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Agonia Luminis

von Sauden
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Apple Jack Fluttershy Pinkie Pie Rainbow Dash Rarity Twilight Sparkle
18.08.2019
13.08.2020
26
179.202
4
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18.08.2019 1.579
 
Hinweis
Die Geschichte wird auch bei bronies.de mit einem wunderschönen Cover vorgestellt. (https://www.bronies.de/showthread.php?tid=28169)
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Kurzinhaltsangabe
Nicht nur in Equestria leben Ponys. Doch was geschieht, wenn sich eines von ihnen entschließt fortan sein Leben hier zu verbringen? Wie sehr unterscheidet es sich von den equestrianischen Ponys und welche Änderungen bringt es möglicherweise für das Land oder die Mane six? Die Geschichte beginnt kurz vor der eintausendsten Sommersonnenfeier, als Twilight Sparkle von der Prophezeiung erfährt, aber wer genau ist dieses fremde Pony eigentlich und mit welch finsteren Mächten haben er und seinesgleichen es zu tun?

Teil 1: Das Fremdpony

1. Guck mal wer da liest

Die große Bibliothek von Canterlot. Betrat man sie durch eine der vier Rundbogen Doppeltüren fand man sich in einem großen Kreisrunden Saal wieder, wo weit oben das Licht der Sonne durch die große Glaskuppel schien. Am Boden befanden sich, neben einem Buchverleih auch Sitzgelegenheiten, sowie Tische, an denen sich bereits das ein oder andere Pony eingefunden hat und las. Stille wurde hier bevorzugt, auch wenn es nirgends geschrieben stand. Rundherum befanden sich über drei Stockwerke viele Bücherregale, die mit Büchern vollgestopft waren. Manch ein Pony würde sagen, es roch hier immer frisch nach Büchern.
So riesig war es. War es das? Das wusste Gloomy nicht. Eigentlich hatte er keine Vergleichsmöglichkeiten. Er wusste nicht einmal warum er eigentlich immer wieder hierherkam, denn lesen war, einfach ausgedrückt, nicht gerade seine Stärke. Vielleicht weil alle Einhörner, welche die Magie studierten, dies mithilfe geschriebener Worte taten? Vielleicht weil er nicht wusste wie er sonst studieren sollte? Vielleicht auch, weil Twilight ihn immer hierher schleifte? Wobei er sich allerdings auch nicht daran störte. Meistens half sie ihm dabei, die in seinen Augen niedergeschriebenen Rätsel in den Büchern zu verstehen. Allerdings nur solange sie nicht selbst auf etwas stieß, was ihre volle Aufmerksamkeit erforderte und das dauerte meistens nicht lange. Es gab auch einige Bücher welche ihren Inhalt mehr mittels Bilder herüberbrachten. Jene Bücher waren aber auch zumeist an Fohlen gerichtet und eher uninteressant für ein Pony, welches die Grundlagen der Magie schon verstanden hatte. Im Moment suchte er jedoch nichts Spezielles.
Gloomy Arcane war ein Einhorn und für einen durchschnittlichen Hengst von Equestria eher etwas kleiner. Er war ein mehr ländlich geprägtes Pony, weswegen er sich in der Stadt Canterlot eigentlich auch nicht unbedingt wohl fühlte. Viel zu Prunkvoll, viel Alltag und Trubel. Er vermisste ein wenig die Einfachheit von früher sowie das Reisen. Sein Fell war türkisblau, die zerzauste und stietzige kurze Mähne, sowie der etwas längere Schweif nachtblau und seine Augenfarbe tiefschwarz. Eine Besonderheit war sein leicht gekrümmtes Horn, wofür er sich hin und wieder ein paar verwunderte Blicke einfing. Vielleicht lag es daran, dass er nicht aus Equestria stammte? Dort wo er herkam hatten alle Einhörner so ein gekrümmtes Horn. Eine andere Besonderheit war natürlich der Schönheitsfleck. Eine ebenso nachtblaue schimmernde Spirale mit mehreren kleinen, schwarzen, sechszackigen Sternen darin. Diesem wohnte etwas Geheimnisvolles inne und das mochte Gloomy auch so daran. Er begeisterte sich sehr für die Magie. Jegliche Art davon und die Magie in Equestria war eine völlig andere als die, die er von seinesgleichen kannte.
Im Moment lief er gerade die Abteilung für einfache angewandte Magie ab und pickte sich ein Buch nach dem anderen heraus, welche er jedoch nach dem Durchblättern sogleich wieder verschloss. Er wollte Twilight nicht schon wieder um Hilfe bitten. Dann stieß er jedoch auf den Einband eines Buches, welche seine Aufmerksamkeit erregte. Architektonische Magie – Zauber dir dein Haus. Okay… nochmal. Architektonische Magie -. Er verstand worum es ging und seine Augen leuchteten, als er es sich vorstellte. Eine kleine bescheidene Hütte im Park, die man jederzeit wieder entfernen konnte bevor die Ordnungshüter von Canterlot einschreiten würden. Voller Begeisterung schlug er das Buch auf und diese ließ auch nicht nach, als er von den langen Sätzen förmlich erschlagen wurde. Er übersprang das Vorwort und kam gleich zum Anwendungsteil, atmete tief durch und begann zu lesen. Fang zunächst klein an. Gut, dachte er. Unwichtig. Stelle dir zunächst das gewünschte Material vor. Gewünschtes Material… was sollte er damit tun? Nochmal. Stelle dir zunächst… vor. Vor… was vor? Vormachen? Vorher? Gloomys Horn leuchtete dunkelblau auf, wodurch das Buch magisch in der Schwebe gehalten wurde. Dann kniff er die Augen zusammen und legte nun seinen Huf auf den bestimmten Teil im Satz, damit er ihn nicht mitlas. Stelle dir zunächst – vor. Vorstellen! Also schön, jetzt der andere Teil. Gloomy stellte sich auf die Hinterbeine und legte beide Hufe über die anderen Satzteile. - das gewünschte Material –. Ja! … Was war damit? Gloomy stöhnte missmutig. Es war wirklich verflucht. Er hatte noch keine Techniken entwickelt um das Problem zu umgehen. Er traute sich kaum darüber mit anderen Ponys zu sprechen. Wie oft geriet er deswegen schon in unangenehme Situationen? Die Freunde, die er hatte, wussten jedoch davon und akzeptierten es auch. Twilight hatte ihm mal vorgeschlagen, er solle sich einzelne Stichworte notieren, aber selbst das funktionierte nicht. Hin und wieder bildeten sie eine Lerngruppe und da war das auch völlig unproblematisch. Denn obwohl es bei ihm keinen Sinn machte zu lesen, so konnte er sich alles merken, was er hörte und auch was die anderen vormachten. Es gelang ihm nicht immer unbedingt sofort es nachzumachen, aber wenigstens verstand er es. Die anderen hatten ihn bei seinem ersten Leseversuch ausgelacht, waren aber wiederum begeistert als er es beinahe auf Anhieb geschafft hatte ein einfaches Objekt schweben zu lassen. Das ist heute natürlich ein alter Hut. Damals waren sie noch Fohlen.
Ungeduldig musterte Gloomy das Buch. Er wollte das wirklich gerne mal ausprobieren und trat vorsichtig hinter den Regalen vor. Twilight saß gerade mit hochkonzentriertem Blick mitten im Kreisrunden Saal am Tisch und war in ein Buch vertieft. Gloomys Herz sank irgendwo in die Magengegend. Er kannte diesen Blick. Sie jetzt anzusprechen war aussichtslos.
Twilight war ein Einhorn mit lila Fell und einer Mähne aus verschiedenen, gestreiften, dunklen Blautönen, darunter einem magentafarbenen. Ihr Schönheitsfleck bestand aus einem großen sechszackigen Stern, umgeben von kleineren weißen Sternen.
Vielleicht interessierte sie dieses Buch ja ebenfalls? Sein Blick wechselte zwischen Twilight und seinem Buch, bevor er den Entschluss fasste es zu versuchen und an sie herantrat.
„Ähm, Twilight?“, flüsterte er.
„Hm“, kam es nur, wobei sie nicht von ihrem Buch aufsah.
„Könnte ich dich einen Augenblick stören?“, fügte er immer noch flüsternd hinzu.
„Aha“.
„Naja. Es geht um ein Buch. Wie immer“, stammelte Gloomy vorsichtig.
„Hm ja“. Twilight bemerkte ihn gar nicht wirklich. Gloomy trat neben sie und warf einen Blick auf ihr Buch. Er kannte den Einband. Sie brütete nun schon seit einiger Zeit darüber. Er stupste sie vorsichtig an, worauf sie plötzlich aufschreckte.
„Sch!“, ertönte es darauf im ganzen Saal und böse Blicke wurden ihnen zugeworfen.
„‘Tschuldigung“, sagte Gloomy nur kleinlaut. Die Blicke senkten sich wieder und Twilight blickte genervt zu Gloomy und flüsterte: „Was ist denn, Gloomy?“.
„Dieses Buch hier…“, begann er aber Twilight unterbrach ihn: „Ich kann dir jetzt nicht dabei helfen. Wie du vielleicht siehst, bin ich gerade beschäftigt“.
„Aber ich dachte es würde dich vielleicht auch interessieren“, warf er hastig ein und ließ sein Buch hervorschweben, als sie gerade schon wieder ihren Blick senken wollte. Twilight besah sich kurz den Einband und drückte es desinteressiert weg.
„Das kenne ich schon“, sagte sie und wandte sich ab. „Die darin enthaltenen Zauber zählen zur höherstufigen Magie und sind damit sowohl für dich und für mich noch etwas zu anspruchsvoll“.
„Was?“, erwiderte Gloomy verwundert. „Aber das habe ich doch unter einfache Magie gefunden“.
„Dann beschwer dich doch an der Theke!“, entgegnete Twilight gereizt und wandte sich ihm wieder genervt zu. Gloomy war kein bisschen überrascht. Er wusste wie wütend Twilight wurde, wenn man sie mitten in ihrer Konzentration unterbrach. „Wer weiß wo du da schon wieder herumgeschlendert bist. Es ist sowieso ein Wunder, wie du es überhaupt an Prinzessin Celestias Schule für begabte Einhörner geschafft hast, wenn du nicht einmal richtig lesen kannst“.
„Hey, ich kann lesen“, antwortete Gloomy schlicht. Dann musste er kichern. „Komisch allerdings. Du klingst wie unsere Lehrerin. Sie hat damals genau dasselbe gesagt“.
„Aha“. Twilight wandte sich gelangweilt ab und schaute wieder in ihr Buch. „Wenn du mich jetzt entschuldigst. Ich möchte weiterlesen“.
„Es ist mir übrigens neu, dass du solange für ein einziges Kapitel brauchst“, bemerkte Gloomy. Er erkannte die aufgeschlagene Seite von Twilights Buch wieder, weil es Bebildert war. Darin waren auf einer Sonne sechs verschiedenfarbige Edelsteine, einer in der Mitte und die anderen darum herum befindlich. Ob allein dieses Bild schon Harmonie vermitteln sollte? „Ehrlich, seit die Sommersonnenfeier näher rückt, bist du noch abwesender als sonst und galoppierst eigentlich nur noch mit diesem Buch herum. Was natürlich kein Problem ist“, fügte er eilig hinzu, als Twilight ihm einen aufgebrachten Blick zuwarf. „Ich weiß ja, wie viel dir diese Feier bedeutet. Aber den Zusammenhang mit diesen Elementen der Harmonie sehe ich nicht“. Twilight riss nun anscheinend der Geduldsfaden, denn sie sprach auf einmal: „Schön“, schlug ihr Buch zu und wandte sich zum Gehen.
„Jetzt schon? Wo willst du denn hin?“, fragte Gloomy enttäuscht.
„Irgendwohin wo ich nicht dauernd gestört werde“, erwiderte Twilight verächtlich und trabte in Richtung des Ausgangs.
„Gut“. Gloomy war nun selbst missgelaunt. Manchmal war Twilights Versessenheit zu ihren Büchern wirklich anstrengend. Warum ist sie denn überhaupt hierhergekommen? Da fiel ihm noch etwas ein und er rief ihr hinterher: „Ach so, bis nachher bei Moon Dancer“.
„Sch!“, ertönte wieder das Zischen durch den Raum, gefolgt von den bösen Blicken der anderen.
„‘Tschuldigung“, erwiderte Gloomy erneut verlegen.
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