If you ever come back to me

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
16.08.2019
16.08.2019
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Wie konntest du das tun? Diese Dinge sind etwas mit denen ich dir vertraut habe. Wenn es dir so unangenehm gewesen ist, dann hättest du es mir auch einfach sagen können. Mir, und nicht der halben Welt. Hast du eigentlich eine Ahnung, wie bloßgelegt ich mich fühle? Ist dir überhaupt klar, wie sehr mich diese Aktion verletzt? Ist für dich alles eigentlich nur ein Witz?!

Krist hatte Singto noch nie derart aufgebracht gesehen. Doch was am meisten schmerzte war, die beinahe greifbare Enttäuschung die er bei ihm ausmachen konnte.

„Ich denke es ist genug.“


***


Krist fühlte sich miserabel.

Ein Zustand der ihn nun schon seit Wochen begleitete und gegen den er einfach nicht ankam, egal was er auch dagegen versucht zu unternehmen.

Dass er es verdiente stand außer Frage.

Somit hatte er irgendwann schließlich aufgegeben und ließ das bedrückende Gefühl, einen Teil seiner selbst verloren zu haben, sich bei ihm einnisten.

Wie hatte er es nur soweit kommen lassen können?

Drei Jahre.

Drei Jahre denen er mit nur einem Schlag sämtliche Farbe genommen hatte.

Schwarz-weiße Erinnerungen, als lägen Jahre über Jahre zwischen ihnen.

Wann hatte er ihre Beziehung nur als selbstverständlich, ewigwährend ansehen können?

Wann hatte er vergessen können, wie zerbrechlich diese Welt war, in der sie nicht für sich, sondern für ihre Fans und ihre Popularität zu existieren hatten?

Drei Jahre und er hatte nichts begriffen.

Es war wie eine große, bunte Show, durch deren gelle Lichter er sich zu oft geblendet sah.

Bereitwillig.

Was dahinter lag schien nicht von großer Relevanz, denn er war nicht allein.

Singto hatte ihn stets an die Hand genommen. Nicht nur als eine Metapher, sondern oft genug wortwörtlich.

Und nun wo dieser Halt verschwunden war, zeigten auch die Lichter nicht mehr als ein apathischen Flackern, das nach und nach verlosch.

Warum hatte er nicht sehen können, dass der hellste Punkt in all diesem Irrsinn stets neben ihm gestanden hatte?

Wenn er zurück dachte, daran wie alles angefangen hatte, konnte er nicht anders als ein melancholisches Lächeln aufzusetzen.

Es machte nie den Eindruck, als wäre es einfach. Doch er hatte auch nie gedacht, dass er jemanden finden würde, der so nahtlos mit ihm zusammenwachsen würde.

Er hatte Singtos zurückhaltende und reservierte Art mit Schüchternheit verbunden, die merkwürdig erschien, dachte er daran, dass sie sich nicht fremd waren. Sie kannten einander von der Uni, zwar flüchtig, aber mit einer völlig anderen Dynamik.

Es hatte seine Neugier geweckt und es ihn mehr und mehr zu ihm hingezogen.

Er mochte es Singto aufzuziehen, ihn in Verlegenheit zu bringen, ihn irgendwie ein Stück aus seiner gläsernen Kuppel zu locken. Die Person zu sehen, die unter diesem biederen Mantel steckte.

Es war wie eine Schatzsuche, der er mit kindlichen Eifer folgte.

Und je mehr Lagen er zurückschlagen konnte umso aufregender wurde es.

Umso mehr wollte er.

Umso mehr wagte er.

Es war ein völlig anderes Gefühl von Nervenkitzel.

Zu erleben, das man ihm irgendwann entgegen kam, das sie auch dann noch immer einander ergänzten.

Es war ihre eigene kleine Welt geworden.

Singtos Verwandlung war etwas, das ihn selbst ab und an etwas ins Straucheln bringen konnte.

Wann immer dieser ihm ohne Verlegenheit in die Augen schaute, ihn nahezu herausforderte und er stets darunter ins Wanken geriet, egal wie oft er sich dieser Sache auch stellte.

Es war die Wärme in dessen Augen die ihn stets irritierte. Dieses Selbstbewusstsein, nichts zu tun für das er sich Verlegen fühlen musste. Es war diese Selbstverständlichkeit, die er nie für sich selbst festigen konnte.

Wann immer Singto lächelte, sei es das er es für sich tat oder offen zeigte. Es war so selten, dass es nicht ehrlich wirkte.

Dass er sich dazu zwingen musste.

Er zeigte es großzügig und in allen Fassetten und seine Fans liebten ihn für diese unverfälschte Ausstrahlung.

Ihm selbst fiel es manchmal schwer, sich nicht verschämt zu fühlen, wenn dieser ihn mit derart viel Gefühl betrachtete, das es ihm ein zugetanes Lächeln wert war.

Wann immer Singto ihm durch die Haare strich. Egal ob er es aus einem neckenden Impuls heraus tat, er ihn zurecht machte, wenn nötig. Oder er ihm einfach nur sanft darüberstrich, manchmal selbstvergessen, wenn er über etwas anderem brütete. Manchmal auch weil dieser wusste, dass es ihnen beiden ein entspanntes Gefühl verschaffte.

Es war eine Gewohnheit geworden, die ihm im geheimen etwas verunsicherte, wenn er es zu sehr genoss, wenn ihm bewusst wurde, dass es nicht der Norm entsprach, dies auch noch zu tun, wenn es nicht darum ging, Fantasien zu vermarkten.

Wann immer dieser ihn umarmte. Es war kein Vergleich mehr zu ihren Anfängen, wo Singto sich selbst unter einem Arm, den man ihm über die Schulter legte verspannte und dies dann auch nur für einem Augenblick zuließ. Er hatte es gern dazu genutzt um ihn zu ärgern, bis dieser es Stück für Stück akzeptierte und es letztendlich für sich selbst entdeckte.

Singtos Umarmungen waren mit allem versehen, dass solch eine Geste vermitteln sollte.

Es überwältigte ihn manchmal, wie einfach es für ihn war, sich darauf einzulassen. Selbst diese Art von Kontakt zu initiieren, einfach weil er wusste wie gut es tat zu spüren, dass sie nicht weniger innig erwidert wurde.

Es nicht als zu viel des Guten zu empfinden, auch wenn es diese mahnende Stimme manchmal versuchte ihm einzureden.

Er genoss diese gern gegebene Nähe und deren herzliche Wärme.

Wann immer er ihn mit einer Hand berührte. Die kleinen versteckten oder flüchtigen Gesten, die manchmal einfach aus dem Affekt passierten. Das Festhalten, sei es das er ihn nicht für irgendeine Albernheit entwischen lassen wollte, oder sei es weil er einfach nur die Bestätigung brauchte das jemand an seiner Seite war, der all diesen Rummel mit ihm gemeinsam durchstand.

Es war diese eher intime Geste, mit welcher Singto seine Hand ab und an auf seinen Oberschenkel platzierte, und diesen stets etwas streichelt, die ihn sich seltsam offengelegt fühlen ließ, das er es zwar tolerierte aber auch ein wenig durchatmete, wenn man wieder von ihm abließ.

Wann immer sie sich küssten…

Es gab eine Zeit, wo er darüber nachgedacht hatte.

Natürlich hatte er das.

Denn auch wenn es nur diesem aufgezogenen Schauspiel galt, war es noch immer eine Geste, die großes Gewicht hatte. Etwas das man so gesehen nicht einfach so verkaufen sollte. Und es ließ sie beide zu Beginn stets etwas peinlich berührt zurück.

Bis es irgendwann, nicht Gewohnheit, aber einfacher wurde. Einzig, weil sie gelernt hatte es miteinander als etwas zu sehen, dass ihre Freundschaft nicht beeinflusste und man es sogar mit einen Schmunzeln tun konnte.

Er wusste, dass all diese Dinge etwas für Singto bedeuteten, das er sie nicht einfach nur tat, weil er ihn durcheinander bringen wollte. Sondern weil er etwas…. jemanden brauchte der ihn erden konnte.

Er fragte sich manchmal, wie viel Kraft und Überwindung es Singto wirklich gekostet haben musste sich derart anzupassen. Wieviel Zeit er allein damit verbracht haben musste sich einzureden, dass es das alles auch wert war.

Dass es das war was er wollte.

Er selbst hatte manchmal mit all der Hektik und Beachtung mehr zu kämpfen, als er glaubte Kraft übrig zu haben. Wie musste es dann für jemanden sein, der in der Introvertiertheit seine Energie speicherte?

Er hatte ihn nie gefragt, sondern nur darauf geachtet was er tatsächlich vor Augen hatte, was er zu Ohren bekam.

Und genau diese Oberflächlichkeit hatte ihn abstumpfen lassen.

Singto hatte ihn nie an eine Leine legen wollen. Auch wenn er ihn hier und da zur Vernunft rufen musste, so hatte er ihm dennoch seine Freiheit gelassen.

Ihn den sein lassen der er war.

Nun musste er einsehen, dass er einen erbärmlichen Freund abgegeben hatte und die Konsequenzen schmerzten jeden weiteren Tag in denen er zu spüren bekam, was er ruiniert hatte, mehr.


***


Wie so oft in letzter Zeit beobachtete Krist Singto mit schwerem Herzen, und einem beständig wachsendem Gefühl von Einsamkeit. Er war froh, dass er wenigstens hinter der Bühne nicht so tun musste, als wäre alles in Ordnung mit ihm.

Als Singto meinte es wäre genug, wusste er sofort, dass es davon kein Erholen mehr geben würde. Dass er es wirklich geschafft hatte dessen unerschütterlich wirkende Geduld zum Zerbrechen gebracht zu haben.

Es war der Anfang vom Ende.

Noch am selben Tag hatte Singto sich mit ihrem Management in Verbindung gesetzt und mit eisernen Unnachgiebigkeit verlauten lassen, dass er sobald wie möglich aus seinem Vertrag aussteigen wollte.

Man hatte ihn nach den Gründen gefragt und versucht ihn zu überreden nichts zu überstürzen. Aber Krist wusste das Singto nicht der Typ war kopflos zu handeln. Das dieser womöglich schon länger diese Option in der Rückhand behalten hatte.

Es warf die Frage auf, ob Singto es hatte kommen sehen?

Wo er nur die Aufmerksamkeit und den Trouble nutzte um sich zeigen zu können, hatte dieser sich am Ende schon längst mit der Tatsache befasst, das alles irgendwann zu einem Abschluss kommen sollte.

Singto war anständig genug, dass er seine… ihre Fans nicht einfach hängen ließ, indem er sich plötzlich zurückzog.

Deswegen waren sie auch noch immer unterwegs, um ihre letzten Fan Meetings zu bestreiten und danach das offizielle Ende zu verkünden.

Und auch wenn es nicht das Ende von allem war, war es so unglaublich anstrengend, wie es selbst zu Beginn ihrer Popularität nie gewesen war.

Es war immer nur ein Akt gewesen, der sie als die verliebt wirkenden jungen Männer zeigte, die die Fans sehen wollten. Und solange man es dabei beließ, hatte er kein Problem damit diese Rolle zu spielen.

Doch jetzt fühlte es sich einfach nur noch falsch an.

Eben weil Singto nichts durchscheinen ließ, wie es um sie stand, wenn sie dann auf all diesen unterschiedlichen Bühnen standen und er mit ihm umging als lege ihre Image hinter den Kulissen nicht in Scherben.

Es war erdrückend, denn auch wenn der Schein noch immer stabil genug erschein, so war doch sämtliche gewohnte Wärme aus Singtos Verhalten ihm gegenüber gewichen. Egal wie oft dieser ihn ansah. Egal wie nahe sie sich standen. Jede Berührung war wie rauer Herbstwind, der den Sommer viel zu früh vertrieben hatte.

Und egal wie sehr er versucht wenigstens noch einen verirrten Funken einzufangen, der von den Überresten ihres einstigen Miteinander übriggeblieben war, brachte es nicht das zurück, wonach ihm verlangte.

Die anderen hatte sehr wohl bemerkt, dass etwas gravierendes zwischen ihnen stand, doch aufgegeben hatten etwas zu hinterfragen, als keiner von ihnen mit einer ehrlichen Antwort herausrückte.

Dennoch nahm er an das wenigstens zwei ihrer Freunde Bescheid wussten.

Immerhin war der Grund für diese Misere noch immer im Internet zu finden.

Krist schüttelte hilflos den Kopf über seine Dummheit.

Selbst einige ihrer Fans hatten in Kommentaren dazu gemeint, dass er zu weit gegangen wäre, Singto so bloßzulegen.

Und sie hatte Recht!

Singto hatte ihm vertraut, als er zu ihm gekommen war, in der Hoffnung das, von allen Personen die er kannte, er derjenige sei, der ihn vorurteilslos verstehen würde. Dass er verstand, dass es ihm manchmal einfach zu viel wurde. Dass er ab und zu etwas brauchte das ihm wenigstens ein Stück Geborgenheit vermittelte. Dass er sich trotz allem auch einmal einsam fühlte.

Die Nähe die dieser gesucht hatte, wenn sie nur unter sich waren, das Bedürfnis ihn einfach bei sich halten zu wollen, bis er einschlief. Die unsicheren Gesten, ob er ihm tatsächlich erlaubte ihn berühren zu dürfen, ohne das er ihn zurückwies. Die Hand auf seinem Bauch, wenn er sich zum Schlafen an ihn geschmiegt hatte und die leicht darüber strich, die stets geisterhafte Präsenz von dessen Lippen auf seiner Haut, die doch nie zu weit gingen. All das waren Dinge mit denen Singto ihm vertraut hatte.

Bedingungslos vertraut hatte.

Nur um dann miterleben zu müssen, wie er diese intime Vertrauensbeweis selbstverständlich in die Welt breittrug.

Diese endlose Enttäuschung die er nun stets in dessen Gesicht sehen konnte, sobald sie nichts mehr vorzugeben hatten und sich ihre Blicke doch einmal trafen, war wie hungrige Krähen die ihn Stück für Stück auseinander pickten um sich zu sättigen.

Sie sprachen kaum noch ein Wort, wenn es nicht sein musste. Auch dass er sich aufrichtig entschuldigt hatte, brachte keine Erleichterung mit sich, hatte Singto nur stumm genickt und war gegangen.

Es war, als hätten die letzten drei Jahre nie wirklich existiert.

In allen Szenarien, wie sich ihre Wege vielleicht einmal trennen könnten, hatte er nie daran gedacht, dass sie dies am Ende als Fremde tun würde.
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