The Other Slytherin Girl

GeschichteDrama, Fantasy / P16
Albus Dumbledore Horace Slughorn Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Magische Wesen OC (Own Character) Rubeus Hagrid
13.08.2019
18.09.2019
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Amy und die anderen schlossen sich der übrigen Schar an Schülern an und nach einer Weile standen sie vor dem Schloss Hogwarts. Sie gingen eine lange Steintreppe hoch und sahen vor einem riesigen Eichentor bereits jemanden auf sie warten.

»Herzlich Willkommen, meine Lieben! Nur herein, nur herein!«, sagte Professor Slughorn und winkte sie alle ins Schloss.

Drinnen stand ein weiterer Lehrer, der sie nun eine gewaltige Marmortreppe heraufführte.

»Das ist Prof. Herbert Beery. Lehrer für Kräuterkunde.«, flüsterte Nina Amy zu. »Er tut jedes Jahr so, als würden wir uns ohne seine Hilfe nicht zurechtfinden.«

»Mit Kräutern kenne ich mich ein wenig aus. Vielleicht wird das mein bestes Fach.«, sagte Amy, während sie sich möglichst heimlich im Schloss umschaute, um nicht wieder aus der Menge herauszustechen.

Bislang hatte sie Glück gehabt und die Schüler waren zu sehr in Gespräche vertieft, um ihr größere Beachtung zu schenken. Die Eingangshalle war so groß, dass Amys altes Lotsenhaus in Borth-y-Gest mehrmals reingepasst hätte. An den Steinwänden sorgten Fackeln für mäßige Beleuchtung. Die Decke war so hoch, dass Amy sie nicht mehr erkennen konnte. Schließlich erreichten sie einen riesigen Saal, dessen Anblick Amy den Atem raubte.

Vier lange Tische standen in ihm, an denen sich nun die Schüler platzierten. Jedes Haus hatte seinen eigenen Tisch. Noch ehe Amy überlegen konnte, an welchen Tisch sie sich denn nun setzten könnte, nahm Olive bereits ihre Hand und ging mit ihr und den anderen Ravenclaws zu dem Tisch ihres Hauses.

Die Tische waren gedeckt mit den allerfeinsten Speisen und edlen Goldtellern in denen sich die abertausenden Kerzen spiegelten, die über ihren Köpfen schwebten und den Saal in ein mystisches Licht tauchten.

Amy konnte Professor Dippet erkennen, der ganz vorn vor einem fünften Tisch herum gestikulierte, der waagerecht zu den Tischen der Schüler stand. Das musste der Tisch für das Lehrerkollegium sein. Amy fühlte sich beklommen bei dem Gedanken, dass sie als Lehrerpraktikantin eigentlich dort hätte sitzen müssen. Sie hoffte, dass man ihr gestatten würde, bei den Schülern und somit ihren Freunden bleiben zu können.

Professor Dumbledore hatte sie nun gesehen und kam aufgeregt auf sie zugestiefelt. »Miss Owens, schön, dass Sie da sind. Hatten Sie eine angenehme Zugfahrt?«, fragte er und blinzelte über eine halbmondförmige Brille hinweg, die er bei ihrem letzten Treffen noch nicht trug.

»Ja, das hatte ich. Danke der Nachfrage, Professor.«, sagte Amy und lächelte den freundlichen Zauberer an.

»Ich hoffe Tom hat seine Aufgabe nicht zu ernst genommen.«, ergänzte Dumbledore und hob die Augenbrauen.

»Er hat mich sicher zu allen wichtigen Orten geführt und war stets freundlich.«, antwortete Amy ohne weiter auf Details einzugehen.

»Sehr schön. Wir reden später noch einmal darüber«, sagte Dumbledore. »Jetzt darfst du an unserer alljährlichen Zeremonie teilnehmen, bei der die Erstklässler begrüßt und in ihre jeweiligen Häuser einsortiert werden.«

Der Zauberer ging flinken Schrittes zurück zum Lehrertisch als er hörte, dass die Neulinge bereits auf dem Weg zum großen Saal waren. Dann marschierten sie einer nach dem anderen ein. Amy erkannte staunende, ängstliche, aufgeregte und ehrfürchtige Blicke und sie erkannte Algie Longbottom, der ihr lächelnd zuwinkte.

»Der Himmel dort oben ist übrigens nicht echt«, flüsterte Dion auf einmal. »Die Decken wurden verzaubert und zeigen ein Abbild des Himmels, wie er draußen wirklich zu sehen ist.«

»Wow, die haben hier echt an alles gedacht, um ein unvergessliches Erlebnis zu kreieren.«, sagte Amy und sah dann, dass Professor Dumbledore in eine kleine Tür neben dem Lehrertisch verschwand und Professor Dippet sich für seine Ansprache bereithielt.

»Erstklässler, macht euch bereit für eure erste Prüfung!«, verkündete Dippet und schon kehrte Dumbledore zurück. In den Händen hielt er einen alten, verschlissenen und an manchen Stellen geflickten Spitzhut.

»Der Hut kann sprechen«, beugte sich Olive erklärend zu Amy rüber. »Er hält gleich eine lange und langweilige Rede über die Werte Hogwarts und unserer Häuser und dann wird er jedem neuen Schüler auf den Kopf gesetzt. Der Hut entscheidet dann, in welches Haus der jeweilige Schüler einsortiert wird. Das ist einer der aufregendsten Momente im Leben einer Hexe oder eines Zauberers.«

Olive hatte nicht zu viel versprochen. Kaum auf einen Stuhl gelegt, begann der Hut tatsächlich zu sprechen. Er redete in Reimform und bedachte dabei jedes der vier Häuser, mahnte zum Zusammenhalt und anderer ehrbaren Eigenschaften. Es war durchaus auch ein wenig unterhaltsam, was das alte Kleidungsstück da hervorbrachte, doch Amy spürte, dass in Wahrheit alle nur auf den Augenblick warteten, an dem die Erstklässler ihn endlich aufsetzen würden.

Dies Geschah, nachdem der Hut mit seinem Gedicht fertig war und verstummte. Nun wurden in alphabetischer Reihenfolge alle neuen Schüler aufgerufen und gebeten, sich auf den Stuhl zu setzen. Amy hatte das Gefühl, dass der Hut durchaus darauf bedacht zu sein schien, ein möglichst gleichmäßiges Verhältnis unter den Häusern zu schaffen. Nach und nach gesellten sich die Neuankömmlinge zu ihren zugewiesenen Häusern und damit den entsprechenden Tischen.

Als »Longbottom, Algie!« aufgerufen wurde, spitzte Amy ganz besonders die Ohren. Sie wollte unbedingt wissen, in welches der Häuser ihr kleiner Schützling von vorhin zugewiesen wurde. Nach vergleichsweise nur recht kurzer Zeit rief der Hut laut und deutlich hörbar: »Gryffindor!« und man sah förmlich, wie dem Jungen ein Stein vom Herzen fiel. Die Slytherins rund um Abraxas Malfoy nickten sich stumm zu und verzogen das Gesicht. Amy war froh, dass der Hut Algie tatsächlich nicht zu den Slytherins einsortiert hatte. In Gryffindor hatte er die Möglichkeit, Malfoy und seinen Freunden auszuweichen.

Nachdem die Zeremonie nach etwa einer Stunde vorbei war, wollte Dumbledore den sprechenden Hut bereits wieder forttragen, als Amy sah, wie Dippet ihn offenbar bat, damit noch zu warten. Dann stellte sich der Schulleiter an sein Rednerpult und räusperte sich laut, um die Aufmerksamkeit der aufgeregten Schüler zu bekommen.

»Herzlich Willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts!«, tönte seine piepsige Stimme durch den Saal. »Bevor ihr euch auf die vielen Köstlichkeiten vor euch werfen dürft, möchte ich noch kurz ein paar Worte verlieren. Diese gelten unserer langjährigen Lehrerin im Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste, Professor Galatea Merrythought, für die das diesjährige ihr letztes Schuljahr sein wird, bevor sie in den verdienten Ruhestand geht. Applaus, bitte.«

Alls Schüler applaudierten ihrer zu Tränen gerührten Lehrerin. Als diese sich wieder gesetzt hatte, fuhr Dippet mit seiner Rede fort und Amy spürte, dass sein Blick nun auf ihr ruhte.

Es war wohl unvermeidlich, dass er auch sie bei seiner Ansprache bedenken musste. Amy sah das Erstaunen, das seine Worte über sie und ihre Doppelgängerin in die Gesichter der Schüler zauberte. Er ließ tatsächlich nichts aus, was er über sie und Manda wusste und ermahnte nachdrücklich alle Schüler, ihr bei der Suche nach Informationen über die ehemalige Schülerin zu helfen.

Viele blickten sich ratlos an und Amy wusste, dass Manda mit den allermeisten der hier anwesenden Schüler keinen oder kaum Kontakt hatte. Dann fiel ihr Tom ein, den sie während der ganzen Zeremonie nicht einmal beachtet hatte. Er saß inmitten seiner Bande und sie schauten emotionslos in die Runde. Amy war nicht sicher, ob sie von denen jemals die geforderte Unterstützung bekommen sollte.

Nachdem Dippet alles zu ihrer Person erläutert hatte, wandte er sich Amy persönlich zu.

»Miss Owens, kommen Sie bitte nach vorn«, bat er die junge Frau und sie leistete dem mit klopfendem Herzen folge.

Ein Raunen ging durch alle Reihen und Amy konnte hier und da Wortfetzen erraten, die darauf hinwiesen, dass die Schüler über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen ihr und Manda diskutierten und darüber murmelten, dass ihnen Manda schon immer unsympathisch war.

»Miss Owens, Herzlich Willkommen«, sagte Dippet und reichte ihr seine zittrige, faltige, dürre Hand. »Wie sieht's aus, wollen Sie den Hut auch einmal probieren?«, fragte er daraufhin.

»Ähm, ich weiß nicht. Ich bin ja keine Schülerin, sondern nur Praktikantin.«, wollte Amy ablehnen, aber Dippet blieb hartnäckig.

»Ich denke aber, dass es Sie bestimmt interessieren würde, ob und was der Hut sagt, und ein bisschen ist es ja dennoch wie das erste Schuljahr für Sie. Habe ich recht?«

Das hatte Dippet. Amy hatte sehr oft darüber nachgedacht, während der Zeremonie. Doch von selbst hätte sie nie danach gefragt.

»Na ja, dann werde ich es probieren. Mal sehen was dabei herauskommt.«, willigte Amy schließlich unsicher ein.

Sie setzte sich wie zuvor die vielen Erstklässler auf den Stuhl und Dippet setzte ihr den sprechenden Hut auf den Kopf.

Amy war sich sicher, den Hut in ihrem Kopf murmeln zu hören, doch konnte sie nicht herausfinden, ob er mit sich selbst oder mit ihr sprach. Schließlich rief er laut und deutlich:

»SLYTHERIN!«