A lengthy love story

von lalakuttr
GeschichteDrama, Romanze / P18
Abigail Roberts Arthur Morgan Charles Smith John Marston Molly O'Shea Sadie Adler
12.08.2019
24.08.2019
27
35285
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Nachdem die Wägen der Outlaws dicht nacheinander eintrafen, schritt Arthur die Treppen vor dem Haupteingang hinunter. Dabei hielt er seine Arme obligatorisch zur Seite um die Größe zu demonstrieren. Ich stand einen Meter hinter ihm, angelehnt an eine der hohen Steinsäulen, die die Fassade des Gebäudes zierten und verfolgte die Szene grinsend.
„Willkommen in meinem bescheidenen Heim. Nur keine falsche Scheu, es gibt genug Platz für uns alle!“, sprach Arthur mit besonders triumphierender Stimme. Dutch, der inzwischen aus seiner Kutsche gestiegen ist sah sich zufrieden um, streckte die Hände nach oben und rief: „Ich liebe es! Mr. Pearson, Mrs. Grimshaw, bitte verwandeln sie diesen Platz doch in eins ihrer Kunstwerke.“ Er kam auf Arthur zu und sagte nur an ihn gerichtet: „Gute Arbeit, mein Sohn. Du solltest mich auf einen Ausritt in diese Metropole namens Saint Denis begleiten.“
„Aber gerne Boss“, sagte Arthur und beide liefen in Richtung ihrer Pferde. Molly O’Shea stieg nun ebenfalls aus der Kutsche und eilte auf Dutch zu: „Dutch, können wir bitte kurz sprechen?“ „Nicht jetzt, Teuerste. Ich bin beschäftigt!“, antwortete dieser nur. „Aber…“ „Nicht Jetzt!“, unterbrach der Bandenanführer sie sofort und ritt mit Arthur Richtung Wald davon. Als ich neben Molly zum stehen kam konnte ich noch hören wie Dutch zu Arthur sagte: „Versteh einer mal dieses Weib.“ Molly blickte ihm fassungslos nach, ebenso wie ich.

Unser Bandenanführer hatte sich in letzter Zeit ziemlich verändert. Arthur erzählte mir, dass dies nach dem großen Desaster in Blackwater begann. Dort hat Dutch wohl bei einem missglückten Raubüberfall einem unschuldigen Mädchen auf grausame Weise das Leben genommen. Dies ist so schockierend, da er eigentlich dafür bekannt ist, dass vor allem die Ladys seine größte Schwäche sind. Mit Molly O’Shea ist er nun schon einige Zeit liiert, die beiden sind Lebensgefährten und teilen sich für gewöhnlich ein Zelt. Doch schon als unser Lager noch am Clements Point war, hatte ich zwischen den beiden öfter Streit bemerkt. Molly hatte sich in dieser Zeit oft zurückgezogen. Ich wünschte, ich hätte ihr helfen können, doch nicht einmal mich hat sie an sich herangelassen.

Jetzt begleitete ich die inzwischen zornige Irin ins Innere des Gebäudes von Shady Bell. Ich folgte ihr die Treppe nach oben und durch die große Flügeltür in das Zimmer, in dem sich vorher der verrückte Lemoyne Räuber in den Kopf geschossen hatte. In Gedanken setzte sich Molly auf das Bett, sah mich ernst an und fragte: „Enya… Mache ich etwas falsch? Ich meine, liegt es an mir, dass er so zu mir ist? Das geht jetzt schon seit Wochen so. Er ist einfach so abweisend. Denkt immer nur an seinen großen Plan, oder liest seinen ach so tollen Evelyn Miller. Enya, bitte sag mir deine ehrliche Meinung dazu. Du kennst mich von all den Menschen hier am längsten.“ Dabei betonte sie das Wort „Menschen“ ein wenig abwertend. Ich wusste genau was Molly von den meisten hier hielt. Sie waren unter ihrer Würde. Denn Miss O’Shea war eine waschechte Lady aus einer reichen Familie in Dublin. Und leider verhielt sie sich auch immer so. Das war schon immer so gewesen, auch als wir Kinder waren. Doch sie hat ebenso einen weichen und liebenswürdigen Kern an sich, sonst wäre Dutch nicht ihr Gefährte oder ich ihre beste Freundin. Aber diese andere Art bekam man kaum noch zu Gesicht, vor allem nicht seitdem Molly Teil der Gang war. Hier waren alle unter ihrer Würde und es passte ihr garnicht, dass Mrs. Grimshaw sie regelmäßig mit ihrer strengen Art aufforderte, etwas zum Leben im Camp beizutragen.

„Ach Molly, wir wissen doch beide von deiner ladyhaften Seite. Aber ich verstehe dich. Dutch hat sich verändert und ich finde, du leidest am meisten darunter. Das ist keinesfalls fair. Wie er über dich spricht und wie abweisend er zu dir ist. Auch wenn ich noch nicht lange dabei bin, auch ich sehe die Veränderung in ihm. Ich weiß nicht, ob das Ganze noch viel Sinn macht. Aber du weißt, mich solltest du da nicht unbedingt fragen, ich hatte kein Glück mit der Liebe und wäre vermutlich am wenigsten dazu berechtigt Liebesratschläge zu verteilen“, antwortete ich meiner Freundin. „Du glaubst also immer noch nicht an die Liebe? Du solltest endlich mit deiner Vergangenheit abschließen und dich verlieben. Du bist zu jung, um alleine zu sterben. Ich meine, selbst ich glaube an die Liebe und ich bin wahrscheinlich der selbstsüchtigste Mensch auf der Welt“, meinte Molly nun wieder mit fröhlicher Miene und zeigte endlich wieder einen Teil ihres guten Kerns. „Vielleicht hab ich das schon…“, murmelte ich leise. Natürlich war das Molly nicht entgangen und erfreut ukd aufgeregt blickte sie mich an: „Oh Herr im Himmel, wirklich? Wer ist der Mann? Ist es ein reicher Edelmann aus Saint Denis oder doch eher ein gutaussehender Ranchbesitzer? Na los, sag schon!“ „Weder noch, du solltest bei mir nicht so hochgestochen denken“, erwiderte ich leise. „Aber Enya, du bist genauso eine Lady wie ich. Du hast was Gutes verdient. Einen reichen Mann, einen fürs Auge“, tadelte mich Molly. „Ich möchte nicht, dass es jeder weiß. Es reicht mir schon, dass Arthur seine Vermutungen anstellt. Dafür ist dieser Mann einfach zu nah, verstehst du?“ „Oh, vertraust du mir etwa nicht mehr? Ich rede doch sowieso kaum mit jemandem hier. Und sag mir bitte nicht, es ist Arthur selbst. So viel Zeit wie du mit ihm verbringst würde es mich nicht einmal mehr wundern“, antwortete die rothaarige Schönheit nun wieder mit ihrem gewohnten abwertenden Tonfall. Ich verdrehte nur die Augen und meinte entnervt: „Nein, es läuft immer noch nichts zwischen Arthur und mir. Aber es ist ein Mann aus der Gang. Deshalb ist es mir ja so unangenehm. Und bitte mach daraus keine große Sache, denn ich bin mir noch nicht sicher, was ich genau empfinde. Das ist kompliziert.“ „Nun ja, ich komm schon noch auf den Namen. Und keine Sorge, Liebste. Meine Lippen sind versiegelt“, sprach meine Freundin, während sie aufstand und mich mit meinen Gedanken alleine im Raum zurückließ.
Nachdenklich betrachtete ich mich in einem großen, rissigen Spiegel, der in der Ecke des Raumes stand. Vielleicht hatte Molly Recht. Vielleicht war ich zu jung um alleine zu sterben.

Mit meinen 19 Jahren war ich zwar ein wenig jünger als sie, aber dennoch im heiratsfähigen Alter. Und so unansehnlich war ich auch nicht, mit meinem langen und dicken schwarzen Haaren, den rehbraunen Augen, den vollen Lippen und der bronzenen Hautfarbe. Jedoch war ich klein und nicht ganz so schmal gebaut, sondern eher etwas kurvig, aber keinesfalls dick. Ich war zwar keine typisch irische Schönheit, so wie Molly, aber dies hatte ich meinem Vater zu verdanken. Er war ein Mann aus dem fernen Nordafrika gewesen, groß und stattlich, mit dunkler Haut und dunklen Augen. Meine Mutter hingegen war eine blasse, kleine Frau mit hellbraunen Haaren und den rehfarbenen Augen, die ich von ihr geerbt hatte. Äußerlich betrachtet wäre ich also kein schlechter Fang gewesen, jedoch war ich schon immer wild und freiheitsliebend gewesen. Dies ziemte sich natürlich nicht für eine Lady. Denn auch ich kam aus einem reichen, adligen Elternhaus aus Dublin. Meine Mutter war eine O’Sullivan, doch verliebte sie sich in einen Schwarzen. Sehr gut vorstellbar, dass meine Großeltern deshalb ausgerastet sind, so eine Verbindung war schließlich undenkbar, bis sie erfuhren, dass mein Vater ein sehr reicher und gebildeter Mann war. So reich, dass er unsere gesamten Besitztümer aufkaufen hätte können. Und so willigten meine Großeltern schließlich ein, mit der Bedingung, dass er unseren Familiennamen annahm. Somit bin ich eine O’Sullivan geworden. Und auch die Freundin von Molly. Unsere Elternhäuser lagen in der Nachbarschaft, weshalb beschlossen wurde die junge Molly und mich gemeinsam studieren zu lassen.
Ich erinnerte mich manchmal gerne an meine Kindheit zurück. Meine Eltern waren zwar sehr streng gewesen, aber ich führte dennoch das sorglose Leben eines Kindes. Die Tage bevor das ganze Familiendrama begann, waren wirklich eine schöne Erinnerung.

Endlich wieder zur Besinnung gekommen, machte ich mich auf den Weg nach draußen, um nach Akando zu sehen. Schließlich hatte ich ihn im Wald zurückgelassen.


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So ihr lieben, hier gibt es gleich noch das zweite Kapitel am selben Tag, da ich heute Zeit und Motivation hatte. Und ich möchte mich gleich noch bei bei meinen fleißigen Review Schreiberlingen bedanken, für die konstruktive Kritik natürlich, es hat mich sehr gefreut
Ich dachte, ich lade heute noch das zweite Kapitel hoch, da in diesem etwas mehr über Enya zu erfahren ist. (und von meinen beiden Ghostreadern die Zustimmung kam).
Damit wünsche ich euch jetzt aber eine gute Nacht und (vllt morgen) bis zum dritten Kapitel :)