Gott und seine Schafe (Kenra, Eiche/Mittelerde/Eire)

von Eiche
GeschichteAllgemein / P12
07.08.2019
22.09.2019
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Dies ist der Beitrag von Kenra und mir zu dem Projekt
Gott und seine Schafe.
Kenia übernimmt die Rolle von Gott, während ich die Schäfchen bin.
Viel Spaß beim Lesen!

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„Du kriegst mich nie, ich bin viel zu schnell für dich“
Lachend springe ich auf den nächsten Baum. Wie sehr ich es liebe, mit meiner Schwester zu spielen.
Andere Elben meinen, ich sei zu alt dazu, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass mein ganzes Leben nur aus einfachen Aufträgen bestehen soll. Oft frage ich mich, was die anderen mit ihrer Freizeit anfangen. Ich brauche einfach ein bisschen Entspannung, wenn ich von einer nervenaufreibend Mission zurückkomme. Meistens haben diese sowieso keinen tieferen Sinn. Ich weiß, sie wollen uns beschäftigt halten, aber ich kann das auch selbst.
Schnell werfe ich einen Blick hinter mich. Alatáriël kommt mir immer näher. Sie lacht breit. Wie gerne wäre ich noch so jung wie sie, ohne irgendwelche Sorgen und Aufgaben.
Man kann sagen, ich sei kindisch, in gewisser Weise stimmt das ja auch. Ich will einfach nicht erwachsen werden. Am liebsten würde ich für den Rest meines Lebens mit meiner Schwester durch den Wald toben und einfach Spaß haben.
Die anderen sagen, ich sei verrückt, das kann ich auch nachvollziehen, aber ich weiß einfach nicht, was daran schlimm sein kann.


Warum muss eine Elbe sich den ganzen Tag im Kämpfen üben?
Warum muss eine Elbe auf die Befehle des Königs hören?
Warum muss eine Elbe ein ernstes Leben haben, abgesehen von den langweiligen Festen?

Warum darf ich nicht machen, was ich will?
Warum darf ich nicht einfach ich sein?
Warum darf ich nicht frei sein?

Wir sind ein wundervolles Volk, bei anderen sind wir als schöne, starke, freie Wesen bekannt. Aber sie kennen uns nicht wirklich. Die ersten beiden Punkte mögen ja stimmen, aber frei sind wir ganz sicher nicht.
Ohne Erlaubnis des Königs dürfen wir noch nicht einmal den Wald verlassen. Schon oft habe ich darüber nachgedacht, einfach wegzulaufen, wie es meine Eltern einst getan haben. Aber ich kann Alatáriël nicht im Stich lassen und sie muss selbst für sich entscheiden, ob sie hierbleiben mag. Für sie ist das Leben hier wundervoll, das weiß ich. Noch, auf jeden Fall. Wie es ihr wohl gehen wird, wenn sie erwachsen wird?
„Eire, was ist los?“
Alatáriëls besorgte Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.
„Es ist alles gut, ich habe gerade nur nachgedacht.“
Unwillkürlich muss ich lachen. Ich liebe meine Schwester so sehr. Sie ist die einzige richtige Familie, die ich habe und auch die einzige Elbe, die mich wirklich versteht.
„Können wir dann weiter spielen? Ich hab dich übrigens.“
Mein grinsen wird noch breiter.
„Natürlich. Dann spring schnell weg, ich lasse dir kurz Zeit.“
Ich beobachte meine Schwester, wie sie von Baum zu Baum springt. Kurz darauf beginne ich mit der Verfolgung. Langsam aber sicher komme ich ihr näher.

„Eire, da bist du. Ich habe dich schon gesucht. Wir haben Training, schon vergessen?“
Wütend schallt die Stimme durch den Wald. Ich zucke zusammen. Es ist Ometheon, mein Lehrer. Er hasst es wenn ich meine Zeit verschwende, wie er es nennt. Auch mich und meine Schwester mag er nicht, bei unseren Eltern ist es nicht anders.
„Brauchst du eine Extraeinladung? Komm jetzt, du bist sowieso schon zu spät. Immer diese albernen Spielereien. Mittlerweile machst du das doch mit Absicht.“
Ich will widersprechen, aber es hat ja sowieso keinen Sinn.
Schnell klettere ich zu meiner Schwester.
„Tut mir leid, Ala, aber ich muss gehen.“
Sie sieht mich enttäuscht an. Dieser Blick tut in meinem Herzen weh.
„Schon?“
„Ich kann nichts dagegen tun, morgen können wir wieder spielen.“
„Das kannst du die abschminken. Ich werde mir eine Strafe einfallen lassen, die du morgen erledigen kannst. Mit seiner Schwester spielen darfst du dann sicher nicht.“
Wie sehr ich Ometheon hasse. Er weiß genau, wie er mir das Leben zur Hölle machen kann und das tut er auch.
Am besten lasse ich ihn nicht noch länger warten, nicht dass er sich gleich die nächste Gemeinheit ausdenkt.
„Übe einfach noch ein bisschen das Klettern, ja?“
Ich will sie nicht alleine lassen, aber ich habe keine andere Wahl.
„Ich hab dich lieb. Wir sehen uns heute Nacht.“
Schnell begebe ich mich zum Waldboden. Als ich noch einmal zu Alatáriël hinaufsehe, bemerke ich ihren traurigen Blick.
So gerne würde ich weiter mit ihr spielen. Aber das geht einfach nicht.
Hier gibt es nunmal keine richtige Freiheit.
Seufzend folge ich Ometheon zu den Kampfplätzen.
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