Die Schwingen des Windes

KurzgeschichteDrama, Romanze / P16
OC (Own Character) Revali
09.08.2019
09.08.2019
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Vor Äonen der Zeit als das königliche Hyrule noch mit Frieden gesegnet war, kreuzten sich die Wege zweier Seelen.

***


Raya. Du musst durchhalten. Es ist nicht mehr weit bis nach oben. Nur noch ein kleines Stück. Du schaffst das! Scharfkantige Felsen schnitten mir in die Finger, die ich vor Kälte kaum noch spürte und bei jedem Griff schmerzten. Trotzdem kämpfte ich mich weiter die Felswand nach oben. Mir blieb ja keine andere Wahl, wenn ich es nicht bis nach oben schaffte, dann wäre alles umsonst gewesen. Der Gedanke an ihn ließ mich alles ertragen. Den eisigen Wind der Hebra Berge, der mir um die Nase wehte, sogar die quälenden Schmerzen in meinem Körper, als sich sämtliche Muskeln zusammenzogen. Ich würde nicht aufgeben, auch wenn ich bereits am Ende meiner Kräfte angelangt war. Selbst, wenn es bedeuten würde, dass ich mein Leben aufs Spiel setzte, ich würde dort hinaufkommen. Für ihn.

Angestrengt biss ich die Zähne zusammen und streckte den rechten Arm aus, um mich an einem hervorstehenden Felsen hochzuziehen. Nachdem ich sicheren Halt gefunden hatte, verlagerte ich das Gewicht auf das linke Bein, damit ich den rechten Fuß auf einen kleinen Vorsprung setzen konnte. Da er mich zu tragen schien, drückte ich mich von dem Felsen ab, um höher zu klettern. Genau in dem Augenblick fing der Felsen unter meinem Fuß an zu bröckeln, sodass ich plötzlich ins Leere trat und gegen die massive Felswand knallte. Ein unangenehmes Brennen breitete sich auf meiner Wange aus, als sich ein spitzer Stein in meine Haut bohrte. Warmes Blut rann mir übers Gesicht und den Hals hinab. Blut, das bereits meine Hände und das Gestein Tiefrot färbte.

Bei Hylia, hoffentlich überlebte ich das. Raya. Gibt nicht auf! Du musst es schaffen. Ohne dich ist er verloren. So fest ich konnte klammerte ich mich mit den Händen an den Felsen und wagte es einen Blick nach unten zu werfen. Keine gute Idee. Sofort polterte das Herz in meiner Brust los und konnte sich nicht mehr beruhigen. Blut strömte wie ein reißender Strom durch meine Adern, sodass ich ein nerviges Rauschen in den Ohren hörte. Schwer atmend schloss ich die Augen, damit ich mich besser beruhigen konnte. In dieser Situation, die Nerven zu verlieren wäre der sichere Tod. Mein Herz krampfte sich mehrmals zusammen, als mir bewusst wurde, wo ich mich befand. Ich hing etliche Meter an einer Felswand und drohte hinabzustürzen. Hylia, ich bitte dich, lass mich das überstehen. Ich bitte dich nie wieder um etwas. Nur darum leben zu dürfen, damit ich ihn retten kann.

Sein Gesicht tauchte vor meinem inneren Auge auf. Dieses warme und stets glückliche Lächeln, das er selbst dann noch für mich übrig hatte, als sein Leben am seidenen Fanden hing. Es gab mir die Kraft, die ich brauchte, um mich hochzuziehen. Es war ein verdammter Kraftakt, denn die Muskeln in meinem Armen fingen bereits an zu kapitulieren, weil ich solche Anstrengungen nicht gewohnt war. Irgendwie schaffte ich es den Halt wiederzufinden und nach oben zu klettern. Nachdem ich die Felskante endlich erreicht hatte, schob ich mit Mühe den Oberkörper darüber, zog die Beine nach und ließ mich in den kalten Schnee fallen. Wie auf Federn sank ich tief ein und gestattete es mir, ein paar Herzschläge zu Atem zu gelangen. Ich hatte es wirklich geschafft. Ich war oben. Nun musste ich nur noch das Frostkraut finden.

Keine Sekunde länger als nötig wollte ich damit verschwenden, hier herumzuliegen und den weißen Flocken dabei zu zuschauen, wie sie auf mich herabfielen. Ich musste so schnell wie möglich zu ihm zurück. Bitte halte nur noch etwas durch. Ich ertrage es nicht, dich zu verlieren. Die Arme und Beine weich wie Pudding rappelte ich mich hoch und klopfte den Schnee von meiner Kleidung, die bereits feucht geworden war. Das leise Grunzen, das ich anfänglich für das Flüstern des Windes gehalten hatte, ließ mich nun innehalten. Ein eisiger Schauer, der gewiss nichts mit der Kälte hier oben gemein hatte, lief mir den Rücken hinunter, sodass sich eine Gänsehaut auf meiner Haut bildete. Dieser Laut war mir nur allzu vertraut. Nachts, wenn ich im Bett lag, konnte ich es laut und deutlich hören als würden die Monster neben mir stehen.

In der Hoffnung, dass sie mich noch nicht entdeckt hatten, hob ich ganz langsam den Kopf. Ich irrte mich. Ein blauer Bokblin stand mir direkt gegenüber und fixierte mich. Während er seine Keule wild durch die Luft wirbelte, stieß er ein aufgeregtes Grunzen aus, das die anderen Bokblins ebenfalls auf mich aufmerksam machte. Sogleich warf ich den Kopf nach links und rechts, um einen möglichen Fluchtweg zu erspähen. Zu spät. Sie hatten mich bereits von beiden Seiten eingekesselt. Mein Herzschlag dröhnte mir in den Ohren, als ich begriff, dass es keinen Ausweg gab. Panik erfasste mich und schnürte mir den Hals zu, sodass ich kaum noch Luft bekam. Ich saß in der Falle. Die einzige Chance, die mir noch blieb, war die Flucht nach vorne.

Bei der Göttin, wenn das mal nicht schiefgeht. Und wie schief es ging. Selbst mit dem Gerudo Messer, das ich aus meinem Stiefel gezogen hatte, konnte ich nur einen der roten Bokblins außer Gefecht setzen. Die anderen drängten mich immer weiter nach hinten, bis ich die Felskante erreichte. Ein falscher Schritt und ich würde den Tod höchstpersönlich gegenüber stehen. Soweit durfte es auf keinen Fall kommen. Mit zitternden Fingern, die ich krampfhaft um den Schaft des Messers schloss, stürmte ich auf das nächste Monster zu. Irgendwie schaffte ich es, ihn mit der Klinge im Gesicht zu verletzen, sodass er mit einem qualvollen Quieken ins Taumeln geriet und in den Abgrund stürzte. Einer weniger.
Den Blauen schien es gar nicht zu gefallen, dass ich mich gegen sie zur Wehr setzte. Mit einem ohrenbetäubenden Grunzen schwang er seine mit scharfen Stacheln verstärkte Keule und rannte auf mich zu. Mir blieb nicht mal die Zeit zu reagieren, als das massive Holz mich frontal auf der Brust traf. Der Schlag trieb mir die Tränen in die Augen und die Luft aus den Lungen, sodass ich keuchend nach Luft schnappte. Ein weiteres Mal schlug er mit seiner Keule zu und traf mich mit der Waffe an der rechten Schulter, in der ein brennender Schmerz aufflammte.

Das Messer glitt zu Boden und versank in dem tiefen Schnee. Ich war wehrlos. Der dritte Schlag ließ mich buchstäblich fliegen. Mit voller Wucht traf er mich erneut. Dieses Mal auf dem Rücken, den ich ihm zugewandt hatte, damit ich mich schützen konnte. Der Aufprall war schmerzhaft und so heftig, dass ich ins Wanken geriet und über die Felskante stürzte. Ein angstvoller Schrei verließ meine Lippen und wurde von den dicken Felswänden als Echo zurückgeworfen. Ich hatte versagt. Kläglich. Er würde sterben. Genau wie ich.
Das Bersten meiner Knochen ging mit einem ekelhaften Krachen einher, als mein Körper auf dem harten Untergrund aufschlug. Nicht mal die dicke Schneedecke hatte den Aufprall abfangen können, so tief war ich gefallen. Trotz der abartigen Schmerzen, die meinen Körper lähmte, entwich meinen Lippen ein sarkastischer Laut. Wenn die Lage nicht so aussichtslose wäre, dann würde ich jetzt darüber lachen. Der Ironie des Schicksals war es zu verdanken, dass ich auf einem etwa dreißig Meter tiefen Felsvorsprung gefallen und somit noch am Leben war. Nur für wie lange? Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Tod die Sense schwang. Wenn ich nicht den Verletzungen erlag, dann würde ich erfrieren. So viel stand fest.

Tränen der Verzweiflung bahnten sich den Weg aus meinen Augen und kullerten mir über die Wangen, sodass sie in den Schnee tropften. Ich war seinetwegen hier hoch gekommen, weil er das Frostkraut so dringen benötigte und das im Sommer nur in den kalten Regionen Hebras wuchs. Ich war hier hochgeklettert, weil ich ihn liebte und ihn retten wollte. Das alles war vergebens. Ich hatte gnadenlos versagt. Ich würde ihm nicht helfen können. Es tut mir leid. Es tut mir so, so leid. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen, dass ich nicht alles getan habe. Meine Brust zog sich bei jedem Schluchzen schmerzhaft zusammen und nahm mir erneut die Luft zum Atmen. Jeder Versuch sich zu bewegen, führte mir vor Augen, dass jeder Knochen in meinem Körper gebrochen sein musste, zumindest fühlte es sich so an. Es war mir nicht mal möglich einen Arm zu bewegen. Ich konnte nur noch hier liegen und darauf warten, bis ich elendig verreckte.

Die Zeit verstrich. Nein. Sie kroch dahin und ich war immer noch am Leben. Welch ein Wunder. Je länger ich so da lag und die wunderschönen Schneeflocken auf mich herabrieselten, desto mehr wollte ich sterben. Schmerzen verspürte ich nur noch, wenn ich mich bewegte, also tat ich es nicht. Die eisige Kälte, die unter meine durchnässte Kleidung kroch und ihre Nadeln tief in die Haut bohrte, betäubte sowieso den Großteil meines Körpers. Meine Finger und Zehen spürte ich schon gar nicht mehr, selbst das anfängliche Kribbeln war verschwunden. Die Kälte geleitete mich in einen Dämmerzustand, der meine Augen schwer werden ließ und dazu führte, dass ich mir Dinge einbildete.

So glaubte ich in einem Wirbel aus Schneeflocken, eine Gestalt neben mir auftauchen zu sehen. Benommen starrte ich in zwei vogelartige Augen, die mich an grüne Rubine erinnerten und auf mich herabschauten. War er es, der mich erlösen würde? War ich dem Tod so nahe, dass mein Verstand ihm eine Gestalt verlieh? Es war mir gleich, solange er es schnell enden lassen würde. Wie so oft in den vergangenen Stunden irrte ich mich. Statt mich zu erlösen, hob er meinen Körper mit einer Leichtigkeit vom Boden hoch. Der Schmerz, der dadurch in meinem Inneren explodierte, schloss mein Gehirn kurz, sodass mir sämtliche Lichter ausgingen und die Dunkelheit mich in eine feste Umarmung zog.
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