Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Rette mich...

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
10.08.2019
09.05.2020
36
30.504
4
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.08.2019 900
 
Sicht Amaya:

„Wo willst du denn hin?“, fragte ich das Mädchen vor mir. Ich schaute sie an, aber sie schien sich vor mir zu fürchten. Das war ja nichts neues für mich. Aber eine Seele die ihren Menschlichen Körper verlassen kann habe ich noch nie gesehen. Ich hätte sie ja gerne angelächelt, aber mein Gesicht war vor Schmerzen gelähmt. Aber noch ehe ich reagieren konnte lief sie schon weg. Schade.

„Nicht schon wieder.“, sagte der Lehrer. Wie es scheint verlässt dieses Mädchen sehr oft ihren Körper so wie diese Leute reagieren. Ich schaute wieder aus dem Fenster. Jetzt sah ich das Mädchen auf einem Strommast stehen, wie sie ihre Nase in den Wind hielt. Dann machte sie sich auf den Weg in Richtung Stadtrand. „Heute ist es wieder sehr stürmisch“, murmelte ich in mich hinein.

In letzter Zeit sind wieder sehr viele Ayakashi unterwegs. Das bereitet mir irgendwie sorgen. „Ich teile euch nun die Stundenpläne aus. Alle die Fragen zu diesen haben mögen sich bitte melden.“, sagte der Lehrer freundlich. Als er bei mir ankam zögerte er kurz bis er mir das Blatt gab. Danach machte er sich so schnell und unauffällig wie möglich auf den Weg nach vorne.

Jetzt bemerkte ich auch dass mich alle anderen im Raum komisch anstarrten. Ich schaute mir das Blattpapier an. Dort standen sowohl die Stunden als auch die Lehrer. Die Namen sagten mir rein gar nichts und ich schaute wieder aus dem Fenster. Erst die Schulglocke riss mich aus meinen Tagträumen. Ich schaute mich verträumt um. Die meisten hatten den Raum schon verlassen, nur noch ein paar letzte Schüler, ich und das Mädchenvor mir waren noch da.

Na gut. „Da sein“ konnte man das jetzt nennen. Ihre Seele war wohl immer noch unterwegs. Ich glaube aber nicht dass sie mich mag. Sie hält mich garantiert für verrückt nachdem ich sie davon abhalten wollte nach draußen zu gehen. Ich hoffe nur das Kasai sie nicht gesehen hat. Die verfolgt mich ja immer, nur jetzt ist sie nicht da.

Ich verließ das Schulgebäude und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Die Luft rund um das Bahnhofsgebäude war stark getrübt und es wimmelte nur so von Ayakashi. Ich ging etwas schneller. Zum Glück kam die Bahn etwas zu früh, somit kam ich schnell aus den Haufen Ayakashi raus. Ich ging die menschenleere Straße entlang in Richtung des Wohlhabendesviertels. Wie ich diese Gegend hasse. Ich hasse das Haus in dem ich lebe. Ich hasse der Mann der sich meinen Vatter nennt. Ich hasse dieses ganze elendige Leben.

Aber selbst wenn ich sterbe wird es nicht besser. Ich stand vor der Haustür und suchte meinen Schlüssel. Meine Hände zitterten so stark das ich gefühlt ewig brauchte bis der Schlüssel im Loch war. Ich öffnete leise und langsam die Tür. Vorsichtig ging ich herein und schloss die Tür. Ich schaute ich um. Mein Körper zitterte. Ich wusste dass sobald ich mich bewege etwas schlimmes passieren würde. Ich atmete ein und ging Richtung Treppe. „Schön vorsichtig und langsam“, dachte ich mir.

Aber gerade als ich am Speisesaal vorbei schleichen wollte landete eine Faust in meinem Gesicht. „Wo warst du Miststück so lange?“, brüllte er mich an. Ich blieb reglos am Boden liegen. „Antworte mir!!!“ Er trat mir in den Magen und ich spuckte sofort Blut. Die warme Flüssigkeit lief aus meinem Mund und tropfte aus den Boden.

„Na egal.“, er packte mich an den Haaren und schleifte mich in Richtung Kellertreppe. An dieser angekommen stieß er mich hinunter und kam dann nach. Mein ganzer Körper war vor Schmerzen wie gelähmt. Aber ich konnte mich kaum auf diese Schmerzen konzentrieren den schon im nächsten Moment wurde ich gegen eine Wand geschleudert. Ich schaute in Richtung des Kellerfensters. Die warme Abendsonne schien in den spärlich beleuchteten Keller und wärmte den Boden etwas auf. Ich versuchte auf zu stehen und weg zu rennen. Ich will hier weg!!! Ich will nur von hier weg!!! Aber ich kam nicht weit. Denn ein erneuter Schlag in den Magen ließ mich zusammenklappen. Heiße Tränen liefen mir über mein Gesicht. „Übertreib es nicht.“ Er schaute auf.

Und da stand sie. Kasai. Eine der grausamsten Göttinnen die ich je gesehen habe. Mein Körper verkrampfte sich und mir wurde schlecht. „Sie hatte heute schließlich Schule. Wenn sie da draußen stirbt werde ich sie schon finden.“, sie trat mir auf die Nase. „Ist ja schon gut du Spielverderberin.“, er ging mit ihr in Richtung Treppe, „Du nutzlose Tochter. Wann zum fick stirbst du endlich?“

Ich richtete mich schmerzerfüllt auf. Ich schlug sofort den Weg in Richtung Waschbecken ein. Es ist zwar sehr alt, aber es erfüllt seinen Zweck. Denn kaum war ich dort angekommen übergab ich mich. Der Schlag meines Vaters hatte wohl mehr Schaden angerichtet als ich zuerst dachte. Unter meinem Mittagessen war eine Menge Blut.

Ich schlurfte erschöpft in eine Ecke in der eine alte Matratze lag. Ich hing meine Uniform auf einen Kleiderbügel  und zog mein Blut beflecktes Nachthemd an. Die Uniform hatte zum Glück kein Blut abbekommen. Ich legte mich auf die Matratze und starte an die Decke. Kasai beschützt mich zwar, aber ich weiß dass sie mich umbringen könnte wenn sie wöllte. Ich hoffe das morgen ein besserer Tag wird. Vielleicht finde ich ja dann auch jemanden der mich aus meinem Leben rettet. Meinem furchtbaren und dunklen Leben.

Amaya's Themen Song:
Billie Eilish, Khalid - lovely
https://www.youtube.com/watch?v=V1Pl8CzNzCw
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast