Das Jahr, in dem Dornröschen wachgeküsst wurde und als Schneewittchen starb

von Mimi Law
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
16.08.2019
17.09.2019
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Eigentlich wollte ich immer dienstags und freitags neue Kapitel hochladen, weil das meine Home-office-Tage sind und ich dann etwas Zeit am Computer habe ohne dass Mann und/oder Kinder mir über die Schulter sehen und irgendetwas von mir wollen. Da ich aber doch gestern arbeiten musste, diesmal also ein Kapitel am Mittwoch. Es ist aber ein wirklich schönes, also hoffe ich, dass Ihr mir verzeiht.

Viel Spaß und LG

Mimi

Kapitel 7

Party


Nach dem Abendessen, das aus Nudeln mit Tomatensoße und einem riesigen Salat bestand, springe ich schnell unter die Dusche und kuschele mich dann in Jogginghose, flauschigem Sweatshirt und mit dicken Socken auf die Couch im Wohnzimmer. Die Jungs haben sich in ihr Zimmer zurückgezogen, Sepp räumt die Küche auf und Matti bringt Felix ins Bett.

„Hey, Kathi, aufwachen, du musst dich umziehen. Ihr müsst gleich los.“ Ich muss wohl eingeschlafen sein. Zu viel frische Luft, die lange Nacht im Bus, das Ski fahren. Matti rüttelt mich nochmal sanft. „Umziehen?“, stöhne ich schlaftrunken. „Ja, es ist schon gleich halb neun. Michi und Sepp sind schon lange drüben. Aber du kannst mit Bastl gehen, der ist auch noch im Bad und wird mal wieder nicht fertig.“ „Wo denn hingehen? Ich gehe höchstens noch in mein Bett.“ Matti lacht: „Nichts da, schlafen kannst du noch, wenn du tot bist. Heute ist Willkommensparty, weißt du doch, also hoch mit dir, ab ins Bad, anziehen und dann los. Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier.“ Wie ich diesen Spruch hasse: „Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier, sondern um besser zu werden.“ Sepps Standardspruch, wenn es nach langer oder kurzer - bei den Erwachsenen auch nach durchzechter – Nacht auf die Piste geht. „Wir sind ja nicht zum Vergnügen …“ Nicht? Ich dachte, ich hätte Ferien. „Kann ich nicht mit dir hierbleiben? Wir setzen uns auf die Couch trinken heiße Schokolade und quatschen?“, versuche ich es ohne Hoffnung auf Erbarmen. „Ach Kathi, du weißt doch, dass man die Willkommensparty nicht schwänzt. Also hoch mit dir. Nicht das Bastl auf dich warten muss.“

Bastl blockiert natürlich immer noch das Bad. Gut, dass ich schon vor dem Abendessen geduscht habe. Ich schnappe mir irgendeine ausgeblichene Jeans aus dem Schrank, ein dunkelblaues T-Shirt mit tiefem V-Ausschnitt, eine hellblaue Sweatshirtjacke passend zur Jeans und schlüpfe in meine Schnürstiefel. Als das Bad frei ist, kämme ich schnell meine Haare durch, fasse sie zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen und schminke meine Augen mit Kajal und Wimperntusche – so fertig, das muss für eine Hüttengaudi reichen.

Bastl hat sich deutlich mehr Mühe mit seinem Outfit gegeben. Er trägt eine knallenge schwarze Jeans, ein hellgraues T-Shirt, das aussieht wie auf seinen Oberkörper aufgesprüht, und ein schwarzes Wildlederhemd – echt jetzt, ein Wildlederhemd im Skiurlaub? – die Haare hat er mit Gel gekonnt verstrubbelt, so dass es so aussieht, als wären sie wie zufällig so zerzaust, aber der Fön ist eine halbe Stunde lang gelaufen, sein Gesicht muss er leicht eingecremt haben, denn die Haut glänzt noch und die Lippen schimmern wie rosa Perlmutt. Er sieht aus wie aus einer Modezeitschrift entlaufen. Neben ihm komme ich mir klein und besonders unscheinbar vor. Naja, was soll ´s.

Im großen Haus nebenan ist die Party voll im Gange, was man schon im Eingangsbereich hört – es schallt uns Gelächter und laute Diskomusik entgegen. Bastl schiebt mich in den Frühstücksraum, in dem die Tische an die Seite geschoben worden sind, um so Platz für eine Tanzfläche zu schaffen. Hinter der Bar stehen zwei junge Mädchen Anfang zwanzig, die mir Bastl als Mona und Thea vorstellt, die beiden noch fehlenden Skilehrer, die im Dorf irgendwo ein Zweibettzimmer gemietet haben, weil sie auch mal ihre Ruhe haben wollen, und die heute Abend den Bardienst versehen. Michi steht hinter einem kleinen Tisch, auf dem die Musikanlage aufgebaut ist und macht offensichtlich den Diskjockey und Sepp sitzt weiter hinten mit einer Gruppe Erwachsener und quatscht. Bastl lässt sich von Mona eine Flasche Bier geben und schlendert dann zu Michi rüber. Vermutlich checken die Beiden jetzt erst mal das heute angekommene Frischfleisch, was mir dann doch einen Stich versetzt. Irgendwie hatte ich gedacht, Bastl würde bei mir stehen bleiben – tja, falsch gedacht – eigentlich will ich ja auch gar nichts von ihm, aber so ´n kleiner Flirt im Skiurlaub wäre schon nett gewesen, reicht Bastl aber vermutlich nicht aus, von wegen nicht nur auf der Piste und in der Disko verausgaben, sondern auch im Bett. Gerade als ich mich fühle, wie bestellt und nicht abgeholt und darüber nachdenke einfach wieder zu Matti zu gehen, stürmt Sven mit einem breiten Lächeln auf mich zu. „Mmmmh, Prinzessin“, summt er mir ins Ohr, während er mich in seine Arme zieht, „ich habe dich vermisst, wo warst du den ganzen Tag.“ Ich bleibe verdattert in seinen Armen stehen. „Häh“, ist alles was mir dazu einfällt. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, wir seien seit zwanzig Jahren miteinander befreundet, obwohl ich erst 16 bin. Jetzt beugt er sich ein wenig zurück, ohne mich loszulassen: „Möchtest du etwas trinken? Komm mit, ich stelle dir meine Freunde vor.“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, schnappt er sich von der Theke ein Bier, drückt es mir in die rechte Hand, nimmt meine linke Hand in seine rechte und zieht mich hinter sich her. Vor einer Gruppe mit Leuten in unserem Alter bleibt er stehen, stellt mir die drei Jungs und fünf Mädchen vor, was verschenkte Liebesmüh ist, weil die Namen an mir vorbei rauschen und ich erst wieder aufhorche als er „… und das ist meine Freundin Kathi …“, sagt. Mir liegt schon wieder ein verdattertes „Häh?“ auf der Zunge, aber ich komme gar nicht dazu meine Unkenntnis, ob der Tatsache, dass wir Freunde sind, oder meinen Unmut, so vorgestellt zu werden, zu äußern, denn plötzlich steht Bastl neben mir, nutzt die Gelegenheit, dass Sven meine Hand losgelassen hat, zieht mich mit dem Rücken vor seine Brust, legt seine Arme um mich und sein Kinn auf meine rechte Schulter, schmiegt seine Wange an meine und schaut in die Runde. „Ich dachte, du kennst hier niemanden, Süße.“ Dann wispert er ganz leise an meinem Ohr: „Wer ist der Typ, der dich einfach umarmt und deine Hand hält?“ Ich versuche mich ein wenig aus seiner Umklammerung zu lösen und mich zu ihm umzudrehen. Als ich es schließlich geschafft habe, zische ich ihn an: „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“ Denn eigentlich fand ich es ganz nett, wie Sven mich umarmt hat. Allerdings finde ich es jetzt auch gerade ganz gemütlich, so in Bastls Armen, obwohl ich weiß, dass er aus tausend Gründen tabu ist. „Ich soll auf dich aufpassen, hat Matti gesagt, du weißt schon, kleine Schwester und so“, tut er ganz unschuldig, „also sei nicht so ´ne Zicke.“ Dann dreht er mich wieder um, hält mich mit seinem linken Arm an sich gedrückt, streicht sich mit der rechten Hand die kunstvoll zerzausten Haare zurecht und strahlt die Mädels an. „Also ich bin der Bastl, einer der Skilehrer, und meine Freundin Kathi habt ihr ja schon kennengelernt.“ Ich seufze genervt auf, drehen die hier eigentlich alle durch? Eine kleine süße Rothaarige, deren Name ich auch nicht behalten habe, schaut von Sven zu Bastl und mir: „Äh, das versteh´ ich jetzt nicht. Bist du die Freundin von Sven oder von Bastl?“ Tja, wie soll ich das jetzt erklären, von keinem? Mit einem knappen „Ich glaube, ich gehe mal tanzen“ winde ich mich aus Bastls Arm und flüchte auf die improvisierte Tanzfläche, wo ich zum Glück Sepp treffe, der mich in einen flotten Diskofox zieht. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie sich die Mädels auf Bastl stürzen – der Skilehrerbonus zieht immer – und muss lachen, der ist in den nächsten zwei Stunden erst mal beschäftigt. Nachdem ich mich mit Sepp auf der Tanzfläche ausgetobt habe und er sich auch mal wieder um die anderen Gäste kümmern muss, setze ich mich an die Theke, trinke ein Radler und beobachte das Geschehen auf der Tanzfläche.

„Du hast was mit dem Skilehrer? Hätte ich Dir gar nicht zugetraut. Du wirktest im Bus so schüchtern und zurückhaltend. Gar nicht wie die typische Skilehrermaus.“ Ich bin noch hin- und hergerissen, ob ich diese Bemerkung jetzt mag oder ob sie mich aufregt, ob ich mit Sven schäkern oder ihn anbrüllen will, komme aber gar nicht dazu überhaupt etwas zu sagen, denn er fährt schon fort: „Scheint ja eher ´ne lockere Beziehung zu sein, wenn ich mir das da so ansehe. Machst Du Dir gar keine Gedanken, was er treibt, wenn Du nicht da bist? Ich meine, er scheint sich ja nicht mal zu bremsen, wenn du zusehen kannst.“ Ich werfe einen Blick zu Bastl hinüber, der mittlerweile nur noch mit den fünf Mädels zusammen steht, einen Arm um die kleine Rothaarige gelegt hat und einer Blondine in den Ausschnitt blickt – Skilehrer halt. „Tja, was soll ich dazu sagen, mein Freund Bastl ist halt ziemlich gutaussehend und bei den Mädels sehr beliebt und wie Du siehst führen wir eine eher offene Beziehung.“ Ich lächle ihn mit schief gelegtem Kopf an, lege meine Hand an seine Wange und lasse meinen Zeigefinger ganz langsam über seinen Mundwinkel, sein Kinn und seinen Hals bis zu der kleinen Kuhle am Rand seines T-Shirts gleiten, lege dann meine warme Hand auf sein Herz und genieße es, seinem hüpfenden Adamsapfel zuzusehen. Sven beugt sich ein wenig zu mir: „Wie offen genau?“ „Sehr offen“, flüstere ich und muss mir ein Lachen verkneifen, während mich plötzlich mein Herz und mein Verstand zeitgleich anbrüllen: `Was genau tust du da?´ Tja, ich hatte die beiden schon vermisst. Vermutlich waren sie von der langen Busfahrt noch erschöpfter als ich. „Was genau tust du da?“ klingt es irritierender Weise gerade auch an meinem linken Ohr und ich frage mich, ob ich schon zu viel getrunken habe und Stimmen höre, aber ein fester Griff um meinen linken Arm überzeugt mich, dass ich weder träume noch halluziniere. Ich blicke nach links und direkt in Bastls wütendes Gesicht. „Oh“, entschlüpft es mir, „warst du nicht gerade noch da drüben beschäftigt?“ „Na und, das heißt doch nicht, dass du dich von irgendwelchen fremden Kerlen antatschen lassen musst.“ Ich verzichte darauf, ihn darauf hinzuweisen, dass er mich auch antatscht und er für mich ja eigentlich auch fremd ist und dass keineswegs Sven mich, sondern ich Sven angefasst habe, weil ich so eine Ahnung habe, dass diese Argumente ihn nicht beruhigen würden. Stattdessen greife ich seine freie Hand, schiebe meine linke Hand um seine Hüfte, lehne mich ein wenig näher an ihn und dränge ihn zur Tanzfläche. „Lass uns tanzen, ja?“ Vielleicht habe ich ja Glück und Ablenkung funktioniert, auf diese absolut schräge und unsinnige Diskussion habe ich einfach keine Lust. Es klappt tatsächlich und so tanzen wir ganz entspannt zu „We Are Family“ von den Sister Sledge und „Our house“ von Madness bevor er mich beim nächsten Song „nights in white satin“ von den Moody Blues eng an sich zieht. Ich frage mich gerade, ob Michi jetzt extra ein langsames Lied aufgelegt hat, als ich Bastls Lippen an meinem Ohr spüre: „Ich will nicht, dass dieser Penner dich anfasst oder du mit ihm rumhängst, das ist so ´n typischer Aufreißer, der nur was für den Urlaub sucht. Der ist nichts für Dich.“ `Echt jetzt, Bastl warnt mich vor ´nem typischen Aufreißer? Wann genau wurde der Bock zum Gärtner gemacht?´ Ich sehe ihn ziemlich erstaunt an und kann mir gerade noch ein „Häh“ verkneifen, das scheint ja mein Lieblingsausdruck in diesem Urlaub zu werden. Ich frage mich wirklich was abläuft, seit ich am Essener Hauptbahnhof in diesen Bus gestiegen bin, ich kann mich nicht erinnern, zu Hause schon mal so skurrile Situationen erlebt zu haben. `Außer vielleicht mit Tom´, flüstert mein Herz und mein Verstand stöhnt, `toll gemacht, gerade hat sie mal 35 Stunden am Stück nicht an ihn gedacht, da kommst du wieder mit dem Blödmann an.´ Stimmt irgendwie, stelle ich verwundert fest, ich habe seit gestern noch gar nicht an ihn gedacht. `Warum solltest du auch? Er geht dich nichts an. Zwischen euch läuft nichts´, meckert mein Verstand. `Ja leider´, seufzt mein Herz. „Kathi, träumst du?“ Ähm, ja? Ich sehe ihn fragend an. „Du sollst diesem Penner aus dem Weg gehen. Ich will nicht, dass du mit ihm abhängst.“ Langsam werde ich wütend, der ist ja schlimmer als meine Eltern. „Hast du mich verstanden?“ „Und das geht dich etwas an, weil …?“, schnaube ich ihn an. „Ich glaube nicht, dass du mir vorschreibst, mit wem ich hier abhänge und mit wem nicht. Geh´ lieber wieder zu deiner Girlieband und lass dich anhimmeln.“ „Bist du eifersüchtig?“, grinst er und sieht dabei so süß aus, dass ich ihn am liebsten küssen würde. Oh Gott, wo kommt jetzt dieser Gedanke her? Ich glaube, ich sollte jetzt am besten verschwinden und schlafen gehen, bevor ich mich noch total lächerlich mache. „Das ist irgendwie süß. Zu schade, dass Matti mich kastrieren würde, wenn ich dich jetzt küsse.“ „Was Matti nicht weiß ...“, recke ich ihm meinen Mund entgegen, „sie sieht uns doch nicht.“ „Aber Sepp. Und wenn ich seinen Blick richtig deute, sollte ich dich nicht mal so eng im Arm halten“, flüstert er mit einem Kopfnicken auf Sepp, der uns von seinem Platz an der Theke aus misstrauisch beobachtet. „Och, Manno“, seufze ich, „da bin ich einmal ohne meine Eltern im Skiurlaub und bin umgeben von anderen Wachhunden.“ Als das Lied zu Ende ist, greift er meine Hand und zieht mich zu Sepp an die Theke. „Ich habe sie nur vor den ganzen sexsüchtigen Jungs beschützt“, grinst er ihn an. „Ja, das habe ich gesehen“, knurrt Sepp und wirft ihm einen wütenden Blick zu, „Mattis geliebte kleine Schwester, denk dran, wenn du ein ganzer Mann bleiben willst.“ Bastl lacht, lässt meine Hand los, greift sich ein Bier von der Theke und schlendert wieder zu seiner Girlieband, die ihm schon sabbernd entgegen hechelt.

Vielleicht sollte ich mich mit ein paar von den Mädels anfreunden, ansonsten könnte der Urlaub ziemlich einsam werden, wenn ich mit keinem der Jungs sprechen darf, ohne, dass Sepp, Matti oder Bastl allergisch reagieren. Andererseits, habe ich mich gerade im Skiurlaub schon immer viel besser mit den Jungs verstanden. Ich fahre gerne schnell, mag anspruchsvolle Abfahrten, Tiefschnee, Buckelpisten, halt alles, was wir heute so gemacht haben und es würde mich doch stark wundern, wenn die Girlies da mithalten können. Die sehen jetzt wirklich so aus, wie Bastl mich heute Morgen eingeschätzt hat, hübsch, mit bestimmt tollen Skiklamotten, aber eher so Freizeitskifahrer, da würde ich wenig Spaß haben. `Du bist jetzt genauso arrogant wie Bastl heute Morgen. Warum sollten die Girlies nicht toll fahren können? Du suchst doch nur eine Entschuldigung, warum du dich an Sven ranschmeißen kannst´, meckert mein Verstand. Wir werden sehen, wir werden sehen, lenke ich schnell ein. Aber es kann ja nicht schaden, nach allen Seiten offen zu sein, hihi. Ich lasse den Blick durch den Raum schweifen. Bastl ist beschäftigt, der hängt schon wieder an der Rothaarigen und an Blondie, aber Sven sieht doch ziemlich gelangweilt aus, wie er da so mit den drei Jungs von vorhin steht, also schlendere ich zu ihm hinüber. „Magst du tanzen?“ Erstaunt fährt er zu mir herum. Oh, er hat mich wohl nicht kommen sehen, aber als er mich erkennt, breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. „Klar, Prinzessin, gerne“, und schon zieht er mich in seinen Arm und wir toben zu jeder Menge Diskohits über die Tanzfläche bis plötzlich „New York, New York“ von Frank Sinatra erklingt. „Oh, ist es schon so spät“, sage ich enttäuscht. Die Zeit mit Sven auf der Tanzfläche ist so schnell verflogen. „Was meinst du damit.“ Sven sieht mich verständnislos an. Klar, weiß er vermutlich nicht. „Warst du schon mal in hier?“ „Nö.“ „New York, New York ist im Tea del Vidal immer der letzte Song bevor, die Disko geschlossen wird, der Rausschmeißer sozusagen und das gilt auch für die Skifeten.“ „Wenn das so ist“, grinst er mich an und zieht mich schnell an sich, „dann muss ich diesen letzten Tanz ja ganz besonders genießen.“ Einen Moment lang versteife ich mich. Es muss ja nicht sein, dass Bastl hier gleich den Aufstand probt, aber als ich sehe, dass er engumschlungen mit der Rothaarigen tanzt, kuschel ich mich in Svens Arme, schließe die Augen und träume … von Tom. Bei den letzten Zeilen schiebe ich ihn ein wenig von mir, die muss ich einfach mitgrölen und den anderen geht es ähnlich und so geht dieser schöne Abend mit einem vielstimmigen:

If I can make it thereI'm gonna make it anywhereIt's up to youNew York, New York, New York


zu Ende.
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