Von Fehlern und Freundschaft

KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18
Antillar Maximus Gaius Octavian/ Tavar/ Tavi/ Rufus Scipio Kalarus Brencis Minoris OC
05.08.2019
05.08.2019
1
3040
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Mit überlegen gehobenen Mundwinkeln schob sich Aria neben Kalarus Brencis Minoris. Der junge Fürst lehnte an der Wand des Innenhofs der Akademie und verfolgte die Formen der Mädchen mit aufmerksamen Augen. Nun warf er aus den Augenwinkeln einen Blick zur Seite, sah wen er neben sich hatte und wandte sich mit einem abwertenden Schnauben wieder ab.
"Brencis", sagte Aria.
"Barbarin", entgegnete er ohne sie eines Blickes zu würdigen.
Ihr Lächeln verwandelte sich in ein Grinsen und auch sie sah zu den Mädchen im Hof. "Keine, die dir gefällt?"
Brencis schaute auf sie herab, als würde ihre Anwesenheit ihn wundern. "Du bist ja immer noch da."
"Erstaunlich nicht?", meinte sie fröhlich. "Du bist eben gar nicht so furchteinflößend wie du meinst."
Jetzt breitete sich auch auf seinem Gesicht ein schäbiges Grinsen aus. Langsam stieß er sich von der Wand ab und baute sich vor der kleineren Frau auf. "Tatsächlich nicht? Vielleicht änderst du deine Meinung, wenn du mich noch einmal ohne den angemessen Respekt ansprichst."
"Oh Verzeihung, mein Fürst." Spöttisch schlug sie die Augen nieder. "Ich vergesse immer wieder, dass es in deiner Gegenwart schon beleidigend ist, eine Frau zu sein. Und dann noch eine, die sprechen kann. So eine Schande."
Brencis kam ein wenig näher und drängte sie gegen die Wand. "Ich habe überhaupt nichts gegen Frauen", schnurrte er in ihr Ohr.
"Oh, ich weiß", flüsterte sie sanft zurück. Aria legte ihm eine Hand in den Nacken und zog ihn zu sich runter, bis ihre Lippen sein Ohr fast berührten. "Weil es dir ein Gefühl von Überlegenheit gibt, wenn du über sie verfügen kannst. Weil du dir auf diese jämmerliche Weise Macht verschaffen musst, da niemand deine erbärmliche Existenz ohne Angst respektieren würde." Sie ließ ihn los und starrte ihm in die dunklen Augen. "So seid ihr Cives."
Brencis verzog angewidert das Gesicht, aber sie sah ihm die unterschwellige Wut an und leckte sich zufrieden über die Lippen. "Was willst du, Miststück?", fragte er.
"Wie nennt ihr das?" Sie legte ihm eine Hand auf die Brust. "Ah, Amüsement."
Langsam verzog sich sein Mund wieder zu einem Grinsen und seine Augen blitzten auf. Aria wusste nicht genau, was es war, aber für eine Sekunde stand etwas in seinem Blick, das sie erschaudern ließ, doch es verschwand so schnell wie es gekommen war. "Du willst dich also hochfürstlich vergnügen", stellte er fest.
Seufzend verdrehte sie die Augen. "Vielleicht lieber doch nicht, bei dem geringen Intellekt, der mir gegenüber steht."
Fest, aber noch nicht schmerzhaft packte Brencis sie am Arm. "Ich glaube nicht, dass du deine Meinung noch ändern möchtest."
"Oh", meinte sie lächelnd. "So sehr willst du mich also? Dann lass uns keine Zeit verlieren." Mit seinem überraschten Blick im Rücken, nahm Aria ihn bei der Hand und zog ihn hinter sich her durch die Akademiegänge zum Schlaftrakt der Jungen. Im Gegensatz zu ihr, das wusste sie, hatte er ein Einzelzimmer. Ohne ihn noch einmal zu Wort kommen zu lassen, zog sie seine Lippen auf ihre, schon bevor die Tür hinter ihren zugefallen war. Den jungen Mann, der in dem Moment vorbei kam, sah sie nicht mehr.


Alles tat weh. Arias Handgelenke brannten, von ihrem Gesicht und dem Bereich zwischen ihren Beinen ganz zu schweigen. Der Kopf pochte dumpf und unangenehm und ihre Kehle war ganz trocken. Sie konnte nicht richtig atmen. Zumindest fühlte es sich so an, als wäre ihr Hals noch immer abgeschnürt. Benommen schlug sie die Augen auf. Ihre Sicht war getrübt, aber nach mehrmaligem Blinzeln gab sich die Sicht auf den Raum frei. Die Tür, gegen die sie Brencis gedrückt hatte; der Stuhl, auf den sie ihr Hemd geworfen hatte. Das Bett, auf dem er ihr ihren Willen genommen hatte. Das Bett, auf dem sie noch immer lag. Er war nicht mehr da, aber sie konnte seine Anwesenheit trotzdem noch deutlich spüren. Er hinterließ eine brennende Hitze. Aria atmete zitternd ein und stöhnte vor Schmerz, als sie sich langsam aufsetzte.
Es war ihre Schuld, sie hatte es selbst zu verantworten.
Sie stand auf und wider Erwarten trugen ihre Füße sie. Die Klamotten lagen noch immer da, wo sie sie abgelegt hatte. Sie zog sie an.
Es war alles ihre Schuld. Sie hatte es selbst zu verantworten.
Aria sah ihre zitternde Hand auf der Türklinke und plötzlich wurde sie wütend. Nicht einmal auf Brencis, einzig und allein auf sich. Sie hätte sein Verhalten vorhersehen müssen, es ahnen. Wie konnte sie so naiv sein, zu glauben, sie könnte ihn kontrollieren? Sie war so schwach, so verdammt schwach. Wofür war jahrelanges Training noch gut, wenn sie am Ende doch nur verlor? Weil er stärker war. Weil sie eine Frau war. Weil es Gründe gab, weshalb Frauen wie Dreck behandelt wurden.
Das Mädchen riss die Tür auf und stürmte in den dunklen Gang. Er war kühl und frisch nach der stickigen Luft im Raum. Türen flogen vorbei, ein Mensch oder zwei. Sie nahm nichts wahr, musste nur weg. Dann stolperte sie. Hände und Knie rissen am rauen Boden auf, aber sie kam wieder auf die Füße. Mit einem frustrierten Wutschrei rammte sie die Faust gegen die Wand, dass sich Risse im Gestein bildeten. Ihre Knöchel platzten auf und taten heftig weh, aber nichts schmerzte so sehr wie die Demütigung, die die Civitas über sie gebracht hatte.
Ihr schwerer Atem hallte durch den Gang. Mit einem Mal rückte die Wut in den Hintergrund und machte Schwäche und Scham Platz. Aria taumelte noch ein paar Schritte weiter, dann fiel sie schluchzend auf die Knie. Ihre Kraft hatte sie verlassen. Sie kauerte sich auf dem eiskalten Steinboden zusammen.
"Aria? Bist das du?" Sie kannte die Stimme, aber sie wollte sie nicht hören. Doch Maximus setzte sich neben sie und legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Weinst du?", fragte er fassungslos.
Sie schlug die Hand weg und wollte aufspringen, aber sie stolperte nur wieder und landete erneut auf dem Boden. "Verschwinde!", schrie sie frustriert. "Lass mich allein!"
Aber er hörte nicht. Stattdessen packte er sie an der Schulter und zog sie hoch, um sie anzusehen. Sie sah ihm in die Augen, wie ein Raubtier, das man in die Ecke gedrängt hatte. Er wirkte entsetzt. Sie hasste es.
"Was ist...wer hat..?", stammelte er und fuhr mit den Fingern vorsichtig über die Würgemale an ihrem Hals. Sein Blick wanderte über ihre geschundenen Wangen und fanden schließlich auch die Fesselspuren an den Handgelenken. "Was hat er dir angetan?", flüsterte er.
"Nichts", fauchte sie. "Das war ich ganz allein."
Sie wollte sich abwenden, aber er hielt sie fest und seine Stimme wurde lauter. "Was hat er mit dir gemacht? Bitte sprich mit mir!"
"Lass mich einfach in Ruhe", knurrte sie bedrohlich langsam, aber ihre Stimme bebte.
"Nein", beharrte er. "Nicht bevor du mir erzählst, was passiert ist." In ihren Augen blitzte etwas Gefährliches auf, etwas, was Max Angst machen sollte, aber er rührte sich nicht vom Fleck. "Bitte."
"Nein!" Ihre Fingernägel gruben sich in sein Gesicht wie Krallen und er wich zurück, die Hand auf der blutenden Wange, die Augen weit aufgerissen.
In Arias Blick stand Schmerz, als sie sich umdrehte und im dunklen Gang verschwand. Tränen rannen ihr über die Wangen und brannten auf den Wunden. Sie hasste sich. Ihre Schwäche, ihre Torheit, ihre Wut.
Sie brauchte ein Bad.


"Max", seufzte Tavi. "Du hast dich schon wieder geprügelt." Max brummte nur unbestimmt und wusch sich Brencis' Blut von den Händen. "Du fliegst noch von der Akademie, wenn du so weiter machst."
"Kalkuliertes Risiko", sagte Max. "Notwendig."
Tavi blinzelte verwirrt. Er war diesen Tonfall von seinem Freund nicht gewohnt. "Was meinst du damit?"
Max trocknete sich die Hände ab. Über seine Knöchel hatte sich frisch verheilte, rosa Haut gelegt. Es würden Narben zurück bleiben. Kriegstrophäen. "Ich musste jemandem eine Lektion erteilen."
"Eine Lektion?", wiederholte Tavi.
"Ja."
Der Jüngere schwieg lange. Max spürte seinen Blick im Rücken. Er sah sein Gesicht deutlich vor sich, die gerunzelte Stirn, die Zunge, die er nachdenklich in den Mundwinkel gesteckt hatte. Er könnte ihm Antworten liefern, aber er fühlte sich nicht danach. Das hier war allein seine Sache, sein Rachefeldzug. Er würde dafür sorgen, dass auch Aria niemals davon erfuhr.
"Ist alles in Ordnung?", fragte Tavi schließlich. "Ich habe das Gefühl, dass es diesmal anders ist als sonst."
Max drehte sich um und schenkte ihm ein Lächeln, das seine Augen funkeln ließ. Es war mehr als anders. Brencis würde sich tagelang nicht mehr bewegen. "Mach dir keine Gedanken, Calderon. Du hast damit nichts zu tun."
"Das ist nicht, was ich meine", seufzte der Kleinere. "Ich will nur nicht, dass du in Schwierigkeiten gerätst."
Max grinste. "Ich bin immer in Schwierigkeiten. Nichts, was du verhindern könntest."
Tavi stöhnte und verdrehte die Augen. "Ist ja gut, ist ja gut. Übertreib's nur nicht, in Ordnung?"
"Würde mir nicht in den Sinn kommen."
Tavi deutete scherzhaft einen frustrierten Schrei an, bevor er das Zimmer verließ. Vermutlich ging er mit Ehren lernen oder machte anderen belanglosen Kram.
Max ließ sich seufzend auf sein Bett fallen und schloss die Augen. Er war erschöpft. Seine vom Wasser kalten Finger lagen auf der Wange, die Aria ihm aufgekratzt hatte. Hoffentlich ging es ihr gut. In den letzten Stunden musste er sich öfter als er zählen konnte ermahnt haben, sie nicht suchen zu gehen. So wie sie drauf war, würde sie ihn in der Luft zerfetzen, egal wie gut er es meinte. Er hatte erst hinterher gemerkt, dass er die ganze Zeit in der Nähe geblieben war, nachdem er Aria in Brencis' Raum hatte verschwinden sehen. Beinahe hatte er ihr aufgelauert und das war falsch gewesen. Er würde sie nicht noch einmal so bedrängen, egal wie sehr es ihm danach verlangte.
Als sich endlich die Decke des Schlafs über ihn legte, klopfte es an der Tür und riss sie wieder weg. "Ja?", stöhnte er grimmig und machte sich nicht die Mühe, den Arm von den Augen zu nehmen. Jemand trat mit kaum hörbaren Schritten ein. Die Tür fiel wieder ins Schloss. Nun schaute Max auf. Aria stand in dem kleinen Raum. Statt des blutbesudelten Hemds vom Nachmittag trug sie eine saubere Akademrobe. Ihr Haar war nass, offen und gekämmt, ein seltener Anblick. Die Verletzungen waren allesamt verschwunden. Er sah ihr in die Augen, aber er konnte den Blick nicht recht deuten. War es Reue? Schmerz? Angst? Langsam setzte er sich auf. "Aria."
Sie verzog das Gesicht und machte noch einen Schritt auf ihn zu. Nun stand sie vor ihm und warme Fingerspitzen legten sich auf die Wange, die sie Stunden zuvor verletzt hatten. "Ich hätte das gemacht. Das Heilen."
"Schon in Ordnung", sagte er. "Es war kein Aufwand."
Sie schwieg. Sah zu Boden, dann durch den Raum. Er nahm ihre Hand. Sie zitterte. Ihre Stimme war ganz leise. Kaum zu verstehen. "Es tat weh." Nun sah sie ihm in die Augen und der Blick stach ihm direkt ins Herz. Er wusste nicht, was er sagen sollte.
Aria atmete schwer und kniete sich vor ihm hin. Ihren Kopf legte sie auf sein Knie und sie ließ den Blick ins Nichts schweifen. Max drückte ihre Hand und schwieg. "Ich habe mich verschätzt", sagte sie. "Ich dachte ich könnte ihn kontrollieren." Eine Pause. "Konnte ich aber nicht." Sie schluckte schwer. "Ich wollte mich ein wenig vergnügen. Er sieht gut aus. Er barg eine Herausforderung, der zu stellen ich mich stark genug fühlte. Ich hatte gehofft, dass ich ihn vielleicht ein wenig beeinflussen könnte. Damit er Tavi und Ehren in Ruhe lässt, weißt du." Verletzt sah sie ihm in die Augen, dann schlich sich ein bitteres Lächeln auf ihre Lippen. Ihre Augen glänzten feucht. "Er hat nur mit mir gespielt", erzählte sie fast schon lachend. "Und ich bin drauf reingefallen. Hab tatsächlich gedacht, ich hätte die Kontrolle. Hab ihn glücklich gemacht. Dann hat er mich auf's Bett geworfen und ich konnte nichts mehr gegen ihn ausrichten. Kein Erdwirken mehr. Er war stärker. Hat mich von hinten mit einer Kette gewürgt, während er mich benutzte. Er hat an meinen Haaren gerissen und mein Gesicht in die Decken gedrückt, bis ich dachte, ich würde ersticken. Es hat ihm gefallen." Sie stockte und blinzelte. Ihre Fingernägel bohrten sich tief in seine Hand und sie schloss die Augen. "Danach hat er mich auf den Rücken gezwungen. Ich habe ihn gekratzt, so wie dich, nur stärker. Dann hat er mich geschlagen und mit seinen Bettpfosten meine Hände gefesselt. Er hat es noch einmal getan." Sie atmete schwer aus und verzog das Gesicht. Leise sagte sie: "Ich war so machtlos."
Maximus starrte sie an, aber sehen tat er ein anderes Gesicht. Ein kaltes, bleiches, das dem von Brencis ähnelte, aber einer Frau gehörte. Er sah ihr hartes Lächeln und das wahnsinnige Glitzern in ihren Augen. Ob Aria das Gleiche gesehen hatte? Mit einem Mal konnte er sehr gut nachvollziehen, was sie fühlte und es ließ ihn erschaudern. Es sind nicht ihre Taten, die man nicht mehr vergisst, es sind die Blicke, die Motive, die Gefühle. Aria hatte Kalarus Brencis nun ihn sich wie er Kalarus Dorotea. Und aus irgendeinem Grund fühlte er sich schuldig. Er hätte es verhindern können, aber er hatte sie ins Messer laufen lassen.
"Ich war so dumm", unterbrach sie seine Gedanken und er sah zum ersten Mal Tränen auf ihrem Gesicht. Der Anblick erschütterte ihn. Aria war kein Mädchen, das grundlos weinte. Es musste ihr schlechter gehen, als man ahnen konnte. "Warum tue ich solche Dinge immer?", weinte sie. "Ich bin gierig, treffe eine dumme Entscheidung und dann kommen Leute, die ich liebe zu Schaden."
Max rutschte von der Bettkante und drückte sie an sich. Er konnte ihre Tränen nicht mit ansehen. "Wenn du die drei Kratzer meinst, die du mir verpasst hast... Darüber musst du dir wirklich keine Gedanken machen."
Ihre Finger krallten sich in seinen Rücken. "Ich meine Avi", schluchzte sie undeutlich. "Ich meine T'lia und Crass." Er verstand nicht, worüber sie redete. "Und Brencis wird Tavi und Ehren jetzt nur noch mehr drangsalieren. Um über mich zu triumphieren. Um mir zu zeigen, dass ich keinerlei Macht habe. Dass er immer gewinnen wird. Dass er machen kann, was er will. Weil er ein Mann ist und ein Civis. Ein krähenverdammter Civis!"
Hass strömte aus ihr heraus und überdeckt alles andere, Schmerz, Wut, Frust, Angst.
"Hey", meint er vorsichtig. "Keine Sorge, ich pass schon auf, dass er dir nicht wieder wehtut."
"Es ist mir egal, wenn er _mir_ wehtut!", schrie sie und stieß sich von ihm weg. Sie kam stolpernd auf die Füße und ihre Hände hingen rastlos in der Luft, als wollte sie etwas schlagen. "Ich bringe Menschen in Gefahr! Tag für Tag, seit ich denken kann! Sie sterben um mich herum und ich bin daran Schuld! Nicht nur Fremde, auch meine Freunde, meine Familie! Und ich kann _nichts_ tun! Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll!"
Max starrte sie schockiert mit offenem Mund an. Er wusste, dass sie zornig werden konnte, aber so hatte er sie noch nie erlebt. So außer Kontrolle. Was sie da sagte musste eine Folge der heutigen Erlebnisse sein. Sie musste sich hereingesteigert haben, sie sah nicht mehr klar.
"He he, ganz ruhig." Max stand auf und streckte vorsichtig die Arme in ihre Richtung. "Du weißt nicht, was du sagst, du bist nur aufgewühlt."
Sie lachte bitter auf und wischte sich wütend mit den Händen über die Augen. "Du hast ja keine Ahnung. Du hast überhaupt keine Ahnung. Du weißt nichts über mich."
Irgendetwas in ihren Worten jagte ihm einen kalten Schauer über den Rücken. Vielleicht war es die nackte Wahrheit, die darin lag.
Aber als wäre es andersherum irgendwie besser. Als wüsste sie mehr über ihn. Als wüsste sie, dass sie jederzeit ein Pfeil von hinten ins Herz treffen könnte, nur weil sie mit ihm redete.
"Du hast recht", knurrte er. "Ich weiß nichts über dich und ich verstehe nicht im Geringsten, worüber du überhaupt redest, aber eine Sache weiß ich ganz sicher." Er packte sie an den Schultern und zwang sie ihn anzusehen. "Ich bin kein Stückchen besser. Ich habe auch meine dunklen Geheimnisse. Tavi hat seine dunklen Geheimnisse und wissen die Krähen, was unter Ehrens unschuldiger Hülle schläft. Jeder macht Fehler, jeder ist manchmal verzweifelt." Er sah ihr fest in die Augen. "Aber Fehler machen uns nicht zu schlechten Menschen. Sie machen uns überhaupt erst zu Menschen. Und wenn die Elementare uns dafür bestrafen wollen, dann können wir daran auch nichts mehr ändern." Er atmete tief durch und sah sie eine Weile einfach an. Blickte ihr in die wilden Augen ohne zu zögern. Bald sagte er: "Ich würde dir empfehlen, was trinken zu gehen."
Aria blinzelte ihn an, aber langsam wurde ihre Miene weicher. Irgendwann lehnte sie erschöpft die Stirn gegen seine Brust. Ihr Atem ging langsam und schwer und ihre Stimme war leise. "Kommst du mit?"
Sein Mundwinkel zuckte. "Ich werde dich unter den Tisch trinken."
Sie löste sich von ihm und in ihren Augen begann das altbekannte schelmische Glitzern wieder zu funkeln, obwohl sie noch immer etwas zittrig klang. "Ich bekomme ein Bier Vorsprung."
"Was?", fragte er. "Wieso? Willst du schummeln?"
Sie ging zur Tür. "Nein, Maximus. Das ist ganz einfache Biologie. Du bist größer, also kannst du mehr trinken."
"Das werden wir ja sehen", knurrte er, schnappte sich seine Jacke und folgte ihr aus dem Raum. Draußen war es dunkel und kühl und er beschloss, ihr die Jacke um die Schultern zu legen. Es war ein Spiel mit dem Feuer, Aria ließ sich nicht gern umsorgen, aber sie lehnte die Jacke nicht ab. Stattdessen zog sie sie fester um sich und schob dann ihre Hand in die von Max. Es überraschte ihn, aber er hütete sich, etwas zu tun.
Leise sagte sie: "Du bist ein guter Freund."
Er wusste keine Antwort und so drückte er nur ihre Hand. Schweigend liefen sie durch die Nacht von Alera Imperia und es fühlte sich an als würden die Dämonen, die die beiden verfolgten für einen Moment stehen bleiben und sie einfach in Frieden lassen.




~ Hey, das wars. Da sind vermutlich ziemlich viele Insider drin, also falls jemand für irgendwas eine Erklärung möchte, kann man mich ruhig fragen :) ~
Review schreiben