Verführung

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Vampire
11.08.2019
01.10.2019
9
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Es war alles schwarz.
Was sind das für Stimmen?
„Was ist passiert?“
„Warum ist sie voller Blut?“
„Lebt sie noch?“
„Ruft einen Krankenwagen!“

Ich höre ein regelmäßiges Piepen. Es ist nervend...
Stimmen, wieder höre ich Stimmen. Langsam öffne ich meine Augen.
„Sie wird wach.“ Jemand beugt sich über mich. Er trägt einen weißen Kittel, seine Haare waren schwarz und kurz geschnitten, seine Nase gerade und seine Lippen schmal. Seine Augen waren grau und um seinen Hals hat er ein Stethoskop hängen. Ein junger Arzt vermute ich, vielleicht Mitte 20. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Haben Sie schmerzen?“, fragt er mich mit einer sanften, aber männlichen Stimme zugleich.

Ich wollte mich aufrichten, werde aber vorsichtig wieder ins Bett gedrückt. „Bleiben sie liegen“, ermahnt mich der Mann.
„Was ist passiert?“, ich erkenne meine eigene Stimme nicht mehr, so kratzig ist sie.
„Das wollten wir Sie eigentlich fragen.“ Eine Stimme hinter dem Mann antwortet. Der Mann geht beiseite und dort erscheint ein älterer Herr, Mitte 40, mit einem dunkelgrauen Anzug und roter Krawatte, darüber trug er einen hellbraunen Trench Coat. Einen Block und Stift hat er in den Händen parat.

„Wer sind Sie und wo bin ich?“ Jedes Wort kratzt meinen Hals.
„Trinken Sie erst mal was.“ Der Mann, den ich als Arzt schätze, half mir mich aufzurichten und reicht mir ein Glas Wasser. Wie eine verdurstete trinke ich dieses schnell leer, nur um festzustellen, dass mein Hals brennt, so trocken ist er. Der Arzt ermahnt mich langsamer zu machen, das ich mich nicht verschlucke.
„Danke.“, kommt es von mir mit einer viel besseren Stimme.
„Bitte.“, lächelt er mich freundlich an. „Sie sind im Krankenhaus. Ich bin Dr. James Booth.“, stellt er sich mir vor.
„Ich bin Kommissar Knox. Sie wurden voller Blut und ohne Bewusstsein gefunden. Dazu habe ich einige Fragen.“, erklärt mir der Kommissar. „Die erste Frage lautet: Wie Sie heißen?“, fragend beäugt er mich.
Einen Moment überlege ich, bis mir eine Antwort einfällt „Ich…ich weiß nicht.“, gebe ich etwas kleinlaut zu. Wie kann sowas passieren? Ich muss doch einen Namen haben.
„Können Sie sich an etwas erinnern, was passiert ist?“
„Nein, tut mir leid.“
„Woher Sie kommen? Wie alt Sie sind? Irgendwas?“, langsam wird der Kommissar etwas lauter und ungeduldiger. Mit dem Blick auf meinen verschränkten Fingern, schüttele ich leicht den Kopf. Mir kommen langsam die Tränen, wieso? Wieso weiß ich nichts mehr?
„Nein, tut mir leid.“, murmele ich leise.
„Es ist genug jetzt!“, ertönt die Stimme von Dr. Booth. „Sie muss sich ausruhen. Bitte verlassen Sie das Zimmer.“ Dr. Booth bringt den murrenden Kommissar vor die Tür.

Als nach kurzer Zeit die Türe wieder geöffnet wird, betritt Dr. Booth das Zimmer alleine. „Geht es Ihnen gut? Ich hoffe, er hat Sie nicht zu sehr gestresst.“, fragt er gleich etwas besorgt.
„Nein, danke.“, lächle ich ihn leicht an. „Was ist mit mir passiert?“, frage ich nun eher unsicher.
„Ich weiß es nicht. Sie wurden gefunden oder besser gesagt: Sie sind Blut überströmt in die Straße gewankt und sind kurze Zeit später Ohnmächtig geworden.“, erklärt er mir.
„Zum Glück haben Sie keine großen Verletzungen erlitten. Zu der Amnesie und der Gehirnerschütterung, haben Sie ein paar geprellte Stellen und Kratzer.“ erläutert er meine Verletzungen. „Das Blut war nicht von Ihnen und ich muss noch untersuchen, wie stark ihre Amnesie ist.“
„Es tut mir leid. Ich kann mich wirklich an nichts erinnern, was passiert ist.“ deprimiert schaue ich zu meinen Händen, die auf meinem Schoß liegen. Diese zittern leicht. Wie kann das passieren? Was ist mit mir passiert, das ich voller Blut war. Wesen Blut war das?
Auf einmal wird mir kurz schwarz vor Augen. Als ich sie wieder öffne sind meine Hände voller Blut. Voller Panik blicke ich meine zitternden Hände an. Was habe ich getan? Habe ich jemanden verletzt oder sogar getötet? Ich weiß nicht was ich denken soll oder was ich machen kann. Immer noch wie hypnotisiert, starre ich meine blutigen Hände an. Mir kamen langsam Tränen über den Wangen. Ich stehe kurz davor keine Luft mehr zu bekommen.
„Hören Sie mich?“ wesen Stimme ist das? „Hey. Kommen Sie zurück. Sie sind in Sicherheit!“ sie wird immer klarer. Hände legen sich auf meine Wange, richten mein Gesicht leicht in eine Richtung. „Hören Sie auf meine Stimme. Alles wird gut. Sie sind in Sicherheit.“
Nach mehrmaligem blinzeln, erkenne ich den Doktor. Besorgt schaut er in meine Augen.
„Geht es Ihnen gut?“
„Was…was ist passiert?“ meine Hände. Was ist mit meinen Händen? Schnell blicke ich zu ihnen runter. „Sie waren voller Blut.“ Murmel ich leise.
Booth nimmt vorsichtig meine Hände in seine „Sie hatten eine Panikattacke. Sie dürfen sich nicht zwingen sich zu erinnern, das kann erhebliche Schäden verursachen. Am besten ist es, Sie denken erst gar nicht daran was passiert ist. Bleiben Sie ruhig. Wir machen zusammen ein paar Übungen und irgendwann fällt Ihnen alles wieder ein.“ Beruhigend streicht er mir sanft über die Hände.
Nachdem ich alles verdaut habe, was er mir erzählt, nicke ich leicht. Wenn es so ist sich wieder zu erinnern, möchte ich es am liebsten gar nicht erst.
„Leider muss ich jetzt gehen. Rufen Sie, wenn irgendwas ist.“ Er zeigt mir noch kurz den Knopf, damit ich die Schwestern rufen kann.
„Mache ich.“ Lächelnd ging er. Ich lege mich zurück ins Bett. In meinem Kopf kreisen alle möglichen Sachen rum. Aber mein Körper merkt, dass er noch ziemlich erschöpft ist, somit ich schnell wieder einschlafe.

Meine Amnesie hatte meine schulischen Erinnerungen - also was ich für das Leben brauche - nicht gelöscht. Aber alles, was um mich ging. Ich versuche wirklich mein Bestes um mich an alles zu erinnern. Dr. Booth meint, ich solle mich nicht überanstrengen und mein Gedächtnis nicht erzwingen und nach der Panikattacke, möchte ich keine zweite erzwingen. Das hatte mir gereicht. Deshalb heißt es jetzt erstmal, langsam voran zugehen.
Da ich auch keine Ahnung habe, wie ich heiße, nennt er mich auch nicht bei einem Namen. Alle Siezen mich einfach. Es ist ein komisches Gefühl, nicht bei einem Namen genannt zu werden. Ich komme mir eher vor wie ein Ding, als eine Person.
Ich bleibe solange im Krankenhaus, bis ich mich an alles erinnere oder bis jemand kommt und beweisen konnte, dass derjenige mich kennt und sich um mich kümmert. Aber es kam nie jemand. Ich bin schon seit fast einer Woche hier. Wird überhaupt jemand kommen und mich abholen? Habe ich überhaupt eine Familie oder Freunde. Vielleicht wollte mich niemand. Ich habe so viele Fragen und keine einzige Antwort fällt mir ein. Das deprimiert mich eher immer mehr.

„Hier, diese Lilie lag vor Ihrer Türe, mit diesem Brief.“, eine Krankenschwester überreicht sie mir. Da ich die einzige in diesem Zimmer momentan bin, musste sie ja für mich sein. Außer derjenige hatte sich an der Türe geirrt. Aber wieso kam die Person nicht rein, wenn sie mich kannte. Ist das vielleicht einfach nur ein Scherz?
„Danke.“ Auf dem Brief steht kein Absender. Die Krankenschwester verschwindet wieder und lässt mich alleine.
Voller skeptisch öffne ich den Brief. Wer sollte mir eine Lilie schenken?
Es war nur eine Karte darin:

~Du bist mir entkommen. Aber ich werde dich holen! ~

mit großen Augen starre ich die Nachricht an. Lese sie zwei, drei Mal durch. Ist das eine Drohung? Mir läuft es eiskalt den Rücken runter.

Auf einmal wird die Türe geöffnet. Schnell verstecke ich den Zettel unter meinem Kopfkissen.
„Wie geht es unserer Patientin denn heute?“, fragt Dr. Booth ganz freundlich.
„Mir geht es gut.“, antworte ich.
Er schaut die Lilie neugierig an, die noch vor mir liegt. „Von wem haben Sie denn die schöne Lilie bekommen?“, fragt er ehrlich interessiert.
„Ich weiß es nicht. Eine Schwester hat sie mir gebracht.“, antworte ich wahrheitsgemäß. Erstmal erzähle ich ihm lieber nichts von dem Brief. Das ist einfach nur ein Joke von jemand.
„Die Lilie passt zu Ihnen. Da Sie noch keinen Namen haben, können wir Sie ja solange Lily nennen. Wie finden Sie die Idee?“, lächelt er mich höfflich an.
Lily? Ein schöner Name. Er kommt mir irgendwie bekannt vor. Leise höre ich ein mir bekanntes lachen. Kenne ich vielleicht eine Lily? Ich weiß es nicht. Vielleicht erinnere ich mich eher daran wenn ich den Namen öfters höre. „Gerne. Das ist eine tolle Idee.“
„Das freut mich. Ich untersuche Sie jetzt für heute, Lily.“, betont er meinen neuen Namen.
Ich muss noch lange an die Nachricht denken. Sie macht mich etwas unsicher. Von wem bin ich entkommen und wer wird mich holen? Was ist passiert, das ich mich nicht mehr erinnern kann. Es hört sich nämlich so an als würde mich jemand umbringen wollen. Aber das will doch niemand. Oder etwa doch?
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