ein gutes Stück. „Moment! Wo ist… oh nein…“. Sie hielten inne und sahen sich um. Gloomy stand immer noch vor dem steinernen Riesen und blickte scheinbar völlig unbeteiligt zu ihm herauf.
„Jetzt lauf doch da weg! Ich kann gar nicht hinsehen“. Fluttershy schlug die Hufe über den Kopf und ließ sich zitternd zu Boden fallen.
„Ich werde ihn retten!“, rief Rainbow und düste auch schon ohne zu zögern nach vorne. Der Riese hatte immer noch die Arme erhoben und rumorte so laut, dass es wohl im ganzen Höhlenkomplex zu hören war. Mit einem scheinbar verwunderten Gesichtsausdruck, blickte er zu Gloomy hinunter, den Rainbow gerade Geschwind fortzuziehen versuchte. Plötzlich ließ er die Arme einfach wieder sinken und wandte sich ab. Hatte er vielleicht nur gegähnt? Seine Aufmerksamkeit galt einigen am Boden liegenden Felsen, die er nun aufhob und mit seinem gewaltigen Kiefer zermalmte. Er schien überhaupt kein Interesse an den Ponys zu haben und würdigte sie keines weiteren Blickes. Dennoch nahmen diese lieber etwas Abstand und beobachteten ihn aus sicherer Entfernung. Das Rumoren, welches von ihm ausging, war dem sehr ähnlich, was sie draußen vor der Höhle gehört haben. War einer dieser Riesen für die Beben verantwortlich?
„Ich frage mich, was wir noch zu sehen bekommen“, fragte Rainbow, während sie alle mit aufgeklappten Mäulern dastanden und den Riesen beobachteten, auf dessen Rücken sich gerade ein Felsen lockerte und zu Boden fiel.
„Du hast was verloren!“, rief Pinkie dem Riesen heiter zu, aber dieser beachtete sie nicht.
„Nah, Ponydinger hören auf-auf mit Felsriesen Spielereien“, mahnte der plötzlich auftauchende Sniven, der mittlerweile einen Korb voller brauner Pilze bei sich trug. „Ponys Feuer machen!“.
„Womit denn? Da müssen wir erst mal die Gegend durchsuchen…“. Applejack deutete auf die umliegenden Bauten.
„Hier!“.
„Was, hier?“. Sie wandte sich perplex um, als ihr auch schon ein Pilz mit einem merkwürdig dumpfen Aufschlag gegen den Kopf geworfen wurde. „Hey! Was soll denn das?“.
„Holzpilze wie dieser ungenießbar – Brennen gut – Brennen lang – Pilze hart“.
„Ja, hab ich gemerkt“, giftete Applejack Sniven an, während sie sich den Schädel rieb und nahm den Pilz in den Huf. „Und fühlt sich irgendwie hölzern an“.
„Dummerchen. Deswegen heißen sie ja auch Holzpilze“, bemerkte Pinkie, als sei es völlig selbstverständlich. Sniven leerte seinen Korb und war auch schon wieder auf und davon.
„Gloomy, geht es dir inzwischen wieder besser?“, fragte Rarity besorgt. Dieser stand nach wie vor mit ausdruckloser Miene bei ihnen und sprach kein Wort. „Oh, was ist nur mit ihm“.
„Hat wohl etwas auf den Kopf bekommen“, mutmaßte Rainbow.
„Wo lungert denn eigentlich Sniven schon wieder herum? Es ist ein einziges durcheinander mit ihm“, fügte Rarity verzweifelt hinzu und wurde sogleich von Pinkie streng korrigiert: „Er lungert nicht! Er wuselt!“.
„Freut euch lieber auf das schöne Feuer“, wandte Applejack aufmunternd ein, die gerade die Holzpilze alle zusammengelegt hatte. „Spike, dein großer Moment“.
„Bin schon da!“. Spike holte tief Luft, stieß aus und ein paar Funken stoben hinaus. Ganz verblüfft besah er sein nicht vorhandenes Werk und lächelte verlegen. Die anderen ermutigten ihn jedoch, es weiter zu versuchen. Beim zweiten Mal kam nur eine Rauchwolke und beim dritten endlich eine größere Stichflamme, worauf die Pilze sofort Feuer fingen. Stolz erhob er sein Antlitz und empfing einen kurzen Applaus.
„Wurde ja auch langsam Zeit“, stänkerte Rainbow mit einem hämischen Grinsen, worauf Spike empört rief: „Hey!“. Die anderen kicherten nur. Die Pilze wirkten nicht, als ob sie lange brennen würden, aber das täuschte. Der Felsriese hatte sich im Hintergrund inzwischen anscheinend satt gefressen. Er streckte sich, rumorte schon wieder und legte sich dann auf die Felsen, mit denen er zugleich verschmolz. Nun war es, als sei er nie da gewesen.
„Wie spät es wohl inzwischen ist?“. Fiel die Frage von Twilight, gerade als Sniven wieder mit seinem Korb, diesmal gefüllt mit weiß-rötlichen Pilzen erschien. Er blickte ganz fasziniert zu Spike und rief: „Feuerkäferlein!“. Spike knurrte wütend auf.
„Wie oft muss ich dir das noch sagen. Ich bin ein Drache! Und deswegen kann ich auch Feuerspucken“. Sniven lächelte nur, ging kopfschüttelnd auf Spike zu und tätschelte ihm schon wieder den Kopf.
„Ngah, ngah, niedlicher kleiner Feuerkäfer träumt davon Drache zu sein“.
„Ich warne dich! Wenn du mich noch einmal…“, begann Spike, aber Sniven hatte sich bereits abgewandt und hörte ihm gar nicht mehr zu.
„Topf her!“, rief er und streckte seine Pfote zu Applejack aus, die ihm ganz perplex entgegensah.
„Was? Welchen Topf?“.
„Verwaltungspony ohne Topf?“.
„Verwaltungspony? Wieso…“. Applejack seufzte bevor sie fortfuhr. „Ich passe auf unsere Vorräte auf. Von denen wir übrigens bald keine mehr haben. Aber ein Topf…“.
„Eine Reise ohne Topf? Saudisch undenkbar. Sniven nimmt eigenen Topf“, erklärte er ganz aufgebracht und zog wie aus dem Nichts einen Topf herbei.
„Ich frage gar nicht erst, wieso du das nicht gleich gemacht hast“, blaffte Applejack ihn noch an.
„Weiß eigentlich jemand, wo er den Korb her hat?“, warf Rarity auf einmal ein und deutete auf Snivens Pilzkörbchen, während sie alle beobachteten, wie er die Pilze in den Topf steckte, abdeckte und an den Rand des Feuers stellte. „Geschweige denn diesen Topf?“. Keiner antwortete. Stattdessen warfen sie sich nur verwirrte Blicke zu. „Das wäre wieder ein Punkt, in dem sich Sniven und Pinkie beängstigend ähnlich sind. Sie haben beide immer irgendwelche Dinge zu Huf… oder Pfote“. Kaum hatte sie diesen Satz beendet, ertönte ein lautes schellen von zwei Musikinstrumenten, die Pinkie plötzlich aneinanderschlug und sie allesamt zusammenzucken ließ.
„YEAH! Ein weiterer Punkt! Aber ehrlich gesagt…“. Sie ließ die Schellen in der Mähne verschwinden und fuhr fort: „Verstehe ich gar nicht was du meinst? Ich habe doch nicht einfach so Dinge zu Huf. Ich habe meine Quellen. Lal lalal lala…“. Hüpfte sie auch schon davon, wohin auch immer.
„Still jetzt Ponys! Muss hören-horchen!“, rief Sniven unruhig und hielt sein Ohr gegen den Topf.
„Du weißt hoffentlich, dass man so nicht kocht oder?“, fragte Applejack mit gerunzelter Stirn. „So wirst du die Pilze nur verbrennen“.
„UHHH!“, machte Sniven plötzlich vor Wut, was die Ponys beunruhigte. Jedes Mal wenn er dies tat, schien ihn etwas besonders aufzuregen. Er grunzte auf und fuchtelte wieder wild mit den Pfoten herum. „Ponyding belehrt Sauden, wie man kocht – Ponyding Ahnungslos – Ponyding soll Sauden machen lassen“. Sniven warf Rainbow noch einen scharfen Blick zu und fügte hinzu. „Und Sniven macht es unbeliebt!“. Rainbow stöhnte daraufhin gereizt auf.
„Hör zu Sniven…!“, begann sie aber Twilight unterbrach sie: „Schhh!“ und bedeutete ihr zu schweigen. Sniven hatte erneut sein Ohr an den Topf gelegt und wartete. Die nächsten Augenblicke geschah nichts, aber es dauerte nicht lange bis in dem Topf plötzlich merkwürdig platzende Geräusche ertönten, als würden die Pilze explodieren.
„Pilze fertig!“, rief Sniven begeistert, nahm den Deckel vom Topf, griff sich ohne zu zögern einen Pilz, der nun wie aufgesprungen aussah und hielt ihn sich vors Gesicht. Dabei sah er ihn auf eine merkwürdig, behindert dreinblickende Weise mit halb zugekniffenen Augen an, als würde er ihn genau untersuchen. „Der Pilz des ormschings!“.
„Was genau ist daran jetzt so besonders?“, fragte Twilight verwirrt. Da verputzte Sniven den Pilz auch schon, rief: „Nah! Geschmack!“ und wandte sich endlich an die anderen. „Ponys probieren. Besonders verletzte, ja, ja. Pilz hilft bei Verletzungen“.
„Du meinst, es ist eine Art Heil-Pilz?“. Twilight und die anderen nahmen sich allesamt einen und besahen sie misstrauisch.
„Heil-Pilz!“, wiederholte Sniven. „Sniven weiß nicht. Pilzding macht benommen unbenommen! Guter Pilz, ngah, ngah“. Twilight wechselte besorgte Blicke mit den anderen, seufzte schließlich und trat an Gloomy heran. Was für eine Wahl hatten sie schon?
„Gloomy?“. Er blickte ihr stumm entgegen und nahm den Pilz an sich, den er nur kurz musterte und ohne weiter nachzudenken mit einem Bissen verschlang. Nichts geschah. Er reagierte immer noch nicht weiter.
„So. Und was jetzt?“, bemerkte Twilight leicht gereizt an Sniven gerichtet, während Gloomy stumm an den Topf trat und noch weitere Pilze verschlang. Sniven antwortete nicht, sondern riss ganz empört den Topf an sich und sah ihm aufgebracht entgegen. Sie standen sich nun dicht an dicht gegenüber. Sniven schnupperte ganz aufgeregt. Da begann Gloomy plötzlich zu grinsen und sprach: „Du riechst wie eine typische Saudenratte“. Übersetzt hieß das so viel wie, dass er stank. Sniven aber wandte sich ab und vergrub scheinbar vor Verlegenheit das Gesicht in den Pfoten.
„Nettes, freundliches Kompliment. Sniven mag trübblaues Pony, ngah, ngah. Dann darf es doch noch einen Pilz haben“. Er hielt Gloomy den Topf für einen weiteren Pilz entgegen und distanzierte sich dann in sichere Entfernung in ihrer Nähe. „Das genügt! Ponys genug von Snivens Pilzen. Suchen-finden eigene!“.
„Schade. Die schmecken echt bombastisch“, bemerkte Rainbow und erhielt sogleich Zustimmung von den anderen, worauf sie Sniven verstohlene Blicke zuwarfen. Dieser bekam das mit und zog sich sicherheitshalber noch weiter mit seinem Topf zurück.
„Ich bin froh, dass es dir wieder gut geht“, bemerkte Fluttershy erfreut an Gloomy gerichtet. Alle lächelten sie ihm nun entgegen.
„Das sind wir alle“, fügte Rarity hinzu.
„Danke, geht schon“. Gloomy wandte sich verlegen ab. „Mein Kopf tut immer noch weh, aber ich bin wieder klar. Es war merkwürdig. Ich habe zwar irgendwie alles mitbekommen aber… irgendwie war ich nicht ganz da“.
„Vielleicht ein Schädel-Hirn-Trauma oder so?“, vermutete Twilight nachdenklich. „Ich denke auch nicht, dass es damit abgeschlossen ist. Du musst auf jeden Fall noch zum Doktor gehen“.
„Ja, wir warten hier so lange“, warf Rainbow belustigt ein, womit sie sich einen finsteren Blick von Twilight einfing, die gereizt antwortete: „Ich meine natürlich, wenn wir wieder zuhause sind. Oder vielleicht sogar in Chuba?“. Gloomy hörte ihnen nicht mehr zu. Ihm fiel jetzt erst auf, wo sie sich befanden.
„Ich fasse es nicht… ist euch eigentlich klar, was das hier ist?“. Die Ponys tauschten verwunderte Blicke, ehe sie Gloomy dabei beobachteten, wie er vor Faszination gar nicht mehr aufhörte zu plappern. „Wer hätte gedacht, dass wir hier direkt neben Equestria sozusagen darauf stoßen würden? Ich frage mich, wer alles davon weiß außer den Großratten. Das ist wirklich eine erstaunliche Entdeckung. So weit sind sie sogar vorgestoßen und hätten um ein Haar…“.
„Wowowow, halt mal. Immer langsam mit den jungen Ponys“, unterbrach Applejack ihn schließlich.
„Ich kann nicht! Ich bin viel zu aufgeregt“, erwiderte Gloomy zitternd vor Freude.
„Um auf deine Frage zurückzukommen, nein, das ist uns nicht klar“, bemerkte Twilight stirnrunzelnd. „Sniven erwähnte irgendetwas von Außerweltlern“. Pinkie erschrak so heftig, dass sie dabei in die Luft sprang und rief: „Etwa Außerirdische? HIER?“. Fluttershy begann heftig zu zittern und machte sich ganz klein.
„Oh, sind die etwa immer noch hier und beobachten uns?“, fragte Rarity kleinlaut, worauf sich alle Ponys besorgt umsahen und Pinkie bereits schon anfing hinter jede Ecke nachzuschauen. „Das ist ja beängstigend“.
„Jetzt lasst Gloomy doch mal ausreden!“, wandte Rainbow neugierig ein.
„Ähm, das ist aber eine etwas längere Geschichte“. Gloomy war sich nicht einmal sicher, ob er sich noch an alles erinnerte. Und sein Kopf schmerzte tatsächlich noch etwas.
„Das macht doch nichts. Ich höre mir gerne eine längere Geschichte an. Ihr nicht auch?“. Rainbow fragte in die Runde und bekam begeisterte Zustimmung, bis auf Fluttershy, die plötzlich ihren Kopf erhob und vermutlich protestieren wollte aber Rainbow drückte ihren Huf auf ihr Maul. „Alle sind dafür! Also los erzähl. Was hat es mit diesem Ort auf sich?“. Gloomy fragte sich, was genau Rainbow sich für eine Geschichte erhoffte, dass sie auf einmal so neugierig war. Er räusperte sich und begann: „Die westlich gelegene Anlage, eines längst verschollenen Volkes, das sich vorlieb unter der Erde aufhielt. Es sind ihrer Zahl mehrere auf dieser Welt verzeichnet. Die Überlieferungen berichten von vierbeinigen Huftieren, wie wir, aber es waren definitiv keine Ponys, wie man an einigen Statuen ja erkennen kann“. Gloomy deutete auf die Stadt, wo an einigen Stellen gewaltige, ebenfalls bronzefarbene Statuen, von einer vierbeinigen Kreatur standen, mit episch anzusehenden Posen. Sie sahen einem Zentaur sehr ähnlich, hatten einen gehörnten Schädel und eine lange Mähne hing ihnen aus dem Gesicht hinunter. „Der Begriff Außerweltler oder Außerirdischer, ist eventuell gar nicht so weit gegriffen und findet heute oft im allgemeinen Volksmund Gebrauch. Es war ein großes, bedeutsames Reich. Geliebt und gehasst, geachtet und verachtet, gefeiert und gefürchtet auf der ganzen Welt. Berühmt und berüchtigt, für ihre großen Taten und ihre alles in den Schatten stellende Technik“.
„Wie kann man geliebt und gehasst und… alles auf einmal?“. Rainbow kratzte sich verwirrt am Kopf.
„Er dramatisiert nur“, erklärte Twilight lässig abwinkend. Gloomy nickte lächelnd und fuhr fort: „Ist an der Stelle auch angebracht. Aber eigentlich meine ich, dass sie auf der ganzen Welt bekannt waren. Und wie es eben ist, kann man nicht jeden einzelnen für sich gewinnen. Bei manchen Völkern waren sie eben mehr oder weniger gern gesehen“.
„Was genau machte sie denn so besonders? Waren sie so überragend in Magie oder was genau meinst du mit Technik?“, fragte Twilight misstrauisch.
„Maschinen, Sagenumwobene Bauten, Werkzeuge, Waffen… was weiß ich? Da musst du dich nur mal ein Weilchen in der Stadt umsehen. Dann weißt du was ich meine. Mit Magie hatten sie nicht allzu viel am Hut, glaube ich. Es wird gesagt, dass ihre Technik Berge versetzen könne, ganze Völker und Zivilisationen zu manipulieren vermochte oder sie gar das Weltall bereisen konnten. Es ist sogar von Portalen und Dimensionstoren die Rede“.
„Portale und…“. Alle sahen sie Gloomy mit großen Augen an. Nur Twilight wirkte äußerst skeptisch.
„Tore zu anderen Existenzen und Wirklichkeiten“, fügte Gloomy mit geheimnisumwobener Stimme hinzu.
„Unsinn“, warf Twilight unberührt ein. „Wenn ich schon höre – Es wird gesagt – Da hat doch jeder nur einen Teil dazu gedichtet. Klingt nach einem Ammenmärchen“.
„Vielleicht, Twilight“, stimmte Gloomy zu. Ausnahmsweise war er von Twilights Einwand mal nicht beleidigt, da er selbst nicht vollkommen sicher war, was er davon halten sollte. „Es ist ein Mythos. Aber wie die Stammesälteste, Noma Lifelong, schon zu sagen pflegt, hinter jeder Legende, Mythos oder Sage, steckt auch ein Funken Wahrheit“.
„Wie kommt es dann, dass ich von alledem noch nie etwas gehört oder gelesen habe? Eine so herausragende Zivilisation, wie die, von der du sprichst, müsste doch auch bis nach Equestria dringen“, erwiderte Twilight scharfsinnig.
„DAS“, rief Gloomy erneut laut, worauf alle zusammenzuckten. „Ist eine gute Frage. Diese Zivilisation ist sehr, sehr alt. Tausende, nein mehrere zehntausende von Jahren“.
„Unmöglich“. Twilight wurde allmählich unruhig. „Diese Bauten hier sehen wie neu aus“.
„Es gibt einige Organisationen, die dieses alte Volk untersuchen. Aus ihren Schriften und Überlieferungen, wurde inzwischen zweifellos entnommen, dass sie durchaus so alt sein könnten. Vielleicht waren sie eines der ersten Völker auf dieser Welt“.
„Soll das heißen, dass diese Gebäude hier zehntausende von Jahren alt sind?“. Applejack war nicht die einzige, die auf Gloomys nicken hin, ehrfürchtig ihren Blick über die Gegend wandern ließ.
„Ja. Anscheinend haben sie für die Ewigkeit gebaut“, fügte Gloomy hinzu.
„Aber was ist mit ihnen passiert? Wo sind denn alle hin?“, fragte Rainbow ganz gespannt. Gloomy lächelte mild und fuhr fort: „Nun, vielleicht ist es besser so. Sie waren allen anderen überlegen und niemand konnte ihnen das Wasser reichen. Und sie haben nicht immer unbedingt zum Wohle aller gehandelt, wenn ihr versteht. Es wäre ein leichtes gewesen, die ganze Welt zu erobern und überall solche unterirdischen Anlagen wie hier zu errichten. Doch sie waren eines Tages… einfach verschwunden“.
„Was? Verschwunden?“, riefen alle gleichzeitig ungläubig und Twilight, Applejack und Rainbow überkam sogar ein lächeln. Fluttershy, Rarity und Spike wirkten beunruhigt und Pinkie stand merkwürdigerweise nur mit ausdruckloser Miene da und hing an Gloomys Lippen. Sniven saß immer noch Pilze mampfend abseits von ihnen und kümmerte sich scheinbar nicht um ihre Unterhaltung.
„Ein ganzes Volk? Ach komm“. Applejack lachte auf. Rainbow dagegen schien auf einmal enttäuscht und bekräftigte ihre Worte: „Ich hab auch auf ein spannenderes Ende gehofft“.
„Spottet nicht!“, erwiderte Gloomy nun gereizt und mit vor ernst gerunzelter Stirn. „Das ist nicht einfach nur irgend so eine Lagerfeuergeschichte. Ich meine seht euch doch hier um!“. Er trat von den anderen weg und deutete dabei auf die umgebene Stadt. „Was ist das hier eurer Meinung nach? Wieso steht das alles hier einfach so leer rum? Wo kommt das alles her? Wo sind die Besitzer? Nirgendwo ist auch nur die Spur eines Kampfes zu sehen. Alles sieht aus wie neu, wie Twilight ja schon höchst scharfsinnig beobachtet hat. Also wie erklärt ihr euch das?“. Keiner sagte nun ein Wort. Selbst Twilight fiel dazu nichts ein und wirkte nicht weniger beunruhigt als die anderen. Fluttershy und Spike hatten ängstlich zu zittern begonnen und sogar Rainbow schluckte nervös und blickte sich verstohlen um, ob auch ja niemand hinter ihr stand. Dieser Ort wirkte nun, da sie von diesem Mythos gehört haben auf einmal sehr viel unheimlicher und sie alle fragten sich gerade dasselbe. Was hat sich hier zugetragen?
„Ähm, wie hat Rainbow erst vor kurzem gesagt?“, sprach Rarity schließlich unsicher. „Schön, dass du uns wieder Mut machst, Gloomy“. Gloomy stutzte und entschuldigte sich mit betroffener Miene: „Tut mir leid. Ich hab den Schrecken schon hinter mir und völlig vergessen, wie das beim ersten Mal wirkt“.
„Uh! Gespenstiglich!“, kam es auf einmal von Pinkie mit langgezogener, unheilverkündender Stimme. Allerdings war sie nirgends zu sehen. Hinter Twilight stand jedoch jemand, der sich ein weißes Laken übergeworfen hatte und diese nun anstupste.
„Ein G-Geist!“, rief Fluttershy panisch aber Twilight unterbrach sie genervt aufstöhnend: „Nein! Das ist kein Geist. Pinkie!“. Sie zog an dem Laken und darunter erschien… nichts. Twilight und die anderen erschraken darauf, als Pinkie auch schon hinter einem Felsen hervorlugte und fröhlich gackerte.
„Cooler Trick, Pinkie“, sprach Rainbow anerkennend und stimmte in ihr Lachen ein. „Aber wie hast du Twilight von dort angestupst?“. Pinkie stockte und blickte verwundert drein.
„Hä? Ich hab Twilight nicht angestupst“.
„Nicht?“. Die Ponys wechselten geschockte Blicke, während Pinkie heimlich vor sich hin kicherte. Fluttershy war inzwischen aschfahl angelaufen.
„Können wir bitte weitergehen?“, sagte sie schließlich nur. Das war ihnen allen am Liebsten. Sniven, der seine Pilze inzwischen längst aufgefuttert hatte, stand auf einmal schon wieder Männchen machend hinter Applejack und…
„Was zum Heuhaufen! Ich trage doch diesen Hut jetzt schon seit wir uns das erste Mal begegnet sind“, erklärte Applejack voller Unbehagen. Sie hatte sich gerade umgedreht, als Sniven seine Nase in die Höhe gestreckt hatte und ihr damit jetzt direkt im Gesicht lag. Nun trat sie hastig immer etwas zurück aber Sniven folgte ihr auf Schritt und Tritt.
„Was hat es da versteckt?“, fragte er neugierig mit einem begeisterten Gesichtsausdruck.
„Gar nichts! Würdest du bitte etwas Abstand nehmen?“. Sie trabte mittlerweile schon eilig von ihm weg, aber Sniven ließ nicht locker. Ob dieses Unterhaltungsvollen Schauspiels, vergaßen sie alle sogar für einen Moment diesen schaurigen Ort und mussten unweigerlich anfangen zu lachen, ausgenommen Applejack. „Schluss jetzt!“, rief sie schließlich, nahm sich den Hut ab und umklammerte ihn schützend, wobei sie Sniven streng entgegenblickte. „Wir müssen jetzt weiter!“. Sniven beäugte sie zunächst äußerst misstrauisch, ließ aber schließlich von ihr ab und wuselte mit den Worten davon, dass er die genaue Route erst noch ergründen müsse.
„Warst du eigentlich schon einmal an so einem Ort hier? Mit deiner Sippe vielleicht?“, fragte Twilight plötzlich an Gloomy gewandt.
„Mit meiner Sippe nicht. Die Älteste und auch unsere Eltern, haben uns als Fohlen Gruselgeschichten über die Stadt im Erdreich erzählt. Wohl mit dem Ziel, dass wir da niemals hingehen sollten“.
„Lass mich raten. Du bist natürlich trotzdem hingegangen“, bemerkte Applejack wohlwissend mit einem Lächeln. Gloomy lachte verlegen.
„Nur… naja mit Freunden“. Er hatte letzteres bitterer ausgesprochen als gewollt, aber es schien niemandem aufzufallen. „Aber wir haben uns nie wirklich tief hineingewagt. So einfach kommt man auch gar nicht rein, denn…“.
„Können wir nicht über etwas anderes sprechen. Also nur, wenn es allen recht ist“. Fluttershy zitterte immer noch, worauf Pinkie tröstend an sie herantrat.
„Wir könnten auch über Sniven sprechen“, schlug Rarity plötzlich mit gerunzelter Stirn vor. „Ich meine jetzt, wo Gloomy wieder bei Verstand ist. Wir haben ja schon mal darüber gesprochen“.
„Wo ich wieder bei Verstand bin?“, wiederholte Gloomy tonlos. Irgendwie klang das merkwürdig, aber Rarity grinste ihm nur verlegen entgegen.
„Ja es geht um neulich“. Twilight sah Gloomy besorgt entgegen. „Wir alle wurden doch von diesem Erd-Pony im Golden Oak vor Sniven gewarnt. Wir kommen bei einer Höhle an und als wir aber den Weg weitergehen wollten, ist dieser auf einmal versperrt?“.
„Es war das Beben. Wie hätte Sniven das tun sollen?“, verteidigte Fluttershy die Ratte auch schon.
„Genau! Oder denkt ihr, Sniven kann Beben verursachen?“, fügte Rainbow halb belustigt hinzu.
„Ich denke, dass Sniven sehr gerissen ist“, erwiderte Twilight knapp.
„Noch gerissener als du?“, rief Pinkie erstaunt, worauf sie von allen angezischt wurde, auf das sie doch leise sein sollte.
„Twilight meint bestimmt, gerissen heimtückisch“, erklärte Rarity.
„Ich denke, dass Sniven geschickt genug ist irgendetwas einzufädeln, wenn er es möchte. Wir konnten alle erkennen, dass er gerne den Weg durch die Höhle gehen wollte. Und immerhin kennt er sich hier überall aus“, gab Twilight zu bedenken. Applejack räusperte sich.
„Allerdings musst du auch eines berücksichtigen“, sagte sie. „Er hat uns immerhin bis hierher geführt. Das mit den Kraemar war vielleicht unsere eigene Schuld. Das hier dagegen… nun ja. Könnte wirklich nur ein Unfall gewesen sein“.
„Ich lasse mich von ihm jedenfalls nicht noch einmal Käferlein nennen!“, verkündete Spike entschlossen.
„Sniven gibt sich bestimmt die größte Mühe, um uns sicher hier durchzuführen“, fügte Fluttershy gekränkt hinzu, worauf sie plötzlich anfingen durcheinander zu diskutieren. Gloomy seufzte nur und rief laut: „Jetzt wartet mal!“, worauf allmählich schweigen einkehrte und sich alle Blicke auf ihn richteten. „Ich weiß nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Wir sind jetzt nun mal hier. Es kann schon sein, dass Sniven es irgendwie eingerichtet hat. Die Gründe hätte er. Seine geliebten Pilze, keine pralle Sonne, eine gewohnte Umgebung. Aber das werden wir nie erfahren und ich fände es falsch, wenn wir ihm das jetzt vorwerfen würden“. Die Ponys blickten sich alle gegenseitig etwas bekümmert und schuldbewusst an. Twilight äußerte sich schließlich seufzend: „Ich meine ja nur, dass wir vorsichtig sein sollten“.
„Ja, so lustig er auch manchmal ist, aber… das Ganze wirkt auch etwas zwielichtig“, fügte Rarity vorsichtig hinzu. Gloomy atmete daraufhin tief aus und wandte sich langsam ab. Er fühlte sich auf einmal müde.
„Ich verstehe euch ja alle“. Er blickte Gedankenversunken in der Höhle umher, bevor er fortfuhr: „Deswegen sind die Großratten ja auch bei allen so, wie du schon sagtest, unbeliebt“. Er wandte sich mild lächelnd zu Rainbow um. „Jedem fällt das auf und vielleicht würden sie sogar wirklich ihre besten Freunde fürs Essen verraten, mit etwas Diplomatie und entsprechender Redekunst“. Gloomy äußerte dies merkbar schweren Herzens, weswegen er von allen ganz bekümmerte Blicke erntete und Rarity plötzlich an ihn herantrat und ihn vorsichtig ansprach: „Mich beschleicht während der ganzen Reise schon das Gefühl, dass du eine gewisse Sympathie für diese Ratte zu hegen scheinst“. Gloomy grinste verhalten.
„Hättest ja mal fragen können“, erwiderte er und seufzte wieder. „Als ich noch ein Fohlen war, hab mich unter den Großratten immer so wohl gefühlt. Sie waren sehr lustige Spielgesellen“. Letzteres hatte er eilig hinzugefügt, nachdem sie alle erstaunte Blicke wechselten. „Sie machen natürlich Späße aber sie ziehen sich oder andere nicht so lange auf bis es weh tut. Du bist da ein gutes Beispiel Spike, weil er dich doch immer Käfer nennt. Das meint er aber nicht böse. Im Gegenteil. Er mag dich“. Spike machte ganz überrascht große Augen. „Er mag dich sogar sehr“.
„Hat er dir das gesagt?“, fragte Spike. Gloomy lachte kurz auf und erwiderte: „Nein. Ich merke es ihm an. Ich habe viel Zeit mit den Großratten verbracht“. Er wandte sich ab und fügte andächtig hinzu: „Und deswegen weiß ich auch, dass wir Sniven trauen können“. Einen Moment trat schweigen ein.
„Also, wenn du ihm traust“, begann Twilight dann auf einmal. „Dann trauen wir ihm auch. Stimmt’s Mädels? Ähm… und Spike“. Spike hatte bei dieser Anrede die Stirn gerunzelt, stimmte ihr aber genauso zu, wie alle anderen.
„Wohlfüllen unter den Ratten, ürghs“. Rarity versuchte ihre Abneigung zu verbergen, was ihr mehr als misslang und fügte nervös lächelnd hinzu. „Was war denn mit den anderen Fohlen in deiner Sippe? Du hattest doch Freunde erwähnt“. Gloomy lachte kurz freudlos auf.
„Freunde ja. Wie soll ich sagen. Bei ihnen fühlte ich mich eben nicht so wohl. Sie haben mich öfter ausgelacht, unter anderem, weil ich eben nicht… oh… ähm…“. Er stutzte und hielt erschrocken inne. Twilight hatte das mitbekommen und sprang hastig ein: „Weil du eben etwas anders warst stimmt’s? Also besonders anders“.
„Ja! Genau!“. Er war sehr froh, dass Twilight so schnell eingesprungen ist.
„Hä? Wie denn besonders anders? Kapier ich nicht. Sagst du’s uns?“, wandte Pinkie neugierig ein, aber Applejack schien bereits begriffen zu haben.
„So wie wir alle eben“, würgte sie Pinkie ab. „Hör mal Gloomy, was immer es auch ist, was du nicht erzählen möchtest, du musst es nicht. Aber sei dir eines Gewiss. Du brauchst dich vor uns nicht zu schämen“. Rarity nickte und stimmte aufmunternd lächelnd zu: „Richtig. Schließlich sind wir deine Freunde und würden dich niemals wegen etwas auslachen, dass dir zu schaffen macht“.
„Ja klar doch. Aber was war es denn nun, was dich den anderen gegenüber so besonders gemacht hat?“, kam es plötzlich noch von Rainbow, die aber sofort von Rarity gerüffelt wurde: „Meine liebste Rainbow! Etwas Feingefühl, könnte dir wirklich nicht schaden“. Gloomy waren die Tränen bei all diesen Worten gekommen, die er aber gerade noch zurückhalten konnte. Scheinbar sahen sie es ihm aber dennoch an, als er sich bedankte, denn sie rückten auf einmal allesamt näher heran zu einem…
„Gruppenknuddeln!“, rief Pinkie hocherfreut.
„Das ist jetzt aber des Guten zu viel“, bemerkte Gloomy nervös, wobei er jedoch seine Freudentränen nicht mehr zurückhalten konnte.
„Er mag es wohl nicht, geknuddelt zu werden“, bemerkte Fluttershy kichernd.
„Ach was. Der tut nur so“, erklärte Twilight freudestrahlend.
„Ja!“, fügte Pinkie über beide Ohren grinsend hinzu. „Unser lieber Bloomy!“.
„Was?“, rief Gloomy erschrocken, bei diesem Namen. „Muss das sein?“. Offenbar war er zu sentimental geworden, sodass er jetzt schon seinen ersten Spitznamen erhielt. Die anderen lachten aber nur darüber.

„Ponys folgen! Sniven hat Weg gefunden“. Sniven war wieder erschienen und winkte sie zu sich heran. „Ponys wie immer langsam. Aber Ponys ruhig machen“. Kurz darauf ertönte plötzlich ein langes, lauter werdendes und dumpfes summen, als würde jemand mit geschlossenem Maul rufen. Sniven quiekte gleichzeitig auf und fuhr vor Schreck in sich zusammen. „Ponys schnell machen!“.
„Wie bitte?“, fiel die Frage, aber sogleich ertönte schon wieder dieses Summen. Diesmal sehr viel höher und es erschallte in der ganzen Höhle. Es kam von irgendwo aus dieser Stadt.
„Vielleicht doch einer der Bewohner?“, fragte Twilight, ebenso eingeschüchtert wie neugierig. Sniven aber sah überhaupt nicht nach spaßen aus. Er hielt sich schützend die Pfoten vors Gesicht und lief rückwärts gebückt immer weiter von dem Zentrum der Stadt weg.
„Nein, nein! Dumme Ponydinger! Wir fliehen-fliehen müss-müssen! NAH!“. Er brüllte plötzlich auf und flitzte eilig davon. „Retten eigenes Fell!“.
„Sniven! Warte!“. So schnell sie konnten liefen sie der Ratte hinterher. Raus aus dem riesigen, durch die Pilze beleuchteten Höhlenkomplex mit der Stadt und wieder in die Finsternis, wo die Einhörner sogleich ihre Hörner wieder aufleuchten ließen.
„Wo ist er?“. Mehrere Wege gingen von ihnen aus. Gloomy glaubte einen Rattenschwanz zu sehen, der gerade noch um eine Ecke verschwand und rief: „Dort!“. Angekommen, sahen sie aber nichts mehr und es gab schon wieder mehrere Möglichkeiten.
„Wo müssen wir lang? Das ist ein Labyrinth!“. „Du meine Güte. Was machen wir jetzt?“. „Wo ist eigentlich Fluttershy?“. „Gloomy, was ist das? Was bei Celestia verfolgt uns da?“.
„Jetzt alle, GRUPPENPANIK!“, schrie Pinkie schließlich und lief wild kreischend umher. Gloomy versuchte sie zu beruhigen, aber niemand hörte zu und Pinkie verursachte stetig einen Heidenlärm. Hoffentlich würde er niemanden verletzen, dachte er nur und schloss die Augen um sich besser konzentrieren zu können. Dann löste er mit seinem Horn eine kleine magische Druckwelle aus, welche alle um ihn herum kurz aufschrecken ließ und Pinkie auf die Nase fiel. „Autsch“.
„Was war das?“.
„Das war ich!“, erklärte Gloomy eilig. „Was ist eigentlich in euch gefahren? Beruhigt euch!“.
„Tschuldigung. Aber ich bin so schrecklich nervös“, rief Pinkie und drohte gleich wieder vor Aufregung zu fiepen, worauf ihr Gloomy ohne zu zögern den Schnabel zu hielt.
„Ruhe jetzt! Wir ziehen nur Aufmerksamkeit auf uns“. Endlich waren alle ganz still. Zunächst blieb es ruhig, bis auf das Pfeifen eines Windes, welcher plötzlich in der Höhle zu hören war. Dann schallte erneut dieses Summen durch den Gang.
„Was zum Hufeisen ist das?“, flüsterte Twilight angespannt. Gloomy schüttelte nur den Kopf.
„Wir müssen Fluttershy wiederfinden“, bemerkte Rarity ebenfalls flüsternd. „Wo ist Sniven?“.
„Ich sag es ja nur ungern“, begann Applejack besorgt. „Aber ich glaube, er hat sein eigenes Fell gerettet“. Gloomy musste dies traurig befürworten und das war ihrem Mut nicht gerade förderlich.
„Aber was hat Sniven so fürchterlich in Panik versetzt?“, fragte Twilight entsetzt. Gloomy versuchte sich zusammenzureißen und sprach: „Hört zu. Wir müssen jetzt erst mal Fluttershy wiederfinden. Dabei kann es passieren, dass dieses etwas da draußen uns zuerst findet“.
„Oder wir es!“, korrigierte Pinkie ihn zischend und erntete dafür mahnende Blicke.
„Aber was wenn… die Kreatur Fluttershy schon…“. Spike schlotterten bereits schon die Glieder vor Angst. Niemand antwortete ihm, aber auch sie waren besorgt. Vorsichtig gingen sie den Weg zurück den sie – nun ja, glaubten gekommen zu sein. Nichts war zu hören, außer dem pfeifenden Wind, dem sie jedoch im Moment keine Beachtung schenkten. Die Spannung war beinahe unerträglich und sie wagten kaum zu atmen. Sie durchsuchten den einen Abzweig und den anderen, gingen hie und da entlang und riefen ab und zu verhalten nach Fluttershy, was sie sich jedoch kaum getrauten. Bald wurde ihnen allerdings klar, dass sie sich verirrt hatten. Die Höhle sah auf einmal anders aus. Überall waren Schlupflöcher von verschiedener Größe an den Wänden und an der Decke. Ein wenig, wie das innere einer Bienenwabe vielleicht? Da ertönte schon wieder dieses Summen und es klang schon sehr viel näher. Zitternd vor Angst rückten sie ganz dicht zusammen. Die Lage war fürchterlich und die erdrückende Finsternis setzte dem Ganzen die Krone auf.
„Wo sind wir hier?“, kam es auch schon kaum hörbar flüsternd von Rarity. Das wusste niemand, aber es wirkte mehr als beunruhigend auf sie. Selbst die tapfere Rainbow Dash konnte hier niemandem etwas vormachen und knabberte schon wieder nervös an ihren Hufen.
„Was wenn wir Fluttershy nie finden“, fragte sie, trotz allem versucht die Fassung zu behalten.
„W-Wie wäre es w-wenn wir um-umkehren?“, stotterte Spike und ging ängstlich einige Schritte Rückwärts, worauf er plötzlich wieder stolperte.
„Ehrlich Spike, vielleicht wärst du auf vier Beinen wirklich besser dran“, tadelte Applejack und zog ihn wieder auf die Beine.
„Das hat sich irgendwie komisch angefühlt“, erklärte Spike mit gerunzelter Stirn. „Was ist das…?“. Tatsächlich lag da etwas und es ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren. Twilight stürzte zu Spike, wandte seinen Blick eilig von diesem Bild ab und führte ihn ein paar Schritte fort. Eine Ratte lag dort am Boden, die nichts weiter als ein paar Leinenfetzen am Körper trug. Auf den ersten Blick ganz Gesund und es war auch nicht Sniven. Aber ihre Augen waren… leer. Oder genauer gesagt, ausgehöhlt. Eilig schlossen sich die anderen Twilight an. Niemand sprach ein Wort und das Entsetzen stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Gloomy wollte irgendetwas sagen, aber er wusste nicht was. So einen grauenhaften Anblick hatte er selbst noch nie gesehen. Twilight zog Spike fest an sich und versuchte stark zu bleiben aber ihr fehlten im Moment einfach die Worte, dass ihr sogar plötzlich ganz verrückte Gedanken kamen: „Ähm, vielleicht ist Fluttershy ja längst aus der Höhle raus? Ja genau, das wird es sein. Sie wartet draußen auf uns. Also los, wir müssen nur noch den Ausgang finden“. Sie begann plötzlich ganz irre vor sich hin zu kichern. Die anderen sahen ihr fassungslos entgegen.
„Na klasse, jetzt ist sie übergeschnappt“, bemerkte Gloomy und dachte fieberhaft nach, was sie jetzt tun sollten. Rarity schüttelte den Kopf und sprach mit heiserer Stimme: „Wer könnte ihr das schon verdenken“.
„Folgt mir!“, rief Twilight auf einmal, hievte sich Spike auf den Rücken und galoppierte los.
„Moment… WARTE!“, rief Gloomy. Das hat ihnen gerade noch gefehlt. Aber weit kam sie nicht. Gloomy holte sie ein, dichte gefolgt von den anderen und drückte sie energisch gegen die Höhlenwand, wobei Spike von ihrem Rücken hinunterfiel.
„Wir brauchen dich bei klarem Verstand. Also reiß dich zusammen, Twilebee!“, rief er und sah ihr dabei fest in die Augen. Das irre Grinsen schwand allmählich. Sie schüttelte sich und sah ihm mit großen Augen entgegen.
„Tut mir leid. Das ist wohl zu viel Aufregung…“.
„Schhh!“, machte Applejack auf einmal und bedeutete ihnen zu schweigen. Es war nun sehr ruhig. Verdächtig ruhig. Selbst der Wind hatte plötzlich aufgehört. „Ich hab irgendwas gehört... Was ist das?“. Nun hörten sie es alle und ihnen stockte der Atem. Es klang wie etwas Schleimiges, dass langsam aber sicher immer näher kam, aus einem der Höhlengänge um sie herum. Kalt lief es ihnen den Rücken hinunter und niemand sprach ein Wort. Mit Entsetzen sahen sie weit entfernt im schwachen Schein ihres Einhornlichts, wie ein Schemen um die Ecke hervorkam. Es sah aus wie eine große Kugel, die über den Boden schwebte, aber sie konnten es nicht genau erkennen. Sehr wohl aber, dass ihnen plötzlich mehrere Augen aus dieser Richtung entgegensahen, worauf plötzlich ein lautes Summen ertönte, welches alles andere als vertrauenswürdig oder freundlich klang.
„Wir wollen hier nicht stehenbleiben und sehen was passiert. LAUFT!“, rief Gloomy seinen vor Angst erstarrten Freunden zu. Er hatte selbst genauso viel Angst, aber er musste sie einfach heil hier rausbringen. Es gab jetzt nichts Wichtigeres. „Rarity!“. Sie bewegte sich nicht. „Hey, helft mir mal!“. Die anderen waren bereits ein Stück weitergelaufen, hatten sich aber nun wieder umgewandt.
„Rarity! Twilights Timing war da besser als deins!“, rief Applejack aufgebracht und gab ihr eine milde Ohrfeige mit dem Huf. „Sie reagiert überhaupt nicht!“. Sie wandte sich hektisch nach der Kreatur um, die bereits gefährlich nahe war. Nun dichter am Lichtschein, konnten sie diese genauer erkennen und es war vielleicht ein Glück, dass Fluttershy nicht hier war. Die Kreatur hatte einen Kugelförmigen Körper und schwebte tatsächlich knapp über dem Boden. Sie war nur geringfügig größer als ein Pony, aber das machte sie nicht weniger verabscheuenswürdig. Mehrere Tentakel, an dessen Enden sich große Augen befanden, hingen überall von dem mit ekelhaft pulsierenden Blasen übersäten Körper und nahmen die Gruppe ins Visier. Wieder summte die Kreatur laut.
„Wir müssen sie tragen! Schnell!“, rief Rainbow und packte auch bereits an. Aber Applejack reagierte ebenfalls nicht mehr. „Applejack! Jetzt mach schon!“. Keine Reaktion. Sie war genauso erstarrt wie Rarity.
„Ich lache der Gefahr ins Gesicht, hahaha!“, schrie Pinkie plötzlich lauthals und stürmte dem Monster entgegen, um weiß Celestia was zu machen. „Lass meine Freunde in Ruhe, du widerliches…“ sie stockte auf einmal, kippte steif wie ein Brett vornüber und blieb regungslos liegen.
„Natürlich. Ihr dürft ihm nicht in die Augen sehen!“, rief Twilight. Das war inzwischen mehr als offensichtlich. Es war zu spät, um ihre Freunde noch wegzutragen und sie würden sie ohnehin nicht alle drei vom Fleck bekommen. Sie hielten sich die Hufe vor die Augen und warteten. Was konnten sie nur tun. Gloomy linste vorsichtig hervor und sah gerade, wie das etwas, Pinkie aufhob.
„Weg von ihr!“, rief er in panischer Angst und stürmte nach vorn. Er lud sein Horn auf und gab erneut einen magischen Stoß ab, worauf die Kreatur für einen Moment unkontrolliert durch die Luft segelte, sich aber sofort wieder einkriegte. Wenigstens hatte sie Pinkie wieder fallen gelassen. Nun fixierte sie Gloomy, verengte scheinbar zornig die Augen und gab erneut ein lautes summen von sich. Hastig wandte er den Blick ab und hatte kurz darauf plötzlich das Gefühl, als würde ihm jemand einen eiskalten Huf aufs Gesicht legen.
„Es kommt auf dich zu!“, riefen Rainbow und Twilight. Gloomy lief ihnen entgegen.
„Gut! Wir müssen ihn von den anderen ablenken“. Einen besseren Plan hatte er nicht und das missfallen war den anderen anzusehen. Aber sie wussten auch keinen Rat. Einen Vorteil hatten sie, denn die Kreatur war offensichtlich nicht sehr schnell. Im Gegenteil. Vielleicht bewegte sie sich auch absichtlich gemächlich auf sie zu. Aber allzu lange wollten sie hier nicht ausharren.
„Halt dich fest, Spike!“, befahl Twilight und galoppierte zusammen mit den anderen los. Ein paar Ecken weiter hielten sie inne und holten erst mal tief Luft. Gerade wollten sie ihren nächsten Schritt besprechen, als direkt über ihnen das laute Summen ertönte.
„Passt auf!“, rief Rainbow und düste unmittelbar der Horrorgestalt entgegen, die ihnen gerade gefährlich dicht aus einem der vielen Schlupflöcher entgegengeschwebt kam. Mit vollem Anlauf, kickte sie dagegen, aber sie wabbelte einfach an dem schleimigen Körper ab und erzielte keinerlei Wirkung. Die Kreatur umwickelte sie mit einem ihrer zahlreichen Tentakel um den Bauch, fixierte sie mit ihren Augen und summte erneut laut auf. Rainbow erstarrte Augenblicklich wie zu Stein und rührte sich nicht mehr. Ohne zu zögern, ließ die Kreatur Rainbow einfach zu Boden fallen und wandte sich auch schon Twilight, Spike und Gloomy entgegen.
„Rainbow!“.
„Wir müssen weiter!“, rief Gloomy und zog Twilight mit sich.
„Was genau tun wir jetzt?“, fragte Spike angsterfüllt.
„Ich habe keine Ahnung!“, erwiderte Twilight in Panik und galoppierte Gloomy hinterher. Aber das war genau die richtige Frage. Ihm fiel nicht das Geringste ein. Was war das nur für eine schreckliche Kreatur?
„Stopp, stopp, STOPP!“, rief Gloomy erschrocken, als sich unmittelbar vor ihm plötzlich eine tiefe Schlucht auftat, wo sie nicht einmal den Grund zu sehen vermochten. Gerade so noch konnte er abbremsen, dicht gefolgt von Twilight ganz knapp hinter ihm. Verzweifelt blickten sie sich um. Eine Sackgasse? Schlimmer. Am Boden verteilt lagen ein, zwei, drei weitere Rattenkörper mit ausgehölten Augenlöchern herum. Entsetzt tauschten die beiden Ponys Blicke. Dafür musste diese Kreatur verantwortlich sein. Gloomy wollte irgendetwas sagen. Wie leid ihm das alles tat und Twilight sah ihm das wohl auch an. Sie schüttelte aber nur den Kopf und sprach entschlossen: „Noch ist es nicht vorbei!“. Da ertönte auch schon das inzwischen bekannte schleimige Geräusch aus dem Gang, den sie eben selbst gekommen waren. Die grässliche, schleimige Kugelgestalt kam langsam auf sie zugeschwebt und summte auch gleich wieder auf. „Also schön“. Twilight schloss die Augen und atmete mehrmals tief ein und aus. Ihr Horn leuchtete rosa auf aber noch geschah nichts. Gloomy wagte es nicht sie zu unterbrechen und beobachtete immer nur hinter vorgehaltenem Huf, wie die Kreatur gefährlich näher rückte. Hochkonzentriert verzog Twilight vor lauter Anstrengung das Gesicht, als endlich ein schwacher magischer, weißer Strahl mit einer rosa Umrandung aus ihrem Horn geschossen kam und einen Volltreffer bei der Kreatur landete. Diese summte auf, als würde man den Strom entziehen und wurde zurückgestoßen. Mehr geschah allerdings nicht, außer, dass das Monster die Augen verengte und vor Zorn laut aufsummte.
„Es scheint zu wirken!“, rief Gloomy hoffnungsvoll. „Aber es war nicht stark genug. Das kannst du doch besser!“. Twilight stotterte unsicher und verängstigt: „Ich… kann nicht…“. Da sprang Spike plötzlich von ihrem Rücken, trat neben sie und sah ihr aufmunternd entgegen. Das schien Twilight Mut zu machen. Wild entschlossen wandte sie sich wieder der Kreatur zu, schloss die Augen und konzentrierte sich so stark sie nur konnte. Ihr Horn leuchtete wieder auf. Stärker als zuvor und wieder schoss ein magischer Strahl auf die Kreatur zu, der diesmal schon um einiges kräftiger aussah und genau ins Schwarze ging. Das Kugelmonster wirbelte rückwärts herum und verlor offenbar das Gleichgewicht, denn es knallte gegen die Höhlenwand und segelte zu Boden. Dort kullerte es noch ein Weilchen weiter, bevor es reglos liegen blieb. Einen Moment lang wollten die drei schon in Jubelrufe ausbrechen, aber da richtete es sich bereits wieder langsam auf, wandte sich ihnen mit unheilvoll dreinblickenden, rot angelaufenen Augen zu und summte so laut auf, dass ihnen schon die Ohren schmerzten.
„Twilight?“, riefen Gloomy und Spike gleichzeitig, aber da erlisch plötzlich ihr Horn und sie brach erschöpft auf dem Boden zusammen.
„Es tut mir leid“, krächzte sie schwach. „Aber für diesen Zauber fehlt es mir einfach noch an Übung“. Spike und Gloomy tauschten verzweifelte Blicke.
„Kannst du nicht etwas tun?“, fragte Spike, aber Gloomy schüttelte den Kopf.
„Mein Zauber gilt nur zur Verteidigung. Nicht als Angriff“, erklärte er stotternd. Außerdem befürchtete er, dass er die beiden dann versehentlich in die Tiefe Schlucht hinunterstoßen würde.
„Spike!“, fuhr Twilight plötzlich fort. „Verschwinde in eines dieser Schlupflöcher. Versteck dich!“.
„Niemals…“, begann dieser mit Tränen in den Augen aber Twilight unterbrach ihn mit unter Anstrengung lauter Stimme: „Tu‘ was ich dir sage!“. Damit eilte der kleine Drache auch schon davon und tat wie ihm geheißen. „Gloomy…“, begann Twilight aber dieser schüttelte entschlossen den Kopf.
„Ich weiche nicht von deiner Seite!“, widersprach er unter Tränen. Dieser Moment schien ewig zu dauern, als er Twilight voller Entschlossenheit in die Augen sah. Die Augen, die er so liebgewonnen hatte. Wer hätte gedacht, dass diese Reise ihre einzige und letzte sein würde? Dass er selbst, Gloomy, derjenige sein würde, der sie alle in den Tod führte? Auch Twilight liefen die Tränen und sie erwiderte seinen Blick, der tiefstes Bedauern ausdrückte. Selbst in diesem letzten Moment, erwies er sich als wahrer Freund. Die anderen hätten sich genauso geweigert, von ihrer Seite zu weichen. Aber wieso? Wieso rettete er sich nicht selbst? In all der Zeit, die sie sich nun kannten, musste er ausgerechnet jetzt ein Dickkopf sein. Wer hätte erahnen können, dass sie ihr Ende in dieser finsteren und schaurigen Höhle finden würden?
„Nein“, hauchte sie nur noch, als sie auch schon den Blick der Kreatur einfing und ebenfalls erstarrte. Beinahe schon aus Reflex wollte Gloomy seinen Zauber zünden. Auf keinen Fall! Er würde Twilight damit zwangsläufig hinunterstoßen. Aus schierer Verzweiflung schloss er die Augen und stürmte einfach wie ein Rammbock nach vorne. Es dauerte nicht lange, da spürte er schon wie er um den Bauch herum umschlungen wurde, wie Rainbow zuvor. Die fühlerartigen Tentakel tasteten nach seinen Augenliedern und zwangen ihn, sie zu öffnen, als er sogleich auch wie gelähmt zu Boden fiel. Es war nicht das Ende und sein Horn leuchtete auch noch. Er hörte wie die Kreatur wieder aufsummte und sich in die Richtung begab, in die es Spike hat verschwinden sehen. Sie suchte allerdings nicht lange, wandte sich wieder ab und verschwand in den Gang, den sie gekommen waren. Sie konnten derweil rein gar nichts unternehmen, bis das Monstrum auch schon wieder herbeigeschwebt kam, mit Rainbow Dash, Applejack, Rarity und Pinkie Pie an jeweils einem der vielen Tentakel und legte sie alle zusammen auf einen Haufen. Fluttershy fehlte immer noch? Das Monster hatte sie anscheinend nicht bekommen. Erneut summte es leise. Was geschah nun? Wog es gerade ab, wen es als erste verschlingen wollte? Wollte es sie überhaupt verschlingen? Was war mit den Opfern, mit den leeren Augenhöhlen? Gloomy wurde nun erst voller Grauen bewusst, was ihnen eigentlich bevorstand. Er konnte die leblosen Rattenkörper sogar noch von hier sehen. Einer der Tentakel umfasste schließlich Rainbow und hob sie hoch. Als nächstes sah es aus, als würde es Rainbows Augen genau untersuchen und zwei Tentakel glitten auch schon ganz dicht an sie heran. Wenn sie könnte, dann würde sicher sogar Rainbow jetzt vor Grauen schreien, während sie das mit offenen Augen ansehen musste.
„NYYYAAAHHH!“. Ein entsetzliches Kreischen ertönte auf einmal. Sniven sprang wie aus dem Nichts von hinten auf das schleimige Kugelmonster und rammte seine Klauenklingen in es hinein. Es schien keinerlei Wirkung zu erzielen, außer, dass das Monster sich offenbar verwirrt mit einigen Tentakeln umwandte und nach dem Unruhestifter suchte. Dabei versuchte sie Sniven abzuschütteln, aber dieser hielt sich mithilfe seiner Klaue fest. In der anderen Pfote hielt er plötzlich den grünlichen Stein und schlug damit auf die Kreatur. Das bewirkte etwas! Die Kreatur ließ Rainbow fallen und summte wieder so auf, wie schon als Twilight sie getroffen hatte. Nur war es diesmal sehr viel intensiver und sie schien offensichtlich schmerzen zu haben. Ein grelles, blendendes, weißes Licht strahlte an den Stellen auf, wo Sniven sie traf, aber es erlosch immer sofort wieder.
„NYAH! NYAH! NYAH!!!“. Wieder und wieder schlug Sniven auf die Kreatur ein und kreischte dabei auf. „LASSEN RUHEN – MEIN-MEINE PONYS!“. Er war nicht wiederzuerkennen, so außer sich vor Wut war er und das austretende Licht von dem Monster wurde immer greller, je mehr er darauf zornentbrannt einschlug.
„Los Sniven! Zeig es diesem Unhold!“. Eine altbekannte, piepsige Stimme erklang in ihrer Nähe. Es war die von Fluttershy, die gerade Sniven anfeuerte. Es war ein schaurig anzusehendes Bild. Die Kreatur versuchte unter größten Anstrengungen Sniven abzuschütteln, der sich jedoch wie eine Zecke dort festgebissen hatte. Sie kreiselte in der Luft umher, warf sich gegen die Höhlenwand und rollte über den Boden. Aber Sniven war so schnell und wendig, dass es ihm stets gelang seine Position entsprechend anzupassen und wuselte stetig um den Körper herum. Schließlich aber quiekte er verzweifelt auf. Die Kreatur hatte ihn doch noch mit einem Tentakel umfassen können und ihm den grünen Stein aus der Pfote geschlagen, der sogleich in die Schlucht hinunterfiel. Zornig summte sie auf und fixierte Sniven mit ihren Augen.
„ORMSCHING!“, rief Sniven auf einmal und biss der Kreatur ohne zu zögern auf ein Auge. Offenbar unter Qualen, summte sie ohrenbetäubend auf und fiel zu Boden, wo sie jedoch nicht liegen bleib, sondern gefährlich nahe auf den Abhang zurollte und gemeinsam mit Sniven, der einen letzten aufgeregten Schrei von sich gab in die Tiefe stürzte. Sowie der Schall verhallte, trat nun eine Totenstille ein. Fluttershy stand wie angewurzelt da, als könne sie nicht glauben, was da eben passiert ist.
„Oh nein“, wimmerte sie und trat näher an die anderen heran. „Ist mit euch alles in Ordnung?“. Sie waren noch so geschockt von dem Kampf und allem, dass sie gar nicht bemerkt haben, wie sie sich wieder bewegen konnten. Nur Rarity verharrte noch einen Moment, schüttelte sich am ganzen Leib und sprach beinahe jammernd: „Das war das widerlichste und schrecklichste, was mir je in meinem ganzen Leben widerfahren ist“.
„Ich dachte wirklich, jetzt ist alles aus. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Etwas kam eiskalt über mich und auf einmal konnte ich mich nicht mehr bewegen“, bemerkte Applejack. Die anderen hatten genau das gleiche Erlebnis.
„Ich frage mich, wer schlimmer ist. Dieses Ding oder die Kraemar“, begann Pinkie auf einmal mit gerunzelter Stirn zu grübeln. „Die Kraemar haben gefährliche Zangen und Stacheln und dieses Ding ganz glubschige Glubschaugen. Hmm, ich weiß nicht recht“. Etwas regte sich in einer dunklen Nische und kam auf sie zugeflitzt. Es war Spike, der einen Moment später auch schon Twilights Bein umklammerte, die ihm tröstende Worte zusprach, dass es jetzt geschafft sei.
„Rainbow?“, fragte Gloomy vorsichtig. „Ist alles okay mit dir?“. Rainbow blickte sich die ganze Zeit schon langsam umher, als befürchtete sie, dass wieder irgendwo diese Kreatur lauern würde. Nun sah sie Gloomy entgegen, mit einem Ausdruck im Gesicht, der eindeutig sagte, dass sie gerade einen Albtraum durchlebt hat.
„Was glaubst du denn?“, sagte sie. „Angenehm war das nicht. Ich meine… oh“. Sie schloss die Augen und schüttelte den Kopf. Es lief ihr immer noch eiskalt den Rücken hinunter. Da trat Applejack an sie heran und legte ihr tröstend den Huf auf die Schulter.
„Keine Sorge, du hast es hinter dir“. Sie seufzte erleichtert. „Wir alle haben es hinter uns… Hoffentlich“.
„Fluttershy? Liebes?“. Rarity trat an sie heran, die an der Schlucht stand und wie versteinert in die Tiefe starrte. „Es tut mir so leid um Sniven“. Fluttershy antwortete nicht und zeigte keine Reaktion.
„Ja“, fügte Rainbow hinzu. „Um ein Haar wären meine Augen sonst… ach ist ja egal“. Die anderen stimmten ein und endlich zeigte Fluttershy eine Regung. Es klang wie ein Schniefen, aber sie war ihnen immer noch mit dem Rücken zugewandt, während sie anfing zu sprechen: „Ich habe ihn dazu überredet. Er wollte das nicht“.
„Und es war nicht umsonst. Ihr beide habt uns allen das Leben gerettet“, versuchte Gloomy sie zu beschwichtigen.
„Ja vielleicht. Aber ich wollte doch nicht, dass er deswegen…“. Sie stockte einen Moment bevor sie fortfuhr. „Ich bin gestolpert und habe euch dann im Dunkeln verloren. Dann hab ich mich nur auf den Boden gelegt und gewartet. Sniven hat mich gefunden und er hat mir erklärt, dass ihr gerade verfolgt werdet von einem… Monster“. Sie sprach die ganze Zeit mit ganz piepsiger Stimme aber der nächste Teil klang überraschend grimmig. „Das war definitiv kein Tier. Es muss irgendetwas anderes gewesen sein. Vielleicht eine Kreatur aus dem Tartarus oder so. Sniven wollte mich von hier fortführen. Er sagte, dass ihr verloren seid. Das hat mich so wütend gemacht“. Diese Worte von ihr zu hören, grenzte beinahe schon an ein Wunder. Wann war Fluttershy denn mal wütend? Doch! Gloomy erinnerte sich. Bei den Kraemar war sie wütend. Fluttershy sprach wieder mit trauriger Stimme weiter: „Er hatte so eine fürchterliche Angst vor diesem Ding, dass er einfach nur fliehen wollte. Das ich sogar den Mut gefunden habe um ihm Mut zu machen. Und ich habe ihn beschuldigt, weil er uns absichtlich hier hinuntergeführt hat. Und das ich euch deswegen auch noch für ihn angelogen habe“.
„Oh, das hat er bestimmt übel genommen… Moment. Was?“, fragte Gloomy verwundert.
„Er hat es nicht übel genommen. Er hat es zugegeben. Aber ich wusste es vorher schon. Ich habe ihm die Lüge irgendwie angesehen“, erwiderte Fluttershy bekümmert. „Er hat einen Felsriesen geweckt und ihn zornig gemacht. Der hat dann diese Felslawine und die ganzen Beben ausgelöst“. Die anderen tauschten ganz erstaunte Blicke, als Fluttershy plötzlich schluchzend fortfuhr: „Er hat nicht böswillig gehandelt. Er wollte uns hier unten nur so gerne die leckeren Pilze zeigen…“. Sie konnte nicht mehr an sich halten und brach in Tränen aus. Die anderen traten an sie heran und nahmen sie tröstend in den Huf, aber sie beruhigte sich nur langsam. Niemand sagte ein Wort. Niemand wusste, was genau sie jetzt tun sollten. Vielleicht hatte Sniven selbst nicht mit so einer Gefahr hier unten gerechnet. Gloomy blickte sich unterdessen in der Höhle um und dachte nach, wie sie jetzt hier rausfinden wollten.
„Kommt. Wir müssen gehen“. Damit trabte er auch schon voraus, als ihm Rarity gereizt hinterherrief: „Jetzt lass ihr doch einen Augenblick Zeit!“.
„Soll Snivens Opfer umsonst gewesen sein?“, erwiderte Gloomy kühl und wandte sich mit strenger Miene um.
„Moment. Wir wollen ihn nicht suchen?“, fragte Rainbow empört.
„Damit wir uns noch mehr verirren?“.
„Gloomy hat recht“, pflichtete Twilight mit schwacher Stimme bei. „Wir sollten diesen Ort schnellstmöglich verlassen“. Applejack seufzte schwermütig und stimmte ebenfalls zu: „Bleibt nur ein Problem. Wir wissen nicht wo lang“. Darauf trat Schweigen ein. Das hatte Gloomy auch bedacht, auch wenn er keine Lösung dafür hatte. Aber was blieb ihnen übrig? Sie mussten irgendwie hier herausfinden.
„Hab ich richtig verstanden, dass Sniven… fort ist?“, fragte Pinkie plötzlich mit ganz großen Augen. Die anderen sahen ihr überrascht entgegen und bestätigten es ihr, worauf sich ihre Pupillen vor Schreck weiteten und ihre fröhliche, Zuckerwatten-Mähne plötzlich glatt und traurig hinunterhing. „Oh“, machte sie noch, aber niemand vermochte dazu etwas zu sagen. Alle trauerten sie gerade auf eine gewisse Weise.
„Doch, wir wissen wo lang“, kam es da plötzlich von Fluttershy. „Wir müssen dem Wind folgen. Sniven hat es mir gesagt, falls er…“. Sie stockte, als ihr schon wieder die Tränen liefen. Offenbar wollte Sniven damit seine Schuld begleichen, sie alle hier hinuntergeführt zu haben. Der Wind, der vorhin ganz plötzlich aufgehört hat zu wehen, war tatsächlich wieder da. Da wo Wind war, musste es auch irgendwohin führen. Wieso waren sie darauf nicht gleich gekommen? Der Rest ihres Ausflugs unter der Erde war schnell erzählt. Sie folgten dem Wind und es dauerte auch gar nicht so lange, bis sie hinaus ins Tageslicht fanden. Die wunderschöne Sonne empfing sie mit wohliger Wärme, die Baumwipfel wogen sich bei dem mäßigen Lüftchen und der leicht bewölkte Himmel lud sie förmlich ein, den Tag zu genießen. Draußen war es doch sehr viel schöner und sie wollten so schnell keine Höhle mehr betreten. Wirklich Freude konnten sie aber nicht empfinden. Nicht nur wegen der Trauer, sondern auch, weil jeder von ihnen um ein Haar umgekommen wäre.
„Aber wir wissen immer noch nicht, wo dieses Chuba liegt“, kam die Frage auch schon, worauf Fluttershy nur in das Tal hinauszeigte, welches unmittelbar vor ihnen lag. Es war sehr weitläufig und in der Mitte befand sich auf einer flachen Ebene, eine durchsichtige, große, bläulich und weiß schimmernde Kuppel, die Aussah, als wäre sie mit Wasser gefüllt.
„Ist das… Chuba?“, fragte Spike und kratzte sich verwirrt am Kopf. „Oder ist das ganze Land Chuba?“.
„Das werden wir wohl bald erfahren“. Twilight fühlte sich immer noch sehr schwach und blickte nun nachdenklich gen Himmel. „Ich frage mich, wie viel Zeit uns noch bleibt“. Bevor sie weiterzogen, wandten sie sich noch einmal der Höhle zu.
„Armer kleiner Kerl. Ich fühle mich richtig schlecht, weil ich Sniven so beschuldigt habe. Auch wenn er letzten Endes schuldig gewesen ist aber… naja ihr wisst schon“, bemerkte Rarity traurig. Pinkie stöhnte nur lautstark auf vor Trauer. Ihr Mähne hing immer noch unüblich glatt herunter. Applejack nahm sogar andächtig ihren Hut ab und sprach: „Letzten Endes wissen wir, dass wir ihm von Anfang an vertrauen konnten. Ich wünschte, ich könnte ihn noch einmal sehen. Dann würde ich…“. Sie zögerte einen Moment und blickte dabei auf ihren Hut. „Ihm meinen Hut geben“. So erwiesen sie alle ihrem Freund die letzte Ehre, ehe sie sich schweren Herzens ins vermeintliche Chuba aufmachten.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast