Doubt

von Banditox3
GeschichteRomanze, Angst / P16 Slash
Jay Joseph Joshua William Dun Tyler Robert Joseph
14.08.2019
19.08.2019
2
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"Blurryface ist ein Typ, der all das verkörpert, worin ich – aber auch jeder um mich herum – unsicher bin. Wenn ich über Unsicherheiten nachdenke und dass meine Unsicherheiten die Oberhand über mich gewinnen, dann denke ich an ein Gefühl des Erstickens."

~Tyler Joseph über Blurryface



Eigentlich sollten bloß Blurryface in Kursiv  dargestellt werden, aber irgendwie übernimmt FF das genau andersherum <_<





 Kapitel 1

Tyler Joseph stand unsicher vor dem alten, mit Ornamenten verzierten Spiegel, der einst seiner Großmutter gehört hatte.

Er passte eigentlich kaum in das modern eingerichtete Badezimmer, aber wie die meisten Menschen, hatte seine Mutter einen Hang dazu, nostalgische Gegenstände in Reichweite aufzubewahren.

Ein wenig makaber, wenn man bedachte, dass das Erbstück die Familie jedes Mal erneut auf ihren Tod hinwies, aber vielleicht, dachte Tyler, lag es einfach im Naturell des Menschen, Erinnerungen möglichst präsent im Kopf zu behalten um bloß nicht auf die wahnwitzige Idee zu kommen, seine Trauer zu verarbeiten.

Er fand sie schon immer absurd, die Gedanken, die sich die Leute machten, über Dinge, die sie ohnehin nicht ändern konnten.

Dummerweise, war er da leider nicht besser.

Der Grund, warum er starr und deprimiert in den Spiegel schaute, war kein anderer als sein Gesicht.

Und je länger er es betrachtete, desto mehr begann er es zu hassen.

Ziemlich nichtssagend, nicht wahr?  Gott, die Leute werden dich direkt blöd angucken bei deiner dämlichen Visage… Am besten verhältst du dich so unauffällig wie möglich, wenn du den Campus betrittst.

Er gehörte zwar nicht zu den Menschen, die zwanghaft an Komplexen litten, aber vor jeder fremden Situation, bekam er Panikattacken, statt sich völlig befreit darauf einzulassen.

Und wenn es gerade nichts Bestimmtes gab, vor dem er hätte Angst haben könnte, suchte er solange, bis er drohte, darin zu ersticken.

Unterbewusst, versteht sich.

Wohl auch eine Eigenschaft, mit der er nicht allein war.

Da er nun zum ersten Mal in seinem Leben, eine Universität besuchen würde, ging in seiner Vorstellung bereits die Welt unter.

„Ich werde das schon irgendwie hinbekommen. Ich muss ja bloß den Professoren zuhören… Das ist ja alles nicht so persönlich wie in der Schule.“ Sagte Tyler laut zu seinem Spiegelbild um sich ein wenig Mut zu machen.

DEINE Fratze werden sich die Professoren merken, mein Freund. Und selbst wenn nicht… was machst du, wenn ein Gruppenprojekt ansteht? Wer will schon freiwillig mit dir in einer Gruppe sein? Du weißt doch selbst, dass die meisten Menschen denken, dass du dumm bist.

Am besten legst du dich ins Bett und schläfst wieder. Wenn wir beide doch mal ehrlich sind, packst du den Studiengang doch sowieso nicht, oder?

Nein, flüsterte Tyler ganz leise.

Diesmal, würde er sich Mühe geben freundlich zu wirken, er würde sich von Anfang an ordentlich artikulieren und egal, was Blurryface ihm versuchte einzureden, er würde ganz bestimmt nicht den Kopf in den Sand stecken.

Nein, er würde dieser fiesen Stimme in seinem Kopf beweisen, dass er sich dieses eine Mal nicht von ihr auf die Knie zwingen lassen würde.

Im Grunde genommen war Blurryface ohnehin nur ein Hirngespinst und dessen war er sich nur allzu gut bewusst.

Aber die Angst ist real. Du weißt, dass sie real ist.

Tyler konnte den zynischen Unterton beinahe auf der Zunge schmecken.

*

„Schatz, wir müssen los.“ Riss ihn eine weit entfernt klingende Stimme aus seinem inneren Gespräch.

Seine Mutter.

Sie hatte sich bereit erklärt, ihn an seinem ersten Tag zur Universität zu fahren, da sie schließlich um seine Unsicherheiten wusste und wahrscheinlich Angst hatte, dass er bei Starbucks ein Kaffee trinken würde, -drei Stunden lang- um anschließend nach Hause zurückzukehren und ihr vorzuschwärmen wie nett die ganzen Professoren waren.

Es wäre zumindest dann nicht das erste Mal gewesen, dass er kniff und sich eine Märchengeschichte aus den Fingern zog, damit es niemand merkte.

Ein ganzes Jahr lang, hatte er damals in der Highschool nicht am Sportunterricht teilgenommen, aus der Angst heraus -seiner fehlenden Feinmotorik halber- sich zu blamieren.

Die ganze Sache flog dann erst auf, als er sein Zeugnis bekam und eine fettes ungenügend auf dem Papier prangte.

Tyler schlurfte aus dem Badezimmer, den schmalen Flur entlang, ehe er die Küche betrat.

Er hatte diesen Raum schon immer gehasst, was wohl nicht zuletzt an dem abgedroschenen Vintage-Stil lag.

Seiner Meinung nach, durften Möbel, die tatsächlich alt waren, auch alt aussehen, aber er empfand es als lächerlich, dass die viel zu groß erscheinenden Küchenschränke bereits mit abgesplittertem Lack produziert worden waren.

„Bist du so weit?“ fragte Kelly Joseph überschwänglich, ehe sie ein Messer aus dem Block zog um das mit Salat verzierte Käsesandwich durchzuschneiden.

„Damit du an deinem ersten Tag nicht hungern musst.“ Erklärte sie strahlend, während sie mit einem zarten Wink, auf Tylers Frühstück aufmerksam machte.

Als wären wir nicht alt genug um uns selbst was zu essen zu machen. Siehst du, wie inkompetent sie uns findet?



Danke aber…das wäre doch nicht nötig gewesen…“ murmelte Tyler und schämte sich für seine eigenen Gedankengänge.

„Das mache ich doch gern… mit leerem Magen kannst du dich doch nicht konzentrieren.“ Tadelte seine Mutter theatralisch, ehe sie die Schnitte, rasch in eine Tupperdose packte.

„So, jetzt aber schnell…“



*

Die Musik drang nicht zu ihm durch.

Er konnte sich lediglich auf die Bauchschmerzen und das ekelhafte Gefühl der Hilflosigkeit konzentrieren, während er in dem silbernen Mercedes seiner Mutter saß.

Hin und wieder fluchte Sie über die Fahrkünste, anderer Autofahrer, was Tyler jedes Mal erstaunte, weil Kelly eigentlich ein sonniges Gemüt besaß.

Aber auch daran störten sich seine schmerzhaften Krämpfe in der Magengegend nicht.

„Du packst das schon…“ versuchte Sie ihn vergeblich aufzumuntern, während sie langsamer fuhr um nach einer Stelle, wo sie ihren Sohn rauslassen konnte, Ausschau zu halten.

„Mir bleibt ja auch keine andere Wahl.. murmelte er so leise, dass sie ihn nicht hören konnte.

Seine Finger zitterten wie Espenlaub, als er zu der Klinge griff und es kostete ihn wahnsinnig viel Kraft die Tür aufzustoßen.

„Danke…“ sagte er, ehe er ausstieg und mit hängenden Schultern, auf den Boden starrend Richtung Eingang schlurfte.

Eins

Zwei

Drei

Zählte er die Schritte in seinem Kopf, ehe er abrupt anhielt, weil jemand ihm hektisch entgegen kam und sie drohten aneinanderzustoßen.

Tschuldige.“ Sagte Tyler und starrte den Besitzer der Schuhe, welche sich dicht neben seinen eigenen befanden, erschrocken an.

Beinahe so, als würde er erwarten, dass sein Gegenüber ihn zusammenschlug für seinen fatalen Fehler.

Herzklopfen.

Tyler hatte nur zwei Sekunden Zeit, seinen Gegenüber zu mustern, ehe es wahrscheinlich ziemlich seltsam wirken würde.

Seine Haare waren zu einem knallroten Iro gestylt und seine Nase war ziemlich markant.

Irgendwas…. war anders.

An ihm.

Tyler  war zwar kein Esoteriker, aber er könnte schwören, dass es wohl seine Aura oder so war, die ihn faszinierte.

„Nicht schlimm.“ Sagte sein Gegenüber, ehe sich Tyler beeilte, sich schnellstmöglich aus dem Staub zu machen.

„Vielleicht…“ wisperte ein zartes Stimmchen in ihm, ehe Blurryface es unterbrach.

Hoffentlich haben wir keinen Kurs mit dem. Wir würden das nicht packen.

Es war das erste Mal, an jenem Morgen, an dem selbst Tyler Blurryface innerlich zustimmte.



*