Zwischen zwei Welten

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Loki Thor
13.08.2019
01.10.2019
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Dieses Kapitel
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Willkommen zu meiner nun schon dritten Loki x Thor Fanfiktion!

Die Geschichte ist schon beendet, besteht aus 11 Kapiteln und ca. 27 000 Wörtern.

Da die Kapitel diesmal doch ziemlich unterschiedlich lang geworden sind und es mir wichtiger ist an einer, meiner Meinung nach, passenden Stelle einen Cut zu setzen, anstatt immer gleich lange Kapitel hervorzubringen, werden, eben je nach Länge, ein oder zwei Kapitel pro Woche online kommen.

Wie immer freue ich mich über Reviews und nehme konstruktive Kritik gerne entgegen! :)

Viel Spaß!



***************



Ein Krieg bahnte sich an. Jahrtausendelang lebten die Asen und die Eisriesen friedlich in ihren Welten, doch nun war dieser Friede in Gefahr. Odin Allvater, König von Asgard und Beschützer der neun Welten hatte dafür zu sorgen, dass dieser Friede gewährleistet blieb. Deshalb hatte er entschieden, nach Jotunheim zu gehen, um die Diskrepanzen mit den Eisriesen hoffentlich friedlich klären zu können.

Das erste Mal sollte Thor, sein einziger Sohn, diese Aufgabe für ihn übernehmen und seine Botschaft überbringen. Thor war noch jung, gerade achtzehn geworden und hatte viel Unsinn im Kopf. Eines Tages würde er in seine Fußstapfen treten und der König von Asgard werden. Doch bis es so weit war, musste er noch viel lernen und es würden noch Jahrhunderte, wenn nicht sogar noch ein Jahrtausend vergehen.

Odin sah dies nun als die perfekte Gelegenheit, um seinem Sohn zu zeigen, wie es war, wenn man wirklich einem Krieg ins Auge sieht und nicht nur aus Spaß in der Arena kämpft. Um Asgard einmal ein würdevoller König sein zu können, musste Thor lernen, was einen wahren Herrscher ausmachte. Ein wahrer Herrscher zerstörte nicht einfach alles, was sich ihm in den Weg stellte. Ein wahrer Herrscher handelte klug, weise, überdacht. Thor war noch viel zu feurig, zu impulsiv und hungrig auf den Kampf, um dies zu verstehen. Doch, wenn genug Zeit vergeht und Thor genügend Erfahrungen sammelt, würde aus ihm ein großartiger Herrscher werden, dem war Odin sich sicher.

Zu Thors Geburtstag schenkte er seinem Sohn eine wahnsinnig mächtige Waffe, den Hammer Mjölnir. Im Kern eines sterbenden Sterns geschmiedet, war er eine Waffe der Zerstörung sowie ein Werkzeug des Aufbaus. Mjölnirs Kraft sucht stets seinesgleichen und nur, wer sich als würdig erweist, dem ist es möglich, Mjölnir zu erheben.

Thor war wahnsinnig aufgeregt, seit sein Vater ihm offenbart hatte, dass er nach Jotunheim ziehen sollte. Dieser hatte ihm unmissverständlich klar gemacht, dass er Laufey nur eine Nachricht überbringen und es nur im äußersten Notfall zu einem Kampf kommen sollte.
Ein weiser König sucht niemals den Krieg, doch ist er stets dafür bereit.
Ja, ja, wie oft hatte er diese Worte schon von seinem Vater gehört.

Doch Thor war da anderer Meinung. Würde es nach ihm gehen, sollten sie die Eisriesen einfach angreifen und ihnen ein für alle Mal zeigen, mit wem sie es zu tun hatten. Verhandeln wirkte schwach, sie mit einem Male zu zerschlagen, würde ihnen Angst machen und ihre Macht demonstrieren. Doch leider sah sein Vater das nicht so und Thor konnte sich dem Befehl seines Vaters nur fügen.

Endlich war es nun so weit. Gekleidet in seinen für ihn maßgeschneiderten Gewändern saß er auf einem edlen Ross. Auf dem Kopf trug er seinen Helm, in der Hand hatte er fest umschlossen Mjölnir. Er war bereit.

Thor erblickte seine Mutter am Balkon des Palastes stehen. Er wusste, wie besorgt sie war, doch er würde unbeschadet zurückkommen. Er zwinkerte ihr noch zu, woraufhin sie nur tadelnd den Kopf schüttelte und setzte sein Ross in Bewegung. Begleitet wurde er von seinen Freunden Volstagg, Hogun, Fandral und Sif, welche wohl nicht weniger aufgeregt waren als er selbst, war es auch ihre erste, richtige Mission.

Sie ritten am Bifröst entlang bis zu Heimdall und stiegen von den Pferden. Thor nickte Heimdall zu, woraufhin dieser sie mithilfe von Hofund, dem Schwert, mit welchem er den Bifröst kontrollierte, nach Jotunheim brachte.

Thor war noch nie in Jotunheim gewesen und kannte es nur aus Geschichten. Er wusste, dass dies eine kalte, raue, eisige Welt war und ihre Bewohner gefühllose Riesen waren, deren Haut blau, eiskalt und gefährlich für die Asen war. Jotunheim sah genauso aus, wie Thor es sich vorgestellt hatte. Weit und breit war nichts, außer eisigem Boden und einer verschneiten, kahlen Landschaft, zu sehen. Eine Welt voll Kälte und Dunkelheit.

Behutsam drangen sie tiefer nach Jotunheim vor. Der eiskalte Wind peitschte in Thors Gesicht und trocknete seine Augen aus. Sein Körper zitterte bei dieser Kälte, war es in Asgard doch zumeist wohlig warm.

Dann war es Sif, die ihren Arm vor Thors Körper legte und ihn so zum Stoppen brachte.
„Sieh, da vorn“, sagte sie leise und deutete mit ihrem Kopf etwas nach links.
Thor hatte Mühe, ihrem Blick zu folgen und zu erkennen, was sie offensichtlich erkannte, da es nun auch noch heftig zu schneien begonnen hatte.
„Da drüben ist jemand!“, fügte nun auch Fandral hinzu, „es sind nicht viele, fünf, oder sieben vielleicht.“
Thor nickte.
Ein paar dieser widerwärtigen Kreaturen würden sie mühelos bewältigen können.
Sie schritten weiter voran. Die Eisriesen hatten sie offensichtlich auch bemerkt und kamen nun in ihre Richtung.
Thor stoppte seine Truppe. Sie zogen ihre Waffen und waren kampfbereit, sollten sich diese Kreaturen auf kein Gespräch einlassen.
Die Eisriesen kamen nun zielgerichtet auf sie zu, sie waren zu siebt.

Thor musste zugeben, dass sie ziemlich furchteinflößend aussahen. Sie waren groß, bestimmt noch drei Köpfe größer als Thor, obwohl dieser schon von beachtlicher Statur war. Ihre Haut war genauso blau, wie Thor dies aus den Geschichten kannte und ihre Augen so rot wie Blut. Sie trugen keine vollständige Rüstung, ihr Oberkörper war komplett nackt und auch ihre Arme waren nur teilweise bedeckt. Eine Rüstung zum Schutz war aber auch nicht notwendig, ihre Haut war stahlhart.

Thor zitterte und sein Herz schlug ihm bis zum Hals, doch seine Furcht durfte er sich jetzt keinesfalls anmerken lassen.
Der Eisriese in der Mitte stoppte und deutete auch den anderen, stehenzubleiben.
Thor musterte ihn.

Er war viel kleiner, als alle anderen, vielleicht gar nur so groß wie er selbst. Aber war er nicht nur kleiner, sondern schien auch schmaler und irgendwie zierlicher. Außerdem hatte er als einziger Haare, bemerkte Thor. Diese waren schwarz, nach hinten gekämmt und gingen ihm bis zum Kinn. Als einziger trug er auch eine komplette Uniform, enganliegend und in schwarz gehalten mit dunkelgrünen und goldenen Elementen. Seine Augen sahen noch durchdringender aus als die der anderen, hatten erstaunlicherweise aber nicht die gleiche, rote Farbe. Sie erstrahlten in einem leuchtenden Grün und ergänzten die grünen Elemente in seiner Kleidung. Thor fragte sich, warum er so anders aussah und, warum genau er anscheinend ihr Anführer war.

Besagter Eisriese machte einen Schritt nach vorn und musterte auch Thor.
Er leckte sich über die Lippen und fragte dann ganz gelassen: „Was wollt ihr hier in Jotunheim, ihr mickriges Asenvolk?“
Thor lachte nur.
„Wir mögen vielleicht nicht so groß sein wie ihr, aber sind wir dafür doppelt so stark.“
Der Eisriese rollte mit den Augen.
„Mickrig und überheblich, interessant.“
Er kam Thor immer näher.
Sif mischte sich ein.
„Wir sind im Auftrag von Odin hier und kommen ohne Absicht auf einen Kampf. Wir bitten darum, mit Laufey zu sprechen.“
Der Eisriese blieb stehen.
„Ach, mit Laufey wollt ihr sprechen? Wisst ihr, dieser hat so viel zu tun.“
Er senkte seinen Blick und Thor starrte erschrocken in dessen Hände, in welchen sich einfach so zwei Dolche aus Eis bildeten.
„Mir wäre lieber, wir klären das einfach gleich.“
Er setzte sich schon in Bewegung und kam Thor entgegen, doch der Eisriese neben ihm packte ihn am Arm.
„Lass es!“, forderte dieser ihn auf.
Entzürnt riss er sich wieder los.
„Du wagst es, mich anzufassen, Aegir? Überlege deine nächste Handlung weise oder du bist der erste, den mein Dolch durchbohrt!“, funkelte er den Eisriesen an.
Schnaubend und mit einem verächtenden Blick fügte Aegir sich.
Der Eisriese wendete seinen Blick nun wieder zu Thor.
„Wo waren wir stehen geblieben?“
Er lächelte zynisch und lief Thor mit schnellen Schritten entgegen, sein Gefolge tat es ihm gleich.
Thor stieß einen Kampfschrei aus und er und seine Krieger stürzten sich in den Kampf.
Dieser Eisriese hatte vielleicht eine flinke Zunge, doch hatte er keine Chance gegen ihn, da war Thor sich sicher.

Er schleuderte Mjölnir auf ihn, doch wich dieser gekonnt aus und lachte nur.
Thor hatte alle Hände voll zu tun, um den Dolchen, die nun versuchten, auf ihn einzustechen, auszuweichen.
Thor hatte noch nie gegen einen Eisriesen gekämpft und versuchte, ihn auf Abstand zu halten, damit dieser ihn ja nicht zu fassen bekam. Er hatte schon Krieger mit Frostbrand gesehen und dies schien furchtbar schmerzhaft gewesen zu sein, darauf konnte er getrost verzichten.

Der Eisriese war wahnsinnig schnell und Thor erwischte ihn kaum. Mit so einem starken Gegner hatte Thor nicht gerechnet. Außerdem sah er auch noch so jung aus, er schätzte ihn jünger, als er selbst es war. Dass dieser ihn dennoch so forderte, machte ihn nur noch wütender.
Mit voller Wucht lief er gegen ihn, sein Gegner wurde von der Kraft Mjölnirs übermannt und sie fielen beide zu Boden. Thor kniete auf ihm, Mjölnir fest auf dessen Brust plaziert. Der Eisriese hatte Schwierigkeiten, zu atmen. Thor lachte siegessicher, da wurde er plötzlich von hinten umgestoßen. Der Eisriese, den er gerade noch zu Boden gedrückt hatte, war verschwunden. Thor war völlig perplex, als genau dieser Eisriese sich auf ihn warf und nun er auf ihm saß.

„Was…wie?“, brachte Thor nur heraus.
Der Eisriese lachte.
„Du hältst dich mit deiner Kraft und deinem lächerlichen Hammer vielleicht für unbesiegbar, doch bist du so durchschaubar, mickriger Ase.“
Der Eisriese hatte seinen Dolch blitzschnell an Thors Hals gelegt. Dieser berührte ihn leicht und Thor konnte die Eiseskälte auf seiner Haut spüren.
Thor versuchte, sich zu befreien, doch es ging nicht. Er hatte keine Chance. Eine falsche Bewegung und dieser Irre würde ihm die Kehle aufschlitzen.
Er schluckte und versuchte, seine Atmung zu verlangsamen.
Der Eisriese hob seine andere Hand und näherte sie gefährlich nahe seinem Gesicht.
Er berührte Thor nur ganz kurz an der Schläfe und ein furchtbarer Schmerz durchzuckte seinen gesamten Körper.
Thor schrie auf.
„Interessant…“, murmelte der Eisriese nur.
Was spielte dieser Freak für Spielchen? Warumt tötete er ihn nicht einfach?
Plötzlich ließ der Eisriese ganz von ihm ab und stand einfach vor ihm.
Thor war völlig perplex.
„Wieso hast du mich nicht getötet?“, fragte er.
„Ich weiß es nicht“, antwortete dieser nur.
Thor wollte noch weiterfragen, doch erschauderte er im nächsten Moment durch einen furchteinflößenden Schrei.
Er drehte sich in die Richtung, aus welcher der Schrei kam.

„Halt!“, rief die Stimme und sogleich erblickte Thor, von wem der Schrei gekommen war.
Es war Laufey, der König der Eisriesen.
Thors Herz klopfte wie verrückt.
„Vater, du hättest nicht kommen müssen, wir hätten dieses schwache Gesindel auch ohne deine Hilfe erledigen können“, sprach nun der Eisriese neben Thor.
Thor wich erschrocken zurück.
Vater? Das war Laufeys Sohn?
„Du bist ein Narr, Sohn!“, schnaubte Laufey.
„Warum seid ihr hier?“, fragte Laufey, nun an die Asen gewandt.
Thor trat hervor und erntete dafür einen amüsierten Blick von Laufeys Sohn.

„Wenn ich mich vorstellen darf, ich bin Thor, Prinz von Asgard und Sohn Odins.“
Thor wusste auch, ohne sich zur Seite zu drehen, dass er von dem Eisriesen neben sich bei diesen Worten überrascht angestarrt wurde und lächelte innerlich.
„Odin schickt mich mit einer Botschaft. Er möchte zu einer friedlichen Einigung kommen und er möge Euch an den Vertrag zwischen den Asen und den Eisriesen erinnern.“
Thor konnte es sich, vor allem wegen dieses gehässigen Eisriesens neben ihm, nicht nehmen lassen, noch ein paar eigene Wort hinzuzufügen.
„Doch sollt Ihr wissen, dass wir bereit sind, zu kämpfen, solltet Ihr den Vertrag brechen!“
Laufeys Sohn schüttelte nur amüsiert den Kopf.
„Einen eifrigen Sohn, den Odin da hat. Richte ihm aus, dass er keine Gefahr zu befürchten hat“, antwortete Laufey.
Thor nickte.
„Und nun wäre es besser für euch, von Jotunheim zu verschwinden.“
Thor nickte erneut und verbeugte sich kurz vor Laufey.
Der Eisriese neben ihm lachte, als er das sah und Thor blickte verärgert zu ihm.
„Auf Wiedersehen, Thor“, sagte dieser belustigt und ging in Richtung seines Vaters.
Thor wäre ihm am liebsten an die Gurgel gesprungen. Er machte sich über ihn lustig und wie er seinen Namen aussprach! Er ballte die Hände zu Fäusten.
„Komm, Thor!“, zischte Sif.
Schnell ging Thor zu seinen Freunden, bevor er noch etwas tat, was er später bereuen würde. Er hatte erstmal genug von Jotunheim.

Zurück in Asgard berichtete er seinem Vater sofort von den Vorkommnissen und der Antwort von Laufey. Er hatte sich noch eine lange Moralpredigt seines Vaters anhören können. Du sollst meinen Befehlen folgen. Wir wollen keinen Krieg mit den Eisriesen. Leg dich nicht immer mit jedem an. Bla bla bla. Die meiste Zeit hatte er gar nicht hingehört.

Nachdem es ihm endlich erlaubt war, wegzutreten, begab er sich sogleich in sein Schlafzimmer und ließ sich erschöpft ins Bett fallen.
Er dachte erneut an den Eisriesen. Dieser wollte ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen. Wieso hatte er ihn nicht getötet, als dieser die Chance dazu hatte? Thor stand auf und ging zum Spiegel. Er betrachtete den kleinen Fleck Frostbrand in seinem Gesicht. Vorsichtig berührte er ihn mit seinem Finger. Seine Haut war an dieser Stelle dunkelblau bis schwarz und ganz rau.
Genervt legte Thor sich wieder ins Bett.
Und wie konnte sich dieser Eisriese aus seinen Fängen befreien und ihn gleichzeitig wieder angreifen? Das war unglaublich.
Sobald Thor die Augen schloss, hatte er das Gefühl, diese stechend grünen Augen würden ihn noch immer anstarren.

***

Er hatte ja gar nicht vorgehabt, diese Asen anzugreifen. Doch hatte er gespürt, dass ihr Anführer, dieser Thor, sich wie etwas Besseres vorkam. Er spürte seinen verachtenden Blick auf seiner blauen Haut. Er hasste es, dass die Asen sein Volk für Monster hielten, dabei hatten sie keine Ahnung. Das konnte er nicht so einfach auf sich sitzen lassen.

Dann wollte sich Aegir ihm auch noch in den Weg stellen! Ihm ging es sowieso schon gehörig gegen den Strich, dass dieser Laufey nachlief wie ein braves Schoßhündchen, während er selbst des Öfteren lieber eigenmächtig handelte. Aegir musste dringend in die Schranken gewiesen werden, um nicht zu vergessen, wo sein Platz war. Wer war er denn schon? Ein Waise, den sein Vater zu einem Krieger machte. Und nun fühlte er sich wie etwas Besseres, doch war er es nicht. Er war noch immer wie das weinerliche Kind, welches hilfesuchend nach Zuneigung schrie. Mehr würde aus Aegir nie werden und tief im Inneren wusste dieser das auch.
Auf dem Thron von Jotunheim würde eines Tages er selbst, der rechtmäßige Thronfolger sitzen und dann würde er zu allererst bewerkstelligen, dass ein Eisriese wie Aegir, der seinen Platz nicht zu kennen wusste, dies auch endlich zu spüren bekam.

Und dieser Thor? Er wurde nicht schlau aus ihm. Beinahe hätte er den Königssohn von Asgard auf dem Gewissen gehabt… ups? Dafür hätte sein Vater ihn wahrscheinlich im Kerker verrotten lassen.
Thors Äußeres war wirklich beeindruckend, das musste er zugeben. Er hatte eine mächtige Statur und lange, blonde Haare. Seine strahlend blauen Augen wirkten fast unheimlich auf ihn.
Er hatte Thor unbedingt beweisen wollen, dass er ihn mühelos bezwingen konnte, was ihm auch gelang. Ohne seine Tricks wäre das vielleicht schwierig geworden, doch das machte nichts.

Irgendetwas hatte dieser Ase an sich. Irgendetwas, dass ihn daran gehindert hatte, ihm die Kehle aufzuschlitzen und dabei zuzusehen, wie langsam das Leben aus ihm entwich. Was genau das war, das konnte er nicht ausmachen, doch würde er es schon noch herausfinden.

***

In den nächsten Wochen passierte nicht viel. Thor kehrte einfach wieder zu seinem normalen Alltag zurück. Er ging in die Arena zum Kampftraining und verbrachte Zeit mit seinen Freunden. Er fürchtete, sein Vater würde ihm nachdem, wie alles in Jotunheim gelaufen war, keinen erneuten Auftrag mehr zutrauen und das passte ihm gar nicht. Vor allem, weil ihn keine Schuld traf. Das war alles die Schuld dieses dämlichen Eisriesens! Thor hätte zwar sowieso gerne gekämpft, doch war er fest entschlossen, dem Befehl seines Vaters Folge zu leisten, nach Jotunheim gegangen. Dieser Eisriese hatte ihn provoziert und dann auch noch angegriffen, was hätte er denn auch tun sollen?
Thor war immer noch einfach nur wütend. So lange hatte es gedauert, bis sein Vater ihm endlich solch eine große Aufgabe übertragen hatte und dieses überhebliche Monster hatte alles kaputtgemacht.

Er brauchte Ruhe, um sich wieder zu sammeln und, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Dafür ging er immer hinaus in den Wald zu einer ganz bestimmten Stelle. Diese hatte er vor einigen Jahren zufällig entdeckt. Damals war er einfach abgehauen, weil er, wie des Öfteren, wütend auf seinen Vater gewesen war und sich wieder abreagieren musste. Er war einfach ewig lang einen Berg hinaufgelaufen, bis er ganz oben angekommen war. Von dort oben konnte man über ganz Asgard blicken. Es war wunderbar still und Thor liebte diesen Ort.
Als er in den späten Abendstunden wieder zurückgekommen war, hatte er zwar mächtig Ärger bekommen, doch das war ihm vollkommen egal gewesen, denn diesen magischen Ort, den er da entdeckt hatte, den konnte ihm niemand mehr nehmen.

Wenn er heute zu dem Platz gelangen wollte, lief er nicht mehr stundenlang durch den Wald, sondern holte mit Mjölnir einmal kräftig aus und flog zur Bergspitze. Anfangs, als er Mjölnir noch nicht so ganz unter Kontrolle gehabt hatte, war dies auch des Öfteren schief gegangen, da es ihm noch schwergefallen war, die Kraft richtig zu dosieren und deshalb war er oft an der Felswand oder an einen Baum geprallt. Doch mittlerweile funktionierte es immer besser.

So auch heute und sogleich saß er schon am vordersten Ende der Bergspitze und genoss einfach nur die Stille. Die warmen Sonnenstrahlen trafen noch auf seinen Körper, bevor die Sonne auch schon hinter den Hügeln Asgards verschwunden war. Thor legte sich zurück in das weiche, dunkelgrüne Moos.
Dieser Ort war einfach nur magisch. Jedes Mal schaffte er es, Thor zurück ins Gleichgewicht zu bringen.

„Hallo, Thor.“
Thor schreckte hoch und schrie auf.
Reflexartig griff er nach Mjölnir.
„Was zum… was machst du hier?“, japste er panisch.
Thor glaubte seinen Augen nicht, doch der Eisriese aus Jotunheim stand vor ihm!
Thor war so weit zurückgewichen, wie es die Bergspitze zuließ, doch nun stand er schon direkt am Abgrund.
Der Eisriese machte dennoch keine Anstalten, stehen zu bleiben.
Thor bekam es mit der Angst zu tun.
Er richtete Mjölnir auf ihn.
„Bleib. sofort. stehen“, knurrte er ihn an.
Der Eisriese hob belustigt die Augenbrauen und blieb, zu Thors Erstaunen, tatsächlich stehen.
„Schon gut“, meinte dieser nun ganz ruhig.
Thor runzelte die Stirn.
Was zum Teufel sollte das werden?
„Was willst du?“, fragte er aufgebracht, „und wie bist du nach Asgard gekommen?“
Der Eisriese wollte schon antworten, doch Thor fiel ihm ins Wort.
„Und wie verdammt nochmal hast du mich gefunden?!“
Der Eisriese grinste.
„Hast du noch mehr Fragen oder soll ich dir vielleicht erst mal diese beantworten?“
Thor warf ihm nur einen skeptischen Blick zu.
„Wie wärs, wenn du dein kleines Spielzeug erstmal beiseitelegst, hm?“, meinte er mit seinem Blick auf Mjölnir gerichtet.
Thor lachte.
„Du hast sie ja nicht mehr alle. Warum sollte ich das tun? Um mich freiwillig von dir töten zu lassen? Vergiss es!“
Der Eisriese zog erneut dieses süffisante Lächeln auf.
„Ach Thor“, begann er, „wenn ich dich töten wollte, dann hätte ich das doch schon längst getan, das wissen wir beide.“
Thor gab dies nur ungern zu, doch hatte er wohl recht. In Jotunheim hätte der Eisriese nur mehr zustechen müssen, doch er hat es nicht getan. Und vorhin war er mit geschlossenen Augen im Moos gelegen. Er hätte sich nur anschleichen und ihn abstechen müssen.
Thor war zwar immer noch skeptisch, doch ließ er Mjölnir dennoch langsam zu Boden sinken.
Der Eisriese nickte zufrieden.
Er machte ein paar Schritte in Thors Richtung und setzte sich dann einfach auf den Boden.
Vollkommen verwirrt nahm Thor mit etwas Sicherheitsabstand neben ihm Platz.

„Also, wie bist du nun nach Asgard gekommen? Du kannst nicht an Heimdall vorbeigekommen sein, er hätte dich gesehen.“
Der Eisriese lächelte verschmilzt und blickte zu ihm.
„Da hast du recht, aber ich musste auch nicht an eurem Heimdall vorbei.“
„Wie aber bist du dann nach Asgard gekommen? Der Bifröst ist die einzige Möglichkeit.“
„Ach Thor“, meinte der Eisriese fast schon tadelnd, „du hast ja keine Ahnung.“
„Ach, ist das so? Na dann bitte, klär mich auf.“
Der Eisriese schien, zu überlegen.
„Was hätte ich denn davon?“
Langsam wurde Thor wütend.
„Was soll denn dieser Mist! Du bist schließlich hierhergekommen! Ich finde, ich habe das Recht, Fragen zu stellen!“
„Hm“, machte der Eisriese, „wie wärs mit einem Tausch?“
„Einem Tausch?“
„Ich verrate dir, wie ich unbemerkt nach Asgard kommen konnte und du lässt mich dafür etwas ausprobieren.“
Thor runzelte die Stirn.
„Was willst du denn ausprobieren?“
Der Eisriese warf ihm einen komischen Blick zu, den Thor nicht einzuordnen wusste.
„Halt einfach ganz still“, meinte er und dessen Hand näherte sich seinem Gesicht.
Thor wich erschrocken zurück.
„Hast du jetzt vollkommen den Verstand verloren? Die Wunde, die du mir verpasst hast, ist erst letzte Woche ganz verblasst! Denkst du, ich lasse mir freiwillig eine neue verpassen?“
Der Eisriese rollte mit den Augen.
„Ich werde dich nicht verletzen, versprochen.“
Thor war sich nicht sicher, ob er ihm trauen konnte. Warum sollte er auch? Ihre Völker lebten zwar eigentlich im Frieden, doch waren sie gewiss keine befreundeten Welten.
Aus irgendeinem Grund nickte Thor dennoch. Diese stechend grünen Augen machten ihn ganz wirr im Kopf.
Der Hand des Eisriesen näherte sich erneut seinem Gesicht und Thor kniff die Augen zusammen, je näher sie kam.
Ganz vorsichtig berührte dieser sein Gesicht, doch diesmal durchfuhr Thor kein brennender Schmerz, nur eine angenehme Kühle breitete sich in seinem Körper aus.
Kurz blickten sich die beiden sprachlos in die Augen, bevor der Eisriese seine Hand wieder wegzog und sie beide etwas verlegen zu Boden blickten.

„Wie hast du das gemacht?“, fragte Thor schließlich.
„Ich habe geübt.“
Seine Stimme klang erfüllt von Stolz.
„Ich habe zuvor noch nie die Haut eines Asen berührt und ich war fasziniert davon, was diese kleine Berührung auslöste. Ich wollte sehen, ob ich das auch stoppen kann.“
„Aber ich verstehe das nicht. Wie hast du das denn gemacht?“
„Ich bin nicht ganz so wie alle anderen Eisriesen“, begann er.
Thor dachte schon, etwas Wehmut in seiner Stimme erkannt zu haben, doch dann fügte er noch etwas hinzu.
„Ich bin besser. Ich habe Fähigkeiten, die über die eines gewöhnlichen Eisriesen hinausreichen. Ich bin der Magie mächtig und kann diese auf viele Bereiche anwenden“, meinte er sichtlich stolz.
„Also konntest du mich durch Magie berühren, ohne mich zu verletzen?“
„Ja.“
Thor musste zugeben, dass er schon etwas beeindruckt war.
„Echt cool.“
Der Eisriese lachte.
„Das ist deine Antwort, echt cool?“
„Ja, echt cool ist meine Antwort!“, entgegnete Thor schon etwas genervt.
Irgendwie war er aber nun doch neugierig geworden.
„Denkst du, das funktioniert auch umgekehrt? Ich meine, dass ich deine Haut berühre, ohne, dass ich mich verletze?“
Der Eisriese überlegte.
„Ich denke schon“, antwortete er dann.
Sehr sicher schien er sich aber nicht zu sein.
„Willst du es versuchen?“
Thor nickte.

Zögerlich hob er die Hand an und näherte sie seinem Gesicht.
Thors Hand zitterte leicht. Er bereitete sich darauf vor, gleich einen stechenden Schmerz durch seinen Körper zucken zu spüren, doch nichts passierte.
Erstaunt blickten sie sich in die Augen. Es war wie ein Wunder.
„Deine Hand fühlt sich so heiß an auf meiner Haut“, stellte der Eisriese fest.
„Und deine so kalt“, fügte Thor hinzu.
Langsam ließ er die Hand wieder absinken, ihre Blicke hafteten immer noch aneinander.
Sie waren beide einfach fasziniert.

„Wie lange funktioniert das?“, fragte Thor.
Der Eisriese zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Ich war mir nicht einmal sicher, ob es überhaupt funktioniert.“
„Oh, klasse. Ich war also dein Versuchskaninchen“, stellte Thor fest.
„Schon möglich“, meinte der Eisriese.
Plötzlich stand er auf.
„Was machst du denn?“, fragte Thor sofort.
„Ich denke, für heute habe ich mich genug allem widersetzt, was mein Vater mir so vorschreibt. Ich will es mal nicht übertreiben.“
Der Eisriese wollte schon gehen, doch Thor rief ihm noch nach.
„Wie heißt du eigentlich?“
Er drehte sich noch einmal kurz um und antwortete ihm, bevor er endgültig verschwand.

„Loki.“
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