Krumm oder gerade

GedichtPoesie / P12
13.08.2019
13.08.2019
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Krumm oder gerade?

Der Eine steht herum, recht faul, fast kerzengrade,
Der Andere, er muss sich krumm und bucklig schinden.
Der Erste lebt im Speck wie eine dicke Made,
Den Zweiten trifft das Los, sich ständig zu verwinden.

Trinkt jemand allzu viel der Hopfenlimonade,
Vergisst für den Moment das Maß und auch das Ziel,
Dann schlängelt sich sein Weg, verläuft drum nicht gerade.
Von daher wirkt sein Gang auch etwas instabil.

Selbst bei des Königs Spiel sind Züge krumm und schief:
Kennt ihr den Rösselsprung, den Königszug Rochade?
Auch die Natur wächst stets verwoben, kreativ,
Und wäre dem nicht so - es wäre jammerschade!

Der Mensch hingegen strebt nach schnurgeraden Kanten -
Das Krumme scheint suspekt, wenn nicht sogar misslungen.
Wer schiefe Formen hasst, wird bald auch zum Pedanten,
ist nicht mehr einfallsreich, kennt keine Neuerungen.

Ist dies des Menschen Art, sich leichthin zu belügen?
Wie selten ist uns denn die Ehrlichkeit willkommen?
Wer wollte sich bewusst der Wahrheit leidvoll fügen?
Geradheit wird zu oft - am Ende krummgenommen.

© Norbert Rahn
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