Dead Rose

KurzgeschichteHorror / P12
OC (Own Character)
12.08.2019
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Hallo :D
Falls ihr euch hierher verirrt habt und euch für diese Geschichte interessiert hier noch ein paar schnelle Worte vorab:
Die Geschichte ist nun fast vier Jahre alt, ich habe sie sicher vier oder fünf Mal neu geschrieben und am Ende nur noch ein paar Rechtschreibfehler ausgebessert, zumindest zum größten Teil, sicher haben sich noch einige versteckt~
Diese altmodische Sprache und die Formulierungen sind absolut nicht mein Ding und das merkt man auch. I tried, okay? D':
Jedenfalls, ich hoffe man sieht es mir nach >/)(<
Viel Spaß beim Lesen~


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Die Klinge des Schwertes blitzte bedrohlich im Sonnenlicht auf, ehe sie mit einem Zischen niedersauste. Das Klirren, als es auf sein Gegenstück traf, hallte über den Hof, gefolgt von einem überraschten Laut, als die Waffe seines Gegners klappernd zu Boden fiel.
Die scharfe Klinge legte sich an den Hals des Mannes und für einen Moment blitzte Panik in dessen dunklen Augen auf.
Sekunden zogen sich dahin, ehe man die Klinge senkte und ihm die Hand zur Hilfe reichte: „Ich habe gewonnen.“

Der Besiegte schnaubte beinahe schon verächtlich, nahm trotzdem die Hand und ließ sich aufhelfen: „Welch Überraschung“, er klopfte sich den Dreck von den Kleidern und bückte sich nach seiner Waffe.
„Nehmt es nicht allzu schwer.“
Abermals schnaubte der Geschlagene, verbeugte sich dann aber würdevoll vor seinem Gegner, ehe sie beide mit einem Lächeln ihre kurze Feindschaft hinter sich ließen.

Unter ihnen war es ein althergebrachtes Ritual, sich am frühen Morgen zu einem Duell zu treffen. Ihnen, dem Prinzen und seiner Leibwache, teils aus Spaß, teils als Training und auch wenn im Lande kein Krieg herrschte, befand es die Wache als notwendig stets darauf vorbereitet zu sein.
„Wie wäre es mit einer Revanche?“, fragte der Prinz und sah seinen Mann an, der sich nachdenklich am Kopf kratzte.

Doch noch bevor er antworten konnte, wurden sie unterbrochen, durch einen Boten, der atemlos auf sie zu eilte: „Meine Herren! Meine-“, als er sie erreichte ging er in die Knie und japste nach Luft. Es dauerte, bis er sich beruhigt hatte und die beiden Angesprochenen wechselten einen irritierten Blick, als der Bote sich endlich aufrichtete und sich sogleich wieder vor dem Prinzen verbeugte: „Eine eilige Botschaft aus dem benachbarten Königreich!“, verkündete er lauthals mit geschwellter Brust und reichte die gewickelte Rolle an den Prinzen weiter.

Mit einem skeptischen Blick nahm er sie entgegen und entrollte sie. Seine blauen Augen huschten über die schnell geschriebenen Zeilen und wurden mit jedem gelesenen Wort immer größer.
„Worum geht es?“, fragte seine Wache und versuchte selbst einen Blick auf die Nachricht zu erhaschen.
Schnell, womöglich ein wenig zu schnell, rollte der Prinz die Rolle wieder zusammen und steckte sie in den Bund seiner Hose: „Ein dringendes Hilfegesuch des Königspaares aus dem Nachbarland, bezüglich ihres Sohnes.“

„Ihr ward noch nie besonders gut im Lügen gewesen“, sprach die Wache und sah den Prinzen skeptisch an, während er den Boten mit einem Wink entließ.
„Es war keine Lüge“, beleidigt wandte der Prinz sich ab und eilte, die Revanche vollkommen vergessen, über den Hof zum Pferdestall.
„Was habt ihr vor?“, wollte die Wache wissen, doch der Prinz schüttelte seine Frage ebenso ab, wie sein Mann zuvor den Boten.

„Ich werde unverzüglich aufbrechen“, der Prinz wies den Stallburschen an, sein Pferd zu satteln.
„Aufbrechen?“
„Ja. Ich kann nicht warten. Es ist wirklich dringend.“
„Ihr wollt also, so mir nichts, dir nichts, ins benachbarte Reich aufbrechen, ohne eine Erklärung?“, Zorn zeigte sich auf dem Gesicht der Leibwache. Er hatte ja schon immer gewusst, dass der Prinz ein wenig hitzköpfig war, aber das er nun nicht mal darauf warten konnte, bis seine Eltern von dieser Nachricht erfuhren, grenzte fast schon an Wahnsinn.

„Dann erklärt ihr es. Aufschieben kann ich es nicht, nicht zumal es um den Sohn unserer Nachbarn geht und wie ihr wisst, schätze ich diesen sehr“, je mehr er erklärte, desto aufgebrachter schien er und er riss dem Burschen, der sein Pferd brachte, die Zügel aus der Hand.
Es stimmte zwar, dass die beiden Prinzen ein gutes Verhältnis zueinander pflegten und ihre beiden Länder ebenfalls, doch das ganze schien der Wache noch immer viel zu überstürzt.
„Was ist mit Kleidung, oder Geld? Selbst wenn ihr jetzt aufbrechen solltet, werdet ihr erst spätestens in zwei Tagen dort ankommen.“

„Lasst dies lieber meine Sorge sein und tut, was ich euch sagte“, der Prinz überprüfte den Sattel, als auch sein Schwert und den Brief. Das Wichtigste würde er bei sich tragen, alles andere war zweitrangig.
Der Prinz schwang sich auf den Sattel und ohne einen weiteren Blick auf seinen Mann zu werfen, nahm er die Zügel und peitschte das Pferd an.


xxx


Gelogen hatte er nicht. Doch er hatte auch nicht die komplette Wahrheit mit seinem besten Mann geteilt.
Wie hätte er denn auch, wo diese dringliche Nachricht – die auch tatsächlich nicht an ihn, sondern an das Königspaar gesandt werden sollte – mit einer solchen verheißungsvollen Belohnung bereits für sich sprach?
Ihre Nachbarn vermissten ihren Sohn, nachdem ihn eine ähnliche Nachricht ereilt hatte, aus einem anderen Königreich, welches ebenfalls von dem Problem eines vermissten Sohnes sprach.

Somit hatte er im Grunde wirklich nicht gelogen.
Doch den Rest, den er verschwiegen hatte, war äußerst pikant. Die Nachricht sprach von einem verlorenen Land, verloren hinter hohen Mauern und Dornenranken, in dessen Mitte ein Turm stand, der etwas so Wertvolles beherbergen sollte, das es bis zum heutigen Tage keiner geschafft hatte, dieses tödliche Land zu erreichen und den Schatz zu bergen.

Was die Nachricht jedoch verschwieg, war der Anfang dieser ganzen Misere. Scheinbar wusste niemand, wie dies alles begonnen hatte, noch wie viele bereits in diese Falle getappt waren.
Aber vielleicht war es auch keine Falle und das Abenteuer und das Versprechen auf etwas so Wertvolles schien zu verlockend.

Viele auf dem Hofe mochten den Prinzen wohl als hitzköpfig beschreiben, als jemanden, der nicht gerade rational dachte und somit noch viel zu lernen hatte, ehe er den Thron besteigen konnte, doch niemand hatte je gesagt, er wäre eitel, oder würde sich nicht die Hände schmutzig machen.
Sicher hatte er überstürzt gehandelt, aber womöglich könnte er derjenige sein, der dieses Land eroberte und den Schatz für sich beanspruchen konnte.

Am Fuße der Botschaft war eine vage Beschreibung versehen gewesen, wie man am besten zu diesem verlorenen Lande gelangen konnte. Der Prinz besaß zwar einen guten Orientierungssinn und hatte immer wieder einen Blick auf die Karten des Landes geworfen, doch so lückenhaft, wie der Weg beschrieben wurde, konnte es sich um Wochen handeln, wenn nicht sogar Monate, bis er endlich ankam.
Auf der anderen Seite, wenn er es wagte, so könnte er auch Glück haben. Immerhin sollte es der Beschreibung nach nicht allzu schwer zu übersehen sein.

Von daher ritt er nicht in Richtung des Königreiches, aus dem der Bote entsandt worden war, sondern versuchte auf direktem Wege in das verlorene Land zu gelangen.


xxx


„Narren!“, hatte der König so laut gewettert und mit der Faust so hart auf den Tisch geschlagen, dass alles darauf wackelte und zitterte, ehe er mit Zornesröte im Gesicht seine eigenen Männer entsandte, um seinen närrischen Sohn zurück zu holen.
Er selbst hatte keine Ahnung wobei es sich um diese Nachricht, oder Aufgabe handelte, noch wohin sein Sohn wirklich unterwegs war, weswegen er seine Männer nicht in das verlorene Land schickte, sondern in das Nachbarland.

Selbst wenn sie ein und dieselbe Strecke geritten wären, so hätte der Königssohn noch einen viel zu guten Vorsprung und die einzige Möglichkeit die sie gehabt hätten, ihn zu schnappen, wäre während einer Rast gewesen.

Doch da die Männer einen anderen Weg beschritten, erreichten sie erst in zwei weiteren Tagen das benachbarte Königreich und auch wenngleich man sie herzlich empfing und ihnen ihre Hilfe anbot, so erreichte sie die korrekte Nachricht zu spät, denn der Prinz selbst war während der Ankunft der Männer natürlich längst weitergezogen.


xxx


Am vierten Tage landete der junge Mann in einem kleinen Dorf, in dem er sich wusch und neu einkleidete, nachdem er eine Nacht rastete.
Er verdingte sich sein Essen mit harter Arbeit, denn nach wie vor, war er jemand der sich die Hände, trotz seines Standes, sehr wohl dreckig machen konnte. Es waren zwar simple, wenn auch schwere Arbeiten, bei denen die Ältesten des Dorfes bereits reichlich Probleme haben durften, es sich zwar nicht eingestanden mochten, aber ebenso dankbar für die Hilfe waren.

Und sie bezahlten gut, nicht nur in Materialien und Nahrung, sondern auch in Informationen, als der Prinz nach dem verlorenen Land fragte.
„Ihr seid sicher nicht der Erste, der dies fragt und doch möchte ich euch davon abraten, diesen Ort aufzusuchen, denn wer auch immer dort hinritt, ist bisher auch nicht wieder aufgetaucht.“
„Ich danke, für den Hinweis, aber ich glaube ihr unterschätzt mich“, der Prinz musste schmunzeln, denn wenngleich es wohl viele vor ihm gab, so könnte er noch immer der Eine sein.

Der alte Mann, mit dem er sich unterhielt, blickte traurig drein, machte jedoch keine Anstalten etwas zu erwidern. Womöglich steckte mehr hinter seiner Bitte und im Grunde hoffte er, dass der Prinz den Schatz barg und vielleicht sogar mit ihm teilte.
Doch ein schwerer Seufzer löste sich von seinen Lippen und die Worte, die folgten, erzählten nichts von solch einem Verlangen: „Viele, gute Männer vor euch waren geblendet von dem Versprechen auf einen großartigen Schatz, wenn nicht sogar den wundervollsten, den es jemals gegeben hat, doch sie alle kehrten nicht von ihrer Reise zurück, denn das verlorene Land ist verflucht, so erzählt man sich.“

Der Prinz merkte auf und wollte den Alten bereits einen Narren schimpfen, dass er an so etwas glaubte, doch dessen ernster Blick, der sich gen Horizont richtete, schien zu viel Wahres zu sprechen.
„Die Legende besagt, dass es einst ein Königreich war, mit einem Königspaar, welches verzweifelt versuchte ein Kind zu kriegen. Quacksalber und Hexer aus dem ganzen Lande eilten ihnen zur Hilfe, doch einzig und allein eine der guten Feen vermochte das Wunder zu vollbringen und bereits neun Monate später brachte die Königin ein gesundes und munteres Mädchen auf die Welt.“

Der Prinz, nicht sonderlich begeistert davon, dass man ihm ein Märchen auftischte, wollte den Alten bereits unterbrechen, doch dieser ließ sich in seiner Erzählung nicht beirren: „Das ganze Königreich sollte zu einer großen Feier eingeladen werden, doch durch niedere Tracht lud man die gute Fee nicht in den Palast. Und glaubt mir, der Zorn einer Frau kennt keine Grenzen. So verfluchte sie das Kind, mitsamt dem ganzen Hofe, auf das sie sich an ihrem 16. Geburtstag stechen und in einen ewigen Schlaf fallen möge.“

„Eine wahrlich nette Geschichte, die-“, nahm der Prinz den Faden auf, als der Alte augenscheinlich geendet hatte, doch wurde er grob unterbrochen, als dieser die Geschichte doch noch fortsetzte.
„Ich persönlich habe sie nie gekannt, doch mein Vater berichtete von ihrer außerordentlichen Schönheit, ihrer Gutmütigkeit und ihrem Frohsinn. Sie sei das kostbarste, wertvollste und wunderschönste, was dieses Reich je besessen hatte. Und nun...“
Seine Rede versiegte in Stille.

„Nun wollt ihr mir weismachen, dass der Schatz die Prinzessin sei?“
Der Mann hob die Schultern: „Womöglich. Wer vermag das schon zu sagen, wo doch keiner je zurückkehrte?“
Die Beschreibungen des Schatzes und des Mädchens passten aufeinander und im Kopf des jungen Prinzen reifte eine Idee heran, so waghalsig, dass er sie nicht auszusprechen vermochte.
„Könnt ihr mir nicht sagen, wie ich zu diesem Reich gelange?“, fragte er stattdessen, doch der Alte durchschaute seine Absichten, an dem Funkeln in dessen Augen, denn auch all die Männer vor ihm hatten dieses Funkeln in den Augen gehabt, kaum das sie von der Prinzessin hörten.

„Ich will euch verraten, dass es einen Tagesmarsch braucht, um das Schloss zu erreichen, womöglich einen halben, solltet ihr durch den Wald reiten“, der Alte sah den Prinzen mit traurigen Augen, wo er ihn doch durchschaut hatte, „Ihr seid wahrlich ein guter Junge, weswegen ich euch bitte, lieber umzukehren.“
Doch der Prinz hörte nicht mehr und schwang sich stattdessen auf sein Pferd, um es erneut anzutreiben.

Die weisen Augen des alten Mannes blickten ihm nach, als er das Dorf verließ.
„Doch euer Begehr hat euch verraten und vielleicht ist es die gerechte Strafe.“


xxx


Die Truppen des Königs waren bereits wieder unterwegs. Noch hatten sie den jungen Prinzen nicht eingeholt, doch sie waren auf einem guten Weg, als sie das Dorf erreichten, welches er vor anderthalb Tagen verlassen hatte.
Sie erkundigten sich und beratschlagten sich mit dem alten Manne, den auch ihr zukünftiger Herrscher aufgesucht hatte.

Zwar erhielten sie auch Informationen aber nicht die vollständigen, wie der Prinz zuvor, denn immerhin gab es so noch Hoffnung für ihn, dachte sich der Alte, sollten die Männer des Königs nicht wissen, was sich dort im Turm befand und sich so ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Jungen richten.
Wie auch dem jungen Mann zuvor wollten sie den kürzeren Weg einschlagen und ihn durch den Wald verfolgen.

Doch während sie noch ritten, sollte der Prinz das verlorene Land erreichen und der Anblick, der sich den Männer bieten sollte, wenn sie es ebenfalls erreichten, würde grauenvoll werden.


xxx


Sie alle hatten Recht gehabt, dachte sich der Prinz, als er den dunklen Wald wieder verließ und er von Weitem die hohen Mauern und die wuchernden Ranken erblickte, die sich um das Reich rankten und sogar den hohen Turm in dessen Mitte erkletterten.

Der Prinz folgte dem Pfad, der ihn direkt zu der Hecke führte. Er stieg vom Pferd und zog bereits sein Schwert, doch kaum trat er an den Rand der Wucherung, da spaltete sie sich in der Mitte und gab den Weg frei, sodass er hinein gehen konnte.

Noch immer warf die pflanzliche Mauer dunkle Schatten und er meinte im Gestrüpp alte Fetzen von Kleidern zu erkennen, doch all das war nichts, als er sah, was sich hinter dieser Wand verbarg.
Er sah Menschen, die schliefen, sich nicht bewegten und mitten in ihrem Tun inne hielten. So sah er eine Kutsche mit Pferden, die mitten im nächsten Schritt eingeschlafen waren. Einen Mann, der in seiner Schmiede am Eisen eingeschlafen war.

Der seltsame Anblick zog sich bis hinauf zum Schloss und auch dort wurde es nicht besser. Die Wachen waren im Schlummerland, lehnten an ihren Speeren und es war ein Leichtes, die riesige Flügeltür aufzudrücken und sich selbst Eintritt zu gewähren.

Im Inneren war es unangenehm kalt, die Feuer längst erloschen und niemand da, der sich darum kümmern konnte. Er betrachtete die Ornamente, den schönen Schmuck und etliche Gewände, als er sich seinen Weg bahnte zu einer unscheinbaren Tür, die hinauf zum Turme führte.

Knarrend öffnete sie sich und er stieg die verwitterten Stufen empor, im Kreise, so hoch, dass ihm fast schwindelte, doch am Ende fand er, was er begehrte und trat in einen runden Raum, in dessen Mitte sich ein Bett befand, dessen Pfosten umrahmt waren mit dornigen Rosen.
Und auf diesem Bett lag das schönste Mädchen, dass er je erblickt hatte.

Ihre schmale Gestalt war nach all den Jahren noch immer eine Augenweide. Ihre kleine Brust hob sich, mit jedem Atemzug, den sie im Schlaf tat und nicht nur dies zeugte von ihrem Leben, sondern auch die rosigen Wangen und die vollen Lippen, die sich gelegentlich öffneten, die Wimpern so lang, dass sie Schatten auf ihre weiche Haut warfen.
Ihr rundliches Gesicht war eingerahmt von blonden Haaren, so hell, dass sie im Lichte golden schimmerten.

Der Prinz konnte nicht an sich halten und beugte sich zu ihr hinab, um ihr einen keuschen Kuss zu stehlen.
Und wie durch ein Wunder regte sie sich und erwachte und mit ihr der gesamte Hof. Zuerst freute es den jungen Mann, doch schon nach wenigen Sekunden stellte er fest, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.

Die vielen Jahre gingen nicht spurlos an einem Menschen vorbei.

Schleichend langsam erhob sich das nun erwachte Mädchen und mit jedem Grad, den es sich in die aufrechte Position begab, veränderte sich ihr Äußeres.
Ihr goldenes Haar wurde dünn und blass, fiel von ihrer Kopfhaut hinab auf das durchgelegene Kissen. Ihre Haut, einst rosig und rein, schrumpelte, wurde dünn wie Papier, bekam erst Flecken, ergraute und wurde schließlich grün, als würde sie verfaulen.

Ihre Fingernägel fielen heraus, genauso einige Zähne.
Ihr zartes Gesicht fiel ein, schimmelig und schlecht, verwest und hässlich.
Die schönen Augen, die er erhofft hatte zu sehen, sanken zusammen und verschwanden, ließen leere Hüllen zurück, die ihn tief bis ins Mark erschütterten.

Angst kroch ihn ihm herauf, so etwas hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht erlebt und ihm wurde übel von dem Anblick, oder vielleicht auch nur von dem fauligen Gestank, der sich mit einem Mal hatte breit gemacht.
Der Prinz stolperte zurück und das Rumpeln und Rascheln seiner Klamotten ließ die Tote auf ihn aufmerksam werden.

Was einst vielleicht eine liebliche Stimme gewesen war, war nun mehr ein Röcheln und Fauchen und mit einem Ausdruck, der eindeutig Hunger widerspiegelte, kroch sie aus dem Bett, die Hände in der Luft, um nach ihm greifen zu können.
Zuerst ließ der klammernde Griff der Angst es nicht zu, dass er sich bewegte, doch kaum hatte sie das Bett verlassen und stolperte auf ihn zu, da begriff er und nahm die Beine in die Hand, damit er fliehen konnte.

Er polterte die schmale Treppe hinunter und warf die hölzerne Türe auf, stürmte durch den Palast hinaus an die frische Luft, nur um dort zu erkennen, dass der gesamte Hof wieder lebte und der alte Mann, dem er auf seinem Wege getroffen hatte, im Recht war.

Hier warteten nur noch Tod und Trauer.