No Control

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan Zayn Malik
14.08.2019
29.09.2019
5
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Die U-Bahn kommt mit einem Ruck zum Stehen, sodass ich mich rasch festhalte, um nicht gegen Niall zu stoßen. Wie gewöhnlich fahren wir gemeinsam zur University of Westminster, wo wir beide Musik studieren. An der Station Baker Street steigen wir aus, worauf Niall ausatmet. „Daran kann und werde ich mich nie gewöhnen“, stöhnt er und ich gebe ihm stillschweigend recht. Unsere Semesterferien sind vorbei und der Alltag hat uns eingeholt. Und damit auch die überfüllten U-Bahnen. „Was hast du die letzten zwei Wochen gemacht?“, fragt Niall, während wir die Rolltreppe hochfahren. „Nichts Besonderes“, erwidere ich schulterzuckend. „Ich war in Wolverhampton meine Familie besuchen, das war’s auch schon.“ Niall ist die letzten zwei Wochen der Ferien zurück nach Irland geflogen, wo er ursprünglich herkommt und seine Familie immer noch lebt.

Als er damals den Platz hier an der Uni bekommen hat, ist er alleine nach London gezogen, was ich ihm hoch anrechne. Für mich war es damals schon eine Umstellung von meiner Heimatstadt hierherzuziehen, doch für Niall liegen mehr als drei Stunden zwischen seinem zu Hause und London. Aber dafür habe ich ihn kennen gelernt, was durchaus eine Bereicherung ist. Da wir im selben Studienjahrgang sind und auch alle Kurse miteinander haben, sind wir irgendwann ins Gespräch gekommen. Nach ein paar Monaten sind wir schließlich zusammen gezogen und leben jetzt in einer kleinen Wohnung hier in London. Da er gestern erst spät zurückgekommen ist, konnten wir uns noch nicht austauschen.

„Wir sehen uns zwei Wochen nicht und du hast schon wieder ein neues Tattoo“, stellt er jetzt fest, als wir oben an der Straße stehen. Offenbar spielt er damit auf die Rosen auf meiner Hand an. „Findest du nicht, dass es mal reicht?“, seufzt er Ire, während wir zum Campus laufen. „Nein, das reicht noch lange nicht“, erwidere ich lächelnd und er verdreht die Augen. „Das ist mir zu hoch!“, lässt er verlauten und ich kann darüber nur lachen. Niall selbst hat noch keine Tattoos, auch wenn er manchmal mit dem Gedanken spielt, sich eins stechen zu lassen. Irgendwann habe ich ihn sicher überredet. „Ich freue mich schon auf das neue Semester“, sagt Niall jetzt zufrieden, als wir auf dem Campus sind. Er lässt den Blick über das Gelände schweifen. „Ich bin echt froh, dass das hier geklappt hat.“ „Kann ich nur zustimmen“, antworte ich und lege einen Arm um seine Schultern. Entgegenkommende Studenten mustern uns komisch, aber das ist mir egal. Warum darf man nicht Körperkontakt mit seinem besten Freund haben?

„Unsere erste Vorlesung ist jetzt in einem anderen Gebäude“, sagt Niall plötzlich, als wir den gewohnten Weg einschlagen wollten. Anscheinend ist ihm die E-Mail eingefallen, die wir gestern noch erhalten haben. Als wir den richtigen Raum gefunden und unsere Plätze eingenommen haben, lässt Niall den Blick über die bereits anwesenden Studenten gleiten. „Bald sind wir hier fertig, kannst du das glauben?“, fragt er und ich schüttele den Kopf. „Vielleicht sollten wir erstmal das neue Semester anfangen, bevor wir ans Ende denken“, entgegne ich, aber der Ire lässt sich nicht beirren. „Hast du schon eine Idee, was du danach machst?“ Ich plustere die Wangen auf. „Keine Ahnung“, erwidere ich und er stößt mir in die Seite. „Du bist so langweilig, Payno!“, zieht er mich auf und ich hebe nur die Schultern. „Du kennst meinen Plan. Wenn es mit meiner Musik klappt, dann mache ich sicher damit was. Falls nicht, dann gehe ich zu einem Plattenlabel.“ „Sag mir Bescheid, dann schließe ich mich dir an“, strahlt Niall und in dem Moment kommt der Professor herein.

Musikgeschichte ist jetzt nicht der spannendste Kurs, doch er gehört zur Pflicht. Nur heute fällt es mir aus irgendeinem Grund noch schwerer mich zu konzentrieren. Niall scheint meine Unruhe zu spüren. Als wir irgendwann wieder nach draußen gehen, schaut er mich forschend an. „Worüber denkst du nach?“, fragt er, als wir draußen auf dem Campus uns ins Gras setzen. „Über die Zukunft“, antworte ich und er grinst schief. „Habe ich mit meiner Frage einen Stein ins Rollen gebracht?“, kichert er und ich verdrehe die Augen. „Schon möglich.“ „Ach, noch haben wir fast zwei Jahre Zeit“, muntert Niall mich auf. „Hast du deinen Song für den Kurs von Mr. Adams fertig?“, fragt er dann und ich nicke. „Den habe ich zu Hause fertig gemacht. Keine Ahnung, ob es gut genug ist.“ „Wir studieren Musik, da gibt es oft kein richtig und falsch“, zitiert Niall unseren Kursleiter. „Es geht ums Gefühl!“ „Danke, das hilft mir weiter“, seufze ich, muss dann aber doch lachen. „Komm schon, du hast bisher immer was Vernünftiges abliefern können“, hält Niall dagegen. „Immerhin hat es gereicht, um das Semester zu überstehen“, stelle ich fest.

„Gehen wir heute Abend wieder zu Diana und Olivia?“, fragt Niall dann und ich nicke sofort. Diana und Olivia führen ein kleines Pub in dem Niall und ich so gut wie jeden Abend essen. Mittlerweile bekommen wir schon Rabatt, da wir so oft da sind. Aber ihr Pub liegt in der Nähe unserer Wohnung und die beiden sind wirklich toll. „Sie werden uns die zwei Wochen sicher vermisst haben“, seufzt Niall und so ist es auch. Als wir gegen neunzehn Uhr das kleine Pub betreten, jubelt Diana hinter der Bar auf. „Hey, na endlich! Es fehlt wirklich was, wenn ihr nicht an eurem Tisch sitzt“, sagt sie und umarmt uns zur Begrüßung. Olivia kommt dazu und balanciert ein paar leere Gläser auf einem Tablett. „Unsere gutaussehende Lieblings Kundschaft ist wieder auferstanden“, grinst sie und nickt dann nach hinten. „Ich habe euren Tisch schon frei gehalten.“ „Danke“, freut sich Niall. „Das gleiche wie immer?“, ruft Diana uns nach und ich zeige den Daumen nach oben.

Niall rutscht auf die Sitzbank und ich setze mich gegenüber von ihm. „Ach, ich habe das hier vermisst“, sagt der Ire und streckt sich. Als Diana uns unser Essen bringt, setzt sie sich noch einen Augenblick zu uns. „Hättet ihr Lust mal wieder hier zu singen?“, fragt sie dann grinsend und Niall nickt begeistert. „Klar, ich bin dabei! Wie sieht es bei dir aus, Payno?“ „Ebenfalls“, grinse ich und die Dunkelhaarige freut sich. „Super, dann sagt uns Bescheid, wenn ihr mal einen Freitag- oder Samstagabend nichts vorhabt.“ Dann verspeisen Niall und ich unser Essen, wobei der Ire nochmal eine Portion verlangt. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, wie viel er essen kann und nur noch selten verwundert es mich. Unser Stammplatz ist hinten in einer Ecke, wo man eine gute Übersicht über das Pub und so auch die Tür im Blick hat. Niall redet mit mir, doch gerade kam Ablenkung herein in Form eines dunkelhaarigen, jungen Mannes in ungefähr unserem Alter herein.

Aus dem Augenwinkel mustere ich ihn, wie er an die Bar tritt und bei Olivia ein Bier bestellt. Er sieht aus, wie die Art Typ, vor der Eltern ihre Töchter warnen. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich auch Tattoos an seinen Händen und ich frage mich unbewusst, um was für Motive es sich handelt. „Ey, Liam!“, ruft jetzt Niall und seine Hand wedelt vor meinem Gesicht hin und her. „Ich bin hier.“ „Sorry, was hast du gesagt?“, frage ich perplex und fahre zusammen. Plötzlich grinst der Blondhaarige wissend. „Dir gefällt wohl die Aussicht“, zieht er mich auf und ich werde rot. „Blödsinn“, brumme ich und mein Blick wandert wieder zu dem Unbekannten. Er hat sein Bier ausgetrunken und bezahlt jetzt. Dann verschwindet er wieder nach draußen. „Und damit verschwand Aschenputtel nach draußen in die Dunkelheit“, säuselt Niall und ich trete ihm unter dem Tisch. „Aua!“, schmollt er und ich verdrehe die Augen. Natürlich habe ich Niall irgendwann gesagt, dass ich schwul bin und er hat auch keine Probleme damit. „Du bist unmöglich“, seufze ich und darauf grinst er. „Ich habe dich auch lieb!“, strahlt er.
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