Agent Ravelish - Im Dienste der Republik

GeschichteThriller, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.08.2019
08.10.2020
118
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14.08.2020 1.781
 
Kapitel 91: Der Bothaner

Zirsk Kuluma. Ein Name. Ein Kontakt. Eine Person. Eine, wenn auch nicht große, Akte im zentralen Datenspeicher der Sphäre Null. Endlich, nach einer erschreckend langen Zeit, in der er sich selbst am liebsten wegen seiner Instinkte ausgepeitscht hätte, ja, in der er alles wegen eines einzigen, durchaus aber großen, Problems aufs Spiel gesetzt hätte. Wegen eines Gegensatzes, der in ihm zu nichts geführt hatte, als zu Verwirrung und Angst...zwei Dinge, von denen Agent Tytus Ravelish in diesem Moment des innerlichen Triumphes nichts wissen wollte. Vor ihm erstreckte sich ein langer, mit rotem, sündhaft teurem Samt ausgekleideter Gang, in dessen Wand der Fahrstuhl selbst für das geneigte Auge beinahe unsichtbar und unglaublich harmonisch eingearbeitet worden war. Dieser Gang war Teil des Senatsgebäudes. Teil des mächtigsten Gebäudes der gesamten Galaxis, dessen Plenarsaal alleine schon Tytus Ravelish den Atem geraubt hatte. Dessen silbrig glänzende, unzählige Hektar messende Außenhülle es wie einen halben Planeten aussehen ließen, erbaut als Monument der galaktischen Einigkeit. Tytus spürte, wie ihn ein Hochgefühl zu packen drohte, ein Gefühl des Stolzes, das in eklatantem Gegensatz zu dem stand, was er wenige Minuten zuvor gespürt hatte...doch er unterdrückte es ebenso, wie er zuvor all das Chaos in sich unterdrückt hatte...denn so sicher die Mauern dieses Gebäudes auch schienen, so viele kunstvolle Malereien, Symbole und Artefakte um ihn herum von der Einigkeit der Galaxis zeugten, so sehr wusste der Balkronide, dass die Wahrheit anders aussah...sonst wäre seine Aufgabe ebenso wie die gesamte RSB wohl nie erschaffen worden. Die Wahrheit sah so aus wie die Person, deren behaarter, langschnauziger Antlitz in Form eines kleinen, verschlüsselt wiedergegebenen Piktogrammes über Tytus´ Data-Pad flimmerte. Zirsk Kuluma. Leiter der als solche deklarierten wohltätigen Organisation „Recht auf Leben und Wohlstand“, die unter dem Kürzel RLW in der Datenbank ZEKOM registriert und mit einer Reihe an Akten der Coruscant-Polizei verknüpft war. Auch wenn die Akten teils unvollständig und der Eile für Tytus nicht einzusehen waren sprach alleine ihre Existenz eine deutliche Sprache...Tytus öffnete zielgerichtet zeitglich zur Akte einen Lageplan des gewaltigen Senatsgebäudes, in dem auch die Daten der aktuell aktiven Überwachungskameras verarbeitet wurden. Tytus vergewisserte sich mit einem kurzen Blick, dass Eingang 3 der Sphäre Null so konstruiert worden war, dass die Anzahl möglicher Passanten so gering wie möglich war, bevor er mit schnellen Schritten in einen gediegen gestalteten, ostwärts vom Fahrstuhlgang wegführenden Trakt einbog, in dem er lediglich am Ende zwei, wahrscheinlich in Sachen RSB gebriefte Angehörige der Senatswache erspähte, die in diesen Sekunden von einem gelbhäutigen Würdenträger um Auskunft gebeten wurden. Tytus dachte scharf nach, während er an einer Reihe von deckenhohen, prunkvoll verzierten Türen vorbei durch den Gang trat, der laut des Lageplans auf direktem Wege in Richtung der Kernweltenbüros führte...er wusste, dass er eine Spur hatte...die leicht, gar zu leicht zu finden gewesen war...ein Bothanischer Geschäftsmann, dessen Organisation auf den Zahlungsprotokollen aller Senatoren aufgeführt war...und mit dem alle Zielsenatoren regelmäßig auf diversen Überwachungsvideos erschienen...Instinktiv suchte Tytus Ravelish den aktuellen Standort von Zirsk Kuluma...ebenso wie den aktualisierten Standort von Senator Erix Benado...und konnte sich das Ergebnis der Suche bereits während diese noch im Gange war, ausmalen...negativ...die letzten Registrierungen der beiden Personen lagen 3 beziehungsweise 5 Stunden zurück... viel zu lange, um noch irgendwelche Rückschlüsse auf ihren aktuellen Standort zu treffen. Nein... Tytus wusste, wofür er seine Fähigkeiten hier und jetzt brauchte...er musste nachdenken...logisch kombinieren...und das schnell und erbarmungslos effektiv, denn sein Chronometer lief ab...ebenso, wie die Wahrscheinlichkeit, dass die Informationen über die RSB noch nicht auf irgendeinem Wege zu Bail Organa oder einem seiner Verbündeten gelangt waren...er musste noch subtiler denken...musste den Hintergrund der Beziehungen zwischen den Senatoren und diesem Bothaner verstehen...denn sie waren der Schlüssel zur Kommunikation zwischen ihnen... Tytus hob das Data-Pad erneut unauffällig, während er seine Augen mit gespieltem Interesse auf die zwei bronzenen Statuen richtete, an denen er mit schnellen, aber nicht gehetzt aussehenden Schritten vorbeitrat...und die offenbar einem Senator oder einem Attaché von einer der unzähligen Bergbauwelten gehörte...denn sie zeigten leicht bekleidete, unglaublich muskulöse Arbeiter, auf deren Rücken gewaltige Kisten geschnallt waren...die Mimik der Arbeiter ließ auf entsetzliche Qualen hindeuten, die sie in der Mine durch litten hatten... und dennoch ertrugen sie die Qualen mit stiller, stolzer Würde...denn sie taten es für die Republik...Tytus konnte sich ein anerkennendes Nicken nicht verkneifen, während er die letzten bekannten Treffpunkte der Senatoren mit Zirsk Kuluma recherchierte...ohne einen nennenswerten Treffer zu erzielen...denn Zirsk Kuluma bevorzugte es offenbar, seine wohl eingerichteten Apartments nur äußerst selten zu verlassen...auch eine rasche Analyse der möglichen von ihm verwendeten Kommunikationswege ergab keinen Treffer... Dann aber durchzuckte Tytus Ravelish beim Anblick der beiden Statuen die Erkenntnis...„Oh, Inspektor! Gefallen Ihnen unsere neuen Schmuckstückchen?“, gurgelte eine hörbar genießerische Stimme im selben Moment hinter Tytus´ Rücken. Instinktiv konzentrierte dieser all seine Gedanken auf die Rolle, die er nun zwingend spielen musste...und rief mit einem rettenden Wischen über das Display die dazugehörigen Daten auf, die seine Augen in panischer Geschwindigkeit überflogen und in seinen Kopf hinein katapultierten. „Ja. Durchaus. Auch wenn ich mich nicht mit solch archaischem Kunsthandwerk auskenne, sind sie zweifelsohne Hingucker“, hauchte er und drehte sich dabei langsam um seine eigene Achse, während er sein Lauftempo zwangsgedrungen herunter fuhr. „Ja. Als solche sind sie auch gedacht. Wissen sie, Inspektor“, setzte die Gurgelnde Stimme zufrieden wieder an, bei deren Besitzer es sich um einen Zygerrianer, einen leicht rundlichen, mit langen Ohren und einer spitzen Nase versehenen Alien handelte, dessen prunkvolle Kleidung mit unzähligen kleinen Motiven verziert war, „bei der aktuellen Diebstahlwelle haben wir zuerst damit gehadert, unsere Schätzchen auszustellen, aber wenn Sie Ihre Arbeit machen, dann ist ja alles gut.“ Tytus sah dem Zygerrianer  nicht direkt in die Augen, sondern ließ seinen Blick augenscheinlich auf den Statuen hängen...er durfte auf keinen Fall auf sein Data-Pad sehen, sonst wäre seine Tarnung schon zu einem so frühen Zeitpunkt in derartig akuter Gefahr... „Auf uns können sie vertrauen, Mister...“ „Qale Pacuthys. So nennt man uns hier geschmackvoll“, gurgelte der korpulente Alien und deutete eine knappe Verbeugung an, bevor ihn ein Blinken auf seinem Arm aus dem wohl inszenierten Schauspiel brachte, das Tytus absichtlich im selben Moment abbrach, um sich mit einer ebenso knappen Verneigung eine augenscheinliche Verabschiedung anzudeuten...und sich umzudrehen... „Freut mich sehr. Geschmack kennen schließlich nicht alle Senatoren, Mister Pacuthys“, erwiderte er, während sich in seinem Kopf ein weiteres Gedankenkonstrukt bildete...nämlich das der Person, die ihn aus heiterem Himmel angesprochen hatte...ihn, einen Polizisten...warum hatte Pacuthys es getan? Und was trieb ihn in diesen Sekunden an? Irgendetwas stimmte nicht...denn Zygerrianer waren in seinem Kopf als alles andere als Republiktreu abgespeichert worden...in Tytus Ravelish schrillten in diesem Moment alle Alarmglocken... „Ja. Nicht wahr? Wir sind sehr stolz. Ich kann Ihnen noch mehr Exponate zeigen.“ Tytus schüttelte mit einem barschen lächeln den Kopf...auch wenn er innerlich vor Wissensdrang kochte...denn sein Data-Pad sprach, während der Zygerrianer auf seinen Arm starrte, eine eindeutige Sprache...Qale Pacuthys. Verwaltungsassistent im Dienst von Senator Verronis. „Ich habe wenig Zeit, die Ermittlungen rufen. Doch was wir tun, ist in Ihrem Interesse, Mister. Nehmen Sie es nicht persönlich, aber die Pflicht geht vor.“ Senator Verronis. Regierungskritiker. Bündnisse zur Handelsföderation wahrscheinlich. Unter Polizeilicher Beobachtung. Der Zygerrianer biss die Lippen zusammen und erwiderte ohne zu zögern: „Wir hätten uns sehr gefreut. Aber sie müssen ja wissen, Agen...Inspektor.“ Die letzten Worte, ja auch den kurzen Versprecher hatte der Verwaltungsassistent beinahe verschluckt...und trotzdem lief Tytus Ravelish ein kalter Schauer den Rücken hinunter. „Sie sollten bei Gelegenheit auch dem Senator einen Besuch abstatten.Er würde sich sehr freuen, die Bekanntschaft eines Kunstliebhabers zu machen“, waren die letzten Worte, die der Zygerrianer Tytus noch hastig hinterher warf, bevor er eine schmale Tür an der Wand öffnete und in einen angrenzenden, offensichtlich nur schwach beleuchteten Raum eintrat... Tytus drehte sich noch einmal instinktiv um...und rang mit seinem eigenen Verstand...denn es war nicht...nein...überhaupt gar nicht möglich, dass dieser Zygerrianische Verwaltungsassistent auf irgendeine Weise wissen konnte, dass er den Titel „Agent“ trug...zunächst hatte er dem Zygerrianer noch durchschnittliche Senatskriminalitäten und insbesondere einen mit den beiden Statuen verbildlichten Sklavenhandeln zugetraut, der unter Zygerrianern nicht unüblich war...doch nun...weitete sich das Feld der Möglichkeiten auf eine so gefährliche Breite, dass es Tytus erneut kalt den Rücken herunter lief. Seine Hände wollten zu zittern beginnen, denn hinter dem Gespräch konnte sich alles
verborgen haben...die Worte des Zygerrianers hallten in seinem Kopf wieder...wie ein Echo, das er kannte...ein Echo, das ihn an etwas erinnern sollte...langsam ging er weiter und weiter in den Gang hinein und passierte dabei die Senatswachen, die beide auf dezente Weise vor ihm salutierten, wie es offenbar die Rangordnung vorsah...der Balkronide ließ sich zwar unter großen Anstrengungen nichts anmerken...doch in seinem Inneren packte ihn wieder und wieder das, was er um jeden Preis vermeiden wollte...Angst...Instinkte...Ablenkung...er wusste, dass der Zygerrianer in etwas verstrickt war, in das er selbst hätte hineingezogen werden sollen...und auch, dass er es schaffen konnte…und musste, dem auf die Spur zu kommen...doch er zwang sich wieder zu seinem Auftrag zurück...zu diesem Bothaner...Zirsk Kuluma...und seiner Organisation, dir den Schlüssel zu alldem darstellen musste...Recht auf Leben und Wohlstand...ein verräterischer Name, ebenso trügerisch wie die Fassade des Gebäudes...und die des Zygerrianers. Er recherchierte erneut, doch ihm kamen zwei Diener entgegen, die einen Blick auf das Data-Pad unmöglich machten...er spürte, wie er sich umdrehen wollte...wie sein Kopf nach einer Lösung schrie...wieder nach Konzentration...wie Zeitgleich das Chronometer und seine eigenen Möglichkeiten abliefen...wie sich etwas um ihn herum zusammen braute, das er nicht sehen konnte, doch das immer wieder kam...und das sich langsam aufbaute...er kombinierte fieberhaft, während sein Körper die Passanten mit lockeren Gesten grüßte...und dann...kam ihm wieder der Geistesblitz, der ihm vor wenigen Minuten auch schon einmal gekommen war...nämlich der, dass er, um das Chaos und den Sumpf, die seiner ersten Mission zugrunde lagen, entwirren und durchschauen zu können, nicht weiter kommen würde, wenn er die Daten und Fakten durchforstete und eine Erklärung in seinem Wissen suchte...nein. Er musste einen Schritt zurück gehen...und eiskalt all das vergessen und außer Acht lassen, was er mit Daten belegen konnte...er musste seinen Feinden...den Feinden der Republik...in den Kopf schauen...und verstehen, was sie antrieb...was sie wissen konnten...und wie sie dieses Wissen nutzen würden...dadurch...ergab es nämlich plötzlich Sinn, dass der aus heiterem Himmel erschienene Zygerrianer ihn hinhalten und aufhalten wollte...und dazu noch seinen Titel kannte...
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