Agent Ravelish - Im Dienste der Republik

GeschichteThriller, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.08.2019
08.10.2020
118
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02.09.2020 1.861
 
Kapitel 97: Die einzige Chance

Tytus Ravelish schaute mit zu schmalen Schlitzen zusammengezogenen Augen auf sein Data-Pad...und sah gebannt dabei zu, wie seine Hände neben dem herunterzählenden Chronometer auf und ab wischten...und durch die verschlüsselten Archive von ZEKOM navigierten. An einer kleinen Anzeige am Rande des Bildschirms konnte er ein kleines Symbol erkennen, das ihm eine Oasenartige Sicherheit gab, die er um jeden Preis ausnutzen musste. ZEKOM konnte nämlich von jedem Mitarbeiter der RSB eingesehen werden...und von den höheren Ebenen aus konnte mit Sicherheit auch kontrolliert werden, wer zu welchem Zeitpunkt nach welchem Eintrag suchte. Tytus wusste, welche Gefahr dies barg...und bediente sich deswegen eines Tricks, den er in den Archiven der von A-00 programmierten Dateien gefunden hatte...und die er mit einiger Mühe entziffern konnte. Er verwendete die so-genannte „Externe Suche“, eine Applikation, auf die ZEKOM eigentlich nur Außerhalb der Sphäre Null zurückgriff, in ihr, während er zeitgleich harmlose Dinge wie Schmugglerkartelle und Akten über Senatoren auf dem regulären Kanal suchte. Da der externe Suchkanal laut der Protokolle von A-00 eigentlich von den Störsendern der Sphäre Null geschluckt hätte werden müssen, jedoch wie durch Zauberhand nicht wurde, konnte Tytus zumindest für ein kurzes Zeitfenster intern abhörsicher die Funktionen von ZEKOM nutzen. Und er nutzte sie...auch wenn er nicht fand, wonach er suchte...Grauer Mann...kein Eintrag. Destination...kein Eintrag. Blue Destiny...hatte er bereits gesucht, allerdings...gab es über sie keinen Eintrag mehr...Sarsku´arum´fluzzasd...Ku´arun...kein Eintrag...und auch unter den Namen Lawrion Verronis und Qale Pacuthys waren keine Artikel vorhanden...nein...es waren keine Artikel MEHR vorhanden. Tytus wusste Instinktiv, dass der Graue Mann ganze Arbeit geleistet hatte. Er hatte die Daten persönlich gelöscht...alle Anhaltspunkte...außer einen, den Tytus auch erst bei der zweiten Anfrage im Archiv fand...OPERON. Bezeichnung für eine Kultstätte der frühen Porymäer...Aktiv im zweiten Jahrhundert nach der Gründung des Jedi-Ordens auf dem Planeten Argolom. Mutmaßliche Vernichtung im Zuge des Tarakki-Krieges vor...700 Jahren. Tytus ließ Luft durch seine Zähne zischen, während seine Augen die Zeilen überflogen...und sich in seinem Kopf Bilder bauten...Eintrag im Register Denkwürdiger Orte vor 500 Jahren angelegt. Wissenschaftliche Untersuchungen durch die Cadec-Universität Coruscant vor 240 Jahren und noch einmal vor 125 Jahren durch eine Studentenexpedition derselben Hochschule für Zeitgeschichtliche Architektur...Tytus spürte die Versuchung zu begreifen, was er vor sich hatte...ihm kam ein instinktiver Gedanke...der Gedanke, dass der Graue Mann im Zuge der möglicherweise strapaziösen letzten Stunden tatsächlich einen Fehler gemacht hatte...und einen entscheidenden Eintrag im ZEKOM-Archiv übersehen hatte...doch Tytus musste sich eingestehen, dass die Wahrheit höchstwahrscheinlich eine andere war. Er musste dem Grauen Mann alles zutrauen...also auch, dass er einen solch offensichtlichen Fehler absichtlich gemacht hatte...entweder, um Tytus in eine Falle zu locken...oder, um ihn in die Versuchung zu bringen, offen gegen seine Loyalität zu Destination zu handeln, indem er das OPERON als einen der wenigen ihm bekannten Orte von Destination zu melden...und zu veröffentlichen. Tytus prägte sich die Informationen genauso ein, wie sich das Bild von Doktor Ku´arun in seinen Kopf eingebrannt hatte. Dann schaltete er ZEKOM demonstrativ ab...und ordnete seine Gedanken...er versuchte, sich aus dem wenigen, was er hatte, eine Strategie zurecht zu legen...denn jede Sekunde, die verging, und das rief er sich wieder und wieder in den Kopf, führte ihn, das RSB und den Rest der Republik weiter und weiter in den Abgrund hinein. Tytus schloss die Augen...wie er es immer dann tat, wenn er an einem Scheideweg angelangt war. Er mochte diese Angewohnheit nicht, denn sie machte ihn für den Moment der Geschlossenen Augen de Facto blind für seine Umwelt...und doch spürte er jedes Mal, wenn er seine Augen schloss, dass sein Körper nach Ruhe schrie. Immer sah er Bilder von dem vor sich, was sein Unterbewusstes nicht verarbeiten konnte, von Problemen und Paradoxen...aber auch von Sinneslücken...und Anomalien, die Auswege bedeuteten...oder Schlüssellöcher...die entscheidenden Bausteine in jedem Spiel, das er spielte. Nun aber...sah er zum ersten Mal das ganze...ja, das Schachbrett, das noch immer um ihn herum stand...und sein Blick war noch immer auf den einzelnen, übermächtigen Spieler gerichtet, von dem er schon so lange wusste...als einziger. Doch nun sah Tytus nicht mehr nur auf...sondern auch herab. Er spürte, wie Tatendrang in ihm aufstieg, während er das Spiel langsam durchschaute. Sein Ziel jedenfalls...war stärker denn je. Und wenn er sich in diesem Moment recht an seine Kindheit erinnerte, aus der auch das alte Mantra „Es gibt kein Schicksal“ stammte, dann wusste er, was er tun musste. Denn in seiner Kindheit, die er schon seit einer wahren Ewigkeit voller Abscheu zurückgelassen hatte...und an die er sich jetzt, im Moment des größten inneren Terrors wieder erinnerte, war seine Situation keine andere gewesen. Es war eine seltsam passende Ironie, dass er sich trotz so vieler Veränderungen in diesem einen Punkt nie geändert hatte...dem Punkt, der ihn, wenn er es recht bedachte, immer schon von allen abgehoben hatte...und der ihm schon so oft die Haut gerettet hatte...nämlich die Tatsache, dass er immer dann, wenn ein Spiel aussichtslos war, die Regeln des Spiels unterwanderte. In seinem Kopf erschienen dutzende Situationen, in denen er dies getan hatte...und im Dienste der Republik würden sicherlich schon sehr bald weitere folgen...doch eigentlich musste er nur eine Regel unterwandern...eine einzige...und das...würde er tun. Um jeden Preis.

Als Tytus die Augen öffnete, breitete sich vor diesen sein persönliches, modulares Büro aus, in dem man ihm einige Dinge bereit gestellt hatte. Dinge, die offenbar auf der bevorstehenden Mission von Nutzen waren...Dinge, von denen sich der Aufsichtsrat ausmalte, sie seien den Feinden um Längen Überlegen. Still lächelnd inspizierte Tytus die Gegenstände, die auf einem in der Tat modular zusammengesetzten Sideboard lagen, neben dem der Rauminterne Assistentendroide im abgeschalteten Zustand an einem noch immer provisorisch aus der Decke hängenden Kabel wartete. Der erste sah aus wie eine kleine Spinne, an deren Beine Saugnäpfe befestigt worden waren...der zweite war ein mit hauchdünnen Kohlenstoffstäbchen verstärktes Glas voller kleiner Körner...der dritte eine Art Mini-Geschütz, das an einer magnetisch aufgeladenen Platte montiert werden konnte...Tytus versuchte instinktiv, aus den Gegenständen Informationen über die Beschaffenheit der nächsten Mission abzuleiten...während sich sein Chronometer langsam der Null näherte...und das Display der schallisolierten Tür anzeigte, dass die relative Lautstärke Außerhalb um das Doppelte anstieg. Er stand auf, trat herüber zum Assistenzdroiden, an dessen Sockel auch allerhand medizinischer Geräte angebracht waren und aktivierte diesen mit einem knappen Handgriff, während er wieder und wieder auf sein Chronometer schaute. „Hallo. Agent R-00. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“, surrte der Droide zur Begrüßung und hob augenblicklich seinen Kopf. Tytus trat demonstrativ an ihm vorbei auf das Sideboard zu, zog sich einen Gegenstand aus der Tasche und sprach: „Sind diese Gerätschaften für meine nächste Mission bestimmt?“ Der Droide antwortete knapp: „Ja. Das sind sie. Es handelt sich dabei um Terraintaugliche Spezialdroiden.“ Tytus zog beide Augenbrauen hoch, als er das unmerkliche Gewusel in dem Glas zu seiner Rechten erkannte. „Was können sie?“, fragte er weiter, während er gedanklich bereits einen Schritt weiter war. „Diese Droiden hören einzig alleine auf Ihren Befehl. Sie sind programmiert, um mobile Aufgaben zu erfüllen und lassen sich mit der Geschützeinheit und der Sensorspinne zu einem tödlichen Waffenarsenal oder einer Reihe an vorkonfigurierten Fallen kombinieren.“ „Und sie hören wirklich nur auf meinen Befehl?“ „Ja. Sie besitzen keine weiteren externen Kontakte.“ Tytus lächelte...wissend, dass der Droide mit Nichten die Wahrheit sprach...und nahm das Nanodroiden-Set an sich, bevor er dem Droiden anerkennend zunickte und fragte: „Wer, wenn ich fragen darf, hat diese Einheiten entwickelt?“ „Das Department des Administrators ist für derartige Technologien verantwortlich. Die Hardware stammt laut meine Speicher aus Umbaranischer Fabrikation.“ „Eines noch, Droide. Fertigt unsere Behörde deines Wissens nach bereits Dinge intern selbst an, oder sind alle bislang in der Sphäre verbauten Technologien Importiert?“ „Dazu kann ich leider keine Aussagen treffen. Darf ich ihnen denn vor dem Briefing noch eine Stärkungsration anbieten?“, entgegnete der Droide merklich ausweichend. Tytus nickte und ließ den Droiden durch die Regale und Wandklappen fahren, bevor dieser eine sterile Box an der Rückwand des Raumes öffnete und einen kleinen Riegel heraus nahm, den Tytus ohne Probleme mit einem Bissen vertilgen konnte. Zwar plagte ihn in diesem Moment kein akuter Hunger, doch hatte er schon lange nichts mehr außer die Notrationen von Klon-Rüstungen oder Raumschiffen gegessen. Dies jedoch war auch nicht der Grund, weshalb der Balkronide locker zugriff und den hoch-energetischen und mit konzentrationssteigernden Mitteln angereicherten Riegel in seinen Mund schob...nein...es passte ihm nur zu gut, einen weiteren Sinn ins Spiel bringen zu können...denn der Geschmack des Riegels erinnerte ihn an etwas...etwas, das er erwartet hatte...und der Riegel rief, wie von ihm vermutet, sehr schnell einen Erheblichen Konzentrationsschub hervor, den mit Sicherheit auch die anderen Agenten in ihren Vorbereitungsräumen in diesem Moment spürten, jedoch nicht deuten konnten. Es war seltsam, zu wissen, dass etwas mit einem geschah, was andere nicht als solches enttarnen konnten. Tytus versuchte, sich in die anderen Agenten hinein zu versetzten...sie alle besaßen ein enormes Wissen, was Spionage, Infiltration oder das Operieren in feindlichen Terrain anging...Lados Stridor, Galy Anilex und Arrbol Kheon waren auf ihre Weisen unglaublich intelligent...und es war nachvollziehbar, weshalb man genau sie für diese Missionen ausgewählt hatte...doch in Tytus keimte die Frage auf, ob eine oder mehrere der drei Personen so waren, wie er...ob sie auch nur einen Bruchteil von dem wussten, was er wusste...R-02, Galy Anilex kam von der Polizei, hatte allerdings Monate lang im Untergrund gelebt...ebenso wie Arrbol Kheon, der ehemalige Jedi-Schüler, der seine Zeit ebenfalls mit persönlicher Spionage auf den unteren Ebenen bestritten hatte...und Raven...R-04...kam von einem Planeten, der mit der RSB verbunden war wie mit keiner anderen republikanischen Organisation...und die Worte des Grauen Mannes waren eindeutig gewesen, was neutrale Systeme anging...langsam trat Tytus Ravelish zur Tür seines Raumes...an der von innen ein Spiegel angebracht worden war...in dem Tytus ein Gesicht erkennen konnte, an dem keiner, ja nicht einmal der Graue Mann ablesen konnte, was dahinter vorging. Ein nüchternes Gesicht, das zu allem bereit zu sein schien...ein berechnendes Gesicht, das jedes Wort auf der Stelle reflektierte...und ein Gesicht, das alles andere als niedergeschlagen oder Schlapp von der letzten, als voller Erfolg verbuchten Mission war. Tytus drehte sich ein letztes Mal zu seinem Droiden um...und ließ unauffällig Tezero aus seiner Tasche rollen. Der Droide schaute auf...dann verließ Tytus den Raum und trat voller Erwartung und brennendem Tatendrang hinaus auf den Gang. In seinem Kopf rief er alles ab, was er wusste...und was es zu tun galt, um das Ziel zu erreichen. Im Gang flackerte das Licht, das als eines der wenigen Dinge in diesem Bereich der Sphäre Null noch ein Provisorium war. Und doch konnte er die Person erkennen, die in diesem Moment hinter einem Computer-Terminal verschwand...und die die ganze Zeit über hier gestanden haben musste, um auf irgendetwas zu achten...die junge Programmiererin mit der Dienstnummer A-00.
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