Die Geschichte von Durins Volk

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Dis Fili Gandalf Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
17.08.2019
13.09.2019
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Guten Abend,

Ich weiß es ist eigentlich schon Sonntag, aber ich hoffe das passt tz noch^^

Mein Dank gilt der lieben Thorin1416, die als Beta-Leserin einen hervorragenden Job macht!

Viel Spaß beim Kapitel!




Every beginning is hard

JULIA

Die anderen Vier warteten bereits, als sie in Maries Zimmer trat und sich zu ihnen setzte.
Es war noch verdammt früh, doch Marie hatte beschlossen, dass sie eine kleine Notfallsitzung abhalten müssten…um 4 Uhr morgens!
„Ist das nicht ein bisschen früh, Marie?“, gähnte Ben und sah so aus, wie sich Julia fühlte.
Leon saß mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck auf einem Stuhl und blickte ins Nichts.
Er war gestern einfach hinter Thorin hergelaufen, der alle zu ihren Zimmern geführt hatte, und war in seinem eigenen Zimmer verschwunden.
Julia konnte es ihm nicht verübeln, denn wenn sie ihren eigenen Tod vorausgesagt bekäme, wüsste sie nicht, wie sie reagieren würde.
Hannah sah noch ziemlich mitgenommen aus und ihr Gesicht glich dem einer Leiche.
Die einzige, die - wie immer - wirklich vor Energie und Tatendrang nur so strotzte, war Marie.
„Nein, für sowas ist es nicht zu früh!“, sagte sie streng und Ben seufzte.
„Ihr könnt euch sicher denken, worüber wir uns mal unterhalten sollten“ sagte Marie und blickte in die Runde.
„Naja, ich geh mal davon aus, dass du darüber reden willst, dass Hannah hier tatsächlich Visionen hat, oder die beste Schauspielerin Allerzeiten ist“ brummte Ben und gähnte wieder.
„Hat das nicht Zeit bis nach dem Frühstück?“ fragte er und kassierte einen weiteren strengen Blick von Marie.
„Dass Hannah Visionen hat ist eine Sache. Dass sie…naja…“, fing Julia an, doch Leon unterbrach sie: „Dass sie mich sterben gesehen hat?“
„Leon, du hast Gandalf gehört, das muss nicht passieren“, hauchte Julia und sah den Jungen, mit dem sie schon immer befreundet war, mitleidig an.
„Selbst, wenn es so kommt, wäre das sowieso der geringste Verlust“, seufzte er und Julia bemerkte, dass es ihm mehr zusetzte, als er zugab.
„Was redest du denn für einen Mist!?“ fauchte Hannah, die plötzlich aus ihrer Starre erwachte.
Leon hob abwehrend die Hände und Marie bemerkte entsetzt, dass er Tränen in den Augen hatte.
Auch Hannah, die eben noch verärgert dreingeblickt hatte, schien es bemerkt zu haben, denn sie nahm sanft seine Hand.
„Ist es euch noch nicht aufgefallen?“, fragte er verbittert und deutete auf alle.
„Was meinst du?“, fragte Ben ernst und auch Julia wusste nicht, worauf Leon hinauswollte.
„Naja, ich bin ein Mensch“, murmelte er dann und richtete seinen Blick auf den Boden.
„Ja klar bist du ein Mensch, ich doch au-“, fing Ben an, riss jedoch entsetzt über seine Erkenntnis die Augen auf.
„Nein Ben, du nicht und ihr anderen auch nicht“, sagte Leon und lächelte traurig.
Es herrschte eine Stille, die so erdrückend war, dass sich in Julias Hals ein Kloß bildete.
Daran hatte Julia überhaupt nicht gedacht.
Leon war als Einziger menschlich geblieben, während Julia und die anderen jetzt entweder Elben oder Zwerge waren.
„Na und?“, fragte Ben und zuckte mit den Schultern.
„Du stirbst nicht morgen und auch nicht in 50 Jahren. Wer weiß, was noch alles passiert. Es liegt in weiter Ferne und du solltest dir jetzt noch keine Gedanken darüber machen!“, sagte Ben und fügte hinzu: „Außerdem, falls du irgendwann mal ein alter Mann bist, während ich jung und wunderschön bin, werde ich dich gerne in einem Rollstuhl durch die Gegend schieben. An dem Tag, an dem du stirbst, springe ich eh von einer Klippe, ohne meinen Bruder kann ich nicht leben und es mit denen hier aushalten!“
Leon stand einfach auf und umarmte Ben, der die Umarmung erwiderte.
„Danke, du bist wirklich ein Bruder“, sagte Leon lächelnd und Julia war tatsächlich gerührt.
Ben hatte es geschafft, Leon neuen Mut zu geben und auch wenn Ben oft viel Mist redete, hier hatte all sein Taktgefühl der letzten 20 Jahre benutzt.
„Wie alt werden wir eigentlich, Marie?“ fragte Julia und alle blickten die Blonde interessiert an.
„Naja, so 250 bis 300 Jahre werden es schon werden“ antwortete sie mit einem Seitenblick auf Leon, der aber lächelte.
Nachdem das geklärt war, unterhielten sie sich noch über die Tatsache, dass Hannah tatsächlich eine Vision gehabt hatte und wieso es wohl passiert war.
Allerdings kamen sie zu keiner plausiblen Erklärung und gaben es irgendwann auf, sich darüber die Köpfe zu zerbrechen.
Es klopfte an der Tür und 5 Köpfe fuhren herum.
Als keiner Anstalten machte aufzustehen, erhob sich Julia und öffnete die Tür.
Dort stand ein Zwerg.
Um genauer zu sein, der Zwerg, der gestern rechts von Thorin gesessen hatte.
„Guten Morgen, ich hoffe, ich störe nicht“ sagte er und lächelte sie an.
Es war ihr gestern nicht aufgefallen, aber seine Augen hatten dasselbe wunderschöne Hellbraun wie seine Haare.
Ihr Herz begann schneller zu schlagen, als sie ihm direkt in die Augen blickte und eine leichte Röte breitete sich auf ihren Wangen aus.
„Julia, wer ist denn da?“ fragte Ben laut, offenbar hatte er seine Frage gerade widerholt.
„Ich…ähm…“ stammelte sie und trat beiseite, um den Zwerg einzulassen.
„Verzeiht, ich habe mich noch nicht vorgestellt. Mein Name ist Frerin, Sohn des Thráin“, sagte er, blieb jedoch vor der Tür stehen.
Frerin, der Name passte zu ihm, dachte Julia und schalt sich zwei Sekunden später eine Idiotin.
`Der Name passt zu ihm` äffte sie ihre eigenen Gedanken nach.
„Freut mich sehr, Euch kennen zu lernen“ meinte Ben und fügte hinzu: „Unsere Namen kennt ihr ja bereits.“
„Die Freude ist ganz meinerseits, aber mein Kommen hat einen Grund. Mein Vater schickt mich, ich soll euch zum Speisesaal bringen damit ihr mit uns frühstückt“, erklärte er lächelnd.
„Frühstück klingt gut, ich habe Hunger wie ein Bär“ sagte Ben und stand auf.
Frerin führte sie durch den Erebor und so oft, wie er eine Abzweigung nahm, war Julia schnell klar, dass sie den Weg niemals alleine gefunden hätten.
Die Speisehalle war weniger gigantisch als Julia erwartet hatte, jedoch lag das bestimmt daran, das hier offenbar nur die Königsfamilie aß.
In der Mitte des Saales stand ein langer Tisch, an welchem schon einige Zwerge saßen.
Am Kopfende des Tisches unterhielt sich gerade Thráin mit König Thrór, während Thorin gerade mit der Zwergin sprach, die wohl seine Schwester war.
„Setzt euch einfach“, verkündete Frerin und ließ sich neben seinem Bruder nieder.
Neben der Zwergin, die die einzige in diesem Raum zu sein schien, saßen zwei Kinder, der eine nicht älter als 5 Jahre und der andere etwa 10 Jahre alt.
„Das sind Fili und Kili“, raunte ihr Marie zu, die ihrem Blick wohl gefolgt war.
Julia musste grinsen, denn die beiden hatten schon jetzt nur Blödsinn/Flausen im Kopf.
Fili war nämlich gerade dabei, Kili mit Milch einzusauen, was Dís an den Rand eines Wutanfalls trieb.
Ben setzte sich neben den kleinen Kili und grinste ihn an.
^Da haben sich zwei gefunden^, dachte Julia schmunzelnd und setzte sich auf den freien Platz neben Frerin.
„Erzählt mir, wo ihr herkommt, aus welchem Zwergenreich stammt ihr?“ fragte dieser sofort, als sie sich gesetzt hatte.
Zwergenreich… verflucht sie war nicht Marie und hatte keine Ahnung was es alles für Zwergenreiche gab.
„Ich komme aus keinem Zwergenreich. Wir kommen alle aus demselben Land“ versuchte sie es einfach mit der Wahrheit, zumindest einem Teil davon.
„Das klingt sehr interessant. Sagt mir, leben bei euch Elben, Zwerge und Menschen in Frieden? Gibt es Orks?“ überfiel er sie gleich mit mehreren Fragen.
„Ja, wir leben alle gemeinsam und es gibt auch keine Orks. In unserem Land gibt es keinen Krieg“ erklärte sie.
Das war nur ein bisschen gelogen, schließlich wäre es blöd zu sagen, dass es sie - eine Zwergin - in ihrer eigentlichen Welt eigentlich überhaupt nicht gab.
„Keinen Krieg?“ fragte er und Erstaunen schwang in seiner Stimme mit.
„Könnt ihr dann überhaupt eine Waffe benutzen?“ fügte er hinzu und blickte auf ihr Schwert.
„Naja… man durchbohrt die Orks mit dem Spitzen Ende?“ meinte sie grinsend und Frerin lachte.
„Ja, das stimmt“, er machte eine Pause und meinte dann: „Also habe ich Recht in der Annahme, dass ihr nicht vertraut seid im Umgang mit Waffen?“
„Ja, wir sind nicht wirklich vertraut mit - im Umgang mit Waffen“, sagte sie und innerlich schimpfte sie mit sich.
Fast hätte sie `Im Umgang mit euren Waffen` gesagt, was weitere Fragen bedeutet hätte und sie war nicht erpicht darauf, Frerin zu erklären, was Gewehre und Kanonen waren.
„Nun, wenn ihr wollt, dann könnt ihr mit mir und Thorin später trainieren, ich kann euch gerne ein paar Grundlagen zeigen“, bot Frerin an und blickte sie erwartend an.
Ihr Herz machte einen Hüpfer und fröhlich bejahte sie seine Frage.

BEN

Das Brot und der Käse schmeckten einfach traumhaft.
Er ließ seinen Blick über die Tafel schweifen.
Er grinste leicht, als er Julia sah, die sehr angeregt mit Thorins Bruder Frerin redete.
Leon und Hannah waren ebenfalls in ein Gespräch vertieft und Marie unterhielt sich mit Gandalf, der ebenfalls dazu gekommen war.
Plötzlich spritzte ihm irgendetwas von der Seite her ins Gesicht, sodass er seine Augen schließen musste.
„KILI!“ kreischte es von rechts und er erkannte die Stimme von Thorins Schwester, dessen Namen er immer noch nicht wusste.
Er wischte sich grinsend die Milch aus dem Gesicht und blickte zu dem kleinen Zwerg hinab, der wie ein Häufchen Elend zu seiner Mutter emporblickte.
„Entschuldige dich bei dem Herrn Elb und danach will ich euch beide nicht mehr sehen bis wir zum Markt gehen!“ zischte sie und versuchte sich dann an einem Lächeln in seine Richtung.
„Entschuldigung“, grinste Kili ihn an und Ben konnte sich nur mit Mühe ein Grinsen verkneifen.
In den Augen des kleinen Zwerges stand soviel Schalk und Witz, sodass es wohl nicht lange dauern würde, bis er den nächsten Unfug anstellte.
„Kein Problem, Kleiner“ sagte Ben und zwinkerte ihm zu.
Kili grinste und marschierte dann mit seinem Bruder aus der Halle.
„Es tut mir furchtbar leid, Ihr kennt nicht einmal meinen Namen und meine Kinder… terrorisieren euch schon“, klagte sie und fügte nach einem Seufzen hinzu: „Ich bin Dís, Tochter von Thráin.“
„Mein Name ist Ben, freut mich, Euch kennenzulernen“, sagte er und besah sich die Zwergin etwas genauer.
Sie hatte ein hübsches, rundes Gesicht und lange, schwarze Haare.
Dís war etwas größer als Julia und Marie, schlank und hatte funkelnde blaue Augen.
Alles in Allem konnte man sagen, dass sie ziemlich gut aussah, aber sie war ja auch eine Prinzessin.
„Meine beiden Söhne habt ihr ja bereits kennen gelernt, Fili und Kili“ murmelte sie leicht verlegen und blickte entschuldigend drein.
„Wundervolle Kinder, erinnern mich an mich selbst als ich klein war. Ich hab auch nur alle Streiche gespielt. Leon und ich“, er deutete auf den Braunhaarigen, „waren so ähnlich wie Fili und Kili.“
„Wundervoll, aber fürchterlich anstrengend, ich frage mich ernsthaft, wie ich später meine Einkäufe in Thal erledigen soll mit den Beiden…“, sagte sie und ihre Stimme wurde immer nachdenklicher.
„Ihr erledigt Eure Einkäufe selber?“, entfuhr es Ben überrascht und Dís lachte.
„Ja, naja, manchmal tut es einfach mal gut, aus dem Berg herauszukommen“, erklärte sie dann und Ben verstand.
„Ich könnte Euch begleiten, wenn Ihr wollt“, schlug Ben ritterlich vor.
„Das würdet Ihr tun?“ fragte die Zwergin strahlend und Ben nickte.
„Klar“, erwiderte er nur und lächelte.
„Ich hoffe, Ihr wisst, worauf Ihr Euch da einlasst!“, meinte Dís nur und schmunzelte.
„Hey Leute, kommt ihr mit zum Training? Frerin hat angeboten, uns allen die Grundlagen im Schwertkampf zu zeigen“, rief Marie, die sich gerade zusammen mit Frerin erhoben hatte.
Ben blickte Dís fragend an.
„Ich will erst gegen Nachmittag los, trefft mich einfach nach dem Mittagessen am Tor, ja?“ sagte sie und Ben nickte.
Ben stand auf und folgte den anderen.
Der Trainingsraum war eine riesige Halle mit hölzernem Boden, Waffen aller Art und Schießständen, um das Bogenschießen zu trainieren.
Ben fiel auf, dass er nicht mal ein Schwert hatte, nur seinen Langbogen.
„Stellt euch bitte alle mal in einer Reihe auf“ sagte Thorin und die 5 taten wie ihnen geheißen.
„Wichtig ist, dass ihr beim Schwertkampf mit beiden Beinen im Gleichgewicht steht. Wenn euer Stand zu weit ist, könnt ihr schlecht beschleunigen und wenn euer Stand zu eng ist, fehlt euch die Stabilität“, erklärte er und Ben versuchte sich stabil hinzustellen.
„Ein weiterer Fehler ist“, sagte er und deutete auf Hannah, „…dass man zu weit nach vorne gebeugt steht. Ganz wichtig, euer Becken muss nach vorne“ erklärte er und korrigierte ihre Stellungen, bis jeder richtig stand.
„Denkt immer daran, dass ihr nicht nur mit eurem Schwert kämpft, sondern auch mit eurem Körper. Deswegen ist ein stabiler Stand mit das Wichtigste“, erklärte der Zwerg weiter.
Die erste richtige Übung war dann, dass sie alle durch die Halle liefen und auf Kommando in eine Kampfhaltung gingen.
Thorin ging herum und korrigierte, wo er nur konnte und wenn es nur die kleinsten Fehler waren.
Als Ben einmal gemurrt hatte, weil der Zwerg ihn getadelt hatte, dass sein Fuß einen Zentimeter falsch stand, war Thorin fast schon wütend geworden und meinte, dass jeder Zentimeter einen das Leben kosten konnte.
Danach stand Bens Fuß jedes Mal genau richtig.
Nach etwa einer Stunde beendete Thorin die Übung und gab Ben ein Schwert, welches seiner Größe entsprach.
„Stellt euch bitte wieder in einer Reihe auch, aber lasst zwei Meter Abstand zwischen euch“, rief Thorin und Ben hoffte, dass es jetzt endlich ans Kämpfen ging.
Thorin zeigte ihnen eine Reihe von Grundschlägen und Ausgangspositionen, die sie dann wiederholen sollten.
Leon entpuppte sich als Naturtalent und am Ende ihrer ersten Lehrstunde vollführte er mit Frerin einen kleinen Übungskampf unter Thorins Aufsicht.
Der Kampf war länger und weniger unausgeglichen, als Ben erwartet hätte.
Leon befand sich zwar nur in der Defensive, konnte aber viele Schläge von Frerin blocken oder ausweichen.
Allerdings ließ er sein Schwert für einen Moment sinken, was der Zwerg sofort ausnutzte und bevor Leon noch reagieren konnte, hatte er auch schon eine Klinge am Hals.
„Das war sehr gut, jedenfalls wenn es dein erster Kampf war“, meinte der junge Zwerg anerkennend und auch Thorin nickte ihm zu.
Ben hingegen war, wie er leider feststellen musste, kein geborener Schwertkämpfer.
Im Übungskampf mit Marie hatte er ständig seine Beinarbeit vernachlässigt und Marie hatte ein ums andere Mal seine Verteidigung durchbrochen.
„Okay, das wars für heute, ich würde sagen, dass euch Frerin noch etwas über das Bogenschießen erklärt und ihr euch morgen früh bei Meister Dwalin hier zum Schwertkampftraining meldet“, sagte Thorin und alle nickten.
Sie folgten dem braunhaarigen Zwerg zu den Schießständen und jeder bekam einen Bogen.
Frerin nahm nun seinen eigenen Zwergenbogen und stellte sich an den Schießstand.
„Also, Füße parallel zueinander. Kopf zum Ziel drehen, Bogenarm ausstrecken, sodass der Ellbogen nach außen zeigt und dann die Sehne spannen“, erklärte er und feuerte einen Pfeil ab, der genau in die Mitte der Zielscheibe traf.
„Versucht es alle einfach mal“ sagte er und jeder stellte sich an seinen eigenen Schießstand, es gab in der riesigen Halle ja genug.
Ben stellte sich hin, legte einen Pfeil an die Sehne und spannte den Langbogen.
Es fühlte sich irgendwie richtig an, er konnte das Gefühl nicht beschreiben, aber er war sich sicher das sein Pfeil ins Ziel treffen würde, als er die Sehne losließ.
Mit einem dumpfen laut bohrte sich sein Pfeil direkt in die Mitte der Zielscheibe.
„Wie hast du das gemacht?“, fragte Leon, der neben ihm stand und mit offenem Mund auf Bens Zielscheibe starrte.
„Tja ich bin eben gut“, flötete Ben und Leon rollte mit den Augen.
Sein Pfeil war einen Halben Meter über die etwa 25 Meter entfernte Zielscheibe geflogen.
Marie und Julia hatten beide das Gestell der Zielscheibe getroffen, jedoch die eigentliche Scheibe verfehlt.
Die Einzige, die ebenfalls die Zielscheibe getroffen hatte, war Hannah, wenn auch nur am äußeren Rand.
Sie übten weiter und jeder von Bens Pfeilen landete genau im Schwarzen.
Frerin meinte irgendwann, dass Ben mal auf ein weiter entferntes Ziel schießen sollte und erhöhte die Schussdistanz auf etwa 50 Meter.
Doch auch hier traf Ben die Zielscheibe, wenn auch nicht in die Mitte.
„Du kannst mir doch nicht erzählen, dass du noch nie einen Bogen in der Hand gehabt hattest!“, rief Frerin überrascht, doch Ben schüttelte den Kopf.
„Unglaublich, dafür brauchen andere Monate und einige“, er warf Leon einen Blick zu, „werden es wohl bei kurzen Distanzen belassen müssen.“
Leon blickte säuerlich drein, denn er hatte von den letzten 10 Pfeilen gerade mal einen in der Scheibe versenkt.
„Also, wenn du gegen einen Troll kämpfst und er 5 Meter vor dir steht bin ich mir sicher, dass du ihn triffst“, lachte Ben und die anderen stimmten mit ein.
Nachdem er kurz böse dreingeblickt hatte, konnte sich auch Leon nicht mehr zurückhalten und lachte mit.
Frerin beendete das Training und sie gingen zum Mittagessen, welches sie auch alle bitter nötig hatten.
Während sie Steak mit Kartoffeln aßen, besprachen die Fünf, was sie an dem Nachmittag noch vorhatten.
Ben erklärte, dass er mit Dís und ihren Söhnen nach Thal gehen würde.
Julia verkündete stolz, dass ihr Frerin den Erebor zeigen wollte und Ben musste sich einen Spruch verkneifen, da sie strahlte wie ein Honigkuchenpferd.
Leon, Hannah und Marie würden einen Ausritt machen und die Landschaft um den Erebor erkunden.
Gandalf hatte angeboten, sie zu führen und zur großen Überraschung aller, wollte Thorin sie begleiten.
Nach dem Mittagessen hatte Ben vor, direkt zum Haupttor gehen, verlief sich aber und wurde glücklicherweise von Dís gerettet, die gerade mit Fili und Kili dorthin unterwegs war.
Vor den Toren warteten bereits zwei Zwerge, die ein Pony für Dís und Fili - der mit seinen 10 Jahren wohl schon reiten konnte - und Bens Pferd bereit gemacht hatten.
„Mama ich will auch alleine reiten“ jammerte Kili, als seine Mutter ihn vor sich auf das Pony setzte.
„Kili, wie oft noch, du bist noch zu jung!“ sagte sie bestimmt und Kili begann zu weinen.
„Ich will aber“, schluchzte er und Dís schloss kurz die Augen.
„Wie wäre es, wenn du bei mir mit reitest?“ fragte Ben und so schnell wie er zu weinen begonnen hatte, hörte er auch wieder auf.
Seine Augen begannen zu leuchten und er nickte.
„Bedank dich bei Herrn Ben!“, sagte Dìs und Ben lachte laut auf.
„Was ist?“, fragte sie verwundert, während Ben Kili vor sich platzierte.
„Herrn Ben, so hat mich noch keiner genannt. Ich bin einfach Ben“, sagte er und lächelte.
„Wenn das Eurer Königlichen Hoheit genehm ist“, fügte er theatralisch hinzu und deutete eine Verbeugung an.
„Witzbold“ kommentierte Dís nur, lachte aber.
Sie ritten los, Fili immer ein gutes Stück voraus und Dís gab die Versuche, ihn bei sich zu halten, irgendwann auf.
Da Kili erst 5 Jahre alt war, schlief er nach ein paar Minuten ein und Dís erklärte, dass er immer noch seinen Mittagsschlaf brauchen würde, was daran läge, dass er den ganzen Tag nur am Unfug machen war.
„Du hast zwei wirklich wundervolle Kinder“ bemerkte Ben, während er den schlafenden Kili von oben herab musterte.
„Ja, das habe ich, aber es ist manchmal nicht einfach. mich alleine um sie zu kümmern. Natürlich helfen mir Thorin und Frerin oft, aber es ist nicht dasselbe wie…“, erzählte sie und Ben merkte schnell, dass es Dís schwerfiel, über dieses Thema zu sprechen.
Dennoch konnte er seine Neugierde nicht zurückhalten.
„Wie meinst du das, alleine?“ fragte er und ihr Blick wurde traurig und enttäuscht.
„Du hast sicher schon bemerkt, dass ich keinen Mann habe oder besser gesagt, dass den Beiden ein Vater fehlt. Als ich mit den Beiden schwanger war, hat er mich verlassen. Es ging ihm zu schnell, die Heirat und dann Kinder. Er ist zurück in seine Heimat gegangen und vor drei Jahren habe ich erfahren, dass er getötet wurde. Ich weiß nicht wie und es interessiert mich auch nicht!“ sagte sie und zischte die letzten Worte.
Ben blickte sie traurig an und offenbar missverstand sie seinen Gesichtsausdruck.
„Oh bei Durin, es tut mir leid, ich wollte Euch nicht volljammern“, sagte sie und versuchte ein entschuldigendes Lächeln.
„Nein, nein ich höre Euch gerne zu. Ich weiß, wie es ist, keinen Vater zu haben“, erklärte Ben und Dís blickte erstaunt auf.
Auf ihren fragenden Blick hin, begann er zu erzählen „Als ich klein war, ist er bei einem Ausritt von Banditen getötet worden.“
Fast hätte er „Autounfall“ gesagt und dann hätte er Dís erklären müssen was ein Auto war.
„Ich habe keine Erinnerungen an ihn, ich war noch zu klein“, fügte er traurig hinzu, da seine Mutter niemals über den Verlust hinweggekommen war und sich auch bis heute nicht mehr verliebt hatte.
„Das tut mir leid, Ben“, flüsterte Dís schon fast und diese 5 Worte ließen ihn wieder lächeln.
„Das muss es nicht, ich habe ihn ja nie gekannt“, meinte er nur und legte einen Arm um den schlafenden Kili, der in eine gefährliche Schieflage geraten war.
„Bei Durin, ich reite hier so und Ihr müsst euch mit meinem schlafenden Sohn abmühen“, klagte sie und streckte ihre Hände aus, um Kili auf ihr Pony zu ziehen.
„Das mache ich doch gerne, er würde nur aufwachen, wenn du ihn jetzt zu dir nimmst“, sagte Ben und lächelte.
Der Blick, den ihm Dís daraufhin zuwarf, ließ sein Herz höherschlagen.
In ihm lag Zuneigung und Anerkennung.
Sie lächelte ihn an und es war ein sehr tiefes, bedeutsames Lächeln.
Ein paar Minuten später durchquerten sie die Tore Thals und banden ihre Pferde an einem dafür vorgesehenen Pfosten fest.
Dís marschierte sofort zum Marktplatz, denn sie wollte noch etwas Stoff kaufen, aus dem sie Mützen für Fili und Kili machen wollte.
Fili war verschwunden, aber das war laut Dís immer so.
Kili saß auf Bens Schultern, was dem kleinen Kerl ganz gut gefiel, da er so viel mehr sehen konnte.
Sie schlenderten, nachdem Dís ihre Stoffe erworben hatten, über den Marktplatz, der verdammt groß war.
Es gab gefühlt hunderte Stände, von denen die Hälfte irgendwelche Lebensmittel verkaufte.
Wenn Dís Kili alles gekauft hätte, was er haben wollte, hätten es nicht mal die beiden Ponys und Bens Pferd tragen können.
Er bekam irgendwann ein kleines Törtchen, welches ihm seine Mutter kaufte, nachdem Kili fast in Tränen ausgebrochen war.
Plötzlich gab es einen Tumult etwas weiter vorne.
Ben setzte Kili ab und kämpfte sich durch die Menge.
„WAS GLAUBST DU, WAS DU DA TUST!?“, brüllte ein großer bulliger Mann einen kleinen Jungen an, der angefangen hatte, zu weinen.
„DU HAST MEIN SCHWERT RUINIERT, DAFÜR WIRST DU BEZAHLEN!“, donnerte er und holte mit seiner Faust aus, um den Jungen, den er am Kragen gepackt hatte, zu schlagen.
Ben erkannte mit Entsetzen, dass der kleine Junge kein Geringerer war als Fili, der angsterfüllt zu dem bulligen Mann aufblickte, der wohl der Verkäufer war.
Innerhalb einer Sekunde hatte Ben seinen Langbogen gezogen, einen Pfeil eingelegt und ihn abgefeuert.
Gerade, als der Mann mit der flachen Hand Fili eine Ohrfeige geben wollte, durchschlug der Pfeil seine Hand.
Der Mann brüllte vor Schmerz auf und ließ Fili los, der sofort zu Ben rannte und sich hinter ihm versteckte.
„DU WAGST ES, AUF MICH ZU SCHIEßEN ELB?“ schrie der Verkäufer und schnappte sich ein Schwert von seinem Stand.
„Der nächste Pfeil“, sagte Ben und spannte den Bogen erneut, „trifft Euch zwischen die Augen!“
Der Bullige stoppte in seiner Bewegung und blickte Ben hasserfüllt an.
Die Menschenmenge, die sich um das Geschehen gebildet hatte, teilte sich plötzlich und Dís kam, gefolgt von zwei Wachen aus Thal, herbeigeeilt.
„Was ist hier los?“ fragte sie und blickte auf den Mann, der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden saß und dann zu Ben, der immer noch seinen Bogen erhoben hatte.
„Prinzessin Dís, gut das Ihr hier seid“ säuselte der Bullige.
„Dieser kleine Rotzlöffel da“, spuckte er aus und deutete auf Fili, „hat eines meiner Schwerter umgeworfen und als ich ihm ein paar Manieren beibringen wollte, hat dieser Elb hier auf mich geschossen.“
Dís ging langsam auf den Mann am Boden zu, machte vor ihm Halt und besah sich seine Hand, in der noch immer der Pfeil steckte.
„Dieser kleine Rotzlöffel, den ihr schlagen wolltet“, fing sie an und riss dann mit einem heftigen Ruck den Pfeil aus der Hand des Mannes, sodass er aufschrie vor Schmerzen, „…ist mein Sohn und Prinz Fili vom Erebor. Ihr könnt von Glück sprechen, dass ich euch nicht einsperren lasse!“
Die letzten Worte hatte sie ruhig ausgesprochen, aber es lag eine Drohung darin, dass Ben nicht in der Haut des Verkäufers stecken wollen würde.
Es war totenstill auf dem Marktplatz, alle hatten dem Geschehen gelauscht.
„Kommt!“, sagte sie harsch zu Kili und Fili und lief auf schnellstem Wege zurück zu den Ponys.
Ben folgte ihr schweigend.
Auweia, Dís sah ziemlich sauer aus… . Vielleicht hatte er zu voreilig gehandelt?
Aber als er Fili in Gefahr gesehen hatte, war etwas in ihm geweckt worden, was er noch nie zuvor gespürt hatte.
Es war schon dunkel, als sie ihre Pferde vor die Tore der Stadt führten.
Dís hatte bis jetzt kein Wort gesprochen, doch nun drehte sie sich zu ihm um und wartete, bis er genau vor ihr stand.
Ben blickte ihr in die Augen und versuchte Anzeichen von Ärger darin zu finden, doch er fand nichts dergleichen.
Plötzlich packte sie ihn, zog ihn ein Stück herunter, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
Bens Herzschlag beschleunigte sich sofort auf 180 und er hoffte, dass sie es nicht schlagen hörte.
Die Stelle, an der ihre Lippen seine Wange berührt hatten, glühte förmlich und ihm wurde heiß.
„Danke Ben, dass du meinen Sohn beschützt hast“, hauchte sie und ihr warmer Atem streifte seinen Hals.
Am liebsten hätte er jetzt die Augen geschlossen und einfach nur den Moment genossen.
„Das…also…das war doch selbstverständlich“, stotterte er und lächelte sie an.
Sie lächelte einfach nur und stieg dann auf ihr Pony.
Kili wollte wieder bei Ben mitreiten und schlief natürlich nach 10 Minuten tief und fest.
Den gesamten Rückweg unterhielt sich Ben mit Dís und noch niemals zuvor in seinem Leben hatte er sich so gut unterhalten…fand Ben.
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