Heliopector

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Lucius Malfoy Narzissa Malfoy Severus Snape
13.08.2019
10.10.2019
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Mit zwei dicken Wälzern über Symbole, Runen und Zeichen, setzte sich Severus dann an einen Tisch am letzten Ende des Saales, in der Hoffnung, dass er allein blieb. Schnell war er in seine Lektüre vertieft.


Lucius hatte Mühe Viona und ihre unscheinbarer Mitbewohnerin loszuwerden. Snape hatte ihn misstrauisch gemacht. Von wegen gegen ein Regal gelaufen. Nahm er wirklich an, er glaubte ihm diese Lüge? Etwas war geschehen und wenn sich Lucius nicht grundlegend täuschte, könnte es etwas mit dem Eingang zum Labyrinth zu tun haben. Kuzman hatte ihm gesagt, dass es gut bewacht war und vielleicht hatte der Schwarzhaarige das heute zu spüren bekommen.
Dabei war sich Lucius gar nicht sicher, ob er sich eher Sorgen um Snape und seine jugendliche Unbesonnenheit machte, oder ob er sogar eine Art Neid empfand. Auch wenn er keine Ahnung hatte, was das Verbotene Sehen war, so war es Severus offenbar geläufig und so erstrebenswert, dass er Verletzungen in Kauf nahm, um das Labyrinth zu betreten. Wie auch immer, er müsste mit Snape reden, obwohl ihm das durchaus Bauchweh machte, denn irgendetwas Seltsames geschah zwischen ihnen, was er nicht genauer beschreiben konnte. Vielleicht war es eine schräge Hingezogenheit, vielleicht neidgetragener Argwohn, der andere könnte besser oder klüger sein, als er selbst. Vielleicht sorgte er sich auch nur ganz unnötig um den Jungen, der doch schon 18 Jahre alt war und selbst für sich verantwortlich war. Lucius hätte den Grund nicht sagen können, wusste aber, dass er mit Snape reden müsste. Zielstrebig lief er in Richtung Bibliothek. Fast alle Teilnehmer der winterlichen „Lernrunde“ waren noch beim Essen, dachte er zumindest, als er leise durch die riesige Doppeltür trat, die offen war. Gleich neben der Tür, an einem Regal, lehnte ein junger Mann. Er war ein wenig größer als er selbst, hatte kurze, dunkelblonde Locken und drehte sich nicht mal zu ihm herum. Erst glaubte er, der Mann, den er schon am ersten Tag gesehen hatte, hätte ihn nicht bemerkt. Das stimmte nicht. Langsam und nicht darauf erpicht leise zu sein, ging er zu ihm. Der Mann blickte zum Ende des riesigen Saales. Dort saß Severus an einem der Tische und blätterte durch ein sehr dickes Buch. Er hatte sie definitiv nicht bemerkt und schien sehr vertieft zu sein.
Lucius sah den Kerl an. Sein Gesicht war hübsch und jungenhaft. Seine Lippen schmunzelten und seine grünblauen Augen mit den langen Wimpern wirkten verträumt. Seine Augenbrauen waren ein wenig angehoben und gaben ihm einen staunenden Ausdruck, der wunderbar mit seinem verträumten Blick zusammen passte. Er war allerhöchstens so alt wie Lucius selbst und nun erinnerte er sich auch, dass er aus einem Gespräch gehört hatte, dass dieser Bursche zusammen mit seinem Vater hier war. Der Mann hatte ihn durchaus bemerkt, sah ihn aber nicht an. Dieses unhöfliche Verhalten begann Lucius zu ärgern.
„Was gibt es?“, fragte er deshalb dunkel und leise.
„Ihn!“ Die grünblauen Augen deuteten zu Severus und Lucius runzelte verärgert die Brauen.
„Und?“
„Ist er nicht … wundervoll in seiner finsteren Ausstrahlung?“, fragte der Kerl nun mit belegter Stimme. Sie war tief und erzeugte ein unangenehmes Vibrieren in Lucius.
„Oh entschuldige bitte, wie unhöflich von mir. Ich bin Thomas Lee Maigret und wie du vielleicht an meinem Akzent hören kannst, komme ich aus der Beauxbatons Akademie, die ich natürlich schon längst abgeschlossen habe. Mein Vater hat mich nur mitgeschleppt, weil er denkt, ich könnte hier noch etwas lernen.“ Er hielt Lucius die Hand hin und flüsterte noch immer noch. Lucius ignorierte seine Hand und sah zu Snape, der nichts zu merken schien.
„Aber so unter uns … es ist hier wie im Mittelalter und dieser interessante Kerl dahinten ist der einzige Lichtblick am Horizont, wenn du verstehst, was ich meine?“
„Nein“, sagte Lucius nur und versuchte angestrengt eine unhöfliche Bemerkung nach unten zu schlucken.
„Ihr teilt euch doch ein Zimmer und kommt aus der gleichen Schule, oder? Hogwarts, richtig?“ Thomas ließ sich von seiner Einsilbigkeit überhaupt nicht abschrecken und Lucius ordnete ihn automatisch dieser Art extrovertierter Menschen zu, die er nicht ausstehen konnte. Menschen, die alle anderen mit ihrer einnehmenden Art über den Haufen rollten, ohne sich Gedanken darüber zu machen.
„Ja, wir waren beide in Hogwarts, in Slytherin“, sagte er nur eine Spur drohender und bemühte sich nicht wirklich zu flüstern.
„Ah … davon habe ich schon gehört …“ Ein Schatten der Furcht oder der Bewunderung huschte durch Thomas‘ Gesicht und Lucius hätte ihm sofort einen Namen geben können. Tom Riddle, der ebenso ein Slytherin gewesen war wie er und Snape.
„Ist er … ich meine, dein interessanter Freund, hat er …“
„Er ist nicht mein Freund!“, sagte Lucius sofort kalt. Thomas hob die Brauen und sah ihnen ein paar Augenblicke skeptisch an. Dann lächelte er wieder charmant.
„Ist er vergeben? Weißt du das? Oder würde ich mich umsonst vor seine Füße werfen?“ Bei so viel direkter Dreistigkeit stockte Lucius wirklich der Atem. Ihm gefiel weder wie dieser Kerl mit ihm sprach, noch wie er über Severus dachte und was er beabsichtigte.
„Keine Ahnung. Frag ihn doch selbst“, sagte er nur rau und ging dann einfach weg, ehe er noch die Dummheit begehen würde und seinen Zauberstab benutzen würde. Das war nur im Rahmen von Übungen erlaubt, sonst nicht. Er würde Durmstrang verlassen müssen und das, ohne die Legilimentik gelernt zu haben. Undenkbar! Nicht, wegen so einem Söhnchen, der sich hier nur langweilte und Anschluss und vielleicht mehr suchte. Lucius spürte Thomas‘ verwunderten Blick im Rücken, doch drehte sich nicht mehr herum.


Snape kam so spät in ihr Zimmer, dass Lucius aus seinem Halbschlaf hochschreckte.
„Und, gefunden, was du gesucht hast?“, fragte er ihn auch sofort. Severus sah ihn aus verengten Augen an.
„Erwartest du eine bestimmte Information, Malfoy? Ich soll dich übrigens von diesem Franzosen, dessen Namen ich vergessen habe, grüßen und soll dir sagen, du sollst dich ein wenig entspannen. Was ist denn vorgefallen?“ Lucius schnappte unauffällig nach Luft. Dieser Mistkerl drehte gerade den Spieß um, indem er ihm vor den Kopf stieß und das konnte er sich nicht gefallen lassen. Wie eine Furie sprang er aus dem Bett und brachte Snape unverzüglich und geschickt zu Boden. Es war ein optimaler Moment, den er abgepasst hatte. Sein Mitbewohner hatte sich gerade sein Hemd über den Kopf gezogen und seine Arme hingen noch in den Ärmeln fest. Lucius packte sie, verdrehte die Hemdärmel und knotete sie fest zu.
„Verlierst du den Verstand, Malfoy?“, keuchte Snape empört und versuchte sich zu befreien.
„Verstand wird überbewertet. Ich will jetzt wissen, was du heute gefunden hast und was du in den Büchern nachgesehen hast!“, knurrte er dunkel. Er hockte auf Severus Bauch und starrte ihn herausfordernd an.
„Ach so und ich dachte, es könnte um diesen Typ gehen, der mich seltsame Dinge gefragt hat.“
„Seltsame Dinge?“ Sofort ärgerte sich Lucius, dass er nachgefragt hatte, denn Snapes amüsiertes Funkeln in den Augen war vielsagend. Er hatte ihn schon wieder in eine Falle gelockt, dieser kleine Bastard.
„Ob ich nachts schon etwas vorhabe, z.b. …“
„Hast du?“
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Malfoy. Jetzt geh von mir runter, du bist schwer. Falls nicht, dann …“
„Dann … was?“ Von einem Augenblick auf den nächsten wurde Lucius von seinem Verlangen überwältigt. Er blinzelte bestürzt, öffnete den Mund, um scharf die Luft einzusaugen und war nicht in der Lage sich zu erheben.
„Falls nicht, dann küss mich wenigstens …“, murmelte Severus dunkel. In seiner Stimme war ebenso deutlich die atemlose Sehnsucht zu hören, wie er sie fühlte.
„Ich … bin nicht … homosexuell, wenn du das denkst …“, brachte Lucius nur mühsam hervor.
„Ich weiß nicht genau, was ich denke, Malfoy …“, flüsterte der Dunkelhaarige. Ohne, dass er es beabsichtigte, beugte sich Lucius nun über ihn.


„Ich habe keine Ahnung, was hier vorgeht … Severus, aber ich weiß, dass du etwas vor mir verbirgst … und …“ Severus schloss seine Augen, als Lucius‘ Lippe seine berührten. Es war ein zarter Kontakt, wie die Berührung von Schmetterlingsflügeln.
„ … bis ich es weiß, kann ich dich küssen …“
Lucius konnte es nur, weil Severus quasi gefesselt war und ihm überlassen musste, was geschah. Snape wollte aber gar nichts tun, denn sich von dem blonden Mann küssen zu lassen, war unglaublich. Eigentlich hatte er Malfoy als einen Angeber und oberflächlichen Tyrannen in Erinnerung, doch diese Berührung, die so aufmerksam und liebevoll war, konnte nichts mit dem fiesen Kerl zu tun haben, der ständig andere Mitschüler schikaniert und manipuliert und bedroht hatte. Die weichen, langen Haare streichelten dabei über seine nackte Haut und bescherten ihm Schauer, die immer lustvoller wurde. Die Lippen des Blonden wurden energischer und Severus öffnete bereitwillig seine Lippen, um wieder das Prickeln zu fühlen, wenn sich ihre Zungen berühren würden. Wie schon das erste Mal, war es berauschend und er spürte tief in sich dieses heftige Begehren nach viel mehr. Es schoss unaufhaltbar nach oben und machte ihn ganz unbeherrscht. Als Lucius seinen Mund verließ, vielleicht um ihn anzusehen oder doch entsetzt über sich selbst aufzustehen, kam er ihm nach, weil er seinen Mund nicht mehr verlassen wollte. Aber Lucius legte eine Hand an seinen Kiefer und drückte seinen Kopf zurück auf den Boden. Sein hübsches Gesicht war ganz dunkel und man konnte das Grau seiner Augen kaum sehen. Sein Atem kam ebenso stoßweise aus seinem Mund, wie sein eigener, dachte Severus und es gelang ihm nicht irgendeinen Zusammenhang herzustellen.
„Mach weiter, Lucius!“, knurrte er heiser.
„Sag mir, was du hier wirklich willst und gefunden hast!“ Lucius flüsterte nur und seine Stimme klang nicht wie er selbst. Wie er da auf ihm hockte, wäre in anderen Momenten fast amüsant. Er trug seine dunkle Hose, die er aus mysteriösen Gründen nicht ausgezogen hatte, doch sein Oberkörper war nackt. Seine Haare waren nicht mehr ganz so glatt und sorgten für einen wilden Eindruck. Seine Augen fixierten ihn unter den halbgeschlossenen Lidern.
„Küsst du mich weiter, wenn ich es dir sage?“
„Erpresst du mich?“
„Ja.“ Unvermittelt musste Lucius lachen. Es klang erleichtert und ein wenig hysterisch zur selben Zeit.
„Was zum Teufel willst du von mir, Snape? Meine Dankbarkeit, weil du mein Leben damals gerettet hast? Meine Anerkennung oder meinen Respekt? Oder meine Hilfe? Ich verstehe es nicht …“ Und Lucius klang wirklich ratlos.
„Ich will, dass du mich küsst, weil es mir gefällt. Reicht das nicht?“
Länger sah Lucius ihn nun an. Seine Brust hob und senkte sich schnell.

Er verstand diesen Jungen überhaupt nicht. Geschweige denn, seine eigene, schmerzhaft ziehende Sehnsucht, die ihn gerade zu überwältigend drohte. Ja, Verstand wurde in der Tat überbewertet, denn er selbst konnte gerade gar nicht mehr denken. Alles, was er begehrte, lag unter ihm. Aber das würde sein Verhängnis sein. Irgendwas hinten in seinem Verstand warnte ihn davor und auch Tom Riddle tanzte dort einen Freudentanz.
„Du bist nicht schwul!“, sagte er hart, um die Situation ein für allemal zu bereinigen.
„Ebenso wenig wie du!“, keuchte Severus und packte plötzlich sein Genick. Irgendwie war es ihm gelungen einen Arm aus der Fesselung zu bekommen. Damit zog er Lucius wieder runter und drückte ihm hungrig die Lippen auf den Mund.
Lucius stöhnte überrascht auf und schaffte es, Snape ihm letzten Moment von sich wegzudrücken. Panik überschwemmte seine Gedanken und endlich schaffte er es hochzuspringen. Erschüttert sah er den Dunkelhaarigen an und rannte dann so wie er war aus dem Raum.
Zielstrebig lief er in das Zimmer, in dem er heute Sex mit Viona gehabt hatte. Er zitterte wie verrückt und bekam keinen klaren Gedanken zu fassten. Auf der Meditationsmatte brach er dann mehr oder weniger zusammen. Lucius lag auf dem Bauch, hatte seine Fäuste fest gegen seine Schläfen gepresst und flüsterte sich immer wieder denselben Satz zu:
„Das bin nicht ich!“
Damit versuchte er sich zu überzeugen, dass der Mann eben, der so leidenschaftlich den Jungen geküsst hatte, nicht er selbst war. Severus wusste es nicht, doch mit seiner ungestümen, offensiven Art, die der Riddles glich, hatte er ihm dermaßen Angst gemacht, dass es ihm endlich gelungen war aufzustehen und zu fliehen.
„Das bin ich nicht!“ Wieder und wieder flüsterte er es rau und hörte weder den Wintersturm, der um das Institut fegte, noch fühlte er die Kälte im Raum.
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