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Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
04.12.2020
32
205.111
4
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Dieses Kapitel
1 Review
 
12.09.2019 4.583
 
11. Ein Pony zu viel?

Gloomy, ganz aufgeregt und glücklich darüber, dass dieser Albtraum nun endlich sein Ende gefunden hat, konnte es gar nicht erwarten Twilight davon zu erzählen. Er verabschiedete sich eilig von seinen Eltern, die ganz überrascht von seiner plötzlichen Aufbruchsstimmung waren, stürmte zur inaktiven Kristallkugel und stieß sein Horn dagegen... was ein Fehler war. Er erinnerte sich an eine Warnung, die Noma einmal ausgesprochen hatte, wenn man die Kugel zu hastig bediente. Nicht nur wurde er nun eingesogen, sondern alles drehte sich zusätzlich auch noch und schleuderte ihn hin und her. Dennoch wurde er aber am gewünschten Ort im Golden Oak ausgespuckt und prallte direkt mit Rarity zusammen, die gerade ganz neugierig die Kristallkugel unter die Lupe genommen hatte.
„Wie genierlich“, bemerkte sie peinlich berührt, richtete sich langsam wieder auf und besah sich besorgt ihre Mähne. Gloomy versuchte sich ebenfalls aufzurichten, aber ihm drehte sich alles vor Augen und er schwankte mit zittrigen Beinen hin und her.
„Oh, nichts für ungut“, erwiderte er nur und blickte in die Runde. „Ihr seid ja alle Zwillinge. Das wusste ich gar nicht“. Er blinzelte wild und schüttelte sich.
„Ähm, ist alles in Ordnung mit dir?“, fragten die beiden Applejacks gleichzeitig und ihn besorgt musternd. „Deine Augen sehen irgendwie nicht in die gleiche Richtung“.
„Ja? Das würde es auch erklären“, antwortete Gloomy, während er sich mit dem Huf gegen den Kopf schlug, bis sich seine Augen schließlich wieder nach vorn richteten. „Ah! Jetzt geht es mir wieder gut“, fügte er voller Begeisterung hinzu, die jedoch etwas nachließ als ihm erst richtig klar wurde, dass Twilight und ihre Freunde allesamt in der Mitte des Raumes neben der Rundbank standen und aller Augen auf ihn gerichtet waren. Abgesehen von Rarity, die neben ihm gerade ihr Aussehen überprüfte. Gloomy war nicht sonderlich scharf darauf sie alle wiederzusehen. Ihm war wohl bewusst, dass er keinen guten Eindruck hinterlassen hatte und fühlte sich unwohl hier mit den anderen. Er versuchte sich aber nichts anmerken zu lassen und tat, als würde er die Kristallkugel suchen.
„Dein rundes Teil liegt da in der Ecke“, antwortete Rainbow Dash aufgeregt, erhob sich plötzlich in die Luft und machte ein paar Saltos. „Es fing auf einmal an zu leuchten. Dann kamst du herausgeschossen mit einem lauten BÄÄMM und… naja“. Sie landete wieder und fügte lässig hinzu: „War irgendwie cool“. Gloomy blickte ihr nur stumm mit großen Augen entgegen.
„Es ist weniger cool, wenn man in dem Moment gerade davorsteht“, warf Rarity empört ein, bevor sie sich an Gloomy wandte. „Anscheinend sind diese Dinger nicht gerade ungefährlich“. Gloomy erwiderte ihren Blick nur für einen Moment, sah aber sofort wieder verlegen weg. Dann antwortete er: „Ähm, eigentlich doch. Jedenfalls wenn man sie richtig bedient. Tut mir leid“.
„Oh, mach dir keine Gedanken. Es ist ja nichts passiert“, erklärte sie und lächelte ihm aufmunternd zu. Gloomy aber ging nicht darauf ein und machte nur missmutig: „Mmh“, worauf Rarity den anderen einen unsicheren Blick zuwarf. Rainbow Dash hängte sich kurz darauf wieder ein: „Coole Magie übrigens. So was wie mit diesem Ding hab ich zuvor noch nie gesehen“.
„So?“, bemerkte Gloomy nur und schaffte es ihr in die Augen zu sehen. Rainbow zögerte einen Moment.
„Ja. Was gibt es denn sonst noch so für coole Sachen, die du uns zeigen könntest?“, fügte sie dann mit einem gezwungenen Lächeln hinzu. Gloomy merkte gar nicht, wie sie gerade angestrengt versuchten ein Gespräch mit ihm aufzubauen. Aber das wollte er auch gar nicht. Er wollte diese Ponys nicht, denn sie waren ihm einfach zu viel und sicherlich dachten sie über ihn genau dasselbe. So glaubte er jedenfalls. Mürrisch bei diesem Gedanken, antwortete Gloomy: „Coole Sachen?“. Er dachte nach und blickte dabei an die Decke auf das Sonnensymbol. Rainbow Dash nickte und antwortete gelassen: „Ja, egal was. Hauptsache cool!“. Eigentlich kannte Gloomy gar keine Zauber aus seiner Sippe. Sie hatten zwar auch Bücher und wurden unterrichtet aber er wechselte ja beizeiten die Schule. Die Zauber, die er vom Sehen her kannte, beschränkten sich auf Schutz, Symbole und Rituale, die für Rainbow aber vermutlich eher unspektakulär waren.
Gloomys Schweigen verunsicherte die Ponys noch mehr. Rainbow kratzte sich am Kopf und wusste nicht was sie noch sagen sollte. Rarity zwang sich ein Lächeln ab und lachte nervös. Fluttershy sah betreten zu Boden, als würde sie nur hoffen, dass sie niemand anspreche. Twilight hatte sich auf die Lippen gebissen und blickte aufgeregt über die Runde. Pinkie Pie war die einzige die ganz locker wirkte, während sie munter auf der Stelle auf und ab hüpfte und wahrscheinlich im Moment nur nicht sprach, weil sie immer noch auf eine Antwort wartete. Applejack hatte die Stirn gerunzelt, räusperte sich und ergriff nun das Wort: „Wie sieht`s denn aus?“. Sie lächelte Gloomy freundlich entgegen. „Hast du dein Problem mit den gruseligen Geistern regeln können?“. Für einen kurzen Moment spürte Gloomy etwas Merkwürdiges. Es war wie eine Vorahnung, als ob gleich wieder irgendwo das schwarze Pony erscheinen würde. Aber es geschah nichts. War das ein Zeichen dafür, dass der Anhänger wirkte?
„Ja, habe ich“, antwortete er knapp, ohne sich etwas anmerken zu lassen.
„Und... hast du dazu nicht vielleicht irgendwas zu sagen?“, hakte Applejack nach. „Was ist denn passiert? Was war denn los?“.
„Nicht viel. Meine Eltern haben mir diesen Anhänger gegeben und damit ist wieder alles gut“. Gloomy nahm den schlichten fünfzackigen Stern in seinen Huf und hielt ihn sich selbst nochmal vor. Unterdessen trat Rarity näher heran und besah sich den Anhänger aus der Nähe. Dabei trat ein mitleidiger Ausdruck in ihr Gesicht und sie sprach: „Du meine Güte. Ich glaube ich habe noch nie einen so anspruchslosen... Schmuckgegenstand gesehen. Oder sollte ich eher sagen, einen Klotz an einer Kette?“. Daraufhin stutzte sie auf einmal und sah Gloomy mit einem betretenen Lächeln an. „Das ist natürlich nicht böse gemeint. Nur eine Feststellung...“.
„Es erfüllt seinen Zweck“, erwiderte Gloomy mit gerunzelter Stirn. Es störte ihn nicht, wie Rarity gerade seinen Anhänger auf das äußere reduzierte. Er rechnete aber mit irgendeinem bösen Hintergedanken.
„Du meinst, er hält die bösen Erscheinungen von dir fern“, warf Twilight plötzlich hastig ein. Dann lachte sie kurz auf und fügte Kopfschüttelnd hinzu: „Naja. Wenn‘s hilft“. Gloomy ignorierte das. Er wusste, dass Twilight nicht wirklich daran glaubte. Trotzdem hatte sie ihm aber helfen wollen und das war alles was zählte. Rarity trabte auf einmal aufgeregt auf der Stelle umher und sagte: „Uh, über Geister weiß ich nichts. Aber sehr wohl wie wir diesen Anhänger etwas aufhübschen können. Was denkst du?“.
„Aufhübschen?“, erwiderte Gloomy verstört. Wozu sollte das denn gut sein?
„Ja, ein bisschen Farbe da, ein paar Edelsteine hier, ein bisschen Glitzer und schon bekommt es einen ganz anderen Glanz…“, begann Rarity, aber Gloomy unterbrach ihre Schwärmerei: „Nein, ich lege keinen Wert auf irgendwelchen Tand“. Rarity fühlte sich daraufhin wie vor den Kopf gestoßen und wiederholte erschrocken mit weit aufgerissenen Augen: „Tand?“. Sie schnaubte empört und wandte sich beleidigt ab. „Wie du meinst. War ja nur ein Vorschlag“.
„Es ist ein Schutzsymbol. Das muss nicht hübsch sein“, erklärte Gloomy bestimmt.
„Naja, es muss ja nicht gleich glitzern“, warf Twilight auf einmal dazwischen. „Wie wäre es damit?“. Ihr Horn leuchtete rosa auf und aus ihrer Mähne schwebte ein kurzes, seidenes, grünes Bändchen hervor welches sie gekonnt mit einer Schleife um den fünfzackigen Stern herumband. „So vielleicht?“, fragte sie mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Gloomy besah sich seinen Anhänger, jetzt verziert mit einem grünen Schleifchen, ohne dabei die Miene zu verziehen und antwortete schlicht: „Das ist ein Lesezeichen“. Im Gegensatz zu den anderen wunderte er sich überhaupt nicht darüber, wie Twilight mal eben ein Lesezeichen aus ihrer Mähne zog. Schließlich könnte es ja passieren, dass sie spontan ein Buch lesen wollte. Twilight kicherte.
„Ja, ich weiß. Es soll nur eine Kleinigkeit sein. Nichts Besonderes“, erwiderte sie. Gloomy sah ihr mit großen Augen entgegen. Es war im Grunde wirklich nur eine Kleinigkeit aber dennoch wusste er es sehr zu schätzen und sagte: „Und das bei meiner… ähm…“. Er räusperte sich vernehmlich. Twilight blickte ihm zunächst verwirrt entgegen, bis sich ihre Augen vor Schreck weiteten und sie entsetzt beteuerte: „Nein, nein! So war das doch gar nicht gemeint. Ich wollte nur deinen Anhänger etwas verschönern“. Die anderen warfen sich unterdessen verwunderte Blicke zu. Gloomy überkam ein schmunzeln.
„Oder vielleicht willst du mich damit wiederfinden?“. Eigentlich wollte er einen Scherz machen, aber ein zweites Mal darüber nachgedacht wurde ihm erst klar, dass es auch gemein wirken könnte. Als würde er ihr immer noch vorwerfen, dass sie ihn in Canterlot einfach vergessen habe. Und so war es anscheinend auch, denn Twilight stöhnte auf einmal missmutig auf und antwortete: „Wenn du es nicht haben willst, dann gib es eben wieder her!“. Ihr Horn leuchtete bereits und so auch das Schleifchen um Gloomys Anhänger. Hastig hielt er es mit seinen Hufen fest, wie ein kleines Fohlen welches einen Bonbon gefunden hatte, wandte sich ab und widersprach: „Nein! Das ist jetzt mein Lesezeichen und ich gebe es nicht wieder her“.
Die übrigen Ponys hatten das Schauspiel stumm verfolgt. Es war Rainbow Dash, die sich als erstes mit gerunzelter Stirn dazu äußern wollte: „Ähm…“, begann sie, aber dann war Pinkie Pie auf einmal mit einem Satz an Gloomys Seite und sprach blitzschnell: „Wow! Sieht echt schick aus. Hast du`s dir eigentlich schon überlegt? Ach und übrigens, ich grinse nicht. Wenn du genau hinsiehst, erkennst du, dass ich eigentlich nur die Maulwinkel verziehe“. Gloomy sah ihr nervös mit gerunzelter Stirn entgegen. Was war überhaupt der Unterschied zwischen Grinsen und Lächeln... und Maulwinkel verziehen? Von allen Ponys fand er dieses am anstrengendsten.
„Ach so, wegen deiner Fragen meinst du vermutlich“, antwortete Gloomy daraufhin und seufzte missgelaunt. Dann zögerte er einen kurzen Moment, in dem er nachdachte, holte tief Luft und begann zu erzählen: „Also… außerhalb von Equestria ist es irgendwie trübsinniger und weitläufiger. Aber es hat etwas nicht an einen Ort gebunden zu sein. Das Gefühl überall hingehen zu können, ist wahre Freiheit. Aber natürlich ist man auf den Schutz seiner Sippe angewiesen, denn es gibt zwar auch andere Ponys, aber eher seltener. Es gibt viele verschiedene Völker und Rassen, wo man vor einigen lieber einen Bogen drum machen sollte, da sie sehr aggressiv oder kriegerisch sind. Und ja, in meiner Sippe haben alle so ein krummes Horn wie ich. Wenn wir an einem Ort angekommen sind, bleiben wir einfach für ein paar Tage oder sogar Wochen. Das setzt natürlich voraus, dass unser Umfeld es zulässt. Vieles was wir brauchen, gibt uns die Natur aber wir handeln auch ab und an mit anderen Völkern. Uns gefällt diese Art zu leben und deswegen werden wir uns auch so schnell niemals niederlassen. Sonst wären wir ja auch keine Nomaden. Ich bin da vielleicht eine Ausnahme. Ich wollte die equestrianische Magie studieren und… naja. Eine Prinzessin wie in Equestria gibt es nicht, aber unsere Stammesälteste kommt dem vielleicht gleich. Für uns selbst jedenfalls. Partys… ach… es hält sich in Grenzen. Zum Glück. Kuchen gibt es natürlich, aber ich kann dir nicht sagen welche Leckereien du nicht kennst oder was du alles nicht weißt. Oh und ob es sich mit Freunden am besten lebt?“. Gloomy zögerte einen Moment und dachte nach, bevor er schlicht seine Erzählung mit einem Wort beendete: „Möglicherweise“. Je länger Gloomy gesprochen hatte, desto fassungsloser waren die Ponys geworden, bis auf Twilight, die daraufhin nur kicherte und Pinkie, die erfreut reagierte: „Wuuhuu! Ich wusste du würdest dein Versprechen halten“. Die anderen hingegen starrten Gloomy mit weit aufgerissenen Augen und heruntergeklappter Kinnlade entgegen. Applejack ergriff als erstes das Wort: „Hast du gerade... auf jede einzelne Frage geantwortet, die Pinkie dir zuvor gestellt hat?“.
„Offenhörlich“, entgegnete Gloomy mit zusammengekniffenen Augen.
„Was Applejack meint ist, konntest du wirklich auf jede Frage von Pinkie antworten, die sie dir vor etlichen Stunden auf ihre Pinkie-artige Weise gestellt hat?“, fügte Rainbow Dash ungeduldig hinzu. Gloomy wurde jetzt sehr unsicher. Nahmen sie ihn gerade auf den Huf?
„Offenhörlich“, wiederholte er, worauf Applejack und Rainbow sich beide einen verständnislosen Blick zuwarfen. „Tut mir leid, aber ich weiß nicht was ihr hören wollt“, erklärte Gloomy daraufhin trotzig. „Pinkie hat mir diese Fragen gestellt und ich hatte ihr versprochen zu antworten. In meinen Augen gehört sich das so“.
„Sie sind es vielleicht nicht gewöhnt, dass sich jemand so viele verschiedene Fragen über so lange Zeit merken kann“, erklärte Twilight belustigt. „Vor allem nicht von Pinkie“. Applejack schnaubte und fügte begeistert an Gloomy gewandt hinzu: „Zum Heuhaufen, ganz und gar nicht. Das war unglaublich“. Sie war nicht die einzige. Auch Rarity, Rainbow und sogar Fluttershy blickten ihm erstaunt entgegen. Gloomy blinzelte überrascht, wobei er allmählich erst Begriff.
„Oh“, machte er unbeeindruckt. „Naja. Was soll ich dazu sagen“.
„Ach du musst gar nichts sagen“, warf Pinkie auf einmal hocherfreut dazwischen. „Ich habe nichts anderes erwartet. Tolles Gedächtnis übrigens, aber das meinte ich eigentlich gar nicht. Ich meinte, ob du dir jetzt schon überlegt hast hierzubleiben?“.
„W-Was?“, erwiderte Gloomy erschrocken.
„Pinkie, wir haben doch noch gar keine Antwort von der Prinzessin bekommen“, bemerkte Twilight und auf Gloomys Miene hin fügte sie an ihn gewandt hinzu: „Ich habe einen Brief an Celestia geschrieben, in dem ich sie gefragt habe, ob du hierher nach Ponyville ziehen darfst“. Gloomys Gesichtsausdruck war unverändert, was Twilight nun etwas verunsicherte. „Jedenfalls dachte ich, es wäre vielleicht eine gute Idee“. Sollte das ein Witz sein, dachte Gloomy. Er brauchte nicht lange zu überlegen, dass Ponyville um ein vielfaches schöner war als Canterlot. Das und natürlich, weil Twilight fortan auch hier lebte. Anstatt das zu äußern, sagte er aber nur: „Aber wie kommst du denn plötzlich darauf? Ich habe das doch nie vorgehabt“.
„Wieso sollte es denn anders sein?“, warf Pinkie auf einmal empört dazwischen. „So wie Twilight über dich gesprochen hat, stand es doch von Anfang an außer Frage. Was für einen Sinn würde es denn machen, wenn gute Freunde so weit weg voneinander leben. Das wäre doch total traurig“, fügte sie mit niedergeschlagener Miene hinzu. Gloomy gelang es nur mit Mühe, seine Freude zu verbergen. So stand er nun wieder mit ausdrucksloser Miene da und ließ den Blick durch den Raum wandern, während die anderen eher Mühe hatten, ihren Unmut zu verbergen und sich gegenseitig zweifelnd ansahen.
„Es zwingt dich natürlich niemand hierzubleiben“, warf Rarity plötzlich stirnrunzelnd ein.
„Das ist mir klar“, entgegnete Gloomy tonlos. Ihm waren die Blicke aufgefallen, was ihn noch mürrischer machte. Für ihn war klar, dass sie von dieser Idee kein bisschen begeistert waren.
„Ach übrigens. Gloomy? Dein Brief…“. Twilight zog plötzlich die Ankündigung von ihm, die er ihr damals aus Canterlot geschickt hatte, aus ihrer Mähne und musterte diese misstrauisch. Gloomy sank der Mut und er schluckte nervös. Er hatte sich damals schon gefragt, ob er das noch bereuen würde. „Das Papier sieht nicht nach dem üblichen Schreibpapier aus. Hast du das aus einem Buch... entwendet?“. Gloomy biss sich auf die Zunge, bevor er mit einer Unschuldsmiene so ruhig er konnte antwortete: „Ähm. Nein?“. Aber Twilight blickte ihm bereits äußerst skeptisch entgegen, woran Gloomy merkte, dass sie längst Bescheid wusste.
„Es ist aus einem Buch…“.
„Ja es ist aus einem Buch und es tut mir furchtbar leid, was ich diesem Buch angetan habe. Ich werde es niemals wieder tun“, versicherte ihr Gloomy hastig und schaffte es vor Scham kaum den Blickkontakt zu halten. Bevor aber noch jemand etwas sagen konnte, ertönte ein poltern von oben und Spike purzelte ihnen die Treppe hinunter entgegen.
„Twilight!“, rief er winselnd und hielt dabei ein verkohltes Buch hervor. „Es war ein Versehen“.
„Wie ist denn das passiert?“, fragte Twilight verwundert. Spike richtete sich auf und antwortete ungeduldig: „Na wie wohl. Celestia hat geantwortet als ich gerade oben die Bücher an deinem Arbeitsplatz entstaubt habe. Also... es ist das Buch, dass du gerade dabei warst zu lesen“. Für einen Moment herrschte nun Stille, in der Twilight, Spike nur stumm entgegenblinzelte. Dann schluckte sie und sagte schließlich: „Naja. Wir werden schon einen Ersatz für dieses Buch finden. Wo ist Celestias Brief?“.
„Das sich ja niemand beschwert“, sprach Spike und blickte finster in die Runde, während er Twilight entgegenlief und ihr den Brief übergab. „So was passiert mir normalerweise nie“. Aber niemand sagte etwas deswegen. Sie waren alle viel zu gespannt auf die Antwort. Twilight öffnete den Brief, warf einen Blick darauf und sah gleich wieder nach oben.
„Er ist an Gloomy gerichtet“, erklärte sie, worauf sogleich Pinkie ihr den Brief entriss und ihn in Gloomys Hufe drückte.
„Dann gebührt es rechtmäßig dir ihn zu lesen“, rief sie begeistert. „Na los, mach schon“. Gloomy zögerte und warf ebenfalls einen Blick darauf. Es war eine längere Antwort...
„Ähm. Von Prinzessin Celestia? An mich?“, fragte er verunsichert und auch ehrfürchtig zugleich und schluckte nervös. Einerseits war er schrecklich aufgeregt, aber andererseits… Mussten denn die anderen jetzt schon so zeitig von seinem sogenannten Handicap erfahren? Sie warteten doch sicher nur auf eine Gelegenheit, etwas gegen ihn im Huf zu haben und ihn anschließend auszulachen. Er las zunächst nur den Anfang, Mein lieber Gloomy Arcane, wir haben uns zwar noch nie persönlich getroffen aber… Wozu las er das eigentlich? Die anderen würden ihn fragen, was er denn gelesen hat und er würde ihnen keine Antwort geben können. Gloomy merkte wie ihm der Schweiß kam vor Anspannung. Da spürte er plötzlich sanft einen Huf auf der Schulter und blickte plötzlich Twilight direkt gegenüber, die nur sagte: „Ist schon gut“. Dann nahm sie ihm den Brief ab. „Ich werde ihn lesen“.
„Aber das kannst du doch nicht machen“, rief Pinkie entsetzt und atmete dabei unkontrolliert tief ein und aus. „Er ist doch überhaupt nicht an dich gerichtet!“.
„Es würde nichts bringen, wenn er ihn liest, denn…“, begann Spike, aber Twilight trat ihm auf den Fuß. „Autsch! Hey?“.
„Das geht schon in Ordnung. Ich hab nichts dagegen“, erwiderte Gloomy hastig. Die anderen warfen sich nun mittlerweile allerdings schon verwunderte Blicke zu, wegen des Trara das darum gemacht wurde und Rainbow Dash fragte Gloomy verdutzt: „Kannst du etwa nicht lesen?“. Gloomy wurde inzwischen ganz flau im Magen aber er antwortete mit vorgespielter Empörung: „Natürlich kann ich lesen! Wieso sollte ich nicht lesen können?“. Das war im Grunde nicht mal gelogen.
„Wieso liest du dann den Brief nicht?“, fragte Rarity, ebenso verblüfft dreinblickend. „Von der Prinzessin persönlich… das ist doch etwas Besonderes“. Gloomy spürte wie ihm die Angst den Rücken emporlief und ihn förmlich ertauben ließ. Bevor er aber anfing zu stammeln, sprang Twilight ein und sagte: „Lasst gut sein Freunde. Wir erklären euch das zu einem anderen Zeitpunkt. Ich lese jetzt den Brief vor“. Sie räusperte sich und hielt einen Moment inne. „Mein lieber Gloomy Arcane, wir haben uns zwar noch nie persönlich getroffen aber ich habe dennoch schon viel über dich gehört. Zum einen über meine treue Schülerin Twilight Sparkle“. Twilight erhob an dieser Stelle voller Stolz ihr Haupt. „Und natürlich über die Älteste deines Stammes, Noma Lifelong. Ich war damals äußerst überrascht und hocherfreut, als sie zu mir kam und mir sagte, wie sehr sich ein junges Pony welches nicht aus Equestria stammt, sich für die hiesige Magie interessierte und mich bat, es in meine Obhut zu nehmen. Ich hoffe, du hast dich gut eingelebt und bin wirklich gespannt, ob wir in Zukunft vielleicht etwas von der Magie deines Stammes sehen werden… Ist das nicht eher unwahrscheinlich?“, fragte Twilight auf einmal an Gloomy gerichtet. „Ich meine, du studierst doch schon die Magie aus Equestria“.
„Das stimmt und ich habe eigentlich auch nicht vor das abzubrechen“, antwortete Gloomy unsicher. Wurde von ihm etwa erwartet, dass er sich mit der Magie seines Stammes auskenne?
„Celestia weiß das“, bemerkte Twilight, als hätte sie seine Gedanken gelesen. „Sie geht bestimmt nicht davon aus, dass du nebenbei etwas anderes studiert hast. Und wer weiß, vielleicht ändert sich das ja irgendwann?“.
„Gibt es denn so große Unterschiede zwischen der Magie aus...“, begann Rarity, aber Pinkie unterbrach sie ungeduldig mit einem lauten: „Schhh. Lies weiter!“. Twilight senkte wieder den Kopf und fuhr fort: „Noma hat mir von deiner entscheidenden Rolle bei der Bekämpfung eines sogenannten Namenlosen berichtet, der uns alle bedrohte und auch die Umstände, zu denen es geführt hat. Ich wollte dazu nur eines loswerden und zwar, dass wir sehr stolz auf dich sind. Alles andere hast du ja mit Noma bereits besprochen…“.
„Einen was hast du bekämpft?“, unterbrach Rainbow Dash mit verwirrter Miene. Gloomy zögerte und wiederholte: „Einen Namenlosen?“.
„Was… oder wer ist denn das?“. Rainbow war nicht die einzige die nun wie gebannt zu Gloomy starrte, während Twilight im Hintergrund nur mit den Augen rollte. Gloomy war daraufhin ganz überrascht, antwortete aber schließlich: „Ich glaube, das wollt ihr gar nicht wissen“. Er seufzte und begann zu erzählen: „Eine fürchterliche Kreatur die nichts anderes wünscht als uns zu zerstören. Sie nährt sich von deinen Ängsten und wenn sie dich da hat wo sie dich möchte, verschlingt sie deine Seele und nimmt dich in Besitz…“.
„Wir haben verstanden. Es ist eine s-sehr schreckliche K-Kreatur“, unterbrach ihn Fluttershy auf einmal laut mit piepsiger Stimme. Sie lag zusammengekauert auf dem Boden, hatte die Hufe über den Augen und zitterte. Applejack stand mit Sorgenfalten auf der Stirn neben ihr und blickte verständnisvoll auf sie herab.
„Klingt wirklich schrecklich, was du da hinter dir hast“, bemerkte sie dann an Gloomy gerichtet und tätschelte Fluttershy dabei behutsam.
„Das war es auch“, bestätigte Gloomy leise, atmete tief durch und fügte deutlicher hinzu: „Aber es ist ja jetzt hinter mir“.
„Und außerdem braucht ihr euch wirklich keine Sorgen zu machen, weil nichts dergleichen jemals wirklich passieren kann“, warf Twilight auf einmal überzeugt dazwischen. „Das ist alles nur Aberglaube“.
„Ach ja? Bist du dir da sicher? Sogar Prinzessin Celestia scheint ja daran zu glauben“, widersprach Applejack misstrauisch. Twilight stutzte einen Moment und entgegnete dann aber unbeirrt: „Sie will nur nicht unhöflich gegenüber Noma Lifelong, der Stammesältesten sein“. Im Gegensatz zu ihr schienen sich die anderen aber mehr dafür zu interessieren.
„Wie hast du denn gegen ihn gekämpft?“, fragte Rainbow neugierig, ohne Twilights Worten weiter Beachtung zu schenken. Gloomy fühlte sich nun sehr unwohl. Ihm war nicht wirklich danach über diese Geschichte zu reden und würde es am Liebsten vergessen.
„Eigentlich gar nicht direkt“, antwortete er missmutig seufzend. „Es war mehr eine mentale Auseinandersetzung, die ich wohl nur unbewusst geführt habe“.
„Und mit mental meinst du...“, hakte Rainbow nach.
„Ich habe jedenfalls nicht meine Hufe sprechen lassen oder mit Zaubern um mich geworfen, falls du das denkst. Ich war damit beschäftigt nicht durchzudrehen“, erklärte Gloomy und wandte sich niedergeschlagen ab. „Tut mir leid. Das ist nicht so einfach zu erklären. Außerdem wollen es einige unter euch vermutlich gar nicht hören...“. Fluttershy nahm daraufhin plötzlich die Hufe von den Augen und sprach erneut mit ihrer piepsigen Stimme: „Ich! Ich will es nicht hören!“. Alle Blicke waren nun auf sie gerichtet, worauf sich auf ihrem Gesicht ein zurückhaltendes aber sanftes Lächeln bildete. „Wir wollen doch auch nicht, dass du das alles erneut durchleben musst“. Damit richtete sie sich auf und wandte sich an Twilight. „Kannst du bitte weiterlesen?“. Diese räusperte sich nochmal und fuhr fort: „Noma hat mir auch erzählt, wie gerne du in Ponyville leben würdest, unter anderem, weil dir die Golden Oak Bibliothek so gut gefällt. Hmh“. Machte Twilight auf einmal verwundert und mit gerunzelter Stirn, bevor sie weiterlas, während sich die anderen alle verwirrte Blicke zuwarfen. Gloomy hingegen fühlte sich unwohl und wandte sich beschämt ab. Scheinbar hat Noma der Prinzessin erst vor kurzem einen Einblick in seine eigene Gedankenwelt bezüglich Ponyville geliefert. Wieso tat sie so etwas immer? Gedanken sollten privat sein, dachte er grimmig. „Ich würde es befürworten, weil du dort sicher sehr viel lernen kannst. Und das meine ich nicht auf die Magie bezogen. Um also Twilights Frage zu beantworten, es hängt ganz von dir ab, Gloomy. Meinerseits, gibt es keine Einwände. Hochachtungsvoll, Prinzessin Celestia“. Gloomy führte gerade innerlich einen Freudentanz auf, während Pinkie Pie plötzlich mit einer Partypfeife neben ihm stand, lautstark hineinblies und rief: „Juche! Willkommen in Ponyville!“. Gloomy erschrak daraufhin und rieb sich die Ohren. Als er etwas sagen wollte, lenkten ihn jedoch die misstrauischen Blicke der anderen Ponys ab, die er unsicher erwiderte.
„Was ist denn?“, fragte er.
„Celestia hat ihr Einverständnis gegeben, Dummerchen“, erklärte Pinkie frohlockend und hüpfte aufgeregt um ihn herum.
„Ja und wenn du so gerne in Ponyville leben würdest, müsstest du dich doch jetzt freuen?“, warf Rarity ein.
„Tue ich ja auch“, erwiderte Gloomy schlicht.
„Sieht man dir aber überhaupt nicht an. Freude sieht anders aus“, bemerkte Applejack ebenso schlicht. „Lächle doch mal wenigstens“.
„Ähm…“, begann Gloomy aber Pinkie kam ihm hüpfend dazwischen: „Weißt du schon wo du wohnen willst?“. Das war eine gute Frage, dachte Gloomy, aber bevor er etwas sagen konnte, antwortete Twilight bereits: „Oh stimmt. Das müssen wir mit der Bürgermeisterin besprechen“. Plötzlich machte sie ganz große Augen und fügte begeistert an Gloomy gewandt hinzu: „Bis dahin kannst du doch hier im Golden Oak wohnen. Ich wollte schon immer mal einen Zimmergenossen haben“. Spike hatte daraufhin die Stirn gerunzelt und blickte Twilight mit finsterer Miene entgegen. Als sie nicht reagierte, räusperte er sich vernehmlich, worauf Twilight stutzte und verlegen lachte. „Zwei! Zwei Zimmergenossen, meine ich natürlich“. Gloomys Augen weiteten sich vor Staunen… oder vor Schreck? Er war sich selbst nicht ganz sicher und fragte: „Was? Im Golden Oak? Hier?“.
„Ja“, erwiderte Twilight aufgeregt und strahlend.
„… Bei dir?“.
„Ja?“. Gloomy zögerte, bevor er mit fester Miene entschied: „Nein!“. Twilight begann darauf zu protestieren, was denn dagegensprechen sollte, aber Gloomy widersprach immer nur, dass es eben einfach nicht ginge.
„Und warum sollte das nicht gehen?“, fragte sie schließlich, leicht gereizt. Gloomy erhob bestimmt sein Haupt und antwortete mit fester Stimme: „Meine Ma hat immer gesagt, Mädchen und Jungs in einem Zelt, das gehört sich nicht!“. Daraufhin blickten die Ponys ihm sprachlos mit großen Augen entgegen, bis ein leises Kichern durch die Reihe ging, worauf Gloomy sich auf einmal schämte. Was war denn daran so falsch, fragte er sich. Spike anscheinend ebenso, denn er äußerte auf einmal: „Klingt doch gar nicht so verkehrt?“.
„Das hier ist aber kein Zelt“, erwiderte Twilight halb verlegen, halb belustigt. „Ich bin mir sicher deine Mutter würde davon absehen“. Gloomy wandte sich beschämt ab und erwiderte nur: „Na schön. Wenn du es sagst“.
„Das heißt, du wohnst ab jetzt in Ponyville?“, fiel auf einmal die Frage von Rainbow. Sie wirkte verunsichert. Beinahe schon erschrocken.
„Oh, na das ist doch schön“, fügte Rarity verlegen lächelnd hinzu. Gloomy sah ihnen nur stumm entgegen und erwiderte trocken: „Ja, finde ich auch“.
„Mal sehen wie schön das wird“, kam es darauf zweifelnd von Applejack. Fluttershy äußerte sich nicht dazu, sondern stocherte nur nervös mit ihren Hufen auf dem Boden herum.
„Das muss gefeiert werden!“, rief Pinkie als nächstes begeistert und blies erneut direkt vor Gloomy in die Partypfeife. Dieser runzelte daraufhin die Stirn und würgte sie ab, indem er die Pfeife mit dem Huf zudrückte.
„Keine Party!“, sprach er entschlossen. Pinkie zögerte und nuschelte überrascht, immer noch mit der Pfeife im Maul: „Kone Porte?“. Sie ließ die Pfeife wieder verschwinden und fügte hinzu: „Aber das ist so Sitte bei uns. Neue Ponys heißen wir immer willkommen“.
„Das habt ihr doch beim Picknick schon getan“, erklärte Gloomy schlicht.
„Auch nicht eine ganz kleine?“, fragte Pinkie vorsichtig.
„Nein!“. Pinkie war daraufhin sichtlich enttäuscht und traurig, aber im nächsten Moment hob sich ihre Stimmung wieder und sie sprach: „Na gut. Darüber reden wir noch“. Sie grinste breit, was aber sogleich wieder gefror. „Oh tut mir leid. Kein Grinsen. Das hab ich vergessen. Keine Feier… vorerst und kein Grinsen. Geht klar“. Gloomy erwiderte ihren gespielt ernsten Blick mit einer verstörten Miene und stöhnte genervt.
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