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Trio II - Jonathan und Alexander

von Lirun
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
08.08.2019
30.01.2023
16
33.229
3
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24.01.2023 2.548
 
Hallo zusammen, es tut mir leid für die Verspätung diese Woche. Ich war leider krank.  Ich hoffe ihr habt Spaß an dem Kapitel. Natürlich sie die technischen Mängel an dieser Uni frei erfunden. Und mir ist so etwas nie unter gekommen, auch wenn manch ein Unigebäude das ich betreten habe ein sehr marodes Bild von sich gab.

Jetzt aber viel Spaß mit den beiden.
LG Lirun


—--------------Jo—-----------------------


Jo hatte den Moment genau gemerkt, als er nicht mehr allein im Raum war. Es war mitten in einer seiner Drehungen gewesen und kurz bevor er einen immer wiederkehrenden Fehler versuchen würde zu vermeiden. Konzentriert brachte er sich durch die komplexe Abfolge von Schritten, ehe er einen Blick zu den Personen am anderen Ende des Raums schaute. Sieh da, Alexander von Hohenstätt war erschienen. Und mit ihm eine Person, die er leider nicht erkennen konnte.
Mit diesem hatte er heute Abend irgendwie nicht mehr gerechnet. Als er vor der Aufführung nicht aufgetaucht war und Jo ihn auch im Publikum nicht erkennen konnte, hatte er den Herrn von und zu für den Moment abgeschrieben. Er hatte kurzzeitig überlegt, wie er ihm weiter auf die Pelle rücken konnte und gleichzeitig einen Vorteil für die Fakultät herausschlagen konnte.
Ihn jetzt hier zu sehen überraschte ihn doch, eröffnete aber zu gleich so viele Möglichkeiten. In einem kleinen Bogen schätzte er die Strecke ab, die er zurücklegen musste um direkt vor Alexander zum Stehen zu kommen. Gleichzeitig positionierte er sich so, dass er die zersplitterte Bodenplatte zwischen ihnen beiden hatte. Normaler umtanzten alle Studenten diese Stelle, aber heute kam sie Jo gerade richtig um seinen Standpunkt gegenüber Alex besser vertreten zu können. Es blieb allerdings ein Restrisiko, das der von Hohenstätt zu langsam reagieren würde und sie beide auf dem Boden oder in der dritten Person landen würden. Aber wer war Jo, dass er dieses Risiko scheuen würde.
Und dann begann er, tanzte auf Alex zu, verfluchte sich selbst, als seine Beine wie ganz von allein an den kaputten Stellen vorbei tanzte und brauchte sich im nächsten Moment absichtlich selbst in stolpern. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen, als er auf den Mann zu stolperte und fühlte aber schon im nächsten Augenblick, wie sich zwei Arme sicher um seine Hüfte schlangen und ihn abgesicherten. Wie von selbst legte Jo seine Hände auf die starken Arme und kam außer Atem dicht an Alexander gepresst zum Stehen.
Oh wow, dass der Typ unter seinen Hemden und Pullundern trainierte Muskeln versteckte, hätte Jo nie erraten. Für einen Atemzug, der sich viel länger anfühlte schauten sie sich in die Augen. Hinter der gerahmten Brille strahlten ihn wieder diese zwei strahlend blaue Augen an und Jo hatte für einen kurzen Moment, das Gefühl Alex wüsste bereits alles von ihm. Nur gut, dass kein Mensch wirklich Gedanken lesen konnte. Nachdem er dieses gefühl abgeschüttelt hatte, trat er einen Schritt zurück und brachte wieder Abstand zwischen sie beide.
“Es tut mir leid, aber ich bin leider über die gesplitterte Platte im Boden gestolpert.”, entschuldigte Jo schich schnell bei Alex und deutete dabei auf den Boden hinter sich. Alex schürze die Lippen und starrte kurz auf den Boden hinter Alex. Interessiert musterte Jo währenddessen den zweiten Mann der den Raum betreten hatte. Dieser schaute ihn skeptisch an. Offensichtlich nahm er ihm, den Stolperer über die Bodenplatte nicht ab. Sein Gesicht kam ihm hinlänglich bekannt vor, aber das schwache Licht in diesem Raum konnte ihm auch einen Streich spielen.
“Nun, dass mit dem Boden ist wirklich eine Schande, aber ein geübter Tänzer, kann dem normalerweise sicher ausweichen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir hier richtig sind. Zumindest hätte ich von jemanden, der in der russischen Ballettakademie gelernt hat mehr erwartet.”, äußerte sich der Fremde zum ersten mal. Sein Akzent war leicht aber nicht zu überhören und Jo hatte das Gefühl, eine Horde Ameisen begann seine Beine hoch zu krabbeln. Gleichzeitig konnte er nicht verhindern, dass er ein bisschen rot wurde.
“Nun ja, …”, setzte er an, doch der Mann kam ihn zu vor, “Schieben wir es darauf, dass sie bereits seit mehreren Stunden auf der Tanzfläche stehen.”
Jo sah den Mann an und war sich plötzlich sehr sicher, dass er Alexandre Mariotte vor sich hatte. Das war wohl seine Chance und nun hatte er einen so schlechten Eindruck hinterlassen. Jo biss die Zähne aufeinander, aber er konnte sich mit dieser Ausrede einfach nicht zufriedengeben.
“Nein, ich bin mir sehr sicher, dass so ein Stolperer nicht wieder vorkommt, Sir.”, brachte Jo heraus und schaute Alexandre Mariotte offen an.
“Nun versprechen sie da nicht zu viel?”, fragte dieser und Jo spurte das kritische mustern. Ohne zu zögern schüttelte er mit dem Kopf und sagte: “Ganz sicher nicht. Ich tanze ihnen, alles über diese Bodenplatte.”
“Na dann zeigen sie mal ein tombé coupé assemblé mit einem anschließendem Grand Jeté”, forderte er Jo auf. Ohne zu überlegen, drehte er sich um und vollführte die Übung über dem kaputten Boden.
“Nun, dass war annehmbar, aber können sie auch auf sich und einen Partner gleichzeitig aufpassen?”, Mariotte wandt sich kurzerhand an Alexander und schob ihn dabei ein paar Schritte in den Raum hinein:” Verzeihen sie mein Lieber, wir brauchen sie hier kurz. Und keine Angst, Herr Widkens wird schon aufpassen, dass sie nicht fallen.”
Ehe Alexander etwas sagen konnte, stand er schon über den kaputten Boden und Jo überlegte fieberhaft, wie er eine schöne Show, keinen Unfall und eine auf einen Nichttänzer angepasste Choreographie abliefern könnte. Viel Zeit konnte er sich nicht nehmen und so übernahm zum Schluss auch seine Intuition. Er steuerte auf von Hohenstätt zu und meinte zwischen zwei Figuren, bei dem er seine Schultern zur Stütze nutzte: “Du musst mich mit deinem Armen nur stützen und dich führen lassen. Den Rest mache ich.”
Wie Jo es schaffte war ihm nicht ganz klar, aber er führte Alexander durch nicht ganz einfache Folgen und Schritte runter von dem kaputten Boden, ohne das er es zu bemerken schien. Er nutzte seine Schultern und Arme als Stütze, drückte sich das ein oder andere Mal eng an ihn heran und stieß sich im nächsten Moment wieder ab. Als Fixpunkt war er ganz gut zu gebrauchen. Und wenn Jo nicht zu konzentriert darauf gewesen wäre, seine zukünftigen Mentor zu beeindrucken, hätte er gewiss auch seinen Duft auf sich wirken lassen, die Muskeln von seinen Händen ein kleines bisschen länger erfühlen lassen und seine Mimik beobachtet, wenn er den von Hohenstätt an für einen Nichttänzer ungewöhnlichen Stellen berührte. Doch das alles trat in den Hintergrund, so dass Jo nur auf das Gesamtbild achtete und er zum Schluss nur sagen konnte, dass der von Hohenstätt nur damit beschäftigt gewesen war, mit seinen Armen, die angedeuteten Hilfestellungen zu geben, die Jo ihm gab.Aber das machte er sehr gut. Sowas hatte Jo dem strikten und geschniegelten Typen gar nicht zugetraut. Zum Schluss hatte Alexander sogar seine Hände auf Jos Hüften und er spürte, wie er jeden seiner Sprünge unterstützte.
Als sie geendet hatten sagte Mariotte nichts sondern nickte Jo nur zu. Dann wandt er sich ab und trat auf die Tür zu. Kurz bevor er verschwand drehte er sich noch einmal um, ganz so als wäre ihm gerade etwas eingefallen: “Ach ja, Widkens, sie sollen den Herrn von Hohenstätt herumführen und ihm die Fakultät mit allem drum und dran zeigen. Ich denke, sie verstehen, was gemeint ist. Herr von Hohenstätt, danke für ihre Hilfe gerade, es würde mich freuen, sie einmal wieder zu sehen. Herr Widkens, wir sehen uns am Dienstag um 17:15 im Raum 486.”
Dann war er mit einem angedeuteten Winken durch die Tür getreten. Als die Tür zufiel standen sich Alex und Jo noch immer gegenüber und schauten sich außer Atem an.

“So und nun kommen wir zum letzten Punkt unserer Tour”, kündigte Jo an und öffnete die kleine Tür, die seitlich auf die Bühne führte. Er ließ Alexander von Hohenstätt den vortritt und folgte ihm, nicht ohne einen kurzen Blick auf seinen Hintern zu werfen. Zog der Typ sich absichtlich so an? Die Hose war nun wirklich nicht vorteilhaft.
Noch während er das dachte, vibrierte es in seiner Hosentasche und mit einem schnellen Blick überprüfte er die Nachricht.
“Ich will dich.”, stand da nur von Rob und schon fühlte Jo das Blut in die unteren Gegenden seines Körpers strömen. Was hatte dieser Mann nur für eine Wirkung auf ihn. Es kribbelte ihm förmlich in den Fingern sofort zu antworten, doch das Räuspern von Hohenstätt und der fragende Blick ließen ihn sein Handy wieder wegzustecken.
“Sorry, was hast du gefragt?”, entschuldigte Jo sich und schaute sich gleichzeitig in dem nun leeren Raum um. Bis vor wenigen Minuten, war der Saal noch hell erlauchtet und voller Menschen gewesen. Die Atmosphäre hatte vibriert und bei jedem Sprung war es ihm erschienen, als wenn die Menschen die Luft erhielten, Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Genau diesen Moment genoss er jedes Mal. Jetzt jedoch war es ruhig und schummrig. Die Stimmung war ruhig und nur von ferne hörte man ein Murmeln, dass im Foye auf die letzten Nachzügler hinwies.
“Wir sind wieder da, wo der Abend für mich gestartet hat. Noch vor zwei Stunden war der Saal voll erleuchtet gewesen. Ich glaube, alles was hier beschädigt ist habe ich schon gesehen.”, brachte Alexander von Hohenstätt noch einmal hervor und verschränkte dabei die Arme vor seiner Brust.
“Nun, du hast vorhin, aus der Zuschauerperspektive geschaut. Aber wir Künstler verstecken gern das Unschöne.”, antwortet Jo und winkte Alexander zu einer Stelle im hinteren Bereich der Bühne. Am Boden waren große rote Kreuze geklebt und folgte man den Kreuzen in einer Linie war der Boden an vielen stellen sehr zerschunden.
“Und was soll ich hier sehen?”, fragte Alexander und schaute Jo ungeduldig an.
“Was glaubst du sind das hier?”
"Platz Zeichnungen, wer wann wo zu stehen hat.”, riet Alex und wollte sich bereits auf eines der roten Kreuze stellen um von hieraus den Blick über die Bühne zu testen.
Doch Jo zog ihn unvermittelt und ruckartig zurück, sodass er mit seinem Rücken gegen Jos Brust prallte: “Halt!”, nach einer kurzen Pause, wo Jo sich absichtlich nicht rührte und auf Alexander nicht aus seinen Armen ließ, rückelte Alexander schließlich an seinem Griff: “Was soll das?”, fragte er erbost.
“Sie nach oben”, erwiderte Jo jedoch nur gelassen und deutete mit seinem Kopf nach oben. Er merkte genau wie Alex seinem Blick folgte und erklärte dann: “Das sind Warnkreuze. Hier drüber sind die letzten Bühnenscheinwerfer angebracht. Keiner wagt es jedoch sie anzufassen, oder sie mehr zu benutzten, als das Licht auf diese eine Stelle werfen zu lassen. Es gab mal noch ein paar mehr Scheinwerfer, aber in unregelmäßigen Abständen kommt immer mal einer runter. Und da keiner direkt darunter stehen will, sind die Warnkreuze angebracht. Alle Shows hier im raum werden um diese Plätze gebaut. Und da du ja vorhin gesehen hast, wie die kleine Bühne und der Zuschauerraum dazu aussieht, können wir auch nicht einfach auf eine andere Bühne ausweichen.”
Alexander befreite sich unwirsch aus Jos Armen und trat dann den Kopf zurück gelehnt zwei Schritte zurück: “Und habt ihr mal überlegt die verbleibenden einfach runter zu holen?”
“Ja, aber da der Raum so hoch ist und das Gebäude so alt, braucht man eine Spezialleiter oder die Feuerwehr. Und solange keiner drunter steht, kann nicht so viel passieren. Außerdem handelt es sich hier um ein historisches Gebäude. Würden wir absichtlich etwas verändern, müssten wir es mit etwas Ähnlichem ersetzen. Und so viel Geld wie eine Lichtanlage kostet, haben wir einfach nicht. Zumal es eine Spezialanfertigung wäre.”
Alexander von Hohenstätt schaute stumm in die Höhe und anschließend in Jo an: “Du willst mir ernsthaft erzählen, dass jeder Auftritt hier in einem Fiasko enden kann und ihr jedesmal wenn ihr auf die Bühne geht irgendwie euer Leben riskiert, wenn ihr die Füße nur falsch setzt? Wer in diesem Konsortium an Verantwortungsdiffundenten lässt das bitte zu.”
“Oh jeder Auftritt kann in einem Fiasko enden, wenn man die Füße falsch setzt.”, zuckte Jo mit den Schultern und ” Und vor jedem Auftritt unterschreiben wir auch schön, das wir uns der Risiken bewusst sind und auf eigene Gefahr tanzen. Wir haben ja auch kaum eine andere Wahl, wenn wir Gelder einsammeln wollen, oder?”, fragte Jo provozierend und wartete quasi nur darauf, dass Alexander etwas Unbedachtes sagte. Doch der schien die Zwickmühle schon verstanden zu haben und ließ seine Frage im Raum stehen.
Als die Stille zu schwer wurde, grinste Jo Alexander schließlich an und bedeutete ihm sich an eine Stelle in der Mitte der Bühne zu Stellen:
“Nun ja, jedenfalls ist das nur eine Sache in diesem Raum. Kannst du dich an den Auftritt von mir vorhin erinnern? HIer halt das mal.”, Jo gab ihn seine Sachen in die Hand und stellte sich auf seine Startposition, “Und nun schau genau hin.”, forderte Jo ihn auf. Dabei begann er seine Schritte zu rekapitulieren, zwar ohne die Sprünge, aber genug Techniken, damit man es erkennen könnte: “Dein Weg über die Bühne ist komsich.”, meinte Alex mit einem Stirnrunzeln und leicht zusammengekniffenen Augen, “Ich dachte immer Ballett hat viele gerade Linien.”
“Ja, hat es auch, aber auf dieser Bühne kann man keine geraden Linien tanzen, oder lange gezogene Bögen. Aus dem Zuschauerraum sieht man, dass allerdings nicht so genau. Da kann man viel mit der Perspektive arbeiten. Setzt auf dieser Bühne aber nur ein Tänzer die Füße falsch, bleibt er während einer Drehung hängen, verhakt sich in einem Sprung oder könnte Stolpern und Unfälle provozierem.”, erklärte Jo beschwingt, während er alles gesagte vorführte. Beim letzten tat er als würde er stolpern, taumelte auf Alex zu und blieb diesmal allerdings direkt vor ihm stehen. Sehr dicht, so dass er sah, wie Alex bereits wieder seine Arme hob um ihn aufzufangen. Er stand ihm jetzt so dicht, dass er die kleinen Sprenkel in Alex Augen sehen konnte. Gleichzeitig musste Alex seinen Atem auf der Haut spüren. Sekundenlang schauten sie sich nur an, bevor Alex einen deutlichen Schritt zurück ging und sich demonstrativ von Jo abgewandt. Jo war sich unsicher, was er in dessen Gesicht gesehen hatte. Er hatte geschluckt und es war ihm sichtlich unangenehm gewesen, das Jo so dicht in seinem persönlichen Bereich gewesen war. Deutlich unangenehmer, als er es vorhin wahrgenommen hatte. Vielleicht weil Jo deutlich gezeigt hatte diesmal, dass er absichtlich gestolpert und kontrolliert getaumelt war.
“Tja, das ist alles ganz schön, oder halt auch nicht. Aber ich sehe leider nicht, wie ich da helfen kann. Es liegt nicht in meiner Macht Geld herbeizaubern. Und ich nehme nicht an, dass du willst, das ich einen Verantwortlichen finde um ihn feuern zu lassen, weil er euch auf einer unsicheren Bühne tanzen lässt. Wobei man das einem Widkens schon zutrauen kann.”, meinte Alex nach einem kurzen Räuspern. Nachdem er ein bisschen Abstand zwischen sie gebracht hatte drehte er sich wieder um und schaute Jo auffordernd an.
Das Quitschen einer Tür entband Jo von einer Antwort. “Oh hier ist ja noch jemand. Jo? Bist du das, wir gehen jetzt alle zusammen zum Kickers, anstoßen, dass alles sauber über die Bühne gegangen ist. Komm mit und bring deinen Freund mit.”, kam es von der Tür und Jo sah den Wuschelkopf von Peter, “Katja sucht dich auch schon gerade und meint drücken ist nicht.”
Jo nickte ihm zu und rief durch den Raum: “Ja warte, wir kommen zu euch.”
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