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Rette mich...

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
10.08.2019
09.05.2020
36
30.504
4
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15.02.2020 1.208
 
Sicht Amaya:

Etwas nervös stehe ich in der Mitte des Hofes und schaute zu Yato und den Anderen. Ich hatte nicht einmal eine Wahl gehabt, sondern wurde sofort beschworen und sollte nun lernen mit diesem Körper zu Recht zu kommen. Etwas daran zweifeln tue ich aber schon irgendwie.

„Jetzt versuch es doch mal!“, rief Yato mir von der Seite zu, wo er noch immer strafend von Hiyori angeschaut wurde.

Klar. Als ob er keine Zweifel daran hätte dass ich abstürze. Zögerlich breitete ich meine Flügel etwas aus. Ich spürte sofort den kühlenden Wind durch mein Gefieder ziehen, bereit mich in den Himmel zu entführen.

Zögerlich mache ich einen kleinen Hüpfer und schlage mit den Flügeln. Ich schaffte es gerade einmal ein paar Zentimeter hoch zu kommen.

„Du musst es schon wollen. Stell dich deiner Angst.“ Daikoku hat Recht. Solange ich mich meiner Angst nicht stelle kann ich auch nicht erwarten andere beschützen zu können. Ich schließe meine Augen und atmete einmal tief durch.

Dann spreizte ich meine Flügel, nahm etwas Anlauf und springe mit aller Kraft vom Boden ab. Als ich in der Luft bin beginne ich mit den Flügeln zu schlagen und versuchte irgendwie die Sache mit dem Gleichgewicht in den Griff zu bekommen. Ich nehme eine Gleitstellung ein und lasse mich vom Wind nach oben tragen. Höher und immer weiter. Ich weiß nicht wieso ich das tue. Wahrscheinlich ein Instinkt den die Vögel haben. Wobei  ich ja kein richtiger Vogel bin.

Erst als ich etwas über 20 Metern in der Luft bin öffnete ich vorsichtig meine Augen. Mir stockt der Atem. Etwas so unglaubliches… davon hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt. Meine Glieder beginnen sich zu entspannen und ich merkte dass ich die Kontrolle habe. Ich kann jetzt entscheiden wie ich mich zu bewegen und verhalten soll.

Eine kühle Brise weht mir um die Nase und ich entschied noch höher zu steigen. Von hier oben sehen all die Menschen wie Ameisen aus. Und diese kleinen Leute werde ich von heute an beschützen… Ein warmes Gefühl machte sich in meiner Brust breit. Ich kann endlich jemanden helfen und nützlich sein. Dieses Gefühl… dieses Gefühl will ich nie wieder verlieren  müssen.

Elegant fliege ich um die Hochhäuser, mache Loopings und lasse mich zufrieden vom Wind treiben. Diese Freiheit ist unbeschreiblich. Ein plötzlicher Schauer ließ mich jedoch notgedrungen auf einem der vielen Hochhäuser landen. Mist! An die Landung hatte ich gar nicht gedacht. Wie mach ich denn das am besten? Erst die Vorderbeine oder doch alle Vier zugleich?

Ich befinde mich schon im Landeanflug und schreckte vorsichtig meine Vorderbeine zur Landung aus. Aufgekommen bin ich zwar, aber kaum berühren sie das Dach überschlage ich mich und landete auf dem Rücken. Hat ja super geklappt. Schmerzend drehte ich mich zurück auf den Bauch. Das Dach ist nicht groß. Wohl von einem stillgelegten Bürogebäude.

Neugierig laufe ich über das Dach und schaute mich auf allen Seiten um. Es gibt nicht viel zu sehen außer der Betonwüste der Stadt. Gelegentlich hupt mal ein Auto, aber außer dem Regen gibt es sonst nichts mehr. Ich kann also bei Regen nicht so gut fliegen, heißt also ich muss warten bis es aufhört. Niedergeschlagen senke ich den Kopf und setzte mich auf eine alte Antenne. Man könnte mich glatt für eine Katze halten, so wie ich da sitze.

Ein leises Poltern ließ mich jedoch aufhorchen. Schritte. Irgendjemand kommt hier hoch. Der Regen hatte inzwischen aufgehört und nur noch die fahrenden Autos sind zu hören. Eigentlich könnte ich jetzt zurück zu den anderen fliegen, aber mein Bauchgefühl sagt mir das ich dort bleiben sollte. Irgendetwas stimmt nicht.

Die Tür zum Dach öffnet sich langsam und eine junge Frau kommt heraus. An ihrem Rücken hängt ein, zwar noch recht kleiner, aber gefährlich aussehender Ayakashi. Ich spitzte die Ohren um das Gemurmel der Frau zu verstehen.

„… niemand mag mich… scheiß Job… hasse mein Leben…“, war alles was ich verstehen kann. Dann tritt sie an den Rand des Daches und begann sich die Schuhe aus zu ziehen. Heißt das etwa-? Will sie wirklich-? In meinem Kopf rasen tausend Gedanken. Und keinen von ihnen konnte ich klar erfassen. Mein Körper war angespannt, der Ayakashi wuchs mit jedem Tun der Frau und ich… ich… ich will etwas tun! Aber was?

Jetzt steht die Frau an der Kante, blickte hinunter, weinte stumme Tränen. So wie… ich. So stand ich auch auf der Brücke. Diese Hoffnung und dieser Schmerz der alles beenden sollte. Nein! Niemand soll diesen Schmerz je wieder spüren müssen.

Und mit diesem Gedanken im Kopf sprang ich auf die Frau zu, griff den Ayakashi und trennte die Beiden voneinander. Doch ich hatte zu viel Schwung gehabt und so stürzen ich und die Frau in Richtung Boden. Die Frau schien inzwischen wieder klar denken zu können und fing an zu schreien. Niemand war da. Niemand der uns hätte helfen können. Doch! Ich bin da.

Ich fing an meinen Körper in eine Aushangs Haltung zu bringen, packte die Frau am Rücken und spannte meine Flügel bis aufs Maximum. Ich konnte den Sturz nicht verhindern, noch kann ich verhindern dass sie auf dem Boden aufschlägt. Aber ich kann den Schaden den sie durch den Sturz erleiden wird verringern. Panisch schlage ich mit den Flügeln, der Boden kommt immer näher.

Mit letzter Kraft schlage ich mit meine Flügeln und landete halbwegs unbeschadet mit der Frau auf dem Boden. Diese sah ich prüfend an, ob sie nicht doch Schaden abbekommen hat, aber außer einem gebrochenen Arm scheint alles OK bei ihr zu sein. Ich wollte mich gerade wieder auf den Weg machen, da hielt ein Auto am Straßenrand.

Ein Mann im selben Alter der Frau stieg aus und panisch lief er zu ihr. Jetzt stieg auch ein kleines Mädchen aus dem Auto und rannte zu der Frau. „Mama!“, rief sie. Berührt schaute ich die Szene vor mir an. Ich hatte mehr getan als nur einen Menschen gerettet. Eine Familie gerettet… Ohne mich wäre diese Mutter gestorben und hätte die Menschen die sie liebte zurück gelassen. Mir stiegen die Tränen in die Augen. Dieser Anblick war einfach nur Herz zerreißend.

„Gar nicht mal so schlecht.“ Was zum-? Wie ist Yato so schnell hergekommen? Woher wusste der eigentlich wo ich war?

„Danke.“, brachte ich heraus.

„Na komm. Hiyori liegt mir sonst wieder in den Ohren das ich mich nicht richtig um dich kümmere.“ Und damit wandte er sich auch schon wieder zu gehen. Die Frau wurde inzwischen von ihrem Mann ins Auto verfrachtet. Wahrscheinlich bringt er sie sofort ins Krankenhaus.

Nur das kleine Mädchen schaute in meine Richtung. Warte mal! Sieht sie mich etwa? Ich machte ein paar Schritte zurück.

„Komm endlich!“, rief mir Yato zu. Der Kerl kann echt nerven. Also drehte ich mich um und trottete in Richtung Yato.

„Danke dass du meine Mama gerettet hast!“, rief plötzlich eine hohe Stimme. Ich drehte mich um uns schaute zu dem Mädchen was sich inzwischen zu seinen Eltern gesellte. Hat sie etwa? Konnte sie etwa? Ich schaute noch ein paar Sekunden zu ihnen, drehte mich dann aber um und folgte Yato.

„Ach übrigens. Zurück Amaya.“ Und damit nahm ich wieder meine menschliche Gestalt an. „Du solltest beim nächsten Mal vorsichtiger sein, klar?“

„Klar.“

So langsam könnte ich mich an dieses Gefühl gewöhnen…
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