Katzenjammer

GeschichteHumor, Romanze / P12
Anthony Lockwood Der Schädelgeist George Cubbins Holly Munro Lucy Carlyle OC (Own Character)
08.08.2019
14.10.2019
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Katzen haben ganz unterschiedliche Arten einem Menschen zu zeigen, dass sie einen lieben. So hatte ich das mal gehört und genau das sollten wir nacheinander alle kennen lernen.

Dazu zählte zum Beispiel sich vor einem auf den Boden zu werfen und den Bauch zu zeigen, zu schnurren, zu miauen, mit dir im Bett zu schlafen, sich an dir zu reiben und auch mal abzulecken, wenn sie meint, dass du es nötig hattest (auch wenn du gerade geduscht hattest). Den Stuhl, auf dem man sitzt, mit den Krallen zu perforieren (Lockwood was not amused), Liebesbisse in die Hand oder die Nase, wenn sie mal auf dir lag, gehörten auch dazu und wenn sie schon mal da war, massierte sie mit den Vorderpfoten auch mal deine Brust oder Bauch, je nachdem auf welcher Höhe sie es sich auf dir bequem gemacht hatte.

All das zählte ich gerade Lockwood auf, als wir eines Morgens zusammen am Tisch saßen. George war vor wenigen Minuten auf der Suche nach etwas in den Keller verschwunden, Hazel war ihm miauend dicht auf den Fersen, nachdem sie George eine Weile lang um die Beine gestrichen war und Lockwoods Unverständnis geweckt hatte.

„Manchmal wünschte ich, Katzen würden sich deutlicher ausdrücken. Oder ich sie zumindest besser verstehen.“ Auf meinen fragenden Blick hin, redete er weiter. „Ich meine, wenn sie dir zum Beispiel so um die Beine streicht und miaut oder schnurrt, heißt das dann ‚streichle mich‘ oder ‚heb mich hoch‘? Und manchmal sieht sie dich einfach nur starr an und ich frage mich, was sie eigentlich von mir erwartet.“

Daraufhin hatte sich ein kleines Schmunzeln auf meinen Lippen gebildet, während ich mein linkes Handgelenk langsam hin und her drehte. Die Geistersieche war fast wieder auskuriert, aber erst als wir alleine waren, begann ich ihm zu antworten. Ich legte meine Ellenbögen auf den Tisch und sah zu Lockwood, der verstummt war. Unsere Blicke trafen sich.

„Manchmal bedeuten solche Gesten nicht viel. Manchmal sagt Hazel damit einfach nur, dass sie dich mag.“
„Dass sie mich mag? Sie hat eine komische Art das zu zeigen.“
Ich lachte auf. „Oh ja und das tun sie auf sehr kreative Art und Weise. Katzen haben ganz unterschiedliche Arten einem Menschen zu zeigen, dass sie einen lieben.“ An den Fingern zählte ich ihm die verschiedenen Varianten auf, die wir bereits mit ihr erleben durften und ich merkte wie mir Lockwood an den Lippen hing.

Als ich gerade über weitere grübelte, hackte er ein. „Soll das heißen, dass diese ‚Geschenke‘, die sie überall verteilt, in meinem Sessel, auf deinem Bett, in Georges Rucksack, auch so eine ‚Ich-hab-dich-lieb‘-Geste ist?“

Ich spürte wie meine Wangen etwas rot wurden. Es war einfach ungewohnt aus Lockwoods Mund ein „Ich hab dich lieb“ zu hören. Dennoch nickte ich. „Ja, zum Beispiel.“

Lockwood schnaubte etwas. „Das ist zwar schön, aber ich fände es besser meine Socken NICHT in Georges Rucksack wieder zu finden. Und das bei einem Auftrag!“

Ich biss mir auf die Lippen, musste aber bei dieser Erinnerung trotzdem breit grinsen. Lockwood sah mich vorwurfsvoll an.

Ich räusperte mich gekünstelt, bekam das Grinsen aber trotzdem nicht aus dem Gesicht. „Es können aber auch unscheinbarere Sachen sein, die dasselbe aussagen. Wenn du zum Beispiel mit ihr spielst und sie mit den Vorderpfoten deinen Arm umschließt oder wenn sie dir eine Kopfnuss gibt ooooder… wenn sie zum Beispiel ihren Kopf an deinen schmiegt. Das soll in der Katzensprache auch gleichzeitig so viel wie ‚Meins!‘ heißen. So habe ich das zumindest mal gehört.“

Lockwood stellte seine Teetasse ab, aus der er einen Schluck genommen hatte und schaute mich aufmerksam an. „Meins? Meinst du, wenn sie in etwa das macht?“, fragte er und beugte sich plötzlich zu mir rüber. Ehe ich mich versah, nahm er mein Kinn in seine Hand und fuhr mit einem Lächeln auf dem Gesicht mit seiner Nase und Wange über mein Gesicht.
Erst langsam über die eine Wange, dann über die andere.
Als seine Locken beim Wechseln der Seiten mein Gesicht kitzelten, musste ich kurz kichern.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, die dann wieder viel zu schnell vorbei war, zog er sich wieder zurück und grinste mich strahlend an. Erst da verstand ich, was er gerade gemacht hatte.
Auf meinem Gesicht bildete sich eine Gänsehaut, mein Herz überschlug sich und ich wurde schlagartig rot.

Genau in diesem Moment flitzte Hazel durch die Tür und George folgte ihr Sekunden später. Schnell senkte ich meinen Blick und betrachtete meine Teetasse, als hinge mein Leben davon ab!
George schien nichts bemerkt zu haben, aber Lockwood sah MEHR als nur zufrieden mit sich aus.

Im nächsten Moment rieb Hazel ihren Kopf an meinem Bein.