Agent Ravelish - Im Dienste der Republik

GeschichteThriller, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.08.2019
08.10.2020
118
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30.08.2020 1.861
 
Kapitel 95: Die Tausend Augen

„Wir haben eine Falle für die Senatoren ersonnen...und sie haben sehr spät reagiert. Man teilte uns mit, sie würden ihre Aufgabe kennen...und die Dringlichkeit, mit denen sie verbunden sind.“ Tytus sah unbeeindruckt dabei zu, wie der korpulente Zygerrianer eine Art Gehstock zückte und den Leichnam des Senators mit hochgezogenen Augenbrauen inspizierte, während er selbst sein Data-Pad zückte...einen Kurzschluss simulierte...und es dadurch ohne große elektrische Signaturen abschaltete. „Wer sind sie? Wer seid ihr? Welche Aufgabe erfüllt ihr?“, fragte Tytus, während seine Gedanken auf Hochtouren pochten... Der Zygerrianer schaute auf...und ließ die Augenbrauen ungeahnt langsam sinken, bevor er nickte und hauchte: „Als Agent sind sie berechtigt, Auskunft von uns zu erhalten. Uns schleuste er vor mehreren Monaten in die Reihen der Assistenten von Senator Verronis ein. Wir unterstützen das Netzwerk und fungieren als Kontaktperson. Und als Beobachter. Denn, wie wir sehen, haben sie sich Ihren bisherigen Beobachter zu Eigen gemacht.“ Der zittrige, gekrümmte Arm des Zygerrianers, dessen wahrer Name alles, nur nicht Qale Pacuthys sein konnte, deutete auf Tytus´ Tasche. Der Balkronide brauchte nur wenige Millisekunden, um sich eine geeignete Antwort einfallen zu lassen: „Die Einheit 73-X-0 leistet uns weiterhin zufriedenstellende Dienste. Doch um mit voller Effektivität im Umfeld der RSB und des Senats Operieren zu können ist mehr nötig.“ Der Zygerrianer kniff die Augen zusammen...dann verstand er und legte den Kopf schief, bevor ein Zucken durch seinen Körper ging und er erwiderte: „Ihre Aufgabe hat gerade erst begonnen. Ihr erster Einsatz war für sie in zweierlei Hinsicht ein Gewinn, weswegen sie nun nach mehr verlangen. Doch der Graue Mann lässt mich ausrichten, dass ein Mehr angesichts ihres Versagens nicht gerechtfertigt ist. Das Vertrauen des Grauen Mannes in sie hat durch meine Beobachtungen erheblichen Schaden genommen.“ „Meine Loyalität ist ungebrochen“, erwiderte Tytus Ravelish mit eiskaltem Blick, wissend, dass der Graue Mann jedes einzelne Wort mithören konnte...trotz, dass alle konventionellen Möglichkeiten der Abhörung durch ihn selbst beseitigt worden waren...denn hier...und da war sich Tytus mittlerweile im Schieren Bann der Erkenntnis sicher, befand er sich im Hoheitsbereich von IHM. Er hatte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Senator Verronis so manipuliert, dass selbst der moralische Verbündete von Senator Bail Organa der Republik den Rücken kehrte. Tytus hatte den großen Plan von Destination von Anfang an zu verstehen geglaubt...doch die Ausmaße waren gewaltiger, als er es sich je hätte vorstellen können. In diesen Sekunden fragte er sich Dinge, die nur in der eiskalten, steinharten Nüchternheit der Situation überhaupt zu denken waren. Er spürte, wie er von innen heraus zu platzen versuchte...doch sein Körper blieb starr...und unbeeindruckt. „Das ist eine lose Behauptung.“ „In seiner Gegenwart gibt es keine losen Behauptungen“, entgegnete Tytus Ravelish tonlos. „Das ist so richtig“, gab der Zygerrianer zurück...und lüftete einen Holo-Projektor, der auf der Spitze seines Gehstocks montiert war. Tytus ahnte, was passieren würde...und legte sich trotz des eiskalten Schauers, der ihm den Rücken hinunter lief...und der Erinnerungen an all den Schmerz, der ihm widerfahren war, Fragen und Antworten zurecht. Seine Rolle, sein Schauspiel...alles musste perfekt sein. Zum ersten Mal spürte er in diesem Moment einen seltsamen Rückenwind, der aus der Tatsache hervorging, dass er seinen ersten Auftrag im Dienste der RSB soeben vollendet hatte...und dass er nun erfahren würde, was diesem Auftrag zu Grunde lag. Dass er nun das sehen konnte, was er in dem Gespräch mit Erix Benado vor wenigen Minuten verzweifelt zu erfahren versucht hatte...dass sein Schrei nach Wissen endlich in Erkenntnis aufgehen konnte... Das bläulich flackernde Bild war beeindruckend...es war eine Art von Déjà-vu, ein Echo aus Vergangenheit und Zukunft. Zeitlos...und völlig wertungslos stand er da...und blickte auf seinen Lakaien herunter. Auf den Auserwählten, dessen Geist er und seine Verbündeten geformt hatten...der zu seinen besten Werken gehörte. Das Gesicht des Grauen Mannes war von einem elektronischen Schleier verhüllt, von einer Wolke aus digitalen Partikeln, die von den Wänden des Raumes abzuprallen schienen...und ihm einen ruhigen, geradezu Heiligenschein-artigen Charakter gaben.  Er strahlte die Ruhe und Kälte aus, die Tytus bereits kannte...die in ihm all die Assoziationen auslösten, welche ihn zu dem machten, was er sein sollte und musste. Um Tytus herum verschwamm das Bild, wie es auch im Pattaqa und auf der Blue Destiny verschwommen war...und Tytus wusste, dass er nachher nicht sagen würde können, was in diesen Sekunden in seinen Verstand eindrang...obwohl er bei klarstem Bewusstsein war...und es nichts gab, das er nicht wahrnehmen oder kontrollieren konnte. Seine Gedanken waren fokussiert, aber dennoch bei vollster Funktion. Es war kein Kampf gegen einen imaginären Schmerz...nein...es war ein Warten auf den Schmerz...auf das Wort des Henkers...auf den Beginn der Tortur...auf die Enthüllung einer neuen, abartig mächtigen Waffe aus dem endlosen Arsenal von Destination. „Agent-7. Großes geschieht, findest du nicht auch?“ Tytus nickte, als er die eiskalte, starre Stimme des Grauen Mannes hörte, die so krude codiert gewesen sein musste, dass selbst die modernsten Geräte, die Erayn Canodair für den Aufbau der RSB herangeschafft hatte, ihr unter keinen Umständen folgen konnten. „Ich spreche zu dir, Agent. Und du sollst wissen, dass ich das nicht tue, weil ich mich dazu gezwungen sehe...sondern weil es ein für mich vorgesehener Termin ist. Das Gespräch mit dir ist ebenso eingeplant wie die Tatsache, dass du bei der Ausführung deiner ersten RSB-Mission entscheidende Symbole übersehen hast.“ Tytus wusste, dass er nun den Kopf senken musste. Er spürte den Blick des Grauen Mannes, der ihn wie eine Peitsche traf...so wie es in seinem Kopf einprogrammiert worden war... „Du hast eines bewiesen...Agent...du konntest dich im vorgesehenen Zeitplan auf die Gegebenheiten auf Coruscant, die Rangordnung der RSB und die augenscheinliche Sicherheitslücke anpassen...und hast sogar deinen eigenen Droiden erbaut. All das spricht für dich.“ Tytus spürte, wie die Präsenz des Grauen Mannes ihm die Luft aus den Lungen presste... „Gegen dich spricht, was ich in der Sphäre Null erfahren musste. Ich konnte dir ansehen, dass es einen Fehler in deinen Gedanken gibt. Du bist der Meinung, die RSB sei tatsächlich die Rettung, die der Republik prophezeit wird...und die schon sehr bald an die Öffentlichkeit treten könnte. Du wirst in den Bann eines oberflächlichen Idealisten gezogen, Agent. Ich bin nicht gekommen, um dir eine weitere Dröhnung der Blue Destiny zu geben. Nein. Denn die Wahrheit wird dir die Augen öffnen. Sie wird dir zeigen, was du schon immer wusstest, Agent. Höre nun also gut zu.“ Tytus atmete langsam...und schwer...in seinem Kopf kämpften Hoffnungen gegen Ängste...alles kam plötzlich über ihn...denn die Stimme des Grauen Mannes...war härter als je zuvor...sie Sprach aus Tytus´ Kopf...aus seinem inneren heraus...und entblößte das, was Tytus seine inneren Dämonen nennen konnte...sie nannte seine Instinkte beim Namen...und sprach das aus, was erwartet...und gefürchtet war...denn hier...war das Reich des Grauen Mannes. „Du weißt, dass die RSB nur ein Mittel zum Zweck ist. Und du...bist der Zweck. Alles ist vorbereitet. Meine Stellschrauben können jederzeit gezogen werden. Die RSB kann nie an Informationen kommen...wenn dies zu unserem Nachteil wäre. Ich beobachte die RSB persönlich...ich weiß, was sie tut...Schon bald, Agent-7, wird sie zum anerkanntesten und effektivsten Geheimdienst aller Zeiten aufsteigen...und wird die Republik unweigerlich dorthin führen, wo sie schon immer stand...als entzweite, kraftlose Hülle, in der jeder seinem eigenen Schicksal nachgeht. Die Republik ist eine Krankheit...und die RSB keine Medizin...sondern ein Plazebo für die Galaxis.“

Tytus sah, wie aus dem Schatten des Raumes vor ihm...im durchscheinenden Licht des allgegenwärtigen Hologrammes zwei Gestalten erschienen...eine von ihnen war Senator Verronis...die andere...Zirsk Kuluma...der Bothaner. In bläuliches Licht gehüllt waren auch sie...und ihr Gesichtsausdruck war eiskalt...und hoffnungsvoll zugleich. Denn sie wussten ebenso wie Tytus selbst, was die Zukunft war...wie es ausgehen würde...dass es kein Entrinnen vor der Zukunft gab...dass sie bereits überall Einzug gehalten hatte...in der Psyche wie auch in der Gestalt vieler Personen, die wie Schatten durch die Gänge traten. Politische Entscheidungen konnten manipuliert werden...unliebsame Pazifisten wie Senator Erix Benado konnten eliminiert werden. Der Geheimdienst RSB rechtfertigte alles...und Tytus war der Vollstrecker...die Waffe…der verlängerte Arm...der, der am Ende der stille Held sein würde...während alle anderen ihrer Wege gingen...und im Sieg vereint Coruscant verließen. Das Bild der Hologramme wurde von unzähligen anderen Gesichtern untermalt, von denen sich jedes einzelne wie ein Stempel in Tytus´ Kopf bohrte...Vizekönig Gunray von der Handelsföderation...Senatorin Meena Bonteri...Handelsminister Cobun Keech...unzählige Kaufleute und Kriegsprofiteure...Vertreter von Freien Planeten...bestimmt zwei Dutzend Personen...die der Bann von Destination in dieser Zeit erreichte...und in unterschiedlichen Stadien verschlungen hatte. Es war nicht das Wissen, was sie teilten, aber es war die Einsicht...Ein kalter Schauer lief Tytus nach dem anderen den Rücken hinunter...denn was sich vor ihm als ein Kreis aus Licht gebildet hatte, glich einem Kunstwerk...das immer weiter wuchs und Wuchs...ein Netz aus tausenden Augen...die alle aktiviert werden konnten. In der Zukunft...da lagen Morde...Infiltrationen...und das Rollen der höchsten Köpfe. Destination machte keinen Halt...niemand war mehr sicher vor Agent-7... „Nun. Deine nächsten Ziele stehen fest, Agent-7. In der RSB wie auch hier. Und mein Auge ruht auf dir...immer...und überall.“ Dann, von einer Sekunde auf die nächste, wurde es im Raum stockfinster...und Tytus fiel auf die Knie...keuchte...verlor den Halt...und klatschte auf den Boden.

Dunkelheit umfing den Balkroniden...es schnappte nach Luft...tastete um sich...und ließ das Beben in seinem Kopf über sich ergehen. Er sah Gesichter, verknüpft mit den Daten, die er bereits in seinem Kopf trug...er hechelte, keuchte...und fasste sich an den Kopf...er schrie innerlich nach seinen Gedanken...und fand diese lediglich in der einen Sache, die Zählte. Nur dort gab es einen Ausweg aus dem Chaos und der unendlichen Finsternis, die um ihn herum tobte. Nur sein Ziel...seine Bestimmung war es, die ihn rettete...und ihm auf die Beine half...seine Vision, sein Traum...all das, was er sich schon hunderte Male geschworen hatte...gab ihm die Kraft, seinen Rücken durchzustrecken, seine Dienstwaffe zu nehmen und mit klarem Blick durch die Finsternis zu schauen...in ein menschenleeres Büro eines Senators, dessen Hintergrund er nun kannte...Er sah herab auf Erix Benado...und vermied es, sich zu dem Mann herunterzubeugen...denn neben dem Senator lag eine kleine Kapsel...ein winziges Objekt, das Tytus noch nie zuvor gesehen hatte...doch wissend, dass unzählige Augen auf ihn schauten...richtete er seine Waffe auf den neuartigen Gegenstand...und feuerte einen Schuss ab...dieser aktivierte den Elektronenzerstäuber im inneren der Kapsel...und löste eine Welle zitternder, aber unsichtbarer Energie aus...die den gesamten Körper des Senators mit Samt der Kleidung und all seiner Utensilien...verdampfen ließ. Die Dampfwolke löste in Tytus einen Gedanken aus...nämlich den, dass sein Erster Auftrag für die RSB soeben erfolgreich beendet wurde...und er atmete langsam...und zitternd nickend aus...bevor er einen Fuß vor den anderen setzte...sein Data-Pad wieder einschaltete...und den Raum schweigend verließ.
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