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Seelenwächter: Memories of Nobody

von Tikky
Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Fantasy / P18 / MaleSlash
Alexy Armin Castiel Nathaniel OC (Own Character)
16.08.2019
22.03.2022
10
25.153
1
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2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.08.2019 2.347
 
Alles klar, weil die Geschichte auch auf SA im Forum zu finden ist und da schon Kapitel 1 lesbar ist, wollte ich das direkt nachlegen und hier ist es auch schon ^^
Es hat allerdings jemand geschafft, mich zu überraschen und den Prolog bereits zu kommentieren. An dieser Stellen vielen lieben Dank an Valilolette.
So, jetzt aber viel Spaß beim Lesen (hoffe ich) ^^

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Chapter 1: Vibrant Colors


Ich fahre beinahe aus der Haut, als mich ein lautes Krachen aus meinem Tagtraum reißt. Das Geräusch würdige ich bloß mit einem Grummeln, in Verbindung mit einem Blick von dem ich hoffe, dass er so drohend aussieht, wie ich ihn mir vorstelle.
Der Blauhaarige neben mir bricht für einen Moment in schallendes Gelächter aus, dann greift er nach meiner Schulter. »Du hast bestimmt wieder die ganze Nacht gezockt, was?«
Knurrend mache ich meinem Unmut Luft, entgegne jedoch nichts, was er als Eingeständnis zu sehen scheint. Mir soll es recht sein.
Mir steckt jetzt noch das Herz in der Hose, von dem kleinen Infarkt den ich hatte, als ich schweißgebadet in meinem Bett saß. Was zur Hölle hab ich getan, um in meinen Träumen von einem scheiß tollwütigen Dämonenköter gefressen zu werden? Ich überlege noch, ob ich vielleicht in letzter Zeit einen thematisch ähnlichen Horrorfilm gesehen haben könnte, doch verwerfe den Gedanken wieder. Daran könnte ich mich sicher erinnern. Abgesehen davon müsste er ja schließlich einen ziemlichen Eindruck hinterlassen haben, wenn er sich bis in meine Träume schleicht.
Einen ähnlichen Traum hatte ich vor einer Weile schon, doch er war viel undeutlicher. Und ohne den Monsterhund. Aber ich war auf dem Friedhof, könnte ich schwören. Keine Ahnung, ob es derselbe war.
Der Traum von letzter Nacht kam mir so real vor … Wenn ich nur daran denke, bekomme ich schon Gänsehaut. Es schüttelt mich beinahe, doch ich unterdrücke das Bedürfnis, um nicht aufzufallen, als ich mich zwischen den anderen und den Schulbänken bis zu meinem Platz hindurchquetsche.
Ich ziehe seufzend einen Stift aus meiner Schultasche, zusammen mit einem Block und einem Schulbuch. Doch selbst als Faraize in den Raum kommt, kann ich meine Gedanken nicht dem Unterricht zuwenden. Es ist schon Donnerstag. Fast Wochenende.
Eigentlich hatte ich mich auf ein schönes, entspanntes Date mit meiner Konsole gefreut. Aber so wie ich mich jetzt fühle, verdirbt mir das den ganzen Spaß. Außerdem hat mich Alexy gestern Abend darum angebettelt, am Samstag mit ihm Shoppen zu gehen.
Vielleicht war der Traum ja so eine Art böses Omen oder meine Psyche, die versucht, das Wissen um den bevorstehenden Verlust meiner Lebenszeit zu verkraften, wer weiß? Tiefer in den Sitz sinkend, rolle ich meinen Kuli zwischen den Fingerspitzen, die Worte des Lehrers so weit entfernt wie das Nörgeln von Alexy im Hintergrund, wenn ich gerade damit beschäftigt bin, einen Dungeon voller Monster zu erobern.
Nein, Moment! Mit einem Mal lasse ich den Stift fallen und setze mich auf, um mir mit beiden Händen auf die Wangen zu klatschen. Hör auf mit dem Scheiß, Armin! Wegen einem Traum wirst du dir doch wohl kaum das Wochenende vermiesen lassen, oder?
Ich mein, was ist überhaupt besonders daran? Ich hatte in den letzten Wochen öfter irgendwelche merkwürdigen Träume. Ja, der von letzter Nacht hat mich echt erwischt. Mein Herz ist mir fast aus der Brust gesprungen und es hat sich alles so echt angefühlt, dass ich es bis jetzt noch nicht vergessen kann. Aber ein Traum ist ein Traum. Wer wäre ich, wenn ich mich davon beeindrucken lassen würde?
Das kommt doch alles nur davon, dass ich hundemüde bin, weil ich mich nach diesem blöden Traum gefühlt hab, als hätte ich seit Jahren nicht mehr geschlafen. Dabei war ich keine Minute später als halb eins im Bett, ich hab bloß zwei Stunden gespielt – man könnte meinen, ich sei krank. Ich reibe mir mit den Handrücken über die Augen, von denen ich erst jetzt bemerke, dass sie brennen.
Testweise werfe ich einen Blick aus dem Fenster zu meiner Linken und blinzle kleine Schlieren aus meiner Sicht, während ich die Wiese betrachte. Alles wirkt so verschwommen. Wie ein Filter über der Welt. Mir wird etwas mulmig zumute.
Stutzend fokussiere ich eine kleine Blume neben der Bank auf dem Schulhof, auf der ich manchmal sitze, wenn mich Alexy in der Pause im Schulhaus findet und gegen meinen Willen raus schleift. Das Brennen in meinen Augen wird schlimmer. Wie ein kleines Kind sitze ich da und reibe was das Zeug hält, obwohl ich weiß, dass das eigentlich nicht gesund ist. Man sagt auch, zu lange vor dem Bildschirm zu sitzen sei nicht gesund. Vielleicht ist das ja die Quittung dafür? Nein, dann hätte sich das sicher schon angekündigt.
Unsicher versuche ich es erneut. Mir wird schwindelig. Es fühlt sich an, als würde die kleine Blume plötzlich größer werden – mir näher kommen. Obwohl ich mich nicht bewege. Reflexartig kneife ich die Augen zu.
Eigentlich ist mir die Natur egal. Ich hab nicht viel für die Schönheit von Pflanzen übrig, aber das ist kein Geheimnis. Klar ist ein Straus Blumen eine nette Geste und selbst ich kann zugeben, dass sie durchaus schön sind, doch ich muss sie mir nicht den ganzen Tag ansehen. Für sich genommen lassen sie mich ziemlich kalt.
Doch in diesem Moment wirken die Farben dieser einen Blume völlig überwältigend. Ich sehe schnell weg, doch wenn ich vorher schon das Gefühl hatte, durch einen Weichzeichner zu sehen, dann scheinen die Farben jetzt geradezu zu leuchten. Wie ein Feuerwerk. Eine Träne sammelt sich in meinem Augenwinkel, als das Wahrgenommene meine Sinne überrennt und ich das Gefühl habe, durch die schiere Überwältigung schon physisch zurückgedrängt zu werden.
Was geht hier vor? Schlaf ich immer noch? Ich kann meine Augen nicht schließen, so fixiert bin ich auf dieses eine Fenster. Über der Wiese auf dem Hof schwirrt irgendein Tier. Meine Augenbraue zieht sich irritiert zusammen, als ich versuche genauer hinzusehen und mir einen Reim darauf zu machen, um was es sich dabei handelt. Ich stutze.
Es ist klein, weiß und fliegt. Nein, es schwebt eher. Ich spüre etwas, das ich in meinem Leben selten für Dinge übrig hatte, die aus der Natur kamen: Faszination. Und ich muss feststellen, dass es ein gutes Gefühl ist. Aber was ist das? Ein Kolibri oder sowas? Nein, die Form ist nicht die eines Vogels.
Ein Insekt vielleicht, sowas wie ein Schmetterling? Mir wird klar, dass ich bis heute nichts in meinem Leben gesehen habe, das diesem Wesen gleich kommt. Mit einem Mal stehe ich auf, der Stuhl rutscht ratternd zur Seite und ich zucke zusammen.
Meine Atmung geht viel schneller als sie es sollte. Ich versuche mich wieder zu fangen, doch dabei huschen meine Augen lediglich von meinem Stuhl zum Fenster. Mit einem Schlag ist das deutliche Licht, das bis eben durch das Fenster hereinschien, wieder verschwunden. Wie bei einer Lampe die man gedimmt hat. Alles wirkt wieder so normal, als hätte es gerade gedonnert.
Plötzliches Gelächter lenkt daraufhin meine neugewonnene Aufmerksamkeit in der Realität auf sich, weswegen ich mich erstmals umsehe, um den Ursprung zu ergründen. Mein Blick trifft den von Alexy, welcher mich erwartungsvoll ansieht. Dann wird mir klar, dass mich alle anderen ebenso erwartungsvoll bis belustigt ansehen.
»Armin, kannst du mich hören?« Blinzelnd richte ich mein Augenmerk nach vorn, zu Faraize. Auch er sieht mich an und es kommt mir so vor, als wäre das möglicherweise nicht das erste Mal gewesen, dass er meinen Namen gerufen hat.
»Ja?« Meine Stimme kommt mir so dünn vor.
»Guten Morgen, Armin. Schön, dass Du auch wieder bei uns bist.«
Erst jetzt kapiere ich, dass ich mich die letzten beiden Minuten wie ein Verrückter aufgeführt haben muss. Plötzlich bin ich mir jeder meiner Handlungen überdeutlich bewusst, wie bei einem Damoklesschwert, das kurz davor ist, auf mich herabzustürzen. Mein Kopf und meine Wangen glühen vor Scham, als ich mich wortlos zurück auf meinen Stuhl fallen lasse, in mich zusammensinke und dabei ein Stoßgebet an Buddha schicke. Bitte …
Lass das hier immer noch ein Traum sein.

»Armin …?«
»Hmm …«
»Armin, hörst du mich?«
Ich hebe den Kopf und sehe in das besorgte Gesicht meines Bruders. Leider kann ich mich nicht dazu bringen, Enthusiasmus vorzutäuschen. »Was?«
»Was war vorhin los?«
Eine Frage, die ich nicht hören will. Seit drei Stunden gehe ich den Leuten um mich herum aus dem Weg. Seitdem denke ich auch schon darüber nach, was ich sage, falls mich jemand genau das fragt. Erstaunlicherweise bin ich zu keinem Ergebnis gekommen. Ich weiß nicht, was ich vorhin getan habe. Meine Erinnerung ist löchrig, vielleicht weil ich wirklich geschlafen habe, vielleicht aber auch weil ich es verdrängen wollte. Wer weiß wie das für die anderen aussah? Vielleicht nehme ich die Sache aber auch ernster, als sie es wirklich war.
Ich dachte, wenn ich mich in einem ungenutzten Klassenzimmer auf dem Boden verkrieche, findet mich niemand. Da hab ich mich wohl getäuscht. »Wie hast du mich hier gefunden?«
»Indem ich die leeren Klassenräume durchsucht habe«, antwortet er kurzangebunden, »Hör auf auszuweichen, ich hab mir vorhin echt Sorgen gemacht.«
Das heißt wohl, dass ich da nicht drum herum komme, hm? »Sag mal, was genau hab ich denn vorhin überhaupt gemacht?«
Ich wappne mich bereits für das Schlimmste, als ich abwarte, doch statt einer Antwort höre ich nichts. Als ich ihm wieder ins Gesicht sehe, ist eine seiner Brauen fragend angehoben. »Nicht dein Ernst, oder?«
»Doch mein Ernst.«
Zwar scheint er perplex zu sein, doch für einen Moment überlegt er, ehe er sich neben mich auf den Boden sinken lässt. »Ich weiß auch nicht. Du saßt da, alles war normal – für deine Verhältnisse zumindest. Und dann …«
»Und dann?«, bohre ich nach.
Er schlägt mir spielerisch gegen die Schulter. »Und dann bist du plötzlich aufgesprungen und hast ausgesehen, als hättest du einen Geist gesehen. Außerdem hab ich gedacht du bekommst gleich einen Asthmaanfall. Mehr hab ich nicht mitbekommen. Aber es sah ganz schön merkwürdig aus.«
»Ich glaub ich hab geschlafen.«
»Echt? Ich hab mit den anderen nicht drüber geredet, ich glaube, die waren genauso verwirrt wie ich, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass du vorher geschlafen hast. Vielleicht hab ich’s bloß nicht gesehen.«
»Ja, anders geht’s nicht. Ich hab echt ‘nen Scheiß geträumt.« Irgendein leuchtendes, kleines Alien, das über die Wiese fliegt. Das kann ich nie und nimmer wirklich gesehen haben.
Wenn ich so darüber nachdenke … nein, das kann nur ein Traum gewesen sein. Ich war bestimmt so müde, dass ich in einer Art Halbschlaf war oder sowas. Eine Art Tagtraum, gemischt mit Schlafwandeln. Sowas in der Richtung.
Ich sehe auf meine schwarzen Schuhspitzen, so dicht neben den Blauen von Alexy und komme mir vor wie ein Vollidiot – in vielerlei Hinsicht. Erst mache ich mir Gedanken wegen eines dummen Alptraumes und dann hab ich gleich noch einen und denke es wäre die Realität. Jetzt denken die anderen vermutlich für zwei Tage ich wäre ein Spinner und dann vergessen sie das Ganze wieder. Kein Weltuntergang. Was mach ich mich verrückt?
Ich lache und klopfe meinem Zwilling auf den Oberschenkel, der etwas aufschreckt. »Na ja, jetzt geht’s mir jedenfalls gut, also keine Sorge.«
»So sehr mach ich mir nun auch keine Sorgen um dich, du Egomane. Aber wenn die Leute dich für verrückt halten, dann leidet auch mein Image, also pass gefälligst auf, ja?«, entgegnet er mit einem frechen Grinsen.
Zur Strafe will ich ihm eine über die Rübe ziehen, aber der ist mal wieder flink wie ein Hase und schon auf den Beinen, als ich noch versuche meine müden Knochen zur Bewegung anzutreiben. Ächzend hieve ich mich hoch und gebe an dem Punkt bereits auf ihn noch zu erwischen. Aber ich muss lachen. Der Höllenhund, der Friedhof, das seltsame Ding auf der Wiese, all die grellen Farben … es wirkt immer noch so real.
Aber gleichzeitig rückt das alles in weite Ferne. Ich höre die Stimme meiner Freunde auf dem Gang und kaum bin ich aus dem Klassenraum, hakt sich jemand in meinen freien Arm ein. Der lange Korridor mit etlichen Spinden und einigen Türen liegt vor uns, auf dem Weg zu unserem eigenen Klassenzimmer.
»Alles wieder in Ordnung?«
»War nie nicht in Ordnung«, antworte ich auf die Frage des Mädchens mit den pinken Haaren.
»Na, dann ist ja alles gut.« Entgegnet sie ruhig, ich kann jedoch ihren bohrenden Blick von der Seite spüren. Nur nichts anmerken lassen. »Du hast ganz schön geschockt gewirkt. Hast du einen Geist gesehen?«
»Bitte, ich hab das schon mit Alexy durch, musst du auch damit anfangen?«
Die Aussage scheint zu sitzen, denn sie lässt sofort von mir ab und stemmt die Hände in die Hüften. »Entschuldige, dass ich mich Sorgen um dich mache.«
Ich verdrehe bloß die Augen. »Lieg ich im Sterben, oder was? Warum macht sich jeder Sorgen um mich?« So ‘ne große Sache war es doch auch nicht … nüchtern betrachtet.
»Oh Mann«, gibt sie knapp zurück und verdreht nun ihrerseits die Augen, »keine Sorge, beim nächsten Mal mach ich mir keine Sorgen mehr um mich, davon bin ich jetzt geheilt. Zufrieden?«
»Ja«, damit öffne ich die Tür zum Klassenzimmer, »Ladies first
Sie kommt der Aufforderung zwar nach, scheint aber noch immer nicht richtig überzeugt. »Wenn du jetzt schon  Halluzinationen hast, solltest du jedenfalls mal weniger Zocken und mehr raus gehen. Deinem Gehirn fehlt es wahrscheinlich an Sauerstoff.«
»Halluzinationen? Ich bin nur kurz eingenickt, das ist alles. Kann mal passieren, ist doch nicht der Rede wert, oder?«
»Armin, ich saß genau neben dir. Du hast wie ein Elch aus dem Fenster gestarrt, dir in den Augen gerieben, schwer geatmet und dann einen kleinen Anfall bekommen. Man hätte meinen können, die Schule wird von Orks angegriffen.«
Irritiert bleibe ich stehen, gerade als ich meinen Platz erreiche und meine Tasche neben den Tisch fallen lasse. Warum Orks …? Nein, das ist nicht der Punkt. Ich sehe Alexy, der bereits sitzt – an seinem Platz direkt hinter ihr. »Ich versteh nicht, was der Aufriss soll. Ja, es war peinlich, aber nun ist es schon wieder vergessen. Ich hab geschlafen, schlecht geträumt und bin dann leider in der Realität erschrocken. Das war alles.«
»Es war merkwürdig, Armin«, meint diese bloß und sieht mich zerknirscht an.

»Und du warst hellwach.«
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