Unverhoffter Herzschlag

von Lixxis
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
07.08.2019
27.11.2019
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Vielen Dank für die Favo's ~
Diese Kapitel ist etwas länger, ich hoffe es gefällt euch :3

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DIE ZELTFESTTRADITION

Irgendwann musste Max eingeschlafen sein, da es plötzlich an der Tür klopfte und er aus dem Schlaf gerissen wurde. Sein Herz hämmerte wie wild und seine Handflächen waren feucht, doch um die kümmerte sich Max keineswegs immerhin legte er in letzter Zeit ohnehin ein seltsames Schlafverhalten an den Tag. „Max! Ich hoffe dass du dich schon bereit machst für das Spiel“, rügte ihn sein Vater und betrat ohne Vorwarnung den bereits lichtdurchfluteten Raum. „Dass du noch immer schläfst…  Du hast wohl gestern Nacht noch viel gelernt“, kommentierte sein Vater, der allerdings genau wusste, dass Max gestern keinen Finger mehr gerührt hatte. Müde rappelte dieser sich auf. Seine Kleidung war völlig zerknittert, seine Haare waren ebenso unordentlich zerzaust. In Max Augen war noch immer die Müdigkeit zu sehen, die ihn seit Tagen nicht los ließ, auch wenn er ausnahmsweise durchgeschlafen hatte. Mit hochgezogener Augenbraue musterte ihn sein Vater kritisch.

„Wie viel Uhr ist es?“, fragte Max müde nach und rieb sich die Augen. „Zeit dich fertig zu machen. Gut das ich zur Sicherheit reingeschaut habe! Nicht auszudenken, wenn du verschlafen hättest“, schnaubte der Mann wütend und verließ das Zimmer. Den Ton kannte Max. Nun musste er sich wirklich beeilen, da er sonst richtig sauer werden würde.




Das Spiel war mittelmäßig verlaufen. Max machte mehrere Fehler, was ihm wütende Blicke von seinen Vater einbrachte, doch nun saß er mit Ben bei der Eisdiele. Genüsslich schleckte dieser an seinem Himbeereis, während  Max in seinem Eiskaffee herumstocherte. Zwar war es Max noch immer ein Rätsel wie er es geschafft hatte, hier mit seinem Freund zu sitzen, ohne dass sein Vater einen riesen Aufstand machte, doch umso glücklicher war er darüber. Mit dem Himbeereis konnte er auch Ben beruhigen und die schlechte Stimmung von gestern vergraulen. „Und was hast du jetzt vor?“, fragte dieser als er einmal um das ganze Eis geschleckt hatte, dass es nicht runtertropfen konnte. „Ich werde aus dem Fenster klettern“, beschloss Max gerade heraus. Kurz hielt Ben inne und blickte ihm in die Augen. In den grüngrauen Augen seines Freundes funkelte die Begeisterung, gleichzeitig konnte er die Skepsis darin sehen. Zusätzlich zog dieser noch seine Augenbraue nach oben, was Max ein Lächeln ließ. „Ich werde das machen. Wir sind immer auf das Fest gegangen und letztes Jahr war es schon scheiße genug, als ich nicht mitkommen konnte“, erklärte Max weiter und nahm einen kühlenden Schluck von seinem Eiskaffee.

„Klar war es Scheiße, aber hast du nicht Angst, dass dich dein Vater erwischt? Ich kenne dich. Du bist immer auf Regeln bedacht und eine zu brechen passt nicht zu dir“, gab Ben zu bedenken, als er sich wieder gefangen hatte. Sicher kannte er Max gut, doch dieser wusste wie viel Ben das Fest bedeutete und wollte es ihm zuliebe machen. „Ja, ja ich weiß, ich weiß. Aber alleine ist es doch scheiße für dich“, erwiderte Max. „Ich wäre ja nicht alleine. Verena kommt auch aufs Fest.“

Bei den Namen konnte sich Max ein schnaufen nicht verkneifen. Verena, die seit Wochen unentwegt an Ben klebte, einfach eine lästig hohe Stimme hatte und bei deren Lachen sich die Gänsehaut am ganzen Körper aufstellte, aber keine gute Gänsehaut. „Hast schon einen Ersatz für mich gefunden oder wie?“, rutschte es Max mit angebissenem Ton heraus. Er ließ sich auf seinen Stuhl zurück und beobachtete die Gäste rundherum. „Hey, sein nicht sauer. Ich hab´ sie nicht gefragt“, erklärte Ben sofort darauf. Es würde  zu Verena passen und auch glaubte Max kaum, dass ihn sein bester Freund jemals anlügen würde. Neben ihnen, zwei Tische weiter, erkannte Max dann jemanden. Die blonden Haare stachen ihm regelrecht ins Auge und direkt gegenüber saß Fin.

Wie eingefroren blieb sein Blick auf den beiden, die anscheinend fröhlich und offen miteinander redeten. Fin lachte regelrecht mit offenen Herzen und Glückseligkeit glitzerte in seinen Augen. Etwas passte bei ihnen allerdings nicht. Irgendetwas störte Max und zwar gewaltig. Seine Augen wanderten weiter hinunter zu den Füßen der beiden. Sie standen dicht beieinander und strichen sich sogar ab und zu etwas. Sie spielten mit ihren Füßen! Und das auf so eine liebe, vertraute Weise, als wären die beiden ein Paar. Erstaunt blickte Max wieder nach oben und erneut in die liebevoll glitzernden Augen Fins. Was sollte die Scheiße?!



Ben hatte anscheinend gemerkt, dass sein Freund nicht sonderlich aufmerksam bei ihrem Gespräch war und folgte seiner Blickrichtung. „Hey, das ist doch Fin mit dem Typen von gestern“, bemerkte nun auch sein bester Freund und klang völlig fröhlich dabei. „Ekelhaft“, brummte Max. „Hä?“ Bens graugrüner Blick galt wieder Max, da er anscheinend das Liebesgetue der beiden nicht bemerkt hatte. „Egal“, schnaufte Max und schlürfte wieder an seinem Eiskaffee. „Bist du wirklich so sauer deswegen?“, wollte sein bester Freund wissen, der nun anscheinend die Geduld mit ihm verlor. Max fiel der saure Ton in der Stimme seines Freundes auf und erklärte sofort: „Nein, nur Vera kann schon etwas nerven.“

Die Miene seines besten Freundes lockerte sich glücklicherweise wieder auf, sodass Max leichter wurde. Er konnte es nicht ausstehen, wenn Ben auf ihn sauer war oder er sogar nur griesgrämig blickte. „Soll ich dann beim Eingang auf dich warten?“ „Ja, ich werde sowas um Neun dort sein.“ Gleichzeitig erhoben sich die beiden. Bezahlt hatten sie schon, darum brauchten sie nicht weiter auf den Kellner zu warten. Ihr Weg führte, zu Max bedauern, direkt an Fin und den Blonden vorbei.

„Hey Fin“, grüßte ihn Ben den Jungen freundlich. Etwas abrupt drehte sich der Kleinere der beiden sich zu uns um und schien etwas überrascht zu sein. Ich konnte es deutlich sehen, dass er seine Hand zurückgezogen hatte, genau wie der Blonde. Die beiden mussten heimlich Händchen gehalten haben. Max Mundwinkel zog es nach unten und er blickte zu den Blonden, während Ben, freundlich wie er war, ein Gespräch mit Findus anfing. Max war etwas erschrocken als die hellblauen, kalten Augen ihn direkt anblickten. Er hatte es gesehen, seinen Blick. Er weiß, dass Max es weiß und Max weiß, dass ihm etwas an ihn nicht passte. Es könnte auf Gegenseitigkeit beruhen, da Max das Gefühl hatte, dass er noch Schwierigkeiten machen könnte und ihm das so gar nicht passte. Der kalte Blick von dem Blonden ließ ihn beinahe einfrieren und brachte das Blut in seinen Adern zum Stocken. Die blauen Augen bohrten sich durch ihn hindurch, durchbrachen jegliche Barrieren.

Max fühlte sich nackt, entblößt und auf eine eigenartige Weise schuldig. Das Gefühl etwas Falsches gemacht zu haben, biss sich in ihm fest und wuchs mit jeder Sekunde die ihn diese blauen Augen anstarrten. Eine innere Leere breitete sich in ihm aus. Max wollte sich wehren, weg blicken, doch er konnte den blauen Augen, die ihn so sehr verunsicherten nicht ausweichen. „Wir sind dann weg“, riss ihn dann plötzlich Bens Stimme heraus und er konnte den Blick zu seinen Freund lenken, weg von den einschüchternden Augen. Das Gespräch zwischen Findus und Ben hatte er nicht mitbekommen, doch dies war Max auch so einigermaßen egal.



Wie besprochen schlich sich Max aus dem Haus um dann 30 Minuten später vor dem Festzelt zu stehen. Es hatte etwas länger gedauert, dass sich eine günstige Gelegenheit für Max ergab um schließlich zu verschwinden, dadurch verzögerte sich alles etwas und er konnte erst 15 Minuten später beim verabredeten Treffpunkt sein. Ben hatte sich unterdessen auf einen großen Stein gesessen und starrte das Handy unentwegt an, so als wolle er etwas daraus beschwören. „Na, wo bleibt die Zauberformel?“, fragte Max grinsen. Der Kopf seines besten Freundes schoss hoch. Völlig begeistert und erleichtert blickte er ihn an, um ihn dann in einer innigen Umarmung zu begrüßen. Diese erwiderte Max natürlich ohne zu zögern, doch er wollte auch wissen warum er die Ehre hatte.

„Warum springst du mich so an?“, fragte er darum lachend, als sie sich voneinander lösten. „Ich dachte, dass du dir doch nicht traust aus dem Fenster zu steigen und dich weg zu schleichen.“ „Es hat sich alles nur verzögert, aber jetzt können wir feiern.“ Gemeinsam gingen sie zur Kasse, zahlten, zeigten ihre Ausweise, bekamen die Bänder mit der richtigen Farbe und gingen dann in das Zelt hinein. Es war gut gefüllt, doch es würden sicher noch mehr kommen. Vorne auf der Bühne spielte irgendeine Coverband so laut, dass es für sie etwas schwerer war sich zu verständigen. Allerdings kannten sich die beiden so gut, dass Max sofort die zwei Gesten von Ben verstand und wusste, dass er sich niedersitzen sollte während sein Freund etwas zu trinken holte.

Alle Bierbänke waren besetzt, darum setzte sich Max, nachdem er gefragt hatte zu einer etwas kleineren Gruppe hinzu, wo auch Ben leicht Platz fand. Jetzt wo ein gut gelaunter Freund weg war, kroch die Verunsicherung zu Max. Er spielte mit dem Feuer, denn würde sein Vater herausfinden, dass er hier war und nicht lernte, würde er ihm den Kopf umdrehen und ihn rund um die Uhr überwachen. Klar verstand Max sein Anliegen, viel lernen für gute Noten um dann zu studieren, einen gut bezahlten Job und eine Frau zu finden um dann zu heiraten und Kinder zu bekommen. Es war ein klarer Ablauf, den Max nun bereits seit drei Jahren eingetrichtert bekam, doch es ging ihm zu schnell. Wann hatte er Zeit für sich? Und wann konnte er Zeit mit Ben verbringen? Glücklicherweise kam dieser auch schon mit Trinken in der Hand und sorgte dafür, dass Max sich keine weiteren Gedanken darüber machte.

„Wer soll das alles trinken?“ Max deutete auf die acht Halbe hin und sein verwunderter Blick ging zu seinem Freund, der allerdings nur mit den Schultern zuckte. „War ne Aktion“, erklärte Ben und setzte sich nieder. Sein Gesichtsausdruck verwandelte sich von Unverständnis zu einem amüsierten Lächeln. Typisch Ben. „Auf‘n feucht fröhlichen Abend“, ließ er anklingen und hob das erste Bier zum Prosten.



Max merkte bereits, dass seine Bewegungen viel später kamen als er eigentlich wollte, doch beim Tanzen konnte ihm das ziemlich egal sein. Eigentlich war er nicht sonderlich der Typ dafür wie ein Idiot seinen Körper im Takt einer Musik zu bewegen, doch er tat es für Ben. Beim ihm sah es auch nicht so unbeholfen oder dämlich aus wenn er tanzte. Mit guten rhythmischen Bewegungen schaffte er es wie sonst auch immer, dass einige Mädlsaugen auf ihn landeten und diese ihn mit Interesse musterten. Spätestens wenn sie sein zufriedenes, glückliches und ehrliches Lächeln auf dessen Lippen sehen, würden sie dahinschmelzen. Ben hatte die Auswahl und tanzte auch schließlich eine seiner bewundernden Zuseherinnen an.

Ben war immer bei Mädchen beliebt. Mit der Zeit störte es und Max passte es nicht, wenn er beim Fortgehen immer wieder jemanden aufriss und er dann keine Zeit für ihn hatte. Immerhin waren sie ja auch gemeinsam fort. Heute würde es wieder so sein, das spürte Max und es passte ihm gar nicht. Dennoch blieb er bei seinem Freund auf der Tanzfläche.

Sein Blick flog über die Menge. So gut wie jeder tanzte mit Freunden, achtete kaum auf jemand anderen und blieb in der geschlossenen Gruppe. Eine wilde Schmuserei viel ihm in einer der hinteren Ecken der Tanzfläche auf, allerdings ließ Max seinen Blick weitergleiten. Manchmal blieben seine Augen bei jemanden kleben, den er dann kurz beobachtete um dann anschließend jemand anderen zu beobachten. Als er die hellen Haare sah, wusste Max bereits um wen es sich handelt, dennoch wanderte sein Blick hinunter.

Es war der blonde Typ, dessen Name er noch immer nicht kannte, gemeinsam mit Fin. Der Blonde hatte ihn nicht bemerkt und konnte Max somit nicht mit Blicken durchbohren, was ihn erleichterte, doch als er sah, was die beiden machten verschwand die Erleichterung und machte der Wut Platz. Was sollte das? So miteinander tanzen als Männer geht gar nicht! Fin schmiegte sich an den blonden wie irgendein notgeiles Weib. Ein genervtes „Ts“, kommt von Max Lippen. Sollen in irgendeiner dreckigen Schwulenbar rummachen, aber doch nicht hier! Haben sie das Gespräch zwischen ihm und Ben mitbekommen und sind deswegen da? Wollen sie Max absichtlich belästigen? Gemeinsam mit der Wut kam nun auch noch die Abscheu in ihm hoch. Sowas, was Fin gerade macht, sollte kein Mann machen.

Der Kleiner der beiden tanzte dich an den Blonden, seine Hände ließ er von der Taille über die Brust hinaufwandern und legte sie schließlich um dessen Hals. Unterdessen wanderten die Hände das Blonden vom Rücken herunter und ruhten dann auf Findus Hintern. „Verzieht euch. Wie ekelhaft ist das denn“, zischte Max und starrte die Beiden weiter verabscheuend an.

Eigentlich hätte es keine Hören sollen, doch wie aufs Stichwort blickten die Beiden in Max Richtung. Fin war sichtlich erschrocken und rückte glücklicherweise von den Blonden ab. Dieser allerdings bekam einen harten Gesichtsausdruck, der ihn allerdings nicht davon abhielt die beiden missbilligend zu beäugen. Ein komisches Knurren stieg in seiner Kehle hoch und Max konnte die angespannte Hitze in den Blick von ihm und den Blonden spüren. Es war Abneigung, pure Abneigung die sich zwischen ihnen Aufbaute und wuchs. Dieses Mal wollte Max es nicht sein, der zuerst seinen Blick abwendete, der Blonde sollte ruhig seinen Hass auf die beiden spüren. Und tatsächlich wendete er den Blick zuerst ab, als in Fin etwas wegzehrte. Aufgeregt sprechen die beiden kurz miteinander ehe sie dann von der Tanzfläche verschwanden und in der Menge untergingen. Am liebsten wollte Max ihnen noch nach und sagen, wie ekelhaft ihr Verhalten war, doch er ließ es bleiben.

Max Stimmung hob sich nicht als er sich wieder nach Ben umblickte. Sein bester Freund tanzte noch immer mit dem Mädchen und Max konnte spüren, dass er sie bald küssen würde, es war seine typische Masche. Die Wut auf Fin und den Blonden war deutlich noch da und so konnte er sich nicht bremsen auch auf Ben wütend zu sein.  Max stand hier alleine, wie der letzte Vollspaßt auf der Tanzfläche und wusste nicht was er machen sollte. Da es Ben ohnehin anscheinend egal war was Max machte ging er weg von der Fläche, kurz bevor sich die Beiden küssten. Toll zuerst sollte Max unbedingt kommen und dann lässt er ihn ohnehin links liegen. Max holte sich ein Bier und setzte sich auf einen Tisch, der erstaunlicherweise frei war. Mit grimmiger Miene nahm er seinen ersten Schluck. Als ihn zwei Mädchen komisch musterten, hätte er ihnen am liebsten ins Gesicht geschrien, dass sie nicht so blöd glotzen sollten, doch auch das ließ er bleiben. Der Alkohol hatte also seinen Verstand noch nicht komplett zerstört.



Max wusste nicht wie lange und wieviel Biere er hier alleine am Tisch gesessen ist. Dazwischen war er mal kurz aufs Klo aber die meiste Zeit hat er sich mit seinen Gedanken beschäftigt. Wäre er heute nicht gekommen, wäre Ben sauer auf ihn gewesen, allerdings hätte er sich die ganze beschissene Stimmung erspart. Er wusste nicht recht was besser gewesen wäre.

Schwungvoll setzte sich jemand neben ihn. „Heeey….. du bist ja wie vom Erdboden verschluckt gewesen“, trällerte Ben zu ihm. Ein Blick auf Bens Hand, verriet ihm, dass er bereits ein neues Trinken angefangen hatte. Ben hatte anscheinend Zeit mit dem Mädchen und deren Freundinnen einen trinken zu gehen, aber keine für seinen besten Freund. Ein genervtes Grummeln kam aus Max Kehle, aber Ben ließ sich nicht abschrecken und winkte sogar den Mädels sich zu setzten. „Ey, sorry das ich dich alleine gelassen hab aber ich hätte gedacht, dass du dir auch ein Mädel krallst“, murmelte er ihm zu. „Wenn ich tanze wie ein Hampelmann sicher nicht“, schnaufte Max und die Wut auf Ben verflog etwas. „Dafür kannst du sie jetzt mit deinen Charme und dein Wissen beeindrucken“, lachte sein bester Freund und auf seinem Gesicht bildete sich ebenfalls ein Lächeln.     

Ben schaffte es immer wieder ihn von seiner miesen Stimmung runter zu holen, sodass Max wieder Spaß haben konnte. Tatsächlich interessierten sich zwei der Mädchen für ihn oder zumindest eines, doch das kümmerte ihn kaum. Ben sprach fleißig mit dem Mädel, das er sich auf der Tanzfläche geschnappt hatte und schien dabei Spaß zu haben.

„Hey, Ben. Hey, Max“, grüßte sie plötzlich jemand von der Seite. Max Blick wanderte dorthin und dessen Miene erstarrte regelrecht. Fin und der Blonde standen neben dem Tisch und machten den Anschein als wollen sie sich zu ihnen setzen. Ben hatte sich mit der Zeit gegenüber von Max niedergesessen und machte ihnen nun Platz. „Fin, Marco, setzt euch doch“, lud Ben die beiden ein. Marco. Warum wusste Ben den Namen von dem Blonden? Warum wollte er generell was mit den Schwulen zu tun haben?! Max rief sich allerdings in Erinnerung, dass Ben nichts von dem gesehen hatte, was er gesehen hatte. Vielleicht würde er anders denken, wenn er es wüste.

„Du hast recht gehabt Ben, hier ist es echt klasse und die Band spielt auch gute Musik“, meinte Fin und lächelte fröhlich. Somit hatte sich die Frage von Max, ob die beiden ihn verfolgten sich erledigt. „Das Zeltfest ist immer ein guter Tipp“, stimmte Ben ihm zu. Max Wut von vorhin kam wieder hoch und breite sich in ihm aus. „Ich lad uns mal auf ein Trinken ein“, beschloss der Kleinere und stand auf. „Ich komme mit“, hörte sich Max plötzlich selbst sagen. Max wusste nicht warum er ihn begleiten wollte, wenn er doch so ekelhaft ist. Dennoch stand er auf und auch Marco machte Anzeichen, dass er aufstehen wollte, doch Fin hielt ihn davon ab. „Zu zweit schaffen wir das schon.“ Marco schien ziemlich unerfreut über die Zurückweisung seines Freundes zu sein und schenkte Max einen scharfen Blick, den er allerdings nur zu gern erwiderte.



Gemeinsam mit Fin stand Max nun an der Theke und warteten gemeinsam auf das Trinken. „Hört auf damit.“ Fin blickte ihn mit seinen dunkelblauen Augen verwirrt an. „Mit was?“, fragte er scheinheilig nach, so als würde er es nicht wissen was Max meinte. „Mit dem herumschwulen“, erklärte Max es ihm dann doch. Kurz weiteten sich die Augen des Angesprochenen, doch dann wurde er merklich ruhiger. „Du hast also was gegen Schwule oder wie?“ „Ich hab was dagegen wenn Männer sich nicht wie Männer verhalten“, erwiderte Max daraufhin. „Du fühlst dich also in deiner Männlichkeit gekränkt oder wie?“ Fin schnappte sich die ersten beiden Trinken und Max nahm die anderen beiden. „Es ist einfach ekelhaft, also lass es bleiben“, knurrte Max nun wütend. „Ich halt dich doch auch nicht ab mit Mädchen herum zu machen oder?“ „Aber das ist normal. Was ihr da macht ist abnormal und dreckig!“, sein Ton wurde etwas lauter, was Fin allerdings anscheinend ziemlich kalt ließ.  „Vermutlich denkst du auch wir seien Ansteckend oder was?“ „Alter hör auf mich zu verarschen!“

Sie waren am Tisch angekommen, doch es saß nur noch der Blonde dort. Er hatte anscheinend den wütenden Ton von Max mitbekommen und stand drohend auf. „Marco beruhig dich, ich hab doch gesagt, dass er harmlos ist“, beruhigte ihn Fin und stellte die Getränke auf den Tisch nieder. Marco und Max tauschten wieder hasserfüllte Blicke aus und Fin ignorierte diese einfach. „Wo ist Ben und wo sind die Mädels hin?“, erkundigte dieser sich locker und blickte sich etwas suchend um. Auch Max nahm Platz und war etwas froh, das Findus gefragt hatte wo sein bester Freund sei, denn der blonde Vollspaßt vor ihm hätte ihm sicher keine Antwort gegeben.

„Er ist nochmal auf die Tanzfläche gemeinsam mit ihnen, nach dem Lied kommt er wieder“, erklärte Marco, was Max ein Schnaufen entlockte. Ohne jeglichen Grund breitete sich ein Grinsen auf Marcos Gesicht aus und er wurde gelassener. „Was hat er denn so gelabert? Sind wir ansteckend oder nicht?“, fragte er Fin und blickte seinen Freund an, der allerdings ebenfalls schnaufte. „Hör auf ihn zu provozieren.“ „Mach ich doch gar nicht“, meinte dieser und drückte Fin einen Kuss auf die Wange. „Hört auf hier herum zu schwuchteln!“, knurrte Max. „Das ist doch abartig!“ „Uh, da ist ja schon der Schwulenhasser“, zog ihn Marco auf, was ihn allerdings nur wütender machte. „Marco“, kam der ermahnende Einfall von Fin. „Nein, ich würde gerne wissen warum ihn das so stört“, wehrte der Blonde ab, blickte Max herausfordernd an und ließ sich nach vorne. Sein Grinsen und diesen blöden Ausdruck in seinem Gesicht hätte Max am liebsten weggewischt. „Es ist einfach abartig schon an einen Tisch mit euch zu sitzen ist ekelhaft.“ „Das glaubst du also.“ Marco nickte bedächtig und sein dauerhaftes, provokantes Grinsen trieb Max zur Weißglut. Er ballte seine Fäuste und gerade als er mit seiner Rechten Marco eine Schöne ins Gesicht verpassen wollte, tauchten Ben und die Mädels direkt neben dem Tisch auf.

„Sorry Leute, der Song war grad so gut“, entschuldigte sich dieser und nahm neben Max Platz. Auch die restlichen suchten sich einen und setzten sich dann nieder. „Entschuldigung Mädels, hatte nicht so viel Geld, dass ich alle eines zahlen konnte“, sagte Fin an die Mädchen gewandt. „Kein Problem“, winkte eine der fünf ab. Ben schnappte sich sofort ein Glas und hob es zum Prosten in die Luft. Sie stießen gemeinsam an und die eiskalten, hellblauen Augen trafen Max wieder. Sie verhöhnten ihn, machten ihn lächerlich und blickten auf ihn herab, obwohl er derjenige war, der etwas Schäbiges machte.



Glücklicherweise hatten weder sein Vater noch seine Mutter davon Wind bekommen, dass Max am Zeltfest war. Auch das einsteigen durch das Fenster verlief ohne Probleme und er konnte sich mit einem sich drehenden Kopf ins Bett fallen lassen. Er war unendlich müde und konnte es kaum erwarten endlich Schlaf zu bekommen. Er brauchte auch nicht lange darauf zu warten. Kaum hatte er sich umgezogen, eine kleine Katzenwäsche gemacht und lag wieder im Bett, überrollte ihn der Schlaf blitzartig.

Es war Sonntag und Max konnte glücklicherweise ausschlafen. Seine Eltern gingen in die Kirche, sie waren streng religiös, dennoch konnte Max sie zum Glück vor einem Jahr davon überzeugen, dass er nicht jeden Sonntag in die Kirche musste. Einmal im Monat, ausgenommen Feiertage, würde ausreichen konnte sie Max wie durch ein Wunder überzeugen. Somit schlief Max bis neun, stand dann auf und lernte. Der restliche Tag verlief wie jeder Sonntag. Ben hatte sich bei ihm gemeldet, ob seine Eltern etwas mitbekommen hätte, doch er konnte ihn beruhigen. Den ganzen Tag hatte keiner von den beiden irgendwelche Andeutungen gemacht, etwas gemerkt zu haben. Und hätte sein Vater davon Wind bekommen würde Max jetzt eine kräftige Standpauke bekommen.

Max wollte sein Schlafproblem lösen, indem er früher ins Bett ging, was auch teilweise funktionierte. Am Montagmorgen kam er so einigermaßen ausgeschlafen an der Schule an. „Wieder schlecht geschlafen?“, fragte ihn Ben nachdem sie sich gegrüßt hatten. „Besser als sonst“ „He schon gehört? Wir bekommen einen neuen Schüler“, berichtete Ben etwas aufgeregt. „Aha“, ab Max uninteressiert von sich und ordnete seinen Platz. „Du Max, kann ich Mathe von dir abschreiben? Hab´s irgendwie nicht kapiert…“ Max konnte Ben nie einen Gefallen ausschlagen, darum reichte er ihm das Heft. „Wäre es nicht besser, wenn du dann den Lehrer fragst, wenn du dich nicht auskennst?“ „Ja, schon, aber der mag mich in letzter Zeit ohnehin nicht, da meine Noten, seit ich einmal krank war, richtig runtergerasselt sind.“ „Schon mal an einen Nachhilfelehrer gedacht?“ „Interessiert mich nicht, dem würd ich ebenfalls auf die Nerven gehen. Wenn ich was nicht kapiere dann verwandle ich mich immer in ein trotziges Kleinkind“, lachte Ben, der schon mitten beim Anschreiben war. „Soll ich es probieren?“, schlug er seinen besten Freund vor. Den Anblick, wie Ben herumjammert, wenn er es nicht versteht wollte Max sich nicht entgehen lassen. Etwas erstaunt blickte ihn Ben an und übergab ihm das fertig abgeschriebene Heft. „Mit mir braucht man echt starke Nerven…“ „Wenn du richtig betrunken bist, wirst du auch zu einem Kleinkind, also kann ich das schon schaukeln“, lachte Max und auch Ben fing zum Grinsen an. „Kannst ja probieren ob du Mathe in meinen Schädel reinbekommst.“ „Herausforderung angenommen.“



Kaum hatten die beide ihr Gespräch beendet kam auch schon der Geschichtelehrer in den Raum. Hinter ihm trat ein Schüler in die Klasse. Erstaunt riss ich die Augen auf, obwohl es so offensichtlich war, dass er es hätte sein müssen. Findus stand, wie beim Fußballteam nervös vorne und spielte mit seinen Fingern. Er wirkte ebenso schüchtern und versteift wie das erste Mal als Max ihn sah.

Irgendwie passte es ihm aber absolut nicht, dass er in die Klasse kam. Max hatte den Schwulen schon im Fußballclub an der Backe, wenn die Schule noch dazu kommt würde er durchdrehen. Warum musste er ausgerechnet in seine Klasse kommen? Max Körper spannte sich an und er ballte seine Hände zu Fäuste. Finster funkelte er den Kleineren an. Der sollte sich hier bloß nicht einnisten, die Klasse ist nicht für Schwule! Max wurde flau im Magen wenn er daran dachte, ihn nun jeden Tag sehen zu müssen. Zum Schluss würde er jedem seine Schwulengeschichte aufdrücken um Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch würde er nun sicher ihn jeden Tag mit den Augen ausziehen! Gott, bei ihm brauchte er doch das nicht mehr zu machen! Beim Training zogen sie sich alle in der gleichen Umkleide um! Was sollte das?! Max würde sich doch nicht vor einer Schwuchtel ausziehen!?

Max merkte wie sich die Klasse rund herum niedersetzte. Die Ansprache von dem Lehrer und der Schwuchtel hatte er nicht mitbekommen. Während der Lehrer mit dem Unterricht anfing, ging die Schwuchtel nach hinten. Toll jetzt konnte er ihm auch noch unentwegt auf den Rücken starren! Als ob es nicht reichte, dass er ihn jeden Montag, Mittwoch und Freitag fast nackt sah! Kurz tuschelte die Sitznachbarin mit ihrer Freundin, die vor ihr saß, doch nach einen mahnenden Blick des Lehrers widmeten sie sich wieder ihren Unterlagen.
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