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Wenn man Musik versteht...

LiedtextPoesie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Benvolio Julia Mercutio Romeo Tybalt
13.08.2019
05.09.2019
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13.08.2019 1.023
 
Das französische Musical "Roméo & Juliette", das auf dem Theaterstück von Shakespeare basiert, hat mich einfach umgehauen.

Shakespeare ließ sich dabei von dem 1562 erschienenen Gedicht "The Tragicall Historye of Romeus and Juliet" von Bandell (aus dem Italienischen übersetzt von Arthur Brooke) und dem, das Gedicht in Prosa nacherzählenden "Palace of Pleasure" des Mönchs Wiliam Painter 1567 inspirieren. Ich erwähne das, weil sich das Ende des Gedichts vom Stück ziemlich unterscheidet: Die Amme wird verbannt, der Apotheker wird für das Verkaufen des Gifts und der Beihilfe an dem Betrug gehängt, während Bruder Lawrence Verona verlässt und den Rest seines Lebens als Einsiedler verbringt. Rollen wie Mercutio oder Paris sind von Shakespeare hinzugedichtet, bzw. ausgearbeitet worden.

Zu Shakespeares Lebzeiten wurde dieses 1597 uraufgeführte Stück schon sehr beliebt und ist heute, neben "Hamlet", das meistgespielte. Bewundernswert fanden Zeitgenossen Shakespeares Verwendung der Poesie: Er wechselt komische mit tragischen Momenten ab, um die Spannung zu steigern, er baute die Rollen von Nebencharakteren aus und nutzte Sub-Plots (Nebenhandlungen) um die eigentlich schlichte Geschichte etwas weniger linear (und damit vorhersehbar) zu machen und auszuschmücken. Auch gepriesen wurden die Verwendung von Charakterentwicklung, unterschiedlichen Sprachstilen (Wortwahl) und poetischen Formen (z.B. Gedicht, Sonett, Elegie oder Gesang) für unterschiedliche Figuren. (Der verliebte Romeo spricht z.B. in Sonettform.)
Zyniker Mercutio oder der Streit gleich zu Beginn dagegen lässt erahnen, warum manche das Stück auch "vulgär" nannten. Es gab natürlich auch Stimmen, denen die verbindenden, teils familiären Szenen zu banal (wie der Aufbruch Romeos in die Verbannung nach Mantua) und das Stück nicht melodramatisch genug war - gerade wegen dem Wechsel von Drama und Komödie...

Auch wenn das heute alles Standard von guten Büchern ist - damals war das etwas besonderes und neu! Und gut gemacht, deshalb kann man auch heute noch eine Menge von Shakespeare lernen - und alle großen Autoren kennen ihn.

Ich selbst finde Shakespeare ziemlich anstrengend und mag ihn lieber verfilmt als im Theater. "King Lear" von Akira Kurosawa, "Romeo and Juliet" von Baz Luhrmann, "Titus" von Julie Taymor", "Clueless - was sonst?", "Westside Story" sind nur ein paar Beispiele. Oder meine Favoriten "10 Dinge, die ich an Dir hasse" (Der Widerspenstigen Zähmung) und "Wie es euch gefällt" (Viel Lärm um nichts) mit Kenneth Branagh und Keanu Reeves... vielleicht mag ich sie mehr, weil man im Film alles von Nahem sieht und die Drehorte die Atmospäre mehr verstärken als ein Bühnenbild, für das man manchmal ein Opernglas braucht ^_^;

Auch "Avatar - Aufbruch nach Pandora" ist eine Version des Themas von Romeo und Julia.

Von allen Stücken des großen Dichters ist mir "Romeo und Julia" aber das unliebste. Ich mag den Aufreißerkönig einfach nicht, in den sich das unbedarfte Mädchen verliebt, weil er der erste Mann ist, der nicht mit ihr verwandt, aber nett ist. Julia ist 14 Jahre alt (im italienischen Original 16), Romeo ist etwas älter... und bereits ein erfahrener Liebhaber. Sogar Julias Cousine Rosalind weiß, dass er oft verliebt ist. Er hat also einen Ruf, der dem eines Aufreißers oder Badboys der heutigen Tage nahekommt. Junge Adlige ihrer Zeit. (Beiden Familien sind Grafen, ich hoffe, keiner denkt, dass diese Kinder "normale Menschen wie du und ich" sind!)

Genau das ist mein Problem mit dem Stück, denn wenn man die Figuren mögen (oder wenigstens mit ihnen mitfühlen) soll, müssen sie glaubhaft sein. Dieses Liebespaar ganz besonders, denn Mitleid mit Romeos Wahn - pardon, Liebe - und Julias Unvernunft oder Bedauern über ihr Schicksal funktionieren nicht, wenn beide Schauspieler zu alt sind oder zu erwachsen aussehen. Was man einem Mädchen verzeihen mag, findet man bei einer Frau albern, kindisch und dumm.
Der einzige Schauspieler, dem ich Romeo glaube, ist Leonardo di Caprio. Und Clare Danes ist eine gute Julia, weil ihr Spiel mir tatsächlich das Gefühl gibt, sie sei das erste Mal verliebt. Es scheint ihr tatsächlich nicht ganz geheuer, wie sie von einem Mann umworben wird, der so gekonnt Sonette rezitiert... Armer Paris, der sich nicht getraut hat, sie anzusprechen.

Im Musical, dem ich mich hier widmen will, spielte Damien Sargue Roméo mit dem Charme eines lateinamerikanischen Liebhabers... Leider habe ich ihn nie live gesehen, aber ich habe euch Videos verlinkt. Seine Juliette war Cécila Care, deren wunderschöne Stimme und Süße mich an einen Engel erinnern. Ein wundervolles - und glaubhaftes - Paar, obwohl beide definitiv keine Kinder / Jugendlichen mehr sind.

Obwohl also diese Liebesgeschichte furchtbar und Französisch in der Schule ein Horrorfach für mich war, weil ich Muttersprachler nie verstanden und zudem in der Grammatik völlig versagt habe, hat es mir dieses Musical angetan

Obwohl also diese Liebesgeschichte furchtbar und Französisch in der Schule ein Horrorfach für mich war, weil ich Muttersprachler nie verstanden und zudem in der Grammatik völlig versagt habe, hat es mir dieses Musical angetan. "Roméo & Juliette de la Haine à l'Amour" (Romeo und Julia des Hasses auf die Liebe) hat einfach - wie im Titel schon zu sehen - tolle Lieder UND interessante Texte, die sich vor dem englischen Originaltheaterstück nicht verstecken müssen (aber die deutschen >.<).
Habe ich schon erwähnt, wie toll die Darsteller singen? Auch das lässt mich seit ein paar Wochen nicht mehr los (inklusive Ohrwurm). Ich wurde ein totaler Tybalt- und Benvolio-Fan!

Einige von euch werden sich wundern, wieso ich mir diese Arbeit mache, wenn es das Musical bereits auf Deutsch gibt - aber man sagte mir, es sei lieblos übersetzt und teilweise falsch. Nachdem ich - auf der Suche nach Szenen für das entsprechende Lied - auch noch versehentlich hineingehört und mich entsetzt habe, muss ich dieser Kritik leider unumwunden zustimmen. (Ein Beweis folgt später, ich will euch ja nicht jetzt schon vergraulen ^^;)
Außerdem fehlen Lieder. Eine lieblose Übersetzung bei einem so berühmten und klassischen Stück mit Liebe und Hass als Haupthema? Das hasste der Übersetzer wohl seine Arbeit... Sowas abzuliefern geht gar nicht.

Es folgt also eine kleine Auswahl der Lieder mit Anmerkungen von mir, mit Liebe und Mühe übersetzt von den offiziellen, französischen Texten des Musicals und einem Videolink zur entsprechenden Szene.

Et maintenant amusez vous bien!
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