Agent Ravelish - Im Dienste der Republik

GeschichteThriller, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.08.2019
08.10.2020
118
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15.08.2020 1.862
 
Kapitel 92: Das Paket

Der Feind spielte ein Spiel mit ihm. Ein Spiel, dessen ersten Schachzug er soeben erlebt hatte. Tytus spürte, wie der Schleier der Verwirrung mit einem Schlag vor seinen Augen verschwand...und wie sein Verstand, seine Fähigkeit zur Berechnung erneut die Kontrolle erlangte...wie der Innerliche Triumph wieder die Oberhand gegenüber seinem inneren Widersacher, der alten Instinkte gewann...doch Tytus wusste, dass Triumph nicht das war, was er empfinden durfte...das hatte er bereits vor sehr langer Zeit sehr schmerzhaft lernen müssen...und hatte es sich immer wieder vor Augen geführt...nun aber...war ein Zeitpunkt gekommen, dessen Stellenwert Tytus vor mehreren Minuten bereits einmal erreicht hatte...ein Etappenziel war geschafft...er war in eine nächste Ebene des Spinnennetzes vorgedrungen, das der Feind der Republik ihm in seiner nun offensichtlichen Verzweiflung entgegen schleuderte...dem Balkronide zuckte ein Lächeln über das Gesicht...auch wenn er es am liebsten mit aller Macht zurückgehalten hätte...während er ohne Zweifel merkte, dass die sein Drang nach weiterem Wissen, nach dem Erreichen der nächsten Ebene immer weiter wuchs. Denn alles, was er nun in Erfahrung brachte, half ihm bei seinen zukünftigen Missionen...und das hatte Erayn Canodair bereits zuvor gewusst...andere, ja, die Klone, Jedi, Polizisten, ja sogar viele Senatoren und augenscheinlich auch die anderen Agenten der RSB lernten durch vorgefertigte Trainingseinheiten...Tytus aber...und das hatte Erayn Canodair mit Sicherheit von Anbeginn seiner Beobachtungen auf Tytus feststellen müssen, lernte durch das schiere Aufsaugen der Umgebung. Dadurch hatte er die Ausmaße der Galaxis fühlen gelernt, nachdem er vor Monaten zum ersten Mal einen Fuß auf einen anderen Planeten gesetzt hatte...Tytus hatte nur durch seine Beobachtungsgabe aus dem wenigen Wissen, das er durch das alte republikanische Radio gehabt hatte, ein Verständnis für das Richtig und Falsch in der gesamten Galaxis gemacht...ein Verständnis, das ihm keiner mehr nehmen konnte, sobald er sein einziges selbst gesetztes Ziel erfüllt hatte. Nun war es an der Zeit, sein Wissen zu nutzen...das Wissen, das sein Feind ihm praktisch selbst in die Hände gespielt hatte. Ohne zu zögern bog Tytus in einen hohen, zum Zentrum des Senatsgebäudes führenden, mit rotem Samtteppich ausgelegten Gang ein, an dessen Ende er bereits die Büros der Menschlichen Senatoren der Kernwelten ausmachen konnte...die sein erstes Ziel waren. Er wusste noch nicht genau, wie er den nächsten Schritt gehen wollte, doch in seinem Kopf arbeitet es...die Verschwörer und Mitwisser, allen voran Senator Erix Benado wussten also, dass er hier war...und konnten sich daraus zusammenreimen, dass das RSB bereits sowohl gegründet, als auch aktiv war.  Sie wussten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, über welche Ressourcen das RSB in diesem Stadium verfügte...und das war zum einen alarmierend, zum anderen barg es eine Chance. Tytus wusste, dass er nun um jeden Preis verbergen musste, dass er bereits von den Gegenmaßnahmen wusste...er musste das tun, was ein weniger taktisch denkender, methodisch vorgehender Attentäter tun würde...nämlich als erstes die Büros der Zielpersonen auf mögliche analoge Botschaften oder Boten von Zirsk Kuluma, dem Bothanischen Geschäfts- und Kontaktmann zu durchsuchen...während er auf seinem Data-Pad eine Aufzählung der zentralen Überwachungskameras des Senatsgebäudes aufrief...und dafür sorgte, dass er ständig von mindestens einer Kamera erfasst wurde...Tatsächlich fiel ihm dabei aber schon nach wenigen Sekunden etwas auf, das seine Theorie, beschattet zu werden, eindeutig bestätigte...denn eine der Überwachungskameras, die er aus dem Augenwinkel eindeutig zwischen zwei Wandmosaiken erkennen konnte, war nicht in seiner Aufzählung verzeichnet...Während er mit schnellen Schritten durch das optische Kreuzfeuer der Kameras auf die dritte Tür auf der linken Seite zu trat, ratterten in seinem Kopf fieberhaft die Gedanken weiter...wenn sein Feind ihn hinhalten wollte, dann nur, um dadurch irgendetwas zu verhindern. Tytus durfte irgendetwas auf keinen Fall erkennen oder wahrnehmen, das schon kurze Zeit später passieren würde...und das er, wenn er der nicht auf die Hinhaltetaktik ansprang, durchaus miterleben konnte...doch was war es? Es musste etwas unmittelbar mit seinem Zielort verbundenes sein...Tytus dachte scharf nach...irgendetwas musste hier passieren…und das schon sehr bald...hinter den Türen, vor denen er nun stand, erklangen Stimmen...die Stimmen von Politikern, die in diesen Sekunden Audienzen gaben...und die darin unter keinen Umständen die Informationen erhalten konnten...was also war es? Was würde passieren? Sollte er nun warten? Er kniff die Augen zusammen, während ihm ein alarmierendes Detail im Verhalten des Zygerrianers auffiel...denn trotz, dass die Hinhaltetaktik offensichtlich nicht funktioniert hatte, war der korpulente Alien alles andere als aufdringlich gewesen...und hatte es beinahe widerstandslos akzeptiert, dass er versagt hatte...bei einem Auftrag von dieser Wichtigkeit war dies mehr als alarmierend...und ließ nur zwei Schlüsse zu...entweder, Erix Benado hatte noch einen zweiten Verbündeten, der aus dem Stehgreif ein weiteres Ablenkungsmanöver in Gang bringen konnte...oder...das Ablenkungsmanöver war erfolgreich gewesen. Tytus senkte den Kopf, als ihm in diesen Sekunden aus einer der Türen ein niedergeschlagen aussehender Trandoshaner entgegen kam...vermutlich aus einer Audienz...und vermutlich hatte der Senator keine erfreulichen Neuigkeiten für ihn gehabt...doch ein weiteres Ablenkungsmanöver war er, das weit und breit einzige andere Lebewesen im Gang...mit Sicherheit nicht. Nein. Das Ablenkungsmanöver war tatsächlich ein Erfolg gewesen...und Tytus war darauf hereingefallen...etwas war also passiert...hier...mit Sicherheit. Ohne sich etwas von diesem Rückschlag anmerken zu lassen öffnete der Balkronide mit einem seiner Codezylinder die Tür, aus der der Trandoshaner getreten war und betrat einen dahinter liegenden Vorraum, in dem zwei Senatswachen und ein Sicherheitsattaché in einer kunstvollen Kampfrobe standen...in einer Alderaanischen Kampfrobe, wie es Tytus Ravelish beim Anblick der harmonisch geschwungenen Panzerplatten sofort in den Kopf schoss. „Guten Tag. Leider muss ich Ihnen den Zutritt verwehren, Detective, aber...“, wollte der Alderaaner Tytus mit einer höflichen, gar auffällig ruhigen Geste anhalten, doch Tytus hob einen weiteren Codezylinder und entgegnete mit scharfem Ton: „Unter normalen Umständen sind Sie im Recht, niemand unangemeldeten in eine Audienz von Senator Organa zu lassen, doch ich verfüge über Ernsfallbefugnisse.“ „Ernstfallbefugnisse? Aber Detective, bei allem Respekt, aber sie dürfen den Senator nicht stören. Erst gerade...“, protestierte der Attaché, während sich langsam die Senatswachen umdrehten, doch Tytus unterbrach ihn und sah dem Alderaaner genau in die Augen:  „Was? Was ist gerade passiert?“ Der Attaché sah vorsichtig herüber zur Tür, dann sprach er mit gedämpfter, misstrauischer Stimme: „Ich...wir hatten heute schon einmal eine Störung. Jetzt gerade.“ Wissend, dass der Attaché noch keine Ahnung hatte, was gerade um ihn herum gespielt wurde, bohrte Tytus mit gezücktem Aufnahmegerät nach: „Wer, wenn ich fragen darf, hat um Zugang zum Audienzraum gebeten?“ „Gebeten wohl kaum. Die Echsen von RLW sprechen ja nicht einmal. Deswegen kann ich Ihnen auch nicht sagen, wie die Echse genau hieß, Detective. Wenn es Ihnen hilft, kann ich die Überwachungsvideos einsehen, aber ich habe ihn ohnehin nicht zu Senator Organa durchgelassen.“RLW...Recht auf Leben und Wohlstand...Zirsk Kuluma...ein Handlanger des Händlerbarons also...er hätte es wissen müssen. Aber durch das offensichtliche Unwissen des Attachés hatte er nun eine Chance, das Blatt hier und jetzt zu wenden.  Tytus kombinierte schnell und setzte ein misstrauisches, erwartungsvolles Gesicht auf, bevor er vorahnend zurückgab: „Das haben sie gut gemacht, Mister. Ich nehme aber an, dass der Trandoshaner von RLW etwas für Senator Organa zurückgelassen hat?“ „Ja. Eine Standardlieferung von RLW. Senator Organa unterstützt die Wohltätigen Organisationen mit Spenden. Dieses Paket war als Dankeschön tituliert.“ Tytus´ Mimik und Gestik zeigten in diesem Moment schneller und effektiver Wirkung als gedacht, denn getrieben von sichtlicher Angst und einer dunklen Vorahnung  rief der Alderaaner einen im Nebenraum wartenden Senatsassistenten zu sich und befahl diesem, umgehend „Das Paket“ zu holen. Tytus hielt innerlich die Luft an...er spürte, wie sein Herz zu schlagen aufhören wollte, denn mit einem Schlag war ihm die gesamte Strategie klar geworden...die Informationen wurden über einen Gehilfen geschmuggelt, der auf keiner Überwachungskamera als Anomalie im Tagesrythmus aufgefallen wäre...und den auch niemand bemerkt hätte, wäre er nicht auch mit derartiger Vehemenz aufgetreten... Was aber war die Botschaft? Und würden die anderen Senatoren sie auch erhalten? Wenn ja, wann und wie? Und wo war Erix Benado, der jederzeit neue Botschaften verschicken konnte...Tytus blies die Luft aus seinen Lungen, während der Senatsattaché für einen kurzen Moment hinter einem Vorhang verschwand...und einzig aus der Ferne die weiche Stimme von Senator Organa zu hören war... „Ja. Frieden ist mein höchstes Anliegen, Senator Verronis. Und ich bin Bereit, vieles dafür zu tun. Doch wir dürfen unsere Grundsätze auch im Krieg nicht vergessen.“ Eine andere Stimme antwortete... „Das ist löblich, alter Freund. Ich glaube aber nicht, dass die Grundsätze der Republik überleben werden. Viele von ihnen haben sich als falsch herausgestellt. Deswegen habe ich mich entschieden.“ Tytus wollte die Augen aufreißen, doch die Senatswachen schauten ihn noch immer misstrauisch an, weswegen er
seine gespielte, kontrollierte Nervosität beibehielt... „Das ist bedauerlich, Lawrion. Du weißt, dass ich dich brauche“, sprach Bail Organa seufzend und flehend. „Weißt du, Bail. Ich denke in die Zukunft. Ein Kontakt von mir verfügt über Insider-Informationen...er ist hier...er ist überall. Er kennt die Republik wie kein anderer. Und er weiß, dass sie untergehen wird. Was ich tue, tu ich für meine Heimat“, erwiderte die andere Stimme...bei der es sich nur um den Mann handeln konnte, von dem auch der Zygerrianer gesprochen hatte...einem abtrünnigen Senator, der...kurz davor war, zu den Separatisten überzulaufen...Lawrion Verronis... „Kann ich dich noch irgendwie umstimmen? Ich meine...was haben die, von denen du sprichst, was deinem Planeten gut tun wird?“ „Einfach alles, Bail. Einfach alles, alter Freund.“ Einfach alles...Tytus spürte, wie sich seine Hände bei diesen Worten zu seiner Waffe herunter tasteten, doch er unterdrückte es...und startete nur eine bildlose, einseitige Tonübertragung in die Sphäre Null, während das Gespräch noch etwas weiter ging...und das Chronometer langsam, aber sicher ablief. „Detective! Hier. Es ist ein Standard-Paket“, sprach neben ihm der Sicherheitsattaché und präsentierte ihm ein auf einem Kellnerdroiden gelagertes, kleines Paket, auf dem die Buchstaben RLW standen...der Balkronide nickte barsch und nahm das Paket an sich. „Ich lasse es auf der Stelle obduzieren. Wir führen Ermittlungen gegen RLW wegen Schmuggels und versuchtem Mord. Sollte es gefahrlos zu öffnen sein, wird Senator Organa es noch innerhalb seiner Audienzzeit zurückbekommen.“ „Das klingt vernünftig, Detective. Diese Echsen sind mir schon immer suspekt gewesen.“ Tytus nickte. „Ja. Suspekt...Dann richten sie dem Senator aus, dass ich hier gewesen bin.“ Der Attaché nickte und wies Tytus den Weg zur Tür, während dieser das Paket nur mit äußerster Vorsicht hielt...und zeitgleich die Überwachungskameras auf dem Gang mit dem Data-Pad abschaltete...doch nur kurz, für den kleinen Moment, in dem er den Vorraum in den Gang hinaus verließ...und sich unter der einen Kamera platzierte, die nicht zentral gesteuert…sondern ganz offensichtlich privater Natur war. Und dann aktivierte er Tezero...und ließ den kleinen Droiden mit dem Paket blitzschnell durch die toten Winkel der Kameras fliegen, während er selbst scheinbar Kontakt zu einem Vorgesetzten aufnahm. Keiner der wenigen Passanten bemerkte die kleine, fliegende Kugel, die das Paket hoch über ihnen auf einem Deckenvorsprung absetzte...und öffnete. Tytus´ Augen aber klebten an seinem Data-Pad, auf dem er mit angehaltenem Atem die Bilder von Tezeros Röhrenaugen sehen konnte...
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