Quantensprung

von dheven
GeschichteHumor, Romanze / P16
James T. Kirk Leonard McCoy Montgomery Scott Pavel Chekov Spock
13.08.2019
13.08.2019
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Prolog

"Sie entdeckten also die Gleichung für das Transwarp-Beamen dank eines zeitreisenden Vulkaniers, der, wie sich aus Zufall herausstellte, Mister Spocks Persönlichkeit aus der Zukunft ist, und beamten sich an Bord der Enterprise, die sich angemerkt mit Warpgeschwindigkeit im laudrentianischen System bewegte. Dabei fiel Ihnen nichts besseres ein, als ohne die Genehmigung eines leitenden Wissenschftsoffiziers einen gefährlichen Beamvorgang an sich selbst auszuführen, um das Kommando der Enterprise gewaltsam zu übernehmen, nur weil es ein Zeitreisender Ihnen sagte." Eine recht zutreffende Zusammenfassung der letzten Ereignisse, bevor sie Nero im Kampf gegenüber gestanden hatten. Ein bitterer, verlustreicher Kampf, der bereits vor der finalen Schlacht vielen Akademieabsolventen das Leben gekostet hatte.  Allerdings wussten alle Anwesenden in diesem Raum, dass bei dieser Zusammenkunft nicht ihre glanzvollen Heldentaten im Vordergrund standen, sondern die Abschnitte eines penibel ausgearbeiteten Berichtes, eines Vulkaniers, der die unschönen Macken in dem Ereignisverlauf hervorhob. Besonders im Bezug auf den jungen Captain, James Tiberius Kirk, und den Ingenieuren Montgomery Scott ließ er seine Ungnade über sie walten. Ihr, nach der Logik des Vulkaniers, unlogisches Verhalten lag in Form einer Schriftdatei in den Händen des Mannes hinter dem gläsernen Schreibtisch. Admiral Archers Stimme wetterte durch das in einer schwindelerregenden Höhe, über San Franciscos glänzenden Hochhäusern, liegende Büro, das die Sonne in ein tiefrotes Licht tauchte. Weit unter ihrem Kontaktpunkt zu der Erde bewegten sich kleine Punkte über einen geräumigen Vorplatz, von dem man einen exzellenten Blick auf die Golden Gate Bridge hatte, die jetzt in dem tiefroten Licht unterzugehen schien. Ein Licht, das zum richtigen Zeitpunkt eine entspannte Atmosphäre ausgestrahlt hätte. Jetzt allerdings, warf es des Admirals Schatten weit über ihre Köpfe hinweg und das einfallende Licht  in seinem Rücken ließ ihn wie den Racheschergen einer höheren Macht wirken, in diesem Fall der Sternenflotte.
"Ja, so könnte man es durchaus ausdrücken. Auch wenn 'gewaltsam' und 'gefährlich' nicht die richtigen Ausdrücke sind. Sie wissen doch, dass es sich um eine durchaus komplexe Situation gehandelt hatte." James Tiberius Kirk versuchte ein reuevolles Gesicht aufzusetzen, welches er ebenso mit Bravour meisterte wie der schottische Ingenieur neben ihm, den sie auf Delta Vega in dem für Menschen kaum zumutbaren Außenposten angetroffen hatten. Neben seinem Temperament war er ein wahres Genie, eventuell noch beeindruckender als der Vulkanier, der wie in Stein gemeißelt neben ihnen stand. Der Vulkanier, der ihm vor wenigen Tagen ein Veilchen verpasst hatte und dessen Handabdrücke noch immer an seinem Hals sichtbar waren. Unauffällig zog der junge Captain seinen Kragen nach oben, während sich Archers Augen verengten. Seine Augen glichen denen eines Raubtieres, das gleich seine Beute erlegen würde. Ganz langsam und emotionslos, bis nur noch die Knochen übrig waren. In seinem Fall bezweifelte er, dass überhaupt noch etwas von ihm übrig bleiben würde und falls doch, dann hätte er es nur Admiral Pike zu verdanken, der hinter Archer in seinem Rollstuhl saß und nur passiv seine Präsenz wirken ließ.
"Wie ich Mister Spocks Bericht entnehmen konnte, und ich zitiere, 'handelte es sich hierbei um einen Interessenskonflikt bezüglich des Missionsverlaufes zwischen dem ersten Offizier,  dem jetzigen Captain der USS Enterprise, James Tiberius Kirk, und mir, dem zu diesem Zeitpunkt amtierenden Captain. Nach dessen unerwarteten Rückkehr von Delta Vega auf die Enterprise führten seine prägnanten Provokationen, bezüglich des Verlustes meiner Heimatwelt, zu einen physischen Konflikt. Aufgrund von emotionaler Kompromittierung war ich dazu verpflichtet, laut Sternenflottenvorschrift 619, das Amt des Captains nieder zu legen.'  Weitergehen schrieb er in aller Ausführlichkeit über ihr plötzliches Auftauchen an Bord der Enterprise. Ich zitiere erneut,  'so, dass Mister Scott sich während des Transwarp-Beamvorgangs auf die Enterprise in dem zentrale Wasserumpumpsysthem rematerealisierte.' " Er wand sich dem jungen, schottischen Ingenieuren zu, der damals seinen zweiten Beagle nach einer Differenz mit einem Ausbilder der Akademie, im Bereich der relativistischen Physik und des Subraumreisens, für immer verschwinden gelassen hatte. Damals hatte er diesen, nach einer Pampelmuse, als finales Beweisobjekt  genommen, dass es möglich sei über extrem große Distanzen zu beamen. Doch tragischer Weise war dieser aber bis zu dem jetzigen Zeitpunkt nie wieder aufgetaucht.  Ein durchaus tragischer Vorfall, vor allem für den Schotten, der unter unliebsamen Bedingungen auf den Außenposten auf Delta Vega versetzt wurde. Ein wenig schuldig fühlte jener sich allerdings schon für das Verschwinden des Admirals preisgekrönten Hundes. Montgomery Scott ließ ausweichend seinen Blick durch das hochgradig eintönige Büro schweifen, bis sein Blick an einer kleinen Kreatur neben der bis an die Decke ragenden Glasvitrine hängen blieb, in der sich Auszeichnungen und Schiffsmodelle stapelten. Sein Gesicht verzog sich für einen Sekundenbruchteil zu einer nachdenklichen Grimasse, bis er sich dem Admiral wieder zuwand. Er gestikulierte in die Richtung der Kreatur auf dem Kissen mit schief gelegten Kopf.  "Ist das Ihrer?" Der Beagle hob winselnd seinen Kopf.

In den folgenden Tagen, nachdem die Stimmung in Admiral Archer Büro erheblich gekippt war, folgten jede Menge Ehrungen und Galen. Eine pompöser und langweiliger als die Andere. Nyota Uhura und ihr Vertrauter Spock waren wohl die Einzigen der anwesenden Enterprisebesatzung, die Gefallen an solchen Veranstaltungen fanden. Wobei es bei dem Vulkanier nur die Höflichkeit war, weshalb er sich mit den meisten Anwesenden unterhielt. Bei der Offizierin war es allerdings die Aussicht ihre linguistischen Fähigkeiten zu erweitern. Das aktuelle Opfer des Paares war ein junger Benzite mit herausragenden Waffenkenntnissen. Dieser sah allerdings so erfreut aus wie Leonard McCoy, der sich zwangshaft mit dem Arzt der USS Trieste unterhielt. James T. Kirk beobachtete die Szene verborgen hinter seinem bereits dritten Glas Scotch an der Bar. Er blieb so lange unbemerkt, bis sein schottischer Ingenieur mit dem russischen Navigator betrunken auf ihn zu getaumelt kamen. Mit einer durch den Alkohol gehobenen Stimmung setzten sie sich neben ihm nieder und begannen sich mit einem lauten Gelächter Geschichten aus ihrer Heimat zu erzählen. Sie waren eine gute Abwechslung für die, seiner Meinung nach hier im Raum liegende, langweilige Stimmung. Das Gelächter der Beiden zog nicht nur massenhaft zornigen Blicke der Besucher und einen schneidenden Blick von Spock auf sie, sondern auch Doktor McCoys Aufmerksamkeit. Dieser nutzte die Möglichkeit direkt und eskortierte die Beiden, und sich selbst, von der Gala hinweg. James blieb alleine zurück, unter dem abwartenden Blick des Arztes der Trieste ein Gespräch zu beginnen. Er flüchtete zu dem Wissenschaftsoffizier und dessen Freundin in die Menge. Beide legten die gleiche Begeisterung zu Tage, als sie ihn sahen, wobei die dunkelhäutige Schönheit es ihn wesentlich mehr spüren ließ als der Vulkanier. Der Abend wurde erste besser, nachdem er die prunkvolle Gala nach einer für ihn als angemessen empfundenen Zeit verlassen hatte. Denn zwischenzeitlich war Admiral Archer hinter ihm her gewesen, ausnahmsweise ohne seinen Beagle, dem er schleunigst entkommen wollte. Spock und Admiral Pinke hatten ihm schlussendlich eine kurze Predigt gehalten über ein angemessenes Verhalten für einen Captain der Sternenflotte, als er sich bei ihnen frühzeitig verabschiedet hatte, bevor er die Flucht ergriffen hatte. Er hatte nicht zugehört.

Mit einem brummenden Schädel betrat er am nächsten Tag die USS Enterprise. Überall um ihn herum eilten Besatzungsmitglieder hastig durch die Gänge, um noch letzte Markel seiner Lady zu beseitigen. Vereinzelt standen noch Wartungsschächte offen, aus denen wie in einem zerstörten Ameisenbau Ingenieure heraus strömten. Einige von ihnen unterbrachen kurz ihre Arbeit, um zu salutieren. Mit einem Lächeln im Gesicht und einem weiten Bogen um die Krankenstation schritt er auf dem Turbolift zu, der ihn zu der Brücke brachte. Noch bevor sich die Türen komplett öffnen konnten, zog er seine Uniform ein letztes mal gerade und beseitigte einen Fleck am Ärmel so gut es möglich war, den er sich am Morgen durch den Kaffee zugezogen hatte. Die zusätzlichen Medikamente gegen den Kater, den er nach dem Aufwachen verspürt hatte, hatten ihm genauso viel geholfen wie der Kaffeefleck. Sie waren zwar da, brachten aber nichts und auf die Krankenstation wollte er nicht freiwillig. Sein Freund Pille würde ihn mit Sicherheit einer vollständigen medizinischen Untersuchung unterziehen, wenn er schon einmal die Gelegenheit dazu bekäme. Ihm graute es jedes mal, wenn er ihn in der Nähe der Krankenstation sah, dass aus dem Nichts ein Hypospray an seinem Hals auftauchen könnte, um ihn erneut mit Alienkrankheiten zu infizieren.
Bevor er die Brücke vollständig betreten konnte, hörte Jim bereits Mister Sulus Stimme. "Manövriertriebwerke und Impulsantrieb zu Ihrer Verfügung, Sir.", ergänzt durch Ensing Chekovs "Waffensysteme und Schilde sind bereit." Jim lächelte einem genauso müde aussehenden Russen entgegen. Auch ihm schien die Gala nicht gut bekommen zu sein. "Dockkontrolle meldet Bereitschaft, Captain." Die durchaus begabte Kommunikationsoffizierin drehte sich zu ihm um mit einem Lächeln. Seine Flirtversuche hatte er schon längst eingestellt. Zum Einen, weil er nun ihr Vorgesetzter war und zum Anderen hatte er seine Lektion gelernt, sich niemals mit einem Vulkanier anzulegen, wenn es um dessen Emotionen ging, von denen James jetzt wusste, dass diese weit unter dieser kühlen Fassade existierten. James ließ seinen Blick stolz über die Brücke schweifen. Keine zwei Meter vor ihm entfernt erblickte er den leitenden medizinischen Offizier. Es überraschte ihn ihn hier auf der Brücke zu sehen. Denn meistens verzog er sich in einen Raum, wo er in Ruhe seiner Todesangst nachhängen konnte. Von daher wunderte es James nicht, dass Pilles Gesicht wie immer von einem Schatten überzogen war, wenn es auf einen interstellaren Flug zuging. Schon in dem Moment, als sie sich das erste Mal begegneten hatte er seine Angst vor dem Fliegen offen gezeigt. Mit einem freundschaftlichen Schlag auf die Schulter ging er energiegeladen an ihm vorbei. "Pille. Festhalten!" Leonard McCoy konnte die Begeisterung des Captains nicht nachempfinden. Während er weniger erfreut den Kopf schüttelte und seiner Exfrau erneut im Stillen dankte, die ihn in diese Lage manövriert hatte, ließ James T. Kirk sich in seinen Stuhl fallen. Er stellte eine Verbindung zum Maschinenraum her.
Einigen der Ingenieuren, die er auf dem Weg zur Brücke getroffen hatte, war bereits schon anzusehen, dass sie unter dem Temperament des Schotten litten, der jetzt die volle Kontrolle über das Herzstück seines Schiffes hatte. "Scotty, wie sieht's aus?"
"Dilithiumkammer auf Maximum Captain.", hallte seine Stimme  gefolgt von einem "Geh da runter!", durch das Kommunikationssystem des Schiffes. Offenbar saß sein kleiner Freund, der auf Delta Vega bei ihm gewesen war und mit der Weile ebenfalls an Bord der Enterprise versetzt worden war, mal wieder auf einer der Maschienen, auf der Scotty ihn nicht haben wollte. Wäre er nicht so intelligent und ein guter Freund von ihm, hätte der Schotte ihn mit Sicherheit schon aus dem Maschinenraum geworfen, wenn nicht sogar aus der Luftschleuse. Ihm wäre es egal gewesen, dass er dies nicht entscheiden konnte und Jim würde sich ihm ganz sicher nicht in den Weg stellen.
"Mister Sulu, Manövriertriebwerke bereit!"
Unerwartet öffneten sich die Turbolifttüren und ein großer Mann, in blauer Uniform und mit spitzen Ohren betrat die Brücke. Die gesamte Schichtsbesatzung drehte sich nach ihm um und auf James Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Dies war definitiv eine Überraschung mit der er nicht gerechnet hatte. "Bitte an Bord kommen zu dürfen, Captain."
"Erlaubnis erteilt." Noch während sich James aus seinem Stuhl erhob und der Vulkanier sich ihm näherte begann dieser zu sprechen. "Da Sie noch keinen ersten Offizier ernannt haben, möchte ich hiermit meine Bewerbung einreichen. Falls gewünscht könnte ich auch Zeugnisse über meinen Charakter vorlegen." Ihnen beiden war bewusst, dass der letzte Satz scherzhaft hinzugefügt worden war.  Er wusste, dass der Vulkanier niemals zugeben würde, dass er gescherzt hatte. Ebenfalls war sich James vollkommen bewusst, dass der Vulkanier seine einzige Überlebenschance war. Trotz ihrer Differenzen in der Vergangenheit bewunderte er sehr wohl seine sture Logik und die überragende Intelligenz. Er würden ihn brauchen, wenn er die nächsten Jahre seinen Rang behalten wollte.
"Es wäre mir eine Ehre Commander." Erneut setzte James sich hin und richtete das Wort an seinen Steuermann, während sein neuernannter erster Offizier seinen Posten auf der Brücke einnahm.

"Manövriertriebwerke, Mister Sulu."

"Die Triebwerke sind bereit."

"Bringen Sie uns raus."

"Aye, Aye! Captain!"

Der Boden unter ihren Füßen begann zu vibrieren, als sich seine Lady den Weg durch den Raum bahnte. Noch nie war er so stolz gewesen.
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