Agent Ravelish - Im Dienste der Republik

GeschichteThriller, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.08.2019
08.10.2020
118
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01.09.2020 2.147
 
Kapitel 96: Der Schachspieler

Im Senatsgebäude war es totenstill geworden. Die Gänge waren wie leergefegt, die bisweilen hörbaren Stimmen erregter Diskussionen aus den unterschiedlichsten Richtungen waren auf gespenstische Weise verhallt. Nicht, dass es sie nicht mehr gab...nein...hinter vielen Türen fanden noch immer Gespräche statt und es befanden sich auch noch immer Personen der unterschiedlichsten Spezies auf diversen Wegen durch das Senatsgebäude...doch um Tytus Ravelish herum stand die Luft still. Das einzige, was der Balkronide hörte, war sein eigener, flacher Atem...der so leise war, als wollte er nicht auffallen...in dieser Stille...während er scheinbar ziellos durch die Gänge irrte...und so unauffällig wie möglich einem imaginären Pfad folgte, den sein Data-Pad ihm anzeigte...obwohl er wusste, dass es keinen Zweck hatte...Der auf dem Data-Pad markierte Weg diente zur Verschleierung des Zielortes...als eine Art obligatorisches Ablenkmanöver, das garantieren sollte, dass ja niemand den Senatseingang der Sphäre Null fand...Doch mit jedem Schritt, den der Balkronide ging, entblößte sich ihm weiter und weiter die Sinnlosigkeit der Ablenkung...gut gedacht war sie...wahrscheinlich war es ein Standard-Prozess, der vom republikanischen Flottengeheimdienst bereits seit Jahren in den öffentlichen Teilen ihrer Bürotürme genutzt wurde...doch welcher Feind, und das fragte sich Tytus Ravelish resignierend, sollte heiter schon verwirrt werden. Was jedoch für den Balkroniden noch viel bestürzender war, war die Tatsache, dass ihm viele Feinde einfielen...Senatoren wie Erix Benado...neugierige Handelsvertreter oder im schlimmsten Falle gar Spione der Separatisten...doch all diese Feinde...kamen ihm plötzlich so bedeutungslos vor, wie zwei gleiche Karten beim galaktischen Casinospiel Sarbacc, das er vor einer Ewigkeit auf Reignax-3 gesehen hatte...so gefährlich wie ein Bauer beim Schach... „Agent R-00. Bitte Verifikation läuft“, hörte er in schier unendlich weiter Ferne die Stimme des Programmes T.E.S., die aus dem Lautsprecher seines Data-Pads erklang...als er schweigend, aber mit hoch erhobenem, gar stolz aussehenden Kopf vor dem Eingang des Fahrstuhls stand...Er sah sich zur Vorsicht noch einmal um...doch niemand war ihm gefolgt...warum auch? Ihm zu folgen ergab hier und jetzt keinen Sinn...zumindest keinen, der der RSB oder ihm gefährlich werden konnten. Ohne, dass man es ihm ansehen konnte, dachte er krampfhaft an ein Schachspiel...bei dem beide Parteien gleich stark waren...sich gegenseitig mal sehen konnten und mal nicht...bei dem es unzählige Bauernopfer gab...er sah auf die Figuren...und erkannte Jedi...Klone...der König war Kanzler Palpatine...anstelle einer Dame sah er Erayn Canodair...er selbst war eine Jokerfigur...stand in der Mitte...atemlos zwischen den Seiten...Droiden...Klone...General Grievous...General Kaal...die Senatoren...allesamt Spielfiguren...er sah sich zwischen den Personen um...sah, wie sie sich bewegten...und dann schaute er auf...er wusste, was er sehen würde, deswegen zeigte sein Körper keine Reaktion auf die Gedanken...innerlich aber...fror er zu Eis ein, als er sah, dass das ganze Spiel, ja, beide Parteien, Schwarz und Weiß...von einer einzigen Person gespielt wurden. Einer Grauen Person.

Der Fahrstuhl fuhr schnell...und doch langsam. Tytus sah sich in ihm um, versuchte etwas zu finden, das ihn an etwas erinnerte, doch die Wände des Fahrstuhls waren so kalt und abweisend, wie er nur sein konnte. Tytus fragte sich, wie viele Fallen in ihn eingebaut waren, von Stromfallen gegen Droiden über als Lautsprecher getarnte Giftgas-Düsen...gegen alles war dieser Fahrstuhl gewappnet, war so gut getarnt und unsichtbar...wie die Räume im dunklen Gang, in den T.E.S. ihm wenige Sekunden später Einlass gewährte. Tytus erinnerte sich daran, dass sie vor seiner Mission allesamt leer und dunkel gewesen waren...nun werkten in ihnen eine Handvoll schweigsamer, schwer bewaffneter Droiden an Wissenschaftlichen Geräten, deren Technologie ZEKOM als Ferranisch identifizierte. Ferrax, die Heimatwelt von Agent Lados Stridor gehörte laut ZEKOM zu den am weitesten entwickelten freien Militärmonarchien der Galaxis...und die ferranische Technik war selbst auf dem Schwarzmarkt von Therena so rar, dass ZEKOM nur wenige Dateien über sie gespeichert hatte...und doch war sie auf Dinge spezialisiert...auf Dinge, die zu den Augenscheinlichen Bedrohungen der Republik gehörten...Frühwarnsysteme, Gamma-Scanner und interplanetare, hochauflösende Waffenmeldeschirme...sowie Instrumente zur indirekten Feuerkontrolle, mit denen die RSB sich problemlos in jeden Geschützturm eines republikanischen Raumkreuzers hacken konnte...und das von Coruscant aus. Während Tytus mit gesenkte, aber dennoch von Stolz und Demut zeugendem Kopf in die Räume rund um die Sphäre Null trat, wurde er förmlich von der Menge an neu eingebauten Instrumenten erschlagen. Auto-Controller-Terminals säumten den Graben im Boden der Sphäre Null, flankiert von einer Reihe vertikal angebrachter Datenschirme, auf denen ein Programm nach dem anderen in eine Zugriffssichere Sprache umgeschrieben wurde. Eine Reihe in weiße Uniformen gekleideter Administratoren aus den Reihen der Coruscant-Polizei wurde in diesen Sekunden abseits von der knorrigen Gestalt von Scarth Atlayne in diverse Aufgabenbereiche eingewiesen. Jeder von ihnen hatte eine jahrelange Ausbildung hinter sich...und war die letzten Monate über in separaten Fortbildungseinrichtungen vorbereitet worden. Umbaraner sah Tytus nicht mehr viele, lediglich die Wachposten an allen ein- und Ausgängen der Sphäre Null gehörten noch der privaten Gruppe des ehemaligen Senators Canodair an...denn die Sicherheit der Sphäre wurde längst von unsichtbaren Waffensystemen übernommen. Wo Tytus auch hinsah, während er sich auf das Zentrum der Sphäre zubewegte, an dem wie ein vermummter Monolith C-00 stand, er sah die gnadenlos besten Systeme der Galaxis...mit denen der Traum von einem schnellen Ende des Krieges zu einer realistisch erscheinenden Vision wurde...und unterdrückte Krampfhaft seine Gedanken. „Agent R-00“, registrierte derweil C-00 die Anwesenheit des Balkroniden und stellte sich ihm dezent in den Weg, „ihr Auftrag wurde als erfolgreich gewertet. Ihnen steht nun eine Regenrationszeit zur Verfügung, die sie in Ihrem modularen Büro verbringen können.“ „Ich danke. Richten sie dem Aufsichtsrat aus, dass mir die Verspätung zutiefst leid tut. Sie war jedoch auf Grund der Komplexität der Mission nicht zu vermeiden“, brachte Tytus Ravelish mit krampfhaft emotionsloser Stimme über die Lippen, während er registrierte, dass etwas in Vorbereitung war...die Holo-Projektoren wurden in diesem Moment einer nach dem anderen hochgefahren... „Wird erledigt, Sir“, hauchte C-00 und deutete auf den Gang, auf dem sich auch vor der ersten Mission sein zugewiesenes Zimmer befunden hatte...er erkannte wage einige Gestalten...wollte hinsehen, doch seine Gedanken erlaubten es nicht. Von hinten trat eine Person an ihn heran...er sah sich um und zog instinktiv fragend eine Augenbraue hoch, während er in das Gesicht einer jüngeren, orangehäutigen Frau in weißer Uniform schaute. „Bitte warten sie kurz, Agent R-00“, hauchte die Frau mit leiser, geradezu piepsiger Stimme, während Tytus sie vergeblich einzuordnen versuchte...wer war sie...welche Aufgabe hatte sie? Innerlich hatte er nur ein einziges Bedürfnis...eines, das er sich selbst unter maximaler Kraftanstrengung nicht verkneifen konnte... „Gerne“, sprach Tytus´ Mund mit ruhiger Stimme, während er einen fragenden Blick aufsetzte. Die Frau sprach...mit der Sicherheit einer Fanatikerin, einer Begeisterten und erweckte dadurch den womöglich trügerischen Anschein einer unerfahrenen, ja, einer Anfängerin: „Es freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen. Den anderen Agenten durfte ich mich bereits vorstellen. Mein Rufzeichen lautet A-00, doch Sie können mich T.E.S. nennen. Ich weiß, das kommt jetzt ein wenig plötzlich, aber...“ Tytus spürte, wie jede Sekunde zur Qual wurde. Er sah, wie die Frau auf ihn einredete, doch er konnte nichts von dem glauben, was sie sagte...er registrierte es, speicherte es in seinem Kopf ab...doch er wertete es nicht. Sie war ehemalige Studentin, in der Lehre bei Administrator Atlayne und hat den Administrator in ihrer Hacker-Unterkunft versteckt, während sie selbst T.E.S und einige weitere Systeme entwickelt hatte...zuständig sei sie nun für die reibungslosen Versorgungen und Transfers der Agenten, mit denen zusammenzuarbeiten eine große Freude für sie sei. Tytus nickte jedes Mal höflich, während um ihn herum zahlreiche Testläufe für eine Übertragung stattfanden...und am Rand der Halle einige hochkant gestapelte Kisten erschienen...die von einer unerkennbaren Gestalt inspiziert wurden...Tytus nahm alles in sich auf, auch, dass das nächste Briefing in einer Stunde stattfinden würde, die Tytus zur Entspannung und Vorbereitung nutzen sollte, denn der nächste Auftrag...würde ihn fordern...die anderen Agenten hätten ihre Trainingseinheiten zu einem großen Teil mit Bravur absolviert, doch der nächste Auftrag hätte eine solche Dringlichkeit, dass diese nicht vollendet worden seien... Ferner berichtete A-00 auf dem Weg zu Tytus´ modularem Büro vom Fortschritt des Feinds und lieferte Informationen zum Krieg...wieder einmal erschreckende Informationen...hohe Verluste...Rückzug an drei Planetaren Fronten...ein Jedi verschollen...Ziele des Feind bislang noch unklar...

Als Tytus sein spärlich eingerichtetes Büro erreicht hatte, verblieb er mit A-00 bei der nächsten Briefingzeit und verschloss die Tür nach einer höflichen, aber bestimmten Verabschiedung so fest das Mehrfachschloss es hergab. Den Servicedroiden aktivierte er ebenso wenig wie die Computer des Raumes, sondern schaltete mit zitternden Fingern an seinem Data-Pad die Daten über den Raum an...und starrte wie hypnotisiert auf den Schallschutz... „Tezero“, hauchte er tonlos, bevor er sich hastig umsah, „überbrücke alle Kameras...“ Der Droide gehorchte umständlich...doch er hatte Zugang zu den Kameras...kein Wunder, dachte Tytus Ravelish, denn Tezero war ein Fabrikat von Destination...und diese Anlagen hier...er sah sich um...wieder und wieder...und wieder...und noch einmal...dann brach er mitten im Raum zusammen...er wollte etwas zu sich selbst sagen...wollte es aus sich herausschreien...doch die Angst überwog...die Augen waren überall...die Ohren auch... „Tezero...überbrücke...alles...“, keuchte er mit ächzender Stimme, während er nach vorne zu krichen versuchte...wenn das jemand sah...JEMAND...er fühlte sich so klein und doch so groß...die Last wog Tonnen...und presste ihn buchstäblich auf den Boden. Was in Tytus´ Kopf wütete, war der blanke Horror. Der Graue Mann...seine Hände und Augen...waren überall. Ausweglos überall. Tytus hatte gedacht, er hätte alles unter Kontrolle...er wüsste, wie er seinen Auftrag erfüllen konnte...wie er sein Schicksal bestimmen konnte...doch alles war plötzlich so groß...die Kausalketten so lang...und die RSB...so klein. So schwach...so verwundbar...sie hatte nichts zur Verteidigung...wie die Republik...denn der Graue Mann war hier...ihm gehorchten womöglich auch einige der Mitarbeiter... Tytus atmete schwer ein und aus...die Wände drohten ihn zu zerquetschen...der Terror von Destination hatte ihn voll und ganz im Griff...und die Macht von Destination würde wachsen...sie Wuchs jede Sekunde, ohne, dass Tytus etwas machen konnte, denn sobald er aktiv wurde, würde es der Graue Mann merken...Tytus spürte, wie seine Muskeln verkrampften...wie die Luft aus seinen Lungen gepresst wurde...er sah vor sich eine Entscheidung, die er schon oft hatte treffen müssen...er wollte sie am liebsten laut schreien...doch er spürte die psychischen Schmerzen der Blue Destiny...aus dem Pattaqa...er sah das OPERON vor sich...wenn er...dann würden alle sterben...er wollte schreien, wieder und wieder, während er sich ins Gesicht fasste und alles darin zusammenpresste...alles war geplant gewesen...von Anfang anhatte ein Phantom ihn kontrolliert...ein mächtiges Phantom...das ihm keine Chance ließ...das niemandem eine Chance ließ...mehrere Minuten lag Tytus mit aufgerissenen Augen da...und starrte in sich hinein...er musste seinem Schicksal folgen...er musste...das RSB war verdammt, die Republik verloren...millionen würden sterben...er dachte in alle Richtungen, wollte nicht aufgeben...doch als er schließlich an jedem Ende seines Gefängnisses einmal angekommen war, und noch immer keinen Ausweg gefunden hatte, hauchte er das letzte, was ihm noch einfiel...etwas, das er schon lange verdrängt hatte...nein...etwas, das man ihm bewusst ausgetrieben hatte...an das er nicht mehr hatte denken können...doch das nun eine Völlig neue Bedeutung bekam: „Es...gibt...kein...Schicksal...für...mich...“ langsam setzte er sich auf...und sah sich schweigend um. Er wischte sich die aufgekommenen, eiskalten Tränen aus dem Auge und sah sich erneut um...er sah dieselben Wände wie zuvor...aus demselben Winkel...doch mit einem Unterschied...denn sie waren plötzlich nicht mehr seine Feinde. Etwas geschah in ihm...dass er noch nie zuvor vollzogen hatte...etwas keimte auf...ein Wille, den er vielleicht kannte, aber der mit seinem neuen Wissen eine gleichermaßen neue Bedeutung bekam. Er wollte nichts von dem aussprechen, was er dachte...doch er nahm ruhig und gelassen sein Data-Pad zur Hand und tippte einen Kontakt ein...wenige Sekunden später erschien ein Bild vor ihm, durch eine mehrfach codierte Verbindung. Der Balkronide sah die Person im Hologramm kurz an, dann sprach er in kryptischen Sätzen...etwas unmissverständliches. Die Person hörte sich alles an...und schritt zur Tat...dann konnte Tytus frei sprechen...wenn auch nur kurz...und intensiv. Die Person nickte...und beendete die Verbindung...Tytus aber hielt diese noch für einen Augenblick...und sah auf das von A-00 gestellte Chronometer, das die Minuten bis zum Briefing herunter zählte...dann schaltete auch er mit einem eiskalten Lächeln ab. Jetzt, das fraß sich wie ein Drache durch die Gedanken, die ihn in den Wahnsinn getrieben hatten, ging es los.
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