metal monsters

GeschichteFreundschaft / P18
Eustass 'Captain" Kid Killer OC (Own Character) Puma D. Ace / Gol D. Ace
13.08.2019
13.08.2019
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Erst zehn vor vier. Sprich – er würde noch mehr als eine Stunde vor dem Papierkram sitzen. Keine Aussicht, die Kidds Laune unbedingt heben würde. Schon gar nicht, wenn die heutige Post nahezu ausschließlich aus Rechnungen besteht, deren Zahlungsziel innerhalb der nächsten zwei Wochen liegt. Nicht, dass der Laden schlecht laufen würde, aber es gibt Dinge, die nerven ihn einfach aus Prinzip. Und Menschen, die Geld von ihm wollen, gehören eindeutig dazu.

„Diese verdammten, kleinschwänzigen Affenköpfe…“.
Die falsch ausgestellte Rechnung in seiner Faust, greift er nach dem staubigen Telefon, um seinen Hauptlieferanten anzurufen. Zum wiederholten Mal hat dieser doch kackendreist den ausgehandelten Rabatt unter den Tisch fallen lassen! Schon das letzte Mal hatte sich eine seiner neuen Tippsen für den Fehler entschuldigt, bis sie letztlich unter seinen Worten begonnen hatte zu Heulen, nichts Sinniges mehr herausgebracht hatte und es an Kidd war, das Gespräch zu beenden. Das billige Schriftstück hatte er parallel zerrissen und den Hörer derart auf die Gabel geschmissen, dass der Kunststoff nachgegeben hatte und nur noch unbrauchbare, herausstehende Kabel zurückließ. Das neue, schnurlose Teil, das Killer für neunzig Tacken angeschleppt hatte, erinnert Kidd in seiner Hand allerdings eher an einen dieser schäbigen Gratis-Minivibratoren, mit denen kein Mensch etwas anzufangen weiß und dennoch hält die Sex-Industrie sie ernsthaft für brachbare Give-Aways. Diese mikroskopisch kleinen Tasten sind mit seinen Pranken schier untreffbar. Selbst mit aller Vorsicht, die er zu dieser Tageszeit noch aufbringen kann, betätigt er statt einer gleich drei Zahlen. Wäre in diesem Moment nicht die Tür der Werkstatt aufgestoßen worden, hätte er wieder eines der elektronischen Geräte auf seinem nicht vorhandenen Gewissen. Also begnügt er sich damit, noch einmal von vorn zu beginnen in der stillen Hoffnung, bei Erfolg damit, so kurz vor Feierabend, noch einem dieser fruchtlosen Kundengespräche entgehen zu können, die ihm den letzten Nerv rauben, aber kein Schotter aufs Konto bringen. Im bestmöglichen Szenario verzieht sich der Typ gleich wieder und hinterlässt nichts als einen faden Windhauch in der unerträglichen Sommerhitze.

„Eustass. Die Buchhaltungsdeppen, sofort!“
Kidd fährt sich mit der freien Hand über das Gesicht und stöhnt. Wie sehr er diese grottige Klangabfolge in dem Laden hasst, mit der sie die wartenden Kunden bestrafen, wenn diese sich an andere Stelle durchstellen lassen. Schwer zu sagen, was schlimmer ist -– die Musik oder diese furchtbar motivierten, viel zu freundlichen Stimmen am anderen Ende der Leitung. Als abgenommen wird, bereut er seinen Anruf schon mit dem ersten Wort seines Gesprächspartners. Er erinnert sich zu gut an diese Quietschestimme. Als wäre er auf eins der Gummihühner von Ramses getreten, die angekaut überall in der Wohnung verteilt liegen.
„Guten Tag, Sie sprechen mit -“
„Eure verschissene Rechnung ist wieder falsch, ihr Vollidioten!“ Sein Daumen und der Zeigefinger massieren seine Nasenwurzel. „Seid ihr eigentlich auch zu doof zum Scheißen oder klappt wenigstens das?“
Ein Räuspern auf der anderen Seite. Der zu hohe Ton schmerzt in seinen Ohren. Wie hatte er gehofft, das Weib hätte nach ihrem letzten Gespräch gekündigt.
„Würden Sie mir freundlicherweise die Rechnungsnummer durchgeben? Sie finden diese auf der linken -“
„Gott, wie viele Rechnungen verschickt ihr denn an mich? Nachdem ihr die letzte endlich geradegezogen hattet, habe ich keine Ausstände, also sieh‘ zu! Und falls das zu schnell war – es sollte die einzige sein, die verdammt nochmal ausständig ist.“
Er zwingt sich zur Ruhe. Leider liefern sie pünktlich und den Rabatt hat bisher kein anderer halten können. Kidd kann sich schlecht selbst abends noch an den Kessel setzen und Speichen, Muttern, Schrauben und den ganzen anderen Dreck gießen. Nicht, dass er darüber nicht schon nachgedacht hätte…
„Oh – ich sehe schon. Der Rabatt fehlt wieder einmal. Würden Sie die Rechnung so überweisen und ich versende noch heute eine Gutschrift?“
Um nichts Falsches zu sagen, legt Kidd den Hörer beiseite, stellt auf Lautsprecher und zerreißt genüsslich das Blatt Papier in seinen Händen, bis nichts übrig ist als wertloses Konfetti. Einen Teufel würde er tun – das wäre ja noch schöner.
Er ist fast ein wenig stolz, als er ein kurzes Brummen der Tippse vernimmt. Vielleicht besteht doch noch Hoffnung. Leider fängt sie sich zu schnell. Das war wohl nichts.
„Das werte ich als ein Nein. Ich storniere die Rechnung sofort und lasse sie Ihnen korrigiert zukommen. Bitte entschuldigen Sie die -“

Und aufgelegt – erledigt! Wieder ein gestrichener Punkt auf seiner To-Do-Liste des heutigen Tages. Eigentlich könnte er jetzt auch in den Sack hauen und sich vor der Glotze ein Sixpack gönnen. Der Dönermann seines Vertrauens liefert mittlerweile sogar und versteht endlich, dass mit seinem „Extra Fleisch“ automatisch alles außer Brot, Soße, Zwiebeln und eine Wagenladung totes Tier ausgeschlossen ist. Aber bevor er weiter über den möglichen Verlauf des Abends sinnieren kann, wird ihm klar, dass die Tür zur Werkstatt kein zweites Mal aufgegangen ist und der Freak damit noch immer hier ist. Außerdem ist es verdächtig still…

Der hintere Teil der riesigen Halle findet er Killer und Ace – allerdings nicht mit Werkzeug in den Händen, obwohl beide Bikes, an denen sie arbeiten, noch aufgebockt sind. Bei den Hebebühnen gammeln sie, Kaffeetassen in den Händen. Zwischen ihnen, mitten im Gespräch, mit dem Rücken zu Kidd, eine Frau, der Helm unter einen Arm geklemmt. Als seine Partner zu hm aufsehen, dreht sie sich um. Im Licht der LED-Leuchten, die starkes, weißes Licht von der Decke schicken, kann er die roten Abdrücke des Integralhelmes auf Höhe ihren Wangenknochen erkennen. Als feine Streifen ziehen sie sich fast bis zum Kinn hinab. Typisch Frau – selbst beim Helm zur kleinere Größe greifen, um das Ego zu befriedigen. Unsinnig. Was wird sie schon fahren? Kurz scannen seine Augen die für eine Frau ordentlichen, vielleicht 1,75 Meter. Nicht unbedingt der Harley-Typ, dennoch auf jeden Fall Chopper, allein wegen des Arschsofas, damit Prinzesschen auch bequem sitzt. Sparsam, verlässlich. Yamaha vielleicht. Oder eine Honda. Mit Glück wenigstens einen Oldtimer, um die Sache ansatzweise interessant zu machen.


„Was ich eigentlich wollte “, ihr Blick schweift zwischen den dreien hin und her, bleibt dann an dem Rolltor neben dem Haupteingang hängen, „wem gehört das Superbike da draußen? Ich brauche jemanden mit Erfahrung.“    


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Einen wunderschönen guten Abend. Dies soll mal meine zweite 1.000-Worte-Story werden. Falls noch unbekannt - das Prinzip ist recht simpel; jedes Kap hat maximal 1.000 Worte. Die Sicht des OC versuche ich zu vermeiden, um diese erst durch die Beschreibung der anderen Figuren entstehen zu lassen. Als Anstöße habe ich mir das 120'er-Projekt geschnappt. Da ich aber nicht vorhabe, so viele Kaps zu schreiben, erspare ich mir und euch die Auflistung und das Absteichen.

Vielleicht kommt dem einen oder anderen der Titel bekannt vor - wenn ja, korrekt. Es soll die Vorgeschichte werden ; )
Bei Interesse - viel Spaß!

Liebe Grüße,
Tine
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